Posts Tagged ‘Traumatherapie’

Ist es die richtige Therapeutin?

23. Oktober 2016

Irgendetwas stimmt nicht, wenn ich nach einer Therapiestunde, kaum Zuhause, zusammenbreche. Mir ist an der Therapeutin aufgefallen:
Immer sitze ich trotz Termin noch eine Stunde im Wartezimmer….so viel zum Thema, dass WARTEN einer meiner größten Trigger ist.
In wirklich jeder Stunde beschwert sie sich über mein Verhalten.
„Winken sie nicht ab, ich wollte auch was dazu sagen!…Die Kleinen sollen sich hier raushalten, sich nicht äußern. Das übernehmen sie als Erwachsene! …Sie denken nach, anstatt mir zu sagen, was genau in der Sekunde durch ihren Kopf geht, oder was in ihrem Körper passiert! So geht das nicht!“ ….usw.
Sie wirkt oft beleidigt, tw. wütend.

In meine Sprache übersetzt: Ich bin nicht so, wie sie mich haben will.

Halleluja! Das Schlimmste aber: Auch wenn sie mir das Gefühl vermittelt, sie verstehe die Zersplitterung in mehrere Anteile…aber mit den Anteilen zu arbeiten lehnt sie ab! Sie meint immer: „Die anderen, das sind ja in Wirklichkeit sie!“ Daraus höre ich, dass eine wirkliche Akzeptanz der Anteile nicht da ist. Ja wie soll denn Therapie gehen? Ich sitze da, und versuche alles zu kontrollieren, um der Thera gerecht zu werden. Schätze, dies ist genau der falsche Weg. Da baut sich Druck und Anspannung auf, und Vertrauen entsteht gar nicht erst. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Alles dazu habe ich ihr schon gesagt, aber….nichts ändert sich. 21 Stunden sind nun um. Mit ihr einen Neuantrag stellen? Was sagt ihr?

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Verstrickt – die Kunst des Loslassens

5. August 2016

Was für eine Last!

therapeutenseele

Für die Eisprinzessin, die nur in sich selbst das finden kann, was sie im Anderen sucht.

Meine Supervisorin schaut mich mitfühlend an: „Sie werden keinen herrschaftsfreien Dialog hinbekommen. Sie können nicht mit einer ehemaligen Klinikpatientin nach deren Entlassung privat in Kontakt bleiben, das funktioniert nicht.“ Ich schlucke, weiß nicht, was ich antworten soll. Klar ist mir das ja auch, irgendwo tief im Inneren. Aber. 1000 Gedanken, warum es doch gehen könnte, warum in diesem Fall alles anders ist. Gleichzeitig 1000 Argumente, warum es eben nicht gehen kann, warum meine Supervisorin recht haben könnte mit dem, was sie sagt. Ja, was mach ich denn jetzt DAMIT?! Bevor ich weiter darüber nachdenken kann, stellt sie mir schon die nächste Frage, jetzt weniger mitfühlend, eher forschend-interessiert: „Was ist es denn, was Sie da nicht loslassen können?“ Ja, wenn ich das wüsste. „Ich weiß nicht,“ sage ich leise, „generell kann ich eigentlich ganz gut loslassen.“ Nur hier eben nicht. Und…

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Das Kind und die Schuld

2. August 2016

Seit ein paar Wochen arbeite ich an diesem Thema, und es schmerzt, verdammt nochmal!

Ohne viel Worte zeige ich Folien von Michaela Huber:

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Und heute kämpfe ich darum, meine Schuldgefühle abzulegen, das Unrecht zu erkennen, und die Verantwortung auf den „richtigen Tisch“ zu packen!

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Warum können wir Worte niemals wörtlich nehmen?

19. Juni 2016

19.6.16

„Stellen Sie sich bitte ein Glas hin, während Sie auf mich warten!“

Zum wiederholten Mal gesagt. Aber ich wage es nicht, in einem fremden Raum etwas anzufassen. „Warum haben Sie sich kein Glas genommem?“
„Ich habe keinen Durst! Und hätte ich Durst gehabt, wäre ich aufs Clo gegangen, und hätte am Wasserhahn getrunken.“

Man meint, es sei ein einfacher Dialog. Aber was mir dann gespiegelt wird….halleluja! Und dann setzten die Erinnerungen ein, ich erkannte die Zusammenhänge.

Wo ich anfangs dachte: Warum meckert die immer so?, erkenne ich, dass es die erste Thera ist, die mein Denken, mein Verhalten spiegelt, damit ich mein verqueres Agieren verstehe, und das nach 12 Jahren Therapie und etlichen Thera’s.

In dieser Stunde, Sunden danach, den Tag danach weinten wir ununterbrochen.
Wieder ins Bewusstsein zu kriegen, wie wir als Kind erlebten, fühlten…Scheiße!
Ich fasse zusammen:
– Warum hinterfrage ich jedes gesagte Wort?
– Warum suche ich einen Haken, wenn mir jemand etwas Gutes will?

Angst war mein Dasein, jede Stunde, jeden Tag, 16 Jahre lang.
Immer auf der Hut, in völliger Anspannung musste ich jeden gehörten Satz hinterfragen, deuten, jede Tonlage erkennen….nur…nur um herauszufinden, ob ich mir eine „Ruhephase“ vor der Angst gönnen kann.
Und selbst dies war unsicher, denn nie konnte ich etwas als Gegeben annehmen, stets kippte die Stimmung der Eltern von einer Sekunde auf die andere, und ich war ohne Vorwarnung den Schlägen ausgesetzt.
Auf Worte konnte ich mich nie verlassen.
Meine Gedankenkreisel als Kind waren Tag und Nacht:
Warum hauen die mich?
Was hab ich denn getan?
Warum bin ich denn schlecht?
Warum, warum, warum?

Fragen über Fragen meine ganze Kindheit über.
Antworten?
Antworten gab es niemals!

Zu niemanden konnte ich gehen, mich anvertrauen.
Bei der Geburtsfrau mal anlehnen, Sicherheit suchen? Kannte ich nicht, gab es nicht, erinnere mich nicht einmal an einen liebevollen Blick.

Ein Mädchen, dass kein Vertrauen, keine Geborgenheit, erst recht keine Sicherheit erlebt hat, niemals. Niemals!

Das war ich. Ein Mädchen, deren jede Pore vollgestopft war mit purer Angst! Jahr für Jahr nur Angst!!!!!!

Warum soll ich heute glauben können, dass irgendjemand mir wirklich gerade etwas Gutes sagt, oder etwas Gutes will?
Woher soll dieser Glaube kommen? Selbst in unserem Erwachsenenleben konnten wir diese Erfahrung nicht so machen, als dass sie nur ein einziges Mal stetig war, glaubhaft. Immer kamen böse Konsequenzen.

Im Heute suchen wir also noch immer nach dem Haken! Suchen nach Bedingungen, die dann eingefordert werden, versuchen wir den Tonfall zu analysieren….Summasummarum: Wir gehen von vornherein in Abwehrstellung um uns zu schützen, und das, obwohl die Kindheit fast 40 Jahre her ist.

Darauf sehen zu müssen, dass ein kleines Mädchen so leben musste, so aushalten musste……tut verdammt weh. Erst recht die Erkenntnis: Das war ich!

Kein Wunder, dass alles aus uns heraus weint und weint.
Ist das Trauer? Endlich? Fängt damit die Verarbeitung an?

Wenn plötzlich mehrere Anteile nach außen drängen

6. Juni 2016

6.6.16

Zurückerinnern, wann ich diesen Zustand zum ersten Mal bewusst fühlte, fällt schwer. Aber mindestens das letzte Jahr begann diese Art …. na ich nenne es mal Stress.
In den Zeiten (manchmal wochenlang) höchster innerer Anspannung reicht eine Kleinigkeit und mein Körper will mit Zucken beginnen. Tut er auch, wenn ich allein bin und ich es nicht unterdrücke. Dann erst höre ich im Innen lauter Stimmen, alles redet durcheinander. Einiges verstehe ich, anderes kommt nicht mal in Sätzen an. Ab diesem Moment kann ich im Kontakt mit Menschen dem Gespräch nicht mehr folgen, kann die nötige Konzentration einfach nicht aufbringen. So ein paar Minuten kann ich das Ganze verbergen, dann aber muss ich gehen, weil ich keine Kraft mehr habe, das, was da mit mir passiert, zu verstecken.
Ich habe das Gefühl, als wolle jeder (mind. 5) zu seinem Recht kommen, im Außen zu sein. Sie schieben, schubsen, drängeln. Ich habe dann das Gefühl, als wolle jede Gliedmaße in eine andere Richtung, im schnellen Wechsel. Ich bin ein zuckendes Etwas, wirr in den Gedanken. Und wenn da aber noch dazu die Gefühle jedes einzelnen dazukommen….Halleluja. Im schwierigen Traumabearbeitungssetting erlebte ich schon bis zu 30 Anteile gleichzeitig. Mittlerweile weiß ich, dass sie im annähernd gleichem Alter sind, und die gleichen Traumata haben. Warum sie so drängen weiß ich auch mittlerweile. Es sind die Meinwesen, die ich noch nicht kenne, die sich aber gezeigt haben bei Traumaexposition zu einem jeweils gleichaltrigen bekannten Anteil.

Ein Introjekt als Albtraum

4. Juni 2016

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8.6.16

Das Mäuschen im Wolfspelz

Jahrelang wurde ich im Inneren beschimpft und genötigt. Musste mir Dinge anhören wie:
„Du gehörst auf den Müll! Bist weniger als der Dreck unter Fingernägeln! So was wie dich braucht kein Mensch! Warum springst du nicht endlich? Mach dem Ganzen ein Ende, ist besser so für den Rest der Welt! Sieh dich doch an, du fette Kuh! Wage es ja nicht dich gut zu fühlen! Halt ja die Fresse, ich warne dich! Wenn du auch nur ein bisschen verrätst, ich warne dich!…usw., usw., usw.!!!!!!!!“

Kam ich der inneren Stimme nach, indem ich mich einigelte, mich selbst wegschloss, mich vollstopfte mit Lebensmitteln, Kontakte vermied oder känzelte….ließ er mich in Ruhe.
Aber wehe ich versuchte Bindung aufzubauen…dann wurde das Täterintrojekt aktiv, störte meine Kontaktversuche mit Kopfschmerzen, oder lautem Dazwischengerede, was mir die nötige Konzentration auf das Gespräch raubte.
Am Einfachsten fiel es ihm aber, mich mit Worten runterzumachen, mir jeden zaghaften Versuch, ein Selbstwertgefühl zu entwickeln, zu unterbinden.
Ein Mann Anfang Dreißig, boshaft, abwertend, drohend, angsteinflößend….so sah ich ihn in mir.
Eine Traumasitzung torpedierte er schon aktiv, und danach schien er im Inneren alles klein zu schlagen, verwüstete unser Haus, brüllte rum. Angst machen wollte er uns – und schaffte dies auch. Das war vor rund zwei Jahren.

Und dann vor einem Monat eine EMDR-Sitzung zu diesem Täterintrojekt, dem VERLEUMDER, wie er seit Jahren heißt. Ziel der Sitzung war, mich von meinem Selbstmordwunsch abzubringen. Perspektivwechsel nennen die Psych. das.

Für mich war es eine grauenhafte Sitzung.
An die Details kann ich mich nicht mehr erinnern, schließlich wurde er ja befragt…anfangs.
Dann war da irgendwann die Frage: „Was ist los? Wo sind sie gerade? Was sehen Sie?“
Ich sah nichts, ich roch! Ich roch den ekligen Gestank von kochenden Babywindeln. Und dann war ich in der ersten Wohnung meiner Kindheit, und ich fühlte aus mir heraus plötzlich jemand anderen. Was heißen soll, dass ich switchte.
Die Thera holte den erwachsenen Anteil dazu und fragte nach, denn ich zitterte plötzlich, rückte von ihr ab. Sie fragte, was der Verleumder sich von mir wünscht.
-“ Nähe zu anderen Menschen ist verboten! Wage es bloß nicht, du gehörst nur mir! Reden ist erst recht verboten! Wenn du auch nur ein Sterbenswörtchen zu jemanden sagst, dann schlage ich dir den Schädel ein!“

Sie schrieb alles auf Zettel, legte sie vor mir auf den Boden, und fragte wieder und wieder nach dem Grund!

Buha, das war wohl zu viel.
Plötzlich war ich 6 Jahre alt und starb vor Angst.
Wie ich auf die Thera wirkte, oder was da genau passierte, kann ich nicht sagen. Nur eines wurde mir bewusst: Sie versuchte immer wieder tröstend meine Hände zu greifen, ich dagegen fühlte dies mit Todesangst, schrie NEIN und weinte, zog meine Hände immer weg.
In mir drin ein Gefühl: „Wenn du das erlaubst, bist du tot!“
Wollte weiter weg von ihr rücken… ging nicht, da war die Wand.
Ich schrie sie an, dass sie weiter weg gehen soll, was sie dann auch tat.

Dann habe ich Lücken in der Erinnerung. Ich weiß nur noch, dass irgendwann ein riesengroßes Entsetzen in mir aufstieg! In mir, der Mutter eines eigenen Kindes…Entsetzen darüber, dass ein 6 jähriges Kind aus Todesangst Zuwendung ablehnt. Das Wort Entsetzen reicht dafür gar nicht aus, finde aber kein anderes.
Und der zweite Schlag war die Erkenntnis, dass hinter dem erwachsenen Täterintrojekt VERLEUMDER, diesem grausigen Mann in meinem Inneren, ein 6jähriges Kind steckt, ein eingeschüchteter, vor Todesangst schlotternder Junge.

Ich weiß nicht, ob Außenstehende nachvollziehen können, was da in meinen Gefühlen abging. Ungeheuerlich!

Erinnern tue ich mich auch noch an die völlige Hilflosigkeit der Thera, dass sie nichts weiter tun konnte, als wegzurücken.
Sie hatte ja eigentlich mit der Sitzung auch vor, dem Introjekt eine Neuerfahrung anzubieten. Tja, er wollte aber nicht aus Angst.
Aber …. Profi wie sie ist, sprach sie dann mit dem kleinen Jungen, fragte, was er sich wünschen würde.
„Wegfliegen, ganz schnell wegfliegen, in die Wolken hoch!“
„Mit wem willst du fliegen? Wer soll dich da raus holen?“
„Ein riesengroßer Adler“ kam als Antwort.

In dieser Sitzung wurde nichts „verraten“, kein Grund genannt für die Drohungen. Nichts kam als irgendeine Erinnerung dazu, nichts.                                                        (später: fremde Schreie)

Tage später bekam der Junge seinen Wunschnamen Florian. Weil er so flink ist, dürfen wir ihn Floh nennen. (Jetzt wisst ihr, warum ich ein Adlerfoto gepostet habe. Der Adler ist Florians innerer Helfer.)

Was dann später im Innen alles noch so seinetwegen passierte, und wie wir uns langsam annähern, dass schreibe ich ein anderes Mal.

Für wen ist EMDR geeignet?

31. Mai 2016

Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) wurde in den 80er Jahren von Francine Shapiro als traumazentrierte Psychotherapie entwickelt. Heute wird die Methode zur Behandlung einer PTBS nicht isoliert, sondern meist im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans (Berger, 2004) angewendet.

Einsatz findet sie sowohl bei akuten Monotraumata wie Unfällen, Gewalterfahrungen, Vergewaltigungen etc., als auch bei traumatischen Erlebnissen, die bereits einige Jahre zurückliegen.

Es sollte abgeklärt werden, ob nicht auch gleichzeitig eine dissoziative Störung vorliegt, da hierbei der Klient durch EMDR retraumatisiert werden kann, d.h. nur überschwemmt von angstmachenden Bildern und Gefühlen.

Bei der Traumabearbeitung ist es wichtig darauf zu achten, dass Betroffene ausreichend stabilisiert sind, um sich mit den Erinnerungen und den dazugehörigen Beschwerden (PTBS , Akute Stressreaktion ) konfrontieren zu können.

Ein zu früh begonnene und nicht ausreichend professionell durchgeführte Konfrontation kann zu einer Retraumatisierung führen.

 

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EMDR = Eye Movement Desensitization and Reprocessing

30. Mai 2016

Zitat aus dem Netz:

„Eye Movement Desensitization and Reprocessing, kurz EMDR, ist eine von Francine Shapiro in den USA entwickelte Behandlungsmethode für Trauma-Betroffene aus dem Bereich der Psychotraumatologie.

Bei EMDR regt der Therapeut den Patienten nach strukturierter Vorbereitung zu bestimmten Augenbewegungen an, wodurch es möglich werden soll, unverarbeitete traumatische Inhalte zu verarbeiten.

Inhaltsverzeichnis

1 Abgrenzung

2 Entstehung

3 Wirkungsweisen und Hintergründe

4 Ablauf

5 Gefahren

6 Wissenschaftliche Anerkennung
1. Abgrenzung

Trotz oberflächlicher Ähnlichkeit, etwa durch die angeleitete Augenbewegung, ist EMDR nicht mit Hypnose zu verwechseln. Es soll keine Veränderung des Bewusstseinszustandes, sondern vielmehr eine Integration der mit dem Trauma verbundenen Emotionen und Empfindungen erreicht werden.

2. Entstehung

Francine Shapiro hatte die Idee zur Erprobung und Untersuchung dieser Methode zufällig beim Spazierengehen im Park. Sie bewegte die Augen hin und her und erlebte eine deutliche Entlastung von Ängsten und depressiven Gedanken im Zusammenhang mit der bei ihr diagnostizierten Krebserkrankung.

3. Wirkungsweisen und Hintergründe

Nach einem Trauma kann es zum sogenannten „Sprachlosen Entsetzen“ (speechless terror) kommen, d. h. in der rechten Hirnhälfte werden Bilder prozessiert, die der Patient vor Augen hat, während das Sprachzentrum aktiv unterdrückt wird. Der Patient kann das Geschehene so nicht in Worte fassen, wodurch nachfolgend eine Verarbeitung des Erlebten erschwert wird. Es gibt bereits eine Vielzahl von Studien, die die Wirksamkeit von EMDR belegen und versuchen, die Wirkungsweise zu ergründen. Es wird angenommen, dass durch die bilaterale Stimulation mittels bestimmter Augenbewegungen (oder auch akustischen oder taktilen Reizen), eine Synchronisation der Hirnhälften ermöglicht wird, die bei der posttraumatischen Belastungsstörung gestört ist. Erklärend wird auch Bezug genommen auf eine Schlafphase, bei der starke Augenbewegungen stattfinden und zugleich ein erhöhter Verarbeitungsmodus des im Alltag Erlebten vermutet wird.

4. Ablauf

Das eigentliche Durcharbeiten der belastenden Inhalte, durch Augenbewegungen oder andere Stimulationsarten, ist dabei ein recht später Schritt im Therapiemanual.

Anamnese:

Zunächst muss eine genaue Anamnese erhoben werden, bei der z. B. die traumakompensatorischen Bewältigungsversuche des Patienten erfragt werden. Auch muss zuvor abgeklärt werden, ob gleichzeitig eine sogenannte dissoziative Störung vorliegt (hierbei werden Teile des eigenen Erlebens ausgeblendet/aktiv unterdrückt).

Stabilisierung:

Die Stabilisierungsphase dauert je nach Lage der Ressourcen oft sehr lange. Besonders bei einer dissoziativen Störung muss als vorrangiges Therapieziel zunächst eine Grundstabilisierung des Patienten erreicht werden, die die Fähigkeit des Patienten stärkt, sich der Traumathematik vorsichtig und dosiert zu nähern und sich vor einer möglichen ungesteuerten „Überflutung“ mit belastendem Erinnerungsmaterial aktiv zu schützen.

Auch hierbei kann EMDR hilfreich sein, z. B. durch eine mittels angeleiteter Augenbewegung erfolgreichen Verankerung positiver Imagination wie „der innere sichere Ort“ oder „der innere Tresor“ nach Dr. Luise Reddemann.

Bewertung:

Einer einzelnen ausgewählten Erinnerung, also einem „einzelnen Bild“, das den belastetsten Teil einer Traumathematik darstellt, wird vom Patienten eine aktuell zutreffende negative Kognition, (z. B. „ich bin hilflos“) zugewiesen sowie auch eine positive, die er in Zukunft damit verbinden möchte (z. B. „ich kann heute etwas tun“ – was dann als eine Ressource zu verstehen ist). Die an dieser Stelle eingeschätzte Belastung der Situation soll im folgenden Bearbeitungs-Prozess sinken.

Desensibilisierung:

In dieser Phase wird die Traumabearbeitung durch die Augenbewegungen begleitet. Während an die Traumathematik gebundene Energie freigesetzt wird, kommt es häufig zu unterschiedlichsten sogenannten Abreaktionen (wie z. B. Weinen, heftiges Atmen, Übelkeit u. a.), die erinnerte Situation verliert so ihre emotionale Aufladung.

Zur Bearbeitung einer Traumathematik sind meistens mehrere EMDR-Sitzungen nötig. Einflechten von sogenannten Ressourcen z. B. „hilfreiche innere Wesen“ oder „ideale innere Eltern“, die zuvor z. B. mit Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie installiert wurden unterstützt oftmals diese Phase.

Verankerung:

Empfindet der Patient bei der erinnerten Situation keine Belastung mehr, wird die positive Kognition nochmals überprüft und mit Augenbewegungen verankert.

Körper-Test:

Alle Missempfindungen zur erinnerten Situation sollten bei einem kompletten Abschluss der Sitzung verschwunden sein.

Abschluss:

In der Besprechung zum Abschluss der Sitzung wird der Patient auf das „Nachprozessieren“ (z.B. in Träumen) hingewiesen. Es bringt eventuell neues Material für weitere Sitzungen hervor und sollte in einem Tagebuch festgehalten werden.

5. Gefahren

Die Behandlung dissoziativer Störungen sollte erfahrenen Traumatherapeuten vorbehalten bleiben, da der Patient sonst gefährdet ist, im Zuge der Behandlung retraumatisiert zu werden, das hieße, erneut überschwemmt zu werden mit den angstmachenden Gefühlen. Der Patient würde dann die auslösende Situation ungeschützt noch einmal durchleben. Dann würde die Traumatherapie mehr schaden als nutzen: die Symptome könnten sich vertiefen – möglicherweise in bedrohlichem Ausmaß, eine weitere Behandlung wäre erschwert. Eine sorgfältige Vorbereitung und Abklärung von Komorbiditäten (gleichzeitig vorliegender anderer Erkrankungen) ist bei der Traumatherapie also sehr wichtig.

Wichtig ist auch die Abklärung der damaligen Bewältigungsstrategien des Traumas, da auch diese durch das EMDR getriggert werden. Wenn z. B. damals nach dem erlebten Trauma suizidale Tendenzen bestanden, können diese auch nach der EMDR-Sitzung reaktiviert werden, über diese Verbindung muss der Patient vorher aufgeklärt werden.

6. Wissenschaftliche Anerkennung

Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie verabschiedete in der Sitzung vom 6. Juli 2006 ein Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen. Gemäß diesem Gutachten kann die EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen bei Erwachsenen als wissenschaftlich anerkannt gelten.“

Spezialstation PTBS – EMDR Therapie Göttingen Asklepiosklinikum

7. Februar 2016

Leider muss ich im Voraus sagen, dass alle Persönlichkeitsstörungen, deren PTBS behandelt werden soll, dort gut aufgehoben sind, außer die der Dissoziativen Identität (multiple Persönlichkeit)!!!!!!!
Zwar wird dort super mit dem inneren Kind gearbeitet, aber Erfahrungen im Umgang mit Multiplen hat dort keiner wirklich. In Krisen wurde ich dort nicht bestmöglich versorgt, weil das Personal nicht den Unterschied kennt zwischen dissoziativem Symptom und Switch. Teilweise verschlimmerte sich dadurch mein Zustand.

Aber diese Station ist wirklich super geeignet für jedwede posttraumatische Belastungsstörung! (außer DISS)

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Man hat als Patientin einen Schlüssel, der für das eigene Zimmer und beide Stationseingänge ist. D.h. zum Einem, dass man jederzeit die Station verlassen kann bis 22 Uhr, und zum Anderen, dass die Stationstüren sich stets allein schließen, damit kein Stationsfremder Zutritt hat.
Zusätzlich ist der Zimmerschrank abschließbar.
Die Hälfte der Zimmer gehen mit Terrassentür in den Garten (eingezäunt), es gibt ausreichend Gartenstühle und Tische.
Eine riesige überdachte Terrasse mit Sitzgruppe für Raucher und Tischtennisplatte lässt einen auch schlechtes Wetter vergessen.

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Professor Dr. med. Ulrich Sachsse

2. Februar 2016

Diese , im Netz gefundene Vita bewegte mich dazu, genau seine in Göttingen aufgebaute Traumastation besuchen zu wollen. ( er selbst arbeitet nicht mehr aktiv dort).
Nach 3 Jahren Wartezeit war ich endlich an der Reihe. 5 Intervalle habe ich hinter mir. Ich kann die Asklepios-Klinik  nur empfehlen. (Station 9)

-auf „www. Ulrich Sachsse.de“:

Professor Dr. med. Ulrich Sachsse

Gründungs-Herausgeber der Zeitschrift „Persönlichkeitsstörungen – Theorie und Therapie PTT“, Schattauer

Buch-Publikationen

Sachsse Ulrich, Herbold-Schar, Willy (2015) Selbstverletzung. Schattauer, Stuttgart.
Sachsse Ulrich, Herbold-Schar, Willy (2015) Selbstverletzung. Buchtrailer,Schattauer, Stuttgart.
Sachsse Ulrich (2015) Proxy – dunkle Seite der Mutterschaft. Schattauer, Stuttgart.
Sachsse Ulrich (2015) Proxy – dunkle Seite der Mutterschaft. Buchtrailer, Schattauer, Stuttgart.
Sachsse Ulrich (2015) Proxy – dunkle Seite der Mutterschaft. Stefanie Engelfried im Gespräch mit Schattauer-Autor Prof. Sachsse, Teil 1 Schattauer, Stuttgart.
Sachsse Ulrich (2015) Proxy – dunkle Seite der Mutterschaft. Stefanie Engelfried im Gespräch mit Schattauer-Autor Prof. Sachsse, Teil 2 Schattauer, Stuttgart.
Sachsse Ulrich (2015) Proxy – dunkle Seite der Mutterschaft. Stefanie Engelfried im Gespräch mit Schattauer-Autor Prof. Sachsse, Teil 3 Schattauer, Stuttgart.
Stang Kirsten, Sachsse Ulrich (2014) Trauma und Justiz. Schattauer, Stuttgart und New York. 2. Auflage
Sack Martin, Sachsse Ulrich, Schellong Julia (Hg) (2013) Komplexe Traumafolgestörungen. Diagnostik und Behandlung von Folgen schwerer Gewalt und Vernachlässigung. Schattauer, Stuttgart.
Özkan Ibrahim, Sachsse Ulrich, Streeck-Fischer, Annette (2012) Zeit heilt nicht alle Wunden. Kompendium zur Psychotraumatologie. Vandenhock & Ruprecht, Göttingen.
Herbold Willy, Sachsse Ulrich (Hg) (2012) Das so genannte Innere Kind. Vom Inneren Kind zum Selbst. Schattauer, Stuttgart, 2. Aufl.
Dulz Birger, Herpertz Sabine C., Kernberg Otto F., Sachsse Ulrich (Hg) (2011) Handbuch der Borderline-Störungen. Schattauer, Stuttgart, 2. Aufl.
Kottje-Birnbacher Leonore, Sachsse Ulrich, Wilke Eberhard (Hg) (2010) Psychotherapie mit Imaginationen. Huber-Verlag, Bern.
Lüdecke Christel, Sachsse Ulrich, Faure Hendrik (2010) Sucht – Bindung – Trauma. Psychotherapie von Sucht und Traumafolgen im neurobiologischen Kontext. Schattauer, Stuttgart und New York.
Schäfer Ulrike, Rüther Eckart, Sachsse Ulrich (2009) Hilfe und Selbsthilfe nach einem Trauma. Ein Ratgeber für seelisch schwer belastete Menschen und ihre Angehörigen. Vandenhock & Ruprecht, Göttingen. 2. Auflage
Sachsse Ulrich (Hg) (2009) Traumazentrierte Psychotherapie. Theorie, Klinik und Praxis. – Studienausgabe von Sachsse Ulrich (Hg) (2004). Schattauer, Stuttgart und New York.
Stang Kirsten, Sachsse Ulrich (2007) Trauma und Justiz. Schattauer, Stuttgart und New York.
Herbold Willy, Sachsse Ulrich (2007) Das so genannte Innere Kind. Vom Inneren Kind zum Selbst. Schattauer, Stuttgart und New York.
Schäfer Ulrike, Rüther Eckart, Sachsse Ulrich (2006) Hilfe und Selbsthilfe nach einem Trauma. Ein Ratgeber für seelisch schwer belastete Menschen und ihre Angehörigen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
Schäfer Ulrike, Rüther Eckart, Sachsse Ulrich (2006) Borderline-Störungen. Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige. Vandenhoeck & Ruprecht
Sachsse Ulrich (Hg) (2004) Traumazentrierte Psychotherapie. Schattauer, Stuttgart und New York.
Özkan Ibrahim, Streeck-Fischer Annette, Sachsse Ulrich (Hg) (2002) Trauma und Gesellschaft. Vergangenheit in der Gegenwart. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
Sachsse Ulrich, Özkan Ibrahim, Streeck-Fischer Annette (Hg) (2002) Traumatherapie — Was ist erfolgreich? Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen. 2. Auflage 2004.
Streeck-Fischer Annette, Sachsse Ulrich, Özkan Ibrahim (Hg) (2001) Körper, Seele, Trauma. Biologie, Klinik und Praxis. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen. 2. Auflage 2002.
Kernberg Otto F., Dulz Birger, Sachsse Ulrich (Hg) (2000) Handbuch der Borderline-Persönlichkeitsstörungen. Schattauer, Stuttgart. 1. Unveränderter Nachdruck 2001.
Kottje-Birnbacher Leonore, Wilke Eberhard, Sachsse Ulrich (Hg) (1999) Imagination in der Psychotherapie. Huber-Verlag Bern und Göttingen.
Sachsse Ulrich (1994) Selbstverletzendes Verhalten. Psychodynamik-Psychotherapie. Das Trauma, die Dissoziation und ihre Behandlung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen. 6. Auflage 2002.
Leuner Hanscarl, Kottje-Birnbacher Leonore, Sachsse Ulrich, Wächter Martin (1986) Gruppenimagination. Gruppentherapie mit dem Katathymen Bilderleben. Verlag Hans Huber, Bern, Stuttgart, Toronto.
DVD & CD 

….hier würden jetzt wieder zwei ganze Seiten folgen, die ich euch aber ersparen will.

Weitere Beiträge sowie Veröffentlichungen in Fachzeitschriften

…..hier würden > 10 Seiten folgen..zB.:
Sachsse Ulrich (2003). Der diagnostische Notnagel. Ist die Dissoziative Persönlichkeitsstörung eine ernsthafte Erkrankung oder ein Fantasieprodukt der Therapeuten? Geist&Gehirn(4), 38-39.
Sachsse Ulrich (2003) Distress systems of human beings: Consequences for PTSD therapy strategies. European Psychotherapy 4, 11.
Sachsse Ulrich (2003) Distress-Systeme des Menschen. Persönlichkeitsstörungen PTT 7(1), 4-15.

Anschriften des Autors

Prof. Dr. med. Ulrich Sachsse
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Psychoanalyse
Honorarprofessor der Universität Kassel
Praxis
Ulmenstr. 11 A
D-37124 Rosdorf
Tel. xx49-(0)-551-782310
Fax: xx49-(0)-551-7899880
Email: ulrich.sachsse@t-online.de
Asklepios Fachklinikum Göttingen
Rosdorfer Weg 70
D-37081 Göttingen
Tel. xx49-(0)-551-402-1010
Fax: xx49-(0)-551-402-2092
Email: u.sachsse@asklepios.com
Aktualisiert am 19. September 2011

Was ist EMDR? Wie läuft so eine Sitzung ab?

10. September 2015

Mein Glück war ja, dass ich meine Intervalltherapie auf der von Prof. Dr. U. Sachsse aufgebauten Station machen konnte, und bei Bedarf weiterhin machen darf. Er ist einer der deutschlandweit bekanntesten Spezialisten dafür.

EMDR

Durch die Augenbewegung – rechts , links – oder durch leichtes Klopfen auf die Oberschenkel – rechts , links – scheinen sich ( empirische Untersuchungen bestätigten dies ) die linke und rechte Gehirnhälfte zu „verbinden“.

Beispiel bei Behandlung von PTBS:

Der Patient geht mit dem Wissen um die alten Geschehnisse in die Sitzung. Er wird aufgefordert, vom Trauma zu berichten. Eine sehr schmerzvolle, kräftezehrende Prozedur, weil alles noch einmal durchlebt wird. ABER : Die EMDR – Technik bewirkt, dass das Gehirn begreift, dass die Situation keine aktuelle mehr ist. Das Gehirn kann sie endlich als Vergangenheit einordnen.

Je öfter die gleiche Situation auf diese Art besprochen wird, um so weniger Gefühle und körperliche Reaktionen treten auf. Damit hören die Flash’s auf.

Der wichtigste Tip von mir:

Wenn nach einer EMDR-Sitzung eine Woche nicht reicht, dass Ruhe im Inneren einkehrt, dann solltet ihr unbedingt darauf bestehen, dass zu diesem Thema weitere EMDR-Sitzungen folgen, solange bis ihr  das Trauma nicht mehr als belastend empfindet!

Kliniken wollen oft schnell „abarbeiten “ – und wir Patienten sagen oft in unserer Angst nicht, dass noch überhaupt nichts gut ist. Also kämpft für euch!!

Beispiel von mir: Dissoziative Identitätsstörung:

In meiner Erinnerung sind teilweise nur „Blitz“bilder, die mich aber in Flash’s und absolutes Chaos stürzen, bis zum Todeswunsch, und ganz zu schweigen von Personenwechsel.

Mein Gehirn hat das Geschehene dissoziiert, einfach ausgedrückt – in so verschiedene Gehirnkammern als Teilstücke versteckt, dass ich keine zusammenhängende Erinnerung haben kann. Dies diente zum Schutz, zum Überleben.

Am Beispiel der knapp 3 jährigen Marie will ich die Sitzung wiedergeben:

Zu Beginn fragt die Thera, ob ich Berührungen zulassen kann, falls ich austicke. Dann beginnt sie mit ihrem Finger vor meinen Augen hin und her zu wedeln. Dieser Bewegung sollen meine Augen folgen. Wenn mir schwindlig wurde, oder ich weg driftete, machte sie mit sanften Klopfen oberhalb der Knie weiter. Sie bat mich, in das Bild zu gehen, zu erzählen, was um mich herum ist. Bemerkte sie an mir körperliche Reaktionen, dann fragte sie nach, was ich fühle. Oft hatte die kleine Marie keine Worte in ihrem Sprachschatz. Dann durfte sie auf das bereitliegende Papier die Antwort malen. Jahrelang hatte ich zu diesem Bild ein Cat. Ich sah nicht, wer zur Tür reinkommt und wie mir weh getan wird. Das Fühlen, die Schmerzen, dies war immer da. In der EMDR- Sitzung schalten sich rechte und linke Gehirnhälften zusammen, und gaben mir somit weitere Erinnerungen preis. Ich konnte sehen, wie der Mann aussah, und was er tat.

Als ich dann Dreijährig voll in diesem Film drin war, fürchterlich schrie und um mich schlug, legte die Thera behutsam eine Decke um mich, ( darum zu Beginn die Frage nach Berührung) wiegte mich sanft, und sprach immer wieder auf mich ein: „Alles ist gut, es ist vorbei, du bist jetzt hier, ich beschütze dich.“ Irgendwann kam die kleine Marie in den Therapieraum zurück, beäugte die fremde Frau. Aber weil diese so behutsam, sanft und beschützend war, konnte Marie das glauben. Nach einer gewissen Zeit der Beruhigung fragte die Thera, was sich Marie denn jetzt wünsche, wie sie am besten aus dem Zimmer käme. Mit kindlicher Fantasie hatte Marie natürlich Wünsche. Kaum waren die geäußert, drängte die Thera die erwachsene Mari, diese Wünsche imaginär umzusetzen. Das brachte also die Erwachsene auf den Plan, die automatisch Beschützerinstinkte hatte für die kleine Marie. Ich ließ einen Drachen durch’s Fenster kommen, welches die kleine Marie auf seinen Rücken packte und davon flog. Dann half die Thera mir und der Kleinen gemeinsam, einen sicheren Ort zu finden, den wir auch imaginär gestalteten.

Also, als Erwachsene ging ich in die Sitzung, wechselte in das Kind, dann waren wir beide da, und am Ende war ich wieder die Erwachsene, die aus der Sitzung ging. Zwar völlig lädiert, kaputt, traurig, wütend, aber nicht mehr hilflos.

Nach einer solchen Sitzung kommen dann meist geballt die alten körperlichen Schmerzen, oft tagelang. Da heißt es dann: Innere Kindarbeit- trösten, Wärmflasche, Beruhigungsbäder, Schmerzmittel. Also alles tun, was man als Mutter mit einem Kind tun würde.

———-

Es gab Sitzungen, wo keine neuen Erinnerungen dazu kamen, aber auch Sitzungen, wo neue Blitzbilder auftraten. EMDR ist eigentlich nicht für DIS so wirklich geeignet. Wenn, dann nur stationär, bei der eine intensive Nachbetreung möglich ist. Ich hatte schon Situationen, wo die wirkliche Erinnerung erst Tage später einsetzte. Ohne stationäre Hilfe wäre ich sicher von irgend einem Dach gesprungen. Denn: Das Erinnern bewirkt eine totale Regression in diese Altersstufe, in der ich nicht fähig zur Regulation und Selbsthilfe bin.

So rate ich jedem mit DIS ab, ambulant die EMDR- Technik anwenden zu lassen!!!!!

Gut dagegen ambulant wäre sie als Stabilisierungstechnik, das habe ich auch schon mehrmals gemacht, und das ist super. Aber niemals aufdeckend damit arbeiten. Glaubt mir, das geht nicht gut.

Nachwehen der EMDR-Sitzung (16 Jährige)

27. Februar 2015

Es gibt immernoch eine Steigerung im Weh tun, immer wieder neu. Und da dachte ich, ich hätte alles schon erlebt, und schlimmer könnte es nicht werden. Oh, da habe ich mich so sehr geirrt. Jetzt muss ich die Erfahrung machen, dass scheinbar jeder Innenanteil subjektiv fühlt, Anlässe nicht vergleichbar sind.
So eine enorme Wucht an Sehnsucht nach Halt, kaum zu ertragen. Du fällst und fällst, deine Seele schreit nach einem Arm, der dich hält, dich wiegt, dir allen Schmerz nimmt. Es überfällt mich seit Tagen immer wieder. Und ganz in einem Eckchen in mir begreife ich, dass ich als Kind diesen Schmerz abspalten musste, um weiter zu leben. Aber in mir bohrte es weiter, als lebenslange tiefe Depression. Und wenn ich erwachsen auf die Summe der Ereignisse sehe, verstehe ich erst mein “ Werden“, mein heutiges Sein.
Und ich bete, dass ich die Kraft behalte, mir den Schmerz anzusehen, was ja neu erleben bedeutet.
Oh Mann, was kann ein kleiner Mensch nur ertragen?
So viel und oft hab ich Große lange nicht geweint.

Neue Wege gehen

19. Juni 2014

Es ist viele Wochen her, in denen ich über mein Innenleben geschrieben habe.
Irgend etwas ist in mir passiert. Kann nicht sagen, welcher Grund der ausschlaggebene war. So nenne ich alle drei wichtigsten Gründe, die sicherlich in ihrer Summe zu meinem derzeitigen guten Zustand führten.

Die Traumatherapie in Göttingen – ihr erinnert euch sicher, dass sie lange nachgewirkt hatte, mich völlig aus der gewohnten „Leugnungs“ bahn geworfen hat. Wochen nach der Rückkehr ging es mir sagenhaft schlecht. Was war danach passiert?
Ich denke, mein Gehirn hat endlich ins Bewusstsein verankert, dass die „Bilder“, die ich immer sah, die mich stets weg flashten, dass sie der Wahrheit entsprechen und damit meiner erlebten Vergangenheit. Dieses neu Durchleben hat in mir ausgelöst, dass ich es als Vergangenheit akzeptiere. Und damit hat mein Gehirn es wohl folgerichtig in die Vergangenheit gepackt. Richtig abgespeichert, so, dass ich keine Flashs mehr hatte, keine Panikatacken mehr erlebte seitdem.
Parallel dazu konnte ich mein Verliebtsein ablegen, was stets leiden bedeutet hatte, weil eben unerfüllt. Wurde auch mal Zeit nach 16/17 Monaten. Zurück geblieben ist nur tiefe Dankbarkeit für diesen Menschen, der mir unbewusst den Weg nach Innen geöffnet hatte. Diesen Engel werde ich stets in meinem Herzen tragen.
Der Entschluss, aus dieser Stadt weg zu ziehen, hilft mir beim Pläne schmieden. Und dies bedeutet Zukunft zu haben irgendwie. Ich werde einen Neuanfang wagen.
Erwähnen sollte ich wohl auch, dass ich mit meinem Psychiater die Dosis von Cymbalta erhöht habe, und nun zusätzlich zur Nacht ein mir völlig neues Antidepressiva einnehme. Es verursacht zwar noch mehr Fressatacken als sowieso schon waren….aber egal. Wenn ich davon ausgehe, dass ich den Rest meines Lebens sowieso allein bleibe, dann sollte es mir doch egal sein, wie fett ich werde, oder?        PS: Tuts nicht! Es nervt mich total.

Summasummarum bin ich momentan sehr gut drauf, habe Ziele, falle in keine Depries rein, unternehme etwas. Samstag zum Beispiel fahre ich übers Wochenende mit dem Zug zu einer Studienfreundin.
Anfang Juli werde ich wieder in eine Ballettaufführung gehen!

Wenn das alles zusammen nicht einfach wunderbar ist!

Nachtrag 2016:

So kann man sich irren. „in die Vergangenheit gepackt“ Scheiße is. Nun flashen Körper und Gefühle wie wild. Aufeinandergestapelt, durcheinander und nicht zu beherrschen! Kontrolle ist völlig flöten gegangen.

Pastellkreide, Kohle, Bleistift

15. April 2014

Pastellkreide – damit male ich am Liebsten!

 

                                 

 

 

                      Kreide Akt grün

 

gefangenes Licht                  Sonnenbaum

 

 

              Ohne Wort

 

 

 

Farben                         Gespalten, Kreide

 

 

 

Akt                                      Kreide Akt Tänzerin

 

 

 

Bettler                              Schwarz

 

 

 

                                

 

 

 

             

 

 

 

dunkler Engel                          Portrait Volkmar

 

 

 

Würfel im Netz                             Windungen

 

 

Glauchau                     Kochel am See

 

 

 

Perspektivwechsel

 

 

 

                  

Radikale Akzeptanz – mein Signal an meine Kleinen

5. April 2014

5.4.14

Seit Beginn 2013 bin ich in einer regelmäßigen stationären Traumabehandlung, die einzig und allein dazu dient, die Symptome der PTBS zu lindern. Der Weg führt über das EMDR-Verfahren, mit dem Ziel, vom Gefühl abgespaltene Ereignisse des Lebens zum Einem wieder zueinander zu führen, zum Anderen diese dann im Gehirn als abgeschlossene/beendete Tatsache als Vergangenheit einordnen zu können. Nur so ist es möglich, nicht mehr unkontrolliert den Flashbacks ausgeliefert zu sein. Das Gehirn benötigt dazu die Information, dass das Geschehen ein ALTES ist, also keine Gefahr mehr im HEUTE bedeutet.

Dass eine dissoziative Identitätsstörung einhergeht mit vielen Amnesien, macht mir diese Behandlung aber zur Qual, weil immer wieder für mich neue, mir unbekannte Erinnerungen hochkommen, die den seelischen Schmerz ins Unermessliche treiben. Während der Traumakonfrontation fühle ich alles noch einmal, switche in das Kind, und erlebe das alte Geschehen im Hier und Jetzt. Dank der guten Therapeutin werde ich aber dort wieder “ heraus geholt“ , und sie hilft mir, für dieses Ereignis einen anderen Abschluss zu finden. Sicher werden sich jetzt Leser fragen: „Warum tut sie sich das an?“ Nun, ich habe mich dazu entschieden, weil es für mich keinen Ausweg mehr gibt. Das, was sich als mein derzeitiges Leben bezeichnet, ist kein Leben. Es ist ein zurückgezogenes Dahinvegetieren. Sicher, es werden die alten Gefühle immer wieder, mein ganzes restliches Leben lang auftauchen, aber ich werde fähig sein, schneller aus ihnen heraus zu finden, um die extremen tiefen Abstürze zu verhindern.

Nur darum „tue ich mir das an“ mit der Behandlung!

Eigentlich wollte ich auf den sexuellen Missbrauch zurückkommen. Also: Wie ich oben im Text beschrieben hatte, kannte ich entweder die puren Bilder, entweder fremde schlimme Gefühle, oder nur blanke Todesangst. Bilder und Gefühle wirklich in Zusammenhang zu bringen, das ging nicht. Also war es für mich ein Leichtes, das Meiste zu leugnen. Nein, das kann nicht sein, so ein Quatsch, das stammt aus meinem kranken Hirn! Das tut kein Mensch einem Kind an, so ein Blödsinn! Hm, heute, nach drei Intervallen und vielen „Blicken“ in die Vergangenheit bin ich eines Besseren belehrt. Nicht, weil während des EMDR so viel hochkommt, nein! Sondern weil ich die stundenlang und tagelang danach auftretenden Schmerzen aushalten muss. (Körperflash’s = Erinnerungsschmerzen) Schmerzen, die mir das Gehirn aus der Erinnerung schickt, Schmerzen, die das jeweilige Kind von uns aushalten musste. Ob Unterleibsschmerzen, Bauchschmerzen, Knochenschmerzen von Prügelexessen (Rücken, Arme, Beine, Gesicht, Kopf) , Schmerzen in Po und Knochen „da unten“.Selbst blaue Flecken treten auf, einfach so, wie aus dem Nichts. So, da stehe ich dann da, kann es nicht fassen, aber in mir steigt ein Mitgefühl für die jeweilige Kleine auf, und ein Entsetzen, was sie aushalten musste…oh menne! Und pö a pö hat sich, obwohl damit mein Weltbild völlig zusammengebrochen ist, eine innere Akzeptanz entwickelt. Und damit auch ein innerer Zugang zu den Kleinen. Erst durch mein Glauben an ihre Erlebnisse, durch meine Fürsorge für sie, kommen sie mir näher, finden Vertrauen zu mir und meiner Kraft, öffnen sich immer mehr, und dies alles bringt letztendlich eine größere Ruhe in mein Innensystem. Ich habe verstanden, dass mein Leben nur lebenswert werden kann, wenn wir als Team, dass sich vertraut und genau kennt, zusammenhalten.

Und das geht nur mit der Akzeptanz des Geschehenen! Und mit folgender Aussage möchte ich meinen Kleinen ein Signal setzen: “ Wir wurden sexuell missbraucht!“

Wir wollen und müssen uns nicht dafür schämen! Denn wir waren nicht die Schuldigen! Wir waren nur Kinder!

PS an die Kleinen: Hab euch lieb!

Nach Innen schauen

26. Februar 2014

3. Intervall

Mittwoch, den 27.2.14

Ich habe einen wichtigen Entschluss für mich gefasst!
Möchte während meiner Therapiewochen hier auf Station meine Internettätigkeit fast völlig runter schrauben.
Habe in den ersten Tagen schon bemerkt, dass das Internet bedeutet, sich nicht mit mir selbst auseinander setzen zu wollen, mich abzulenken, nicht nach Innen zu sehen. Zuhause mag es eine notwendige Strategie sein, weil ich außer dem Therakontakt pro Woche keine weiteren pflege. Dort muss ich notgedrungen viel von mir weg schieben, weil ich Aufkommendes nicht allein abfangen kann. Hier aber habe ich das Auffangnetz und alles an Unterstützung! Wann also, wenn nicht jetzt, den Mut aufbringen, mich mit meinem Innenleben wirklich auseinander zu setzen?
Bitte wundert euch also nicht, wenn ich mich kaum noch melde bei euch. Ist in keinster Form persönlich zu nehmen.
Kurzinfo zum bisherigen Verlauf:
Zur vierten Anreise letzten Donnerstag bin ich das erste Mal als Erwachsene angereist. So konnte der Start also gut gelingen. Morgen ist meine erste Traumakonfrontation, in der es endlich um Marie gehen soll. Muss endlich sehen, wer durch diese Tür kommt. Nun den Rest des Geschehens „kenne“ ich ja schon von den Albträumen, den Körperreaktionen und ihrer Angst.
Zwar hat eine TT-Sitzung mit EMDR mir hier noch nie etwas Neues offenbart,aber ich hoffe, dass ich so weit bin diesmal.
Die andere Zeit möchte ich an den Täterintrojekten arbeiten, die mir das Leben so zur Hölle machen, die mir mein Leben im eigentlichen Sinne sogar stehlen. Also wird Muhex fällig, der Verleumder auch!
Ebenso möchte ich für mich allein hier die Zeit finden, unser inneres System neu zu struktuieren. Das Haus ist zu klein für alle geworden, es stoßen immer mehr dazu…uh, wie das klingt! Will bewusster nach innen hören, wahrnehmen, wie es da laufen soll. Endziel: Das noch immer auftretende Chaos mit Aufgabenteilungen schneller in den Griff zu bekommen.
So, heute steht nur noch immer wieder kehrende Imagination an, um Marie auf den morgigen Tag vorzubereiten, um sie ein Sicherheitsnetz zu spannen, das sie auch wahrhaftig fühlen kann. Nur so wird sie zuende reden, was so schlimm ist.
Ich sag mal Tschüss!
Und: Macht euch also keine Sorgen! Bin in guten Händen!

Erwachsen sein?

17. Dezember 2013

Mir wurde vor Kurzem von einem Menschen, der lange schon Umgang mit schwer traumatisierten Menschen in einer Klinik hat, gesagt:

„Ich war geschockt, als ich erfuhr, dass Sie 25 Jahre in ihrem Beruf gearbeitet haben! Ich hatte bei Ihnen gedacht, dass Sie nie arbeitsfähig waren in ihrem Leben, so, wie ich Sie hier sehe und erlebe. Ich habe immer das Gefühl, Sie wollten am Liebsten unsichtbar sein.“

Oh Mann, das hörst du, bist erstmal wie gelähmt, und dann steigt die Verzweiflung hoch.

Aber in diesem Gespräch, so glaube ich jedenfalls, konnte ich das erste Mal einem Menschen deutlich machen, wie schlimm es für mich ist, dass seit 11 Jahren alles an Fähigkeiten weggebrochen ist. Dass ich ein anderer Mensch zu sein scheine. Nichts ist mehr wie vorher! Du hast keinen Boden unter den Füßen, findest keinen Halt mehr.
Ein Viertel Jahrhundert habe ich mit guter Leistung dem Staat gedient, habe seine Kinder erzogen, behütet, ihnen das Leben gelehrt. Ein Viertel Jahrhundert! Das klingt doch nach einer langen Zeitspanne, oder?

Und plötzlich, von heute auf morgen, finde ich mich in einem anderen Film wieder, einfach so. Warum?
Mein Stiefvater hatte seinen Besuch bei mir angekündigt. Rumms…war ich auf einmal in der Kindheit, weinte und schrie …meine Tochter stand hilflos daneben, geschockt.
Seit diesem Tag war alles anders. Es war ein Tag im September 2002.
Der spätere Versuch (ein Jahr danach), wieder im Beruf Fuß zu fassen, dauerte nur knapp zwei Jahre. Zwei Jahre, in denen alles an Symptomen stärker wurde, sich die Zwänge, der Ekel, die Schmerzen, die Flashs, die Dissoziationen verstärkten.
Der schnelle Wiedereintritt in den Beruf war der größte Fehler, der begangen wurde, leider nicht von mit initiiert, sondern gegen meinen Willen durchgesetzt. Ich selbst wusste ja, dass noch überhaupt nichts stimmt mit mir nach diesen ersten 9 Monaten Therapie.
Seit dem einen Tag im Oktober 2002 ist jede Therapie daran vorbei gegangen, etwas Erwachsenes aus mir wieder hervor zu holen. So oft ich darum bat, keiner nahm mich wirklich ernst mit diesem Wunsch.
Scheinbar wirkte ich reif genug, stark genug, meinen Alltag zu bewältigen.
Aber wie soll man Therapeuten klar machen, dass dies schon die Kinder können, weil sie es immer können mussten? Niemand nahm mich wirklich ernst, niemand.
Und glaubt mir, ich habe stets gewusst, was ich brauche, und es immer angesprochen. Aber es war umsonst.
Es ging immer nur um „Stabilität“.
Stabilität? Was ist das für uns? Überleben, irgendwie!!!!! Also wurde alles an Fertigkeiten heraus geholt, was die Kinder hatten. Rumms … genau dies ist der Punkt! Fertigkeiten der Kinder!
Und die hatten sie, sonst wären wir längst nicht mehr am Leben!
Also fleißig verstecken, dissoziieren, tot stellen, nichts fühlen! Ich kann euch sagen, dass ich immer sehr offen in den Therapien war. Aber wirklich zugehört hat wohl niemand.

Und nun stand ich also da, hörte, welchen Eindruck mein Verhalten hinterlässt, war geschockt, aber gleichzeitig war es ja seit 11 Jahren nichts Neues für mich! Darum verstecke ich mich ja vor der Welt! Weil ich mich eben NICHT wiedererkenne, weil ich mich schäme, weil ich keine Zumutung sein will.

Diese vielen Jahre falschen Trainings soll ich nun schlagartig ändern können: Ja, da sein Sie doch mal erwachsen!
Halleluja! Fein!
Hu, jetzt steigt endlich mal Wut hoch. Wut auf die Behandler, die sich Traumatherapeuten nannten, die von sich glaubten, allwissend zu sein, alles zu kennen und zu können! Ich, die stets deutlich war, habe meinen Mund umsonst fusselig geredet. Warum hört man dem Patienten eigentlich nicht zu? Er weiß doch am Besten, was in ihm abgeht! Vielleicht war auch dies der Grund, mich selbständig mit der Fachliteratur zu befassen. Hilfe zur Selbsthilfe! Nur … es funktioniert nur in der Theorie, der Verstand begreift die Zusammenhänge, die Lösungsvorschläge …der Verstand!
Der aber scheint abgetrennt von meinen Ich-Wesen. Sie verstehen dies nicht. Nun rede ich mich an mir selbst fusselig …auch umsonst.
Ich hab den Hals voll, echt!

Ach nee, so viele mehr?

15. November 2013

14.11.13

Ohne Kontrolle jeden reden lassen, egal ob wir ihn schon kennen. So weit konnten wir bisher nicht denken, wenn das Chaos im Kopf einsetzte und so viele Unbekannte mitquakten.
Gleich 11 Uhr, sehen aufgequollen aus, Schlafmittel hat Schlaf gebracht nach einem Verzweiflungsheultag.
Am Nachmittag heute noch die TT, oh menne, wird wohl noch krasser werden! Hab mir gemerkt, dass wir mehr aufschreiben sollen, und Scheiß drauf, wer es von uns tut.
Seit gestern bin ich Viele da, Drängelei, jeder will sein Zeug loswerden. Ich kriegs ab und komme noch nicht zurecht mit Fürsorge. Geht irgendwie nicht ohne Ortungssystem, sind zu viele und kenne sie nicht. So viel Schmerz auf einmal ausspucken wollen macht mich konfus.
Dazwischen die Kleinen, die im Arm bleiben wollen und so sehr nach Engelchen schreien. Ankuscheln, einkuscheln, wohl fühlen, keine Angst haben müssen. Weiß nicht, wer ich bin, weil ich das Gleiche fühle. Möchte nur noch auf einen Schoß, drauf einschlafen, ohne aufwachen zu müssen. nie mehr, wär gut.
.
.
Warum kann dieses Arschloch sich nicht selber mal eins in die fresse haun? Der Hu##nsohn müsste mal von ner ganzen Truppe so verprügelt werden, dass er nach Mami wimmert, der Arsch.
Psst, sonst hört er uns, versteck dich lieber.
Wozu, soll er doch kommen, ist eh schon Wurst. Wo ist mein buch? Legst dus mir hin? Versprochen. Ich hab solche Angst! Brauchste nich, sind doch da, kommste einfach zu uns. Wir können ja auf die silberne Brücke gehen, und die Frau Zeit macht Kakao. Dickes Ende, kommst du mit? Jo! Uh, soll sich der Pimpel seinen Gürtel doch selbst holen, dieser faule Sack. Werde ihm ins Gesicht grinsen, bu! Hälst du mich fest? Klaro, der soll nur mal in deine nähe kommen, da wirds rot, das sach ich dir.

15.11.13

Die TT war nicht schlimm. Nur der Augenblick, als die Thera und Kathrin rausgehen, uns alleine lassen wollten, nur weil wir tot sein wollten. Haben geflüstert ” nicht gehen”
Aber dann sind wir aber alle zusammen losgegangen (imaginär) haben uns einen Tisch gedeckt mit lauter schönen Sachen drauf, und ohne Stock im Rücken und Angst und Pflichtwurst. Da gabs Luftballons und wir durften alle reden und lachen und essen was wir wollten. Wolln wir jetzt immer machen. Weiß nich, ob alle raus sind ( aus der Familiensituation), da waren so viele wie 30 oder 40 Kinder. Manno, brauchen viel Stühle. Aber je mehr umso viel Spaß.
Die große hat uns abends n Schokoladenstulle gemacht und wir durften dabei einen trikfilm gukken, was mit lieben Monstern.
Und gemalt haben wir ein bild für die Tante.

Kuscheln

15. November 2013

5.11.13

Mir ist klar geworden, dass sich noch etwas in unserem Haus ändern muss.
Das Allerwichtigste: eine riesengroße Kuschelschlafecke im Innenraum auf der ich liegen kann, und alle anderen sich zum Schlafen rankuscheln können. Habe dies seit gestern “praktiziert”, um keines der Kleinen zu benachteiligen, … und was soll ich sagen? Der Schutz nach innen kommt besser an! Und im Außen bewege ich mich etwas ruhiger.
Ja, alles gemeinsam tun, und die Zimmer nur als freiwilligen Rückzugsort nutzen, das ist es! Uns scheint es damit besser zu gehen!
Auch ist das -zur Ruhe kommen- etwas einfacher.
Hej, ihr Süßen, langsam verstehe ich, was ihr braucht, und…..dass ich es euch geben kann!

Tagebuch 8.10.

8. Oktober 2013

8.10.13

Verschlafe fast ganze Tage, um sie auszuhalten, zu überstehen. Die Realität geht gar nicht mehr.

So suchte ich nun die “Rettung” im Lesen eines Textes von Lydia Hantke. Das verhindert, dissoziieren zu wollen.
Der Text ist an die Traumatherapeuten gerichtet. Oft muss ich einen Absatz mehrmals lesen, ehe es bei mir ankommt. Möchte mal hier ein paar Ausschnitte notieren, die keinen Zusammenhang haben:

1. “Noch einladender und (von uns Therapeuten oft) wenig reflektiert sind die Hilfe suchenden Anteile unserer Klientinnen. Da sind wir doch gerne Retterin, Galan und “der Einzige, dem sie vertraut”. Aber gerade hier zementieren wir eine Rolle, die zentrales Ergebnis und Inhalt der Traumatisierung ist:
– Nach der Hilflosigkeit und der Dissoziation (im Traumageschehen) folgte das ÜBERLEBEN.
Es liegt also nahe, dass das “System Klient” diese Hilflosigkeit als Vorbedingung des Überlebens begreift.(für sich glaubt) Und solange nichts anderes sicher ist, würden Sie denn diese “erlernte” Sicherheit aufgeben wollen?”

Leute merkt ihr, was sich da für Erkenntnisse auftun? Bin völlig baff!

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Und sie schreibt auch, dass wir Dissos extrem geschult sind in der Wahrnehmung von Ungereimtheiten und Brüchen in der Kongruenz des Gegenübers. Also dass wir viel sehen “am” Therapeuten. Geschult sind wir deshalb, weil wir nur damit überleben konnten. Und hier wieder beginne ich die oft an Thera’s gesehene Unsicherheit zu verstehen: Sie haben Angst, durchschaut zu werden. Das jedenfalls erlebte ich vor 11 Jahren.
Sie schreibt auch, dass wir im therapeutischen Umgang meist nur 25% verbal mitbekommen, aber dagegen sehr klar und deutlich die nonverbalen “Äußerungen” mit 75% wahrnehmen.
Ups, muss daran denken, dass ich dieses Erleben sehr, sehr oft hatte.
Und das Kuriosum ist, dass gerade die nonverbalen Prozesse sich unbewusst abspielen, direkt im Verhalten aus dem Bauch heraus kommen. Also Theras, achtet auf euch und auf das, was ihr unbewusst an “Zeichen” sendet.

EMDR – Therapieform bei posttraumatischen Belastungsstörungen

7. September 2013

Genau auf diese Art habe ich EMDR auf der Traumastation  erlebt!

Nun, Ergebnisse kann ich noch nicht fühlen, da ich erst ganz am Anfang stehe! (4 Intervalle folgen noch)

Dieser Text ist aus dem Internet gefischt. Ist so klar und einfach erklärt, dass ich nicht von meinen Erleben reden muss. Dies hier ist für jeden Laien verständlich. Und ich kann im Moment nicht gut schreiben oder nachdenken. Mir geht es zu schlecht.

EMDR = Eye Movement Desensitization and Reprocessing

Eye Movement Desensitization and Reprocessing, kurz EMDR, ist eine von Francine Shapiro in den USA entwickelte Behandlungsmethode für Trauma-Betroffene aus dem Bereich der Psychotraumatologie.

Bei EMDR regt der Therapeut den Patienten nach strukturierter Vorbereitung zu bestimmten Augenbewegungen an, wodurch es möglich werden soll, unverarbeitete traumatische Inhalte zu verarbeiten.

Inhaltsverzeichnis
1 Abgrenzung
2 Entstehung
3 Wirkungsweisen und Hintergründe
4 Ablauf
5 Gefahren
6 Wissenschaftliche Anerkennung

1. Abgrenzung
Trotz oberflächlicher Ähnlichkeit, etwa durch die angeleitete Augenbewegung, ist EMDR nicht mit Hypnose zu verwechseln. Es soll keine Veränderung des Bewusstseinszustandes, sondern vielmehr eine Integration der mit dem Trauma verbundenen Emotionen und Empfindungen erreicht werden.

2. Entstehung
Francine Shapiro hatte die Idee zur Erprobung und Untersuchung dieser Methode zufällig beim Spazierengehen im Park. Sie bewegte die Augen hin und her und erlebte eine deutliche Entlastung von Ängsten und depressiven Gedanken im Zusammenhang mit der bei ihr diagnostizierten Krebserkrankung.

3. Wirkungsweisen und Hintergründe
Nach einem Trauma kann es zum sogenannten „Sprachlosen Entsetzen“ (speechless terror) kommen, d. h. in der rechten Hirnhälfte werden Bilder prozessiert, die der Patient vor Augen hat, während das Sprachzentrum aktiv unterdrückt wird. Der Patient kann das Geschehene so nicht in Worte fassen, wodurch nachfolgend eine Verarbeitung des Erlebten erschwert wird. Es gibt bereits eine Vielzahl von Studien, die die Wirksamkeit von EMDR belegen und versuchen, die Wirkungsweise zu ergründen. Es wird angenommen, dass durch die bilaterale Stimulation mittels bestimmter Augenbewegungen (oder auch akustischen oder taktilen Reizen), eine Synchronisation der Hirnhälften ermöglicht wird, die bei der posttraumatischen Belastungsstörung gestört ist. Erklärend wird auch Bezug genommen auf eine Schlafphase, bei der starke Augenbewegungen stattfinden und zugleich ein erhöhter Verarbeitungsmodus des im Alltag Erlebten vermutet wird.

4. Ablauf
Das eigentliche Durcharbeiten der belastenden Inhalte, durch Augenbewegungen oder andere Stimulationsarten, ist dabei ein recht später Schritt im Therapiemanual.

Anamnese:
Zunächst muss eine genaue Anamnese erhoben werden, bei der z. B. die traumakompensatorischen Bewältigungsversuche des Patienten erfragt werden. Auch muss zuvor abgeklärt werden, ob gleichzeitig eine sogenannte dissoziative Störung vorliegt (hierbei werden Teile des eigenen Erlebens ausgeblendet/aktiv unterdrückt).

Stabilisierung: 
Die Stabilisierungsphase dauert je nach Lage der Ressourcen oft sehr lange. Besonders bei einer dissoziativen Störung muss als vorrangiges Therapieziel zunächst eine Grundstabilisierung des Patienten erreicht werden, die die Fähigkeit des Patienten stärkt, sich der Traumathematik vorsichtig und dosiert zu nähern und sich vor einer möglichen ungesteuerten „Überflutung“ mit belastendem Erinnerungsmaterial aktiv zu schützen.
Auch hierbei kann EMDR hilfreich sein, z. B. durch eine mittels angeleiteter Augenbewegung erfolgreichen Verankerung positiver Imagination wie „der innere sichere Ort“ oder „der innere Tresor“ nach Dr. Luise Reddemann.

Bewertung:
Einer einzelnen ausgewählten Erinnerung, also einem „einzelnen Bild“, das den belastetsten Teil einer Traumathematik darstellt, wird vom Patienten eine aktuell zutreffende negative Kognition, (z. B. „ich bin hilflos“) zugewiesen sowie auch eine positive, die er in Zukunft damit verbinden möchte (z. B. „ich kann heute etwas tun“ – was dann als eine Ressource zu verstehen ist). Die an dieser Stelle eingeschätzte Belastung der Situation soll im folgenden Bearbeitungs-Prozess sinken.

Desensibilisierung: 
In dieser Phase wird die Traumabearbeitung durch die Augenbewegungen begleitet. Während an die Traumathematik gebundene Energie freigesetzt wird, kommt es häufig zu unterschiedlichsten sogenannten Abreaktionen (wie z. B. Weinen, heftiges Atmen, Übelkeit u. a.), die erinnerte Situation verliert so ihre emotionale Aufladung.
Zur Bearbeitung einer Traumathematik sind meistens mehrere EMDR-Sitzungen nötig. Einflechten von sogenannten Ressourcen z. B. „hilfreiche innere Wesen“ oder „ideale innere Eltern“, die zuvor z. B. mit Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie installiert wurden unterstützt oftmals diese Phase.

Verankerung: 
Empfindet der Patient bei der erinnerten Situation keine Belastung mehr, wird die positive Kognition nochmals überprüft und mit Augenbewegungen verankert.

Körper-Test: 
Alle Missempfindungen zur erinnerten Situation sollten bei einem kompletten Abschluss der Sitzung verschwunden sein.

Abschluss: 
In der Besprechung zum Abschluss der Sitzung wird der Patient auf das „Nachprozessieren“ (z.B. in Träumen) hingewiesen. Es bringt eventuell neues Material für weitere Sitzungen hervor und sollte in einem Tagebuch festgehalten werden.

5. Gefahren
Die Behandlung dissoziativer Störungen sollte erfahrenen Traumatherapeuten vorbehalten bleiben, da der Patient sonst gefährdet ist, im Zuge der Behandlung retraumatisiert zu werden, das hieße, erneut überschwemmt zu werden mit den angstmachenden Gefühlen. Der Patient würde dann die auslösende Situation ungeschützt noch einmal durchleben. Dann würde die Traumatherapie mehr schaden als nutzen: die Symptome könnten sich vertiefen – möglicherweise in bedrohlichem Ausmaß, eine weitere Behandlung wäre erschwert. Eine sorgfältige Vorbereitung und Abklärung von Komorbiditäten (gleichzeitig vorliegender anderer Erkrankungen) ist bei der Traumatherapie also sehr wichtig.
Wichtig ist auch die Abklärung der damaligen Bewältigungsstrategien des Traumas, da auch diese durch das EMDR getriggert werden. Wenn z. B. damals nach dem erlebten Trauma suizidale Tendenzen bestanden, können diese auch nach der EMDR-Sitzung reaktiviert werden, über diese Verbindung muss der Patient vorher aufgeklärt werden.

6. Wissenschaftliche Anerkennung
Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie verabschiedete in der Sitzung vom 6. Juli 2006 ein Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen. Gemäß diesem Gutachten kann die EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen bei Erwachsenen als wissenschaftlich anerkannt gelten.

Wie erlebe ich mich?

25. August 2013

25.8.13

Leicht ist es nicht, mein Innenleben zu beschreiben. Aber mit jeder überstandenen Krise wird das innere Bild immer klarer.

Vor 11 Jahren, bei meinem Totalzusammenbruch, passierte etwas sehr Merkwürdiges. Im Zusammenhang mit den Flashs landete ich in einem Zimmer, das wohl für so einige Etappen meiner Kindheit steht.
Wie nun erlebe ich das Leben, die Welt, mein Fühlen seitdem?

Ich bin in einer Kiste, aus Holz und teilweise Korbgeflecht.
Diese Kiste ist gleichzeitig ein Zimmer im schummrigen Licht mit nur einer „Nach-Innen-Tür“. Ich starre wie hypnotisiert auf diese Tür, rutsche dabei immer dichter an das Kopfende des Bettes, umklammere meine Beine. Die Tür wird etwas zu mir herein lassen. In Erwartung des absolut Bösem verharre ich seit  Jahren in dieser Position.
Die Tür lässt überhaupt nichts nach außen dringen. Ich habe keine Möglichkeit, etwas nach außen zu bringen, geschweige denn selbst nach außen zu gehen. So wird das Zimmer für mich wie ein eisernes Band, das sich über meine Brust legt und immer enger wird.
Viele Ich-Wesen sind aus mir herausgetreten, schweben an der Zimmerdecke nervös durcheinander, von einer Ecke in die andere, so, als suchten sie ein Entrinnen.
Dies beschreibt meinen üblichen Tagzustand.
Dieses Umherschwirren im Fluchtversuch schafft in mir eine enorme körperliche Angespanntheit, die ich trotz aller Entspannungsübungen nicht loswerden kann.

Die Kiste hat Ritzen, durch die manchmal etwas nach innen dringt. Meist sind es Trigger, die meine Ich-Wesen in ein völliges Chaos stürzen.
Und im Moment der gefühlten Bedrohung scheinen die vier Wände dieses Zimmers gleichzeitig eine Garantie zu sein, dass sie mich beschützen, dass sie nichts an Gefahr zu mir hindurchlassen.

Das Zimmer als schützendes Verlies meiner Existenz.

Wenn ich einigermaßen real im Alltag bin, kann ich das angespannt Sein nur mit Ablenkung etwas herunter schrauben. Da ich aber bisher noch keine wirkliche Traumatherapie gemacht habe, ist diese Ablenkung nur eine Verdrängung des Ganzen. Dies wiederum bringt meine Ich-Wesen in noch mehr Verwirrtheit, die Anspannung steigt, der Druck wird oft gefühlt unaushaltbar.
Mit etwas Glück kompensiert sich das mit körperlichen Schmerzen, denn sie sind besser auszuhalten; abartige Entspannung durch gefühlten psychosomatischen Schmerz und durch Körperflashs.
Mal völlig abgesehen davon, dass ich zusätzlich ununterbrochen meine Wirklichkeit zu überprüfen scheine durch schmerzhaftes Einreißen der Nagelhäute, ohne Pause. Der Schmerz als Wahrnehmung meiner Selbst, als Sicherheit, noch zu existieren.

Ich finde kaum noch in den Schlaf:
Wenn ich zur Nacht die Augen schließe, scheinen meine Ich-Wesen zu mir zurück zu kehren.
Was des Tags in meiner Außenhaut stattfand, findet sich nun in meinem Kopf. Gedanken überschlagen, überholen, überdecken  sich dermaßen, als wolle jeder einzelne zuerst zu Wort kommen. Ein Nicht-Denken-Können in der Überflutung von Gedanken. Das Gehirn findet keine Sortiermöglichkeit, kein Ablagefach, kein Ordnungssystem. Und so wälze ich mich Nacht für Nacht durch die Stunden durch scheinbar fremde Gedanken, die doch meine sind.

Und die Nacht macht das Zimmer dunkler und enger. Nichts kann durch die Wände nach außen dringen. So platzt es fast aus allen Nähten vor Gedankenfetzen, meinen Schreien, meinen Schmerzen. Alles ineinander vermengt, nicht zu entwirren.
Ein Morgen bedeutet völlige Erschöpfung, Schmerzen in fast allen Gliedern und der Angst, alles beginnt von vorn.
Jeden Morgen!
Jeden Tag!

Dissoziation im Alltag

5. August 2013

5.8.13
Wenn du es nicht aushältst, der Akku leer ist, und du beim Blick vom Balkon den Gedanken hegst, aber nicht den Impuls dazu hast … dann ist es Zeit zu verschwinden.
Kann mir selbst nicht erklären, wie das funktioniert. Aber es scheint ein bewusster Entschluss zu sein:

Die Kleinen nennen das „Leer machen“, die Jugendlichen „Innen tot machen“. Ich habe keine Worte dafür, außer vielleicht „Nichts fühlen müssen“. Profis sprechen wohl von „Dissoziation“. Völlig Wurst, denn ich kann nicht mehr.

So sehe ich zwar nach außen, nehme die Umgebung wahr, aber sie kommt nicht an bei mir. Als wären die Augen nur ein Glaskörper, hinter dem der Stumpfsinn hockt und alles Reinkommende packt und in den Müll haut. Mister Stumpfsinn lässt nichts durch bis in die Hirnzellen, damit sie verschont bleiben. In der Wohnung scheine ich ein Geist zu sein, der vor Eintönigkeit nur schlafen möchte. Eine Außenwelt existiert nicht, kein Grund also, die Wohnung zu verlassen. Es gibt kein „Wofür“, das macht Alles und das Leben so ohne Sinn. In der Herzgegend nur ein Klumpen geschmolzenen Stahls, in hohen Wänden eingemauert. Das Einzige, was an Wahrnehmung durchkommt, dieser tote Klotz in mir. Der Körper scheint nicht existent, ist Überfluss, könnte ja weg, eigentlich. Das Gesicht eine erstarrte Miene. Selbst mit Anstrengung lassen sich die Gesichtsmuskeln auf keine Bewegung ein.
Das ICH ist irgendwohin verschwunden. In Sicherheit? Auf dem Scheiterhaufen?
Es ist Notwehr, nur reine Notwehr.

Wahrnehmung der Innenkinder

4. August 2013

4.8.13

Fragen einer Bloggerin:
„mir kommen weitere fragen. wenn ich es richtig verstehe, gibt es die änderungen in deinem verhalten, bewegung, sprache schon immer, auch schon bevor du bewusst darin deine innenkinder wahrgenommen hast?
woher weißt du wie sich eine 3-jährige, eine 5-jährige und ein säugling verhält?
durch eigene kinder oder fühlst du das einfach?
ich kann das bei mir oft nicht zuordnen, aus welchem alter etwas kommt. aber bei mir drückt sich auch alles nur innen aus. ich lerne gerade, davon auch etwas durchzulassen.“

Ich antworte:

Ja, geswitcht bin ich schon immer. Konnte das rückblickend an vielen Beispielen festmachen.
Ich habe zwar meine Tochter groß gezogen, aber die kleinen Innenkinder habe ich anfangs durch Reflexion bemerkt. Holte die Situation in Gedanken zurück, sah drauf und erkannte das Alter. Mittlerweile bemerke ich es entweder gleich (Co.Bewusstsein), oder gar nicht. Das wechselt, weiß nicht warum. Aber mein Lernprozess hat mir Mut gemacht, die Kleinen einfach machen zu lassen, denn oftmals fühle ich nur auf diese Art glückliche Momente.
Woran erkenne ich das Alter?
Ich weiß nicht, ob ich als Mutter den Blick gut dafür habe, oder weil ich 25 Jahre mit Kindern gearbeitet habe, keine Ahnung.
Nun, wenn du plötzlich tapsend läufst, kaum das Gleichgewicht halten kannst, nicht über die Schwelle zum Balkon kommst …dann bist du eben kein Jahr. Oder ich kann plötzlich gar nicht mehr laufen, finde keine Wörter zum Sprechen, nur komische Laute kommen raus…, keine Frage, nicht wahr?
Die 3 Jährige erkenne ich an ihren erstaunten Blick auf die Umwelt, als würde sie alles zum ersten Mal entdecken. Auch denkt sie sehr eingeschränkt. Mit 5 bin ich mutiger und gehe ohne viel Überlegung auf die Dinge zu, bin beweglicher und erkenne schon Zusammenhänge.
So komisch, wie das jetzt klingt, aber ich weiß nun auch, warum ich erfolgreich im Beruf war, gemocht wurde. Sicherlich habe ich mich unbewusst immer in das jeweilige Alter bugsiert, und meist aus der Sicht der Kinder gehandelt. In der 5. Klasse sprach und handelte ich anders, als bei den 18 Jährigen. Und wenn man selbst das Fühlen des Alters gerade hat, kann man absolut gerecht und schützend sein, zumal ich selbst alles an Ängsten in Kindern am eigenen Leib erfahren habe. Was auch immer da war … Respekt und Konsequenz. Das wird von Erwachsenen, die Halt geben sollen, einfach erwartet.
Du sprichst von Durchlassen.
Raus kamen sie bei mir schon immer, ohne, dass ich davon was mitbekam. Als ich es vor 10 Jahren merkte, bin ich vor Scham fast gestorben. Heute ist nun anders. Es nimmt total die innere Körperspannung, wenn ich den Kleinen ohne Scham draußen die Zeit lasse. Mit den verletzten Seelchen muss ich noch sorgsamer umgehen, das lerne ich gerade. Aber die „Entdecker“ bekommen alle Zeit der Welt, weil sie mir das Gefühl von wohlfühlen geben.
Da sind noch viel mehr mir „Unbekannte“ im Innen und Außen. Aber ich kann sie nicht alle erfassen und genau sehen. Das wird schon noch irgendwann. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.
Übrigens, als meine Tochter noch bei mir lebte (längst erwachsen), hat sie mich oft auf „Fremde“ in mir aufmerksam gemacht. Sie hat als erstes auch die Jungen gesehen. Oh Mann, man selbst bekommt das ja erst nicht mit.

Innenkinder differenzierbar?

2. August 2013

Ich danke der Bloggerin für den Gedankenanstoß!

Kommentar einer Bloggerin zu „Innenkinder“

„Wie so oft, spricht mich deine Offenheit und Ehrlichkeit sehr an. Ich erlebe gerade viel von meinem hyperaktiven Entdeckerkind, und mir fällt auf, dass ich das Entdecken fast verlernt habe. Danke für deinen Text.“

Ich antworte:

Ja, wenn man die Kleinen einfach mal lässt, egal wie die Umwelt reagiert, dann erstaunt es, wie irre Spaß dieses neue kindliche Erleben macht. Ich lerne wieder, ganz bewusst mein Umfeld zu betrachten und komme nicht aus dem Staunen raus!
Unter der Rubrik “Kurzgeschichten” steht – Anna und die Zauberfee, und auch – Fiona im Switsch. … beides selbst erlebte Situationen der Kleinen. Lies mal!

Bloggerin:

„Ja, staunen. Die Faszination des Augenblicks, der einen verschluckt. Die Zeit existiert nicht mehr. Luft anhalten… passiert mir dann auch oft. War heute auf dem Spielplatz rutschen.

Was mich interessieren würde, sind deine Innenkinder für dich immer klar getrennt voneinander wahrnehmbar? Der, der die Schneeflocken mag, der, der die Vögel beobachtet. Woher weißt du, wer wer ist? Oder vermischt sich auch mal was? Oder hast du die Trennung, Sortierung mit dem Entdecken vorgenommen?“

Ich antworte:

Oh, komplizierte Antwort!

Nein, selten klar.

Manchmal merke ich es sofort an den Bewegungen und der Sprache. Da wird mir schnell das Alter klar, weil sich nun mal Säuglinge, 3 jährige oder 5 jährige völlig unterscheiden in Sprache, Mimik, Gestik und Bewegung. Oft erst danach, wenn ich auf mein Verhalten angesprochen werde und ich nachspüre. An den völlig verschiedenen Interessen merke ich es, und dem Wissen, was gerade da ist. Das Merkwürdige ist auch, dass einige wohl bekannt, stets wieder erkannt werden, aber keinen Namen haben.

Dann ist bei bestimmten, mir wichtigen Personen auch mal ein ganzes Rudel da, das sich gegenseitig schupst, weil jeder Zeit mit dem Menschen haben will. Da erkenne ich kaum was, bin völlig überfordert.

Wie bin ich auf die Kinder gestoßen?

Zuerst über die Intrusionen. Landete im Flash, war total im Kind.

Damit fing es an.

Je sicherer sich alle in mir fühlten, umso mehr zeigten sich nun auch die „unversehrten“ Teile, die, die Spaß haben, entdecken, leben wollen. Über sie freue ich mich natürlich besonders. Aber auch hier verstehe ich noch nicht die Zuordnung. Ist auch Wurst. Ich kann ihr Erleben genießen. Da ist nichts mit sortieren, weil ich es selbst noch nicht so recht verstehe: Nämlich die Frage:

„Sind es die verschwundenen Seelen zum Zeitpunkt des Traumas? Sind es die, die beschützt werden mussten? Ich weiß es nicht. Ich habe nur gelernt, immer besser in mich hinein zu horchen, wenn da jemand mit den Füßen aufstampft, weil er meine Aufmerksamkeit will.

LG

Innenkinder sehr verschieden

31. Juli 2013

Feenja vom Seelenland schreibt:                                                                                                                                  31.7.13

Ich habe lange überlegt ob ich diesen Text schreiben soll, tatsächlich fühle ich mich damit nicht wohl. Trotzdem. Es geht um die Kleinen im System, um die Innenkinder. 
Wie oft musste ich im Internet und auch anderswo lesen, Innenkinder sind in der Regel verschüchtert, reden nicht, malen gerne, mögen Kuscheltiere usw. usf. eben diese typischen Kriterien wie man es sich auch von außen gerne vorstellen möchte.
Bei uns ist das nicht die Realität. Wir haben Kinder innen die überhaupt nicht kommunizieren können von denen nur unverständliche Laute kommen, die wenn sie vorne sind mit ihrem Gegenüber gar nicht interagieren wollen oder können.
Wir haben Kinder innen, die sind nicht unbedingt nett und lieb, sie werfen mit Kraftausdrücken um sich, sie zeigen stark sexualisiertes Verhalten.
Wir haben Innenkinder die die Worte: Pimmel, ficken, Sex, Fotze als etwas “alltägliches” ( ich sage extra nicht normal ) in den Mund nehmen und aussprechen.
Ja, wir haben Innenkinder die viel Angst haben, anhänglich sind bei ein oder zwei Außenmenschen. Aber für uns ist es ein Mythos das Innenkinder immer anhänglich sind, spielen wollen (manche kennen den Begriff des Spielens nicht einmal)
Okay merke es gäbe viel, zu schreiben es ist zu oberflächlich. Ja der Text ist im Moment zu oberflächlich aber wir können nicht mehr.
 

Ich antworte:

Du hast vollkommen Recht. Da sind die, die als Baby noch gar keine Sprache haben können, die nur gurgeln und gestikulieren. Da sind Daumenlutschende, Stumme, aber auch Rotzlöffel mit irrer Lebensfreude. Auch kenne ich die völlig in Sexual-, und Fäkalien-Sprache abrutschenden Jugendlichen ab dem Alter … hört, hört von 10 Jahren. Und die Witze sind meist nichts für anständige Erwachsene, kann ich dir sagen!
Ich denke grade nach, und da fällt mir auf, dass man sicher beim Schreiben das Schmerzhafte verarbeiten will, und deshalb meist von den verwundeten, ängstlichen Kleinen berichtet.

Ist jedenfalls ein Gedankenanstoß -danke dir-, den ich festhalten will.
Mit Spielen ist es bei mir auch nicht weit her. Ich beobachte eher, dass die Kleinen fasziniert von der Natur sind und immer auf Entdeckungsreise. Macht in solchen Momenten richtigen Spaß. Tschaui erst mal. Marie

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Zum Spielen noch ein Wort: So allein vor mich hinsetzen und ne Ewigkeit spielen allein – geht nicht. Klar lass ich mal nen Kreisel tanzen, oder male mal kurz was im Ausmalbuch aus. Aber länger als 10 Minuten?  Neeee! Allein ist spielen blöd. Nun, ich habe Puppen … aber mit ihnen spielen tue ich nicht. Sie repräsentieren meine Innenkinder.
Ich selbst damit spielen, geht gar nicht.
Was ich neu dazu gelernt habe in den letzten zwei Jahren ist, dass es wirklich innen ankommt, wenn ich Bilderbücher, Kinderbücher ansehe, vorlese. Uh, das gefällt den Kleinen, da gehn sie ab wie `ne Haubitze, und zeigen und staunen! Das kann ich gut einsetzen für die „Innere Kindarbeit“.
Für die Kleinsten habe ich eine Spieluhr am Bett … wehe ihr lacht jetzt!
Was ich seit Jahren schon mache, oder die Größeren -keine Ahnung- Babysachen kaufen, auftrennen, den Puppen neu auf den Leib schneidern! Da ist schon eine Kiste voll mit.
Wir haben einen Fußballer unter uns und eine Blance“künstlerin“, die nichts unterwegs auslässt … peinlich!
Tja, Insektenforscher, Biologen voller Erkundungsdrang. Konnte in der Klinik stundenlang im Garten beobachten mit erstaunlichen Ergebnissen!
Manchmal bin ich überrascht, wer da so aus mir rausguckt. Viele Male neue Anteile, die ich nicht kenne. Zu schnell sind sie wieder weg, als dass ich sie identifizieren könnte. Nun, schade einerseits, aber andererseits macht es schon Angst zu spüren, dass da noch so viele unbekannte sind.
Auf jeden Fall wäre jeder willkommen!

Tod

28. Juli 2013

Immer wieder treffe ich in der Außenwelt auf Menschen mit Todesangst, und ich stelle fest, dass ich diese im Normalleben nicht empfinden kann. Die Aussicht auf den Tod ist das, was mein Leben irgendwie erträglich macht.
Was ist für mich der Tod?
Ein erholsamer Schlaf, ohne aufwachen zu müssen.
Ein – nichts fühlen müssen!
Aus der inneren Leere wird eine äußere. Einklang entsteht.

Oh Mann, ich erinnere mich gerade, wie oft ich mir als Kind vorgestellt habe, dass die Geburtsfrau an meinem Grab steht und weint. Als Beweis, dass sie mich ja doch irgendwie mochte. Als Kind diesen einen festen Wunsch zu haben, um nur ein einziges Mal ein Gefühl von ihr zu bekommen … Irre! Und doch immer wieder in den Gedanken damals.

Heute wird mir klar, dass diese Frau meinen wirklichen Tod eigentlich schon seit Jahrzehnten betrauern müsste, wenn sie es denn könnte mit ihrer Kälte.
Denn gelebt, wie ein Menschenwesen leben sollte, habe ich nie.
Zwei Seelen in meiner Brust: – eine, die immer auf der Bordsteinkante läuft, seit sie laufen kann;
eine, die sich einen Scheiß um die vielen Krebsfälle in der Familie schert und keine Vorsorge betreibt, damit es mal schnell geht;
eine, die bei Gewittern auf dem Eisenbalkon stundenlang steht und wartet;
eine, die nicht mehr aushalten kann und will!
– und die zweite Seele will seit 51 Jahren mein Überleben.
Ich weiß nicht, warum. Irgendetwas ist da in mir.
Wartet es? Wenn ja, worauf? Ist das Hoffen angeboren?
Worauf hoffen?
Einmal ganz tief zu fühlen, was am Dasein so schön sein soll?
Aber dieses Hoffen macht mich auch kaputt, jeden Tag mehr.

Manchmal wünsche ich mir, dass die Geburtsfrau nur einen einzigen Tag mal mein Fühlen und Erleben leben muss. Nur einen Tag. Den würde sie nie überstehen!!!! Nie!

In der neusten Epikrise steht, dass ich nur zwei Bewältigungsstrategien habe: Dissoziation und Vermeidung.

Voll erkannt. Nicht Betroffene können sich nicht hinein versetzen in die tägliche Überlebensqual! Klugscheißern können sie, und das war’s auch schon. Nun, woher sollten sie auch erahnen können, was in einem anderen Inneren abgeht. Erzählen tue ich sowieso nur einen Bruchteil, weil ich es sowieso nicht wirklich in Worte fassen kann, und weil ich nicht glaube, dass mein Gegenüber diese Qual nur vom Erzählen her aushalten könnte.
So bleibt am Ende diese unfüllbare Tiefe in mir selbst.

Welche Therapien finden statt?

15. Juli 2013

Das Ganze auf einen Punkt gebracht:

Niemals muss man hier vor den anderen Patienten äußern, wie es einen geht. Niemals, in keiner Therapieform. Das ist das Beste am Ganzen, weil gerade so etwas mich immer getriggert hatte. Auch darf niemals über die Traumatas vor anderen gesprochen werden, selbst in der Freizeit nicht. Das ist hier oberstes Gebot.

Was macht man hier als Gruppe in der Woche?

Jeden Morgen Qi Gong, ohne zu sprechen.

Jeden Nachmittag ein Tagesausklang, an dem eine Imaginationsübung gemacht wird, mehr nicht … keine Fragen, keine Gespräche, nichts weiter. Einmal in der Woche gibt es eine Rückmelderunde, in denen wir uns äußern können zu Problemen des Miteinander lebens auf Station. Türenknallen, Geschirr und solch Kram eben.

Zwei Mal in der Woche Skillgruppe, in denen man die ganze Theorie zur PTBS lernt.

Einmal Feldenkrais in drittel Gruppe, einmal Krafttraining oder Körpertherapie mit nur rund 5 Leuten.

Das war es auch schon! Mehr an Gruppe gibt es nicht. Und das tut echt gut, weil man so kaum getriggert wird.

Einzeln hat man die Traumasitzung und ein Nachgespräch, wenn man Glück hat Feldenkrais einzeln, PMR höchstens zu dritt, aber leider nur eine Einzel-Skill-Besprechung mit den Schwestern pro Intervall.

Tja, man glaubt es kaum … das war es schon! Wer mit freier Zeit nichts anzufangen weiß, hat hier ein echtes Problem!

Und zu jeder Zeit kann man zu den Schwestern gehen und mit ihnen unter vier Augen reden. Immer und 24 Stunden lang. Das ist Super! Wenn man’s sich denn traut.

Von der 1:1 Betreuung am TT-Tag habe ich ja schon erzählt, wenn nötig noch die ganze Nacht durch. Am Folgetag braucht man erst zum Tagesausklang sich wieder sehen lassen. Ja, es tut einfach nur gut, keinerlei Stress zu fühlen!
Aber (Nachtrag): Wenn ich nach grausiger Nacht erwache, immer noch in den Ängsten stecke, dann beginne ich mich allein gelassen zu fühlen, weil erst am folgenden  Nachmittag zum Tagesausklang bemerkt wird, wenn du fehlst. Hier empfinde ich eine große Nachsorgelücke. 15 Stunden würden nämlich locker ausreichen zu unkontrollierten Handlungen.

Ein Mal pro Woche kann man freiwillig in die Ergotherapie gehen, wo nur unsere Station (für maximal 21 Patientinnen) anwesend wäre (also man ist unter sich), und einmal gibt es das stadtoffene Atelier, bei dem man richtige Staffeleien hat, riesige Blattformate und alles an Farben, wovon das Herz träumt! Ha, da kann ich mich richtig austoben!

Zusätzlich kann man sich von den Schwestern jederzeit eine Aromatherapie wünschen, Lichttherapie, und nicht zu vergessen gibt es hier schicke Badewannen, wo man dann auch noch einen Badezusatz nach Wunsch bekommt, selbst lecker Öle!

Was es hier in kleinster Form gibt, weil das KKH sparen muss, sind physiologische Behandlungen. Gerade die wären nötig, weil jeder von Verspannungen klagt, Schmerzen und so weiter. Verordnungen vom Arzt werden nicht angenommen. Selbst die Stationsärztin darf nichts verordnen. (Man müsste sich das vorher privat selbst organisieren.) Ist schon echt blöd. Das existierende Bewegungsbad ist aus Kostengründen schon längere Zeit geschlossen. Ja, so etwas fehlt hier leider total.

Es gibt im Klinikgelände ein Center, in dem täglich was anderes für alle angeboten wird. Ich war dort bisher nur einmal zu einem Gospelabend.

Die Station ist ständig von außen verschlossen – jede Patientin hat ihren eigenen Schlüssel für die Türen – man kann also jederzeit raus und rein, ganz wie man will!
Mal abgesehen von der Tatsache, dass man täglich erst um 22 Uhr wieder im Haus sein müsste. Ja, die Stadt ist  eine schöne alte Stadt, deren Innenstadt man von der Klinik in 13 Minuten zu Fuß erreicht. So ist im Sommer die Station am Nachmittag wie ausgestorben, weil man in der Stadt ist, oder sich im nahegelegenen Freibad amüsiert. (wer es kann)

Aber Summasummarum bin ich hier total zufrieden, will gar nicht woanders hin.
Nachtrag: Man bekommt auch die Möglichkeit zum Liegen in einer großen Klangwiege, es gibt Kneippgänge wie „Wassertreten“ (heißt das so?).

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2. Intervall!

Marathonlauf im Switchen

22. Oktober 2013

Gestern bin ich das erste Mal beim Vorlesen ab 21.30 Uhr mehrmals eingeschlafen. War so fix und fertig wie ewig nicht.
Im Therapiegespräch habe ich die ganze Konzentration dafür gebraucht, vorne zu bleiben um dem Gespräch folgen zu können. Irgendwann später hatte ich dann mit einer lieben Stationsschwester ein Gespräch zu den Skills.(60min) Au weia, da war dann kaum noch Konzentration möglich. Ich bemerkte, wie eine Person die andere abwechselte. Und das teilweise im Minutenabstand. Ich war nicht nur atemlos, wie nach einem Marathonlauf, sondern auch Schwindel setzte ein und mein Kopf dehnte sich aus.
Hab überlegt, warum das bei der Schwester passierte und nicht bei der Therapeutin. Dann wurde mir klar, dass es an den Prioritäten liegt, die ich mir stelle. Außerdem kommt das Gefühl dazu, dass ich mich bei der Thera zusammenreißen muss, denn ich will ja schließlich von ihr die Hilfe. Da kann ich nicht einfach konfus auf sie wirken.
Auch erinnere ich mich, dass generell zu Therapiegesprächen irgendwie ein älterer Part geht, einer, der das Gesicht wahren kann, einer, der etwas verstehen will und lernen will. Und logischer Weise möchte ich kompetent wirken, damit man mich ernst nimmt. Schätze mal, dass ich dann bei der Schwester keine Kraft mehr hatte zu unterdrücken. Es passierte einfach, ich wurde hin und her geschleudert, war aber immer mitten drin und versuchte, die Kontrolle wieder zu bekommen. Na ja, was soll ich sagen? Habe mich so erlebt, dass mehr als zwei Innenpersonen gleichzeitig da waren. Oh nee, das war so anstrengend.
Der Kampf, stets etwas erwachsen rauszusehen, um kluge Mitteilungen erfassen zu können, war schlauchend, hat sich aber insofern gelohnt, als dass ich Aha-Effekte hatte und schnell notiert habe. Immerhin etwas, oder? Die Schwester hat mir imponiert! Danke!
Tja, dann war ich einfach nur noch fertig, k.o. wie nach einem Marsch in Gasmaske. Bin auch vor 23 Uhr schlafen gegangen …..aaaaaaaaah, was ungewöhnliches.
Bye und Gruß

Vorgespräch zur EMDR nächste Woche

24. Oktober 2013

Im heutigen Skillunterricht ging es um das Thema Achtsamkeit. Eine Hausaufgabe war zu machen, zu der ich dann unter anderem sinngemäß sagte:
“Ich habe lange und bewusst mein Gesicht in den Wind gehalten, sein Streicheln gefühlt und es bewusst als streicheln genossen, weil ich seit Jahren kein Streicheln von irgendjemanden bekommen habe.” Lacht nicht, ich hatte sogar mein Hemdknopf geöffnet, damit dieses schöne Gefühl auch bis an den Hals zu spüren war. Natürlich ist mir gleichzeitig meine unendliche Einsamkeit wieder klar geworden, aber dennoch hatte ich den Augenblick wirklich genießen können. Was ich aber eigentlich als Frage in den Raum stellen möchte, und unbedingt auch die Thera fragen muss:
Ich kann seit Jahren sehr intensiv die Achtsamkeit nach außen auf die Natur richten. Wenn, dann aber bemerke ich das Staunen der Kleinen, und je länger der Moment, umso mehr schickt es die Kleinen nach draußen. Sie sind dann total fasziniert und wollen weiter entdecken. Nun wurde aber im Unterricht gesagt, dass diese Achtsamkeit ins Hier und Jetzt führen soll. ??????? Da schleudert mich die Frage: Wenn es die Kinder sind, die diese wundervollen Wahrnehmungen haben, ist dies ein Hier und Jetzt? Ich glaube eher nicht, oder? Wenn geswitcht wurde, bin ich als die Andere im Jetzt? Oje, weiß keine Antwort darauf! Muss das unbedingt noch abklären.
So, nun zu nächster Woche! Es steht eine EMDR Sitzung an, in der es um Annegret geht (3/4 Jahr alt) und dieses Zimmer, in dem ich immer wieder bin. Ich habe Anne mit ins Vorgespräch genommen, damit sich die beiden kennenlernen können…- lief gut.
Vorher wurden die Introjekte beleuchtet, die eventuell die Sitzung stören könnten. Ja, und was soll ich sagen … ich switchte hin und her, war dann erschrocken, weil Franz erkannt und angesprochen wurde. Oh hat der sich fast in die Hosen gemacht. Er wurde noch nie angesprochen von außen. Ihr glaubt ja gar nicht, wie er sich gewehrt hat. Und das, obwohl er mittlerweile eher unser Beschützer ist. Naja, er soll dann ja auch nicht beschützen, sondern erlauben, dass die Kleinen auspacken. Oh menne, es war echt diffus und anstrengend für uns, in dem Moment irgendwie klar zu kommen, weil noch immer keiner von uns gewöhnt ist, entdeckt und angequatscht zu werden. Hier auf Station kommen zwar die Kleinen andauernd raus und wollen Spaß haben, aber Patienten merken das dann doch wohl nicht so…Gott sei Dank! Aber bei ner Thera erkannt zu werden, das ist sowas von peinlich! Teilweise kommt dann auch von innen heraus, wir würden petzen. So, als wolle das System in uns nicht verraten werden. Aber ich habe ja von Anfang an mit offenen Karten gespielt, und der Thera mein Haus gegeben, die “Liste” mit allen Innens und eben alles, was in unserem Inneren so ist. Dass sie nun aber einzelne anspricht, sogar “artgerecht” mit DU, dass erschreckt uns erst Mal heftig. Muss dann wohl langsam verstehen, dass es wohl der richtige Weg sein wird. Ob ich das hinkriege, mal sehen!
Eines macht mir noch Angst. Was ist, wenn ich in, oder nach dem EMDR einpinkle, so, wie es Anne in Notwehr tat? Oh Schitt? Verursacht im Voraus schon Stress pur.
Morgen ist hier ein Kongress…öh…ich darf nicht hingehen! Kein Patient darf das. Gemein! Aber psssst, ich versuche, mich zu zwei Vorträgen rein zu schleichen, basta!

Irgendwie wieder anwesend

31. Oktober 2013

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31.10.13

Hallo, bin irgendwie wieder da.
Möchte vor Scham in den Boden versinken!
Warum kann ich mich nie wirklich selbst raus-skillen?
Die 8jährige ist sauer auf mich, weil ich ihr nicht geholfen habe, aus der Angst raus zu kommen. Hinterher kann ich mich so einigermaßen kümmern, aber mittendrin? Kapiere das nicht! Ich sehe oft wie DRAUF, kann aber nicht einschreiten.
Spüre, dass ich endlich mal eine richtige Wut entwickeln sollte gegen die, die mir die Angst eingebleut haben. Nur wird mir mit den Jahren immer klarer, dass ich so etwas nicht fühlen kann. Es ist immer nur das Schuldgefühl vorne. Einmal im Leben mal so richtig raus schreien, Teller zerkloppen, Türen eintreten … das möchte ich mal können, wirklich! So oft Ähnliches von den Theras angeheizt wurde, so oft aber bin ich starr geworden, weil Wut und Gewalt was ganz Schlimmes für mich sind, so kommt es auch aus mir nicht raus. Im Gegenteil, soll ich mit der Zeitung auf den Tisch knallen, triggert mich meine eigene Handlung… es funktioniert nicht. Mir fällt gerade ein: Ob ich deshalb mein Leben lang so gerne in Tunnel und Unterführungen laut schreie? Meine Art von Druckabbau? Schätze ja!

EMDR Sitzung des letzten Montags

1. November 2013

1.11.13 um 20 Uhr: Heute war endlich ein voller Tag, an dem ich irgendwie gut drauf war. Sind eben aus dem Kino gekommen. Buha, sitz mal zwischen zwei Heulsusen, die vor lauter Romantik und dem schönen, friedlichen Tod einer, noch nach 70 Jahren den gleichen Mann liebenden, uralten Frau. Ich habe versucht, aus dem Film “Frau Ella” nur das Schöne raus zu sehen. Was Liebeskummer anbetrifft, (schööööön im Film) habe ich meinen eigenen einfach ausgeblendet. War erstaunt, dass es funktionierte. Der Film ist sehenswert … sehr tiefsinnig und romantisch, obwohl ja der Schweighöfer dennoch stets Witz benutzt. Eine gute Mischung war es.
Thema Therapiefortschritt:
Nun, es ging ja in der EMDR um die dreiviertel Jahre alte Annegret und deren (Bild), dass seit 10 Jahren geistert und nie besprochen wurde.
Erst versuchte die Thera das Tappen auf meinen Knien, das war mir aber zu eng, zu nah. Sie wählte dann die Fingerbewegung, denen meine Augen folgen sollten. Das kannte ich ja schon aus dem ersten Intervall (von ihrer Vertretung). Sie versuchte auch zwischendurch mich immer wieder ins Jetzt zu bekommen! Das Miteinander war nicht beängstigend, sondern bot Sicherheit. Das war ja erst einmal gut.
Was soll ich noch sagen? Wir kamen nicht bis zum Bildende, weil plötzlich die Kleinen insgesamt weinten und schreien wollten, wir in einer Bodenecke saßen, allen Schmerz heraus schreien wollten, aber nicht konnten! Waren wieder drin im ” so etwas nicht zeigen dürfen” . Da war nur schluchzen, pressen, weinen.
Es war wohl mein Fehler, dass ich zum Ende der Sitzung vorgaukelte, es wäre wieder alles im Lot. In Wahrheit war ich noch voll drin in der angstvollen nun 8 Jährigen, die jeden Erwachsenen meidet. Zu oft noch, möchte ich so angepasst sein, dass ich mein Gegenüber zufrieden stellen möchte. Ist mir eine Lehre gewesen, werde am Montag zur nächsten Sitzung ehrlicher sein…hm, hoffe es geht, weil ich geswitcht nicht die Kontrolle habe.
Es wird also noch einmal um das Baby gehen, damit sich endlich der Knoten löst, der mich immer wieder am Ende in dieses fast leere Zimmer schickt, um das pure Verlassenwordensein, die Hilflosigkeit und Todesangst zu fühlen. Es muss doch irgendwie funktionieren, diese Grundgefühle meines Lebens endlich loszuwerden!!!Fakt ist nun, dass ich üben soll, mit Annegret Kontakt aufzunehmen, mehr ihre Bedürfnisse zu erkennen und ihnen nachzukommen. So habe ich sie -wehe, ihr lacht, denn das ist hier Grundbaustein: Arbeit mit dem inneren Kind – ich habe sie drei Tage lang nach der Sitzung im Tragetuch mit mir rumgetragen, damit sie keine Einsamkeit fühlt, nachbeeltert wird. War nicht einfach, weil ich selbst ja im 8 jährigen, ängstlichen Zustand war. Aber wir haben schon immer selbst auf uns Acht gegeben, Kind auf Kind. Denn die Erwachsene ist seit 11 Jahren ja nur bruchstückhaft da.
Daran muss ich auch noch arbeiten, aber nicht jetzt.
Die EMDR erlebte ich so beschützt, dass ich keine Angst vor der nächsten habe.
Denkt bitte an mich, Montag ab 14 Uhr!

12 Antworten zu „EMDR Sitzung des letzten Montags“

fledermaus sagt: Wir denken ganz fest an euch. Nicht nur am Montag sonder jeden Tag.Liebe grüsse

Marie sagt: grrrrr….echt? An einen dir fremden Menschen?…?…Danke!

anja und die sterne sagt:Wir denken auch an Euch und wünschen ganz sehr, das durch die EMDR und allem was dort sein kann, Erleichterung werden kann! Ganz liebe Grüße senden wir zu euch .   die sterne

Marie sagt: Oh, wir danken dir!

Gabi sagt: Ab dem Absatz: es war wohl mein Fehler … finde ich mich selber wieder. Ich bin verwundert, erstaunt und vllt sogar erschreckt? Ich muss das jetzt erst mal verarbeiten. Danke dir für diesen Beitrag. Für Montag wünsche ich dir viel Kraft, denn wie du schreibst, es ist schwer etwas zu leisten, wenn man sich geradeselber nur klein fühlt :( ghg an euch

sophie0816 sagt: ich finde immer wieder, dass du das verdammt klasse machst und schicke dir weiterhin viel kraft. ich weiß nicht ob das hier hin gehört. ich habe dieses thema (verlassenwordensein, todesangst usw.) auch gerade am wickel, auf sehr ungewöhnliche weise, in dem ich 3 mal täglich ein modul in lichtsprache (man versteht also nichts) höre und das für 21 tage. bin jetzt bei tag 11. kann noch nicht sagen, was es bewirkt. irgendwas verändert sich, aber das muss nichts heißen.so geht jeder seinen weg und die können sehr unterschiedlich sein.

fledermaus sagt: Du magst es vieleicht nicht verstehen. Ich hab schon so viel über euch gelesen das ihr mir garnicht so fremd seit. Wünsche euch einfach das es euch gut geht. Und ihr das bekommt was ihr grade braucht. Liebe grüsse

Marie sagt: Oh Danke, danke! Es ist wohl einfach zu schwer für mich, das anzunehmen! Liebe Grüße von mir!

EMDR Sitzung am 4.11.13

8. November 2013

-nach TT (EMDR-Sitzung) am 4.11. noch am Abend geschrieben:

Ausgangspunkt war das “Zimmergefühl” , in das ich immer wieder reinrutsche. Erst habe ich es erwachsen als Skizze gemalt, dann sollte ich in das Gefühl gehen, und die Thera fing an zu tappen. Und egal was käme, ich solle alles kommen lassen, reden lassen, was will.
Letztendlich aber kam es aus allen Winkeln, allen Altern und endete im “Warum hilfst du mir nicht?” Ob ich im Prügelzimmer (Kramzimmer) saß, oder die anderen Bilder vor mir sah, es endete alles im gleichen Strudel der Hilflosigkeit, der Dissoziation, des Sterben wollens.
Und obwohl es um Annegret in diesem Zimmer gehen sollte, erkannten wir gemeinsam, dass immer wieder 4 Wände/Zimmer, Angst vor der Wohnung aus der Kindheit sind, die der Wegbereiter zum Abtauchen waren.
Großes Dilemma also!
Und was tue ich in meinem Erwachsenenleben? Ich bleibe im Zimmer/Wohnung um Triggern auszuweichen. Ich dränge aufsteigende Gefühle weg, aus Angst, sie ohne anwesende Hilfe nicht bewältigen zu können! Summa Summarum tue ich alles wie früher!! Fahre die ausgeleierte Autobahn rauf und runter, eingestanzte Spurillen, die keinen neuen Weg aufzeigen können!
In meinem Kopf geistert gerade rum, dass ich dies irgendwie schon mal verstanden hatte von mir. Aber während der TT wurde mir überdeutlich bewusst, was es für die Kleinen bedeutet.

Dann rätselten wir herum, welchen Ausweg es gäbe. (immer wieder mit der Handbewegung vor meinen Augen) Die Frage nach- neuen Erfahrungen machen- wurde schwammig, weil auch die Erwachsene so einiges wegstecken musste, und somit kaum eine wirkliche Trennung zu den Kindern möglich ist.
Dann war da ein Moment, in dem ich scheinbar eine von mir abgetrennte Wahrnehmung für das Fühlen der Kinder hatte. Riesige Anteilnahme und ein Beschützerinstinkt entstanden in mir. So, merkte ich, müsste es immer funktionieren, wenn die Kleinen auftauchen. Frage und hoffe nun, dass ich dies so öfter wahrnehme und dann auch reagieren kann. Wäre die Lösung!
Ich hörte irgendwann die Thera von Beistand sprechen, ich bekam aber kaum was mit. Nur:
Meine linke Hand war plötzlich eingeschlossen von etwas Kühlem, Angenehmen. Ich fühlte da rein, und bekam eine Ahnung, wie Halt sein kann inmitten eines Gefühlschaos.
Ich glaubte der Wahrnehmung nicht, denn sie war neu!
Also machte ich die Augen weit auf und sah bewusst auf meine linke Hand. Uhj, sie lag eingebettet in den zwei Händen der Thera.
Erst begriff ich es nicht, dann kam Angst; nur kurz, Scham setzte ein, die eigentlich meine Hand entziehen wollte. Die Scham aber drängte ich zurück,weil ich dieses beschützte Gefühl länger fühlen wollte. Ich sprach dies auch aus, letztendlich war es aber in Ordnung. Erst als der Rotz lief, zog ich meine Hand weg, um schnauben zu können.
Und jetzt beim Schreiben wird mir klar, dass ich dieses erlebte Fühlen unbedingt den Kleinen weiter geben möchte. Ich möchte ihnen diese Hände sein.

Auch wünschte ich mir öfter so einen bewusst erlebten Halt.

Ach nee, so viele mehr?

15. November 2013

14.11.13

Ohne Kontrolle jeden reden lassen, egal ob wir ihn schon kennen. So weit konnten wir bisher nicht denken, wenn das Chaos im Kopf einsetzte und so viele Unbekannte mitquakten.
Gleich 11 Uhr, sehen aufgequollen aus, Schlafmittel hat Schlaf gebracht nach einem Verzweiflungsheultag.
Am Nachmittag heute noch die TT, oh menne, wird wohl noch krasser werden! Hab mir gemerkt, dass wir mehr aufschreiben sollen, und Scheiß drauf, wer es von uns tut.
Seit gestern bin ich Viele da, Drängelei, jeder will sein Zeug loswerden. Ich kriegs ab und komme noch nicht zurecht mit Fürsorge. Geht irgendwie nicht ohne Ortungssystem, sind zu viele und kenne sie nicht. So viel Schmerz auf einmal ausspucken wollen macht mich konfus.
Dazwischen die Kleinen, die im Arm bleiben wollen und so sehr nach ### schreien. Ankuscheln, einkuscheln, wohl fühlen, keine Angst haben müssen. Weiß nicht, wer ich bin, weil ich das Gleiche fühle. Möchte nur noch auf einen Schoß, drauf einschlafen, ohne aufwachen zu müssen. nie mehr, wär gut.
.
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Warum kann dieses Arschloch sich nicht selber mal eins in die fresse haun? Der Hu##nsohn müsste mal von ner ganzen Truppe so verprügelt werden, dass er nach Mami wimmert, der Arsch.
Psst, sonst hört er uns, versteck dich lieber.
Wozu, soll er doch kommen, ist eh schon Wurst. Wo ist mein buch? Legst dus mir hin? Versprochen. Ich hab solche Angst! Brauchste nich, sind doch da, kommste einfach zu uns. Wir können ja auf die silberne Brücke gehen, und die Frau Zeit macht Kakao. Dickes Ende, kommst du mit? Jo! Uh, soll sich der Pimpel seinen Gürtel doch selbst holen, dieser faule Sack. Werde ihm ins Gesicht grinsen, bu! Hälst du mich fest? Klaro, der soll nur mal in deine nähe kommen, da wirds rot, das sach ich dir.

15.11.13

Die TT war nicht schlimm. Nur der Augenblick, als die Thera und Kathrin rausgehen, uns alleine lassen wollten, nur weil wir tot sein wollten. Haben geflüstert ” nicht gehen”
Aber dann sind wir aber alle zusammen losgegangen (imaginär) haben uns einen Tisch gedeckt mit lauter schönen Sachen drauf, und ohne Stock im Rücken und Angst und Pflichtwurst. Da gabs Luftballons und wir durften alle reden und lachen und essen was wir wollten. Wolln wir jetzt immer machen. Weiß nich, ob alle raus sind ( aus der Familiensituation), da waren so viele wie 30 oder 40 Kinder. Manno, brauchen viel Stühle. Aber je mehr umso viel Spaß.
Die große hat uns abends n Schokoladenstulle gemacht und wir durften dabei einen trikfilm gukken, was mit lieben Monstern.
Und gemalt haben wir ein bild für die Tante.

Anteile 2003

5. Juni 2013

Freitag, den 15.4.2003

Kaum allein im Auto unkontrolliert die Tränen.
Du bist 10 und heulst. Warum tut sie mir das an? Lieben und verlieren? Es weint es in mir. Viel kleiner. Wein nur!

Hör nicht auf Frau M., da ist kein Sinn. Lass dich nicht verschaukeln. Da ist er wieder, der Rebell.

Pfeif drauf.

Ich erkenne dich, schnoddrig, Schauspieler, du cooles Arschloch hast kein Respekt.
Aber oft die Hilfe, keiner merkt was.
Offensiv; da kommt keiner ran.
Lässt nichts durch. Danke.
Ich durchschaue dich, bist die Abwehr mit der großen Schnauze. Du passt nicht hierher, rede heute anders.
Du blamierst mich. Aber bleib ruhig da. Hinter dir sehe ich die Kleine.
Du hast sie lieb, stemmst deine Arme in die Hüften.
Danke. Da kommt wirklich keiner durch.

Aber was soll ich mit dir tun?
Irritierst mich, zu wenig Platz da.
Ich rücke schon etwas.
Aber du drängelst. Machst deine Witze.
Und die Zähne tun mir weh. Was presst du so?

Bist wütend. Glaub ja nicht, dass ich das nicht merke.
Woher kenn ich dich bloß? Dieser Zorn in dir, diese Kälte
.
Frau Br..mann geht über den Schulhof. Ja, ich laufe los. Und bemerke den Irrtum – es ist nicht meine Mutter. Nur die Haarfarbe stimmt und das Grün in den Augen. Irgendwann gibt meine Freundin ihr mein Tagebuch. 8. Klasse. Der Tag wie heute. Es ist das erste Mal in meinem Leben, wo der Wunsch da ist: “ Bitte hilf mir!!!”  Peinlich, ich vergöttere sie. Dann der Schlag ins Gesicht. “ Ich will damit nichts zu tun haben.”

Hi, Mari, hab nach dir gesucht heute. Du erinnerst dich gut, nicht?

Ja, glaub, es war der erste Versuch in meinem Leben – mein erster Hilfeschrei. Nur wegen der Haarfarbe? Nein! Sah sie mit ihrem Kind, 3 Jahre. Zwischen den beiden sah ich Liebe. Weiß noch, ich wollte dazugehören. Eiskalte Abfuhr. Das Buch hab ich in den Ofen gesteckt. Schade! Was stand da drin? Keine Ahnung!

Ab da waren selbst die Lehrer blöd. Und mein Entschluss: Ich mach es besser. Ich werde Lehrer. Dir werde ich es schon zeigen!

Jetzt ahne ich woher du kommst, Rebell. Ahne ich? Warum bin ich mir so sicher? Höre ich dich in Gedanken oder sind es meine Gedanken? Mein Schädel will platzen. Kann doch nicht sein, dass du das Denken übernimmst.

Patientin Dora heute in der Gruppenvisite: “ Dass mir meine Mutter nicht mal 50 Euro anbietet.”

Da warst du plötzlich da, frech grinsend: “Wie kann man so etwas von einer Mutter erwarten. Mädel, du bist naiv. Mütter sind kalte Schweine!”
Meine Zähne tun weh. Aber wir stehen über den Dingen.
“Naives Ding, kennst das Leben nicht.” Lauthals lachst du.

Willst nicht hören lassen, wie es weint hinter dir. Na ja, besser als der Schmerz.

Nachtrag: In der Visite erlebte ich zum ersten Mal zwei Anteile gleichzeitig in mir! Hat mich überfordert, bin danach ins Gelände abgehauen, um wieder runter zu kommen! So ein durcheinander Gequake im Kopf machte Angst!

SMS-Pause …..

Ich sortiere:
das Baby, die Kleine, Mariechen, 10 Jahre, 12 Jahre, der Rebell, das Schlitzauge

Sitze blöd da und frage: Wo ist Mari??

MARI, Scheiß Name.

Meine Schwester J. hieß immer J…, mein Bruder M. immer M…! Ich war immer nur Mari. Meinen Wunschnamen hat das erste Mal Edit (Ungarn) ausgesprochen: Mxxxxx.
Oje, ich kapier hier was.

Gute Nacht! Will schlafen.

Eiskalter Tropfen
fällst auf meine Haut
und bist erstaunt
dass ich nicht aufschrecke
Wer ist nun hier im Vorteil?

Kann nicht schlafen. Die Tränen wollen kullern. Weil ich verstehe, was damals passiert ist. War die Enttäuschung so groß? Tat es so extrem weh, dass ich rebellisch werden musste? Obwohl ich verwirrt, geschafft, ausgelaugt bin, etwas Mut mit der aller ersten Erkenntnis: Wann, in welchem Moment in mir etwas Neues entstand. Und ein klein wenig Hoffnung da, dass ich vielleicht auch noch viel mehr verstehe irgendwann.

Eins ist mir seit 2 Wochen enorm bewusst geworden: Schon und nur allein das Wort – MUTTER – lässt alles kippen – Chaos – unkontrollierbar alles.

Deshalb die Angst vor den Gruppenvisiten? Jeder zweite Patient benutzt dieses Wort. Ich hasse das. Kriege Panik – so viel kommt hoch – staune – da braucht es kein Sofa – bin ausgeliefert – selbst in jedem Einzelgespräch.

Fetzen vor 10 Jahren ! Triggergefahr

28. Mai 2013

Tagebuch
Montag, den 31.März 2003

Hab mich ausgeweint bei G. S.. Kann es nicht glauben. Verstehe nicht, wie man so etwas abspalten könnte.
Am Freitag im Einzelgespräch erzähle ich von der Abweisung durch meine Mutter, der immerwährenden Angst. Und, dass ich nie weinen durfte oder auch nur eine Stimmung zeigen durfte. Frau M. fragt: ”Haben sie in der Schule geweint?”
Sprachlos sitze ich da und begreife: Nie in meinem Leben hat das Kind je über seinen Schmerz geweint vor anderen Menschen. Erst hat es die Mutter verboten, dann hab ich es mir verboten.

Und ich fange an zu verstehen, was aus mir geworden ist.
Und ich beginne langsam für mich zu akzeptieren, dass ich aus mehreren Seelen bestehe. In den letzten Wochen haben sich da der Säugling gezeigt, das Kleinkind und die 12 jährige. Glaube ich mal erwachsen zu sein, dann ist in Wahrheit die 12 jährige da. Sehe es an meinen Gesten, der Mimik und dem total verspielten Wesen. Und daran, wie ich vor Angst zittere, wenn es an ein Gespräch geht.
Und zum ersten Mal konnte ich fühlen, dass ich das traurige Kind in mir in den Arm nehmen kann und muss. Nur so kann der Schmerz raus und die Seele gesunden.
Erst letzten Donnerstag war das Kleinstkind da, das in der Ecke zusammengekauert hockte und den Schmerz und die Einsamkeit heraus schrie. Frau M. brauchte sehr lange um mich aus dieser falschen Zeit heraus zu holen. Und danach kamen die Erinnerungen bis ins Detail: wie meine Mutter zu mir war und was ich tagtäglich für Ängste ausstehen musste.
Wie ich den heutigen Tag verarbeiten soll und kann, das weiß ich noch nicht. Vielleicht sitze ich gerade dazu jetzt vor meinem Tagebuch.
Heute erzählte ich wieder von meiner Mutter, um zu erklären, warum ich vor den anderen in der Klinik einfach nicht weinen kann.

Neu ist zwar, dass ich nicht mehr “abhaue”/ mein Geist ist nicht mehr anwesend/ nehme die Umwelt nicht mehr wahr/ verflüchtige mich auf meine Wolke, die mich endlich mitnehmen soll — nein, ich hau nicht mehr ab.
Da ist plötzlich die 12 jährige mit ihrem pubertären Widerstand, der Gegenwehr, dem Trotz – ist anwesend, übernimmt den Schmerz und hält die Kleine im Arm. Bin also irgendwie da und verstehe, was um mich herum abläuft. Gleichzeitig stellt sich mir die Frage, wo ist die 41 jährige??? Frau M. jedenfalls hat sie noch nie gesehen.

Im Gespräch landete ich logischerweise wieder bei den Prügeleien meines Stiefvaters. Denn zu tief sitzt der Schmerz, dass mir niemand je zu Hilfe eilte. Meine Mutter sah einfach weg, meine Geschwister durften das “Prügelzimmer” nie betreten während der Schläge und auch lange Zeit danach nicht.
Fühle noch wie heute, wie ich zusammengekauert am Ofen hocke und mir die Seele aus dem Leib weine, Minuten und Stunden danach. Und niemand durfte zu mir, mich trösten. Mein Brüderchen wimmert in seinem Zimmer, meine Schwester musste alles im Nebenzimmer mit anhören.
Ich erzählte weiter, dass irgendwann (als ich ungefähr 13 war) meine Schwester sich vor meinen Vater warf und gegen ihn ankämpfte um mich zu schützen. Es war das erste und einzige Mal.

Was ich aber nie begriff war: Warum übernahm ab diesem Moment meine Mutter die Funktion des Schlägers??
Warum hörte sie nie, wie ich unter ihren Schlägen nach ihr rief: Mutti!! ?????

M. fragt mich: “ Was fühlen sie bei den Schlägen ihres Stiefvaters? Was genau tut ihnen weh?”

Weinend sitze ich da, spüre die Schläge auf meinem Körper einprasseln – aber da ist kein Schmerz, der von den Knochen ausstrahlt, von der Haut oder dem Kopf.
Wieder fragt M.:
“Was nehmen sie von ihrem Körper wahr? Wo tut es weh?”

Ich fühle, wie mir die Brust, der gesamte Oberkörper zerspringen will, spüre meine Beine nicht mehr, meine Scheide drückt, scheint doppelt und dreifach so groß – ich sitze darauf, sie ist im Weg.
Ich will aber nichts sagen.
M. drängt mich, auszusprechen, was ich gerade fühle.
Kriege Panik, mein ganzer Körper weint. Tränen fließen so viele, wie schon Jahre nicht mehr.
Aber ich kann es sagen – es rückt so ins Bewusstsein. “Meine Scham ist doppelt so groß.”
Jedes andere Wort über mein Geschlechtsteil ist in diesem Moment so widerwärtig für mich.
Riesiges Entsetzen breitet sich in mir aus, eine Klappe fällt.
In mir bäumt sich etwas auf und ganz tief in einem Eckchen ist da jemand, der mich ansieht und sich dann hinlegt mit einem Hauch von Erleichterung auf dem Gesicht.

Jetzt, noch Stunden danach, spüre ich das in jenem Moment Gefühlte. Will es nicht begreifen, nicht wahrhaben. Was war da im Zimmer passiert?? Finde keine Bilder, bin verzweifelt, möchte mich irren.
Stunden später:
Habe viel geweint, mit B. geredet, bin erschöpft, will schlafen.

Ich erinnere mich an M., wie sie bemüht ist, meine (auf sie übergesprungenen) Gefühle abzustreifen. Ich sehe sie so anteilvoll, schützend und stark. Fühle mich geborgen. Ich weine vor Erleichterung. Werde den nächsten Tag schaffen. Gute Nacht.

Alter Tagebucheintrag 2003/ Werd ich verrückt?

17. Mai 2013

Frühling 2003          Aufzeichnung für meine Therapeutin

Eine Frage noch, die mich total verrückt macht.
Warum höre ich einen Satz, eine Frage – dann steht diese im Raum – ich hab sie total verstanden – aber in meinem Kopf passiert nichts????? Ich rudere wie wild, gehe Wort für Wort durch -weiß genau was gesagt wurde – ich öffne eine Tür nach der anderen in meinem Kopf – eine Mauer nach der anderen. Es strengt so sehr an – vor lauter Konzentration scheint mir der Kopf zu platzen – und dann – irgendwann öffnet sich eine Luke – mein Kopf gibt ein Wort frei – der Kauderwelsch passt gar nicht zu mir – noch mehr Konzentration – dann geht es irgendwie.
Danach so ausgelaugt, wie nach einem 10 km Lauf. Und das bei nur einer Frage!!!
Dreh ich jetzt durch?? Das verwirrt mich, macht mir Angst. Was passiert da mit mir????

Trigger und Flash

1. Februar 2013

Fundstück

Die Zerstörung des sozialen Misstrauens ist umfassend gegen die Umwelt gerichtet.

Traumatisierte Menschen entwickeln besonders feine Antennen für unbewusste und nonverbale Kommunikation,
sie haben keine “normalen” Beziehungen und schwanken zwischen intensiver Zuneigung und verängstigtem Rückzug.

Mitmenschen werden bestimmte Rollen zugewiesen und ihr Verhalten beobachtet.

“Da kaum jemand die ständigen, strengen Prüfungen des Vertrauens bestehen kann, zieht sich das Opfer im Lauf der Zeit mehr und mehr aus allen Beziehungen zurück.”

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Beschreibung der uns allzeit bekannten Flashbacks!

Für Laien unvorstellbar! Strandkrabbe hat bessere Worte dafür, als ich es je formulieren könnte! Also drucke ich ihren Text ab!

Strandkrabbe schreibt auf ihrem Blog:   „gefühlte Erinnerungen“    Posted: 22. April 2013

Ein Blick. Eine Bewegung. Ein Zucken im Gesicht. Ein bestimmter Geruch. Ein Wort. Ein Tonfall. Ein Gedanke. Ein Geschmack. Eine Körperempfindung. Ein ganz alltäglicher Moment……………………
Plötzlich geht der Alarm im Innern los. Es gibt eine leichte Erschütterung. Nur ein Vorbeben. Alle rennen, wollen sich in Sicherheit bringen bevor alles erschüttert und zerstört wird. Der Anteil der gerade im Außen ist, erstarrt vor Angst. Was wird gleich geschehen? Wie ein wildes Tier in Gefangenschaft peitscht im Innern die Angst. Füße wollen laufen so schnell sie können. Hände wollen vor noch mehr Worten, Tönen, Erschrecken schützen. Nichts kann es stoppen. Panisches Aufspringen, loslaufen wollen. Vor der Tür stoppen. Beine wollen laufen, doch sind sie wie gelähmt. Auf den Ohren nur noch ein lautes Rauschen. Der Kopf dröhnt. Und dann zerfällt alles in dichten Nebel.
Die Barriere ist durchbrochen. Schutzlos, haltlos, mutterseelenallein ist sie da. Die kleine, zarte, zerbrechliche Kinderseele. Sie ist ganz ruhig. Hat sich klein gemacht. In eine schützende Ecke gedrückt. In der Hoffnung zu überleben. Vielleicht würde man sie nicht sehen. Vielleicht würde man nicht bemerken, dass sie noch da ist. Sie ist ganz ruhig geworden. Sie hört ein Rauschen als wäre sie direkt am Meer. Oh wie schön es wäre, sie könnte die Hände ausstrecken und die Freiheit des Meeres fühlen. Sie ist allein. Oder doch nicht. Plötzlich ein Geräusch. Ein Klacken. Sie kommen. Sie werden sie sehen. Sie werden sie mitschleifen. Sie hat keine Chance. In ihrer Phantasie taucht sie ein ins Meer. Bis sie nichts mehr fühlt.
Watte im Kopf. Eine weiße Wand. Kein Boden zu fühlen. Schweben im luftleeren Raum. Und dann plötzlich etwas kaltes am Arm. Augen füllen sich mit Tränen. Suchend wird nach dem Kalten getastet. Wir sind im luftleeren Raum zwischen hier und da. Das Kalte, es ist der Schlüssel, der Reiz, der mich rausbringen kann. Wenigstens raus aus diesem Schweben. Doch was erwartet mich da, wenn ich hier raus bin? Tränen über Tränen brechen herein. Abgrundtiefe Traurigkeit, panische Angst. Noch immer sollte ich nur Laufen, weg von hier. Doch die Energie hat sich in Nichts aufgelöst. Die Beine sind schwer wie Blei.
Ich bleibe in einem Chaos aus Gefühlen von Gestern und Heute. Unsortiert. Nicht zu unterscheiden. Nicht wissend, was ist real und was Erinnerung. Keine Bilder denen die Gefühle zuzuordnen sind. Nur Angst, panische Angst. Und der Körper erscheint nur noch als Hülle. Im Kopf tanzen Gedanken wirr durcheinander, bilden sich nur noch Worte ohne Zusammenhang.
Eine Bombe ist explodiert. Es gab einen gewaltigen Knall, ein schweres Beben. Zurück bleibt ein unsortierbares Gefühlschaos.

Was ist geschehen? Wir haben einen Fehler gemacht. Wir haben um Hilfe gerufen und die Helfer hilf-und ratlos gemacht. Wir wollten gerettet werden und haben doch um Verständnis und Loslassen gebettelt. Wir haben Not, Schmerz und Angst bei denen ausgelöst, die uns am wichtigsten sind. Und Fehler werden doch immer bestraft. Oder nicht? Und anderen Schmerz zufügen, das dürfen wir doch nicht. Das ist doch verboten.
Wie konnten wir es nur wagen, unsere Not so sehr zu zeigen. Was ist nur geschehen, dass wir geglaubt haben, es wäre heute richtig, nach einer helfenden Hand zu suchen, als alles stockdunkel um uns wurde. Jetzt wird es wieder dunkel…………………………
Wir hätten doch vielleicht nie mehr Nähe zulassen dürfen. Niemandem mehr vertrauen dürfen. Nicht mehr um Hilfe bitten sollen. Jetzt tut es nur noch entsetzlich weh.

Hallo Ihr,
es ist so ein schlimmes Gefühl, so sehr in sich selbst zu versinken und gefangen zu sein in der Angst. Da haben wir großes Mitgefühl und Verständnis.
Und wir kennen auch das Erschrecken, wenn man merkt und sieht, dass Helfer überfordert sind, oder sich hilflos fühlen. Vor allem dann, wenn man zuvor viel von ihnen Angebotenes “genommen” hat, weil man es brauchte. Wenn die Helfer sich danach belastet zeigen, ist das für unsereins ein schweres, ängstliches Gefühl. Für uns ist wichtig, innerlich etwas auseinander zu halten: WIR zeigen uns mit unserer Not und eigenen Hilflosigkeit gegenüber bestimmten Zuständen oder Gefühlen. Die gefühlte oder gezeigte Hilflosigkeit der Helfer ist DEREN Erleben, kommt aus DEREN “Ich” und hat nur bedingt etwas mit uns zu tun! Wir machen die Helfer nicht hilflos! Wir lösen mit unserem Sein vielleicht etwas bei ihnen aus- aber die Verantwortung für den Umgang damit tragen sie selbst. Wenn sie in ihrer Hilf-und Ratlosigkeit feststecken, müssen sie selbst schauen, wie sie damit weiterarbeiten können- und nicht wir müssen uns darum kümmern, dass sie sich nicht mehr so fühlen. Versteht Ihr?
Dass Ihr Euch auf jemanden eingelassen habt und die ausgestreckte, helfende Hand ergriffen habt, war mutig und stark. Dass Ihr einem anderen Menschen begegnet und ihn in Euer Herz lasst zeigt, dass Ihr Euch Berührung und Begegnung auch wünscht. Daran ist nichts falsch!

nahe menschliche kontakte sind am meisten gebraucht und am meisten gefürchtet…. sie können so heilsam sein und sie können so sehr weh tun… ein mensch kann so gut tun und auch so verletzen… eine grenze kann sicherheit geben und ausschließen oder abweisen…
alles gehört wohl dazu, wenn man sich auf das leben und auf menschen einlässt.

Liebe Grüße, die paulines

Hallo Ihr,
Eure Worte sind so absolut wahr und wertvoll. Es war so wichtig, zu lesen, dass WIR nicht die Hilflosigkeit bei den Helfern machen, und dass WIR auch nicht für sie sorgen müssen. Wisst Ihr, uns passiert das schnell, dass wir denken, dass wir was falsch gemacht haben und jetzt alles zerstört ist. Es sind alte Geschichten in die wir da reinrutschen. Und dann kriegen wir das Heute und das Gestern nicht voneinander getrennt. Es war gaaaanz schwer und anstrengend, aber wir haben heute vieles verstanden und ganz langsam weicht die Angst wieder zurück und macht dem Vertrauen Platz. Nur am inneren Zittern ist noch zu erkennen, dass es noch nicht wieder richtig gut ist. Liebe Grüße von uns

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