Posts Tagged ‘Schmerz’

Ohne Dich gibts kein Ich!?????

25. April 2017

19.4. und 25.4.17

Wieder so eine Nacht, in der ich keinen Schlaf finde, die Gedanken um alles kreisen. Und dann weinen die Kleinen, sie brauchen Trost und überschütten mich mit ihrem Fühlen.
Warum verliere ich Menschen? Oder warum kann ich nicht auf neue Menschen zugehen?
Verlieren.
Ich glaube zu oft, zu viel an das Gute in einem Menschen. Scheine nicht bei jedem Menschen das Bauchgefühl zu haben, das mir meist den richtigen Weg zeigt. Wie verliere ich Freundschaften? Ich kann jahrelang (leider) Verletzungen schlucken. Aber irgendwann tut die Summe so weh, dass in mir drin eine Mauer hochfährt, die mein Fühlen völlig abschneiden will. Kann von heute auf morgen einen Strich ziehen, d.h. einen Menschen aus meinem Leben werfen. Scheine eiskalt zu sein, bin ich aber nicht. Irgend jemand von uns trifft die Entscheidung uns zu schützen, macht diesen Cut. Dieser Jemand fühlt nichts, rein gar nichts. Er regelt nur, organisiert. Ich selbst leide wie ein Hund darunter, oft Jahre danach noch.
OHNE DICH GIBTS KEIN ICH! ??????
Was ist das Ich?
Es ist die, die Lyrik und Prosa schreibt, es ist die, die malt, eine andere fotografiert, eine liebt den Sport, eine andere die Geselligkeit…..u.u.u!
Aber all die existieren nur, wenn wir in einem sozialen Kontakt eingebunden sind.
Bricht der weg, fallen wir in einen luftleeren Raum ohne Freude und ohne Lebenslust. Ist das typisch Depression? Wir werden wie starr, können kaum die Wohnung verlassen. Keiner von uns geht einem Hobby nach, keiner. Da ist nur ein Sitzen, ein Sitzen, Stunden vergehen lassen einfach so. Ein Raum, indem es kein ICH gibt. Da gibt es nur dieses tiefe schwarze Loch, um uns, in uns, als wären wir das Schwarze selbst. Und mit jedem Tag der vergeht, steigen wir immer tiefer in das NICHTS.
Und besonders in solchen zermürbenden Zeiten klammern wir uns an das Lächeln, das uns 2012 begegnet ist, das bis in unseren Kern vordrang. Und so sehr dieses Lächeln auch Mut macht…die Sehnsucht, ihm mal wieder in ECHT zu begegnen, ist so gigantisch groß! Drei Jahre sind vergangen seid der letzten Begegnung. Das Vermissen tut weh. Ich kann mir nicht erklären, warum ich diesen Menschen so sehr brauche. Die Liebende Erwachsene von uns….könnte sie so eine Ausdauer haben im Lieben ohne jegliches Liebes-Echo über Jahre hinweg? Ich habe keine Ahnung. Wohl darum will ich immer glauben, dass es die ganz Kleinen von uns sind, die nicht loslassen wollen.

Ist genau dieses absolut treue Festhalten an einer Person krankhaft??
Oder kann Liebe einen Menschen tatsächlich über viele Jahre hinweg an einen einzigen Menschen binden, obwohl man mit diesem niemals eine Beziehung hatte, mit dem man über die Zeit zwar Kontakt hatte, der aber nicht mal annähernd an freundschaftlich heranreichen würde?
Oder hat diese unbedingte Fühlen damit was zu tun, dass in der Summe über 40 Meinwesen das Engelchen lieben? Ist es möglich, dass sich aller Fühlen auf einen riesigen Stapel packt und somit an Mächtigkeit summiert?
Oder ist dieser Gedanke (basierend auf innere Wahrnehmung) nur eine Ausrede für ein „krankhaftes Lieben“??????
Antworten werde ich wohl niemals finden.
Darum frage ich in die Welt des Internets hinein:

Gibt es da draußen jemand, der Antworten hat? Vielleicht sogar jemand vom Fach „Gehirn“????

Ich bin das Nichts

3. April 2017

das nichts
keiner braucht es
das nichts
niemand sieht es
das nichts
ist tief und schwarz
ist hohl und stumm
das nichts
ist nichts im nichts
das nichts
bin ich

3.4.17
(kb)

Fibromyalgie……., aha, soso.

16. Januar 2017

12.01.17
Hm, soso, also ich weiß nicht…..????? Das mit den Füßen wird nicht besser. Andere Köperteile sind ebenfalls ununterbrochen „aktiv“, was ich aber seit Jahrzehnten kenne und einfach wegdrücke. Schmerzen??? Quatsch!!! Hab dich nicht so!! Ständige Schmerzen in der Kindheit durch Prügelexsesse des Stiefvaters…..gelernt zu ertragen! Gehört zum Leben – gelernte Tatsache! Wahrnehmung der Schmerzen seitdem vorhanden, aber Bewertung gekappt… so isses eben, ob bei Stürzen, Unfällen, notwendigem Nähen der Haut (puh, wozu Narkose, mir machen Schmerzen nichts) Mit der Gabe von Antidepressiva vor 13 Jahren haben sich die Schmerzen etwas reduziert. Heute weiß ich warum – Schmerzschwelle und so…!
Aaaaaaber……irgendwie kommt vieles geballt wieder.
……laufen will der Mensch, sich fortbewegen, einfach so!!!!!!!!!!!!
Ich träume vom Spazierengehen mal 10 Minuten ohne irgendeinen Schmerz. Ich hasse das Problem mit den Füßen.
Arztbesuche hasse ich wie die Pest, vermeide ich schon immer weitestgehend. Wartezimmer – der Horror! Vorsorgeuntersuchungen usw. erst recht nicht.
Aber aufrecht gehen möchte ich können, wenigstens das!
Man ahnt, was in Steigerung im Alltagsleben alles so überhaupt nicht geht. Habe es so satt – zwei einhalb Jahre nicht normal, nicht schmerzfrei die Füße auf den Boden setzen. Da hört das Wegdrücken-Können auf! Ich kann einfach nicht mehr. Wollte raus aus den Depressionen, bin deshalb umgezogen, wollte neu anfangen. Nun zwingen mich aber die Scheißfüße zu Arztbesuchen und Physiotherapien….wie ich das hasse!
Nach Millionen Untersuchungen,selbst Szintigrafie, Bluttest usw., steht die Diagnose Fibromyalgie neben der, der alt bekannten Fersensporne + Achillessehnen- entzündungen. Ungewöhnlich dennoch, dass so einige Entzündungsherde im Körper gefunden wurden, was typischerweise bei dieser Diagnose Fibromyalgie sonst nicht der Fall ist.
Fibromyalgie…. Hm, soso… erinnere mich… schon in der Kindheit – heute noch – kann ich nicht schmerzlos auf der Seite liegen, was bedeutet: Seit 50 Jahren wälze ich mich beim Einschlafen hin und her vor Schmerz, bis die Erschöpfung Schlaf bringt. Rückenlage ging noch nie. Es wetteifern nachts Schmerzen und Gedankenkarrussel! Mal abgesehen von vielen anderen jahrelangen Schmerzen, die ich einfach negieren wollte.
Traumata/Gewalt/Schmerzgedächtnis…. Fibromyalgie…,hm. ??????

Habe mich kundig gelesen, aber… ist die Disso – Ident. nicht schon an sich eine körperliche Manifestierung der Traumata, weil – fällt ja unter Somatisierungsstörungen???? Wäre das nicht eine doppelte, und somit Zuviel-Diagnose?
Bin ratlos.

Hallo Leute, ihr da draußen, kennt sich jemand damit aus?

Kann ich endlich die Geburtsfrau hassen?

19. Oktober 2016

19.10.16

Ich weiß nicht……Minuten oder Stunden auf den Fliesen im Bad liegend – über dem Waschbecken hängend…weinend…zu viel in den letzen Wochen … überhaupt……aber Morgen hat die Alte, die Geburtsfrau, ihren Geburtststag….. ich weiß nicht, was und warum in mir abgeht…es tut weh…. lähmt, schreit aus dem Innen…..immer wieder kaltes Wasser als Skill…. hilft nicht….wieder und wieder kaltes Wasser…ein Versuch, erwachsen mich zu regulieren……….zeitweise Ertrinkungsgefühle, ersticken….aber am Ende ….. will unter den Boden…..kein Aushalten….es soll aufhören so weh zu tun…..ein Lichtblitz: letztes Jahr hat Engelchens Geburtstag den 20. völlig vergessen lassen- Gott sei Dank…aber heute … dünnhäutig … wurde erinnert an das Datum….ich hasse es…….und was hochkommt:
Wie konnte ein kleines Kind die ganzen Dinge mit der Geburtsfrau aushalten????????

! …….es waren Stunden auf den Fliesen…. mir ist kalt ……irre kalt……nach langer Taubheit steigt Erinnerung auf…..der 9. Oktober ist das entscheidene Datum und Punkt!!!!…..ratsch….meine Tochter braucht Unterstützung….. der Schmerz reguliert sich ein auf einen normalen Schmerz, indem wir wegschieben, ausblenden, wie es uns geht……hundert Jahre lang geübt: Nicht um uns geht es…verstehe ich auch nicht….da ist ein Außen, dass mich zwingt…irgendwie.

Meine neuesten Gedichte zum Schmerz

26. August 2016

Ich denke, diese Texte von mir kennt ihr noch nicht! Also raus damit. Schätze mal, dass da mehrere Meinwesen am Werk waren, unterschiedliche Alter.

(bitte nicht das Urheberrecht vergessen)

Könnt ruhig eure Meinung sagen.

Ein Klumpen Masse/Die Flucht

In alle Richtungen
reißen Körper
Fetzen für Fetzen
von sich ab

Wie alte Mäntel
liegen sie verstreut
vom Hautbrand
abgeworfen
auf dem Track
ins Ungewisse

Müdgeschleppte Füße
wundblutende Knie
leergefegte Augen
trockenrissene Münder
Schreie lautlos
in die Weite

Wir sind viele
in einem Klumpen Masse
wächst die Entfernung
zur Heimkehr

.

Fragment

Schmerz
reißt in mir
alles voneinander
Nichts bleibt
was zusammen gehört
Auf meinen Pfaden
findest du nur
Bruchstücke
Am Ende
ein Fragment
mit dem
Abgrund
in den Augen

.
Kinder

kleine kinder
große kinder
macht euch raus
ihr Alten
aus dem haus
das wir verwalten
kleine welt
heile welt
wenn kein Großer
dazugezählt
.
Valerie

Aus meinen Augen
kam dein Schmerz
Aus meinen Worten
sogst du Hoffnung
In meinem Herzen
fandst du Nähe

Zu tief
Zu nah
Zu schmerzvoll
Hast meine Angst
zu deiner gemacht
und das Seil
gekappt
zwischen uns
das Ende
.

Schatten der Nacht

Vor jedem Morgen
liegt die Nacht
unbarmherziger Augen

Schatten
kehren zurück
um ihre Schritte
einzusammeln
auf eingebrannter Haut

Auf frischem Schorf
zerfällt der Atem
in Stücke
aus Stein
Die trage ich
durch den Tag
.

Progressive Navigation

Kein erklärtes Dasein
Kein gefühltes Willkommensein
Keine Hand bei den
ersten Schritten
Kein Lehrmeister auf Wegen
Ein halbes Jahrhundert
mit selbst programmierter
Navigation
die immer wieder
abstürzt
Ich lande auf
Irrwegen
im Nichts
.
Stille

Stille – ist hörbar
Stille – lärmt, tobt, schreit, weint
Stille – Implosion der Ohnmacht
Stille – die Innenwändigkeit zerbricht
in tausend Einzelteile
.
Das Herz am lebendigen Leib herausreißen

Eine Zeile von einem Krimi?
Eine Metapher?
Nein.

Entweder tu ich es selbst,
oder es wird getan.

Eine Zeile aus einem Lied.
Das Lied des Lebens.
Dauerbrenner.

Viertelnoten
in offene Wunden
gestanzt.

.

Warten

immer nur das warten
Trauma gleich
lösen sich die Sinne auf
im Vakuum kein Atemzug

nur warten
warten
warten

ein letzter Versuch
warten
warten

hinter Glas und Stein
in zerborstenem Sein
warten

Das Kind und die Schuld

2. August 2016

Seit ein paar Wochen arbeite ich an diesem Thema, und es schmerzt, verdammt nochmal!

Ohne viel Worte zeige ich Folien von Michaela Huber:

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Und heute kämpfe ich darum, meine Schuldgefühle abzulegen, das Unrecht zu erkennen, und die Verantwortung auf den „richtigen Tisch“ zu packen!

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Warum können wir Worte niemals wörtlich nehmen?

19. Juni 2016

19.6.16

„Stellen Sie sich bitte ein Glas hin, während Sie auf mich warten!“

Zum wiederholten Mal gesagt. Aber ich wage es nicht, in einem fremden Raum etwas anzufassen. „Warum haben Sie sich kein Glas genommem?“
„Ich habe keinen Durst! Und hätte ich Durst gehabt, wäre ich aufs Clo gegangen, und hätte am Wasserhahn getrunken.“

Man meint, es sei ein einfacher Dialog. Aber was mir dann gespiegelt wird….halleluja! Und dann setzten die Erinnerungen ein, ich erkannte die Zusammenhänge.

Wo ich anfangs dachte: Warum meckert die immer so?, erkenne ich, dass es die erste Thera ist, die mein Denken, mein Verhalten spiegelt, damit ich mein verqueres Agieren verstehe, und das nach 12 Jahren Therapie und etlichen Thera’s.

In dieser Stunde, Sunden danach, den Tag danach weinten wir ununterbrochen.
Wieder ins Bewusstsein zu kriegen, wie wir als Kind erlebten, fühlten…Scheiße!
Ich fasse zusammen:
– Warum hinterfrage ich jedes gesagte Wort?
– Warum suche ich einen Haken, wenn mir jemand etwas Gutes will?

Angst war mein Dasein, jede Stunde, jeden Tag, 16 Jahre lang.
Immer auf der Hut, in völliger Anspannung musste ich jeden gehörten Satz hinterfragen, deuten, jede Tonlage erkennen….nur…nur um herauszufinden, ob ich mir eine „Ruhephase“ vor der Angst gönnen kann.
Und selbst dies war unsicher, denn nie konnte ich etwas als Gegeben annehmen, stets kippte die Stimmung der Eltern von einer Sekunde auf die andere, und ich war ohne Vorwarnung den Schlägen ausgesetzt.
Auf Worte konnte ich mich nie verlassen.
Meine Gedankenkreisel als Kind waren Tag und Nacht:
Warum hauen die mich?
Was hab ich denn getan?
Warum bin ich denn schlecht?
Warum, warum, warum?

Fragen über Fragen meine ganze Kindheit über.
Antworten?
Antworten gab es niemals!

Zu niemanden konnte ich gehen, mich anvertrauen.
Bei der Geburtsfrau mal anlehnen, Sicherheit suchen? Kannte ich nicht, gab es nicht, erinnere mich nicht einmal an einen liebevollen Blick.

Ein Mädchen, dass kein Vertrauen, keine Geborgenheit, erst recht keine Sicherheit erlebt hat, niemals. Niemals!

Das war ich. Ein Mädchen, deren jede Pore vollgestopft war mit purer Angst! Jahr für Jahr nur Angst!!!!!!

Warum soll ich heute glauben können, dass irgendjemand mir wirklich gerade etwas Gutes sagt, oder etwas Gutes will?
Woher soll dieser Glaube kommen? Selbst in unserem Erwachsenenleben konnten wir diese Erfahrung nicht so machen, als dass sie nur ein einziges Mal stetig war, glaubhaft. Immer kamen böse Konsequenzen.

Im Heute suchen wir also noch immer nach dem Haken! Suchen nach Bedingungen, die dann eingefordert werden, versuchen wir den Tonfall zu analysieren….Summasummarum: Wir gehen von vornherein in Abwehrstellung um uns zu schützen, und das, obwohl die Kindheit fast 40 Jahre her ist.

Darauf sehen zu müssen, dass ein kleines Mädchen so leben musste, so aushalten musste……tut verdammt weh. Erst recht die Erkenntnis: Das war ich!

Kein Wunder, dass alles aus uns heraus weint und weint.
Ist das Trauer? Endlich? Fängt damit die Verarbeitung an?

Ein Introjekt als Albtraum

4. Juni 2016

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8.6.16

Das Mäuschen im Wolfspelz

Jahrelang wurde ich im Inneren beschimpft und genötigt. Musste mir Dinge anhören wie:
„Du gehörst auf den Müll! Bist weniger als der Dreck unter Fingernägeln! So was wie dich braucht kein Mensch! Warum springst du nicht endlich? Mach dem Ganzen ein Ende, ist besser so für den Rest der Welt! Sieh dich doch an, du fette Kuh! Wage es ja nicht dich gut zu fühlen! Halt ja die Fresse, ich warne dich! Wenn du auch nur ein bisschen verrätst, ich warne dich!…usw., usw., usw.!!!!!!!!“

Kam ich der inneren Stimme nach, indem ich mich einigelte, mich selbst wegschloss, mich vollstopfte mit Lebensmitteln, Kontakte vermied oder känzelte….ließ er mich in Ruhe.
Aber wehe ich versuchte Bindung aufzubauen…dann wurde das Täterintrojekt aktiv, störte meine Kontaktversuche mit Kopfschmerzen, oder lautem Dazwischengerede, was mir die nötige Konzentration auf das Gespräch raubte.
Am Einfachsten fiel es ihm aber, mich mit Worten runterzumachen, mir jeden zaghaften Versuch, ein Selbstwertgefühl zu entwickeln, zu unterbinden.
Ein Mann Anfang Dreißig, boshaft, abwertend, drohend, angsteinflößend….so sah ich ihn in mir.
Eine Traumasitzung torpedierte er schon aktiv, und danach schien er im Inneren alles klein zu schlagen, verwüstete unser Haus, brüllte rum. Angst machen wollte er uns – und schaffte dies auch. Das war vor rund zwei Jahren.

Und dann vor einem Monat eine EMDR-Sitzung zu diesem Täterintrojekt, dem VERLEUMDER, wie er seit Jahren heißt. Ziel der Sitzung war, mich von meinem Selbstmordwunsch abzubringen. Perspektivwechsel nennen die Psych. das.

Für mich war es eine grauenhafte Sitzung.
An die Details kann ich mich nicht mehr erinnern, schließlich wurde er ja befragt…anfangs.
Dann war da irgendwann die Frage: „Was ist los? Wo sind sie gerade? Was sehen Sie?“
Ich sah nichts, ich roch! Ich roch den ekligen Gestank von kochenden Babywindeln. Und dann war ich in der ersten Wohnung meiner Kindheit, und ich fühlte aus mir heraus plötzlich jemand anderen. Was heißen soll, dass ich switchte.
Die Thera holte den erwachsenen Anteil dazu und fragte nach, denn ich zitterte plötzlich, rückte von ihr ab. Sie fragte, was der Verleumder sich von mir wünscht.
-“ Nähe zu anderen Menschen ist verboten! Wage es bloß nicht, du gehörst nur mir! Reden ist erst recht verboten! Wenn du auch nur ein Sterbenswörtchen zu jemanden sagst, dann schlage ich dir den Schädel ein!“

Sie schrieb alles auf Zettel, legte sie vor mir auf den Boden, und fragte wieder und wieder nach dem Grund!

Buha, das war wohl zu viel.
Plötzlich war ich 6 Jahre alt und starb vor Angst.
Wie ich auf die Thera wirkte, oder was da genau passierte, kann ich nicht sagen. Nur eines wurde mir bewusst: Sie versuchte immer wieder tröstend meine Hände zu greifen, ich dagegen fühlte dies mit Todesangst, schrie NEIN und weinte, zog meine Hände immer weg.
In mir drin ein Gefühl: „Wenn du das erlaubst, bist du tot!“
Wollte weiter weg von ihr rücken… ging nicht, da war die Wand.
Ich schrie sie an, dass sie weiter weg gehen soll, was sie dann auch tat.

Dann habe ich Lücken in der Erinnerung. Ich weiß nur noch, dass irgendwann ein riesengroßes Entsetzen in mir aufstieg! In mir, der Mutter eines eigenen Kindes…Entsetzen darüber, dass ein 6 jähriges Kind aus Todesangst Zuwendung ablehnt. Das Wort Entsetzen reicht dafür gar nicht aus, finde aber kein anderes.
Und der zweite Schlag war die Erkenntnis, dass hinter dem erwachsenen Täterintrojekt VERLEUMDER, diesem grausigen Mann in meinem Inneren, ein 6jähriges Kind steckt, ein eingeschüchteter, vor Todesangst schlotternder Junge.

Ich weiß nicht, ob Außenstehende nachvollziehen können, was da in meinen Gefühlen abging. Ungeheuerlich!

Erinnern tue ich mich auch noch an die völlige Hilflosigkeit der Thera, dass sie nichts weiter tun konnte, als wegzurücken.
Sie hatte ja eigentlich mit der Sitzung auch vor, dem Introjekt eine Neuerfahrung anzubieten. Tja, er wollte aber nicht aus Angst.
Aber …. Profi wie sie ist, sprach sie dann mit dem kleinen Jungen, fragte, was er sich wünschen würde.
„Wegfliegen, ganz schnell wegfliegen, in die Wolken hoch!“
„Mit wem willst du fliegen? Wer soll dich da raus holen?“
„Ein riesengroßer Adler“ kam als Antwort.

In dieser Sitzung wurde nichts „verraten“, kein Grund genannt für die Drohungen. Nichts kam als irgendeine Erinnerung dazu, nichts.                                                        (später: fremde Schreie)

Tage später bekam der Junge seinen Wunschnamen Florian. Weil er so flink ist, dürfen wir ihn Floh nennen. (Jetzt wisst ihr, warum ich ein Adlerfoto gepostet habe. Der Adler ist Florians innerer Helfer.)

Was dann später im Innen alles noch so seinetwegen passierte, und wie wir uns langsam annähern, dass schreibe ich ein anderes Mal.

EMDR = Eye Movement Desensitization and Reprocessing

30. Mai 2016

Zitat aus dem Netz:

„Eye Movement Desensitization and Reprocessing, kurz EMDR, ist eine von Francine Shapiro in den USA entwickelte Behandlungsmethode für Trauma-Betroffene aus dem Bereich der Psychotraumatologie.

Bei EMDR regt der Therapeut den Patienten nach strukturierter Vorbereitung zu bestimmten Augenbewegungen an, wodurch es möglich werden soll, unverarbeitete traumatische Inhalte zu verarbeiten.

Inhaltsverzeichnis

1 Abgrenzung

2 Entstehung

3 Wirkungsweisen und Hintergründe

4 Ablauf

5 Gefahren

6 Wissenschaftliche Anerkennung
1. Abgrenzung

Trotz oberflächlicher Ähnlichkeit, etwa durch die angeleitete Augenbewegung, ist EMDR nicht mit Hypnose zu verwechseln. Es soll keine Veränderung des Bewusstseinszustandes, sondern vielmehr eine Integration der mit dem Trauma verbundenen Emotionen und Empfindungen erreicht werden.

2. Entstehung

Francine Shapiro hatte die Idee zur Erprobung und Untersuchung dieser Methode zufällig beim Spazierengehen im Park. Sie bewegte die Augen hin und her und erlebte eine deutliche Entlastung von Ängsten und depressiven Gedanken im Zusammenhang mit der bei ihr diagnostizierten Krebserkrankung.

3. Wirkungsweisen und Hintergründe

Nach einem Trauma kann es zum sogenannten „Sprachlosen Entsetzen“ (speechless terror) kommen, d. h. in der rechten Hirnhälfte werden Bilder prozessiert, die der Patient vor Augen hat, während das Sprachzentrum aktiv unterdrückt wird. Der Patient kann das Geschehene so nicht in Worte fassen, wodurch nachfolgend eine Verarbeitung des Erlebten erschwert wird. Es gibt bereits eine Vielzahl von Studien, die die Wirksamkeit von EMDR belegen und versuchen, die Wirkungsweise zu ergründen. Es wird angenommen, dass durch die bilaterale Stimulation mittels bestimmter Augenbewegungen (oder auch akustischen oder taktilen Reizen), eine Synchronisation der Hirnhälften ermöglicht wird, die bei der posttraumatischen Belastungsstörung gestört ist. Erklärend wird auch Bezug genommen auf eine Schlafphase, bei der starke Augenbewegungen stattfinden und zugleich ein erhöhter Verarbeitungsmodus des im Alltag Erlebten vermutet wird.

4. Ablauf

Das eigentliche Durcharbeiten der belastenden Inhalte, durch Augenbewegungen oder andere Stimulationsarten, ist dabei ein recht später Schritt im Therapiemanual.

Anamnese:

Zunächst muss eine genaue Anamnese erhoben werden, bei der z. B. die traumakompensatorischen Bewältigungsversuche des Patienten erfragt werden. Auch muss zuvor abgeklärt werden, ob gleichzeitig eine sogenannte dissoziative Störung vorliegt (hierbei werden Teile des eigenen Erlebens ausgeblendet/aktiv unterdrückt).

Stabilisierung:

Die Stabilisierungsphase dauert je nach Lage der Ressourcen oft sehr lange. Besonders bei einer dissoziativen Störung muss als vorrangiges Therapieziel zunächst eine Grundstabilisierung des Patienten erreicht werden, die die Fähigkeit des Patienten stärkt, sich der Traumathematik vorsichtig und dosiert zu nähern und sich vor einer möglichen ungesteuerten „Überflutung“ mit belastendem Erinnerungsmaterial aktiv zu schützen.

Auch hierbei kann EMDR hilfreich sein, z. B. durch eine mittels angeleiteter Augenbewegung erfolgreichen Verankerung positiver Imagination wie „der innere sichere Ort“ oder „der innere Tresor“ nach Dr. Luise Reddemann.

Bewertung:

Einer einzelnen ausgewählten Erinnerung, also einem „einzelnen Bild“, das den belastetsten Teil einer Traumathematik darstellt, wird vom Patienten eine aktuell zutreffende negative Kognition, (z. B. „ich bin hilflos“) zugewiesen sowie auch eine positive, die er in Zukunft damit verbinden möchte (z. B. „ich kann heute etwas tun“ – was dann als eine Ressource zu verstehen ist). Die an dieser Stelle eingeschätzte Belastung der Situation soll im folgenden Bearbeitungs-Prozess sinken.

Desensibilisierung:

In dieser Phase wird die Traumabearbeitung durch die Augenbewegungen begleitet. Während an die Traumathematik gebundene Energie freigesetzt wird, kommt es häufig zu unterschiedlichsten sogenannten Abreaktionen (wie z. B. Weinen, heftiges Atmen, Übelkeit u. a.), die erinnerte Situation verliert so ihre emotionale Aufladung.

Zur Bearbeitung einer Traumathematik sind meistens mehrere EMDR-Sitzungen nötig. Einflechten von sogenannten Ressourcen z. B. „hilfreiche innere Wesen“ oder „ideale innere Eltern“, die zuvor z. B. mit Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie installiert wurden unterstützt oftmals diese Phase.

Verankerung:

Empfindet der Patient bei der erinnerten Situation keine Belastung mehr, wird die positive Kognition nochmals überprüft und mit Augenbewegungen verankert.

Körper-Test:

Alle Missempfindungen zur erinnerten Situation sollten bei einem kompletten Abschluss der Sitzung verschwunden sein.

Abschluss:

In der Besprechung zum Abschluss der Sitzung wird der Patient auf das „Nachprozessieren“ (z.B. in Träumen) hingewiesen. Es bringt eventuell neues Material für weitere Sitzungen hervor und sollte in einem Tagebuch festgehalten werden.

5. Gefahren

Die Behandlung dissoziativer Störungen sollte erfahrenen Traumatherapeuten vorbehalten bleiben, da der Patient sonst gefährdet ist, im Zuge der Behandlung retraumatisiert zu werden, das hieße, erneut überschwemmt zu werden mit den angstmachenden Gefühlen. Der Patient würde dann die auslösende Situation ungeschützt noch einmal durchleben. Dann würde die Traumatherapie mehr schaden als nutzen: die Symptome könnten sich vertiefen – möglicherweise in bedrohlichem Ausmaß, eine weitere Behandlung wäre erschwert. Eine sorgfältige Vorbereitung und Abklärung von Komorbiditäten (gleichzeitig vorliegender anderer Erkrankungen) ist bei der Traumatherapie also sehr wichtig.

Wichtig ist auch die Abklärung der damaligen Bewältigungsstrategien des Traumas, da auch diese durch das EMDR getriggert werden. Wenn z. B. damals nach dem erlebten Trauma suizidale Tendenzen bestanden, können diese auch nach der EMDR-Sitzung reaktiviert werden, über diese Verbindung muss der Patient vorher aufgeklärt werden.

6. Wissenschaftliche Anerkennung

Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie verabschiedete in der Sitzung vom 6. Juli 2006 ein Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen. Gemäß diesem Gutachten kann die EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen bei Erwachsenen als wissenschaftlich anerkannt gelten.“

5.Ich habe keine Persönlichkeitsstörung

24. Februar 2016

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Persönlichkeitsstörungen sind tief verwurzelte Verhaltensmuster.

Die dissoziative Identitätsstörung dagegen basiert auf den Verlust des integrierbaren Bewusstseins!

Ich meine:

Sie ist eine fehlgeleitete (eine zum Überleben notwendige) Entwicklung des Gehirns aufgrund frühster nicht zu verarbeitenden Traumatas. Fehlgeleitet nur insofern, als dass die Funktionsweisen des Gehirns im späteren Alter große Alltagsbelastungen darstellen.

Wenn das Gedächtnis nicht funktioniert, steht die Identität in Frage!

Wenn die Kontrolle über Wahrnehmung des Selbst und Umwelt, Beziehungserleben, Affekten, Erinnerungen, Körperbewegungen, Sensorik verloren ist…… dann bin ich nur ein Sammelsurium aus Fragmenten, dann kann ich kaum das Ausmaß der Welt um mich herum, das Ausmaß zwischenmenschlicher Beziehungen begreifen.

 

Ist dies mein MEINSEIN?

13. Februar 2016

„Diesseitig bin ich gar nicht fassbar.

Denn ich wohne grad so gut bei den Toten,

wie bei den Ungeborenen.“

 

sagte Paul Klee 1920

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Öl auf Leinwand von mir:

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Irgendwie beschreibt dies genau mein Dasein, Zustand, Nichtsein, MEINSEIN.

Ich hänge in der Zwischenwelt.

13.2.16

Unser Engelchen

31. Januar 2016

Selfmade in Speckstein

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Land unter

14. Dezember 2015

Von wegen schleichender Absturz….ich selbst denke mich kaputt. Und umso mehr ich über mich nachdenke, desto mehr finde ich alles, was in mir denkt und fühlt grauenvoll. Sehe in viele Situationen der letzten Jahre hinein : sehe verzweifelte Fixierung, sehe Klammern aufgrund von hilflos machender innerer Einsamkeit, sehe die Konstruktionen, die mein Kopf sich über einen Menschen gebaut hat, ich sehe Spontanreaktionen von mir, unüberlegt, grenzüberschreitend – weil mein Näheempfinden nicht das meines Gegenübers ist…… Und der Selbsthass steigt…ICH will das so nicht!!! ICH bin das nicht!!! Wie ein Überstülpen von außen, oder ein Marionettenspiel von innen. Oh, wie entsetzlich finde ich das Passieren, das, was oft so kindlich unbedacht ist, was aber nicht in mein Körper-Alter passt.

So denke und hasse ich mir seit Wochen die Nächte kaputt. Da findet sich kein Schlaf mehr. Dazu meine geforderte Tablettenumstellung – habe die Nase voll vom Fettwerden. Fazit der neuen Pillen: der Gedanke an Nahrungsaufnahme verursacht Übelkeit. Allergische Reaktionen ignoriere ich. Kann eh nicht einschätzen, was andere Menschen als schlimm und arztbesuchnotwendig erachten. Da kommt oft der Gedanke : Es wird bei mir mal ganz schnell gehen, weil Schmerzen, egal welche Stärke, noch heute von uns ertragen werden. Aushalten….ist ja nichts Neues. Diesen Gedankengang empfinde ich als tröstlich.

Ich wollte Schluss machen mit Therapien, Kliniken….15 Monate hangle ich mich durch ohne “Begleitung”. Was ist das Ende vom Lied? Weiß nicht wohin mit den Gedanken, mit den schrecklichen Gefühlen. Sie stauen sich im Inneren auf wie blöde. Es ist genau wie in der Kindheit, nicht wissen wohin damit. Der Stau will meinen Körper platzen lassen. Und ich tanze mal wieder auf der Grenze, die ersehnte, die Angst machende.

Dennoch gut, dass sich einer von uns immer rechtzeitig Hilfe holt. Die Erfahrung haben wir gemacht. Einer wenigstens will leben.

Aus dem Tagebuch: Chaos im Inneren

17. April 2015

Nicht nur in den Tagen ist das Stimmungsbarometer ein wirres Auf und Ab, auch in den Stunden. Heute war so viel auf einmal in mir. Morgen kommt eine Studienfreundin als Übernachtungsgast. Da hieß es gestern den Einkauf erledigen. Und Ballett – Eintrittskarten sind besorgt, freu, freu.
Heute wollte ich meine sehr gedrückte Parallelstimmung durch Aufräumen und Bügeln weg drücken. Denn noch immer sind da Vorbehalte gegen die neue Thera, obwohl diese sofort nach meinem Besuch mit meiner alten Thera (sie hat’s mir gleich gemailt) telefoniert hat. Was ja ein Zeichen von Kompetenz und Gutem Willen ist. Aber irgendwie scheut sich alles in uns vor einem Neuanfang.
Ist ätzend, mir hängt noch so sehr die anstrengende Klinikzeit nach. Lieber täte ich diese in Angriff nehmen. Denn, obwohl ich die Sache mit dem leiblichen Vater äußerlich abgehakt habe, arbeitet im Inneren ein diffuses Gemisch von Hilflosigkeit, Enttäuschung, Fragen von ganz jungen Anteilen (die oft heimlich vom Vater abgeholt wurden ohne Wissen der Mutter) und ihr Gebrüll zu diesem Thema. An der Stelle (Sofie-Säugling) werde ich nie eine wirkliche Antwort finden, da kann niemals eine reale Erinnerung zu dem grauenhaften “Blitz-Bild” kommen, niemals. Ich war viel zu klein, das ist mir schon klar. Und obwohl ich dieses Bild im Tresor habe, rütteln etliche Anteile an dessen Tür, als wollten sie mir etwas sagen. Nun, ich bin nicht dumm. Mir ist sehr wohl klar, dass, wenn er es eben mal bei mir mit 16 versucht, es nicht aus heiterem Himmel kommt, dieses Verlangen. Und trotzdem bin ich als Große voll im Abstreiten. Möchte mich als dumm und krank hinstellen (uj, Introjekt lässt grüßen), als jemand mit krankhafter Fantasie. Wäre echt gut, wenn dies klappen würde. Tut es aber nicht, weil schon beim Denken dieser Abwertungen totale innere Unruhe entsteht, Schmerzen am ganzen Körper auftreten, der Kopf voll ist mit Weinen, und eine Schar von Kindern gegen mich in den Kampf ziehen will, weil ich sie nicht ernsthaft wahrnehme, alles leugne. Trara ….., ich mache genau das mit meinen Innenkindern, was die Eltern damals taten:”Halt die Fresse!”
Ein unlösbares Dilemma, wenn innere Chaoskämpfe stattfinden, ich aber die Wogen nicht glätten kann ohne wirkliche Erinnerungen. Klar,meine Hausaufgabe ist, dem INNEN zu vertrauen, genau hin zu hören, und ihnen zu glauben. Das weiß ich.
Aber stellt euch vor, ihr solltet plötzlich glauben, dass Milchtüten auf dem Acker wachsen. Würdet ihr? Sicher nicht!
So geht’s mir Großen zu dem Thema “schon als Säugling…”
Hej, das will man nicht wissen, und Teufel nochmal nicht haben! Punkt.
Oh Schitt, weg von dem Thema, hin zu einem wohltuenden, existenziellen: Unser Engelchen hat uns auf unsere Mail geantwortet, juchuuuuuuuuuuuuuuu!
Und plumps, tanzen die Kleinen wieder vor Freude: ihre Mami!!!!
Da werden von mir in nächster Zeit wieder Imaginationsübungen erwartet, besonders die : Dein ganz persönlicher Engel.
Da laufen uns jedesmal die Tränen vor Freude, weil wir echt das Gefühl haben, sie wäre bei uns. Mann, was haben wir sie lieb!
Sie war so absolut kurz an unserem Leben dran, aber sie ist bis heute der einzige Mensch, der es bis ganz nach Innen geschafft hat, einfach so, nur weil sie ist, wie sie ist!
Ein Engel eben!

 

Nachtrag: Dumm gelaufen…der zweite Therapeutenbesuch brachte mir nur die Absage! Sie würde aufdeckend arbeiten, nicht stabilisierend. Tja, das war ’s dann. Sellavie

Nachwehen der EMDR-Sitzung (16 Jährige)

27. Februar 2015

Es gibt immernoch eine Steigerung im Weh tun, immer wieder neu. Und da dachte ich, ich hätte alles schon erlebt, und schlimmer könnte es nicht werden. Oh, da habe ich mich so sehr geirrt. Jetzt muss ich die Erfahrung machen, dass scheinbar jeder Innenanteil subjektiv fühlt, Anlässe nicht vergleichbar sind.
So eine enorme Wucht an Sehnsucht nach Halt, kaum zu ertragen. Du fällst und fällst, deine Seele schreit nach einem Arm, der dich hält, dich wiegt, dir allen Schmerz nimmt. Es überfällt mich seit Tagen immer wieder. Und ganz in einem Eckchen in mir begreife ich, dass ich als Kind diesen Schmerz abspalten musste, um weiter zu leben. Aber in mir bohrte es weiter, als lebenslange tiefe Depression. Und wenn ich erwachsen auf die Summe der Ereignisse sehe, verstehe ich erst mein “ Werden“, mein heutiges Sein.
Und ich bete, dass ich die Kraft behalte, mir den Schmerz anzusehen, was ja neu erleben bedeutet.
Oh Mann, was kann ein kleiner Mensch nur ertragen?
So viel und oft hab ich Große lange nicht geweint.

Sommer 1978 – die 16 Jährige erzählt

24. Februar 2015

Die Kleine hinter der Tür ( juchu, hab ein Schwesterchen ) freut sich über den ersten Besuch ihrer Schwestern. In mir wächst die maßlose Freude auf ein Willkommen sein, endlich wohin zu gehören,zu einer Familie, die dich mag. Nach 14 Jahren lerne ich nun meinen leiblichen Vater kennen.
Erst für nur ein paar Stunden, in den Sommerferien fahre ich dann heimlich zu ihm.
Glück pur für mich in seiner Familie, …bis zu jener Nacht.
Die Frau war nicht da, der Vater, meine kleine süße Halbschwester und ich hatten einen Heidenspaß zum Einschlafen. Witze erzählen, Kissenschlacht. Aber irgendwann, als die Kleine schlief, brach mir die erste und kleinste und kurze Hoffnung in meinem Herzen weg. Er begann etwas zu tun, das mich erstarren ließ. Ich ließ ihn nicht zum Zuge kommen, rannte hinaus, und wartete die ganze Nacht draußen im Garten auf seine Frau. Kein Wort verlor ich darüber.
Wie sah es in mir aus?
„Oh, nicht der auch noch!“
„Warum tut er das?“
Alle Erwachsenen sind schlecht.
Ich bin schlecht. Nur dafür will man mich. Einfach nur gern haben kann man mich nicht. Ich werde niemals zu einer Familie gehören.
Vertrau nie wieder, denn schon der erste Versuch meines Lebens ging schief. Möchte sterben.

PS von der Erwachsenen:
Heute in der TT – Sitzung konnte ich endlich fühlen, was damals gefühlt wurde von der 16 Jährigen. Hatte es in den Jahrzehnten stets als lapidar angesehen, weil es ja überhaupt nicht bis zum Akt kam. Aber was da in mir zebrochen war, hatte ich nie wahrgenommen, und mit welchen Emotionen dies verbunden war, und heute noch ist.
Ich fühle ihr Fühlen : Es wird mich niemals jemand bedingungslos lieb haben, niemals gibt es ein Ankommen, ein Zuhause für mich, niemals. Das Mädchen von damals kam dann in ein Internat, und sprach 6 Monate mit keinem Erwachsenen auch nur ein Wort. Es war ein halbes Jahr stumm, selbst im Unterricht gab es keine Reaktion von ihr.

Neue Wege gehen

19. Juni 2014

Es ist viele Wochen her, in denen ich über mein Innenleben geschrieben habe.
Irgend etwas ist in mir passiert. Kann nicht sagen, welcher Grund der ausschlaggebene war. So nenne ich alle drei wichtigsten Gründe, die sicherlich in ihrer Summe zu meinem derzeitigen guten Zustand führten.

Die Traumatherapie in Göttingen – ihr erinnert euch sicher, dass sie lange nachgewirkt hatte, mich völlig aus der gewohnten „Leugnungs“ bahn geworfen hat. Wochen nach der Rückkehr ging es mir sagenhaft schlecht. Was war danach passiert?
Ich denke, mein Gehirn hat endlich ins Bewusstsein verankert, dass die „Bilder“, die ich immer sah, die mich stets weg flashten, dass sie der Wahrheit entsprechen und damit meiner erlebten Vergangenheit. Dieses neu Durchleben hat in mir ausgelöst, dass ich es als Vergangenheit akzeptiere. Und damit hat mein Gehirn es wohl folgerichtig in die Vergangenheit gepackt. Richtig abgespeichert, so, dass ich keine Flashs mehr hatte, keine Panikatacken mehr erlebte seitdem.
Parallel dazu konnte ich mein Verliebtsein ablegen, was stets leiden bedeutet hatte, weil eben unerfüllt. Wurde auch mal Zeit nach 16/17 Monaten. Zurück geblieben ist nur tiefe Dankbarkeit für diesen Menschen, der mir unbewusst den Weg nach Innen geöffnet hatte. Diesen Engel werde ich stets in meinem Herzen tragen.
Der Entschluss, aus dieser Stadt weg zu ziehen, hilft mir beim Pläne schmieden. Und dies bedeutet Zukunft zu haben irgendwie. Ich werde einen Neuanfang wagen.
Erwähnen sollte ich wohl auch, dass ich mit meinem Psychiater die Dosis von Cymbalta erhöht habe, und nun zusätzlich zur Nacht ein mir völlig neues Antidepressiva einnehme. Es verursacht zwar noch mehr Fressatacken als sowieso schon waren….aber egal. Wenn ich davon ausgehe, dass ich den Rest meines Lebens sowieso allein bleibe, dann sollte es mir doch egal sein, wie fett ich werde, oder?        PS: Tuts nicht! Es nervt mich total.

Summasummarum bin ich momentan sehr gut drauf, habe Ziele, falle in keine Depries rein, unternehme etwas. Samstag zum Beispiel fahre ich übers Wochenende mit dem Zug zu einer Studienfreundin.
Anfang Juli werde ich wieder in eine Ballettaufführung gehen!

Wenn das alles zusammen nicht einfach wunderbar ist!

Nachtrag 2016:

So kann man sich irren. „in die Vergangenheit gepackt“ Scheiße is. Nun flashen Körper und Gefühle wie wild. Aufeinandergestapelt, durcheinander und nicht zu beherrschen! Kontrolle ist völlig flöten gegangen.

Wenn die Nähmaschine rattert

13. Juni 2014

…. dann geht es mir gut.
Wieder einmal war ich dabei, meine Wäscheschränke zu „lichten“. Ein Stapel zum Weitergeben, einer für den Müll, der letzte Stapel für den Versuch, durch Nähmaschinengeratter die Stücke so abzuändern, dass ich bei Gewichtszunahme doch noch rein passe. So stand die Maschine nun tagelang im Wohnzimmer. Nach dem Frühstück gab es kein Wegdissen mehr, sondern schwungvollen Elan an der Nähmaschine.
Ich genieße es außerordentlich, dass ich wieder so etwas wie ELAN buchstabieren kann.
Zwischendurch kamen aber auch die Kleinen von uns nicht zu kurz. Ich habe symbolisch als Babypuppen die kleine Sofie und die Annegret.

Schätze mal deren Größen als 38 und 25, im Vergleich zu Babysachen. So stöbere ich seit Jahren immer wieder in Babyabteilungen rum, und kaufe Größe 56, wenn es mich voll entzückt. (kleiner gibt es leider selten) Dann muss ich das Zeug auf Miniklein „trimmen“ .
Hier zwei fertig gewordene Beispiele:
– für Sofie:

Für Sofie

– für Annegret:

Für Annegret

Ich werde irre: Sofie hört nicht auf zu warten

23. April 2014

23.4.14

Was die Spaltung in verschiedene Persönlichkeiten zur Zeit mit mir macht!

Sperrt mich ruhig ein für das, was ich jetzt erzähle. Habe sowieso das Gefühl, langsam komplett irre zu werden, denn nichts unterliegt meinem Einfluss, was da in mir hoch kommt.
Es ist nicht auszuhalten. So oder so hab ich nichts mehr in dieser normalen Welt zu suchen.
Nur einer ist da, eine Helferin, die mit mir versuchen will, diesen so frühen Anteil von mir in eine imaginäre Sicherheit zu bringen.
Ein einziger mir bekannter Mensch, der aufgrund seiner Studien sich sicher ist, dass im Kleinkindalter genauso verdrängt wird, in Ecken des Gehirns versteckt wird, so, wie es auch ähnlich Erwachsene können.
Dies lässt mich dann aber fragen: Wenn die Wissenschaftler von Dissoziationen im Frühkindalter sprechen, von der Fähigkeit des Gehirns im frühsten Entwicklungsstadium sich anders als normal zu entwickeln zum Zweck des Überlebens, Dissoziationen bis zur Persönlichkeitsspaltung zu trainieren, warum wird dann noch immer von einem großen Teil der Fachwelt bezweifelt, man könne sich nicht an Dinge vor dem 3. Lebensjahr erinnern? Wenn es doch scheinbar nur in den Winkeln des Gehirns versteckt wurde?

Dies ist der Grund, warum ich sage: Schmeißt mich doch einfach auf den Irrenhaufen.

Ich gehe in einem alten Körper durch diese Welt, bekomme Pickel, habe Hitzewallungen und Altersfalten, und dennoch fühle ich die seelischen und körperlichen Schmerzen der Kleinen ab der Geburt.

Schritte, Schritte … sie können die Schritte unterscheiden … wenn sie Schritte hören, geraten sie in Höchstspannung … halten die Luft an … hoffen, warten, hoffen, warten, hoffen, warten … gehen die Schritte vorbei, ohne dass sich die Tür öffnet, fallen sie in einen tiefen, schwarzen Strudel, lösen sich auf … wollen sterben. Die kleinen Körper wollen bersten vor Schmerz … Schmerz … Sehnsucht … Schmerz … es ist so kalt … kalt … kalt … sterben … sterben. Ein Lichtstrahl, nur ein kleiner Lichtstrahl … selten, aber da … jetzt das Warten auf Schritte … Schritte … Warum kommen keine Schritte? Es ist doch Licht da! Kalt … kalt … warten … warten … hoffen … hoffen … Schmerzen … warten … warten … sterben … sterben. Augen … Wo sind die Augen? … der sanfte Blick, der uns Leben gibt …Warten … warten … hoffen … warten … er ist weg … wir wollen sterben … sterben … nicht mehr kalt … nicht mehr kalt … lieber sterben. Warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben … Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate!

Was ich hier schreibe?
Das, was ich bisher als mir völlig unbekanntes, diffuses Gefühl mit der daraus entstehenden Depression mein ganzes Leben lang mit mir rum trug, ohne Erklärungen dafür zu haben.

Seit Monaten aber habe ich all dies genau nicht nur mehr als Bild vor Augen, sondern auch genau in den Ohren, genau im Erleben, genau im Fühlen, genau in Worte fassbar. Und mit jedem Tag wird es schlimmer. Dieses unsagbar schlimme Fühlen.

Klar, leichter wird für mich, den Zusammenhang zu verstehen.
Leichter wird auch für mich, in alten Texten, Gedichten und in Zeichnungen das vor Jahren schon unbewusst nach Außen drängende Erlebte zu finden:
Schwarz, nur so ist`s gut – Warten – verschlossene Türen – Dunkel – Strudel – Schreie – gesichtslose Menschen – sterben wollen – Tod, Tod, Tod, Tod, Tod, Tod … wieder und wieder undefinierbar für mich damals beim Schreiben und Malen, weil nicht wissend woher. Leichter, weil ich endlich verstehe.

Heute?

Die Helferin müht sich, findet aber keinen Zugang zu den Kleinen. Alles Bemühen scheint umsonst. Sie ist lieb, ja, sie ist aber eben nicht unser Engelchen, das zu uns vordrang.

Der Alltag seit vielen Wochen ist der:
Schritte … egal wo ich bin … lösen das Warten aus, das Hoffen, das Zerreißen.
Ganz bestimmt einfallendes Licht – genau dieselben Folgen!
Warten müssen irgendwo, auf irgendetwas, … rumms entsteht daraus das Warten auf diesen einen, unseren Engel…rumms, ich rutsche in dieses Alter und fühle dieses schlimme Fühlen.
Schritte, Hoffen, Licht, Warten, Augen, Hoffen, Warten … Flash, Flash, Flash!

Okay, mir ist klar, dass der Weg sein muss, alles an Zusammenhängen zu erkennen, zu verstehen. So weit, so gut. Hab ich mittlerweile.

ICH. Ja, ich! Ich verstehe es! Aber nicht sie! Nicht die Kleinen. Sie sind noch dort. Sie sind zwar „wach“ geworden vor Monaten, zeigen mir seitdem genau das Erlebte von damals, aber sie sind noch dort, genau in diesem alten Geschehen von damals im Heim.
Sie weinen, schreien, weinen, warten auf ihr Engelchen, das sie aus ihrer Erstarrung geholt hat, das sie aber nicht wieder sehen werden, weil die „Kontaktzeit“ begrenzt war.
Und das ist das, was ich meine mit : IRRE!

Und wieder ist es mir völlig egal, was die Welt da draußen denkt über mich, aber ich bekomme die von mir scheinbar völlig getrennt existierenden Anteile nicht zur Ruhe. Und sie lassen mich nicht in Ruhe. Sie schütten all ihr Fühlen über mich aus, und ich stehe wie blöd da und kann nichts tun. So verzweifelt war ich lange nicht, es zerreißt mich.

Ich möchte einen Ausweg! Kenne aber keinen.

Radikale Akzeptanz – mein Signal an meine Kleinen

5. April 2014

5.4.14

Seit Beginn 2013 bin ich in einer regelmäßigen stationären Traumabehandlung, die einzig und allein dazu dient, die Symptome der PTBS zu lindern. Der Weg führt über das EMDR-Verfahren, mit dem Ziel, vom Gefühl abgespaltene Ereignisse des Lebens zum Einem wieder zueinander zu führen, zum Anderen diese dann im Gehirn als abgeschlossene/beendete Tatsache als Vergangenheit einordnen zu können. Nur so ist es möglich, nicht mehr unkontrolliert den Flashbacks ausgeliefert zu sein. Das Gehirn benötigt dazu die Information, dass das Geschehen ein ALTES ist, also keine Gefahr mehr im HEUTE bedeutet.

Dass eine dissoziative Identitätsstörung einhergeht mit vielen Amnesien, macht mir diese Behandlung aber zur Qual, weil immer wieder für mich neue, mir unbekannte Erinnerungen hochkommen, die den seelischen Schmerz ins Unermessliche treiben. Während der Traumakonfrontation fühle ich alles noch einmal, switche in das Kind, und erlebe das alte Geschehen im Hier und Jetzt. Dank der guten Therapeutin werde ich aber dort wieder “ heraus geholt“ , und sie hilft mir, für dieses Ereignis einen anderen Abschluss zu finden. Sicher werden sich jetzt Leser fragen: „Warum tut sie sich das an?“ Nun, ich habe mich dazu entschieden, weil es für mich keinen Ausweg mehr gibt. Das, was sich als mein derzeitiges Leben bezeichnet, ist kein Leben. Es ist ein zurückgezogenes Dahinvegetieren. Sicher, es werden die alten Gefühle immer wieder, mein ganzes restliches Leben lang auftauchen, aber ich werde fähig sein, schneller aus ihnen heraus zu finden, um die extremen tiefen Abstürze zu verhindern.

Nur darum „tue ich mir das an“ mit der Behandlung!

Eigentlich wollte ich auf den sexuellen Missbrauch zurückkommen. Also: Wie ich oben im Text beschrieben hatte, kannte ich entweder die puren Bilder, entweder fremde schlimme Gefühle, oder nur blanke Todesangst. Bilder und Gefühle wirklich in Zusammenhang zu bringen, das ging nicht. Also war es für mich ein Leichtes, das Meiste zu leugnen. Nein, das kann nicht sein, so ein Quatsch, das stammt aus meinem kranken Hirn! Das tut kein Mensch einem Kind an, so ein Blödsinn! Hm, heute, nach drei Intervallen und vielen „Blicken“ in die Vergangenheit bin ich eines Besseren belehrt. Nicht, weil während des EMDR so viel hochkommt, nein! Sondern weil ich die stundenlang und tagelang danach auftretenden Schmerzen aushalten muss. (Körperflash’s = Erinnerungsschmerzen) Schmerzen, die mir das Gehirn aus der Erinnerung schickt, Schmerzen, die das jeweilige Kind von uns aushalten musste. Ob Unterleibsschmerzen, Bauchschmerzen, Knochenschmerzen von Prügelexessen (Rücken, Arme, Beine, Gesicht, Kopf) , Schmerzen in Po und Knochen „da unten“.Selbst blaue Flecken treten auf, einfach so, wie aus dem Nichts. So, da stehe ich dann da, kann es nicht fassen, aber in mir steigt ein Mitgefühl für die jeweilige Kleine auf, und ein Entsetzen, was sie aushalten musste…oh menne! Und pö a pö hat sich, obwohl damit mein Weltbild völlig zusammengebrochen ist, eine innere Akzeptanz entwickelt. Und damit auch ein innerer Zugang zu den Kleinen. Erst durch mein Glauben an ihre Erlebnisse, durch meine Fürsorge für sie, kommen sie mir näher, finden Vertrauen zu mir und meiner Kraft, öffnen sich immer mehr, und dies alles bringt letztendlich eine größere Ruhe in mein Innensystem. Ich habe verstanden, dass mein Leben nur lebenswert werden kann, wenn wir als Team, dass sich vertraut und genau kennt, zusammenhalten.

Und das geht nur mit der Akzeptanz des Geschehenen! Und mit folgender Aussage möchte ich meinen Kleinen ein Signal setzen: “ Wir wurden sexuell missbraucht!“

Wir wollen und müssen uns nicht dafür schämen! Denn wir waren nicht die Schuldigen! Wir waren nur Kinder!

PS an die Kleinen: Hab euch lieb!

Nach Innen schauen

26. Februar 2014

3. Intervall

Mittwoch, den 27.2.14

Ich habe einen wichtigen Entschluss für mich gefasst!
Möchte während meiner Therapiewochen hier auf Station meine Internettätigkeit fast völlig runter schrauben.
Habe in den ersten Tagen schon bemerkt, dass das Internet bedeutet, sich nicht mit mir selbst auseinander setzen zu wollen, mich abzulenken, nicht nach Innen zu sehen. Zuhause mag es eine notwendige Strategie sein, weil ich außer dem Therakontakt pro Woche keine weiteren pflege. Dort muss ich notgedrungen viel von mir weg schieben, weil ich Aufkommendes nicht allein abfangen kann. Hier aber habe ich das Auffangnetz und alles an Unterstützung! Wann also, wenn nicht jetzt, den Mut aufbringen, mich mit meinem Innenleben wirklich auseinander zu setzen?
Bitte wundert euch also nicht, wenn ich mich kaum noch melde bei euch. Ist in keinster Form persönlich zu nehmen.
Kurzinfo zum bisherigen Verlauf:
Zur vierten Anreise letzten Donnerstag bin ich das erste Mal als Erwachsene angereist. So konnte der Start also gut gelingen. Morgen ist meine erste Traumakonfrontation, in der es endlich um Marie gehen soll. Muss endlich sehen, wer durch diese Tür kommt. Nun den Rest des Geschehens „kenne“ ich ja schon von den Albträumen, den Körperreaktionen und ihrer Angst.
Zwar hat eine TT-Sitzung mit EMDR mir hier noch nie etwas Neues offenbart,aber ich hoffe, dass ich so weit bin diesmal.
Die andere Zeit möchte ich an den Täterintrojekten arbeiten, die mir das Leben so zur Hölle machen, die mir mein Leben im eigentlichen Sinne sogar stehlen. Also wird Muhex fällig, der Verleumder auch!
Ebenso möchte ich für mich allein hier die Zeit finden, unser inneres System neu zu struktuieren. Das Haus ist zu klein für alle geworden, es stoßen immer mehr dazu…uh, wie das klingt! Will bewusster nach innen hören, wahrnehmen, wie es da laufen soll. Endziel: Das noch immer auftretende Chaos mit Aufgabenteilungen schneller in den Griff zu bekommen.
So, heute steht nur noch immer wieder kehrende Imagination an, um Marie auf den morgigen Tag vorzubereiten, um sie ein Sicherheitsnetz zu spannen, das sie auch wahrhaftig fühlen kann. Nur so wird sie zuende reden, was so schlimm ist.
Ich sag mal Tschüss!
Und: Macht euch also keine Sorgen! Bin in guten Händen!

Tagebuch: Franzi und Jenny

5. Februar 2014

5.2.14
Gestern war der Gang zur Therapiestunde ein unbelasteter. Sagte gleich zu Beginn, dass ich nichts Aktuelles habe, sondern trainieren will.
Also war ihr (Thera) erster Schritt, ich solle zurück gehen an den erlebten, schönen Urlaubsort, um mit gutem Gefühl eine Ausgangsbasis zu schaffen.
So sehr ich mich auch bemühte, es kam etwas sehr Einsames mit traurigem Gefühl dazwischen, egal, wie oft ich wegschieben wollte. Die Thera sah mich genauer an, fragte, wer da zu uns kommen möchte. Ich wollte sauer auf sie werden, statt dessen traten mir Tränen in die Augen und ich verlor die Kontrolle über meine Coolness. „Möchtest du zu uns kommen? Willst du dich dort auf das Sofa setzen, mit dabei sein? Was möchtest du uns etwas sagen?“ fragte die Thera.
Rumms (=Switch), saß sie da, völlig verunsichert, klemmte ihre Arme verschämt unter die Beine, und glaubte nicht, dass die Frau da Interesse an ihr hatte. „Du kannst bei uns bleiben, kein Problem! Siehst du, hier passiert dir nichts. Hast du was auf dem Herzen?“ „Die lässt mich nicht lesen!“ „So, lesen willst du. Was möchtest du denn lesen? Sagst du mir, wie alt du bist?“ „12“ „Dann möchtest du sicher ein Kinderbuch lesen.“ „Ja, aber die liest immer anderen Kram.“ „Hat sie denn kein Buch für dich?“ Rumms, Mari: „Klar, wir haben `ne Menge davon. Aber momentan ein Kinderbuch lesen? Zu blöd, echt.“ Thera: „Wo liest denn du am liebsten?“ Rumms, „Im Bett, nachts.“ Thera: „Ja, das ist was Schönes!“ Rumms, Mari: „Im Winter ist es aber zu kalt im Schlafzimmer dafür! Die Arme draußen, und wir frieren uns `nen Ast ab!“ Thera: „Ich hab gehört, da gibt es…“ Mari: „Ich weiß. Wir haben uns früher einfach eine Strickjacke verkehrt rum über die Arme gezogen, damit es warm bleibt. Aber jetzt? Keine Ahnung. Ist einfach zu kalt!“ Thera: „Wie fühlst du dich mit dem, was Frau M. hier grad sagt?“ Rumms: „Das ist doof.“ Thera: „Wer bist du?“ „Franzi“ „Gut Franzi, dann sagen wir jetzt Frau M., sie soll dich ruhig mal ein Kinderbuch lesen lassen, ja?“ Freudig: „Oh ja!“
Lücken in der Erinnerung.
Spiegelneuronen! Ich sage der Thera, dass mir mal gesagt wurde, ich hätte Spiegelneuronen. Und dass dies für mich aussagt, dass in den ersten 5 Lebensmonaten im Heim jemand mich gemocht haben muss, dass jemand vom Pflegepersonal liebevoll mit mir war. Und ich äußerte, dass es wohl für die kleine Sofie schlimm gewesen sein muss, an den Wochenenden immer zu einer teilnahmslosen Frau (Geburtsfrau) zu müssen, die ihr fremd war.
Man kann auch ahnen, dass diese Tatsache nicht einfach für die Geburtsfrau gewesen sein muss, stets ein fremdelndes Baby zu erleben.
Lücken im Text.
Die Thera wollte mich aus irgendeinem Zustand ins Hier und Heute holen. Das Übliche folgte – welches Datum, im Raum verankern, Buchrücken lesen, Rechenaufgabe lösen.
Wir sahen an ihrem Gesicht, wie sie selbst schnell versuchte, die gestellte Aufgabe zu lösen. Rumms, quiekten wir los! Thera: „Hallo, wer bist du?“ „Ich find das lustig, wie sie sich anstrengen!“
Lücken im Text zu einer regen, spaßigen Unterhaltung einer 10 Jährigen mit der Thera. Sehe nur an meinen Notizen aus der Stunde, dass sie Jenny heißt, und es liebt, mit Menschen zu reden und mit ihnen Spaß zu haben. Jenny mag das logische Denken, das Rechnen, das Streiche spielen.
Im weiterem Gesprächsverlauf berichte ich, dass ich irgendwie als Schülerin zweigeteilt war. Außerhalb der Wohnung wollte ich leben, lachen, Spaß haben. Aber je näher ich der elterlichen Wohnung kam, um so mehr ging eine Wandlung in mir vor. Dies wurde nicht weiter beleuchtet, da es ja schon bekannt war.
Jedenfalls ging ich aus dem Gespräch – geschafft, zufrieden mit der Kommunikationsfähigkeit, verunsichert ob der noch so vielen Anteile in mir.
Sicher, ich habe verstanden, dass ich jeden willkommen heißen möchte. Dennoch steigt manchmal die Panik in mir auf, dass es immer mehr werden könnten. Mit dem heutigen Tag sind es schon 25 Anteile, die sich nach außen gezeigt haben, die auch eigenständig agiert haben. Das macht mich schon sehr unsicher. Und dann sehe ich auf mein „gebautes“ inneres Haus, und spüre, dass es nicht die Lösung für uns alle bleiben kann. So gebaut, kann es niemals das sich formierende System aufnehmen. Ich ahne und fühle, dass es wieder enorme Arbeit bedeutet, etwas Zufriedenstellendes für alle zu bauen. Etwas, wo jeder zu seinem Recht kommt.
Als ich heute einfach in einigen Zimmern aus einem einfachen Bett ein Doppelstockbett machen wollte, ging Gezeter in mir los. Keiner will das. Wogegen ich mich die letzten Monate ziemlich gesträubt habe aus Angst vor dem Abrutschen: Kontakt nach Innen aufzunehmen, dies wird wohl doch notwendig, damit ich wieder ruhiger werde.
Also, ich heiße Franzi und Jenny willkommen, und verspreche, ihnen einen schönen Platz an unserem sicheren Ort zu schaffen!

12.7.13

Franco ist 8 Jahre alt, ein kleiner Rotzlöffel, der Spaß am Leben hat, keck und äußerst verspielt ist.
Für mich sehr überraschend zeigte er sich vor 2 Tagen. Anfangs war ich sehr verunsichert, weil ich an Bewegung, Mimik, Gestik erst die 8jährige ausmachen wollte. Schnell aber stellte sich im Inneren Widerstand ein zu meiner Annahme, und wie ein Rumpelstielzchen pochte er stampfend auf seine Identität.
Nun denn, er ist willkommen, was soll ich dazu sagen? Es ist eben so!

Tagebuch: Eine Hand fassen

23. Januar 2014

Ich saß Mittwoch beim Zahnarzt im Wartezimmer, mir gegenüber ein uraltes Paar, entspannende Musik drang aus den Lautsprecher. Was es nun war – das Hören oder das Sehen – keine Ahnung ….rumms, spulten sich alte und neue Bilder und Vorstellungen ab, fast parallel. Vom Vertraut sein der Beiden gegenüber, kam die Vorstellung, wie schön dies auch nach 25 Jahren Ehe sein müsste, und wie sehr dies bewahrt werden sollte…rumms, sah ich mich in verschiedenen Altersstufen in fremde, erleuchtete Fenster sehend, sehnsuchtsvoll mit dem Wunsch, einfach dazu zu gehören. Ja, zu wildfremden Menschen. Noch kleiner sehe ich mich unschlüssig auf der Straße stehen, ohne Mut, einfach eine fremde Hand zu fassen, und mit zu gehen. Bei fremden Menschen müsste es hundert Mal besser sein, als bei mir zuhause.
Ich sitze in dem Wartezimmer, mein Körper scheint bersten zu wollen an dem Wunsch: „Bitte nimm mich mit, ich will nicht mehr nach Hause.“ Jetzt beim Schreiben selbst kommt dieser Druck nach oben. Als stünde ich auf einem riesigen Platz, auf dem tausende Menschen kreuz und quer laufen, ich, ganz klein in der Mitte, von niemanden bemerkt. Und es brüllt so sehr in mir, aber meine Lippen bleiben zusammengepresst. Damals schon die Einsamkeit in einer Menschenmenge. Damals genötigt, stumm zu sein, keine Hilfe zu suchen, erstarrt zu verharren in dem, was sich meine Familie nannte. Und heute begreife ich den so enorm tiefen und verzweifelten Schmerz der kleinen „Marie“. Und mich erstaunt ihr Instinkt, dass es auch andere Familienkonstellationen geben muss, bessere. Und die enorme Sehnsucht, zu einer solchen gehören zu wollen, unsagbar.
Ich frage die Kleine, was sie sich denn davon erwartet. Die Antwort zitternd, fragend und dennoch klar (von vielen): „trösten, mal ein Lob, lieb gucken, keine Angst mehr, ankuscheln dürfen.“ Ich spüre, was ihr das Wichtigste wäre: sein dürfen unter stets liebevollen Blicken.
Wenn ich ihre Worte höre, dann steigt in mir eine Ahnung auf, wie sehr sie gelitten haben muss. Und ich kann es körperlich spüren.
Gleichzeitig frage ich mich, wie es möglich sein kann, dass diese einfachsten Dinge der Welt einem Kind verwehrt wurden? Ein liebevoller Blick! Aber das ist doch das Mindeste, was ein Kind täglich zum Leben bräuchte, oder? Wie kann man denn ohne gedeihen?
Rumms … man kann nicht ….man endet dann als 51 Jährige, die noch immer von der Sehnsucht überrollt wird, irgendwo dazu zu gehören … zu einer Familie, die intakt ist. Klingt jetzt merkwürdig, aber Fakt ist, dass wir oft in unserer Fantasie im Alltagsleben unserer Wunschfamilie integriert sind, mal als Kinder, mal als Freundin. Das ist doch verrückt, oder?
Nein, ist es nicht, denn dieses Fühlen ist das der kleinen Schmerzkinder von uns, die noch immer in ihrem Sehnen eingefroren scheinen.
Einfach eine Hand fassen von einem Menschen, der es gut mit uns meint!
Wenn ich auf mein Leben zurück blicke, stelle ich fest, dass ich an nur einem Punkt gescheitert bin. Nämlich an der Tatsache, dass ich mich stets fassen ließ.
Mir sind die Menschen zuvor gekommen, solche Menschen, die genau mein Defizit durchschaut haben. Und ich Trottel glaubte, man wollte mich meinetwegen. Es hat stets eine Weile gedauert, bis ich in einer Beziehung das ganze durchschaut hatte. Aber immerhin hatte ich dann immer die Kraft, mich davon zu lösen. Ein Anfang, oder?
Nun aber stehe ich da …. lasse mich nicht mehr so einfach fassen, weiß, worauf es mir heute ankommt. Und?
Nichts!
Hindert die eigene Vorsicht? Ist es die Angst vor erneuter Enttäuschung?
Nein!
Denn ich hatte den Versuch gewagt bei einem Menschen, der genau das war, nach dem alle von uns suchten, alle, ohne Ausnahme.
Es steht nicht zur Debatte, dass dieser Versuch in die Hosen ging, nein!
Zur Debatte steht: ich hatte den Mut, ich hatte die Kraft, ich wusste, was mir gut täte, und ich hätte alles dafür getan, das es funktioniert!
Ich hatte also nicht aufgegeben, ich habe neu dazu gelernt, ich hatte eine richtige Wahl getroffen, ich habe mich nicht an die Hand nehmen lassen, sondern selbst nach einer Hand gefasst.
Die Kleinen sind damit also einen Schritt weiter. Selbst mit dem Schmerz, dass ihr Glück nur kurz war.
Und ich?
Dazu finden sich jetzt keine Worte mehr! Nicht heute.

Die Macht der Gefühle

16. Januar 2014

16.1.14

Wenn mich der aktuelle Schmerz im Heute so sehr aufwühlt,
dann sind die Schmerzkinder nicht weit, kippen ihre Last dazu.
Und selbst meine Flüsterkinder suchen meine Nähe, wollen ihren Schmerz an mir loswerden.
Dann stecke ich zwischen HEUTE und GESTERN.

Gefühl
Finde keinen Weg aus dieser Lage. Nur der Blick nach unten bleibt mir.
Und irgendwann dann der Gedanke: „Lasst mich doch alle in Ruhe!“, und die Sehnsucht ist da,
die Sehnsucht nach dieser Weite:
Höhe
Bei diesem Anblick findet mein Herz wieder einen Rhythmus, das Atmen wird leichter.

Psychologische Erklärungsmodelle für Depressionen

7. Januar 2014

(aus dem Netz gezogen)

Gelernte Hilflosigkeit (nach Seligman):
Wenn die eigenen Verhaltensweisen über eine längere Zeit hindurch keinerlei Einfluss auf (negative) Ereignisse haben, so wird gelernt, dass eigenes Handeln sinnlos ist und Umweltgegebenheiten nicht beeinflussbar sind. Daraus resultieren folgende Störungen: Motivationsverlust; Lerndefizit (auch unter Bedingungen, unter denen man sehr wohl mit eigenem Handeln etwas ausrichten könnte, gelingt es kaum, sich diesen neuen Gegebenheiten anzupassen und entsprechend aktiv zu werden); Ängste, Magengeschwüre, Appetitverlust, Depressionen.
Depression als kognitive (= die Erkenntnis betreffende) Störung (nach Beck):
Der Depressive hat im Laufe seiner Entwicklung bestimmte negative Erfahrungen gemacht, die sich als kognitive Schemata verfestigt haben und durch bestimmte Auslöse-Situationen immer wieder aktiviert werden. Der in depressiven Schemata denkende Mensch sieht sich selbst, die Umwelt und die Zukunft negativ. Die Gedanken kreisen in irrationaler Weise um Themen, die die eigene Person abwerten. Der Depressive setzt sich herab, lehnt sich ab, interpretiert Misserfolge als Zeichen eigener Unfähigkeit und sieht sich mit unüberwindbaren Hindernissen und Belastungen konfrontiert. Folgeerscheinungen dieser kognitiven Störung sind: Niedergeschlagenheit, Verlust an Freude und Befriedigung; geringe Selbstbewertung, negative Erwartungen, Selbstbeschuldigungen, verzerrtes Selbstbild; Vermeidungs- und Fluchtverhalten, Entschlusslosigkeit, Selbstmord-Wünsche, erhöhte Abhängigkeit von anderen; Appetitverlust, leichte Ermüdbarkeit.

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Zu Depressionen neigende Personen sollten in erster Linie darauf bedacht sein, die irrationalen Beurteilungs- und Denkmuster aufzudecken, zu verändern und in der Folge mit aller Konsequenz die konstruktive Denkweise zu fördern. Darüber hinaus sollte man versuchen, aktiv zu werden, mannigfaltige Interessen aufzubauen, stabile soziale Beziehungen zu erhalten oder aufzunehmen – Partner, Familienmitglieder, Freunde und Bekannte spielen bei der Überwindung von Depressionen eine wichtige Rolle – und die Selbständigkeit und Anpassungsfähigkeit zu fördern.
Negative Aspekte von derzeit nicht beeinflussbaren Gegebenheiten versucht man in ihrer Bedeutung etwas abzuwerten, anzunehmen und das Beste daraus zu machen. Positive Aspekte, seien sie im Vergleich zu den negativen scheinbar auch noch so klein und unbedeutend, sollten aufgewertet und in den Blickpunkt gerückt werden.
Den Depressiven quälen häufig Versagensängste, Ausweg- und Sinnlosigkeitsgefühle. Daher ist es entscheidend, Strategien zu entwickeln, die zwei Bedingungen erfüllen: sie müssen einerseits in der Lage sein, anstehende Aufgaben zu meistern und vorliegende Probleme zu lösen, dürfen aber andererseits den Betroffenen nicht überfordern (den Depressiven überfordert oft schon der einfachste Handgriff). Diese beiden Bedingungen unter einen Hut zu bringen, erweist sich nicht selten als schier unüberwindbare Hürde und ringt selbst dem erfahrenen Therapeuten oft all seine Kunst ab.
Die Ziele und Maßnahmen sollen den persönlichen Bedürfnissen und Möglichkeiten entsprechen – und nicht widersprechen. Nicht totale Veränderung soll das Ziel sein (das funktioniert ohnehin nicht), sondern das Aktivieren des brachliegenden Potenzials (im Denken wie im Tun) – das gilt natürlich für alle von uns, nicht nur für Depressive.

Ach nee, so viele mehr?

15. November 2013

14.11.13

Ohne Kontrolle jeden reden lassen, egal ob wir ihn schon kennen. So weit konnten wir bisher nicht denken, wenn das Chaos im Kopf einsetzte und so viele Unbekannte mitquakten.
Gleich 11 Uhr, sehen aufgequollen aus, Schlafmittel hat Schlaf gebracht nach einem Verzweiflungsheultag.
Am Nachmittag heute noch die TT, oh menne, wird wohl noch krasser werden! Hab mir gemerkt, dass wir mehr aufschreiben sollen, und Scheiß drauf, wer es von uns tut.
Seit gestern bin ich Viele da, Drängelei, jeder will sein Zeug loswerden. Ich kriegs ab und komme noch nicht zurecht mit Fürsorge. Geht irgendwie nicht ohne Ortungssystem, sind zu viele und kenne sie nicht. So viel Schmerz auf einmal ausspucken wollen macht mich konfus.
Dazwischen die Kleinen, die im Arm bleiben wollen und so sehr nach Engelchen schreien. Ankuscheln, einkuscheln, wohl fühlen, keine Angst haben müssen. Weiß nicht, wer ich bin, weil ich das Gleiche fühle. Möchte nur noch auf einen Schoß, drauf einschlafen, ohne aufwachen zu müssen. nie mehr, wär gut.
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Warum kann dieses Arschloch sich nicht selber mal eins in die fresse haun? Der Hu##nsohn müsste mal von ner ganzen Truppe so verprügelt werden, dass er nach Mami wimmert, der Arsch.
Psst, sonst hört er uns, versteck dich lieber.
Wozu, soll er doch kommen, ist eh schon Wurst. Wo ist mein buch? Legst dus mir hin? Versprochen. Ich hab solche Angst! Brauchste nich, sind doch da, kommste einfach zu uns. Wir können ja auf die silberne Brücke gehen, und die Frau Zeit macht Kakao. Dickes Ende, kommst du mit? Jo! Uh, soll sich der Pimpel seinen Gürtel doch selbst holen, dieser faule Sack. Werde ihm ins Gesicht grinsen, bu! Hälst du mich fest? Klaro, der soll nur mal in deine nähe kommen, da wirds rot, das sach ich dir.

15.11.13

Die TT war nicht schlimm. Nur der Augenblick, als die Thera und Kathrin rausgehen, uns alleine lassen wollten, nur weil wir tot sein wollten. Haben geflüstert ” nicht gehen”
Aber dann sind wir aber alle zusammen losgegangen (imaginär) haben uns einen Tisch gedeckt mit lauter schönen Sachen drauf, und ohne Stock im Rücken und Angst und Pflichtwurst. Da gabs Luftballons und wir durften alle reden und lachen und essen was wir wollten. Wolln wir jetzt immer machen. Weiß nich, ob alle raus sind ( aus der Familiensituation), da waren so viele wie 30 oder 40 Kinder. Manno, brauchen viel Stühle. Aber je mehr umso viel Spaß.
Die große hat uns abends n Schokoladenstulle gemacht und wir durften dabei einen trikfilm gukken, was mit lieben Monstern.
Und gemalt haben wir ein bild für die Tante.

Selbstanalyse – Sofie’s Verlust

2. Oktober 2013

2.10.13

Seit Wochen nun vergeht kein Tag ohne dieses Wegrutschen in die unbeschreibliche Hilflosigkeit.
Und immer deutlicher bekam ich Signale, die von den Säuglingen stammen. Klar erschreckt mich das. Es ist und bleibt mir unverständlich, dass man als Mensch so weit zurückliegende Erlebnisse und Empfindungen neu erleben, erinnern kann. Ertappe mich immer wieder beim Abstreiten.
Trotz aller Schmerzen habe ich aber genau hingesehen, habe (und das tu ich heute noch) Situationen im Heute und meine unverständlichen Reaktionen darauf versucht zu begreifen.
Je mehr ich mich damit beschäftige, umso klarer werden für mich die Antworten.
Die Kleinsten kommen nicht klar mit der Trennung von ihrem Liebmensch.
Ich fand nun Passagen zur Säuglingsforschung:

„Die Erfahrung des eigenen Seins entwickelt sich aus der Erfahrung der gelebten Beziehungen.“ (P.Janet)

„So erfährt der Körper sich über den Körper des anderen, die Art und Weise von dessen Präsenz entwickelt die eigene!“

Bsp. „Wenn jede Vorhersagbarkeit der Reaktion für das Kind entfällt, reagiert es mit Schreien, dann mit allen Anzeichen von Vermeidungsverhalten, Fluchttendenzen und Panik und zuletzt verfällt es in einen apathischen Zustand der Nicht-Reaktion. Es stellt sich tot, reagiert nicht mehr.“

„Traumatisierung ist die Erfahrung von Hilflosigkeit, mehr noch: von Handlungs-Unwirksamkeit!“

Das Merkwürdigste von allem ist: Ich hatte diese Dinge im Fühlen von mir verstanden, noch bevor ich die Bestätigungen aus der Fachliteratur fand. Was mir sagt, ich bin auf einem guten Weg – den Weg des achtsamen nach Innen-Schauens, dem Weg der Selbsterkenntnisse.

Erinnere mich, Sofie entwickelte blitzschnell eine Präsenz, kaum, dass sie den „anderen Körper“/Mensch für sich gesehen hat, kaum, dass sie gelebte Beziehung fühlen konnte. Dieser Mensch war für uns ein Engel, für Sofie die ersehnte Mami.
Sie war plötzlich in uns so dermaßen oft draußen, es fühlte sich wie eine Neugeburt an, eigentlich wie eine Geburt an sich.

Sie durfte plötzlich in uns etwas sein. Wir fühlten uns alle plötzlich berechtigt, leben zu dürfen, sein zu dürfen.
Dass Sofie damit gleichzeitig ihr extrem schmerzvolles Fühlen über uns auskippte, brauch ich wohl nicht erwähnen. Aber je schmerzvoller es war, umso mehr nahmen wir die Bindung zu ihrem Engelchen an, umso mehr griffen wir nach diesem Halt.
Das war mir damals alles sehr schnell klar.

Und heute verstehe ich dann auch, warum ich seit Wochen so nah an der Grenze lebe, so nah am sterben wollen.
Die Ersterfahrung des Säuglings endete nun in gefühlter Ablehnung.
Ich kann versuchen wie ich will, ihr begreiflich zu machen, dass nicht sie abgelehnt wurde. Sie kann es nicht verstehen, was ich nun auch kapiere! Sie ist zu klein für diese Zusammenhänge, ihr Denken ist noch lange nicht so weit. Sie kann nur spüren, fühlen, reagieren … mehr nicht.

Und das alles durchlebe ich jetzt seit Wochen, ihr Leid, ihr sterben wollen.
Trost von uns kommt kaum an. Weil sie nicht wirklich mehr bei uns ist. Sie wollte ja woanders bleiben. Nur scheint es ihr nicht mehr gut zu tun, weil wir nicht mehr wirklich an sie rankommen.
Wir fühlen, was sie fühlt, aus uns herauskommend, aber von uns auf sie scheinen wir keinen Einfluss zu haben.
Muss eine Lösung finden, nur welche…?
Imaginär versuche ich es seit Wochen umsonst.

Die Technik des Holzriss

10. September 2013

Habe ich vom Künstler Herr Hüttengrund erlernt:

Leider ist es mein einziger Versuch geblieben ( dir faulen die Hände ab…grrrr), und an ihm sieht man die Graustufen leider kaum, weil ich Anfänger war.

Ich nehme eine Holzplatte und ritze mit einer Nadel das Motiv ein. Im Gegensatz zu einer Radierung ( bei der das Geritzte abgedruckt wird ) kann man beim Holzriss stärkere Grauabstufungen vornehmen:

Es wird das gedruckt, was man an Oberfläche stehen lässt!

} je tiefer ich ritze um so heller dann auf dem Druck!!

Macht mehr Arbeit, weil “ nicht  Benötigtes“ weg genommen werden muss.
Eigentlich macht/ritzt man ein sogenanntes Negativ!

Hier mein Holzbrett nach der Bearbeitung und leider schon voll mit Farbe nach dem Druck:

die Holzrissgrundlage

Dann kommt es unter die Presse:

"Der tägliche Tod"   Holzriss - Druck

Dieser Holzriss sollte mein tagtägliches Sterben ausdrücken! Habe ich im Jahr 2003 gemacht.

Noch einmal kurz Definition Radierung: In das Eingeritzte arbeitet man sorgsam die Farbe ein, wischt danach das Blech (Plaste auch möglich) wieder vollkommen sauber. Nur in den „Ritzen“ bleibt Farbe hängen. In der Presse wird das Papier regelrecht in die Ritzen gedrückt, wo natürlich die Farbe aufgenommen wird!

Holzriss: Mit einer Rolle wird Farbe über das Holz gewalzt, logisch, dass je höher das Holz umso mehr Farbe!
Der Druckvorgang wird dann ganz sanft vorgenommen. So entstehen dann mehr Grautöne.

EMDR – Therapieform bei posttraumatischen Belastungsstörungen

7. September 2013

Genau auf diese Art habe ich EMDR auf der Traumastation  erlebt!

Nun, Ergebnisse kann ich noch nicht fühlen, da ich erst ganz am Anfang stehe! (4 Intervalle folgen noch)

Dieser Text ist aus dem Internet gefischt. Ist so klar und einfach erklärt, dass ich nicht von meinen Erleben reden muss. Dies hier ist für jeden Laien verständlich. Und ich kann im Moment nicht gut schreiben oder nachdenken. Mir geht es zu schlecht.

EMDR = Eye Movement Desensitization and Reprocessing

Eye Movement Desensitization and Reprocessing, kurz EMDR, ist eine von Francine Shapiro in den USA entwickelte Behandlungsmethode für Trauma-Betroffene aus dem Bereich der Psychotraumatologie.

Bei EMDR regt der Therapeut den Patienten nach strukturierter Vorbereitung zu bestimmten Augenbewegungen an, wodurch es möglich werden soll, unverarbeitete traumatische Inhalte zu verarbeiten.

Inhaltsverzeichnis
1 Abgrenzung
2 Entstehung
3 Wirkungsweisen und Hintergründe
4 Ablauf
5 Gefahren
6 Wissenschaftliche Anerkennung

1. Abgrenzung
Trotz oberflächlicher Ähnlichkeit, etwa durch die angeleitete Augenbewegung, ist EMDR nicht mit Hypnose zu verwechseln. Es soll keine Veränderung des Bewusstseinszustandes, sondern vielmehr eine Integration der mit dem Trauma verbundenen Emotionen und Empfindungen erreicht werden.

2. Entstehung
Francine Shapiro hatte die Idee zur Erprobung und Untersuchung dieser Methode zufällig beim Spazierengehen im Park. Sie bewegte die Augen hin und her und erlebte eine deutliche Entlastung von Ängsten und depressiven Gedanken im Zusammenhang mit der bei ihr diagnostizierten Krebserkrankung.

3. Wirkungsweisen und Hintergründe
Nach einem Trauma kann es zum sogenannten „Sprachlosen Entsetzen“ (speechless terror) kommen, d. h. in der rechten Hirnhälfte werden Bilder prozessiert, die der Patient vor Augen hat, während das Sprachzentrum aktiv unterdrückt wird. Der Patient kann das Geschehene so nicht in Worte fassen, wodurch nachfolgend eine Verarbeitung des Erlebten erschwert wird. Es gibt bereits eine Vielzahl von Studien, die die Wirksamkeit von EMDR belegen und versuchen, die Wirkungsweise zu ergründen. Es wird angenommen, dass durch die bilaterale Stimulation mittels bestimmter Augenbewegungen (oder auch akustischen oder taktilen Reizen), eine Synchronisation der Hirnhälften ermöglicht wird, die bei der posttraumatischen Belastungsstörung gestört ist. Erklärend wird auch Bezug genommen auf eine Schlafphase, bei der starke Augenbewegungen stattfinden und zugleich ein erhöhter Verarbeitungsmodus des im Alltag Erlebten vermutet wird.

4. Ablauf
Das eigentliche Durcharbeiten der belastenden Inhalte, durch Augenbewegungen oder andere Stimulationsarten, ist dabei ein recht später Schritt im Therapiemanual.

Anamnese:
Zunächst muss eine genaue Anamnese erhoben werden, bei der z. B. die traumakompensatorischen Bewältigungsversuche des Patienten erfragt werden. Auch muss zuvor abgeklärt werden, ob gleichzeitig eine sogenannte dissoziative Störung vorliegt (hierbei werden Teile des eigenen Erlebens ausgeblendet/aktiv unterdrückt).

Stabilisierung: 
Die Stabilisierungsphase dauert je nach Lage der Ressourcen oft sehr lange. Besonders bei einer dissoziativen Störung muss als vorrangiges Therapieziel zunächst eine Grundstabilisierung des Patienten erreicht werden, die die Fähigkeit des Patienten stärkt, sich der Traumathematik vorsichtig und dosiert zu nähern und sich vor einer möglichen ungesteuerten „Überflutung“ mit belastendem Erinnerungsmaterial aktiv zu schützen.
Auch hierbei kann EMDR hilfreich sein, z. B. durch eine mittels angeleiteter Augenbewegung erfolgreichen Verankerung positiver Imagination wie „der innere sichere Ort“ oder „der innere Tresor“ nach Dr. Luise Reddemann.

Bewertung:
Einer einzelnen ausgewählten Erinnerung, also einem „einzelnen Bild“, das den belastetsten Teil einer Traumathematik darstellt, wird vom Patienten eine aktuell zutreffende negative Kognition, (z. B. „ich bin hilflos“) zugewiesen sowie auch eine positive, die er in Zukunft damit verbinden möchte (z. B. „ich kann heute etwas tun“ – was dann als eine Ressource zu verstehen ist). Die an dieser Stelle eingeschätzte Belastung der Situation soll im folgenden Bearbeitungs-Prozess sinken.

Desensibilisierung: 
In dieser Phase wird die Traumabearbeitung durch die Augenbewegungen begleitet. Während an die Traumathematik gebundene Energie freigesetzt wird, kommt es häufig zu unterschiedlichsten sogenannten Abreaktionen (wie z. B. Weinen, heftiges Atmen, Übelkeit u. a.), die erinnerte Situation verliert so ihre emotionale Aufladung.
Zur Bearbeitung einer Traumathematik sind meistens mehrere EMDR-Sitzungen nötig. Einflechten von sogenannten Ressourcen z. B. „hilfreiche innere Wesen“ oder „ideale innere Eltern“, die zuvor z. B. mit Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie installiert wurden unterstützt oftmals diese Phase.

Verankerung: 
Empfindet der Patient bei der erinnerten Situation keine Belastung mehr, wird die positive Kognition nochmals überprüft und mit Augenbewegungen verankert.

Körper-Test: 
Alle Missempfindungen zur erinnerten Situation sollten bei einem kompletten Abschluss der Sitzung verschwunden sein.

Abschluss: 
In der Besprechung zum Abschluss der Sitzung wird der Patient auf das „Nachprozessieren“ (z.B. in Träumen) hingewiesen. Es bringt eventuell neues Material für weitere Sitzungen hervor und sollte in einem Tagebuch festgehalten werden.

5. Gefahren
Die Behandlung dissoziativer Störungen sollte erfahrenen Traumatherapeuten vorbehalten bleiben, da der Patient sonst gefährdet ist, im Zuge der Behandlung retraumatisiert zu werden, das hieße, erneut überschwemmt zu werden mit den angstmachenden Gefühlen. Der Patient würde dann die auslösende Situation ungeschützt noch einmal durchleben. Dann würde die Traumatherapie mehr schaden als nutzen: die Symptome könnten sich vertiefen – möglicherweise in bedrohlichem Ausmaß, eine weitere Behandlung wäre erschwert. Eine sorgfältige Vorbereitung und Abklärung von Komorbiditäten (gleichzeitig vorliegender anderer Erkrankungen) ist bei der Traumatherapie also sehr wichtig.
Wichtig ist auch die Abklärung der damaligen Bewältigungsstrategien des Traumas, da auch diese durch das EMDR getriggert werden. Wenn z. B. damals nach dem erlebten Trauma suizidale Tendenzen bestanden, können diese auch nach der EMDR-Sitzung reaktiviert werden, über diese Verbindung muss der Patient vorher aufgeklärt werden.

6. Wissenschaftliche Anerkennung
Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie verabschiedete in der Sitzung vom 6. Juli 2006 ein Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen. Gemäß diesem Gutachten kann die EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen bei Erwachsenen als wissenschaftlich anerkannt gelten.

Wie erlebe ich mich?

25. August 2013

25.8.13

Leicht ist es nicht, mein Innenleben zu beschreiben. Aber mit jeder überstandenen Krise wird das innere Bild immer klarer.

Vor 11 Jahren, bei meinem Totalzusammenbruch, passierte etwas sehr Merkwürdiges. Im Zusammenhang mit den Flashs landete ich in einem Zimmer, das wohl für so einige Etappen meiner Kindheit steht.
Wie nun erlebe ich das Leben, die Welt, mein Fühlen seitdem?

Ich bin in einer Kiste, aus Holz und teilweise Korbgeflecht.
Diese Kiste ist gleichzeitig ein Zimmer im schummrigen Licht mit nur einer „Nach-Innen-Tür“. Ich starre wie hypnotisiert auf diese Tür, rutsche dabei immer dichter an das Kopfende des Bettes, umklammere meine Beine. Die Tür wird etwas zu mir herein lassen. In Erwartung des absolut Bösem verharre ich seit  Jahren in dieser Position.
Die Tür lässt überhaupt nichts nach außen dringen. Ich habe keine Möglichkeit, etwas nach außen zu bringen, geschweige denn selbst nach außen zu gehen. So wird das Zimmer für mich wie ein eisernes Band, das sich über meine Brust legt und immer enger wird.
Viele Ich-Wesen sind aus mir herausgetreten, schweben an der Zimmerdecke nervös durcheinander, von einer Ecke in die andere, so, als suchten sie ein Entrinnen.
Dies beschreibt meinen üblichen Tagzustand.
Dieses Umherschwirren im Fluchtversuch schafft in mir eine enorme körperliche Angespanntheit, die ich trotz aller Entspannungsübungen nicht loswerden kann.

Die Kiste hat Ritzen, durch die manchmal etwas nach innen dringt. Meist sind es Trigger, die meine Ich-Wesen in ein völliges Chaos stürzen.
Und im Moment der gefühlten Bedrohung scheinen die vier Wände dieses Zimmers gleichzeitig eine Garantie zu sein, dass sie mich beschützen, dass sie nichts an Gefahr zu mir hindurchlassen.

Das Zimmer als schützendes Verlies meiner Existenz.

Wenn ich einigermaßen real im Alltag bin, kann ich das angespannt Sein nur mit Ablenkung etwas herunter schrauben. Da ich aber bisher noch keine wirkliche Traumatherapie gemacht habe, ist diese Ablenkung nur eine Verdrängung des Ganzen. Dies wiederum bringt meine Ich-Wesen in noch mehr Verwirrtheit, die Anspannung steigt, der Druck wird oft gefühlt unaushaltbar.
Mit etwas Glück kompensiert sich das mit körperlichen Schmerzen, denn sie sind besser auszuhalten; abartige Entspannung durch gefühlten psychosomatischen Schmerz und durch Körperflashs.
Mal völlig abgesehen davon, dass ich zusätzlich ununterbrochen meine Wirklichkeit zu überprüfen scheine durch schmerzhaftes Einreißen der Nagelhäute, ohne Pause. Der Schmerz als Wahrnehmung meiner Selbst, als Sicherheit, noch zu existieren.

Ich finde kaum noch in den Schlaf:
Wenn ich zur Nacht die Augen schließe, scheinen meine Ich-Wesen zu mir zurück zu kehren.
Was des Tags in meiner Außenhaut stattfand, findet sich nun in meinem Kopf. Gedanken überschlagen, überholen, überdecken  sich dermaßen, als wolle jeder einzelne zuerst zu Wort kommen. Ein Nicht-Denken-Können in der Überflutung von Gedanken. Das Gehirn findet keine Sortiermöglichkeit, kein Ablagefach, kein Ordnungssystem. Und so wälze ich mich Nacht für Nacht durch die Stunden durch scheinbar fremde Gedanken, die doch meine sind.

Und die Nacht macht das Zimmer dunkler und enger. Nichts kann durch die Wände nach außen dringen. So platzt es fast aus allen Nähten vor Gedankenfetzen, meinen Schreien, meinen Schmerzen. Alles ineinander vermengt, nicht zu entwirren.
Ein Morgen bedeutet völlige Erschöpfung, Schmerzen in fast allen Gliedern und der Angst, alles beginnt von vorn.
Jeden Morgen!
Jeden Tag!

Tod

28. Juli 2013

Immer wieder treffe ich in der Außenwelt auf Menschen mit Todesangst, und ich stelle fest, dass ich diese im Normalleben nicht empfinden kann. Die Aussicht auf den Tod ist das, was mein Leben irgendwie erträglich macht.
Was ist für mich der Tod?
Ein erholsamer Schlaf, ohne aufwachen zu müssen.
Ein – nichts fühlen müssen!
Aus der inneren Leere wird eine äußere. Einklang entsteht.

Oh Mann, ich erinnere mich gerade, wie oft ich mir als Kind vorgestellt habe, dass die Geburtsfrau an meinem Grab steht und weint. Als Beweis, dass sie mich ja doch irgendwie mochte. Als Kind diesen einen festen Wunsch zu haben, um nur ein einziges Mal ein Gefühl von ihr zu bekommen … Irre! Und doch immer wieder in den Gedanken damals.

Heute wird mir klar, dass diese Frau meinen wirklichen Tod eigentlich schon seit Jahrzehnten betrauern müsste, wenn sie es denn könnte mit ihrer Kälte.
Denn gelebt, wie ein Menschenwesen leben sollte, habe ich nie.
Zwei Seelen in meiner Brust: – eine, die immer auf der Bordsteinkante läuft, seit sie laufen kann;
eine, die sich einen Scheiß um die vielen Krebsfälle in der Familie schert und keine Vorsorge betreibt, damit es mal schnell geht;
eine, die bei Gewittern auf dem Eisenbalkon stundenlang steht und wartet;
eine, die nicht mehr aushalten kann und will!
– und die zweite Seele will seit 51 Jahren mein Überleben.
Ich weiß nicht, warum. Irgendetwas ist da in mir.
Wartet es? Wenn ja, worauf? Ist das Hoffen angeboren?
Worauf hoffen?
Einmal ganz tief zu fühlen, was am Dasein so schön sein soll?
Aber dieses Hoffen macht mich auch kaputt, jeden Tag mehr.

Manchmal wünsche ich mir, dass die Geburtsfrau nur einen einzigen Tag mal mein Fühlen und Erleben leben muss. Nur einen Tag. Den würde sie nie überstehen!!!! Nie!

In der neusten Epikrise steht, dass ich nur zwei Bewältigungsstrategien habe: Dissoziation und Vermeidung.

Voll erkannt. Nicht Betroffene können sich nicht hinein versetzen in die tägliche Überlebensqual! Klugscheißern können sie, und das war’s auch schon. Nun, woher sollten sie auch erahnen können, was in einem anderen Inneren abgeht. Erzählen tue ich sowieso nur einen Bruchteil, weil ich es sowieso nicht wirklich in Worte fassen kann, und weil ich nicht glaube, dass mein Gegenüber diese Qual nur vom Erzählen her aushalten könnte.
So bleibt am Ende diese unfüllbare Tiefe in mir selbst.

Anteile 2003

5. Juni 2013

Freitag, den 15.4.2003

Kaum allein im Auto unkontrolliert die Tränen.
Du bist 10 und heulst. Warum tut sie mir das an? Lieben und verlieren? Ich will zu meiner Mutti, weint es in mir. Viel kleiner. Wein nur!

Hör nicht auf Frau M., da ist kein Sinn. Lass dich nicht verschaukeln. Da ist er wieder, der Rebell.

Pfeif drauf.

Ich erkenne dich, schnoddrig, Schauspieler, du cooles Arschloch hast kein Respekt.
Aber oft die Hilfe, keiner merkt was.
Offensiv; da kommt keiner ran.
Lässt nichts durch. Danke.
Ich durchschaue dich, bist die Abwehr mit der großen Schnauze. Du passt nicht hierher, rede heute anders.
Du blamierst mich. Aber bleib ruhig da. Hinter dir sehe ich die Kleine.
Du hast sie lieb, stemmst deine Arme in die Hüften.
Danke. Da kommt wirklich keiner durch.

Aber was soll ich mit dir tun?
Irritierst mich, zu wenig Platz da.
Ich rücke schon etwas.
Aber du drängelst. Machst deine Witze.
Und die Zähne tun mir weh. Was presst du so?

Bist wütend. Glaub ja nicht, dass ich das nicht merke.
Woher kenn ich dich bloß? Dieser Zorn in dir, diese Kälte
.
Frau Br..mann geht über den Schulhof. Ja, ich laufe los. Und bemerke den Irrtum – es ist nicht meine Mutter. Nur die Haarfarbe stimmt und das Grün in den Augen. Irgendwann gibt meine Freundin ihr mein Tagebuch. 8. Klasse. Der Tag wie heute. Es ist das erste Mal in meinem Leben, wo der Wunsch da ist: “ Bitte hilf mir!!!”  Peinlich, ich vergöttere sie. Dann der Schlag ins Gesicht. “ Ich will damit nichts zu tun haben.”

Hi, Kathrin, hab nach dir gesucht heute. Du erinnerst dich gut, nicht?

Ja, glaub, es war der erste Versuch in meinem Leben – mein erster Hilfeschrei. Nur wegen der Haarfarbe? Nein! Sah sie mit ihrem Kind, 3 Jahre. Zwischen den beiden sah ich Liebe. Weiß noch, ich wollte dazugehören. Eiskalte Abfuhr. Das Buch hab ich in den Ofen gesteckt. Schade! Was stand da drin? Keine Ahnung!

Ab da waren selbst die Lehrer blöd. Und mein Entschluss: Ich mach es besser. Ich werde Lehrer. Dir werde ich es schon zeigen!

Jetzt ahne ich woher du kommst, Rebell. Ahne ich? Warum bin ich mir so sicher? Höre ich dich in Gedanken oder sind es meine Gedanken? Mein Schädel will platzen. Kann doch nicht sein, dass du das Denken übernimmst.

Patientin Dora heute in der Gruppenvisite: “ Dass mir meine Mutter nicht mal 50 Euro anbietet.”

Da warst du plötzlich da, frech grinsend: “Wie kann man so etwas von einer Mutter erwarten. Mädel, du bist naiv. Mütter sind kalte Schweine!”
Meine Zähne tun weh. Aber wir stehen über den Dingen.
“Naives Ding, kennst das Leben nicht.” Lauthals lachst du.

Willst nicht hören lassen, wie es weint hinter dir. Na ja, besser als der Schmerz.

Nachtrag: In der Visite erlebte ich zum ersten Mal zwei Anteile gleichzeitig in mir! Hat mich überfordert, bin danach ins Gelände abgehauen, um wieder runter zu kommen! So ein durcheinander Gequake im Kopf machte Angst!

SMS-Pause …..

Ich sortiere:
das Baby, die Kleine, Mariechen, 10 Jahre, 12 Jahre, der Rebell, das Schlitzauge

Sitze blöd da und frage: Wo ist Kathrin??

K A T H R I N . Scheiß Name.

Meine Schwester J. hieß immer J…, mein Bruder M. immer M…! Ich war immer nur Kathrin. Meinen Wunschnamen hat das erste Mal Edit (Ungarn) ausgesprochen: Kathi.
Oje, ich kapier hier was.

Gute Nacht! Will schlafen.

Eiskalter Tropfen
fällst auf meine Haut
und bist erstaunt
dass ich nicht aufschrecke
Wer ist nun hier im Vorteil?

Kann nicht schlafen. Die Tränen wollen kullern. Weil ich verstehe, was damals passiert ist. War die Enttäuschung so groß? Tat es so extrem weh, dass ich rebellisch werden musste? Obwohl ich verwirrt, geschafft, ausgelaugt bin, etwas Mut mit der aller ersten Erkenntnis: Wann, in welchem Moment in mir etwas Neues entstand. Und ein klein wenig Hoffnung da, dass ich vielleicht auch noch viel mehr verstehe irgendwann.

Eins ist mir seit 2 Wochen enorm bewusst geworden: Schon und nur allein das Wort – MUTTER – lässt alles kippen – Chaos – unkontrollierbar alles.

Deshalb die Angst vor den Gruppenvisiten? Jeder zweite Patient benutzt dieses Wort. Ich hasse das. Kriege Panik – so viel kommt hoch – staune – da braucht es kein Sofa – bin ausgeliefert – selbst in jedem Einzelgespräch.

Alter Tagebucheintrag 2003/ Werd ich verrückt?

17. Mai 2013

Frühling 2003          Aufzeichnung für meine Therapeutin

Eine Frage noch, die mich total verrückt macht.
Warum höre ich einen Satz, eine Frage – dann steht diese im Raum – ich hab sie total verstanden – aber in meinem Kopf passiert nichts????? Ich rudere wie wild, gehe Wort für Wort durch -weiß genau was gesagt wurde – ich öffne eine Tür nach der anderen in meinem Kopf – eine Mauer nach der anderen. Es strengt so sehr an – vor lauter Konzentration scheint mir der Kopf zu platzen – und dann – irgendwann öffnet sich eine Luke – mein Kopf gibt ein Wort frei – der Kauderwelsch passt gar nicht zu mir – noch mehr Konzentration – dann geht es irgendwie.
Danach so ausgelaugt, wie nach einem 10 km Lauf. Und das bei nur einer Frage!!!
Dreh ich jetzt durch?? Das verwirrt mich, macht mir Angst. Was passiert da mit mir????

Prügelstrafe „Schwarze Pädagogik“

11. Mai 2013

Zitate aus „Die geprügelte Generation“ von Ingrid Müller-Münch

Märchen 

Es war einmal ein Kind eigensinnig und tat nicht, was seine Mutter haben wollte. Darum hatte der liebe Gott kein Wohlgefallen an ihm und ließ es krank werden, und kein Arzt konnte ihm helfen, und in kurzem lag es auf dem Totenbettchen.
Als es nun ins Grab versenkt und Erde über es hin gedeckt war, so kam auf einmal sein Ärmchen wieder hervor und reichte es in die Höhe, und wenn sie es hineinlegten und frische Erde darüber taten, so half das nichts, und das Ärmchen kam immer wieder heraus.
Da musste
die Mutter selbst zum Grabe gehen und mit der Rute aufs Ärmchen schlagen, und wie sie das getan hatte, zog es sich hinein, und das Kind hatte nun erst Ruhe unter der Erde.

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Dr. med. Johanna Haarer, geb. 1900 schrieb Erziehungshandbücher,  darunter Propaganda von Nazis, mit Prügel zum absoluten Gehorsam, „Affenliebe zum Kind macht dieses verderblich.“ Beispiele sind Sätze: „ Entweder du spurst oder es knallt!“, „Entweder reißt du dich jetzt am Riemen, oder ich schlage dich windelweich!“

Johanna Haarers Bücher waren bis in den 80er Jahren bekannt, da noch über 1 Millionen Exemplare aufgelegt. Hauptaussage: „ Kinder sind chaotisch, bösartig und müssen deshalb gezähmt werden zu ihrem eigenen Besten.“

Viele Kriegstraumatisierten bauten auch durch die Prügeleien ihren Stress ab.

Das „Vicarous-Trauma“, das sogenannte Stellvertreter-Trauma ist die Tatsache, dass die Kinder das Kriegstrauma ihrer Eltern quasi für sich übernommen haben, sie durchlebten die ehemaligen Leiden der Eltern, als wären sie ihre eigenen Leiden gewesen.

Eltern wollen stets ihre Kinder beschützen, egal wie gewalttätig sie sich dabei geben. Sie sprechen aber nie über ihr Kriegserleben. So bleiben die geschlagenen Kinder immer mit der Frage zurück: Warum? Was habe ich falsch gemacht? Das Kind kann die Verbindung zwischen den Schlägen und dem, was die Eltern erlebt haben, einfach nicht herstellen.

Neben der körperlichen Gewalt ist die der seelischen Grausamkeiten genauso zerstörend. Psychoterror in den Familien zeigte sich durch Liebesentzug, Hausarrest, Schweigen, Demütigungen vor anderen, Bloßstellungen. Ein ständiges „Leise sein müssen“ vermittelt Kindern zu stören, in der Familie überflüssig zu sein. Es empfindet jeden Unfrieden in der Familie als eigene Schuld. Das Kind entwickelt in sich die Vorstellung. „Ich bin nicht richtig, egal wie ich mich anstrenge.“

Meine Schmerzen verdrängen – keine Blöße geben

10. Mai 2013

Mein Leben hat mich gelehrt, Schmerzen auszuhalten, zu negieren, sie nicht zu äußern!!!

Kindheit: Mein erster Erinnerungsschmerz liegt im 5. Lebensjahr. Ich war in einem Ferienlager, fiel von einem Doppelstockbett und brach mir den rechten Oberarm. Das Ding baumelte an mir herunter, wenn jemand den Arm fasste, war der Schmerz da. In den weiteren Jahren erinnerte mich Schmerz beim Weitwurf immer daran. Ich wurde zwar längst mit 5 Jahren zuhause geschlagen, aber an Schmerzen diesbezüglich habe ich keine Erinnerungen, nur an die irre Angst vor Prügel. Ich war dann als Schulmädchen sehr sportlich, aber auch hastig in den Bewegungen. Ab und an musste mich die Mutter aus einer Klinik abholen wegen Verstauchungen, Zerrungen, und erfreut war sie keineswegs. Im Gegenteil, da kam von ihr keine Besorgnis oder Fürsorge, sondern Schelte, weil sie vom Arbeitsplatz weg musste. Wenn ich an die vielen Ohrfeigen bis ins Jugendalter denke, dann ist da ein Erinnerungsschmerz. Diese kamen stets aus dem Nichts, ich musste immer auf der Hut sein. Heute noch zucke ich bei schnellen Bewegungen neben mir zusammen und gehe in Deckung. In den Prügelszenen war ich wohl meist wegdissoziiert, denn ich erinnere keine Schmerzen, wenn ich diese Szenen vor mir habe. Ich weiß aber noch, dass ich nie wusste, wie ich währenddessen mein Verhalten anpassen sollte, um weniger ab zu bekommen. Hoffte ich durch lautes Schreien vor Schmerz auf schnelle milde Stimmung, dann hatte ich meist das Pech, dass meine Laute den Vater noch wütender machten. Dann erinnere ich mich an die sturen Versuche von mir, keinen einzigen Mucks von mir zu geben. Das ging auch in die Hose, verstärkte eher den Frust beim Vater, weil er wohl meine unterwürfigen Schreie brauchte. Na dann erst ging die Post ab, denn ein stures, stummes Kind ist aufmüpfig und muss erst recht gezüchtigt werden. Als Kind dachte ich oft daran, wie viel Gegenstände meinetwegen ersetzt werden mussten, weil sie an meinem Körper zerbrachen. Kleiderbügel, Holzkellen, Besenstiele, Teppichklopfer. Gern nahm er den Hosengürtel, ein Schlüsselbund machte es auch. Nichts, aber auch gar nichts kann  mich an diese körperliche Schmerzen erinnern. Da sind nur dieses innere Zerreißen, diese Hilflosigkeit, dieses Verlassen sein, dieses nicht von der Mutter beschützt sein, völlige Leere und totales Bersten … alles gleichzeitig. Auf die Nachfrage vor kurzem, an die Lehrergeneration von damals, bekam ich die Auskunft, dass man sehr wohl an Kindern die Flecke und Verletzungen sah, es aber unüblich war, sich einzumischen. Es wurde also in den 60iger und 70iger Jahren darüber hinweg gesehen, Schläge gehörten noch zu der Erziehung.  Einmal schob ich 13jährig einer Lehrerin mein Tagebuch unter. Einen Tag später gab sie es mir zurück mit der Aussage, sie wolle damit nichts zu tun haben. Ich verbrannte es vor Enttäuschung am selben Tag im Ofen. Was da drin stand, weiß ich nicht mehr. Aber es war der erste Versuch in meinem Leben, um Hilfe zu bitten.

In meinem Haus waren die typischen Sprüche: Hab dich nicht so!, Stell dich nicht so an!, Jammerlappen ganz normal. Du solltest keine Befindlichkeiten zeigen. Hast du es doch getan, wurde es herunter gespielt. Also habe ich gelernt, dass man Schmerzen nicht äußert.

Auf der Oberschule habe ich mir einen Finger an einem Glas bis zum Knochen aufgeschnitten. Ich hatte ein angenehmes Gespräch mit dem Arzt, der auf meinen Wunsch hin ohne Betäubung den Finger nähte. Ich sah zu und plauderte mit ihm.

Studium: Ein Sportler hält alles aus! Halleluja! Das war in den 80iger Jahren auch eine eiserne Regel. Nun, ich hatte es sowieso zuhause gelernt, also konnte ich beim Sportstudium mehr wegstecken als viele andere. Schon im ersten Studienjahr schickte man mich zum Röntgen, weil die Rückbeuge im Rücken nicht so weit, wie üblich, möglich war, und ich Schmerzen hatte. Dort stellte man fest, dass ich einen Wirbel mehr im Steiß habe als normal wäre, und die Bandscheiben schon halb weg sind. Okay, ist logisch, da fehlt Platz, muss also wehtun. So dachte ich dann die Folgejahre. Zur großen Turnprüfung (alle Geräte) habe ich mir vorher beim Arzt eine Betäubungsspritze in ein schmerzhaftes Überbein am Handgelenk oben setzen lassen, damit ich teilnehmen kann. Ohne hätte ich die Hand nicht aufstützen können. Niemand sollte denken dürfen, dass ich mich drücken will. Das Überbein habe ich mir durch das viele Üben vorher zugezogen.

Tja, die Prüfung ging mit gutem Ergebnis für mich aus. So in etwa zog es sich durch die Studienjahre. Zähne zusammen beißen, keinen Schmerz zeigen. Als Speerwurfkampfrichter hatte ich einen Speer in meinem Innenknöchel stecken … was macht Kathrin? Nachdem der Speer abgeplumpst war, ging ich die weite Strecke zum Platzrand, das Blut quoll aus meinem Schuh, ich suchte einen Sani in aller Seelenruhe. Na und? Ist nur Schmerz, kannte ich doch!

Beruf: Üblicher Weise kam irgendwann im ersten Dienstjahr jemand zur Hospitation um dein Tun zu begutachten. Nur ein Satz davon ist noch in Erinnerung: „Fräulein B., mir ist aufgefallen, dass sie zu jeder Gelegenheit sitzen. Und das im Sportunterricht. Das ist nicht üblich!“ Ich war sehr erstaunt, weil mir vorher nie bewusst war, dass ich jede Gelegenheit zur Rückenschonung nutze. Nun, diese Meise habe ich nie geändert, weil es gar nicht anders ging. Tja und im Laufe der Jahre, in denen man ja auch aktiv wird im Unterricht, habe ich mir verschiedene Finger gebrochen, Stauchungen geholt, Bänderdehnungen, Nackenzerrungen und sonst was. Mit der Zeit habe ich selbst schon die Diagnosen stellen können. Konnte abwägen, ob ein Arztbesuch Zeitverschwendung wäre. Mit einer Ausnahme erst vor wenigen Jahren. Da ging ich nach 6 Wochen anhaltendem Schmerz dann doch mal, und musste ein Gezeter des Arztes über mich ergehen lassen, weil ein Knöchelgelenk in einem Finger dann wohl doch völlig abgerissen war. Na ja, passiert eben! Konnt ich ja nicht ahnen.

Meine Erwachsenenjahre bestanden in 7 Tagen aus 3 Kopfschmerztagen und 4 Rückenschmerztagen oder umgekehrt. Woche für Woche, Monat für Monat, und Jahr für Jahr. Alles an Schmerzmitteln war nicht mehr wirksam bei mir, hatte sich meinem Körper „angepasst“ und half nicht mehr. (Dass ich noch kein Loch im Magen habe, ist ein Wunder.) Irgendwann kam der Punkt, wo ich nur noch auf dem Sofa lag und lieber hätte sterben wollen, als die Schmerzen weiter auszuhalten. Hatte dann aber Glück, eine ambulante Schmerztherapie machen zu können mit irgendwelchen Psychopharmaka, die die Schmerzschwelle wieder runter setzten. Hat mir echt geholfen. Der Witz am Ganzen: Es waren psychosomatische Schmerzen weiß ich heute, und die Psychopillen haben mir auch gut getan. Ja, man hätte es damals besser wissen sollen. Aber das Wort Depressivität kannte ich nicht für mich, nur die tiefen schwarzen Löcher, die mir seit der Kindheit bekannt waren.

Zur Weihnachtszeit 1997 oder 98 bekam ich von einem jungen Mann den verpatzten Volleyballaufschlag voll an die Kopfseite, während ich noch am Netz rum fummelte. Die Schmerzen habe ich dann bis zum 3. Januar ausgehalten, dann plötzlich konnte ich keinen Fuß mehr setzen, die Arme nicht mehr heben. Also ins Krankenhaus. Atlasbogenbruch, auf Deutsch – Genickbruch. Ja und nun? Mein Kind konnte nicht zuhause allein bleiben, von meiner Familie hörte ich nur Bedauern, aber es ließ sich niemand blicken. Meine Freundin kam extra aus Ungarn angereist, um mich zu pflegen und für das Kind da zu sein. So ist das mit der Familie, nech?

Ein Viertel Jahr hat es gedauert, ehe überhaupt die Schmerzen aufhörten.

Was seit der Kindheit sich nicht geändert hat, sind die täglichen Schmerzen beim Einschlafen wollen. Ich liege so lange auf der einen Seite, bis ich es vor Schmerzen im Beckenknochen nicht mehr aushalte. Dann drehe ich mich um, und kann wieder nur so lange so liegen, bis ich mich vor Schmerzen wieder umdrehen muss. Auf dem Rücken geht gar nicht, und die Versuche auf dem Bauch scheitern immer an Knieschmerzen. (Deshalb kann ich nicht stundenlang am Strand liegen … unmöglich.) Das war schon immer so, und wird wohl so bleiben. Das Einschlafen an sich ist also schon gestört durch diese Schmerzen, seit ich denken kann. Nun kommen noch die Grübeleien, die Ängste und all das dazu, was eben zu einer Depression und zu Traumatas gehört. Das Einschlafen ist jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung. Wie sagt man? Was der Mensch kennt, frisst er.

Neu hinzugekommen sind die beim Aufwachen. An den unmöglichsten Körperstellen, die überhaupt gar nicht mit den Rändern des Bettes in Berührung kommen können, habe ich Schmerzen. Manchmal wache ich sogar davon auf. Das ist die erste Erfahrung gewesen mit Trauma-Erinnerungsschmerzen von den Prügeleien. Aber auch daran habe ich mich schon gewöhnt, und nehme es hin.

Typisch für mich ist heute noch die Tatsache, dass ich in der Öffentlichkeit oder auch im Klinikgeschehen keine Schmerzen äußere. Es liegt hauptsächlich daran, dass ich dieses Äußern nicht kenne, und auch daran, dass ich Angst habe, dass Leute denken, ich möchte Aufmerksamkeit. Das geht ja mal schon gar nicht. Um Gottes Willen, nein!

Dann sitzt du da in der Gruppenrunde und fragst dich, warum die anderen immer von Schlafproblemen reden und von Schmerzen, mal hier und mal da. Ich sitze da und denke: Würde ich nie im Leben äußern.

Fazit: Ich habe die Schmerzen, nehme sie aber kaum wahr, weil sie bekannt sind. In Extremfällen kann ich nach Unfällen im Alltag auch einfach abschalten, mich völlig aus der Schmerzsituation herausnehmen mit Konzentration. Dann stehe ich wieder auf, merke da was, wird aber negiert.

Manchmal habe ich den Gedanken, dass ich durch die geübte Schmerznegation mal nicht merken würde, wenn sich in meinem Körper etwas Lebensbedrohliches anbahnt. Da denke ich dann weiter, und sage mir: Auch gut, dann geht es mal ratz Batz. Das will ich ja sowieso!

Bedürfnisse von Kindern

30. März 2013

-aus dem Netz gezogen und zusammengestellt

1. …aus entwicklungspsychologischer Sicht

Um die Problematik vernachlässigter Kinder besser zu verstehen, soll die Betrachtung vom Kind aus beginnen. Kinder sind kleine menschliche Wesen mit ihren eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen. Wenn diese Bedürfnisse gestillt werden, geht es dem Kind gut und es kann sich gesund entwickeln. So ein kleines, aber schon so vielfältiges Wesen hat viele Bedürfnisse an seine Eltern und seine Umwelt. Die Erfüllung dieser Bedürfnisse ist wichtig für eine gesunde körperliche und seelische Entwicklung des Kindes. Für eine positive Persönlichkeitsentwicklung ist das Erfüllen dieser Bedürfnisse eine wichtige Grundvoraussetzung. Man könnte also davon ausgehen, das vernachlässigte Kinder nicht in ihren Bedürfnissen befriedigt werden. Was unter kindlichen Bedürfnissen zu verstehen ist, hängt in hohem Maße von geltenden Normen und vom jeweiligen Lebensstandard ab.In den letzten 200 Jahren haben sich in unserer Gesellschaft menschliche Werte wie Liebe und Verständnis, Verlässlichkeit und Kontinuität, Schutz und Geborgenheit als Voraussetzungen für eine gelingende Erziehung entwickelt. Für die Interaktion zwischen Eltern und Kind scheinen dies wichtige Faktoren zu sein, wie auch für ein sonstiges menschliches Miteinander.

Es werden grundsätzlich auch alle Bedürfnisse aus der fünfstufigen Maslowschen Bedürfnishierarchie genannt. Diese wird auch heute noch gern zur Erklärung der menschlichen Bedürfnisse verwendet. Nach dem amerikanischen Psychologen Maslow wird der Mensch und somit auch das Kind in seinem Verhalten von hierarchisch strukturierten Bedürfnissen geleitet. Diese lassen sich als Pyramide darstellen. An ihrer Basis befinden sich die grundlegenden körperlichen Bedürfnisse. An der Spitze steht das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung. Dazwischen befinden sich Sicherheitsbedürfnisse, Zugehörigkeits- und Liebesbedürfnisse (soziale Bedürfnisse) sowie Wertschätzungs- und Geltungsbedürfnis. Wird das unterste Bedürfnis nach physiologischer Befriedigung nicht erfüllt, können sich die höheren Bedürfnisse gar nicht erst entwickeln. Das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung kann demnach erst dann realisiert werden, wenn alle grundlegenderen, niedrigrangigeren Bedürfnisse befriedigt sind.8Die ersten vier werden auch Mangel- oder Defizitbedürfnisse genannt. Das Selbstverwirklichungsbedürfnis dagegen wird als ein Wachstumsbedürfnis bezeichnet.

Auf dieses Modell baut auch der Kinderpsychotherapeut Schmidtchen auf. Er erweitert die elementaren Grundbedürfnisse für eine gesunde seelische und körperliche Entwicklung von Kindern auf insgesamt sechs. Ähnlich wie bei Maslow sind auch diese hierarchisch strukturiert. Er fügt noch das Bedürfnis nach Anregung, Spiel und Leistung ein. Es befindet sich unterhalb des höchsten Bedürfnisses der Selbstverwirklichung. Bei vernachlässigten Kindern werden die unterschiedlichsten Bedürfnisse nicht adäquat erfüllt. Für die Erklärung kindlicher Bedürfnisse aus entwicklungspsychologischer Sicht scheint deshalb die vielfältigste Bedürfnisauswahl nach Schmidtchen am geeignetsten. Außerdem ist bei ihm das Bedürfnis nach Anregung und Spiel enthalten. Dieses stellt im allgemeinen Verständnis ein besonders kindertypisches Bedürfnis dar. Die von Schmidtchen genannten Bedürfnisse sollen hier noch etwas detaillierter erklärt werden.

Um das Leben und Überleben eines Kindes überhaupt zu ermöglichen, müssen seine physiologischen Bedürfnisse befriedigt werden. Diese körperlichen Bedürfnisse sind Bedürfnisse nach Essen, Trinken, Ausscheidungen, Schlaf, Wach-Ruhe-Rhythmus und Sexualität.9

Das neugeborene Kind ist in diesem Bereich fast völlig abhängig von seinen Eltern. Ein Kind braucht eine angemessene Ernährung mit Essen und Trinken. Die Eltern müssen dafür sorgen, dass das Kind ausreichend mit Essen und Trinken versorgt wird. Sie sollten also seine Ernährung sicherstellen. Die Nahrung sollte in Zusammensetzung und Nährwert dem jeweiligen Bedarf des Kindes angepasst sein. Für Kinder im ersten halben Lebensjahr ist beispielsweise die Muttermilch die am besten geeignetste Nahrungsversorgung. Später können Kinder zwar selbstständig Nahrung zu sich nehmen, jedoch müssen der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme und die angemessene Menge noch durch die Eltern vorgegeben werden. Das Zubereiten und Bereitstellen von Nahrung durch das Kind selbst, ist erst in einem deutlich höheren Alter möglich. Es vergehen also viele Jahre, in denen die Versorgung mit Nahrung durch die Eltern geschehen muss.

Des Weiteren benötigt das Kind eine ausreichende Körperhygiene. Kleine Kinder können ihre Ausscheidung von Urin und Kot noch nicht selbständig kontrollieren. Deshalb müssen sie gewindelt werden. Das Windeln muss auch sehr regelmäßig geschehen, da sonst die Verdauungsrückstände die empfindliche Haut des Babys angreifen. Auch das Waschen und Baden muss bei Kindern häufig erfolgen. Wenn kleine Kinder im Freien spielen, machen sie sich schnell dreckig. Mit dem Erscheinen der ersten Zähne gehört auch die Zahnpflege mit dazu. Auch kleine Zähne sind schon von Krankheitserregern bedroht.

Besonders Kinder brauchen auch viele Stunden Schlaf. Dieser wird benötigt, um sich von der täglichen Vielzahl an Sinneswahrnehmungen zu erholen und diese zu verarbeiten.

Was unter kindgerechter Pflege, Versorgung und Förderung zu verstehen ist, variiert jedoch je nach Schichtzugehörigkeit deutlich.10Eigentlich müssten diese grundlegenden Kenntnisse über menschliche Bedürfnisse im Repertoire von Müttern und Vätern vorhanden sein. In Fällen von Vernachlässigung ist dies aber häufig nicht der Fall. Die Befriedigung von Schutzbedürfnissen als nächste Stufe erscheint genauso wichtig und selbstverständlich. Kinder benötigen Schutz vor körperlichen und seelischen

Krankheiten, Gefahren, Unbilden des Wetters wie Kälte und Wärme, Schutz im Straßenverkehr und vor schädigenden Umwelteinflüssen und materiellen Unsicherheiten.11

Um vor den Naturelementen geschützt zu sein, müssen Kinder von ihren Eltern mit entsprechender Kleidung angezogen werden. Sie sollte der Körpergröße des Kindes entsprechen, zu kleine oder zu große Kleidung ist nicht geeignet. Außerdem muss die Bekleidung einen ausreichenden Schutz vor den jeweiligen Temperaturen und Niederschlägen bieten.

Das Wohnumfeld von Kindern sollte vor Gefahren gesichert sein. Kinder sollten keine Möglichkeiten haben mit elektrischem Strom in Berührung zu kommen. Es darf auch keinen Zugang zu gesundheitsgefährdenden oder gar giftigen Stoffen für Kinder geben. Beim Auftreten von Verletzungen oder Unfällen sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei einem Aufenthalt außerhalb der Wohnung sollte immer eine Begleitperson in der Nähe des Kindes sein.

Ein Schutz vor materiellen Unsicherheiten ist sehr individuell einzuordnen. Vernachlässigte Kinder leben oft unter katastrophalen Wohnbedingungen. Die Familien vernachlässigter Kinder haben oft starke finanzielle Probleme. Dagegen besteht die Gefahr einer Reizüberflutung in unserer heutigen, modernen Gesellschaft wahrscheinlich für fast jedes Kind. Die Bedürfnisse nach physiologischer Befriedigung und Schutz stellen elementare Bedürfnisse dar.

Auch die weiteren Bedürfnisse nach einfühlendem Verständnis und sozialer Bindung an eine Person (Vater, Mutter, Freund etc.) sind zentrale Grundbedürfnisse von Kindern und Erwachsenen. Seelisches Einfühlungsvermögen (Empathie) einer Bezugsperson ist wichtig, damit Kinder überhaupt in einen entwicklungsfördernden Dialog mit anderen Personen finden können.12Das Bedürfnis nach sozialer Bindung wird ausführlich im nächsten Kapitel mit der Bindungstheorie nach John Bowlby erklärt. Des Weiteren besteht ein Bedürfnis nach seelischer und körperlicher Wertschätzung. Kinder wollen um ihrer selbst Willen geliebt werden und sehnen sich nach bedingungsloser Anerkennung als seelisch und körperlich wertvoller Mensch.13Vernachlässigte Kinder werden dagegen von ihren Eltern oft nur wenig wahrgenommen. Sind Kinder unerwünscht oder haben Missbildungen und Behinderungen fällt die Annahme des Kindes den Eltern nicht immer leicht. „Wer als Kind zu selten erlebt hat, daß er positive Affekte bei seinen Bezugspersonen auslösen kann, wer also nicht gelernt hat, liebenswert zu sein, entwickelt auch keine Selbstwahrnehmung und entsprechend kein Selbstwertgefühl.“

Schon Säuglinge und Kleinkinder benötigen vielfältige Anregungen aus ihrer Außenwelt. Die Bedürfnisse nach Anregung, Spiel und Leistung müssen natürlich passend zu den Fähigkeiten der Kinder in ihrer jeweiligen Altersstufe sein.15Kinder müssen herausgefordert werden ihre Umwelt zu erkunden. Bei der Entwicklung ihrer motorischen Fähigkeiten wird Unterstützung und Herausforderung benötigt. Das gemeinsame Spiel mit Kindern stellt eine hohe zeitliche Anforderung an die Eltern. Eltern müssen sich also intensiv mit ihrem Nachwuchs beschäftigen und auseinander setzen. Ein Kind kann sich noch nicht über längere Zeit selbst beschäftigen. Die Hospitalismusforschung von Spitz hat gezeigt, dass die Interaktion mit anderen Personen überlebenswichtig ist.

Das höchst stehende Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und Bewältigung existentieller Lebensängste ist für den Bereich der Kleinkinder nicht gut erforscht. Obwohl Kinder es meist nicht bewusst erfassen können, werden auch sie den mit den existentiellen menschlichen Erfahrungen konfrontiert.16Dazu gehören die Themen Tod, Krankheit und Alleinsein, die Frage nach dem Sinn des Lebens und viele weitere. Da in diesem Bereich sehr viel philosophisches Gedankengut einfließt, wird dieses Bedürfnis in der Regel erst bei älteren Kindern aufkommen. Dieses Bedürfnis entsteht der Theorie nach auch nur, wenn die niedriger angesiedelten Bedürfnisse befriedigt sind.

Die Aufzählung der verschiedensten Bedürfnisse zeigt, dass Vernachlässigung nicht zwangsläufig nur ein Problem von Familien aus der Unterschicht ist. Die Vernachlässigung oder Versagung physiologischer Bedürfnisbefriedigung führt nach einer gewissen Zeit zum Tod. Die Befriedigung der höheren Bedürfnisebenen verträgt dagegen einen Aufschub, ohne die Existenz des Kindes zu gefährden.17Die Vernachlässigung höher gestellter Bedürfnisse betrifft vielmehr eine psychische Dimension. Für eine gesunde körperliche und seelische Entwicklung von Kindern sind also auch diese Bedürfnisse keinesfalls zu vernachlässigen. Eine Vernachlässigung dieser Bedürfnisse kann jedoch auch in jeder Familie der Mittelschicht und der Oberschicht stattfinden.

2 Bedürfnisse von Kindern aus bindungstheoretischer Sicht

2.1 Bindungstheorie

Bei der Erfassung von Vernachlässigungen wird besonders der vom englischen Kinderpsychiater John Bowlby aufgestellten Bindungstheorie eine sehr große Bedeutung beigemessen. Es wird angenommen, dass ausgehend vom Bindungsmuster und dem Verhalten des Kindes, Rückschlüsse auf seine Situation und eventuelle Vernachlässigungen zu ziehen sind.18Es deutet viel auf einen Zusammenhang zwischen verschiedenen Bindungsmustern und der Situation von Kleinkindern hin. Ein Säugling baut im Laufe des ersten Lebensjahres eine starke emotionale Bindung zu einer Hauptbezugsperson auf. Diese Bezugsperson sucht das Kind bei Gefahr oder Schmerz als Erstes auf. In den meisten Fällen ist diese wichtige Bezugsperson seine leibliche Mutter. Bis etwa zur Vollendung des dritten Lebensjahres braucht es diese Person stets in seiner erreichbaren Gegenwart.19Kleinkinder ab etwa einem Jahr zeigen bei innerer Belastung (Krankheit, Schmerz, Müdigkeit, Hunger) oder äußerer Bedrohung (Trennung, Unsicherheit, Reizüberflutung) Verhaltensweisen wie Suchen der Bindungsperson, Weinen, Rufen, Festklammern oder Nachfolgen.20Darüber versuchen sie Nähe zu ihrer wichtigen Bezugsperson herzustellen. Ist die Hauptbindungsperson für das Kind nicht erreichbar, können ersatzweise auch andere Bezugspersonen aufgesucht werden. Wenn eine enge Beziehung zum Kind aufgebaut ist, kann dies beispielsweise der Vater sein. Aber auch die Großeltern und Geschwisterkinder, beziehungsweise später ein Erzieher im Kindergarten sind mögliche Ersatzpersonen. Entsprechend hat das Weinen eines kranken Kindes zum Ziel, dass die Mutter in seiner Nähe bleibt. Das Anklammern am Hosenbein des Vaters unter fremden Menschen gibt Sicherheit.

Derartiges Verhalten nannte Bowlby Bindungsverhalten. Er ging davon aus, dass Bindungsverhalten angeboren ist. Dieses Verhalten bietet für das Kleinkind in gefährlichen Situationen Schutz durch vertraute Erwachsene und ist damit wichtig für sein Überleben. Dieses Bindungssystem entwickelt sich im ersten Lebensjahr. Es bleibt während des gesamten Lebens aktiv bestehen. Auch ältere Kinder und Erwachsene suchen in gefährlichen oder schwierigen Situationen die Nähe von Personen, von denen sie Schutz oder Hilfe und Unterstützung erwarten.

Zusätzlich zum Bindungsverhalten gibt es noch eine weitere Gruppe an kindlichen Verhaltensweisen. Sie kennzeichnen das neugierige Auskundschaften und Erkunden der Umgebung. Die selbstständige Entdeckung von Neuem und Unbekannten ist eine wichtige Voraussetzung für das Lernen und die Entwicklung des Kindes. Dieses Verhalten bezeichnete Bowlby als Explorationsverhalten. Es wird von den Kindern dann gezeigt, wenn sie sich sicher fühlen. Seine Verhaltensweisen treten abwechselnd mit dem Bindungsverhalten auf.

Nach dem Modell von Bowlby suchen Kinder immer dann die Nähe zur Mutter, zum Vater oder zu einer anderen wichtigen Bezugsperson, wenn sie unsicher sind oder sich unwohl fühlen. Wenn sie dagegen sicher sind und sich wohl fühlen, bewegen sie sich von der Bezugsperson weg und erkunden ihre unbekannte Umgebung. Die beiden Verhaltensweisen stehen also im ständigen Wechsel. Die erwachsene Bezugsperson wird als sichere Basis genutzt.21

2.2 Bindungsmuster

Heute unterscheidet man im Bindungsverhalten vier verschiedene Bindungsmuster. Man differenziert zwischen der sicheren Bindung und der unsicheren Bindung. Die unsichere Bindung tritt in den zwei Formen der unsicher-ambivalenten Bindung und der unsicher-vermeidenden Bindung auf. Des Weiteren unterscheidet man noch die desorganisierte Bindung. Sie wird auch als hoch unsichere Bindung beschrieben. Die Kanadierin Ainsworth untersuchte zusammen mit ihren Forscherkollegen die beschriebene Bindungstheorie von Bowlby. Sie beobachtete dazu das Bindungsverhalten von einjährigen Kindern mit ihren Müttern. Sie führte lange Feldbeobachtungen von Müttern und Kindern in natürlicher Umgebung durch. Danach entwickelte sie eine standardisierte Methode der Verhaltensbeobachtung, die „Fremde Situation“. Deren Untersuchungsanordnung gleicht einem Spielzimmer, wie es häufig in Beratungsstellen zu finden ist. Die einjährigen Kinder werden von der Mutter für kurze Zeit getrennt. Die unbekannte Umgebung des Spielzimmers stellt somit eine Belastung dar und soll das Bindungsverhalten auslösen. Bei Anwesenheit der Mutter dagegen sollen die Kinder sich sicher fühlen. Sie sollen in der Lage sein, die Umgebung zu er-kunden. Insgesamt fanden Ainsworth und ihre Kollegen drei unterschiedliche Gruppen von Kindern.

Bei einer Gruppe von Kindern zeigt sich genau das von Bowlbys Theorie vorhergesagte Wechselspiel zwischen Nähe suchen und Erkundung. Die Kinder nutzen ihre Mutter als sichere Ausgangsbasis. Dieses Bindungsmuster wird als sichere Bindung bezeichnet.

Bei den anderen Gruppen scheint jeweils entweder das Bindungsverhalten oder das Explorationsverhalten besonders ausgeprägt zu sein. Einige Kinder beschäftigen sich sehr stark mit der Erkundung ihrer Umgebung und den vorhandenen Spielsachen. Sie scheinen wenig unter der Trennung von der Mutter zu leiden. Beim Wiedersehen mit der Mutter suchen sie kaum Nähe und Kontakt zu ihr. Sie zeigen also kaum das Bindungsverhalten. Diese Kinder vermeiden den Körper- und Blickkontakt zur Mutter. Deshalb wird dieses Bindungsmuster als unsicher-vermeidend bezeichnet.

Im Gegensatz dazu gibt es Kinder, welche kaum Explorationsverhalten zeigen. Diese Kinder sind vor allem damit beschäftigt, die Nähe und den Kontakt zur Mutter aufrecht zu erhalten. Solche Kinder sind kaum in der Lage sich von der Mutter zu lösen. Es fällt ihnen schwer die Umgebung zu erkunden oder einfach frei zu spielen. Die Kinder leiden sehr stark unter einer Trennung von der Mutter. Sie suchen nach einer Trennung sofort wieder engen Kontakt zur Mutter. Gleichzeitig zeigen sie aber Wut und Ärger gegenüber ihrer Mutter, weil diese nicht zur Verfügung stand. Das Suchen der Nähe der Mutter und das teilweise Zeigen von Wut und Ärger gegenüber der Mutter sind gegensätzliche Verhaltensweisen. Das Bindungsmuster dieser Kinder wird als unsicher-ambivalent bezeichnet.

In weiteren Studien wurde neben den drei beschriebenen Gruppen noch eine vierte, zusätzliche Gruppe von Kindern entdeckt.22Sie kommt vor allem in Stichproben mit vielen psychosozialen Risikofaktoren vor. Diese Bindung ist typisch für Familien, in denen Vernachlässigung von Kindern vorkommt.

Die Beziehungserfahrungen von Kindern mit der hoch unsicheren Bindung unterscheiden sich deutlich von den anderen Beziehungsmustern. Kinder dieser vierten Gruppe haben kurze Momente, in denen sie weder Bindungsverhalten noch Explorationsverhalten zeigen. Sie wirken teilweise wie erstarrt, verstecken sich und führen begonnenes Verhalten nicht zu Ende. Oft zeigen sie auch gleichzeitig oder kurz hintereinander stark widersprüchliches Verhalten. Die Kinder weisen für kurze Zeit keine organisierte Verhaltensstrategie auf. Das Bindungsmuster dieser Gruppe wird deshalb als desorganisiert bezeichnet.

Vermutlich entsteht diese Verhaltensform dadurch, dass die erwachsene Bezugsperson bei den Kindern Angst auslöst. Die Bindungsperson reagiert teilweise, durch eigene unverarbeitete Traumata, geängstigt auf das Kind. Das Kind wird nicht durch die externe Situation, sondern durch die Bezugsperson selbst in einen Alarmzustand versetzt. Angst einflößendes oder ängstliches Verhalten der Bezugsperson bringt Kinder auf ihrer Suche nach Schutz in eine unlösbare Situation. Die Person, die das Kind schützen soll, ist selbst Quelle von Angst. Möglicherweise führt dies zu den beobachteten kurzen Momenten desorganisierten Verhaltens. Die betroffenen Kinder haben einfach keine Strategie mit dem elterlichen Verhalten umzugehen. Traumatische Erfahrungen wie eine Vernachlässigung können zur Bindungslosigkeit beziehungsweise Bindungsstörung führen. Sie werden einerseits als Reaktion auf, andererseits als Folge von, Vernachlässigung aufgefasst.24In vielen Studien wurde weltweit untersucht, wie häufig die einzelnen Bindungsgruppen bei Kleinkindern vorkommen. In einem Überblick über deutschsprachige Studien war die sichere Mutter-Kind-Bindung die häufigste Bindungskategorie. Etwa 45 Prozent der Kinder gelten als sicher gebunden. Bei 28 Prozent der Kinder liegt das unsicher-vermeidende Bindungsverhalten vor. Nur sieben Prozent der Kinder wurden als unsicher-ambivalent gebunden eingestuft. Etwa ein Drittel aller Kleinkinder entwickelt somit eine Form einer unsicheren Bindungsbeziehung. Bei der überwiegenden Mehrzahl der Studien liegt der Anteil der Kinder mit desorganisiertem Bindungsverhalten bei rund 20 Prozent.

2.3 Anforderungen an das Verhalten der Eltern

Eine entscheidende Bedeutung für die psychische Entwicklung des Kindes hat die Fähigkeit der Eltern zur Empathie für ihr Kind. Empathie oder Einfühlungsvermögen bedeutet, dass sie in der Lage sind, die wechselnden Bedürfnisse ihres Kindes wahrzunehmen. Die Bedürfnisse und das Erleben des Kindes können den eigenen Wünschen der Eltern auch völlig zuwiderlaufen. Zusätzlich muss den Eltern bewusst sein, dass ein Kind unter gewissen Aspekten des Elternverhaltens leiden kann. Diese selbstreflexive Funktion ist bei gesunden Eltern vorhanden. Sie ist Grundlage zur Ausprägung einer sicheren Bindung.26Vernachlässigte Kinder kennen dieses Erfüllen ihrer Bindungsbedürfnisse und eine sichere Basis nicht. „Sie sorgt dafür, dass Eltern dann Hilfe holen, wenn sie den Bedürfnissen ihres Kindes allein nicht gerecht werden können.“27

Ainsworth definierte mütterliche Feinfühligkeit mit den folgenden vier Merkmalen:●Der Wahrnehmung der Befindlichkeit des Säuglings, das heißt, die Mutter muss das Kind aufmerksam im Blick haben und darf keine zu hohe Wahrnehmungsschwelle haben.

●Der richtigen Interpretation der Äußerungen des Säuglings, und zwar aus der Lage des Kindes heraus und nicht nach ihren eigenen Bedürfnissen.●Einer unmittelbaren Reaktion darauf, damit das Kind eine Verbindung zwischen seinem Verhalten und einem Effekt der mütterlichen Handlung knüpfen kann. Dies vermittelt dem Kind ein Gefühl von Effektivität gegenüber seiner sonstigen Hilflosigkeit.

●Der Angemessenheit der mütterlichen Reaktion, die nicht mehr, aber auch nicht weniger beinhalten soll, als was vom Kind verlangt wurde. Diese sollte im Einklang mit seinen Entwicklungsprozessen stehen.

Ainsworth und ihre Kollegen stellten bei ihren Untersuchungen fest, dass sich nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Mütter unterschiedlich verhalten. Die Mütter der Kinder mit sicherer Bindung gehen einfühlsam und feinfühlig auf das Bindungsverhalten ihrer Kinder ein. Sie gewähren ihnen Nähe und Schutz, wenn die Kinder es brauchen. Gleichzeitig unterstützen sie entwicklungsangemessen ihre Kinder beim Erkunden der Umwelt.

Mütter von Kindern mit vermeidender Bindung wehren das Bedürfnis ihrer Kinder nach Nähe und Kontakt in neuen Situationen häufig ab. Sie geben selbst an, dass ihnen enger Körperkontakt eher unangenehm ist. Die Kinder scheinen sich dem Verhalten der Mutter anzupassen. Sie legen ihre Aufmerksamkeit vermehrt auf ihre Sachumwelt und weniger auf den Kontakt zur Mutter.

Die Mütter der Kinder mit ambivalenter Bindung reagieren unterschiedlich. Auf der einen Seite gehen sie feinfühlig auf die Bindungsbedürfnisse ihrer Kinder ein. In anderen Momenten weisen sie ihre Kinder zurück. Die Kinder können sich dementsprechend nie sicher über die Reaktion ihrer Mutter sein. Die Kinder richten demnach ihre vermehrte Aufmerksamkeit auf den Kontakt zur Mutter. Sie zeigen ein verstärktes Bindungsverhalten.

Je nach Verhalten der Mütter entwickeln Kinder also unterschiedliche Strategien. Sie passen ihr Bindungs- und Explorationsverhalten entsprechend der mütterlichen Reaktionen an.30Auch wenn die sichere und die unsicheren Bindungsbeziehungen unterschiedliche Auswirkungen auf die weitere sozial-emotionale Entwicklung des Kindes haben, so sind doch alle Strategien als Ausdruck einer normalen Verschiedenartigkeit von Bindungserfahrungen zu verstehen.31

Die hoch unsichere desorganisierte Bindung dagegen ist typisch für Risikofamilien, in denen Vernachlässigung stattfindet.32Vernachlässigte Kinder zeigen auch häufig in besonders intensiver Weise ein unsicheres Bindungsverhalten des vermeidenden Typs. In der Regel haben sie Eltern, welche in besonders geringem Maße auf sie reagieren und emotional sehr zurückgezogen sind.33

Auch Bindungsstörungen als „reaktive Bindungsstörung des Kleinkinalters“ oder „Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung“ können bei vernachlässigten Kindern auftreten. Mit der ersten Störung werden Kinder beschrieben, welche in ihrer Bindungsbereitschaft gegenüber fremden Personen sehr gehemmt sind und mit Ambivalenz und Furchtsamkeit reagieren. Kinder des zweiten Types weisen ein entgegengesetzes Verhalten auf. Ihre Kontaktbereitschaft gegenüber anderen Personen ist ungehemmt und distanzlos. Sie äußern Bindungsbedürfnisse nach Nähe und Trost unterschiedslos auch gegenüber vollkommen fremden Personen. Beide Störungen mit ihren Verhaltensweisen werden als Folge von extremer emotionaler und/oder körperlicher Vernachlässigung angesehen.

3. Einordnung und Definition von Kindesvernachlässigung

Wenn man von den vorangegangenen Kapiteln zu einer Definition von Vernachlässigung finden will, könnte man sagen, Vernachlässigung ist ein Nichtbeachten kindlicher Entwicklungs- und Bindungsbedürfnisse. Diese Aussage wird jedoch der Komplexität des Themas weder gerecht, noch kann man damit eindeutig arbeiten. Außerdem könnte ein derart weiter Vernachlässigungsbegriff zur Annahme führen, dass eigentlich alle Eltern ihre Kinder vernachlässigen. Alle Bedürfnisse von Kindern sind von keinen noch so pädagogisch erfahrenen Eltern umfassend und zum richtigen Zeitpunkt zu befriedigen.

Die Vernachlässigung von Kindern einzuordnen ist recht schwierig und uneindeutig. Bei der Beschäftigung mit der Problematik lässt sich feststellen, dass es auch in der Fachliteratur nicht die eine Definition gibt.

In sehr allgemeinen Ansätzen wird der Begriff „Gewalt gegen Kinder“ verwendet. Gewalt meint alle Formen von Handlungen, Einwirkungen, Akten und Unterlassungen, welche als negativ bewertet werden. In erster Linie wird unter Gewalt physische Gewalt verstanden. Als Gewalt wird solches Verhalten bezeichnet, bei dem schädigende Reize auf einen Organismus einwirken. Bei Gewalt geht es darum, dass Anderen etwas gegen ihre Bedürfnisse, gegen ihren Willen geschieht. Von Gewalthandlungen geht man allgemein aus, wenn sozial mächtigere Personen gegen schwächere Personen handeln. Es existiert also oft der Oberbegriff Gewalt gegenüber dem Kind um dieses Themenfeld zu charakterisieren.

Ein Grund für die Vernachlässigung des Begriffes Vernachlässigung ist, dass Kindesvernachlässigung in der Kinderschutzliteratur oftmals mit unter dem Begriff der Kindesmisshandlung erfasst wird.36 Dadurch fehlt ein eigenständiger Problemzugang. Weiter erschwert wird die Begriffsbestimmung durch ein generelles Forschungs- und Informationsdefizit. Vernachlässigung hat weder in der öffentlichen noch in der fachlichen Diskussion so viel Aufmerksamkeit wie Kindesmisshandlung und sexueller Missbrauch. Es gibt bisher nur sehr wenig deutschsprachige Literatur zu diesem Themengebiet. Insgesamt ist das Phänomen einer Vernachlässigung relativ „unsichtbar“. Vernachlässigung vollzieht sich nicht laut und spektakulär, sondern eher still.

Bindungsmuster

27. März 2013

Dissertation

zur Erlangung des akademischen Grades doctor medicinae
(Dr. med.)
vorgelegt dem Rat der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
von Annegret Martin geb. am 18. 11. 1978 in Saalfeld
 

Nur Auszüge davon:

3. Theoretischer Hintergrund

3.1 Die Bindungstheorie

3.1.2 Das Bindungssystem

Das Bindungssystem ist nach Bowlby ein dem Menschen angeborenes Verhaltenssystem, das aus dem Druck der Evolution entstand. Es hat die Aufgabe, das menschliche Kind vor Gefahren zu schützen und so die Erhaltung der Art zu sichern. Da das Kind noch nicht imstande ist, Gefahren wahrzunehmen oder sich aus bedrohlichen Situationen in Sicherheit zu bringen, benötigt es die Hilfe einer erwachsenen Person. Um sich diese sichern zu können, verfügt es über Verhaltensweisen, wie weinen, rufen oder krabbeln, die die Aufmerksamkeit der Bezugsperson auf sich lenken. Auf der Seite der Eltern existiert, so Bowlby, das dazu komplementäre Verhaltenssystem der Fürsorge, das die ebenso überlebenssichernde Funktion besitzt, dem Kind Schutz und Sicherheit zu gewähren. Das Bindungssystem wird immer dann aktiviert, wenn das Kind Unwohlsein, z.B. Schmerz, Trennung von der Bezugsperson oder Bedrohliches in der Umgebung erfährt und dann wieder beruhigt, wenn die Nähe zur Bezugsperson wieder hergestellt, und das Bedürfnis nach Sicherheit befriedigt ist (Cassidy 1999, Schmücker und Buchheim 2002). Aus der allgemeinen Kontrolltheorie entlehnte Bowlby den Gedanken, dass das Bindungssystem, ähnlich den physiologischen Steuerungssystemen, die für die Einhaltung von Sollwerten des Organismus innerhalb bestimmter Grenzen sorgen, eine zentralnervöse Steuerungseinheit besitzt, die über Aktivierung und Deaktivierung von Bindungsverhalten, die Nähe der Bezugsperson sichert.
Ainsworth (1967) beschreibt drei weitere Verhaltenssysteme, mit denen das Bindungssystem in einem dynamischen Gleichgewicht steht. Das Erkundungssystem und das soziale Verhaltenssystem, die beide konträr zu ihm wirken, indem sie nur dann aktiviert werden, wenn es beruhigt ist, und das Furchtsystem, das die Aktivierung des Bindungssystems hervorruft und ihm somit gleichgerichtet ist.
In diesem Zusammenhang ist auch die Funktion der Mutter als „sichere Basis“ zu sehen. Solange das Kind sich wohl fühlt, wird es seine Umwelt erkunden oder sich mit Spielen vergnügen. Das Erkundungssystem ist aktiv, da Sicherheit gegeben ist. Tritt jedoch ein Stressfaktor hinzu, beispielsweise ein Sturz, ein lautes Geräusch, Hunger oder eine zu große Entfernung von der Mutter, wird das Bindungssystem aktiviert. Die dadurch hervorgerufene Hilfe und der Trost der Bezugsperson stellen die emotionale Sicherheit des Kindes wieder her, das dann, im Vertrauen auf Unterstützung in eventuell wiederkehrenden Bedrohungen, alle Aufmerksamkeit und Energie wieder dem Spiel zuwenden kann.

3.1.3 Die fremde Situation und die Bedeutung der mütterlichen Feinfühligkeit

Um das Zusammenspiel von Erkundungs–, Angst– und Bindungsverhaltenssystem zu untersuchen, entwickelte Ainsworth in den 60er Jahren die „Fremde Situation“, Minidrama mit acht dreiminütigen Abschnitten, in denen das Kind in seiner Exploration in Anwesenheit der Mutter, nach Hinzukommen einer fremden Person, bei Verlassen des Raumes durch die Mutter, nach Wiedereintreten der Mutter, ohne eine weitere Person im Raum, allein mit der Fremden und schließlich wieder mit der Mutter beobachtet wird . Diese Versuchssituation erlangte große Bedeutung, da sie unter gut kontrollierbaren Bedingungen und in relativ einfach durchzuführender Weise Informationen über die Bindungssicherheit des Kindes im Alter von einem Jahr geben kann (Holmes 1996, Grossmann 2000a). Es stellte sich nämlich heraus, dass sich das Verhalten der Kinder, vor allem in den Wiedervereinigungsabschnitten, erheblich unterschied. Ainsworth konnte drei unterschiedliche Muster ausfindig machen: sicher gebundene Kinder, die bei Trennung von der Mutter offen ihren Kummer ausdrückten und sich bei ihrer Wiederkehr freuten und von ihr beruhigen ließen; unsicher ambivalent gebundene, die nach der Trennung von der Mutter untröstlich waren, sich jedoch bei ihrem Wiedereintritt durch aggressiv–ärgerliches Verhalten gegenüber der Mutter auszeichneten, während sie gleichzeitig ihre Nähe suchten; und unsicher vermeidend gebundene Kinder, die den Weggang der Mutter kaum beachteten, und auch ihrer Wiederkehr nur sehr wenig Aufmerksamkeit widmeten. Das Verhalten letzterer sah man zunächst als besonders reif an, jedoch zeigte sich in Cortisolmessungen, dass ihr innerer Stress am höchsten war. Aus den Beobachtungen derselben Mutter–Kind–Dyaden in häuslicher Umgebung während der 12 Monate seit der Geburt ging hervor, dass ein Zusammenhang zwischen dem Verhalten der Mutter, besonders deren Feinfühligkeit, Akzeptanz, Kooperation und Verfügbarkeit, und des Vorliegens einer sicheren Bindung in der Fremden Situation mit einem Jahr bestand. Von diesen Eigenschaften zeigte die mütterliche Fürsorglichkeit die höchste Vorhersagekraft. Sie ist durch Wahrnehmen der kindlichen Bedürfnisse, deren richtige Interpretation, und eine prompte sowie angemessenen Reaktion gekennzeichnet . Nicht immer zeigte sich dieser Zusammenhang in späteren Studien so stark wie Ainsworth ihn beobachtet hatte, bestätigte sich jedoch im Großen und Ganzen. Weiterentwicklungen des Konstrukts der mütterlichen Feinfühligkeit finden sich bei Stern (1996), der sie abwandelte in eine sogenannte „Einstimmung“ (Stern 1996) der Mutter auf das Kind, sowie bei Meins , die die Fähigkeit der Mutter, den inneren Zustand ihres Kindes differenziert zuberichten, als wesentlichen Faktor für die Entwicklung einer sicheren Bindung des Kindes erachtete. In die gleiche Richtung deuten Studien von Egeland und Farber (1984). Aber auch für andere mütterliche Verhaltensaspekte wurde ein Einfluss auf die kindliche Bindungssicherheit nachgewiesen. Wie Izard et al. (1991) berichteten, sind in diesem Sinn häufigere positive Emotionen der Mutter, in Verbindung mit einer größeren Offenheit
gegenüber dem Kind bei eigenen negativen Emotionen, prädikiv für eine sichere Bindung, während Simo et al. (2000) feststellten, dass stark kontrollierende Mütter eher unsichere Kinder haben.

3.1.4 Bindungsmuster

Um die Nähe der Mutter beziehungsweise ihre emotionale und physische Verfügbarkeit und Hilfsbereitschaft möglichst effektiv zu sichern, benötigt das Kind Informationen über das wahrscheinliche Verhalten der Mutter, über die eigenen Bedürfnisse und die Interaktion beider. Durch Erfahrungen mit den Eltern bildet es bis etwa zum 18. Monat aus diesen Informationen relativ stabile Repräsentanzen der Beziehungen zu ihnen aus, die sein Verhalten ihnen gegenüber bestimmen (Bowlby 1995, Holmes 2002).
Sicher gebundene Kinder können aufgrund ihrer Erfahrungen auf die Verfügbarkeit ihrer Eltern vertrauen, falls sie deren Hilfe benötigen, während unsicher gebundene Kinder befürchten müssen, dass ihnen die Bezugsperson in einer Notsituation nicht zur Verfügung steht. Unsicher–vermeidend gebundene haben gelernt, ihre Schutzbedürfnisse zu verbergen, da deren offene Äußerung im Allgemeinen Zurückweisung durch die Mutter zur Folge hatte. Unsicher–ambivalent gebundene zeigen ihren Kummer und Ärger in bindungsrelevanten Situationen besonders intensiv, um der Unterstützung durch die Bezugsperson, die sie als unstet in ihrer Verfügbarkeit erfahren haben, sicher zu sein (Weinfield et al. 1999). 1985 wurde von Mary Main noch ein viertes Bindungsmuster entdeckt, das sich in der Fremden Situation in Erstarrung, stupiden Bewegungswiederholungen oder Furcht vor der Bezugsperson bei deren Wiederkehr ausdrückte. Dieses so genannte desorganisierte Bindungsmuster unterscheidet sich von den zuvor beschriebenen darin, dass das Kind keine konsistente Verhaltensstrategie entwickeln konnte. Es bietet Züge aller drei organisierten Bindungsmuster und zeigt starkes Konfliktverhalten. Oft lagen Missbrauch oder Erfahrungen zugrunde, die das Kind das Elternteil als potentielle Gefahr betrachten lassen mussten.

3.1.5 Interne Arbeitsmodelle von Bindung

Bowlby zufolge liegen den Bindungsmustern interne Arbeitsmodelle zugrunde. Es sind Vorstellungen von der Bezugsperson, den Bedürfnissen der eigenen Person und der Interaktion zwischen beiden, die schon sehr früh in der Kindheit aus den Erfahrungen mit der Bezugsperson heraus konstruiert werden. Sie dienen vor allem dazu, die Realität vorwegnehmen zu können und so das Bindungsverhalten optimal anzupassen. Sie durchlaufen während der Entwicklung des Kindes eine fortwährende Differenzierung. Bis zum Alter von zwei Monaten sind sie primitiv, das Kind richtet sein Bindungsverhalten an beliebige Personen. Mit sechs Monaten hat das Kind jedoch schon klare Präferenzen bezüglich einer oder mehrerer Bindungspersonen, bei denen es Nähe und Sicherheit sucht. Diese auf die eigenen Bedürfnisse konzentrierte Phase nennt Bowlby „zielorientiert“ im Gegensatz zu der, durch die Sprache und Perspektivenübernahme möglichen, „zielkorrigierten“ etwa ab dem dritten Lebensjahr. Das Kind kann nun auch die Wünsche und Absichten der anderen Person in seine eigenen Ziele integrieren. Während bis dahin die bindungsrelevanten Erfahrungen nur als Gefühle repräsentiert werden, nehmen nun auch kognitive und sprachliche Aspekte Einzug in die internen Arbeitsmodelle. Diese subjektiven Konstrukte stehen prinzipiell der Anpassung durch neue Erfahrungen offen, jedoch sind sie unbewusst und beeinflussen nicht nur das Handeln, sondern auch neue Wahrnehmungen werden im Lichte der vorhergehenden Erlebnisse interpretiert. Die Adaption ist hierbei bei sicherer Bindung erleichtert, während unsichere Repräsentanzen zu Rigidität neigen. Aufgrund ihres Vertrauens auf die Responsivität ihrer Bezugspersonen fällt es sicher gebundenen Kindern leichter, negative Erfahrungen zu integrieren. Die Eltern unsicher gebundener Kinder erschweren dies durch Verhaltensweisen wie z.B.: diese so behandeln, dass die Ereignisse für das Kind zu schlimm sind, als dass es sich damit bewusst auseinander setzen könnte; reagieren auf Handlungen des Kindes in einer Art und Weise, die es sich schuldig fühlen lässt oder vermitteln, dass es bestimmte negative Realitäten, die die Eltern selbst nicht wahrhaben wollen, nicht wissen soll. So kann es dazu kommen, dass mehrere interne Arbeitsmodelle von Bindung nebeneinander entstehen, ein bewusstes, in dem nur die Informationen enthalten sind, die zu haben dem Kind durch die Eltern erlaubt wird und ein unbewusstes, das die wirklichen Wahrnehmungen enthält. Dies zeigt sich besonders bei Erwachsenen mit unsicher–vermeidendem Bindungsstil, die ein sehr positives Bild ihrer Eltern schildern, bei konkreten Ereignissen mit ihnen aber vor allem zurückweisendes Verhalten erinnern. Bowlby unterscheidet außerdem alte und neue Modelle von Bindung. Erstere enthalten vor allem die präsymbolischen Erfahrungen der frühen Kindheit, während letztere sich auf die Zeit danach beziehen, in der die Integration von neuen Erfahrungen durch die Fähigkeit zu Gesprächen und Nachdenken über die eigenen Gedanken leichter fällt. Werden die frühen Erlebnisse in dieser Zeit nicht integriert, existieren alte und neue Repräsentanzen von Bindung nebeneinander, wobei die Alten in belastenden Situationen und gefühlsintensiven Beziehungen an Einfluss gewinnen.Neuere Vorstellungen über interne Arbeitsmodelle gehen davon aus, dass nicht Erinnerungen gespeichert werden und sich im neuen Kontext auf Verhalten auswirken, sondern dass ein Potential vorhanden ist, die früheren Erfahrungen durch die Eindrücke einer neuen Situation wieder abzurufen und zu „reklassifizieren“. So sind diese ständige Neukonstruktionen aus gegenwärtigen Wahrnehmungen und alten Kategorisierungen.

3.1.6 Der Einfluss früher Bindungsqualität auf die Entwicklung

Während der letzten 20 Jahre wurden zu diesem Thema vielfältige Studien unternommen, in denen der Zusammenhang zwischen Bindungsqualität und verschiedensten späteren Fähigkeiten und Eigenschaften der Kinder, wie soziale Kompetenz, Qualität der Beziehungen mit Gleichaltrigen, und Selbstbild untersucht wurde. Die gemischten Ergebnisse zeigen, dass man nicht von einer einfachen geradlinigen Beziehung zwischen Bindungsqualität und weiterer Entwicklung ausgehen kann. Thompson (1999) betont die Unterscheidung der untersuchten Eigenschaften nach theoretisch erwarteter Enge des Zusammenhanges. Die engste Beziehung sollte zwischen der frühen Bindungsqualität und der Eltern–Kind–Beziehung in der späteren Kindheit bestehen. Diese zeigt sich nur über kurze Zeiträume. Auf längere Sicht sind die Ergebnisse nicht so eindeutig, was auf Veränderungen in der familiären Situation und andere Risikofaktoren zurückgeführt werden kann. Ein etwas lockererer Zusammenhang sollte zur Kompetenz in anderen engen Beziehungen bestehen. Wiederum über kurze Zeiträume können sicher gebundenen Kindern höhere soziale Kompetenz, engere Freundschaften, besseres Konfliktlösen, weniger aggressives und kontrollierendes Verhalten bestätigt werden. Studien, die Zusammenhänge über längere Zeiträume maßen, zeigten uneindeutige Ergebnisse. Gemäß der Annahme, dass Kinder ihre Erfahrungen mit den Eltern auch auf fremde Personen übertragen, wurde bestätigt, dass Kinder sich tatsächlich Fremden gegenüber ähnlich ihres in der Fremden Situation eruierten Verhaltensmusters ihren Eltern gegenüber verhielten. Noch weniger eng mit der Bindungsqualität in Beziehung zu sehen sind Persönlichkeitseigenschaften. In der Minneapolis–Längsschnittstudie (Sroufe 1983) wurden größere Empathie, höherer Selbstwert, Kooperativität und positives Verhalten bei den mit einem Jahr als sicher gebundenen nachgewiesen, jedoch konnten diese Ergebnisse noch nicht repliziert werden. Zusammenhänge zu vielen anderen Persönlichkeitscharakteristika z. B. zu späteren Verhaltens-problemen, wurden nur in einer Studie oder nicht konsistent nachgewiesen wobei wieder Risikofaktoren eine Rolle spielten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Ergebnisse vorläufige Hinweise darstellen, die durch klarere theoretische Hypothesen, welchen Einfluss die Bindungsqualität auf die weitere Entwicklung des Kindes hat, und vor allem auch, in welchen Bereichen man keinen Zusammenhang erwartet, in Zukunft zu überprüfen und zu erweitern sind .

Trigger und Flash

1. Februar 2013

Fundstück

Die Zerstörung des sozialen Misstrauens ist umfassend gegen die Umwelt gerichtet.

Traumatisierte Menschen entwickeln besonders feine Antennen für unbewusste und nonverbale Kommunikation,
sie haben keine “normalen” Beziehungen und schwanken zwischen intensiver Zuneigung und verängstigtem Rückzug.

Mitmenschen werden bestimmte Rollen zugewiesen und ihr Verhalten beobachtet.

“Da kaum jemand die ständigen, strengen Prüfungen des Vertrauens bestehen kann, zieht sich das Opfer im Lauf der Zeit mehr und mehr aus allen Beziehungen zurück.”

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Beschreibung der uns allzeit bekannten Flashbacks!

Für Laien unvorstellbar! Strandkrabbe hat bessere Worte dafür, als ich es je formulieren könnte! Also drucke ich ihren Text ab!

Strandkrabbe schreibt auf ihrem Blog:   „gefühlte Erinnerungen“    Posted: 22. April 2013

Ein Blick. Eine Bewegung. Ein Zucken im Gesicht. Ein bestimmter Geruch. Ein Wort. Ein Tonfall. Ein Gedanke. Ein Geschmack. Eine Körperempfindung. Ein ganz alltäglicher Moment……………………
Plötzlich geht der Alarm im Innern los. Es gibt eine leichte Erschütterung. Nur ein Vorbeben. Alle rennen, wollen sich in Sicherheit bringen bevor alles erschüttert und zerstört wird. Der Anteil der gerade im Außen ist, erstarrt vor Angst. Was wird gleich geschehen? Wie ein wildes Tier in Gefangenschaft peitscht im Innern die Angst. Füße wollen laufen so schnell sie können. Hände wollen vor noch mehr Worten, Tönen, Erschrecken schützen. Nichts kann es stoppen. Panisches Aufspringen, loslaufen wollen. Vor der Tür stoppen. Beine wollen laufen, doch sind sie wie gelähmt. Auf den Ohren nur noch ein lautes Rauschen. Der Kopf dröhnt. Und dann zerfällt alles in dichten Nebel.
Die Barriere ist durchbrochen. Schutzlos, haltlos, mutterseelenallein ist sie da. Die kleine, zarte, zerbrechliche Kinderseele. Sie ist ganz ruhig. Hat sich klein gemacht. In eine schützende Ecke gedrückt. In der Hoffnung zu überleben. Vielleicht würde man sie nicht sehen. Vielleicht würde man nicht bemerken, dass sie noch da ist. Sie ist ganz ruhig geworden. Sie hört ein Rauschen als wäre sie direkt am Meer. Oh wie schön es wäre, sie könnte die Hände ausstrecken und die Freiheit des Meeres fühlen. Sie ist allein. Oder doch nicht. Plötzlich ein Geräusch. Ein Klacken. Sie kommen. Sie werden sie sehen. Sie werden sie mitschleifen. Sie hat keine Chance. In ihrer Phantasie taucht sie ein ins Meer. Bis sie nichts mehr fühlt.
Watte im Kopf. Eine weiße Wand. Kein Boden zu fühlen. Schweben im luftleeren Raum. Und dann plötzlich etwas kaltes am Arm. Augen füllen sich mit Tränen. Suchend wird nach dem Kalten getastet. Wir sind im luftleeren Raum zwischen hier und da. Das Kalte, es ist der Schlüssel, der Reiz, der mich rausbringen kann. Wenigstens raus aus diesem Schweben. Doch was erwartet mich da, wenn ich hier raus bin? Tränen über Tränen brechen herein. Abgrundtiefe Traurigkeit, panische Angst. Noch immer sollte ich nur Laufen, weg von hier. Doch die Energie hat sich in Nichts aufgelöst. Die Beine sind schwer wie Blei.
Ich bleibe in einem Chaos aus Gefühlen von Gestern und Heute. Unsortiert. Nicht zu unterscheiden. Nicht wissend, was ist real und was Erinnerung. Keine Bilder denen die Gefühle zuzuordnen sind. Nur Angst, panische Angst. Und der Körper erscheint nur noch als Hülle. Im Kopf tanzen Gedanken wirr durcheinander, bilden sich nur noch Worte ohne Zusammenhang.
Eine Bombe ist explodiert. Es gab einen gewaltigen Knall, ein schweres Beben. Zurück bleibt ein unsortierbares Gefühlschaos.

Was ist geschehen? Wir haben einen Fehler gemacht. Wir haben um Hilfe gerufen und die Helfer hilf-und ratlos gemacht. Wir wollten gerettet werden und haben doch um Verständnis und Loslassen gebettelt. Wir haben Not, Schmerz und Angst bei denen ausgelöst, die uns am wichtigsten sind. Und Fehler werden doch immer bestraft. Oder nicht? Und anderen Schmerz zufügen, das dürfen wir doch nicht. Das ist doch verboten.
Wie konnten wir es nur wagen, unsere Not so sehr zu zeigen. Was ist nur geschehen, dass wir geglaubt haben, es wäre heute richtig, nach einer helfenden Hand zu suchen, als alles stockdunkel um uns wurde. Jetzt wird es wieder dunkel…………………………
Wir hätten doch vielleicht nie mehr Nähe zulassen dürfen. Niemandem mehr vertrauen dürfen. Nicht mehr um Hilfe bitten sollen. Jetzt tut es nur noch entsetzlich weh.

Hallo Ihr,
es ist so ein schlimmes Gefühl, so sehr in sich selbst zu versinken und gefangen zu sein in der Angst. Da haben wir großes Mitgefühl und Verständnis.
Und wir kennen auch das Erschrecken, wenn man merkt und sieht, dass Helfer überfordert sind, oder sich hilflos fühlen. Vor allem dann, wenn man zuvor viel von ihnen Angebotenes “genommen” hat, weil man es brauchte. Wenn die Helfer sich danach belastet zeigen, ist das für unsereins ein schweres, ängstliches Gefühl. Für uns ist wichtig, innerlich etwas auseinander zu halten: WIR zeigen uns mit unserer Not und eigenen Hilflosigkeit gegenüber bestimmten Zuständen oder Gefühlen. Die gefühlte oder gezeigte Hilflosigkeit der Helfer ist DEREN Erleben, kommt aus DEREN “Ich” und hat nur bedingt etwas mit uns zu tun! Wir machen die Helfer nicht hilflos! Wir lösen mit unserem Sein vielleicht etwas bei ihnen aus- aber die Verantwortung für den Umgang damit tragen sie selbst. Wenn sie in ihrer Hilf-und Ratlosigkeit feststecken, müssen sie selbst schauen, wie sie damit weiterarbeiten können- und nicht wir müssen uns darum kümmern, dass sie sich nicht mehr so fühlen. Versteht Ihr?
Dass Ihr Euch auf jemanden eingelassen habt und die ausgestreckte, helfende Hand ergriffen habt, war mutig und stark. Dass Ihr einem anderen Menschen begegnet und ihn in Euer Herz lasst zeigt, dass Ihr Euch Berührung und Begegnung auch wünscht. Daran ist nichts falsch!

nahe menschliche kontakte sind am meisten gebraucht und am meisten gefürchtet…. sie können so heilsam sein und sie können so sehr weh tun… ein mensch kann so gut tun und auch so verletzen… eine grenze kann sicherheit geben und ausschließen oder abweisen…
alles gehört wohl dazu, wenn man sich auf das leben und auf menschen einlässt.

Liebe Grüße, die paulines

Hallo Ihr,
Eure Worte sind so absolut wahr und wertvoll. Es war so wichtig, zu lesen, dass WIR nicht die Hilflosigkeit bei den Helfern machen, und dass WIR auch nicht für sie sorgen müssen. Wisst Ihr, uns passiert das schnell, dass wir denken, dass wir was falsch gemacht haben und jetzt alles zerstört ist. Es sind alte Geschichten in die wir da reinrutschen. Und dann kriegen wir das Heute und das Gestern nicht voneinander getrennt. Es war gaaaanz schwer und anstrengend, aber wir haben heute vieles verstanden und ganz langsam weicht die Angst wieder zurück und macht dem Vertrauen Platz. Nur am inneren Zittern ist noch zu erkennen, dass es noch nicht wieder richtig gut ist. Liebe Grüße von uns

Marie (Teil 2)

1. Januar 2013

18.10.12

Eine Situation heute in der Tagesklinik hat mich an meinen jahrzehntelang immer wiederkehrenden Albtraum erinnert, aus dem ich stets weinend oder schreiend erwachte:

Die Lampe über mir, an der Decke hängend, wird größer und größer, bewegt sich auf mich zu.   Ich habe das Gefühl erdrückt zu werden   …    als wenn ein Daumen mit hin und her drehenden Bewegungen, eine Eintagsfliege zerquetschen würde. In mit tobt die Hölle, ich ersticke.

Vor einigen Jahren konnte ich für mich diese Lampe identifizieren.
Es war die Eltern- Schlafzimmer-Deckenlampe in unserer ersten Magdeburger Wohnung (0-6 Jahre).
Dann findet sich in meinen Gefühlen der Zusammenhang zu dem BILD, das mich verfolgt:

Wie ich, höchstens 3 jährig auf dem Ehebett der Eltern mit angezogenen Beinen sitze, warten muss (grauenvoll dieses WAAAAAARTEN) und die Angst sich bis ins Unermessliche steigert, weil ich weiß, dass dann die “Wucht” kommt, das nicht Aushaltbare, aus dem mich niemand retten wird.
Das Schlimme für mich ist, dass ich auch heute wieder in diese “Situation” rutschte mit all den Scheißgefühlen.
Und ich kann nichts dagegen tun…..seit Jahren….außer: mit riesiger Kraftanstrengung aus mir selbst verschwinden, mich zur toten Hülle machen.
Das Entsetzen bleibt…..die Lauer-Stellung auch…..aber ich muss nichts mehr von außen wahrnehmen. Bin nun so kraftlos, als hätte ich 12 Stunden Dauerlauf hinter mir.

27.11.12

Mariechen (2 bis 3 Jahre) hat mir heute ihre Unterleibsschmerzen gegeben.

Hä? Fragt ihr euch?

Nun, für mich ist es eine kleine Sensation.

Zum Einem erst Mal, weil ich in diesen Schmerzen nicht dissoziierte.
Ich blieb, hatte die Schmerzen und fühlte das Entsetzen eines Erwachsenen. Entsetzen darüber, wie es möglich sein kann, dass das kleine Wesen so etwas ausgehalten hat. (das ist die Sache: auf dem Bett sitzen und in Angst warten) Der erste Weg dann war zur Toilette, weil unten rum alles nass war.

Sensation Nummer 2: Das „Bild“ (so nenne ich Erinnerungen, die ich selbst nicht glauben will) wird immer vollständiger.
Waren da Jahre nur das visuelle Bild und die körperlichen Angstreaktionen, die die Kleine vor dem „Geschehen“ erlebt hat, scheint mein Gehirn nun nach und nach immer mehr frei zu geben. Heute also der Schmerz während oder danach, keine Ahnung.
Ehrlich gesagt, wünsche ich mir, endlich auch zu sehen, wer in dieses Zimmer kommt und Marie das antut.

Möchte notieren, wie es also heute dazu kam, dass Mariechen mir etwas mehr mitteilte.

Es gibt Entspannungsübungen, die man machen kann um sich selbst etwas runter zu fahren, um sich im stressigen Alltag gedanklich auszuklinken und sich in seiner Fantasie an einen Ort zu begeben, der einem ein Wohlgefühl verschafft. Ihr kennt das alle ähnlich: Im totalen Stress wünscht man sich z.B. an einen menschenleeren Strand. Wer dieses Wünschen aber bewusster macht, sich dafür ein paar Minuten Zeit nimmt, erfährt an seinem Körper ein Wonnegefühl, sammelt Kraft und kann sich wieder auf die Arbeit stürzen.

Zurück zu mir.
Da ich in mir so Einige bin (13 sind wir), gehen wir natürlich stets zusammen an diesen Ort.

Heute waren wir in einem wundervoll schneebedecktem Gebirgswald.
An meiner Brust steckte in einem Tragetuch Sofie, warm verpackt in meinem Anorak, auf dem Rücken war mein Wonneproppen Annegret. Ich hatte also beide Hände frei für Marie.
Außerdem war neu, dass Rebell, Schlitzauge und die 2 Jungen heute nicht Wache schieben mussten. Sie haben mitgetobt, weil Elfen zum Schutz da waren, die uns mit dem Gummischlauchschlitten dorthin gebracht hatten.
Ich sag euch, es war so ausgelassen das Toben, herrlich.
Mariechens Wangen glühten regelrecht unter ihrer dicken Mütze, und ein Strahlen war in ihren Augen, denn sie hatte meine volle Aufmerksamkeit. (Die anderen Kleinen tobten ohne meine Hilfe.)
Und bumms, gab Marie mir die Schmerzen….einfach so, weil wir uns nah waren, sie Vertrauen hatte.

Leute, guckt jetzt nicht blöde, aber man muss wissen,

dass sich Marie mir damals als ein völlig verschlossenes, ja abweisendes Wesen zeigte, tieftraurig mit abgestumpften Augen.

Sie wollte nicht von uns berührt werden, drückte sich nur in den Ecken rum, vermied jeden Kontakt. Mit den Jahren erst und mit meinem eigenen Bemühen um sie, fasste sie nach und nach immer mehr Vertrauen.
Parallel dazu übergab sie mir immer mehr ihren tiefen seelischen Schmerz.

Mittlerweile weiß ich, dass die inneren Kinder den Schutz, den Trost und den Halt von der erwachsenen Kathrin brauchen um mir ihre erlebte Geschichte anvertrauen zu können. Und das ist ein erlebter jahrelanger Prozess.
Na ja, stellt euch doch mal vor wie schwer es ist, eine innere Akzeptanz dafür zu finden, dass da noch jemand ist, in einem drin!
Und dann noch der eigene Lernvorgang, dass man nur selbst und kein anderer Mensch dieser Erde dieses kleine Wesen trösten kann, annehmen und ganz besonders auch ernst nehmen, denn irgendwie ist dieses verletzte Seelchen ja schließlich ICH. Auch dafür habe ich Jahre gebraucht, schmerzliche!

Fakt ist also folgendes Zusammenspiel und für diese logische Höchstleistung kann man das menschliche Gehirn nur loben:

Je ausgeglichener, kräftiger und realistischer ich, die Große (weiß eh nicht, wer das nun genau ist…aber egal) gerade im Leben stehe, umso mehr kann ich verkraften, logisch.
Und deshalb entscheidet das Gehirn:

„Los, raus mit dem nächsten Puzzleteil, sie schafft das schon!“

Es schließt sich der Kreis mit der Tatsache, dass ich fähig bin auszuhalten und gleichzeitig Trost zu spenden. Irre und gleichzeitig toll, oder?

Und heute war so ein Tag, an dem ich ziemlich erwachsen war, also „empfangsbereit“ für den nächsten Hammer!
Ich bin ziemlich stolz, dass ich wirklich im Heute geblieben bin.
Hab Mariechen in den Arm genommen und sehr lange gehalten. Glaubt mir, ich habe ihre Erleichterung gespürt.
Auch die anderen von uns waren sofort bei Marie und trösteten mit. Ich kann euch sagen, dass ich immer mehr innere Erleichterung spüre, je mehr wir alle zusammenhalten.

Es hat mich zwar schockiert, dass diese jahrelange “Ahnung” vom sexuellen Missbrauch so nun als Fakt wahrscheinlicher wird (Echt mal, wer will denn so eine Scheiße über sich glauben? NIEMAND!), aber…was raus muss, muss eben mal raus. Punkt und fertig.

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