Posts Tagged ‘tertiäre strukturelle Dissoziation’

Ohne Dich gibts kein Ich!?????

25. April 2017

19.4. und 25.4.17

Wieder so eine Nacht, in der ich keinen Schlaf finde, die Gedanken um alles kreisen. Und dann weinen die Kleinen, sie brauchen Trost und überschütten mich mit ihrem Fühlen.
Warum verliere ich Menschen? Oder warum kann ich nicht auf neue Menschen zugehen?
Verlieren.
Ich glaube zu oft, zu viel an das Gute in einem Menschen. Scheine nicht bei jedem Menschen das Bauchgefühl zu haben, das mir meist den richtigen Weg zeigt. Wie verliere ich Freundschaften? Ich kann jahrelang (leider) Verletzungen schlucken. Aber irgendwann tut die Summe so weh, dass in mir drin eine Mauer hochfährt, die mein Fühlen völlig abschneiden will. Kann von heute auf morgen einen Strich ziehen, d.h. einen Menschen aus meinem Leben werfen. Scheine eiskalt zu sein, bin ich aber nicht. Irgend jemand von uns trifft die Entscheidung uns zu schützen, macht diesen Cut. Dieser Jemand fühlt nichts, rein gar nichts. Er regelt nur, organisiert. Ich selbst leide wie ein Hund darunter, oft Jahre danach noch.
OHNE DICH GIBTS KEIN ICH! ??????
Was ist das Ich?
Es ist die, die Lyrik und Prosa schreibt, es ist die, die malt, eine andere fotografiert, eine liebt den Sport, eine andere die Geselligkeit…..u.u.u!
Aber all die existieren nur, wenn wir in einem sozialen Kontakt eingebunden sind.
Bricht der weg, fallen wir in einen luftleeren Raum ohne Freude und ohne Lebenslust. Ist das typisch Depression? Wir werden wie starr, können kaum die Wohnung verlassen. Keiner von uns geht einem Hobby nach, keiner. Da ist nur ein Sitzen, ein Sitzen, Stunden vergehen lassen einfach so. Ein Raum, indem es kein ICH gibt. Da gibt es nur dieses tiefe schwarze Loch, um uns, in uns, als wären wir das Schwarze selbst. Und mit jedem Tag der vergeht, steigen wir immer tiefer in das NICHTS.
Und besonders in solchen zermürbenden Zeiten klammern wir uns an das Lächeln, das uns 2012 begegnet ist, das bis in unseren Kern vordrang. Und so sehr dieses Lächeln auch Mut macht…die Sehnsucht, ihm mal wieder in ECHT zu begegnen, ist so gigantisch groß! Drei Jahre sind vergangen seid der letzten Begegnung. Das Vermissen tut weh. Ich kann mir nicht erklären, warum ich diesen Menschen so sehr brauche. Die Liebende Erwachsene von uns….könnte sie so eine Ausdauer haben im Lieben ohne jegliches Liebes-Echo über Jahre hinweg? Ich habe keine Ahnung. Wohl darum will ich immer glauben, dass es die ganz Kleinen von uns sind, die nicht loslassen wollen.

Ist genau dieses absolut treue Festhalten an einer Person krankhaft??
Oder kann Liebe einen Menschen tatsächlich über viele Jahre hinweg an einen einzigen Menschen binden, obwohl man mit diesem niemals eine Beziehung hatte, mit dem man über die Zeit zwar Kontakt hatte, der aber nicht mal annähernd an freundschaftlich heranreichen würde?
Oder hat diese unbedingte Fühlen damit was zu tun, dass in der Summe über 40 Meinwesen das Engelchen lieben? Ist es möglich, dass sich aller Fühlen auf einen riesigen Stapel packt und somit an Mächtigkeit summiert?
Oder ist dieser Gedanke (basierend auf innere Wahrnehmung) nur eine Ausrede für ein „krankhaftes Lieben“??????
Antworten werde ich wohl niemals finden.
Darum frage ich in die Welt des Internets hinein:

Gibt es da draußen jemand, der Antworten hat? Vielleicht sogar jemand vom Fach „Gehirn“????

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Ich bin das Nichts

3. April 2017

das nichts
keiner braucht es
das nichts
niemand sieht es
das nichts
ist tief und schwarz
ist hohl und stumm
das nichts
ist nichts im nichts
das nichts
bin ich

3.4.17
(kb)

Nicht multiple? Mir gehts gut!

14. Dezember 2016

14.12.16        aus dem Tagebuch

Heute hat die Schwedin Geburtstag! Die Frau, die seit meinem 15. Geburtstag meine Anlaufstelle war und ist, meine Vertraute, so etwas wie eine Ersatzmutter. Nun ist sie 76 Jahre alt, und immer noch stehen wir im engen Kontakt, nur leider seit rund 4 Jahren nur noch telefonisch, da sie nach Schweden gezogen ist. Beim heutigen Telefonat erwähnte sie, dass ich diejenige war und bin, die einzige, mit der sie über wirklich alles reden kann. In diesem Moment fiel eine unsagbare Schuld von mir ab. Schuld – das Gefühl dafür, dass ich sie all die Jahre immer wieder mit meinen Problemen belastet hatte. Dass es aber ein Nehmen und Geben war, …das habe ich so noch nie gesehen. Ja, und darum tat mir das Gespräch heute mit ihr unsagbar gut.
Im gleichen Atemzug wurde ich böse auf meine schmerzenden Füße, die seit über zwei Jahren jeglichen Urlaub verhindert haben. Dabei steht die Einladung nach Schweden schon so lange an. :-(( Und ich möchte meine Schwedin einfach noch einmal richtig fest in den Arm nehmen, richtig fest und lange.

Leute, mir geht es zur Zeit gut wie lange nicht.
Liegt es daran, dass ich mich frei gemacht habe von Bevormundung, und dieser Akt mich ins Erwachsenen-Dasein befördert hat? Keine Ahnung.
Belebt mich die Schwangerschaft meiner Tochter?
Ist die innere Ruhe eingetreten, weil ich endlich keine zwei Termine täglich zu bewältigen habe? (Das war Extremstress für mich.)
Ich kann endlich wieder basteln, werkeln und malen, mir sitzt keine Zeit im Nacken!
Fühle ich Selbstbestätigung, weil ich wieder einmal meinem Bauch vertraut hatte, und sich die Sache bestätigt hat … dass eine sogenannte Freundin überhaubt keine Freundin ist, sondern eine Egoistin. So hört die von mir gewählte Abgrenzung langsam auf, weh zu tun. Langsam, aber stetig. Ich konnte ihr ein NEIN ins Gesicht sagen, freundlich, aber bestimmt! (stolz auf mich) Umso mehr freut mich, dass eine andere Schulfreundin gerne mit mir Zeit verbringt.
Mir geht gerade durch den Kopf, dass ich so enorm hellhörig, vorsichtig, empfindlich und misstrauisch bin, weil mich die Kindheit so gemacht hat. Aber diese Eigenschaften machen auch einsam. Das merke ich immer wieder. Oft wünschte ich mir, einfach oberflächlich ohne Ansprüche durch die Welt maschieren zu können. Damit ließe es sich bestimmt unbeschwerter leben im Umgang mit den Menschen.

Warum ich heute schreiben wollte: Diagnose Multiple

Ich weiß nicht, ob es anderen Betroffenen auch so geht!?
In der jetzigen guten, mit Ruhe ausgefüllten Phase glaube ich an eine Fehldiagnose. Mich nerven keine Stimmen im Kopf, ich rutsche nur in positive kindliche Gefühle, ich habe keine Paniken, keine Alpträume, die Motorik funktioniert.
Geblieben sind nur Einschlafprobleme und die mit der Zeit.
Zeit: – kein Gefühl für Minuten oder Stunden, – krasse Vergesslichkeit, – kaum eine Erinnerung der letzten Tage, Wochen, Monate lässt sich zeitlich zuordnen (ohne Kalender mit Notizen hätte ich keine Erinnerungsmöglichkeiten)

Also, nur zwei Probleme, die jeder dritte Mensch der Erde auch hat!
Ich bin wie jeder andere! 🙂

Mein Leben lebt z.Z. im Chaos

23. August 2016

aus dem Tagebuch:

23.8.16

Die Zustände wechseln enorm, sind oft parallel, überlagert, irreführend.
Fersenschmerzen seit zwei Jahren ununterbrochen. Da hilft auch kein dissen mehr, lassen sich nicht mehr ignorieren. Tiefe Sehnsucht nach einem genussvollen Spaziergang…nach so langer Zeit scheint dies der Traum aller Träume! Weiß nicht mehr was wandern ist, was spazieren, erst recht nicht was tanzen, von Urlaub machen können mal ganz zu schweigen. Für alles braucht man die Füße. Gegen die Depressionen ankämpfen ohne solche Genüsse ist nicht einfach. Versuche das Nötigste im Leben seit zwei Jahren mit dem Fahrrad zu erledigen. Und nun will die Krankenkasse mir keine wichtige ambulante Reha gönnen. Zusätzliche Kämpfe die mich überfordern.
Rumms, bin bei den Zuständen, die mein Innen nach Außen kippen, Oben wird zu Unten, meine Kompetenzen sind vergraben im Niemands-Ich, im Haushalt weiß der Eine nicht, was der Andere macht…explodierende Espressokannen auf dem Herd…rumliegende Putzutensilien zeugen von Anfängen, aber…, Fisch in der Pfanne wird zu Kohle (man gut, dass in der Küche kein Feuermelder ist), Licht bleibt an, Fenster werden nicht geschlossen….meine Motorik spielt verrückt – muss extrem langsam machen selbst beim Aus-der-Badewanne-steigen, jede Ecke in der Wohnung wird „mitgenommen“, Kontrolle scheint verloren zu gehen…höre lieber mit dem Aufzählen auf, bringt nichts, ist zu viel.
Logisch, dass da Ängste aufsteigen. Noch bin ich völlig selbstständig, will das nicht verlieren. Nun hoffe ich, dass diese unkontrollierbare Zeit wieder vergeht. Kontrolle – das Schlüsselwort an sich! Davon lebte ich bisher, überlebte ich.
Appropo überleben.
Habe in meinen Unterlagen Notizen von mir gefunden:

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Oh Mann, ist es da ein Wunder, dass die Kleinen von uns Halt suchen bei Elfen? Halt, den ich momentan nicht leisten kann?
Ich sag ja, irre ist nichts dagegen.

Unsere Jung’s sind Autofreaks

9. August 2016

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Muss echt aufpassen, dass wir nicht zu viel einkaufen.

Und dann…..seit Wochen freuen wir uns, tagtäglich Bagger anzusehen, und gigantische Bohrer!!!! Direkt dort wo wir wohnen. Nur die Große regt sich auf über den Krach und den Staub. Hi, Hi!

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Baaaaaaagggggger 😄😄😄

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Juchuuu

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Langsam verschwindet das Haus.

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Verstrickt – die Kunst des Loslassens

5. August 2016

Was für eine Last!

therapeutenseele

Für die Eisprinzessin, die nur in sich selbst das finden kann, was sie im Anderen sucht.

Meine Supervisorin schaut mich mitfühlend an: „Sie werden keinen herrschaftsfreien Dialog hinbekommen. Sie können nicht mit einer ehemaligen Klinikpatientin nach deren Entlassung privat in Kontakt bleiben, das funktioniert nicht.“ Ich schlucke, weiß nicht, was ich antworten soll. Klar ist mir das ja auch, irgendwo tief im Inneren. Aber. 1000 Gedanken, warum es doch gehen könnte, warum in diesem Fall alles anders ist. Gleichzeitig 1000 Argumente, warum es eben nicht gehen kann, warum meine Supervisorin recht haben könnte mit dem, was sie sagt. Ja, was mach ich denn jetzt DAMIT?! Bevor ich weiter darüber nachdenken kann, stellt sie mir schon die nächste Frage, jetzt weniger mitfühlend, eher forschend-interessiert: „Was ist es denn, was Sie da nicht loslassen können?“ Ja, wenn ich das wüsste. „Ich weiß nicht,“ sage ich leise, „generell kann ich eigentlich ganz gut loslassen.“ Nur hier eben nicht. Und…

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Das Kind und die Schuld

2. August 2016

Seit ein paar Wochen arbeite ich an diesem Thema, und es schmerzt, verdammt nochmal!

Ohne viel Worte zeige ich Folien von Michaela Huber:

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Und heute kämpfe ich darum, meine Schuldgefühle abzulegen, das Unrecht zu erkennen, und die Verantwortung auf den „richtigen Tisch“ zu packen!

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Ein Introjekt als Albtraum

4. Juni 2016

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8.6.16

Das Mäuschen im Wolfspelz

Jahrelang wurde ich im Inneren beschimpft und genötigt. Musste mir Dinge anhören wie:
„Du gehörst auf den Müll! Bist weniger als der Dreck unter Fingernägeln! So was wie dich braucht kein Mensch! Warum springst du nicht endlich? Mach dem Ganzen ein Ende, ist besser so für den Rest der Welt! Sieh dich doch an, du fette Kuh! Wage es ja nicht dich gut zu fühlen! Halt ja die Fresse, ich warne dich! Wenn du auch nur ein bisschen verrätst, ich warne dich!…usw., usw., usw.!!!!!!!!“

Kam ich der inneren Stimme nach, indem ich mich einigelte, mich selbst wegschloss, mich vollstopfte mit Lebensmitteln, Kontakte vermied oder känzelte….ließ er mich in Ruhe.
Aber wehe ich versuchte Bindung aufzubauen…dann wurde das Täterintrojekt aktiv, störte meine Kontaktversuche mit Kopfschmerzen, oder lautem Dazwischengerede, was mir die nötige Konzentration auf das Gespräch raubte.
Am Einfachsten fiel es ihm aber, mich mit Worten runterzumachen, mir jeden zaghaften Versuch, ein Selbstwertgefühl zu entwickeln, zu unterbinden.
Ein Mann Anfang Dreißig, boshaft, abwertend, drohend, angsteinflößend….so sah ich ihn in mir.
Eine Traumasitzung torpedierte er schon aktiv, und danach schien er im Inneren alles klein zu schlagen, verwüstete unser Haus, brüllte rum. Angst machen wollte er uns – und schaffte dies auch. Das war vor rund zwei Jahren.

Und dann vor einem Monat eine EMDR-Sitzung zu diesem Täterintrojekt, dem VERLEUMDER, wie er seit Jahren heißt. Ziel der Sitzung war, mich von meinem Selbstmordwunsch abzubringen. Perspektivwechsel nennen die Psych. das.

Für mich war es eine grauenhafte Sitzung.
An die Details kann ich mich nicht mehr erinnern, schließlich wurde er ja befragt…anfangs.
Dann war da irgendwann die Frage: „Was ist los? Wo sind sie gerade? Was sehen Sie?“
Ich sah nichts, ich roch! Ich roch den ekligen Gestank von kochenden Babywindeln. Und dann war ich in der ersten Wohnung meiner Kindheit, und ich fühlte aus mir heraus plötzlich jemand anderen. Was heißen soll, dass ich switchte.
Die Thera holte den erwachsenen Anteil dazu und fragte nach, denn ich zitterte plötzlich, rückte von ihr ab. Sie fragte, was der Verleumder sich von mir wünscht.
-“ Nähe zu anderen Menschen ist verboten! Wage es bloß nicht, du gehörst nur mir! Reden ist erst recht verboten! Wenn du auch nur ein Sterbenswörtchen zu jemanden sagst, dann schlage ich dir den Schädel ein!“

Sie schrieb alles auf Zettel, legte sie vor mir auf den Boden, und fragte wieder und wieder nach dem Grund!

Buha, das war wohl zu viel.
Plötzlich war ich 6 Jahre alt und starb vor Angst.
Wie ich auf die Thera wirkte, oder was da genau passierte, kann ich nicht sagen. Nur eines wurde mir bewusst: Sie versuchte immer wieder tröstend meine Hände zu greifen, ich dagegen fühlte dies mit Todesangst, schrie NEIN und weinte, zog meine Hände immer weg.
In mir drin ein Gefühl: „Wenn du das erlaubst, bist du tot!“
Wollte weiter weg von ihr rücken… ging nicht, da war die Wand.
Ich schrie sie an, dass sie weiter weg gehen soll, was sie dann auch tat.

Dann habe ich Lücken in der Erinnerung. Ich weiß nur noch, dass irgendwann ein riesengroßes Entsetzen in mir aufstieg! In mir, der Mutter eines eigenen Kindes…Entsetzen darüber, dass ein 6 jähriges Kind aus Todesangst Zuwendung ablehnt. Das Wort Entsetzen reicht dafür gar nicht aus, finde aber kein anderes.
Und der zweite Schlag war die Erkenntnis, dass hinter dem erwachsenen Täterintrojekt VERLEUMDER, diesem grausigen Mann in meinem Inneren, ein 6jähriges Kind steckt, ein eingeschüchteter, vor Todesangst schlotternder Junge.

Ich weiß nicht, ob Außenstehende nachvollziehen können, was da in meinen Gefühlen abging. Ungeheuerlich!

Erinnern tue ich mich auch noch an die völlige Hilflosigkeit der Thera, dass sie nichts weiter tun konnte, als wegzurücken.
Sie hatte ja eigentlich mit der Sitzung auch vor, dem Introjekt eine Neuerfahrung anzubieten. Tja, er wollte aber nicht aus Angst.
Aber …. Profi wie sie ist, sprach sie dann mit dem kleinen Jungen, fragte, was er sich wünschen würde.
„Wegfliegen, ganz schnell wegfliegen, in die Wolken hoch!“
„Mit wem willst du fliegen? Wer soll dich da raus holen?“
„Ein riesengroßer Adler“ kam als Antwort.

In dieser Sitzung wurde nichts „verraten“, kein Grund genannt für die Drohungen. Nichts kam als irgendeine Erinnerung dazu, nichts.                                                        (später: fremde Schreie)

Tage später bekam der Junge seinen Wunschnamen Florian. Weil er so flink ist, dürfen wir ihn Floh nennen. (Jetzt wisst ihr, warum ich ein Adlerfoto gepostet habe. Der Adler ist Florians innerer Helfer.)

Was dann später im Innen alles noch so seinetwegen passierte, und wie wir uns langsam annähern, dass schreibe ich ein anderes Mal.

Für wen ist EMDR geeignet?

31. Mai 2016

Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) wurde in den 80er Jahren von Francine Shapiro als traumazentrierte Psychotherapie entwickelt. Heute wird die Methode zur Behandlung einer PTBS nicht isoliert, sondern meist im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans (Berger, 2004) angewendet.

Einsatz findet sie sowohl bei akuten Monotraumata wie Unfällen, Gewalterfahrungen, Vergewaltigungen etc., als auch bei traumatischen Erlebnissen, die bereits einige Jahre zurückliegen.

Es sollte abgeklärt werden, ob nicht auch gleichzeitig eine dissoziative Störung vorliegt, da hierbei der Klient durch EMDR retraumatisiert werden kann, d.h. nur überschwemmt von angstmachenden Bildern und Gefühlen.

Bei der Traumabearbeitung ist es wichtig darauf zu achten, dass Betroffene ausreichend stabilisiert sind, um sich mit den Erinnerungen und den dazugehörigen Beschwerden (PTBS , Akute Stressreaktion ) konfrontieren zu können.

Ein zu früh begonnene und nicht ausreichend professionell durchgeführte Konfrontation kann zu einer Retraumatisierung führen.

 

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5.Ich habe keine Persönlichkeitsstörung

24. Februar 2016

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Persönlichkeitsstörungen sind tief verwurzelte Verhaltensmuster.

Die dissoziative Identitätsstörung dagegen basiert auf den Verlust des integrierbaren Bewusstseins!

Ich meine:

Sie ist eine fehlgeleitete (eine zum Überleben notwendige) Entwicklung des Gehirns aufgrund frühster nicht zu verarbeitenden Traumatas. Fehlgeleitet nur insofern, als dass die Funktionsweisen des Gehirns im späteren Alter große Alltagsbelastungen darstellen.

Wenn das Gedächtnis nicht funktioniert, steht die Identität in Frage!

Wenn die Kontrolle über Wahrnehmung des Selbst und Umwelt, Beziehungserleben, Affekten, Erinnerungen, Körperbewegungen, Sensorik verloren ist…… dann bin ich nur ein Sammelsurium aus Fragmenten, dann kann ich kaum das Ausmaß der Welt um mich herum, das Ausmaß zwischenmenschlicher Beziehungen begreifen.

 

Spezialstation PTBS – EMDR Therapie Göttingen Asklepiosklinikum

7. Februar 2016

Leider muss ich im Voraus sagen, dass alle Persönlichkeitsstörungen, deren PTBS behandelt werden soll, dort gut aufgehoben sind, außer die der Dissoziativen Identität (multiple Persönlichkeit)!!!!!!!
Zwar wird dort super mit dem inneren Kind gearbeitet, aber Erfahrungen im Umgang mit Multiplen hat dort keiner wirklich. In Krisen wurde ich dort nicht bestmöglich versorgt, weil das Personal nicht den Unterschied kennt zwischen dissoziativem Symptom und Switch. Teilweise verschlimmerte sich dadurch mein Zustand.

Aber diese Station ist wirklich super geeignet für jedwede posttraumatische Belastungsstörung! (außer DISS)

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Man hat als Patientin einen Schlüssel, der für das eigene Zimmer und beide Stationseingänge ist. D.h. zum Einem, dass man jederzeit die Station verlassen kann bis 22 Uhr, und zum Anderen, dass die Stationstüren sich stets allein schließen, damit kein Stationsfremder Zutritt hat.
Zusätzlich ist der Zimmerschrank abschließbar.
Die Hälfte der Zimmer gehen mit Terrassentür in den Garten (eingezäunt), es gibt ausreichend Gartenstühle und Tische.
Eine riesige überdachte Terrasse mit Sitzgruppe für Raucher und Tischtennisplatte lässt einen auch schlechtes Wetter vergessen.

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Wie es sich lebt als Multiple

14. Januar 2016

Hier wird ein Begriff falsch verwendet ->Persönlichkeitsstörung. Multiple haben keine PS-störung (erzogen, erworben mit Notsystem), sondern eine Identitätsstörung (veränderte Gehirnstruktur,- und funktionsweise).

-aus dem Internet:
.
Eng mit dem psychisch bedingten Gedächtnisverlust verwandt ist die Symptomatik der dissoziativen Persönlichkeitsstörung.

Hier hat der durch seelische Traumata bedingte Gedächtnisverlust solche Ausmaße erreicht, dass ganze Teile der Persönlichkeit eines Menschen in die Abspaltung einbezogen werden.
Bei verschiedenen Anlässen treten dann ganz unterschiedliche Seiten der Persönlichkeit auf und handeln in Extremfällen, ohne dass ein Bezug zu den anderen Seiten besteht.
Ein solcher Mensch lebt wie zersplittert und hat größte Probleme, sich und die Mitmenschen zu verstehen. Weiterhin sind sein Lebensweg und seine Beziehungen von heftigen Wechseln und großen Schwierigkeiten gekennzeichnet.

Wenn sich – etwa durch ungünstige bisherige Lebenserfahrungen – ein starres Erlebens- und Verhaltensmuster entwickelt hat, kann dies zu Ieidvollen Störungen im Selbsterleben, v.a. aber auch zu schweren, sich ständig in ähnlicher Form wiederholenden Störungen in den Beziehungen zu anderen Menschen führen und die soziale Funktions- und Leistungsfähigkeit einschränken.

Persönlichkeitsstörungen sind somit als Extremvarianten bestimmter Persönlichkeitsstile zu sehen, wie sie jeder von uns entwickelt hat.
Die Symptomatik von Persönlichkeitsstörungen ist dementsprechend sehr vielgestaltig.
Beispiele wären etwa eine sehr stark misstrauisch-empfindliche Haltung der gesamten Umwelt gegenüber oder emotionale Kühle und ausgeprägtes Rückzugsverhalten.
Aber auch mangelnde Impulskontrolle, eine sehr schwere Selbstwertproblematik oder stark abhängiges, ängstlich-vermeidendes oder sehr zwanghaftes Verhalten können Ausdruck so einer Persönlichkeitsstörung sein. Charakteristisch für die Symptomatik bei Persönlichkeitsstörungen ist, dass sie lang anhaltend ist und als leidvoll erlebt wird.

Menschen mit einer dissoziativen Identitätsstörung fällt es schwer, ihr Erleben mitzuteilen, weil dies stark schambesetzt ist. Sie versuchen oft, ihre Symptome im Alltag zu verbergen, besonders ihre Zeitverluste, die sie am Tage erleben und ihre Identitätswechsel.
Sie bemühen sich intensiv, alles unter Kontrolle zu halten und teilen in ihrem Leben nur wenigen, sehr vertrauten Mensch ihr inneres Erleben mit.
Da sie manchmal auch innere Stimmen hören, tritt bei einigen Betroffenen die Sorge auf, falsch beurteilt und behandelt zu werden.
Im Übrigen können bei dissoziativer Identitätsstörung vergleichbare Symptome wie bei der Posttraumatischen Belastungsstörung auftreten wie z.B.:

erhöhte Schreckhaftigkeit

Depressionen

andauerndes Gefühl von Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen

andauerndes Gefühl von Betäubtsein und Stumpfheit

Vermeidung von Situationen, die mit dem Trauma zusammenhängen

Schlafstörungen

Alpträume.

Meine Zersplitterung im Erleben

17. August 2015

Ich lese alte Aufzeichnungen in der Kategorie „Ich ticke anders“ den Text: „2003, was? Noch 10 Jahre?“

Oh verdammt, ich lese diese Zeilen, besonders die zu 2013 und wundere mich: “Wer von uns war dieser Meinung?” Wie viele verschiedene Erlebnisebenen gibt es in mir? Nicht mehr täglich tot sein zu wollen…. das lese ich doch in meinem Tagebuch erst als Ergebnis zu einer wundervollen Beziehung 2013 zu einer Stationsärztin. Eine Beziehung, die mir das Öffnen erlaubte, das SO- SEIN, wie ich bin. Eine Arbeitsbeziehung, die mir Willkommensein zu Bewusstsein brachte, Respekt gegenüber meinen Anteilen offenbahrte. Aber im Zusatz zu dem Artikel formuliere ich eine Zeit 6 Jahre davor. ?????????
Oh jeminee, immer wieder zu bemerken, dass das “aktuelle” Ich Dinge nicht mitbekommen hat….grauenvoll! Ich wünschte mir so sehnlichst, dass mir die einzelnen Anteile ihr Erleben, ihr Wachsen mitteilen würden. Könnte mir so viel Zeit sparen.
Puh, merke, wie zerstückelt scheinbar selbst das Erleben in mir ist.

Aus dem Tagebuch: Chaos im Inneren

17. April 2015

Nicht nur in den Tagen ist das Stimmungsbarometer ein wirres Auf und Ab, auch in den Stunden. Heute war so viel auf einmal in mir. Morgen kommt eine Studienfreundin als Übernachtungsgast. Da hieß es gestern den Einkauf erledigen. Und Ballett – Eintrittskarten sind besorgt, freu, freu.
Heute wollte ich meine sehr gedrückte Parallelstimmung durch Aufräumen und Bügeln weg drücken. Denn noch immer sind da Vorbehalte gegen die neue Thera, obwohl diese sofort nach meinem Besuch mit meiner alten Thera (sie hat’s mir gleich gemailt) telefoniert hat. Was ja ein Zeichen von Kompetenz und Gutem Willen ist. Aber irgendwie scheut sich alles in uns vor einem Neuanfang.
Ist ätzend, mir hängt noch so sehr die anstrengende Klinikzeit nach. Lieber täte ich diese in Angriff nehmen. Denn, obwohl ich die Sache mit dem leiblichen Vater äußerlich abgehakt habe, arbeitet im Inneren ein diffuses Gemisch von Hilflosigkeit, Enttäuschung, Fragen von ganz jungen Anteilen (die oft heimlich vom Vater abgeholt wurden ohne Wissen der Mutter) und ihr Gebrüll zu diesem Thema. An der Stelle (Sofie-Säugling) werde ich nie eine wirkliche Antwort finden, da kann niemals eine reale Erinnerung zu dem grauenhaften “Blitz-Bild” kommen, niemals. Ich war viel zu klein, das ist mir schon klar. Und obwohl ich dieses Bild im Tresor habe, rütteln etliche Anteile an dessen Tür, als wollten sie mir etwas sagen. Nun, ich bin nicht dumm. Mir ist sehr wohl klar, dass, wenn er es eben mal bei mir mit 16 versucht, es nicht aus heiterem Himmel kommt, dieses Verlangen. Und trotzdem bin ich als Große voll im Abstreiten. Möchte mich als dumm und krank hinstellen (uj, Introjekt lässt grüßen), als jemand mit krankhafter Fantasie. Wäre echt gut, wenn dies klappen würde. Tut es aber nicht, weil schon beim Denken dieser Abwertungen totale innere Unruhe entsteht, Schmerzen am ganzen Körper auftreten, der Kopf voll ist mit Weinen, und eine Schar von Kindern gegen mich in den Kampf ziehen will, weil ich sie nicht ernsthaft wahrnehme, alles leugne. Trara ….., ich mache genau das mit meinen Innenkindern, was die Eltern damals taten:”Halt die Fresse!”
Ein unlösbares Dilemma, wenn innere Chaoskämpfe stattfinden, ich aber die Wogen nicht glätten kann ohne wirkliche Erinnerungen. Klar,meine Hausaufgabe ist, dem INNEN zu vertrauen, genau hin zu hören, und ihnen zu glauben. Das weiß ich.
Aber stellt euch vor, ihr solltet plötzlich glauben, dass Milchtüten auf dem Acker wachsen. Würdet ihr? Sicher nicht!
So geht’s mir Großen zu dem Thema “schon als Säugling…”
Hej, das will man nicht wissen, und Teufel nochmal nicht haben! Punkt.
Oh Schitt, weg von dem Thema, hin zu einem wohltuenden, existenziellen: Unser Engelchen hat uns auf unsere Mail geantwortet, juchuuuuuuuuuuuuuuu!
Und plumps, tanzen die Kleinen wieder vor Freude: ihre Mami!!!!
Da werden von mir in nächster Zeit wieder Imaginationsübungen erwartet, besonders die : Dein ganz persönlicher Engel.
Da laufen uns jedesmal die Tränen vor Freude, weil wir echt das Gefühl haben, sie wäre bei uns. Mann, was haben wir sie lieb!
Sie war so absolut kurz an unserem Leben dran, aber sie ist bis heute der einzige Mensch, der es bis ganz nach Innen geschafft hat, einfach so, nur weil sie ist, wie sie ist!
Ein Engel eben!

 

Nachtrag: Dumm gelaufen…der zweite Therapeutenbesuch brachte mir nur die Absage! Sie würde aufdeckend arbeiten, nicht stabilisierend. Tja, das war ’s dann. Sellavie

Wenn die Nähmaschine rattert

13. Juni 2014

…. dann geht es mir gut.
Wieder einmal war ich dabei, meine Wäscheschränke zu „lichten“. Ein Stapel zum Weitergeben, einer für den Müll, der letzte Stapel für den Versuch, durch Nähmaschinengeratter die Stücke so abzuändern, dass ich bei Gewichtszunahme doch noch rein passe. So stand die Maschine nun tagelang im Wohnzimmer. Nach dem Frühstück gab es kein Wegdissen mehr, sondern schwungvollen Elan an der Nähmaschine.
Ich genieße es außerordentlich, dass ich wieder so etwas wie ELAN buchstabieren kann.
Zwischendurch kamen aber auch die Kleinen von uns nicht zu kurz. Ich habe symbolisch als Babypuppen die kleine Sofie und die Annegret.

Schätze mal deren Größen als 38 und 25, im Vergleich zu Babysachen. So stöbere ich seit Jahren immer wieder in Babyabteilungen rum, und kaufe Größe 56, wenn es mich voll entzückt. (kleiner gibt es leider selten) Dann muss ich das Zeug auf Miniklein „trimmen“ .
Hier zwei fertig gewordene Beispiele:
– für Sofie:

Für Sofie

– für Annegret:

Für Annegret

Ich werde irre: Sofie hört nicht auf zu warten

23. April 2014

23.4.14

Was die Spaltung in verschiedene Persönlichkeiten zur Zeit mit mir macht!

Sperrt mich ruhig ein für das, was ich jetzt erzähle. Habe sowieso das Gefühl, langsam komplett irre zu werden, denn nichts unterliegt meinem Einfluss, was da in mir hoch kommt.
Es ist nicht auszuhalten. So oder so hab ich nichts mehr in dieser normalen Welt zu suchen.
Nur einer ist da, eine Helferin, die mit mir versuchen will, diesen so frühen Anteil von mir in eine imaginäre Sicherheit zu bringen.
Ein einziger mir bekannter Mensch, der aufgrund seiner Studien sich sicher ist, dass im Kleinkindalter genauso verdrängt wird, in Ecken des Gehirns versteckt wird, so, wie es auch ähnlich Erwachsene können.
Dies lässt mich dann aber fragen: Wenn die Wissenschaftler von Dissoziationen im Frühkindalter sprechen, von der Fähigkeit des Gehirns im frühsten Entwicklungsstadium sich anders als normal zu entwickeln zum Zweck des Überlebens, Dissoziationen bis zur Persönlichkeitsspaltung zu trainieren, warum wird dann noch immer von einem großen Teil der Fachwelt bezweifelt, man könne sich nicht an Dinge vor dem 3. Lebensjahr erinnern? Wenn es doch scheinbar nur in den Winkeln des Gehirns versteckt wurde?

Dies ist der Grund, warum ich sage: Schmeißt mich doch einfach auf den Irrenhaufen.

Ich gehe in einem alten Körper durch diese Welt, bekomme Pickel, habe Hitzewallungen und Altersfalten, und dennoch fühle ich die seelischen und körperlichen Schmerzen der Kleinen ab der Geburt.

Schritte, Schritte … sie können die Schritte unterscheiden … wenn sie Schritte hören, geraten sie in Höchstspannung … halten die Luft an … hoffen, warten, hoffen, warten, hoffen, warten … gehen die Schritte vorbei, ohne dass sich die Tür öffnet, fallen sie in einen tiefen, schwarzen Strudel, lösen sich auf … wollen sterben. Die kleinen Körper wollen bersten vor Schmerz … Schmerz … Sehnsucht … Schmerz … es ist so kalt … kalt … kalt … sterben … sterben. Ein Lichtstrahl, nur ein kleiner Lichtstrahl … selten, aber da … jetzt das Warten auf Schritte … Schritte … Warum kommen keine Schritte? Es ist doch Licht da! Kalt … kalt … warten … warten … hoffen … hoffen … Schmerzen … warten … warten … sterben … sterben. Augen … Wo sind die Augen? … der sanfte Blick, der uns Leben gibt …Warten … warten … hoffen … warten … er ist weg … wir wollen sterben … sterben … nicht mehr kalt … nicht mehr kalt … lieber sterben. Warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben … Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate!

Was ich hier schreibe?
Das, was ich bisher als mir völlig unbekanntes, diffuses Gefühl mit der daraus entstehenden Depression mein ganzes Leben lang mit mir rum trug, ohne Erklärungen dafür zu haben.

Seit Monaten aber habe ich all dies genau nicht nur mehr als Bild vor Augen, sondern auch genau in den Ohren, genau im Erleben, genau im Fühlen, genau in Worte fassbar. Und mit jedem Tag wird es schlimmer. Dieses unsagbar schlimme Fühlen.

Klar, leichter wird für mich, den Zusammenhang zu verstehen.
Leichter wird auch für mich, in alten Texten, Gedichten und in Zeichnungen das vor Jahren schon unbewusst nach Außen drängende Erlebte zu finden:
Schwarz, nur so ist`s gut – Warten – verschlossene Türen – Dunkel – Strudel – Schreie – gesichtslose Menschen – sterben wollen – Tod, Tod, Tod, Tod, Tod, Tod … wieder und wieder undefinierbar für mich damals beim Schreiben und Malen, weil nicht wissend woher. Leichter, weil ich endlich verstehe.

Heute?

Die Helferin müht sich, findet aber keinen Zugang zu den Kleinen. Alles Bemühen scheint umsonst. Sie ist lieb, ja, sie ist aber eben nicht unser Engelchen, das zu uns vordrang.

Der Alltag seit vielen Wochen ist der:
Schritte … egal wo ich bin … lösen das Warten aus, das Hoffen, das Zerreißen.
Ganz bestimmt einfallendes Licht – genau dieselben Folgen!
Warten müssen irgendwo, auf irgendetwas, … rumms entsteht daraus das Warten auf diesen einen, unseren Engel…rumms, ich rutsche in dieses Alter und fühle dieses schlimme Fühlen.
Schritte, Hoffen, Licht, Warten, Augen, Hoffen, Warten … Flash, Flash, Flash!

Okay, mir ist klar, dass der Weg sein muss, alles an Zusammenhängen zu erkennen, zu verstehen. So weit, so gut. Hab ich mittlerweile.

ICH. Ja, ich! Ich verstehe es! Aber nicht sie! Nicht die Kleinen. Sie sind noch dort. Sie sind zwar „wach“ geworden vor Monaten, zeigen mir seitdem genau das Erlebte von damals, aber sie sind noch dort, genau in diesem alten Geschehen von damals im Heim.
Sie weinen, schreien, weinen, warten auf ihr Engelchen, das sie aus ihrer Erstarrung geholt hat, das sie aber nicht wieder sehen werden, weil die „Kontaktzeit“ begrenzt war.
Und das ist das, was ich meine mit : IRRE!

Und wieder ist es mir völlig egal, was die Welt da draußen denkt über mich, aber ich bekomme die von mir scheinbar völlig getrennt existierenden Anteile nicht zur Ruhe. Und sie lassen mich nicht in Ruhe. Sie schütten all ihr Fühlen über mich aus, und ich stehe wie blöd da und kann nichts tun. So verzweifelt war ich lange nicht, es zerreißt mich.

Ich möchte einen Ausweg! Kenne aber keinen.

Radikale Akzeptanz – mein Signal an meine Kleinen

5. April 2014

5.4.14

Seit Beginn 2013 bin ich in einer regelmäßigen stationären Traumabehandlung, die einzig und allein dazu dient, die Symptome der PTBS zu lindern. Der Weg führt über das EMDR-Verfahren, mit dem Ziel, vom Gefühl abgespaltene Ereignisse des Lebens zum Einem wieder zueinander zu führen, zum Anderen diese dann im Gehirn als abgeschlossene/beendete Tatsache als Vergangenheit einordnen zu können. Nur so ist es möglich, nicht mehr unkontrolliert den Flashbacks ausgeliefert zu sein. Das Gehirn benötigt dazu die Information, dass das Geschehen ein ALTES ist, also keine Gefahr mehr im HEUTE bedeutet.

Dass eine dissoziative Identitätsstörung einhergeht mit vielen Amnesien, macht mir diese Behandlung aber zur Qual, weil immer wieder für mich neue, mir unbekannte Erinnerungen hochkommen, die den seelischen Schmerz ins Unermessliche treiben. Während der Traumakonfrontation fühle ich alles noch einmal, switche in das Kind, und erlebe das alte Geschehen im Hier und Jetzt. Dank der guten Therapeutin werde ich aber dort wieder “ heraus geholt“ , und sie hilft mir, für dieses Ereignis einen anderen Abschluss zu finden. Sicher werden sich jetzt Leser fragen: „Warum tut sie sich das an?“ Nun, ich habe mich dazu entschieden, weil es für mich keinen Ausweg mehr gibt. Das, was sich als mein derzeitiges Leben bezeichnet, ist kein Leben. Es ist ein zurückgezogenes Dahinvegetieren. Sicher, es werden die alten Gefühle immer wieder, mein ganzes restliches Leben lang auftauchen, aber ich werde fähig sein, schneller aus ihnen heraus zu finden, um die extremen tiefen Abstürze zu verhindern.

Nur darum „tue ich mir das an“ mit der Behandlung!

Eigentlich wollte ich auf den sexuellen Missbrauch zurückkommen. Also: Wie ich oben im Text beschrieben hatte, kannte ich entweder die puren Bilder, entweder fremde schlimme Gefühle, oder nur blanke Todesangst. Bilder und Gefühle wirklich in Zusammenhang zu bringen, das ging nicht. Also war es für mich ein Leichtes, das Meiste zu leugnen. Nein, das kann nicht sein, so ein Quatsch, das stammt aus meinem kranken Hirn! Das tut kein Mensch einem Kind an, so ein Blödsinn! Hm, heute, nach drei Intervallen und vielen „Blicken“ in die Vergangenheit bin ich eines Besseren belehrt. Nicht, weil während des EMDR so viel hochkommt, nein! Sondern weil ich die stundenlang und tagelang danach auftretenden Schmerzen aushalten muss. (Körperflash’s = Erinnerungsschmerzen) Schmerzen, die mir das Gehirn aus der Erinnerung schickt, Schmerzen, die das jeweilige Kind von uns aushalten musste. Ob Unterleibsschmerzen, Bauchschmerzen, Knochenschmerzen von Prügelexessen (Rücken, Arme, Beine, Gesicht, Kopf) , Schmerzen in Po und Knochen „da unten“.Selbst blaue Flecken treten auf, einfach so, wie aus dem Nichts. So, da stehe ich dann da, kann es nicht fassen, aber in mir steigt ein Mitgefühl für die jeweilige Kleine auf, und ein Entsetzen, was sie aushalten musste…oh menne! Und pö a pö hat sich, obwohl damit mein Weltbild völlig zusammengebrochen ist, eine innere Akzeptanz entwickelt. Und damit auch ein innerer Zugang zu den Kleinen. Erst durch mein Glauben an ihre Erlebnisse, durch meine Fürsorge für sie, kommen sie mir näher, finden Vertrauen zu mir und meiner Kraft, öffnen sich immer mehr, und dies alles bringt letztendlich eine größere Ruhe in mein Innensystem. Ich habe verstanden, dass mein Leben nur lebenswert werden kann, wenn wir als Team, dass sich vertraut und genau kennt, zusammenhalten.

Und das geht nur mit der Akzeptanz des Geschehenen! Und mit folgender Aussage möchte ich meinen Kleinen ein Signal setzen: “ Wir wurden sexuell missbraucht!“

Wir wollen und müssen uns nicht dafür schämen! Denn wir waren nicht die Schuldigen! Wir waren nur Kinder!

PS an die Kleinen: Hab euch lieb!

Tagebuch: Franzi und Jenny

5. Februar 2014

5.2.14
Gestern war der Gang zur Therapiestunde ein unbelasteter. Sagte gleich zu Beginn, dass ich nichts Aktuelles habe, sondern trainieren will.
Also war ihr (Thera) erster Schritt, ich solle zurück gehen an den erlebten, schönen Urlaubsort, um mit gutem Gefühl eine Ausgangsbasis zu schaffen.
So sehr ich mich auch bemühte, es kam etwas sehr Einsames mit traurigem Gefühl dazwischen, egal, wie oft ich wegschieben wollte. Die Thera sah mich genauer an, fragte, wer da zu uns kommen möchte. Ich wollte sauer auf sie werden, statt dessen traten mir Tränen in die Augen und ich verlor die Kontrolle über meine Coolness. „Möchtest du zu uns kommen? Willst du dich dort auf das Sofa setzen, mit dabei sein? Was möchtest du uns etwas sagen?“ fragte die Thera.
Rumms (=Switch), saß sie da, völlig verunsichert, klemmte ihre Arme verschämt unter die Beine, und glaubte nicht, dass die Frau da Interesse an ihr hatte. „Du kannst bei uns bleiben, kein Problem! Siehst du, hier passiert dir nichts. Hast du was auf dem Herzen?“ „Die lässt mich nicht lesen!“ „So, lesen willst du. Was möchtest du denn lesen? Sagst du mir, wie alt du bist?“ „12“ „Dann möchtest du sicher ein Kinderbuch lesen.“ „Ja, aber die liest immer anderen Kram.“ „Hat sie denn kein Buch für dich?“ Rumms, Mari: „Klar, wir haben `ne Menge davon. Aber momentan ein Kinderbuch lesen? Zu blöd, echt.“ Thera: „Wo liest denn du am liebsten?“ Rumms, „Im Bett, nachts.“ Thera: „Ja, das ist was Schönes!“ Rumms, Mari: „Im Winter ist es aber zu kalt im Schlafzimmer dafür! Die Arme draußen, und wir frieren uns `nen Ast ab!“ Thera: „Ich hab gehört, da gibt es…“ Mari: „Ich weiß. Wir haben uns früher einfach eine Strickjacke verkehrt rum über die Arme gezogen, damit es warm bleibt. Aber jetzt? Keine Ahnung. Ist einfach zu kalt!“ Thera: „Wie fühlst du dich mit dem, was Frau M. hier grad sagt?“ Rumms: „Das ist doof.“ Thera: „Wer bist du?“ „Franzi“ „Gut Franzi, dann sagen wir jetzt Frau M., sie soll dich ruhig mal ein Kinderbuch lesen lassen, ja?“ Freudig: „Oh ja!“
Lücken in der Erinnerung.
Spiegelneuronen! Ich sage der Thera, dass mir mal gesagt wurde, ich hätte Spiegelneuronen. Und dass dies für mich aussagt, dass in den ersten 5 Lebensmonaten im Heim jemand mich gemocht haben muss, dass jemand vom Pflegepersonal liebevoll mit mir war. Und ich äußerte, dass es wohl für die kleine Sofie schlimm gewesen sein muss, an den Wochenenden immer zu einer teilnahmslosen Frau (Geburtsfrau) zu müssen, die ihr fremd war.
Man kann auch ahnen, dass diese Tatsache nicht einfach für die Geburtsfrau gewesen sein muss, stets ein fremdelndes Baby zu erleben.
Lücken im Text.
Die Thera wollte mich aus irgendeinem Zustand ins Hier und Heute holen. Das Übliche folgte – welches Datum, im Raum verankern, Buchrücken lesen, Rechenaufgabe lösen.
Wir sahen an ihrem Gesicht, wie sie selbst schnell versuchte, die gestellte Aufgabe zu lösen. Rumms, quiekten wir los! Thera: „Hallo, wer bist du?“ „Ich find das lustig, wie sie sich anstrengen!“
Lücken im Text zu einer regen, spaßigen Unterhaltung einer 10 Jährigen mit der Thera. Sehe nur an meinen Notizen aus der Stunde, dass sie Jenny heißt, und es liebt, mit Menschen zu reden und mit ihnen Spaß zu haben. Jenny mag das logische Denken, das Rechnen, das Streiche spielen.
Im weiterem Gesprächsverlauf berichte ich, dass ich irgendwie als Schülerin zweigeteilt war. Außerhalb der Wohnung wollte ich leben, lachen, Spaß haben. Aber je näher ich der elterlichen Wohnung kam, um so mehr ging eine Wandlung in mir vor. Dies wurde nicht weiter beleuchtet, da es ja schon bekannt war.
Jedenfalls ging ich aus dem Gespräch – geschafft, zufrieden mit der Kommunikationsfähigkeit, verunsichert ob der noch so vielen Anteile in mir.
Sicher, ich habe verstanden, dass ich jeden willkommen heißen möchte. Dennoch steigt manchmal die Panik in mir auf, dass es immer mehr werden könnten. Mit dem heutigen Tag sind es schon 25 Anteile, die sich nach außen gezeigt haben, die auch eigenständig agiert haben. Das macht mich schon sehr unsicher. Und dann sehe ich auf mein „gebautes“ inneres Haus, und spüre, dass es nicht die Lösung für uns alle bleiben kann. So gebaut, kann es niemals das sich formierende System aufnehmen. Ich ahne und fühle, dass es wieder enorme Arbeit bedeutet, etwas Zufriedenstellendes für alle zu bauen. Etwas, wo jeder zu seinem Recht kommt.
Als ich heute einfach in einigen Zimmern aus einem einfachen Bett ein Doppelstockbett machen wollte, ging Gezeter in mir los. Keiner will das. Wogegen ich mich die letzten Monate ziemlich gesträubt habe aus Angst vor dem Abrutschen: Kontakt nach Innen aufzunehmen, dies wird wohl doch notwendig, damit ich wieder ruhiger werde.
Also, ich heiße Franzi und Jenny willkommen, und verspreche, ihnen einen schönen Platz an unserem sicheren Ort zu schaffen!

12.7.13

Franco ist 8 Jahre alt, ein kleiner Rotzlöffel, der Spaß am Leben hat, keck und äußerst verspielt ist.
Für mich sehr überraschend zeigte er sich vor 2 Tagen. Anfangs war ich sehr verunsichert, weil ich an Bewegung, Mimik, Gestik erst die 8jährige ausmachen wollte. Schnell aber stellte sich im Inneren Widerstand ein zu meiner Annahme, und wie ein Rumpelstielzchen pochte er stampfend auf seine Identität.
Nun denn, er ist willkommen, was soll ich dazu sagen? Es ist eben so!

Tagebuch: Eine Hand fassen

23. Januar 2014

Ich saß Mittwoch beim Zahnarzt im Wartezimmer, mir gegenüber ein uraltes Paar, entspannende Musik drang aus den Lautsprecher. Was es nun war – das Hören oder das Sehen – keine Ahnung ….rumms, spulten sich alte und neue Bilder und Vorstellungen ab, fast parallel. Vom Vertraut sein der Beiden gegenüber, kam die Vorstellung, wie schön dies auch nach 25 Jahren Ehe sein müsste, und wie sehr dies bewahrt werden sollte…rumms, sah ich mich in verschiedenen Altersstufen in fremde, erleuchtete Fenster sehend, sehnsuchtsvoll mit dem Wunsch, einfach dazu zu gehören. Ja, zu wildfremden Menschen. Noch kleiner sehe ich mich unschlüssig auf der Straße stehen, ohne Mut, einfach eine fremde Hand zu fassen, und mit zu gehen. Bei fremden Menschen müsste es hundert Mal besser sein, als bei mir zuhause.
Ich sitze in dem Wartezimmer, mein Körper scheint bersten zu wollen an dem Wunsch: „Bitte nimm mich mit, ich will nicht mehr nach Hause.“ Jetzt beim Schreiben selbst kommt dieser Druck nach oben. Als stünde ich auf einem riesigen Platz, auf dem tausende Menschen kreuz und quer laufen, ich, ganz klein in der Mitte, von niemanden bemerkt. Und es brüllt so sehr in mir, aber meine Lippen bleiben zusammengepresst. Damals schon die Einsamkeit in einer Menschenmenge. Damals genötigt, stumm zu sein, keine Hilfe zu suchen, erstarrt zu verharren in dem, was sich meine Familie nannte. Und heute begreife ich den so enorm tiefen und verzweifelten Schmerz der kleinen „Marie“. Und mich erstaunt ihr Instinkt, dass es auch andere Familienkonstellationen geben muss, bessere. Und die enorme Sehnsucht, zu einer solchen gehören zu wollen, unsagbar.
Ich frage die Kleine, was sie sich denn davon erwartet. Die Antwort zitternd, fragend und dennoch klar (von vielen): „trösten, mal ein Lob, lieb gucken, keine Angst mehr, ankuscheln dürfen.“ Ich spüre, was ihr das Wichtigste wäre: sein dürfen unter stets liebevollen Blicken.
Wenn ich ihre Worte höre, dann steigt in mir eine Ahnung auf, wie sehr sie gelitten haben muss. Und ich kann es körperlich spüren.
Gleichzeitig frage ich mich, wie es möglich sein kann, dass diese einfachsten Dinge der Welt einem Kind verwehrt wurden? Ein liebevoller Blick! Aber das ist doch das Mindeste, was ein Kind täglich zum Leben bräuchte, oder? Wie kann man denn ohne gedeihen?
Rumms … man kann nicht ….man endet dann als 51 Jährige, die noch immer von der Sehnsucht überrollt wird, irgendwo dazu zu gehören … zu einer Familie, die intakt ist. Klingt jetzt merkwürdig, aber Fakt ist, dass wir oft in unserer Fantasie im Alltagsleben unserer Wunschfamilie integriert sind, mal als Kinder, mal als Freundin. Das ist doch verrückt, oder?
Nein, ist es nicht, denn dieses Fühlen ist das der kleinen Schmerzkinder von uns, die noch immer in ihrem Sehnen eingefroren scheinen.
Einfach eine Hand fassen von einem Menschen, der es gut mit uns meint!
Wenn ich auf mein Leben zurück blicke, stelle ich fest, dass ich an nur einem Punkt gescheitert bin. Nämlich an der Tatsache, dass ich mich stets fassen ließ.
Mir sind die Menschen zuvor gekommen, solche Menschen, die genau mein Defizit durchschaut haben. Und ich Trottel glaubte, man wollte mich meinetwegen. Es hat stets eine Weile gedauert, bis ich in einer Beziehung das ganze durchschaut hatte. Aber immerhin hatte ich dann immer die Kraft, mich davon zu lösen. Ein Anfang, oder?
Nun aber stehe ich da …. lasse mich nicht mehr so einfach fassen, weiß, worauf es mir heute ankommt. Und?
Nichts!
Hindert die eigene Vorsicht? Ist es die Angst vor erneuter Enttäuschung?
Nein!
Denn ich hatte den Versuch gewagt bei einem Menschen, der genau das war, nach dem alle von uns suchten, alle, ohne Ausnahme.
Es steht nicht zur Debatte, dass dieser Versuch in die Hosen ging, nein!
Zur Debatte steht: ich hatte den Mut, ich hatte die Kraft, ich wusste, was mir gut täte, und ich hätte alles dafür getan, das es funktioniert!
Ich hatte also nicht aufgegeben, ich habe neu dazu gelernt, ich hatte eine richtige Wahl getroffen, ich habe mich nicht an die Hand nehmen lassen, sondern selbst nach einer Hand gefasst.
Die Kleinen sind damit also einen Schritt weiter. Selbst mit dem Schmerz, dass ihr Glück nur kurz war.
Und ich?
Dazu finden sich jetzt keine Worte mehr! Nicht heute.

Erwachsen sein?

17. Dezember 2013

Mir wurde vor Kurzem von einem Menschen, der lange schon Umgang mit schwer traumatisierten Menschen in einer Klinik hat, gesagt:

„Ich war geschockt, als ich erfuhr, dass Sie 25 Jahre in ihrem Beruf gearbeitet haben! Ich hatte bei Ihnen gedacht, dass Sie nie arbeitsfähig waren in ihrem Leben, so, wie ich Sie hier sehe und erlebe. Ich habe immer das Gefühl, Sie wollten am Liebsten unsichtbar sein.“

Oh Mann, das hörst du, bist erstmal wie gelähmt, und dann steigt die Verzweiflung hoch.

Aber in diesem Gespräch, so glaube ich jedenfalls, konnte ich das erste Mal einem Menschen deutlich machen, wie schlimm es für mich ist, dass seit 11 Jahren alles an Fähigkeiten weggebrochen ist. Dass ich ein anderer Mensch zu sein scheine. Nichts ist mehr wie vorher! Du hast keinen Boden unter den Füßen, findest keinen Halt mehr.
Ein Viertel Jahrhundert habe ich mit guter Leistung dem Staat gedient, habe seine Kinder erzogen, behütet, ihnen das Leben gelehrt. Ein Viertel Jahrhundert! Das klingt doch nach einer langen Zeitspanne, oder?

Und plötzlich, von heute auf morgen, finde ich mich in einem anderen Film wieder, einfach so. Warum?
Mein Stiefvater hatte seinen Besuch bei mir angekündigt. Rumms…war ich auf einmal in der Kindheit, weinte und schrie …meine Tochter stand hilflos daneben, geschockt.
Seit diesem Tag war alles anders. Es war ein Tag im September 2002.
Der spätere Versuch (ein Jahr danach), wieder im Beruf Fuß zu fassen, dauerte nur knapp zwei Jahre. Zwei Jahre, in denen alles an Symptomen stärker wurde, sich die Zwänge, der Ekel, die Schmerzen, die Flashs, die Dissoziationen verstärkten.
Der schnelle Wiedereintritt in den Beruf war der größte Fehler, der begangen wurde, leider nicht von mit initiiert, sondern gegen meinen Willen durchgesetzt. Ich selbst wusste ja, dass noch überhaupt nichts stimmt mit mir nach diesen ersten 9 Monaten Therapie.
Seit dem einen Tag im Oktober 2002 ist jede Therapie daran vorbei gegangen, etwas Erwachsenes aus mir wieder hervor zu holen. So oft ich darum bat, keiner nahm mich wirklich ernst mit diesem Wunsch.
Scheinbar wirkte ich reif genug, stark genug, meinen Alltag zu bewältigen.
Aber wie soll man Therapeuten klar machen, dass dies schon die Kinder können, weil sie es immer können mussten? Niemand nahm mich wirklich ernst, niemand.
Und glaubt mir, ich habe stets gewusst, was ich brauche, und es immer angesprochen. Aber es war umsonst.
Es ging immer nur um „Stabilität“.
Stabilität? Was ist das für uns? Überleben, irgendwie!!!!! Also wurde alles an Fertigkeiten heraus geholt, was die Kinder hatten. Rumms … genau dies ist der Punkt! Fertigkeiten der Kinder!
Und die hatten sie, sonst wären wir längst nicht mehr am Leben!
Also fleißig verstecken, dissoziieren, tot stellen, nichts fühlen! Ich kann euch sagen, dass ich immer sehr offen in den Therapien war. Aber wirklich zugehört hat wohl niemand.

Und nun stand ich also da, hörte, welchen Eindruck mein Verhalten hinterlässt, war geschockt, aber gleichzeitig war es ja seit 11 Jahren nichts Neues für mich! Darum verstecke ich mich ja vor der Welt! Weil ich mich eben NICHT wiedererkenne, weil ich mich schäme, weil ich keine Zumutung sein will.

Diese vielen Jahre falschen Trainings soll ich nun schlagartig ändern können: Ja, da sein Sie doch mal erwachsen!
Halleluja! Fein!
Hu, jetzt steigt endlich mal Wut hoch. Wut auf die Behandler, die sich Traumatherapeuten nannten, die von sich glaubten, allwissend zu sein, alles zu kennen und zu können! Ich, die stets deutlich war, habe meinen Mund umsonst fusselig geredet. Warum hört man dem Patienten eigentlich nicht zu? Er weiß doch am Besten, was in ihm abgeht! Vielleicht war auch dies der Grund, mich selbständig mit der Fachliteratur zu befassen. Hilfe zur Selbsthilfe! Nur … es funktioniert nur in der Theorie, der Verstand begreift die Zusammenhänge, die Lösungsvorschläge …der Verstand!
Der aber scheint abgetrennt von meinen Ich-Wesen. Sie verstehen dies nicht. Nun rede ich mich an mir selbst fusselig …auch umsonst.
Ich hab den Hals voll, echt!

Umgestaltetes Innenleben

3. November 2013

3.11.2013

Musste das innere Haus ändern aus mehreren Gründen!
Franco ist dazu gekommen, die Introjekte haben sich geoutet. Und diese sollen nicht im Strafbereich sein, sie gehören schließlich zu uns. Aber wir haben nun eine Etage drauf gebaut, wo sie sein können, ohne dass die Kleinen unten Angst haben müssen vor ihnen.
Aus dem Strafbereich habe ich ein Spiel-Toben-Bereich gemacht.

Die kleinen, noch immer mir unbekannten weinenden Kinder, die ich Schlafseelen nenne, sind raus aus dem Haus, weil sie beschützt sein müssen. Sie sind im Garten auf einer Wolke (unsichtbare Kette bis in den Boden), haben dort ihre Kuschelbettchen und werden von zwei Elfen bewacht.

Das Zimmer der drei Kleinsten(mit Annegret) werden wir nach außen riesig „ausbeulen“ und einen runden Schlafbereich bauen. Auch das wird alles aus Glaswänden und Decken sein.

Die Introjekte sind in die erste Etage gezogen und können nur mit Kathis Genehmigung nach unten.
Das DICKE ENDE ist ein imaginärer Spiel, Kuschel, Beschützer-Gefährte, der darf immer runter.

Innere Konferenzen finden noch immer unten am großen Tisch statt. Besonders vor den EMDR Sitzungen wird dort geplant, wer mit wem wohin! Um uns vor den Introjekten zu beschützen, werden sie vorher ordentlich verwöhnt und dürfen dann währenddessen was leckeres kochen.
Den kleinen Drachen, mein ICH-Synton, beziehe ich öfter ins Geschehen ein, weil wir ihn irgendwann umwandeln möchten. Er kann ja nichts dafür, dass er sich immer so fühlt.

Nachtrag am 8. Nov.:
Der Konferenztisch in der Mitte wurde so umgebaut, dass er sich auf Knopfdruck im Boden versenkt und eine Schlaf – Kuschelwiese nach oben kommt. So kann die Nacht außerhalb der Zimmer verbracht werden, an eine Erwachsene gekuschelt!

Mehr fällt mir gerade nichts ein, was ich zu unserem Haus sagen könnte!
unser Innensystem

Die erste Etage mit noch freien Zimmern.

Innensystem 1. Etage

Tagebuch 8.10.

8. Oktober 2013

8.10.13

Verschlafe fast ganze Tage, um sie auszuhalten, zu überstehen. Die Realität geht gar nicht mehr.

So suchte ich nun die “Rettung” im Lesen eines Textes von Lydia Hantke. Das verhindert, dissoziieren zu wollen.
Der Text ist an die Traumatherapeuten gerichtet. Oft muss ich einen Absatz mehrmals lesen, ehe es bei mir ankommt. Möchte mal hier ein paar Ausschnitte notieren, die keinen Zusammenhang haben:

1. “Noch einladender und (von uns Therapeuten oft) wenig reflektiert sind die Hilfe suchenden Anteile unserer Klientinnen. Da sind wir doch gerne Retterin, Galan und “der Einzige, dem sie vertraut”. Aber gerade hier zementieren wir eine Rolle, die zentrales Ergebnis und Inhalt der Traumatisierung ist:
– Nach der Hilflosigkeit und der Dissoziation (im Traumageschehen) folgte das ÜBERLEBEN.
Es liegt also nahe, dass das “System Klient” diese Hilflosigkeit als Vorbedingung des Überlebens begreift.(für sich glaubt) Und solange nichts anderes sicher ist, würden Sie denn diese “erlernte” Sicherheit aufgeben wollen?”

Leute merkt ihr, was sich da für Erkenntnisse auftun? Bin völlig baff!

.
Und sie schreibt auch, dass wir Dissos extrem geschult sind in der Wahrnehmung von Ungereimtheiten und Brüchen in der Kongruenz des Gegenübers. Also dass wir viel sehen “am” Therapeuten. Geschult sind wir deshalb, weil wir nur damit überleben konnten. Und hier wieder beginne ich die oft an Thera’s gesehene Unsicherheit zu verstehen: Sie haben Angst, durchschaut zu werden. Das jedenfalls erlebte ich vor 11 Jahren.
Sie schreibt auch, dass wir im therapeutischen Umgang meist nur 25% verbal mitbekommen, aber dagegen sehr klar und deutlich die nonverbalen “Äußerungen” mit 75% wahrnehmen.
Ups, muss daran denken, dass ich dieses Erleben sehr, sehr oft hatte.
Und das Kuriosum ist, dass gerade die nonverbalen Prozesse sich unbewusst abspielen, direkt im Verhalten aus dem Bauch heraus kommen. Also Theras, achtet auf euch und auf das, was ihr unbewusst an “Zeichen” sendet.

Selbstanalyse – Sofie’s Verlust

2. Oktober 2013

2.10.13

Seit Wochen nun vergeht kein Tag ohne dieses Wegrutschen in die unbeschreibliche Hilflosigkeit.
Und immer deutlicher bekam ich Signale, die von den Säuglingen stammen. Klar erschreckt mich das. Es ist und bleibt mir unverständlich, dass man als Mensch so weit zurückliegende Erlebnisse und Empfindungen neu erleben, erinnern kann. Ertappe mich immer wieder beim Abstreiten.
Trotz aller Schmerzen habe ich aber genau hingesehen, habe (und das tu ich heute noch) Situationen im Heute und meine unverständlichen Reaktionen darauf versucht zu begreifen.
Je mehr ich mich damit beschäftige, umso klarer werden für mich die Antworten.
Die Kleinsten kommen nicht klar mit der Trennung von ihrem Liebmensch.
Ich fand nun Passagen zur Säuglingsforschung:

„Die Erfahrung des eigenen Seins entwickelt sich aus der Erfahrung der gelebten Beziehungen.“ (P.Janet)

„So erfährt der Körper sich über den Körper des anderen, die Art und Weise von dessen Präsenz entwickelt die eigene!“

Bsp. „Wenn jede Vorhersagbarkeit der Reaktion für das Kind entfällt, reagiert es mit Schreien, dann mit allen Anzeichen von Vermeidungsverhalten, Fluchttendenzen und Panik und zuletzt verfällt es in einen apathischen Zustand der Nicht-Reaktion. Es stellt sich tot, reagiert nicht mehr.“

„Traumatisierung ist die Erfahrung von Hilflosigkeit, mehr noch: von Handlungs-Unwirksamkeit!“

Das Merkwürdigste von allem ist: Ich hatte diese Dinge im Fühlen von mir verstanden, noch bevor ich die Bestätigungen aus der Fachliteratur fand. Was mir sagt, ich bin auf einem guten Weg – den Weg des achtsamen nach Innen-Schauens, dem Weg der Selbsterkenntnisse.

Erinnere mich, Sofie entwickelte blitzschnell eine Präsenz, kaum, dass sie den „anderen Körper“/Mensch für sich gesehen hat, kaum, dass sie gelebte Beziehung fühlen konnte. Dieser Mensch war für uns ein Engel, für Sofie die ersehnte Mami.
Sie war plötzlich in uns so dermaßen oft draußen, es fühlte sich wie eine Neugeburt an, eigentlich wie eine Geburt an sich.

Sie durfte plötzlich in uns etwas sein. Wir fühlten uns alle plötzlich berechtigt, leben zu dürfen, sein zu dürfen.
Dass Sofie damit gleichzeitig ihr extrem schmerzvolles Fühlen über uns auskippte, brauch ich wohl nicht erwähnen. Aber je schmerzvoller es war, umso mehr nahmen wir die Bindung zu ihrem Engelchen an, umso mehr griffen wir nach diesem Halt.
Das war mir damals alles sehr schnell klar.

Und heute verstehe ich dann auch, warum ich seit Wochen so nah an der Grenze lebe, so nah am sterben wollen.
Die Ersterfahrung des Säuglings endete nun in gefühlter Ablehnung.
Ich kann versuchen wie ich will, ihr begreiflich zu machen, dass nicht sie abgelehnt wurde. Sie kann es nicht verstehen, was ich nun auch kapiere! Sie ist zu klein für diese Zusammenhänge, ihr Denken ist noch lange nicht so weit. Sie kann nur spüren, fühlen, reagieren … mehr nicht.

Und das alles durchlebe ich jetzt seit Wochen, ihr Leid, ihr sterben wollen.
Trost von uns kommt kaum an. Weil sie nicht wirklich mehr bei uns ist. Sie wollte ja woanders bleiben. Nur scheint es ihr nicht mehr gut zu tun, weil wir nicht mehr wirklich an sie rankommen.
Wir fühlen, was sie fühlt, aus uns herauskommend, aber von uns auf sie scheinen wir keinen Einfluss zu haben.
Muss eine Lösung finden, nur welche…?
Imaginär versuche ich es seit Wochen umsonst.

EMDR – Therapieform bei posttraumatischen Belastungsstörungen

7. September 2013

Genau auf diese Art habe ich EMDR auf der Traumastation  erlebt!

Nun, Ergebnisse kann ich noch nicht fühlen, da ich erst ganz am Anfang stehe! (4 Intervalle folgen noch)

Dieser Text ist aus dem Internet gefischt. Ist so klar und einfach erklärt, dass ich nicht von meinen Erleben reden muss. Dies hier ist für jeden Laien verständlich. Und ich kann im Moment nicht gut schreiben oder nachdenken. Mir geht es zu schlecht.

EMDR = Eye Movement Desensitization and Reprocessing

Eye Movement Desensitization and Reprocessing, kurz EMDR, ist eine von Francine Shapiro in den USA entwickelte Behandlungsmethode für Trauma-Betroffene aus dem Bereich der Psychotraumatologie.

Bei EMDR regt der Therapeut den Patienten nach strukturierter Vorbereitung zu bestimmten Augenbewegungen an, wodurch es möglich werden soll, unverarbeitete traumatische Inhalte zu verarbeiten.

Inhaltsverzeichnis
1 Abgrenzung
2 Entstehung
3 Wirkungsweisen und Hintergründe
4 Ablauf
5 Gefahren
6 Wissenschaftliche Anerkennung

1. Abgrenzung
Trotz oberflächlicher Ähnlichkeit, etwa durch die angeleitete Augenbewegung, ist EMDR nicht mit Hypnose zu verwechseln. Es soll keine Veränderung des Bewusstseinszustandes, sondern vielmehr eine Integration der mit dem Trauma verbundenen Emotionen und Empfindungen erreicht werden.

2. Entstehung
Francine Shapiro hatte die Idee zur Erprobung und Untersuchung dieser Methode zufällig beim Spazierengehen im Park. Sie bewegte die Augen hin und her und erlebte eine deutliche Entlastung von Ängsten und depressiven Gedanken im Zusammenhang mit der bei ihr diagnostizierten Krebserkrankung.

3. Wirkungsweisen und Hintergründe
Nach einem Trauma kann es zum sogenannten „Sprachlosen Entsetzen“ (speechless terror) kommen, d. h. in der rechten Hirnhälfte werden Bilder prozessiert, die der Patient vor Augen hat, während das Sprachzentrum aktiv unterdrückt wird. Der Patient kann das Geschehene so nicht in Worte fassen, wodurch nachfolgend eine Verarbeitung des Erlebten erschwert wird. Es gibt bereits eine Vielzahl von Studien, die die Wirksamkeit von EMDR belegen und versuchen, die Wirkungsweise zu ergründen. Es wird angenommen, dass durch die bilaterale Stimulation mittels bestimmter Augenbewegungen (oder auch akustischen oder taktilen Reizen), eine Synchronisation der Hirnhälften ermöglicht wird, die bei der posttraumatischen Belastungsstörung gestört ist. Erklärend wird auch Bezug genommen auf eine Schlafphase, bei der starke Augenbewegungen stattfinden und zugleich ein erhöhter Verarbeitungsmodus des im Alltag Erlebten vermutet wird.

4. Ablauf
Das eigentliche Durcharbeiten der belastenden Inhalte, durch Augenbewegungen oder andere Stimulationsarten, ist dabei ein recht später Schritt im Therapiemanual.

Anamnese:
Zunächst muss eine genaue Anamnese erhoben werden, bei der z. B. die traumakompensatorischen Bewältigungsversuche des Patienten erfragt werden. Auch muss zuvor abgeklärt werden, ob gleichzeitig eine sogenannte dissoziative Störung vorliegt (hierbei werden Teile des eigenen Erlebens ausgeblendet/aktiv unterdrückt).

Stabilisierung: 
Die Stabilisierungsphase dauert je nach Lage der Ressourcen oft sehr lange. Besonders bei einer dissoziativen Störung muss als vorrangiges Therapieziel zunächst eine Grundstabilisierung des Patienten erreicht werden, die die Fähigkeit des Patienten stärkt, sich der Traumathematik vorsichtig und dosiert zu nähern und sich vor einer möglichen ungesteuerten „Überflutung“ mit belastendem Erinnerungsmaterial aktiv zu schützen.
Auch hierbei kann EMDR hilfreich sein, z. B. durch eine mittels angeleiteter Augenbewegung erfolgreichen Verankerung positiver Imagination wie „der innere sichere Ort“ oder „der innere Tresor“ nach Dr. Luise Reddemann.

Bewertung:
Einer einzelnen ausgewählten Erinnerung, also einem „einzelnen Bild“, das den belastetsten Teil einer Traumathematik darstellt, wird vom Patienten eine aktuell zutreffende negative Kognition, (z. B. „ich bin hilflos“) zugewiesen sowie auch eine positive, die er in Zukunft damit verbinden möchte (z. B. „ich kann heute etwas tun“ – was dann als eine Ressource zu verstehen ist). Die an dieser Stelle eingeschätzte Belastung der Situation soll im folgenden Bearbeitungs-Prozess sinken.

Desensibilisierung: 
In dieser Phase wird die Traumabearbeitung durch die Augenbewegungen begleitet. Während an die Traumathematik gebundene Energie freigesetzt wird, kommt es häufig zu unterschiedlichsten sogenannten Abreaktionen (wie z. B. Weinen, heftiges Atmen, Übelkeit u. a.), die erinnerte Situation verliert so ihre emotionale Aufladung.
Zur Bearbeitung einer Traumathematik sind meistens mehrere EMDR-Sitzungen nötig. Einflechten von sogenannten Ressourcen z. B. „hilfreiche innere Wesen“ oder „ideale innere Eltern“, die zuvor z. B. mit Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie installiert wurden unterstützt oftmals diese Phase.

Verankerung: 
Empfindet der Patient bei der erinnerten Situation keine Belastung mehr, wird die positive Kognition nochmals überprüft und mit Augenbewegungen verankert.

Körper-Test: 
Alle Missempfindungen zur erinnerten Situation sollten bei einem kompletten Abschluss der Sitzung verschwunden sein.

Abschluss: 
In der Besprechung zum Abschluss der Sitzung wird der Patient auf das „Nachprozessieren“ (z.B. in Träumen) hingewiesen. Es bringt eventuell neues Material für weitere Sitzungen hervor und sollte in einem Tagebuch festgehalten werden.

5. Gefahren
Die Behandlung dissoziativer Störungen sollte erfahrenen Traumatherapeuten vorbehalten bleiben, da der Patient sonst gefährdet ist, im Zuge der Behandlung retraumatisiert zu werden, das hieße, erneut überschwemmt zu werden mit den angstmachenden Gefühlen. Der Patient würde dann die auslösende Situation ungeschützt noch einmal durchleben. Dann würde die Traumatherapie mehr schaden als nutzen: die Symptome könnten sich vertiefen – möglicherweise in bedrohlichem Ausmaß, eine weitere Behandlung wäre erschwert. Eine sorgfältige Vorbereitung und Abklärung von Komorbiditäten (gleichzeitig vorliegender anderer Erkrankungen) ist bei der Traumatherapie also sehr wichtig.
Wichtig ist auch die Abklärung der damaligen Bewältigungsstrategien des Traumas, da auch diese durch das EMDR getriggert werden. Wenn z. B. damals nach dem erlebten Trauma suizidale Tendenzen bestanden, können diese auch nach der EMDR-Sitzung reaktiviert werden, über diese Verbindung muss der Patient vorher aufgeklärt werden.

6. Wissenschaftliche Anerkennung
Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie verabschiedete in der Sitzung vom 6. Juli 2006 ein Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen. Gemäß diesem Gutachten kann die EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen bei Erwachsenen als wissenschaftlich anerkannt gelten.

Innenkinder differenzierbar?

2. August 2013

Ich danke der Bloggerin für den Gedankenanstoß!

Kommentar einer Bloggerin zu „Innenkinder“

„Wie so oft, spricht mich deine Offenheit und Ehrlichkeit sehr an. Ich erlebe gerade viel von meinem hyperaktiven Entdeckerkind, und mir fällt auf, dass ich das Entdecken fast verlernt habe. Danke für deinen Text.“

Ich antworte:

Ja, wenn man die Kleinen einfach mal lässt, egal wie die Umwelt reagiert, dann erstaunt es, wie irre Spaß dieses neue kindliche Erleben macht. Ich lerne wieder, ganz bewusst mein Umfeld zu betrachten und komme nicht aus dem Staunen raus!
Unter der Rubrik “Kurzgeschichten” steht – Anna und die Zauberfee, und auch – Fiona im Switsch. … beides selbst erlebte Situationen der Kleinen. Lies mal!

Bloggerin:

„Ja, staunen. Die Faszination des Augenblicks, der einen verschluckt. Die Zeit existiert nicht mehr. Luft anhalten… passiert mir dann auch oft. War heute auf dem Spielplatz rutschen.

Was mich interessieren würde, sind deine Innenkinder für dich immer klar getrennt voneinander wahrnehmbar? Der, der die Schneeflocken mag, der, der die Vögel beobachtet. Woher weißt du, wer wer ist? Oder vermischt sich auch mal was? Oder hast du die Trennung, Sortierung mit dem Entdecken vorgenommen?“

Ich antworte:

Oh, komplizierte Antwort!

Nein, selten klar.

Manchmal merke ich es sofort an den Bewegungen und der Sprache. Da wird mir schnell das Alter klar, weil sich nun mal Säuglinge, 3 jährige oder 5 jährige völlig unterscheiden in Sprache, Mimik, Gestik und Bewegung. Oft erst danach, wenn ich auf mein Verhalten angesprochen werde und ich nachspüre. An den völlig verschiedenen Interessen merke ich es, und dem Wissen, was gerade da ist. Das Merkwürdige ist auch, dass einige wohl bekannt, stets wieder erkannt werden, aber keinen Namen haben.

Dann ist bei bestimmten, mir wichtigen Personen auch mal ein ganzes Rudel da, das sich gegenseitig schupst, weil jeder Zeit mit dem Menschen haben will. Da erkenne ich kaum was, bin völlig überfordert.

Wie bin ich auf die Kinder gestoßen?

Zuerst über die Intrusionen. Landete im Flash, war total im Kind.

Damit fing es an.

Je sicherer sich alle in mir fühlten, umso mehr zeigten sich nun auch die „unversehrten“ Teile, die, die Spaß haben, entdecken, leben wollen. Über sie freue ich mich natürlich besonders. Aber auch hier verstehe ich noch nicht die Zuordnung. Ist auch Wurst. Ich kann ihr Erleben genießen. Da ist nichts mit sortieren, weil ich es selbst noch nicht so recht verstehe: Nämlich die Frage:

„Sind es die verschwundenen Seelen zum Zeitpunkt des Traumas? Sind es die, die beschützt werden mussten? Ich weiß es nicht. Ich habe nur gelernt, immer besser in mich hinein zu horchen, wenn da jemand mit den Füßen aufstampft, weil er meine Aufmerksamkeit will.

LG

Innenkinder sehr verschieden

31. Juli 2013

Feenja vom Seelenland schreibt:                                                                                                                                  31.7.13

Ich habe lange überlegt ob ich diesen Text schreiben soll, tatsächlich fühle ich mich damit nicht wohl. Trotzdem. Es geht um die Kleinen im System, um die Innenkinder. 
Wie oft musste ich im Internet und auch anderswo lesen, Innenkinder sind in der Regel verschüchtert, reden nicht, malen gerne, mögen Kuscheltiere usw. usf. eben diese typischen Kriterien wie man es sich auch von außen gerne vorstellen möchte.
Bei uns ist das nicht die Realität. Wir haben Kinder innen die überhaupt nicht kommunizieren können von denen nur unverständliche Laute kommen, die wenn sie vorne sind mit ihrem Gegenüber gar nicht interagieren wollen oder können.
Wir haben Kinder innen, die sind nicht unbedingt nett und lieb, sie werfen mit Kraftausdrücken um sich, sie zeigen stark sexualisiertes Verhalten.
Wir haben Innenkinder die die Worte: Pimmel, ficken, Sex, Fotze als etwas “alltägliches” ( ich sage extra nicht normal ) in den Mund nehmen und aussprechen.
Ja, wir haben Innenkinder die viel Angst haben, anhänglich sind bei ein oder zwei Außenmenschen. Aber für uns ist es ein Mythos das Innenkinder immer anhänglich sind, spielen wollen (manche kennen den Begriff des Spielens nicht einmal)
Okay merke es gäbe viel, zu schreiben es ist zu oberflächlich. Ja der Text ist im Moment zu oberflächlich aber wir können nicht mehr.
 

Ich antworte:

Du hast vollkommen Recht. Da sind die, die als Baby noch gar keine Sprache haben können, die nur gurgeln und gestikulieren. Da sind Daumenlutschende, Stumme, aber auch Rotzlöffel mit irrer Lebensfreude. Auch kenne ich die völlig in Sexual-, und Fäkalien-Sprache abrutschenden Jugendlichen ab dem Alter … hört, hört von 10 Jahren. Und die Witze sind meist nichts für anständige Erwachsene, kann ich dir sagen!
Ich denke grade nach, und da fällt mir auf, dass man sicher beim Schreiben das Schmerzhafte verarbeiten will, und deshalb meist von den verwundeten, ängstlichen Kleinen berichtet.

Ist jedenfalls ein Gedankenanstoß -danke dir-, den ich festhalten will.
Mit Spielen ist es bei mir auch nicht weit her. Ich beobachte eher, dass die Kleinen fasziniert von der Natur sind und immer auf Entdeckungsreise. Macht in solchen Momenten richtigen Spaß. Tschaui erst mal. Marie

——————————————————————-

Zum Spielen noch ein Wort: So allein vor mich hinsetzen und ne Ewigkeit spielen allein – geht nicht. Klar lass ich mal nen Kreisel tanzen, oder male mal kurz was im Ausmalbuch aus. Aber länger als 10 Minuten?  Neeee! Allein ist spielen blöd. Nun, ich habe Puppen … aber mit ihnen spielen tue ich nicht. Sie repräsentieren meine Innenkinder.
Ich selbst damit spielen, geht gar nicht.
Was ich neu dazu gelernt habe in den letzten zwei Jahren ist, dass es wirklich innen ankommt, wenn ich Bilderbücher, Kinderbücher ansehe, vorlese. Uh, das gefällt den Kleinen, da gehn sie ab wie `ne Haubitze, und zeigen und staunen! Das kann ich gut einsetzen für die „Innere Kindarbeit“.
Für die Kleinsten habe ich eine Spieluhr am Bett … wehe ihr lacht jetzt!
Was ich seit Jahren schon mache, oder die Größeren -keine Ahnung- Babysachen kaufen, auftrennen, den Puppen neu auf den Leib schneidern! Da ist schon eine Kiste voll mit.
Wir haben einen Fußballer unter uns und eine Blance“künstlerin“, die nichts unterwegs auslässt … peinlich!
Tja, Insektenforscher, Biologen voller Erkundungsdrang. Konnte in der Klinik stundenlang im Garten beobachten mit erstaunlichen Ergebnissen!
Manchmal bin ich überrascht, wer da so aus mir rausguckt. Viele Male neue Anteile, die ich nicht kenne. Zu schnell sind sie wieder weg, als dass ich sie identifizieren könnte. Nun, schade einerseits, aber andererseits macht es schon Angst zu spüren, dass da noch so viele unbekannte sind.
Auf jeden Fall wäre jeder willkommen!

Tod

28. Juli 2013

Immer wieder treffe ich in der Außenwelt auf Menschen mit Todesangst, und ich stelle fest, dass ich diese im Normalleben nicht empfinden kann. Die Aussicht auf den Tod ist das, was mein Leben irgendwie erträglich macht.
Was ist für mich der Tod?
Ein erholsamer Schlaf, ohne aufwachen zu müssen.
Ein – nichts fühlen müssen!
Aus der inneren Leere wird eine äußere. Einklang entsteht.

Oh Mann, ich erinnere mich gerade, wie oft ich mir als Kind vorgestellt habe, dass die Geburtsfrau an meinem Grab steht und weint. Als Beweis, dass sie mich ja doch irgendwie mochte. Als Kind diesen einen festen Wunsch zu haben, um nur ein einziges Mal ein Gefühl von ihr zu bekommen … Irre! Und doch immer wieder in den Gedanken damals.

Heute wird mir klar, dass diese Frau meinen wirklichen Tod eigentlich schon seit Jahrzehnten betrauern müsste, wenn sie es denn könnte mit ihrer Kälte.
Denn gelebt, wie ein Menschenwesen leben sollte, habe ich nie.
Zwei Seelen in meiner Brust: – eine, die immer auf der Bordsteinkante läuft, seit sie laufen kann;
eine, die sich einen Scheiß um die vielen Krebsfälle in der Familie schert und keine Vorsorge betreibt, damit es mal schnell geht;
eine, die bei Gewittern auf dem Eisenbalkon stundenlang steht und wartet;
eine, die nicht mehr aushalten kann und will!
– und die zweite Seele will seit 51 Jahren mein Überleben.
Ich weiß nicht, warum. Irgendetwas ist da in mir.
Wartet es? Wenn ja, worauf? Ist das Hoffen angeboren?
Worauf hoffen?
Einmal ganz tief zu fühlen, was am Dasein so schön sein soll?
Aber dieses Hoffen macht mich auch kaputt, jeden Tag mehr.

Manchmal wünsche ich mir, dass die Geburtsfrau nur einen einzigen Tag mal mein Fühlen und Erleben leben muss. Nur einen Tag. Den würde sie nie überstehen!!!! Nie!

In der neusten Epikrise steht, dass ich nur zwei Bewältigungsstrategien habe: Dissoziation und Vermeidung.

Voll erkannt. Nicht Betroffene können sich nicht hinein versetzen in die tägliche Überlebensqual! Klugscheißern können sie, und das war’s auch schon. Nun, woher sollten sie auch erahnen können, was in einem anderen Inneren abgeht. Erzählen tue ich sowieso nur einen Bruchteil, weil ich es sowieso nicht wirklich in Worte fassen kann, und weil ich nicht glaube, dass mein Gegenüber diese Qual nur vom Erzählen her aushalten könnte.
So bleibt am Ende diese unfüllbare Tiefe in mir selbst.

Kein Selbstwert

23. Juli 2013

Selbst-WERT

Du störst – du bist selbst schuld – du hast dich unter zu ordnen – du machst meine Ehe kaputt – reiß dich am Riemen, sonst setzt es was – hör auf zu jammern – zieh nicht solche Gusche, sonst knallt es – man hat zu schlucken – Strafe muss sein – iss das gefälligst auf – hab dich nicht so – geh in dein Zimmer, was willst du hier – hättest vorher überlegen müssen, nun ist zu spät (Prügel) – du denkst immer erst hinterher – brauchst dich nicht zu wundern über die Reaktionen der anderen – wofür suchst du einen Schuldigen – nein, ich habe dich nie geliebt, weil die Heimschwestern meine abgepumpte Milch dir nicht brachten…

In meinem Selbst:
Ich bin nichts wert – bin überflüssig – mich will keiner – ich bin selbst schuld – ich habe es verdient – ich bin zu dumm – kriege nichts auf die Reihe – ich darf nichts wollen- ich darf nichts fühlen – und erst recht nicht zeigen – an jeden Echo bin ich selbst schuld – man kann mich nicht lieben – habe Liebe nicht verdient – bin zuviel auf der Welt…

Zwei voneinander getrennte Absätze, auf die ich wirklich nicht eingehen muss.
Ein irres Selbstbild von mir, dass mich Schritte auf Menschen zu nur selten und sehr zögerlich machen lässt. Immer weg geschoben als Kind, nicht wahrgenommen als Menschlein … was bleibt da in mir? Ich bin es nicht wert. Punkt! Jede Annäherung von mir an andere empfinde ich als Anmaßung von mir, als ein Aufdrängen.
Es geht einfach nicht in meinen Kopf hinein, dass eventuell Leute mich mal gern um sich haben. Geht gar nicht! Wie auch, bin schlecht, sonst hätte man mich als Kind doch geliebt, oder?

Ich bin gar nichts wert.
In mich eingebrannt, vom Introjekt immer wieder neu heraufgeholt, in Stein gemeißelt!

Sehe gerade einen Zusammenhang zum Thema EINSAMKEIT.

Was ich oft träume?????
Ein einziges Mal an einem Menschen anlehnen, ohne auf dem „Sprung“ zu sein, auf der Hut!

Nur ein einziges Mal so etwas fühlen dürfen …. Beistand in absoluter Sicherheit!!!!!

Allein

5. Juli 2013

Freitag, den 5. Juli 2013

Es schleudert mich ziemlich hin und her, wenn am Tisch immer Gespräche sind über Familie, von Ehemännern, die einen abholen, von Schwestern, die besuchen, von Eltern und anderen lieben Verwandten. Oft denke ich, diese Dinge sind schon Trigger für mich.
In solch Gesprächen wird mir immer meine Einsamkeit bewusst.
Gut, ich habe zwei Freundinnen seit über 40 und über 30 Jahren. Aber wir sehen uns so selten, weil jeder in einer anderen Stadt wohnt, und ich meist das Verreisen scheue.
Alles, was ich vor Jahren in meiner Stadt als Bekanntschaften hatte, habe ich nach und nach gekänzelt. Der Gedanke will nicht aus meinem Kopf, dass, auch wenn ich nichts über mich erzähle, den anderen die Laune verderbe, weil ich eben nicht stets und ständig lustig sein kann. Bei echten Freunden darf man unzulänglich sein, nicht aber bei den üblichen Bekanntschaften, die nie sehr tief gehen. Merke auch von Jahr zu Jahr mehr, dass mir Bekanntschaften nichts geben. Ich lehne mit immer größerer Macht die Oberflächlichkeiten ab. Nein, eher kriege ich eine Krise, wenn Nichtigkeiten zu Problemen aufgebauscht werden. Natürlich ist mir gleichzeitig bewusst, dass Probleme ja immer subjektiv sind, und ich die Akzeptanz aufbringen sollte. Tue ich auch, aber eben nur nach außen. Im Inneren sieht es ganz anders aus. Und dann komme ich irgendwann auf den Punkt, dass ich mich unehrlich fühle. Damit gehts mir dann so mies, dass ich mich aus dieser Bekanntschaft zurückziehe. Badabum, wurden es immer weniger.
Wo war ich eigentlich?
Bei der Einsamkeit!
Ich höre hier den Mitpatienten zu, kann mich für sie freuen. Aber in mir drin steigt dann so ein Schmerz auf… uhu! Am Schlimmsten ist es, wenn über die liebste Mama geschwärmt wird.
Und wieder wird mir klar, dass alle von uns (meine Anteile) noch immer die Sehnsucht haben, irgendwo dazu zu gehören. Zu irgendeiner Familie…. oh Mann, das klingt so Scheiße, ist aber schon in Kindertagen so gewesen, dass ich mich immer in eine liebevolle Familie gewünscht habe.
Heute ist die Formulierung vielleicht so: „Möchte irgendwo ankommen, zuhause sein.“
Blöd, blöd, weiß ich. Aber ich kann nichts gegen dieses Fühlen von Innen machen.
Am Schlimmsten sind die Tage, an denen es in mir drin so richtig danach schreit, weint, brüllt, krampft. Kaum auszuhalten. So ne alte Tante und noch so ein bescheuertes Fühlen, ich weiß. Nur weiß ich eben nicht, wie es weg gehen soll.
Nach zwei EMDR – Sitzungen hat sich noch nichts an Fühlen in mir geändert. Leider. Montag ist die nächste, ich will arbeiten, kämpfen, durchhalten, damit ich endlich aus der ganzen Misere raus komme.

Anteile 2003

5. Juni 2013

Freitag, den 15.4.2003

Kaum allein im Auto unkontrolliert die Tränen.
Du bist 10 und heulst. Warum tut sie mir das an? Lieben und verlieren? Es weint es in mir. Viel kleiner. Wein nur!

Hör nicht auf Frau M., da ist kein Sinn. Lass dich nicht verschaukeln. Da ist er wieder, der Rebell.

Pfeif drauf.

Ich erkenne dich, schnoddrig, Schauspieler, du cooles Arschloch hast kein Respekt.
Aber oft die Hilfe, keiner merkt was.
Offensiv; da kommt keiner ran.
Lässt nichts durch. Danke.
Ich durchschaue dich, bist die Abwehr mit der großen Schnauze. Du passt nicht hierher, rede heute anders.
Du blamierst mich. Aber bleib ruhig da. Hinter dir sehe ich die Kleine.
Du hast sie lieb, stemmst deine Arme in die Hüften.
Danke. Da kommt wirklich keiner durch.

Aber was soll ich mit dir tun?
Irritierst mich, zu wenig Platz da.
Ich rücke schon etwas.
Aber du drängelst. Machst deine Witze.
Und die Zähne tun mir weh. Was presst du so?

Bist wütend. Glaub ja nicht, dass ich das nicht merke.
Woher kenn ich dich bloß? Dieser Zorn in dir, diese Kälte
.
Frau Br..mann geht über den Schulhof. Ja, ich laufe los. Und bemerke den Irrtum – es ist nicht meine Mutter. Nur die Haarfarbe stimmt und das Grün in den Augen. Irgendwann gibt meine Freundin ihr mein Tagebuch. 8. Klasse. Der Tag wie heute. Es ist das erste Mal in meinem Leben, wo der Wunsch da ist: “ Bitte hilf mir!!!”  Peinlich, ich vergöttere sie. Dann der Schlag ins Gesicht. “ Ich will damit nichts zu tun haben.”

Hi, Mari, hab nach dir gesucht heute. Du erinnerst dich gut, nicht?

Ja, glaub, es war der erste Versuch in meinem Leben – mein erster Hilfeschrei. Nur wegen der Haarfarbe? Nein! Sah sie mit ihrem Kind, 3 Jahre. Zwischen den beiden sah ich Liebe. Weiß noch, ich wollte dazugehören. Eiskalte Abfuhr. Das Buch hab ich in den Ofen gesteckt. Schade! Was stand da drin? Keine Ahnung!

Ab da waren selbst die Lehrer blöd. Und mein Entschluss: Ich mach es besser. Ich werde Lehrer. Dir werde ich es schon zeigen!

Jetzt ahne ich woher du kommst, Rebell. Ahne ich? Warum bin ich mir so sicher? Höre ich dich in Gedanken oder sind es meine Gedanken? Mein Schädel will platzen. Kann doch nicht sein, dass du das Denken übernimmst.

Patientin Dora heute in der Gruppenvisite: “ Dass mir meine Mutter nicht mal 50 Euro anbietet.”

Da warst du plötzlich da, frech grinsend: “Wie kann man so etwas von einer Mutter erwarten. Mädel, du bist naiv. Mütter sind kalte Schweine!”
Meine Zähne tun weh. Aber wir stehen über den Dingen.
“Naives Ding, kennst das Leben nicht.” Lauthals lachst du.

Willst nicht hören lassen, wie es weint hinter dir. Na ja, besser als der Schmerz.

Nachtrag: In der Visite erlebte ich zum ersten Mal zwei Anteile gleichzeitig in mir! Hat mich überfordert, bin danach ins Gelände abgehauen, um wieder runter zu kommen! So ein durcheinander Gequake im Kopf machte Angst!

SMS-Pause …..

Ich sortiere:
das Baby, die Kleine, Mariechen, 10 Jahre, 12 Jahre, der Rebell, das Schlitzauge

Sitze blöd da und frage: Wo ist Mari??

MARI, Scheiß Name.

Meine Schwester J. hieß immer J…, mein Bruder M. immer M…! Ich war immer nur Mari. Meinen Wunschnamen hat das erste Mal Edit (Ungarn) ausgesprochen: Mxxxxx.
Oje, ich kapier hier was.

Gute Nacht! Will schlafen.

Eiskalter Tropfen
fällst auf meine Haut
und bist erstaunt
dass ich nicht aufschrecke
Wer ist nun hier im Vorteil?

Kann nicht schlafen. Die Tränen wollen kullern. Weil ich verstehe, was damals passiert ist. War die Enttäuschung so groß? Tat es so extrem weh, dass ich rebellisch werden musste? Obwohl ich verwirrt, geschafft, ausgelaugt bin, etwas Mut mit der aller ersten Erkenntnis: Wann, in welchem Moment in mir etwas Neues entstand. Und ein klein wenig Hoffnung da, dass ich vielleicht auch noch viel mehr verstehe irgendwann.

Eins ist mir seit 2 Wochen enorm bewusst geworden: Schon und nur allein das Wort – MUTTER – lässt alles kippen – Chaos – unkontrollierbar alles.

Deshalb die Angst vor den Gruppenvisiten? Jeder zweite Patient benutzt dieses Wort. Ich hasse das. Kriege Panik – so viel kommt hoch – staune – da braucht es kein Sofa – bin ausgeliefert – selbst in jedem Einzelgespräch.

Prügelstrafe „Schwarze Pädagogik“

11. Mai 2013

Zitate aus „Die geprügelte Generation“ von Ingrid Müller-Münch

Märchen 

Es war einmal ein Kind eigensinnig und tat nicht, was seine Mutter haben wollte. Darum hatte der liebe Gott kein Wohlgefallen an ihm und ließ es krank werden, und kein Arzt konnte ihm helfen, und in kurzem lag es auf dem Totenbettchen.
Als es nun ins Grab versenkt und Erde über es hin gedeckt war, so kam auf einmal sein Ärmchen wieder hervor und reichte es in die Höhe, und wenn sie es hineinlegten und frische Erde darüber taten, so half das nichts, und das Ärmchen kam immer wieder heraus.
Da musste
die Mutter selbst zum Grabe gehen und mit der Rute aufs Ärmchen schlagen, und wie sie das getan hatte, zog es sich hinein, und das Kind hatte nun erst Ruhe unter der Erde.

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Dr. med. Johanna Haarer, geb. 1900 schrieb Erziehungshandbücher,  darunter Propaganda von Nazis, mit Prügel zum absoluten Gehorsam, „Affenliebe zum Kind macht dieses verderblich.“ Beispiele sind Sätze: „ Entweder du spurst oder es knallt!“, „Entweder reißt du dich jetzt am Riemen, oder ich schlage dich windelweich!“

Johanna Haarers Bücher waren bis in den 80er Jahren bekannt, da noch über 1 Millionen Exemplare aufgelegt. Hauptaussage: „ Kinder sind chaotisch, bösartig und müssen deshalb gezähmt werden zu ihrem eigenen Besten.“

Viele Kriegstraumatisierten bauten auch durch die Prügeleien ihren Stress ab.

Das „Vicarous-Trauma“, das sogenannte Stellvertreter-Trauma ist die Tatsache, dass die Kinder das Kriegstrauma ihrer Eltern quasi für sich übernommen haben, sie durchlebten die ehemaligen Leiden der Eltern, als wären sie ihre eigenen Leiden gewesen.

Eltern wollen stets ihre Kinder beschützen, egal wie gewalttätig sie sich dabei geben. Sie sprechen aber nie über ihr Kriegserleben. So bleiben die geschlagenen Kinder immer mit der Frage zurück: Warum? Was habe ich falsch gemacht? Das Kind kann die Verbindung zwischen den Schlägen und dem, was die Eltern erlebt haben, einfach nicht herstellen.

Neben der körperlichen Gewalt ist die der seelischen Grausamkeiten genauso zerstörend. Psychoterror in den Familien zeigte sich durch Liebesentzug, Hausarrest, Schweigen, Demütigungen vor anderen, Bloßstellungen. Ein ständiges „Leise sein müssen“ vermittelt Kindern zu stören, in der Familie überflüssig zu sein. Es empfindet jeden Unfrieden in der Familie als eigene Schuld. Das Kind entwickelt in sich die Vorstellung. „Ich bin nicht richtig, egal wie ich mich anstrenge.“

Innenkinder unbekannt?

21. April 2013

Anja und die Sterne fragte uns auf ihrem Blog, was wir als Magie empfinden. Ich konnte ihr von meiner Sicht auf die Natur schreiben. Heute lese ich einen Artikel von Rosenblatt zu diesem Thema, bin erstaunt über ihre Kenntnisse des eigenen Innenlebens.

Und ganz groß steigt in mir die Frage auf: Warum habe ich nicht die eindeutige Kenntnis über meine Anteile? Rosenblatt kann wunderbar ihre Innens unterscheiden, ihre Gefühlswelt beschreiben und die Funktionalität des Gesamtsystems. Ich dagegen aber stehe da, erinnere mich, wie die Kleine in mir den glitzernden Schnee entdeckt hat, erinnere mich an ihr Denken, ihre unbeholfenen Bewegungen, ihr Erstaunen. Nur in diesem Zusammenhang konnte ich auf das Alter der Kleinen schließen.

Und nun kommt hier mein aktueller Zweifel: Wenn diese Kleine so um die 3 Jahre war, so ein schönes Fühlen und Erleben hatte, wie kann sie dann gleichzeitig auf dem Bett sitzen und vor Angst lieber sterben wollen? (Marie) Kann ein innerer Anteil zwei Seiten in sich haben, laufe ich durch die Welt und kenne nicht mal einen Großteil von mir selbst?

Wenn in Not eine Abspaltung erfolgt, ich die Marie also in mir habe mit allem Leid – das Wesen, dass den Schmerz übernommen hat – ist dann da in mir noch der Teil, der „weggeflogen“ ist, der beschützt werden musste? Wenn dem so ist, warum nehme ich diesen Anteil nicht so bewusst wahr wie die Marie? Ist der beschützte Anteil die Kleine, die ihre Lebensfreude, ihren Entdeckerdrang, ihr Zutrauen behalten konnte? Ist es die Kleine, die mit dem Schnee gespielt hat?

Kann es sein, dass ich vorrangig nur die traumatisierten Anteile kenne? Warum?

Sind sie in ihrem Fühlen so stark, dass wir dagegen kaum die beschützten Kinder wiedererkennen und spüren? Ist mein Grundzustand die Depressivität, weil die „heilgebliebenen“ Kinderseelen noch immer kaum hervorschauen? Werden sie noch immer bedeckt gehalten um sie zu schützen?

So viele Fragen die auftauchen. Nur eines ist Fakt, wie in „Kurzgeschichten“ beschrieben, habe ich wunderbare Momente des Entdeckens und Staunens in meiner mich umgebenen Welt. Eingetaucht darin, kann ich genießen, mit allen Sinnen wahrnehmen. Und in den letzten Monaten konnte ich es immer intensiver. Mein Gehör scheint übersensibel, ebenso mein Geruchssinn. (trotz des 35 Jahren Tabakkonsums)

So und nun die Frage: Kann es sein, dass ich nicht mal die Hälfte meiner Anteile kenne?

Da fällt mir folgende Erkenntnis ein, die ich vor kurzem hatte: Namen zu meinen Anteilen haben sich immer nur dann eingefunden, wenn diese Anteile äußerst bewusst und häufig in mir agiert haben, bzw. wenn plötzlich jemand Neues mein Außen übernommen hat. Im Gegensatz dazu die zwei Jungen. Sie sind seit Jahren da, nehme sie aber nur als Beobachter wahr, kann mir ihre Anwesenheit nicht erklären. Sie agieren auch nie wirklich. Haben sie deshalb keine Namen?

Die 8 jährige, die so viel Angst vor NETT SEIN hat, sie fühle ich agieren. Warum hat sie keinen Namen? Merke, hier ist alles ein Widerspruch in sich.

Genauso fühle ich in mir noch viele kleine Seelen die weinen (deshalb die Einrichtung eines Schlafsaals in unserem Haus), kann sie aber nicht orten und erkennen. Fühle, dass da mehr sind, kenne sie aber nicht.

Ich kriege einfach in mir drin keine Ordnung rein, kein wirkliches Erkennen. Geht es anderen Betroffenen auch so? Braucht man etwa Jahre dazu? Oder liegt es an den Wechseln, die gleichzeitig eine Amnesie bedeuten?

Alles in Allem macht jetzt schon etwas Angst bei der Vorstellung, dass wir eben doch nicht, wie zurzeit, 13 Anteile sind (2 EW pennen ab), sondern viel mehr.

Wenn es aber auch die „beschützten“, damals eingefrorenen Kleinen sind – nun, dann sollten sie ruhig rauskommen. Denn ich bin begeistert von dem erlebten Dingen – Schnee, Vögel, Raureif, Blüten, Düfte, Wasserblasen, mit Babys spielen wollen, mit Kindern abhängen usw.

Oder muss ich den aktiven Part übernehmen? Sie herauslocken, indem ich beim Genießen der Umwelt klar und deutlich den Zeitrahmen verlängere;- mich nen Scheiß drum kümmere, was mich beobachtende Leute denken;- ich die Kleinen in ihrem Wollen einfach LASSE, selbst wenn ich dabei im Sandkasten lande?  Ha, mittlerweile sitze ich einmal pro Woche auf einer Schaukel, und ich suche im Gesteinssplit nach tollen Formen und Farben. Uj, merke gerade, dass es für mich die Angst nehmen soll vor der jeweiligen Therapiestunde. Egal, bringt wohl was. Dann ist es gut, oder?

Zu den Wechseln noch ein Gedanke:

Gestern war ich 9 Stunden durchweg (Premiere der Dauer seit Jahren) in der Öffentlichkeit, eine Fachtagung zur frühen Kindheit (ab Geburt). Da ist mir wieder aufgefallen, dass ich mit aller Macht Wechsel unterdrücke (was irre schlaucht), die Scham noch immer zu groß ist, und ich mich verstecke, wenn es doch passiert, weil niemand meine Tränen sehen soll. Und ich habe erkannt, dass das Unterdrücken meinen Körper so sehr überfordert, dass er zittert, kaum beherrschbar ist, alles schwammig wird. Und dennoch habe ich die Menschen um mich herum ausgehalten, denn sie waren alle ohne Ausnahme da, um sich kundig zu machen, wie eine sichere Mutter-Kind-Bindung  hergestellt werden kann. Also Menschen um mich herum, die sich indirekt meiner Hauptprobleme stellen wollen, Ärzte, Hebammen, Psychologen, Therapeuten usw. Dieses Wissen um deren Wollen hatte etwas Beruhigendes für mich. Denn ich wünschte, dass keinem Kind dieser Welt Ähnliches wiederfährt. Weiß nicht, ob ich dort die einzige Patientin war, nur merken sollte es eben niemand. Nur meine eigene Therapeutin und eine Ärztin kannten mich. PS: Ihr ahnt es – habe meine Batterien aufladen wollen mit Wohlgefühl. Hat nicht so ganz geklappt, weil zu viele Anteile raus wollten und das Unterdrücken zu anstrengend war.

Fazit dieser Zeilen insgesamt: Ich scheine mein Innenleben noch überhaupt nicht zu kennen.

Bindungsmuster

27. März 2013

Dissertation

zur Erlangung des akademischen Grades doctor medicinae
(Dr. med.)
vorgelegt dem Rat der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
von Annegret Martin geb. am 18. 11. 1978 in Saalfeld
 

Nur Auszüge davon:

3. Theoretischer Hintergrund

3.1 Die Bindungstheorie

3.1.2 Das Bindungssystem

Das Bindungssystem ist nach Bowlby ein dem Menschen angeborenes Verhaltenssystem, das aus dem Druck der Evolution entstand. Es hat die Aufgabe, das menschliche Kind vor Gefahren zu schützen und so die Erhaltung der Art zu sichern. Da das Kind noch nicht imstande ist, Gefahren wahrzunehmen oder sich aus bedrohlichen Situationen in Sicherheit zu bringen, benötigt es die Hilfe einer erwachsenen Person. Um sich diese sichern zu können, verfügt es über Verhaltensweisen, wie weinen, rufen oder krabbeln, die die Aufmerksamkeit der Bezugsperson auf sich lenken. Auf der Seite der Eltern existiert, so Bowlby, das dazu komplementäre Verhaltenssystem der Fürsorge, das die ebenso überlebenssichernde Funktion besitzt, dem Kind Schutz und Sicherheit zu gewähren. Das Bindungssystem wird immer dann aktiviert, wenn das Kind Unwohlsein, z.B. Schmerz, Trennung von der Bezugsperson oder Bedrohliches in der Umgebung erfährt und dann wieder beruhigt, wenn die Nähe zur Bezugsperson wieder hergestellt, und das Bedürfnis nach Sicherheit befriedigt ist (Cassidy 1999, Schmücker und Buchheim 2002). Aus der allgemeinen Kontrolltheorie entlehnte Bowlby den Gedanken, dass das Bindungssystem, ähnlich den physiologischen Steuerungssystemen, die für die Einhaltung von Sollwerten des Organismus innerhalb bestimmter Grenzen sorgen, eine zentralnervöse Steuerungseinheit besitzt, die über Aktivierung und Deaktivierung von Bindungsverhalten, die Nähe der Bezugsperson sichert.
Ainsworth (1967) beschreibt drei weitere Verhaltenssysteme, mit denen das Bindungssystem in einem dynamischen Gleichgewicht steht. Das Erkundungssystem und das soziale Verhaltenssystem, die beide konträr zu ihm wirken, indem sie nur dann aktiviert werden, wenn es beruhigt ist, und das Furchtsystem, das die Aktivierung des Bindungssystems hervorruft und ihm somit gleichgerichtet ist.
In diesem Zusammenhang ist auch die Funktion der Mutter als „sichere Basis“ zu sehen. Solange das Kind sich wohl fühlt, wird es seine Umwelt erkunden oder sich mit Spielen vergnügen. Das Erkundungssystem ist aktiv, da Sicherheit gegeben ist. Tritt jedoch ein Stressfaktor hinzu, beispielsweise ein Sturz, ein lautes Geräusch, Hunger oder eine zu große Entfernung von der Mutter, wird das Bindungssystem aktiviert. Die dadurch hervorgerufene Hilfe und der Trost der Bezugsperson stellen die emotionale Sicherheit des Kindes wieder her, das dann, im Vertrauen auf Unterstützung in eventuell wiederkehrenden Bedrohungen, alle Aufmerksamkeit und Energie wieder dem Spiel zuwenden kann.

3.1.3 Die fremde Situation und die Bedeutung der mütterlichen Feinfühligkeit

Um das Zusammenspiel von Erkundungs–, Angst– und Bindungsverhaltenssystem zu untersuchen, entwickelte Ainsworth in den 60er Jahren die „Fremde Situation“, Minidrama mit acht dreiminütigen Abschnitten, in denen das Kind in seiner Exploration in Anwesenheit der Mutter, nach Hinzukommen einer fremden Person, bei Verlassen des Raumes durch die Mutter, nach Wiedereintreten der Mutter, ohne eine weitere Person im Raum, allein mit der Fremden und schließlich wieder mit der Mutter beobachtet wird . Diese Versuchssituation erlangte große Bedeutung, da sie unter gut kontrollierbaren Bedingungen und in relativ einfach durchzuführender Weise Informationen über die Bindungssicherheit des Kindes im Alter von einem Jahr geben kann (Holmes 1996, Grossmann 2000a). Es stellte sich nämlich heraus, dass sich das Verhalten der Kinder, vor allem in den Wiedervereinigungsabschnitten, erheblich unterschied. Ainsworth konnte drei unterschiedliche Muster ausfindig machen: sicher gebundene Kinder, die bei Trennung von der Mutter offen ihren Kummer ausdrückten und sich bei ihrer Wiederkehr freuten und von ihr beruhigen ließen; unsicher ambivalent gebundene, die nach der Trennung von der Mutter untröstlich waren, sich jedoch bei ihrem Wiedereintritt durch aggressiv–ärgerliches Verhalten gegenüber der Mutter auszeichneten, während sie gleichzeitig ihre Nähe suchten; und unsicher vermeidend gebundene Kinder, die den Weggang der Mutter kaum beachteten, und auch ihrer Wiederkehr nur sehr wenig Aufmerksamkeit widmeten. Das Verhalten letzterer sah man zunächst als besonders reif an, jedoch zeigte sich in Cortisolmessungen, dass ihr innerer Stress am höchsten war. Aus den Beobachtungen derselben Mutter–Kind–Dyaden in häuslicher Umgebung während der 12 Monate seit der Geburt ging hervor, dass ein Zusammenhang zwischen dem Verhalten der Mutter, besonders deren Feinfühligkeit, Akzeptanz, Kooperation und Verfügbarkeit, und des Vorliegens einer sicheren Bindung in der Fremden Situation mit einem Jahr bestand. Von diesen Eigenschaften zeigte die mütterliche Fürsorglichkeit die höchste Vorhersagekraft. Sie ist durch Wahrnehmen der kindlichen Bedürfnisse, deren richtige Interpretation, und eine prompte sowie angemessenen Reaktion gekennzeichnet . Nicht immer zeigte sich dieser Zusammenhang in späteren Studien so stark wie Ainsworth ihn beobachtet hatte, bestätigte sich jedoch im Großen und Ganzen. Weiterentwicklungen des Konstrukts der mütterlichen Feinfühligkeit finden sich bei Stern (1996), der sie abwandelte in eine sogenannte „Einstimmung“ (Stern 1996) der Mutter auf das Kind, sowie bei Meins , die die Fähigkeit der Mutter, den inneren Zustand ihres Kindes differenziert zuberichten, als wesentlichen Faktor für die Entwicklung einer sicheren Bindung des Kindes erachtete. In die gleiche Richtung deuten Studien von Egeland und Farber (1984). Aber auch für andere mütterliche Verhaltensaspekte wurde ein Einfluss auf die kindliche Bindungssicherheit nachgewiesen. Wie Izard et al. (1991) berichteten, sind in diesem Sinn häufigere positive Emotionen der Mutter, in Verbindung mit einer größeren Offenheit
gegenüber dem Kind bei eigenen negativen Emotionen, prädikiv für eine sichere Bindung, während Simo et al. (2000) feststellten, dass stark kontrollierende Mütter eher unsichere Kinder haben.

3.1.4 Bindungsmuster

Um die Nähe der Mutter beziehungsweise ihre emotionale und physische Verfügbarkeit und Hilfsbereitschaft möglichst effektiv zu sichern, benötigt das Kind Informationen über das wahrscheinliche Verhalten der Mutter, über die eigenen Bedürfnisse und die Interaktion beider. Durch Erfahrungen mit den Eltern bildet es bis etwa zum 18. Monat aus diesen Informationen relativ stabile Repräsentanzen der Beziehungen zu ihnen aus, die sein Verhalten ihnen gegenüber bestimmen (Bowlby 1995, Holmes 2002).
Sicher gebundene Kinder können aufgrund ihrer Erfahrungen auf die Verfügbarkeit ihrer Eltern vertrauen, falls sie deren Hilfe benötigen, während unsicher gebundene Kinder befürchten müssen, dass ihnen die Bezugsperson in einer Notsituation nicht zur Verfügung steht. Unsicher–vermeidend gebundene haben gelernt, ihre Schutzbedürfnisse zu verbergen, da deren offene Äußerung im Allgemeinen Zurückweisung durch die Mutter zur Folge hatte. Unsicher–ambivalent gebundene zeigen ihren Kummer und Ärger in bindungsrelevanten Situationen besonders intensiv, um der Unterstützung durch die Bezugsperson, die sie als unstet in ihrer Verfügbarkeit erfahren haben, sicher zu sein (Weinfield et al. 1999). 1985 wurde von Mary Main noch ein viertes Bindungsmuster entdeckt, das sich in der Fremden Situation in Erstarrung, stupiden Bewegungswiederholungen oder Furcht vor der Bezugsperson bei deren Wiederkehr ausdrückte. Dieses so genannte desorganisierte Bindungsmuster unterscheidet sich von den zuvor beschriebenen darin, dass das Kind keine konsistente Verhaltensstrategie entwickeln konnte. Es bietet Züge aller drei organisierten Bindungsmuster und zeigt starkes Konfliktverhalten. Oft lagen Missbrauch oder Erfahrungen zugrunde, die das Kind das Elternteil als potentielle Gefahr betrachten lassen mussten.

3.1.5 Interne Arbeitsmodelle von Bindung

Bowlby zufolge liegen den Bindungsmustern interne Arbeitsmodelle zugrunde. Es sind Vorstellungen von der Bezugsperson, den Bedürfnissen der eigenen Person und der Interaktion zwischen beiden, die schon sehr früh in der Kindheit aus den Erfahrungen mit der Bezugsperson heraus konstruiert werden. Sie dienen vor allem dazu, die Realität vorwegnehmen zu können und so das Bindungsverhalten optimal anzupassen. Sie durchlaufen während der Entwicklung des Kindes eine fortwährende Differenzierung. Bis zum Alter von zwei Monaten sind sie primitiv, das Kind richtet sein Bindungsverhalten an beliebige Personen. Mit sechs Monaten hat das Kind jedoch schon klare Präferenzen bezüglich einer oder mehrerer Bindungspersonen, bei denen es Nähe und Sicherheit sucht. Diese auf die eigenen Bedürfnisse konzentrierte Phase nennt Bowlby „zielorientiert“ im Gegensatz zu der, durch die Sprache und Perspektivenübernahme möglichen, „zielkorrigierten“ etwa ab dem dritten Lebensjahr. Das Kind kann nun auch die Wünsche und Absichten der anderen Person in seine eigenen Ziele integrieren. Während bis dahin die bindungsrelevanten Erfahrungen nur als Gefühle repräsentiert werden, nehmen nun auch kognitive und sprachliche Aspekte Einzug in die internen Arbeitsmodelle. Diese subjektiven Konstrukte stehen prinzipiell der Anpassung durch neue Erfahrungen offen, jedoch sind sie unbewusst und beeinflussen nicht nur das Handeln, sondern auch neue Wahrnehmungen werden im Lichte der vorhergehenden Erlebnisse interpretiert. Die Adaption ist hierbei bei sicherer Bindung erleichtert, während unsichere Repräsentanzen zu Rigidität neigen. Aufgrund ihres Vertrauens auf die Responsivität ihrer Bezugspersonen fällt es sicher gebundenen Kindern leichter, negative Erfahrungen zu integrieren. Die Eltern unsicher gebundener Kinder erschweren dies durch Verhaltensweisen wie z.B.: diese so behandeln, dass die Ereignisse für das Kind zu schlimm sind, als dass es sich damit bewusst auseinander setzen könnte; reagieren auf Handlungen des Kindes in einer Art und Weise, die es sich schuldig fühlen lässt oder vermitteln, dass es bestimmte negative Realitäten, die die Eltern selbst nicht wahrhaben wollen, nicht wissen soll. So kann es dazu kommen, dass mehrere interne Arbeitsmodelle von Bindung nebeneinander entstehen, ein bewusstes, in dem nur die Informationen enthalten sind, die zu haben dem Kind durch die Eltern erlaubt wird und ein unbewusstes, das die wirklichen Wahrnehmungen enthält. Dies zeigt sich besonders bei Erwachsenen mit unsicher–vermeidendem Bindungsstil, die ein sehr positives Bild ihrer Eltern schildern, bei konkreten Ereignissen mit ihnen aber vor allem zurückweisendes Verhalten erinnern. Bowlby unterscheidet außerdem alte und neue Modelle von Bindung. Erstere enthalten vor allem die präsymbolischen Erfahrungen der frühen Kindheit, während letztere sich auf die Zeit danach beziehen, in der die Integration von neuen Erfahrungen durch die Fähigkeit zu Gesprächen und Nachdenken über die eigenen Gedanken leichter fällt. Werden die frühen Erlebnisse in dieser Zeit nicht integriert, existieren alte und neue Repräsentanzen von Bindung nebeneinander, wobei die Alten in belastenden Situationen und gefühlsintensiven Beziehungen an Einfluss gewinnen.Neuere Vorstellungen über interne Arbeitsmodelle gehen davon aus, dass nicht Erinnerungen gespeichert werden und sich im neuen Kontext auf Verhalten auswirken, sondern dass ein Potential vorhanden ist, die früheren Erfahrungen durch die Eindrücke einer neuen Situation wieder abzurufen und zu „reklassifizieren“. So sind diese ständige Neukonstruktionen aus gegenwärtigen Wahrnehmungen und alten Kategorisierungen.

3.1.6 Der Einfluss früher Bindungsqualität auf die Entwicklung

Während der letzten 20 Jahre wurden zu diesem Thema vielfältige Studien unternommen, in denen der Zusammenhang zwischen Bindungsqualität und verschiedensten späteren Fähigkeiten und Eigenschaften der Kinder, wie soziale Kompetenz, Qualität der Beziehungen mit Gleichaltrigen, und Selbstbild untersucht wurde. Die gemischten Ergebnisse zeigen, dass man nicht von einer einfachen geradlinigen Beziehung zwischen Bindungsqualität und weiterer Entwicklung ausgehen kann. Thompson (1999) betont die Unterscheidung der untersuchten Eigenschaften nach theoretisch erwarteter Enge des Zusammenhanges. Die engste Beziehung sollte zwischen der frühen Bindungsqualität und der Eltern–Kind–Beziehung in der späteren Kindheit bestehen. Diese zeigt sich nur über kurze Zeiträume. Auf längere Sicht sind die Ergebnisse nicht so eindeutig, was auf Veränderungen in der familiären Situation und andere Risikofaktoren zurückgeführt werden kann. Ein etwas lockererer Zusammenhang sollte zur Kompetenz in anderen engen Beziehungen bestehen. Wiederum über kurze Zeiträume können sicher gebundenen Kindern höhere soziale Kompetenz, engere Freundschaften, besseres Konfliktlösen, weniger aggressives und kontrollierendes Verhalten bestätigt werden. Studien, die Zusammenhänge über längere Zeiträume maßen, zeigten uneindeutige Ergebnisse. Gemäß der Annahme, dass Kinder ihre Erfahrungen mit den Eltern auch auf fremde Personen übertragen, wurde bestätigt, dass Kinder sich tatsächlich Fremden gegenüber ähnlich ihres in der Fremden Situation eruierten Verhaltensmusters ihren Eltern gegenüber verhielten. Noch weniger eng mit der Bindungsqualität in Beziehung zu sehen sind Persönlichkeitseigenschaften. In der Minneapolis–Längsschnittstudie (Sroufe 1983) wurden größere Empathie, höherer Selbstwert, Kooperativität und positives Verhalten bei den mit einem Jahr als sicher gebundenen nachgewiesen, jedoch konnten diese Ergebnisse noch nicht repliziert werden. Zusammenhänge zu vielen anderen Persönlichkeitscharakteristika z. B. zu späteren Verhaltens-problemen, wurden nur in einer Studie oder nicht konsistent nachgewiesen wobei wieder Risikofaktoren eine Rolle spielten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Ergebnisse vorläufige Hinweise darstellen, die durch klarere theoretische Hypothesen, welchen Einfluss die Bindungsqualität auf die weitere Entwicklung des Kindes hat, und vor allem auch, in welchen Bereichen man keinen Zusammenhang erwartet, in Zukunft zu überprüfen und zu erweitern sind .

Vergeblicher innerer Kampf gegen das „Verlassen werden“

2. März 2013

Sicher kennt ihr das, wenn man sich suhlen will in der Erkenntnis, dass alles läuft wie immer, dass man umsonst gegen Windmühlen zu kämpfen glaubt, dass man sowieso immer wieder verlassen wird. Ja, ich spreche vom Suhlen, weil mir schon klar ist, dass dies der leichteste Weg ist, er macht keine Mühe, ist altbekannt und die Gefühle dabei kennt man sein ganzes Leben lang. Suhlen, weil da keine Mühe dahinter steht, sich die Tatsachen genauer anzusehen, weil man lieber Bekanntes fühlen möchte, egal wie schlimm, aber wohl vertraut scheint es Sicherheit zu geben.
Eine trügerische Sicherheit, die nur bedeutet, dass man verharren will aus Angst, verharren im alten Geschehen, das in keinster Weise in die Gegenwart passt, das aber das innere Gleichgewicht zu schaffen scheint. Ein Gleichgewicht von derart falschem und irrealem Fühlen aus der Kindheit, das Bekannte, das Erwartete, das Übliche. Und obwohl es einem jedes Mal wieder das Herz aus dem Leib reißt, die Sinne völlig vernebelt, den Wunsch ins Nichts bringt; trotz alledem ist es das Bekannte, das scheinbar Glaubwürdige, etwas was Sicherheit in unser Ungleichgewicht zu bringen scheint.
Man läuft auf der alten Spur, wieder und wieder, denn das Einschlagen einer neuen Spur macht Angst.
Vertrauen macht Angst, Liebe macht Angst, Sicherheit macht Angst, Glaube macht Angst, Hoffnung erst recht.
In irgendeinem Moment kapiert man diese vollkommen verschrobene Reaktionsweise. Es wird einem klar, dass da Feigheit dahinter steckt, Feigheit vor dem Neuen, das wunderbar sein könnte.
Und an diesem Punkt angekommen, will man das Leben für sich anders, man will kämpfen für das Neue, man will Mut haben, man will die Dinge ändern, man will sich aus der Abhängigkeit der eingepflanzten Reaktionsweisen trennen.
Logisch, dass ich von mir rede.
Zehn lange Jahre schon, versuche ich neue Wege zu gehen.
In den Anfängen versuchte ich jede meiner Reaktionsweisen zu hinterfragen, mit dem Glauben: Nur wenn ich mein Verhalten ergründe, kann ich mein Innenleben verstehen. Nur wenn ich mein Innenleben verstehe, kann ich neu dagegen steuern.
Also war das Erste, dass ich versuchte, alles an mir selbst zu analysieren. Und auch wenn es von meiner ersten Psychobegleiterin weiterhin als Suhlen bezeichnet wurde – für mich aber brachte es Erkenntnisse über meine unbewussten inneren Abläufe, die mich mein Leben lang begleitet und gesteuert haben. Der erste Schritt war also das Erkennen, wie ich ticke. Nun konnte ich die Sache angehen und bemühte mich, dem falschen Ticken gegenzusteuern. Und die Verhaltenstherapie dann in Dresden hat mich dabei sehr unterstützt.
Ich habe also vollständig gelernt: Warum passiert das jetzt gerade in mir? Und teilweise schaffte ich den Lernvorgang: Unterbrich die alten Reaktionsweisen und tu etwas dagegen! Dagegen tun in Form von Ersetzen durch etwas Besseres, Passenderes.
Ich weiß, dass für mich hierbei die wichtigste Erkenntnis war, dass mein Gegenüber ein eigenständiges Individuum ist, mit eigenem Fühlen, das ich nicht kennen kann; ein eigener Mensch mit eigenen mir unbekannten Hintergründen, mit eigenen, von mir völlig unabhängigen Befindlichkeiten.
So verstand ich mit den Jahren, dass ich nicht für jede negative Schwingung bei meinem Gegenüber verantwortlich war. Was ich damit sagen will ist, dass ich verstand, dass nicht jede Situation von mir persönlich abhängig ist.
Und diese Erkenntnis hat mich weiter gebracht. Eine Abgrenzung von einem anderen Individuum bedeutete, dass ich nicht für alles Scheitern auf dieser Welt verantwortlich sein muss.
Zuvor hatte ich in Allem und an Jedem meine eigene Schuld gesehen. Nun, das lernt man als Kind, wenn die Eltern ihr missbräuchliches Verhalten rechtfertigen wollen. Das Kind ist an allem Schuld. Ja, so lief auch ich durch die Welt.
Nun ich hatte für mich persönlich also den zweiten Schritt geschafft: Jeder Mensch fühlt anders aus seiner eigenen Geschichte heraus.
Schritt eins war: mich selbst verstehen (schaffe ich immer besser)
Schritt zwei war: den anderen nicht verstehen zu müssen und auch nicht zu können, Abgrenzung zu üben
Schritt drei wäre demzufolge zu verinnerlichen, nicht jedes Mal in Schuldgefühlen zu ertrinken.
Hier scheitere ich bis heute.
Möchte aber eigentlich noch was ganz anders sagen.
Nämlich den Schritt vier: ohne Bewertung Gefühle kommen und gehen zu lassen.
Oh Mann, hieran stirbt alles Bemühen, weil es für mich an sich schon ein Widerspruch ist.
Wie soll ich keine negative Bewertung über mein Fühlen und Reagieren abgeben, wenn mir bewusst wird, dass es falsch und unangemessen ist? Wie soll ich dem alten Reagieren gegensteuern, wenn ich mir nicht erlauben soll, es abzuwerten? Hier beißt sich für mich die Katze in den Schwanz.
Ich muss doch erst etwas schlecht finden, bevor ich dies zu verändern suche, oder nicht?
Bin ziemlich ratlos.
Habe mich diese Woche bei meiner Psychologin darüber ausgeheult, dass ich es mal wieder nicht schaffe, einen mir ins Herz geschlossenen Menschen nicht total zu vermissen.
Und was höre ich als Antwort?
Das wäre doch ganz normal! Hallo? Das finde ich eben nicht ganz normal!! Denn ich weiß, wo meine tiefe Sehnsucht herkommt. Also will ich es gerne einem alten Fühlen zuordnen und somit abtun können … geht nicht.
Ich stehe also wie blöd vor meiner Unfähigkeit, das mir geglaubt Gelernte nicht anwenden zu können, zweifle an meinem Verstand und hasse mich dafür, dass ich nach so vielem Lernen die Sache einfach nicht in richtige Bahnen lenken kann.
Aber die Psychologin setzt noch eins drauf und meint, mein Fühlen wäre normal, Selbsthass völlig unangebracht. Hä? Kann nicht sein! Ich schaffe etwas nicht, also werde ich doch sauer auf mich sein dürfen, oder? Wieso sagt sie mir, dass mein Inneres so fühlen darf?? Nein, soll es eben nicht! Ich will endlich Herr meiner Sinne sein.
Warum funktioniert das nicht, wenn ich doch alles verstanden habe? Wie kann ich denn ohne Wut auf mich selbst je etwas an mir verändern? Versteht ihr, was ich meine? Ich bin der Meinung, dass ich erst etwas schlecht an mir finden muss, dann kann ich mich an die Arbeit machen, dieses Schlechte auszumerzen, oder?
Anstatt mir in dieser Hinsicht eine Unterstützung meines Gedanken zu helfen, werde ich mitleidig angesehen und mir wird gesagt, dass ich hinnehmen muss, was mein Inneres und somit auch die Kinder fühlen, es wäre nun mal so und meine Entwicklung ließe vor einer Traumatherapie auch nichts anderes zu! Echt, so etwas will ich nicht hören. Ich will wütend auf mich sein. Ich möchte endlich mal nicht mehr so tief ins Fühlen rutschen. Ich will cool sein und das Leben mal hinkriegen.
Tja, da wünsche ich mir oft, die Psychologen treten mich mal in den Arsch, oder finden meine Wut gut für meine Entwicklung, und dann aber muss ich mir so etwas anhören. Und, dass ich wieder meine alten Muster bedienen will, in denen ich Strafe erwarte, im Sinne von: bist selbst schuld, es verkackt zu haben, also sollt du ruhig abstürzen. Oh je, ein größeres Durcheinander geht gar nicht.
Nun versteht ihr sicher, warum ich beim Urschleim anfing zu erzählen, vom Schritt eins und so weiter. Ich stehe wie blöd da, dachte, dass mein schrittweises Dazulernen mich nach vorne bringt, und dann fühle ich mich ausgebremst, nur weil ich keine Eigenwut haben soll. Aber ehrlich, die innere Wut auf mein eigenes Unvermögen war es doch immer, die mich hat weitermachen lassen, die einen Impuls gab: Nun erst Recht!
Eines aber, das konnte ich dieses Mal zu ersten Mal auch wirklich gut: Ich habe den anderen Menschen nicht abgewertet, weil ich um die echten Zusammenhänge eben weiß. Kann es auch nicht, weil zu viel an Gutem dahinter steht, was mir widerfahren ist. Ja und das mir Wichtigste: Will diesen Menschen auf keinen Fall verlieren.
Und nun das Perplexe: Darum werde ich schweigen, mich zurückziehen!!!!
Hallo? Wieder sehe ich einen Irrgarten hoch fünf.
Ich will festhalten an etwas, obwohl es in die Vergangenheit gehört. Ich will in meiner Fantasie bewahren, was da war! Will dieses Glücksgefühl nicht loslassen.

Jetzt aber will ich mich zurückziehen! Warum?
Habe wohl selbst Angst, wieder Blödsinn zu machen und somit den Verlust zu riskieren.
Aber ist das Zurückziehen nicht schon ein Verlust? Ein Verlust, den ich selbst herbeiführe?

Ich kann rauf und runter denken und fühlen … es bringt nichts. In mir ist Chaos pur, kenne nicht was richtig ist, verliere mein „Schrittsystem“ aus den Augen, oben und unten gibt es nicht mehr.
Deutsch: Bin völlig überfordert!
Hm, merke, dass hier mein Denken geschrieben hat. Auch mal gut.

Dieser Text soll ja an alle anderen Leser gehen, die den Blog aufsuchen um ein multiples System zu verstehen. Denen bin ich schuldig, diesen Artikel vollständig zu machen, damit überhaupt verstanden werden kann, warum ich mit ihm angefangen habe.
Ich will aufzeigen, dass trotz aller Mühe um „Genesung“, um die Entwirrung der eigenen Gefühlswelt, ein untherapiertes System sich nicht selbst helfen kann.
Warum? Was geht ab in mir?
Seit 10 Jahren bin ich in Therapie, aber habe noch nie eine echte Traumatherapie gemacht. Andauernd wird mir gesagt, dass ich mein Verhalten und mein Fühlen nicht beeinflussen kann, weil die Traumatas noch nicht aufgelöst sind. Ich selbst will das nicht wahrhaben, will mich steuern können, will Einfluss auf mein Leben haben können. Will die ganzen Abstürze nicht mehr haben, will nicht mehr im Gefühlschaos ersaufen.
Was ist heute in mir?
Kämpfe an gegen das falsche alte „Verlassen werden“, mache mir immer wieder die gegenwärtige Wahrheit bewusst …. sinnlos, es tut weh und hört nicht auf.
Und dies ist der Grund, warum ich so böse auf mich selbst sein möchte. Glaubte ich so viel gelernt und verstanden zu haben, scheint jeglicher Verstand nie existiert zu haben.
Lande immer wieder am Ausgangspunkt – der kindlichen Wahrnehmung, des irrealen Fühlens, und bekomme Wut auf diese Hilflosigkeit. Ich bin kein Kind mehr! Basta!
Mein Verstand ist voll da, mein Fühlen reagiert aber nicht auf mein mühsam erarbeitetes Wissen.
Das bringt tiefe Verzweiflung, Hass auf mich selbst. Wehe, es wagt mir jetzt jemand zu widersprechen, denn in diesem Fall ist diese Wut berechtigt, sie wird von der erwachsenen Mari gefühlt, die es eigentlich besser wissen müsste.
Nach vielen Wochen großen Glücks in mir, ist der Absturz umso schmerzlicher. Ich habe das alles so was von satt.

Körperflash

16. Februar 2013

Klinik: erlebter Körperflash:

Wache auf, geweckt von einem hilfeschreienden Kindergebrüll (erfahre später, dass da kein Gebrüll auf Station war), fühle mich gerädert, kann nicht wieder einschlafen und so entscheide ich mich, rauchen zu gehen.
Schon der Gang dorthin wird immer zittriger, mein Hals wird eng.
Minuten später bitte ich die Krankenschwester um Hilfe. Habe Angst zu ersticken, jemand drückt mir die Kehle zu, es schmerzt unsagbar, Luft holen strengt an und es kommt immer weniger Luft rein.
Panik setzt ein, weil der Körper mir entgleiten will. Die Schwester redet ununterbrochen, gibt mir dann einen Duftstoff, spricht von Atemerleichterungen, zeigt mir Körperhaltungen.
In ihrem Reden wird mir bewusst, dass da kein wirklicher Schmerz sein kann, sehe mich bewusst im Zimmer um, erinnere mich an den Frontallappen im Gehirn, der angeregt werden soll, lese Buchtitel, die da rumstehen, konzentriere mich auf die Worte der Schwester und nach und nach strömt wieder mehr Luft durch meinen Hals.
Gleichzeitig steigt ein Entsetzen in mir auf, das Pressen auf meinen Kehlkopf war real, nur nicht im Jetzt.
Ich zittere am ganzen Leib, schaffe es aber, gegen die aufgestiegenen Ängste anzugehen. Langsam werde ich ruhiger.
Die Schwester erzählt was von Körperflashs und ich erinnere mich an Schmerzen, die ich oft morgens beim Aufwachen hatte, an Körperstellen, die unmöglich in Schlafbewegungen an die Bettumrandung gelangt wären.
Erinnere mich auch, dass ich da schon oft an die Schläge in der Kindheit gedacht hatte.
Kann nicht wieder fest einschlafen. Der Morgen dann ist kein so guter.

Trigger und Flash

1. Februar 2013

Fundstück

Die Zerstörung des sozialen Misstrauens ist umfassend gegen die Umwelt gerichtet.

Traumatisierte Menschen entwickeln besonders feine Antennen für unbewusste und nonverbale Kommunikation,
sie haben keine “normalen” Beziehungen und schwanken zwischen intensiver Zuneigung und verängstigtem Rückzug.

Mitmenschen werden bestimmte Rollen zugewiesen und ihr Verhalten beobachtet.

“Da kaum jemand die ständigen, strengen Prüfungen des Vertrauens bestehen kann, zieht sich das Opfer im Lauf der Zeit mehr und mehr aus allen Beziehungen zurück.”

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Beschreibung der uns allzeit bekannten Flashbacks!

Für Laien unvorstellbar! Strandkrabbe hat bessere Worte dafür, als ich es je formulieren könnte! Also drucke ich ihren Text ab!

Strandkrabbe schreibt auf ihrem Blog:   „gefühlte Erinnerungen“    Posted: 22. April 2013

Ein Blick. Eine Bewegung. Ein Zucken im Gesicht. Ein bestimmter Geruch. Ein Wort. Ein Tonfall. Ein Gedanke. Ein Geschmack. Eine Körperempfindung. Ein ganz alltäglicher Moment……………………
Plötzlich geht der Alarm im Innern los. Es gibt eine leichte Erschütterung. Nur ein Vorbeben. Alle rennen, wollen sich in Sicherheit bringen bevor alles erschüttert und zerstört wird. Der Anteil der gerade im Außen ist, erstarrt vor Angst. Was wird gleich geschehen? Wie ein wildes Tier in Gefangenschaft peitscht im Innern die Angst. Füße wollen laufen so schnell sie können. Hände wollen vor noch mehr Worten, Tönen, Erschrecken schützen. Nichts kann es stoppen. Panisches Aufspringen, loslaufen wollen. Vor der Tür stoppen. Beine wollen laufen, doch sind sie wie gelähmt. Auf den Ohren nur noch ein lautes Rauschen. Der Kopf dröhnt. Und dann zerfällt alles in dichten Nebel.
Die Barriere ist durchbrochen. Schutzlos, haltlos, mutterseelenallein ist sie da. Die kleine, zarte, zerbrechliche Kinderseele. Sie ist ganz ruhig. Hat sich klein gemacht. In eine schützende Ecke gedrückt. In der Hoffnung zu überleben. Vielleicht würde man sie nicht sehen. Vielleicht würde man nicht bemerken, dass sie noch da ist. Sie ist ganz ruhig geworden. Sie hört ein Rauschen als wäre sie direkt am Meer. Oh wie schön es wäre, sie könnte die Hände ausstrecken und die Freiheit des Meeres fühlen. Sie ist allein. Oder doch nicht. Plötzlich ein Geräusch. Ein Klacken. Sie kommen. Sie werden sie sehen. Sie werden sie mitschleifen. Sie hat keine Chance. In ihrer Phantasie taucht sie ein ins Meer. Bis sie nichts mehr fühlt.
Watte im Kopf. Eine weiße Wand. Kein Boden zu fühlen. Schweben im luftleeren Raum. Und dann plötzlich etwas kaltes am Arm. Augen füllen sich mit Tränen. Suchend wird nach dem Kalten getastet. Wir sind im luftleeren Raum zwischen hier und da. Das Kalte, es ist der Schlüssel, der Reiz, der mich rausbringen kann. Wenigstens raus aus diesem Schweben. Doch was erwartet mich da, wenn ich hier raus bin? Tränen über Tränen brechen herein. Abgrundtiefe Traurigkeit, panische Angst. Noch immer sollte ich nur Laufen, weg von hier. Doch die Energie hat sich in Nichts aufgelöst. Die Beine sind schwer wie Blei.
Ich bleibe in einem Chaos aus Gefühlen von Gestern und Heute. Unsortiert. Nicht zu unterscheiden. Nicht wissend, was ist real und was Erinnerung. Keine Bilder denen die Gefühle zuzuordnen sind. Nur Angst, panische Angst. Und der Körper erscheint nur noch als Hülle. Im Kopf tanzen Gedanken wirr durcheinander, bilden sich nur noch Worte ohne Zusammenhang.
Eine Bombe ist explodiert. Es gab einen gewaltigen Knall, ein schweres Beben. Zurück bleibt ein unsortierbares Gefühlschaos.

Was ist geschehen? Wir haben einen Fehler gemacht. Wir haben um Hilfe gerufen und die Helfer hilf-und ratlos gemacht. Wir wollten gerettet werden und haben doch um Verständnis und Loslassen gebettelt. Wir haben Not, Schmerz und Angst bei denen ausgelöst, die uns am wichtigsten sind. Und Fehler werden doch immer bestraft. Oder nicht? Und anderen Schmerz zufügen, das dürfen wir doch nicht. Das ist doch verboten.
Wie konnten wir es nur wagen, unsere Not so sehr zu zeigen. Was ist nur geschehen, dass wir geglaubt haben, es wäre heute richtig, nach einer helfenden Hand zu suchen, als alles stockdunkel um uns wurde. Jetzt wird es wieder dunkel…………………………
Wir hätten doch vielleicht nie mehr Nähe zulassen dürfen. Niemandem mehr vertrauen dürfen. Nicht mehr um Hilfe bitten sollen. Jetzt tut es nur noch entsetzlich weh.

Hallo Ihr,
es ist so ein schlimmes Gefühl, so sehr in sich selbst zu versinken und gefangen zu sein in der Angst. Da haben wir großes Mitgefühl und Verständnis.
Und wir kennen auch das Erschrecken, wenn man merkt und sieht, dass Helfer überfordert sind, oder sich hilflos fühlen. Vor allem dann, wenn man zuvor viel von ihnen Angebotenes “genommen” hat, weil man es brauchte. Wenn die Helfer sich danach belastet zeigen, ist das für unsereins ein schweres, ängstliches Gefühl. Für uns ist wichtig, innerlich etwas auseinander zu halten: WIR zeigen uns mit unserer Not und eigenen Hilflosigkeit gegenüber bestimmten Zuständen oder Gefühlen. Die gefühlte oder gezeigte Hilflosigkeit der Helfer ist DEREN Erleben, kommt aus DEREN “Ich” und hat nur bedingt etwas mit uns zu tun! Wir machen die Helfer nicht hilflos! Wir lösen mit unserem Sein vielleicht etwas bei ihnen aus- aber die Verantwortung für den Umgang damit tragen sie selbst. Wenn sie in ihrer Hilf-und Ratlosigkeit feststecken, müssen sie selbst schauen, wie sie damit weiterarbeiten können- und nicht wir müssen uns darum kümmern, dass sie sich nicht mehr so fühlen. Versteht Ihr?
Dass Ihr Euch auf jemanden eingelassen habt und die ausgestreckte, helfende Hand ergriffen habt, war mutig und stark. Dass Ihr einem anderen Menschen begegnet und ihn in Euer Herz lasst zeigt, dass Ihr Euch Berührung und Begegnung auch wünscht. Daran ist nichts falsch!

nahe menschliche kontakte sind am meisten gebraucht und am meisten gefürchtet…. sie können so heilsam sein und sie können so sehr weh tun… ein mensch kann so gut tun und auch so verletzen… eine grenze kann sicherheit geben und ausschließen oder abweisen…
alles gehört wohl dazu, wenn man sich auf das leben und auf menschen einlässt.

Liebe Grüße, die paulines

Hallo Ihr,
Eure Worte sind so absolut wahr und wertvoll. Es war so wichtig, zu lesen, dass WIR nicht die Hilflosigkeit bei den Helfern machen, und dass WIR auch nicht für sie sorgen müssen. Wisst Ihr, uns passiert das schnell, dass wir denken, dass wir was falsch gemacht haben und jetzt alles zerstört ist. Es sind alte Geschichten in die wir da reinrutschen. Und dann kriegen wir das Heute und das Gestern nicht voneinander getrennt. Es war gaaaanz schwer und anstrengend, aber wir haben heute vieles verstanden und ganz langsam weicht die Angst wieder zurück und macht dem Vertrauen Platz. Nur am inneren Zittern ist noch zu erkennen, dass es noch nicht wieder richtig gut ist. Liebe Grüße von uns

Mariechen erzählt ! 2005 Und die große Wucht !

2. Januar 2013

Fett gedrucktes ist das Erleben von Marie (2-3 Jahre  höchstens)

Ich möchte allen Lesern sagen, dass ich nie in meinem Leben eine Hypnose gemacht habe.
Traumatherapie benutzt diesen Mist gar nicht.

2005

Meine Traumatherapeutin sitzt an meinem Kopfende, ich liege auf dem Sofa. Sie bittet mich, in Gedanken an einen wundervollen Ort zu gehen und diesen dabei ihr zu beschreiben. Ich schließe die Augen, laufe in Gedanken über eine Wiese.  Je weiter die Therapeutin fragt, was ich dort alles so sehe, um so mehr kann ich alle umgebenden Geräusche aus der Praxis und von der Straße ausblenden.
Irgendwann in unserer Unterhaltung lande ich in irgendeiner versenkten Erinnerung und berichte natürlich darüber.

Aufzeichnung für meine Psychologin nach der Sitzung am 5.April 2005

In der Therapiesitzung von mir erinnert:

Ich sehe unsere erste Wohnung in der Fröbelstraße. Dort lebte ich bis zur 1. Klasse.

– der Flur ist zu klein für zwei Personen – rechts ein Minibad – geradezu das Wohnzimmer (auch klein) –
gerade da hindurch geht auf der rechten Seite das Kinderzimmer ab – auf der linken Seite das Schlafzimmer
– in der Kinderzimmertür stehend, sehe ich auf die sogenannte Kochnische (klein wie eine Speisekammer)
– so muss der Kühlschrank mit im Wohnzimmer stehen.

Das Schlafzimmer: braune, groß gemusterte, hässliche Tapete, rechts ein Wäscheschrank, geradezu das Fenster, links die  Ehebetten. Die Deckenlampe- 5 oder 6 flammig –Milchglas.

Scheiße, Tränen, zu viele Fehler, kann kaum tippen. Zurück zur Therapie, welches Bild da in mir hoch kam:

Sitze auf dem Bett in diesem Schlafzimmer, ans Kopfende gedrückt, mit angewinkelten Beinen, die ich umklammere. Bin noch so tappsig – merke –bin2 bis 3 Jahre alt höchstens.
Tausend verschiedene Gefühle:
Angst steigt auf – ob ich will oder nicht, ich muss warten – ein Weglaufen gibt’s nicht – warum ist Mutti nicht da? – Einsamkeit immer mehr – gleich wird’s wie immer – mir wird schlecht – Aussichtslosigkeit – machtlos – der Blick auf die Tür (noch bin ich allein) – ich will das nicht – bin wie schwerelos –verstecken – Übelkeit immer mehr – muss die Beine fester anpressen, dann kommt keiner ran – Mutti, wo bist du?
Starre wie gebannt auf die Tür – da wird das große Schwarze durchkommen.
Schwarz: das Schlimmste auf der Welt, die Wucht, das Unbeschreibliche, das jeden auffrisst.
Man kann’s nicht sagen, sonst wird der Zuhörer auch gefressen. Kann keiner aushalten. 

Breche bei der Nachfrage zur WUCHT das Therapiegespräch ab, habe Angst! Ein Junge verhindert weiters Erinnern, tut so weh..bin kurz vor einer Ohnmacht.

22. Mai 2005

Irgendwie habe ich keine Lust, über die letzte Sitzung am 5.Mai Notizen zu machen. Soll ich aber. Buh, in mir sperrt sich was. Da steckt Angst drin, weiß ich.
Wenn ich vergangene Woche versucht habe, mir die ganze Sitzung in Erinnerung zu bringen, dann funktionierte das nicht. Ich versuch’s einfach jetzt, soweit wie es geht.
Es ging auch um den Strudel, den ich immer wieder zeichnete. Er ist für mich ein altbekanntes Gefühl, wenn ich nicht mehr die Kontrolle über mich habe.

Im Schmerz passiert folgende Reihenfolge:
Im Brustraum steigt ein enormer Druck, steigt und steigt, nimmt mir fast die Luft. Ich empfinde den schwarzen Strudel, der nach mir greift und immer stärker mich in das Schwarze zieht – nach Innen – in mir- ein schwarzes Loch – der Druck steigt im Brustkorb – mein Körper fängt an zu zittern – scheine fast zu platzen. Dann – die Zeitdauer ist verschieden – fängt mein Körper sich an aufzulösen.
Was nun passiert, habe ich begriffen als Technik, die ich entwickelt habe und nicht beeinflussen kann.
Ich sehe jetzt einen Strudel, der mir hilft. Ich tauche in den Strudel ab, der mich entführt und beschützt.

In Gedichten erwähnte ich ihn unbewusst als „Kreise, die sich öffnen und mich rein lassen“, „bodenlos“ dann bin ich an einem Ort, den ich in Gedichten beschreibe: „Vergraben“, „Einfrieren“, „Raum voll Stille“, „im Grab“, „die Tiefe“, „bedeckt, meterhoch“ usw.

In diesen Momenten angekommen, beginnt das eigentliche Problem meines Alltags.
Diese Tiefe bedeutet, dass ich mich in meiner Wohnung verstecke, jeglichen menschlichen Kontakt meide – und das über Tage und manchmal Wochen. Weiß, dass dieser Rückzug nichts mit meinem Heute zu tun hat. Weiß, dass es der Schutzmechanismus aus der Kindheit war. War innerlich wie abgestorben und nichts konnte an mein Fühlen ran- war einfach unverwundbar- weil ich tot war. Dies geschieht heute noch, obwohl es real keinen Anlass gibt.
Aber ich kann diese Gefühle nicht steuern und beeinflussen. Sicher habe ich gelernt, mich abzulenken. Ich beschäftige mich mit Dingen, aber das Gefühl ist da, nur nicht so akut, dass ich mir den Tod als Erlösung wünsche.
Kaum liegt die Beschäftigung, steigt der Druck in der Brust an und Angst geht wieder los.

Hab mich gefragt, warum ich ein Gedicht von 1983 beginne mit: „Dein Gewicht lähmt mich, dein Flüstern zwängt mich ein…“
Finde heute, dass genau diese Worte das Gefühl des Zerplatzens beschreiben.

Nun zum Thema „WUCHT“.
Das ist mein Ausdruck für den extremen inneren Druck, den ich bildlich immer empfinde. Es ist riesengroß, schwarz, kommt in einer Bewegung auf mich zu, obwohl es im Inneren passiert. Dieses Schwarze ist für mich so extrem bedrohlich, dass ich unbewusst weiß, dass die Wahrheit dahinter nicht auszuhalten ist.
Es ist die Wucht für mich, nicht zu bremsen, weil ich mich dem so hilflos ausgeliefert fühle.
Und ich weiß, dass dahinter steckt, dass ich mich nicht wehren konnte.
Auf dem Sofa liegend wurde ich also am 5. Mai von meiner Psychologin befragt, was hinter dieser schwarzen Wucht ist.

Im selben Moment war da …
in mir ein Durcheinander – die Kinderschar war wieder da – und sofort kam vom 17 jährigen Jungen  „Halt’s  Maul!“ in einem so bestimmenden Ton, dass sofort Ruhe war.
Die Kinderschar versteckte sich hinter ihm, und er stand da – frech, triumphierend und diesmal mit einem „Halt’s Maul!“ zu mir.

Erst war ich erschrocken, dass dieses Chaos in mir wieder da war.
Dann war ich erleichtert, weil ich spürte, dass der Junge auf die Kleinen aufpasst.
Also, alles in Ordnung. Ich fügte mich seinen Worten und wollte nichts mehr über die Wucht sagen.
Was heißt wollte?  Es war alles weg …kein Empfinden mehr da….innen wie tot!
Gut so….ich fühlte mich wieder sicher.

.

Stabilisierung des eigenen Selbst

1. Januar 2013

27.Juli 2012

Lange konnte ich mich nicht ans Tagebuch setzen. Zu viel Angst vor Erinnerungen.  Besser den Alltag irgendwie hinbekommen.

In der Therapie war der Ansatz:

Die Arbeit an den einzelnen Gefühlen, weil jedes Gefühl ein Teil von mir wäre.
Mir ist es enorm schwer gefallen, nicht mehr mit meinen wirklichen Anteilen zu agieren und zu arbeiten.

Hatte immer Probleme und kam nicht vorwärts.
Bis ich begriff: Fast ein Jahr lang hatte ich  meine Kinder eingesperrt, denn so, wie sie waren, passten sie ja nicht in die Therapiearbeit rein.

Das war unlösbar für mich, denn keines meiner Kleinen besteht aus nur einem Gefühl.

Trotz aller Bemühen von mir, ging nichts voran, bis zu dem Tag wo ich mich entschloss, meine Kleinen wieder ins Leben zu lassen.
Schließlich sind sie meine Gefühle und mein Leben.
Habe also der Therapeutin gesagt, dass mein Weg ein anderer sein muss, als der, die Kleinen wegzusperren.
Sie war sofort einverstanden, weil meine Argumente selbst ihr einleuchteten. Und sie betonte, dass ich aktiver meine Meinung zum Therapieverlauf äußern sollte. Das wäre sehr wichtig. So war ich froh, den Mut zur Offenheit gehabt zu haben.

Am Ende der Therapiestunde habe ich (ein von ihr noch nicht studiertes) Fachbuch bekommen:

„Das sogenannte innere Kind“

von Dr. Willy Herbold und Prof.Dr. Ulrich Sachsse

Der Beitrag darin von Ralf Bolle kam bei mir nicht gut weg.

Ich äußerte meiner Therapeutin gegenüber, dass diesen verwirrenden Text wirklich nur ein Therapeut begreift, wenn er sich seit Jahrzehnten mit diesem Thema schon beschäftigt hat. Wer also als Anfänger mit diesem Text konfrontiert wird, der wird ziemlich schnell das Handtuch werfen.  So viele Fachbegriffe in nur einem halben Satz, dazu die eingeforderten Vorkenntnisse . . .oh nein, das kann man keinem ungeübten Therapeuten zum Lernen geben.

Dagegen war ich von dem Artikel Vier Unterrichtseinheiten für Erwachsene mit Inneren Problemkindern

von Ulrich Sachsse beeindruckt.

So, wie der Therapeut seine Behandlungen ganz konkret schildert, fühlte ich mich beim Lesen sehr angenommen und glaube an gute Ergebnisse solch einer Herangehensweise.

Der beste Artikel in diesem Buch ist allerdings der von

Willy Herbold,

der über bewusst herbeigeführte Regressionen zur Beruhigung und Stabilisierung des eigenen Selbst spricht.
Die versuchte theoretische Erläuterung dafür ist schon sehr gut nachvollziehbar.
Und da steh ich mit meinen mittlerweile 10 Jahren Therapieerfahrungen, 10 Jahren Beschäftigung mit Fachliteratur, und bin erstaunt über die Logik, die sich mir sofort erschließt.
Willy Herbold hat recht:

Ob Säugling, Kleinkind oder älter, ich muss eine Technik gehabt haben, mich selbst zu beruhigen um überleben zu können.
Wenn in der Umwelt des Kindes nicht ein einziger Mensch war, bei dem das Kind positive Entwicklungsreize vermittelt bekam, dann muss es sich ja selbst durch Objekte eigener Wahl eine Subjektbefriedigung gesucht haben.
Was heißen soll: Durch irgendein Objekt in seiner Umgebung, und sei es der Lutschdaumen, hat es über die eigene subjektive Erfahrung das innere Selbst beruhigen können.

In der meisten Fachliteratur findet man nämlich den Gedanken, dass ohne Beruhigung vom Säuglingsalter an, also immer in subjektiver Todesangst, ein Kind nicht überleben würde.

Genau diesen Ansatz verwendet Willy Herbold. Er zeigt dann in seinen mit geschnittenen Therapiestunden auf, wie er die erwachsenen Probanden auf den Weg zur eigenen inneren Stabilisierung bringt.

Und all das hat bei mir einen Erinnerungsklick ausgelöst.
Was er mit den Patienten mühsam in den Therapiestunden erarbeitet, das wende ich schon seit Jahrzehnten automatisch bei mir an.
Ein Beispiel: In Buchläden stecke ich mindestens einmal meine Nase ganz tief zwischen die Buchseiten. Wenn dann ein ganz bestimmter Farbgeruch da ist, den ich aus meiner Kindheit kenne, dann durchflutet mich ein Wonnegefühl ungeahnten Ausmaßes. Ich strahle und kann nicht genug von dem Geruch kriegen. Schon deshalb bin ich seit 20 Jahren auf der Suche nach all meinen Lieblingsbüchern aus der Kindheit. Es wird sofort gekauft und dann, irgendwann zuhause setzte ich mich hin und lese es. Selbst wenn es nur ein Bilderbuch ist. Aber ich gestalte es als Ritual und genieße dieses aufsteigende Gefühl der Ruhe und Sicherheit.

Die Fachsprache würde das ganze Skill nennen.
Vor meinen Bekannten benutze ich selbstverständlich oft die Ausrede, dass ich schon für meinen noch nicht vorhandenen Enkel kaufe, manchmal aber bin ich auch ehrlich und sage, dass es für mich ist.

Wenn ich nun hinter diese Selbstberuhigung sehe, dann erinnere ich mich, dass ich als Kind durch Bücher in meine eigene Welt geflüchtet bin. Konnte ausblenden was um mich herum war, die Ängste mal sein lassen und einfach atmen.

Ich könnte jetzt ohne Unterlass einen Skill dieser Art nach dem anderen aufzählen;  gut, dass ich diese habe.

Noch etwas zu meinen Therapieerfahrungen.

Es ist angenehm zu bemerken, dass die Fachwelt mehr und mehr die Arbeit mit dem Inneren Kind zur Akzeptanz bringt.

Aber mir persönlich ist klar geworden, dass man mir als Erwachsenen schlecht sagen kann: Dann setzen sie sich doch mal mit ihrem inneren Kind hin und malen. Ist zwar richtig, ich fühle die Akzeptanz meiner inneren Abspaltungen, aber gleichzeitig fühle ich mich nicht ernst genommen.
Klingt jetzt widersprüchlich, das weiß ich, aber es nützt ja nichts, wenn dadurch sich in mir eine innere Abwehr aufbaut.
Skills werden stets so resolut dargestellt als Hilfe, nicht in alte Gefühle der Vergangenheit zu rutschen, bzw. sich da schnell wieder rauszuholen.

Dass Skills aber dazu dienen können, sich mal einen ausgewählten Moment richtig wohl zu fühlen, scheißegal mit welchem gefühlten Alter, dass wurde mir in den vielen Jahren nicht nahe gebracht.
Ich glaube gerade deshalb fasziniert mich der Fachartikel von Willy Herbold so.

Er sagt also nicht, beruhigen sie ihr inneres Kind, sondern er sagt:

„Erinnern sie sich, was ihnen früher gut getan hat und probieren sie es heute aus.“

Wenn man also beide Dinge den Patienten klarer in den Zusammenhang bringt, ihnen das erläutert, dann glaube ich, dass es der beste Weg wäre.

Wie ich auf diese Aussage komme?

Nun, ich denke, dass Menschen mit schweren Persönlichkeitsstörungen nur deshalb noch leben, weil sie ihr Leben lang ihre eigenen „Therapeuten“ waren.
Das meiste von dem läuft unbewusst ab.

Aber wenn ein guter Therapeut diese Tricks zu Überleben genau hinterfragt, sie dann kennt, dann wäre dies eine Lebenshilfe, Nützliches wieder zu aktivieren und ins Bewusstsein zu holen, und Schädigendes auf medizinischer, psychiatrischer und neurologischer Basis zu erklären und mit dem Patienten abzubauen.


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