Posts Tagged ‘Ohnmacht’

Kampf einer Löwin

28. Mai 2017

Du wachst auf, da ist kein Kind bei dir? Wieso hast du geschlafen? Wo ist das Baby?
Grauenvoll stelle ich mir das Szenario vor, wenn du zu einer natürlichen Geburt angetreten bist…..plötzlich wie aus dem Nichts aufwachst, und nicht weißt was passiert ist.
Von anderen musst du erfahren, dass man dir und dem Kind das Leben retten musste, dich dafür Hals über Kopf in Narkose setzen musste, wovon du gar nichts mehr mitbekommen hast.
Du öffnest die Augen und erlebst das Schlimmste, was einer Mutter passieren kann: Was ist los? Wo ist mein Kind?
Dass dies ein schweres Trauma ist, will eine frisch gebackene Mama nicht wahrhaben. Sie tut alles in ihrer Macht stehende, um bei ihrem Kind zu sein. Der Instinkt funktioniert, die Seele wird ausgeblendet.
Später, wieder zuhause, willst du alles für dein Kind sein, kämpfst wie eine Löwin darum, dass alles so funktioniert, wie man es bei einer frisch gebackenen Mutter erwartet….glaubst du! Aber niemand erwartet etwas, niemand!
Nach so einem lebensbedrohlichen Zustand kann niemand etwas erwarten.
Jeder dich umgebene Mensch ist froh, dass ihr beide überlebt habt, mehr erst einmal nicht!
Aber du willst funktionieren, willst in das Schema passen, was andere vorgeben. Also verheimlichst du jedem, wie es in dir aussieht. Alle Kontakte nach außen vermeidest du, niemand darf merken, wie unsagbar schwer der Anfang ist für euch. Menschen, die dich lieben, die dir beistehen wollen, stößt du weg, schmeißt mit Verletzungen um dich, damit du dir auch ja sicher bist, dass sie wegbleiben. Du lügst sie an, was deinen Zustand betrifft.
Es macht hilflos, nichts tun zu können. Es tut weh, das eigene Kind in so einer Situation zu wissen, aber ihm nicht beistehen zu dürfen.
Das Kind, das niemals schwach wirken möchte, das niemals so sein wollte wie die eigene Mutter…traurig, verzweifelt.
Was du aber vergisst: Du wirst geliebt und nicht bewertet!!

Advertisements

Was Zuwendung im Säuglingsalter bedeutet

12. Mai 2017

 

Beziehung leben können?

28. April 2017

Ohne Dich gibts kein Ich!?????

25. April 2017

19.4. und 25.4.17

Wieder so eine Nacht, in der ich keinen Schlaf finde, die Gedanken um alles kreisen. Und dann weinen die Kleinen, sie brauchen Trost und überschütten mich mit ihrem Fühlen.
Warum verliere ich Menschen? Oder warum kann ich nicht auf neue Menschen zugehen?
Verlieren.
Ich glaube zu oft, zu viel an das Gute in einem Menschen. Scheine nicht bei jedem Menschen das Bauchgefühl zu haben, das mir meist den richtigen Weg zeigt. Wie verliere ich Freundschaften? Ich kann jahrelang (leider) Verletzungen schlucken. Aber irgendwann tut die Summe so weh, dass in mir drin eine Mauer hochfährt, die mein Fühlen völlig abschneiden will. Kann von heute auf morgen einen Strich ziehen, d.h. einen Menschen aus meinem Leben werfen. Scheine eiskalt zu sein, bin ich aber nicht. Irgend jemand von uns trifft die Entscheidung uns zu schützen, macht diesen Cut. Dieser Jemand fühlt nichts, rein gar nichts. Er regelt nur, organisiert. Ich selbst leide wie ein Hund darunter, oft Jahre danach noch.
OHNE DICH GIBTS KEIN ICH! ??????
Was ist das Ich?
Es ist die, die Lyrik und Prosa schreibt, es ist die, die malt, eine andere fotografiert, eine liebt den Sport, eine andere die Geselligkeit…..u.u.u!
Aber all die existieren nur, wenn wir in einem sozialen Kontakt eingebunden sind.
Bricht der weg, fallen wir in einen luftleeren Raum ohne Freude und ohne Lebenslust. Ist das typisch Depression? Wir werden wie starr, können kaum die Wohnung verlassen. Keiner von uns geht einem Hobby nach, keiner. Da ist nur ein Sitzen, ein Sitzen, Stunden vergehen lassen einfach so. Ein Raum, indem es kein ICH gibt. Da gibt es nur dieses tiefe schwarze Loch, um uns, in uns, als wären wir das Schwarze selbst. Und mit jedem Tag der vergeht, steigen wir immer tiefer in das NICHTS.
Und besonders in solchen zermürbenden Zeiten klammern wir uns an das Lächeln, das uns 2012 begegnet ist, das bis in unseren Kern vordrang. Und so sehr dieses Lächeln auch Mut macht…die Sehnsucht, ihm mal wieder in ECHT zu begegnen, ist so gigantisch groß! Drei Jahre sind vergangen seid der letzten Begegnung. Das Vermissen tut weh. Ich kann mir nicht erklären, warum ich diesen Menschen so sehr brauche. Die Liebende Erwachsene von uns….könnte sie so eine Ausdauer haben im Lieben ohne jegliches Liebes-Echo über Jahre hinweg? Ich habe keine Ahnung. Wohl darum will ich immer glauben, dass es die ganz Kleinen von uns sind, die nicht loslassen wollen.

Ist genau dieses absolut treue Festhalten an einer Person krankhaft??
Oder kann Liebe einen Menschen tatsächlich über viele Jahre hinweg an einen einzigen Menschen binden, obwohl man mit diesem niemals eine Beziehung hatte, mit dem man über die Zeit zwar Kontakt hatte, der aber nicht mal annähernd an freundschaftlich heranreichen würde?
Oder hat diese unbedingte Fühlen damit was zu tun, dass in der Summe über 40 Meinwesen das Engelchen lieben? Ist es möglich, dass sich aller Fühlen auf einen riesigen Stapel packt und somit an Mächtigkeit summiert?
Oder ist dieser Gedanke (basierend auf innere Wahrnehmung) nur eine Ausrede für ein „krankhaftes Lieben“??????
Antworten werde ich wohl niemals finden.
Darum frage ich in die Welt des Internets hinein:

Gibt es da draußen jemand, der Antworten hat? Vielleicht sogar jemand vom Fach „Gehirn“????

Regression ins Kind

25. Februar 2017

24.2.17

Je mehr ich mich aus den Depressionen herauskämpfen will, meinen Kalender vollstopfe mit Terminen im „Außen“, mich mit Menschen unterschiedlichster Art treffe, umso stärker entsteht ein innerer Rückzug.
Der absolute Widerspruch in sich.
Das nächtliche Grübeln verstärkt sich, innere Unruhe und Angespanntheit steigern sich aufs Höchstmaß.
Wie ist das zu begründen?
Schon der kleinste Lufthauch im Raum reicht aus, dass ich wegrutsche, zum misshandelten, gequälten Kind werde, und dass ich dann wie ein extrem misstrauisches, vorsichtiges Kind alles hinterfrage. Überall sehe ich Ablehnung, auch wenn sie nicht vorhanden ist, auch wenn mir zugesichert wird, dass man sehr gern mit mir zusammen ist. Dies geschiet bei Leuten, die ich schon etwas kenne. Bei völlig Fremden passiert es die ersten Begegnungen noch nicht. Hier erkenne ich, dass die Verletzlichkeit dann eintritt, wenn mir Menschen ans Herz wachsen. Im gleichen Moment rattert die alte Leier los: Mauern hoch fahren, argwöhnisch sein, auf einen „Angriff“ gefasst sein.
Wenn mir dieses große Gefühlspaket über den Kopf wächst, weil ich extrem unruhig werde, fange ich wieder an mich einzuigeln.
Ich lebe erst 2 Jahre in dieser Stadt, also wurde es ja mal Zeit, dass ich mir einen neuen Freundeskreis aufbaue. Die Kraft dazu intensiv habe ich seit rund 4 Monaten. Suche Kontakte zu Künstlern jeglicher Art, gehe zu Lesungen, Ausstellungen und anderen Events. Ich lese selbst, bringe mich in einem Verein ein, treffe mich in regelmäßigen Abständen mit Gleichgesinnten.
Jetzt müsste eigentlich ein Aufschwung zu erkennen sein.
Aber das Gegenteil passiert.
Trigger über Trigger purzeln mir vor die Füße. Trigger, die ich glaubte längst überwunden zu haben. Ein schräger Blick, eine unbedachte Bemerkung, eine Umarmung (was ich hasse, wenn ich sie selbst nicht will), ungewollte Berührungen im Bus bei Drängeleien…..da kommt wieder so viel Ekel auf, Unsicherheit, Wut. Man will es nicht glauben, aber jemanden von uns rutscht dann immer wieder „Wixer“ aus dem Mund; zwar im Selbstgespräch, aber von mir bemerkt.
Im Kontakt mit netten Bekannten erspüre ich die Ablehnung von einer Frau im Raum, was mir normalerweise auch egal ist. Aber ich halte dieses Fühlen dazu nicht aus. Es füllt den ganzen Raum, nimmt mir die Luft. Will am Liebsten wegbleiben.
Oder: Ich bin beim Zahnarzt, traue mich die letzte teure Zahnreinigung zu bemängeln, da redet man ewig auf mich ein, als wäre ich ein Baby. Gefühlstechnisch rutsche ich ins Kind, dass Angst vor Strafe hat. Dennoch bestehe ich auf die kassenäztliche Zahnsteinbehandlung, die ja nichts kostet. Das Ergebnis? An zwei Zähnen wird die teure Behandlung gemacht, um mir den Unterschied zu demonstrieren, an den anderen wird die Billigvariante durchgeführt. Und auf mein Klagen, dass ich jetzt scharfe Kanten an den Zähnen fühle…..glaubt jetzt bloß nicht, dass sie beseitigt wurden….nein. Mir wird gesagt: „Sehen sie, so ist das Ergebnis der Behandlung ohne Zuzahlung!“ Und dann noch: „Hier haben sie einen Termin in 3 Wochen, wenn sie mit der Billigvariante nicht zufrieden sind, machen wir dann die Zuzahlunspflichtige.“
Ich verlasse die Praxis völlig verunsichert, fühle mich hintergangen, verarscht und benutzt. 30 Jahre lang hatte ich in meiner alten Heimat einen Zahnarzt, mit dem ich 190% ig zufrieden war. Bei ihm habe ich die teure Behandlung gern durchführen lassen, weil das Ergebnis immer klasse war. Und nun stellt man mich hin, als hätte ich keine Ahnung?????? Leute, ihr glaubt ja gar nicht, wie wütend mich das macht. Das Schlimme daran aber ist, dass ich in solchen Momenten dermaßen wegrutsche, dass ich keine innere Kraft habe, deutlich zu artikulieren was mich bewegt. Ich werde zum Kind, das die Schnauze zu halten hat, dass sich abducken muss, damit es vielleicht der Strafe entkommt.
Die letzte Nacht war meine Zunge nur damit beschäftigt, sich an den scharfen Kanten wund zu reiben. Ihr kennt das sicher – dass man wie blöde auf eine störende Stelle fokussiert ist.
Warum fing ich an diesen Artikel zu schreiben?
Ich stolpere zwischen Wut, Verzweiflung und Kampfgeist hin und her.
Sehe ich genauer auf alles, dann erkenne ich die Regressionen. Damit steigt die Verzweiflung über mein Unvermögen, meine Defizite zu händeln, die Personenwechsel zu verhindern.
Was soll das? Ich habe Kraft zum „Aufstehen“, gebe alles, und werde aber die inneren Dämonen nicht los.
Muss echt aufpassen, nicht wieder völlig im Morast zu versinken.

Hast du?

1. Februar 2017

Vorsicht triggert: Mord als Gewaltfolge!

Kurzgeschichte von mir! Urheberrechtlich geschützt.
(Der Versuch eines sogenannten Subtextes.)

1.2.17

Sie stellt die schweren Einkaufstaschen ab, stemmt die Hand in den Rücken und stöhnt. Er kommt in die Küche gestürmt: „Und? Hast du’s ihm gesagt?“
Sie lässt ihre rechte Schulter kreisen: „Hm!“
„Was hm?“
„Hm ist hm, mir tut alles weh.“ Dabei versucht sie eine Tasche auf den Tisch zu hieven.
„Was’n nun? Hast du?“ fragt er.
Sie lässt es bei dem Versuch, richtet sich auf, schaut ihn kurz an und verlässt die Küche.
Er sieht auf die offene Küchentür, dann auf sein Bierglas in der Hand. Nach dem zweiten Blick zur Tür trinkt er in einem Zug das Bier aus, wischt sich mit dem Jackenärmel über den Mund. Dann strafft er seinen Körper und stapft in Richtung Wohnzimmer.
Sie liegt erschöpft im Sessel und starrt an die Decke.
Von der Tür kommt: „Ich will jetzt wissen, ob du’s ihm gesagt hast!“
„Mach es doch selbst!“
Kaum das letzte Wort ausgesprochen landet der erste Faustschlag auf ihrem linken Auge. Dann kniet er über ihr.
Zwischen seinen Schlägen bemerkt er erst einen sonderbaren Blick von ihr, dann einen heftigen Schmerz in der Brust.
„Mach es doch selbst!“ sagt sie, rollt ihn von sich runter und verlässt die Wohnung.

Fibromyalgie……., aha, soso.

16. Januar 2017

12.01.17
Hm, soso, also ich weiß nicht…..????? Das mit den Füßen wird nicht besser. Andere Köperteile sind ebenfalls ununterbrochen „aktiv“, was ich aber seit Jahrzehnten kenne und einfach wegdrücke. Schmerzen??? Quatsch!!! Hab dich nicht so!! Ständige Schmerzen in der Kindheit durch Prügelexsesse des Stiefvaters…..gelernt zu ertragen! Gehört zum Leben – gelernte Tatsache! Wahrnehmung der Schmerzen seitdem vorhanden, aber Bewertung gekappt… so isses eben, ob bei Stürzen, Unfällen, notwendigem Nähen der Haut (puh, wozu Narkose, mir machen Schmerzen nichts) Mit der Gabe von Antidepressiva vor 13 Jahren haben sich die Schmerzen etwas reduziert. Heute weiß ich warum – Schmerzschwelle und so…!
Aaaaaaber……irgendwie kommt vieles geballt wieder.
……laufen will der Mensch, sich fortbewegen, einfach so!!!!!!!!!!!!
Ich träume vom Spazierengehen mal 10 Minuten ohne irgendeinen Schmerz. Ich hasse das Problem mit den Füßen.
Arztbesuche hasse ich wie die Pest, vermeide ich schon immer weitestgehend. Wartezimmer – der Horror! Vorsorgeuntersuchungen usw. erst recht nicht.
Aber aufrecht gehen möchte ich können, wenigstens das!
Man ahnt, was in Steigerung im Alltagsleben alles so überhaupt nicht geht. Habe es so satt – zwei einhalb Jahre nicht normal, nicht schmerzfrei die Füße auf den Boden setzen. Da hört das Wegdrücken-Können auf! Ich kann einfach nicht mehr. Wollte raus aus den Depressionen, bin deshalb umgezogen, wollte neu anfangen. Nun zwingen mich aber die Scheißfüße zu Arztbesuchen und Physiotherapien….wie ich das hasse!
Nach Millionen Untersuchungen,selbst Szintigrafie, Bluttest usw., steht die Diagnose Fibromyalgie neben der, der alt bekannten Fersensporne + Achillessehnen- entzündungen. Ungewöhnlich dennoch, dass so einige Entzündungsherde im Körper gefunden wurden, was typischerweise bei dieser Diagnose Fibromyalgie sonst nicht der Fall ist.
Fibromyalgie…. Hm, soso… erinnere mich… schon in der Kindheit – heute noch – kann ich nicht schmerzlos auf der Seite liegen, was bedeutet: Seit 50 Jahren wälze ich mich beim Einschlafen hin und her vor Schmerz, bis die Erschöpfung Schlaf bringt. Rückenlage ging noch nie. Es wetteifern nachts Schmerzen und Gedankenkarrussel! Mal abgesehen von vielen anderen jahrelangen Schmerzen, die ich einfach negieren wollte.
Traumata/Gewalt/Schmerzgedächtnis…. Fibromyalgie…,hm. ??????

Habe mich kundig gelesen, aber… ist die Disso – Ident. nicht schon an sich eine körperliche Manifestierung der Traumata, weil – fällt ja unter Somatisierungsstörungen???? Wäre das nicht eine doppelte, und somit Zuviel-Diagnose?
Bin ratlos.

Hallo Leute, ihr da draußen, kennt sich jemand damit aus?

Nicht multiple? Mir gehts gut!

14. Dezember 2016

14.12.16        aus dem Tagebuch

Heute hat die Schwedin Geburtstag! Die Frau, die seit meinem 15. Geburtstag meine Anlaufstelle war und ist, meine Vertraute, so etwas wie eine Ersatzmutter. Nun ist sie 76 Jahre alt, und immer noch stehen wir im engen Kontakt, nur leider seit rund 4 Jahren nur noch telefonisch, da sie nach Schweden gezogen ist. Beim heutigen Telefonat erwähnte sie, dass ich diejenige war und bin, die einzige, mit der sie über wirklich alles reden kann. In diesem Moment fiel eine unsagbare Schuld von mir ab. Schuld – das Gefühl dafür, dass ich sie all die Jahre immer wieder mit meinen Problemen belastet hatte. Dass es aber ein Nehmen und Geben war, …das habe ich so noch nie gesehen. Ja, und darum tat mir das Gespräch heute mit ihr unsagbar gut.
Im gleichen Atemzug wurde ich böse auf meine schmerzenden Füße, die seit über zwei Jahren jeglichen Urlaub verhindert haben. Dabei steht die Einladung nach Schweden schon so lange an. :-(( Und ich möchte meine Schwedin einfach noch einmal richtig fest in den Arm nehmen, richtig fest und lange.

Leute, mir geht es zur Zeit gut wie lange nicht.
Liegt es daran, dass ich mich frei gemacht habe von Bevormundung, und dieser Akt mich ins Erwachsenen-Dasein befördert hat? Keine Ahnung.
Belebt mich die Schwangerschaft meiner Tochter?
Ist die innere Ruhe eingetreten, weil ich endlich keine zwei Termine täglich zu bewältigen habe? (Das war Extremstress für mich.)
Ich kann endlich wieder basteln, werkeln und malen, mir sitzt keine Zeit im Nacken!
Fühle ich Selbstbestätigung, weil ich wieder einmal meinem Bauch vertraut hatte, und sich die Sache bestätigt hat … dass eine sogenannte Freundin überhaubt keine Freundin ist, sondern eine Egoistin. So hört die von mir gewählte Abgrenzung langsam auf, weh zu tun. Langsam, aber stetig. Ich konnte ihr ein NEIN ins Gesicht sagen, freundlich, aber bestimmt! (stolz auf mich) Umso mehr freut mich, dass eine andere Schulfreundin gerne mit mir Zeit verbringt.
Mir geht gerade durch den Kopf, dass ich so enorm hellhörig, vorsichtig, empfindlich und misstrauisch bin, weil mich die Kindheit so gemacht hat. Aber diese Eigenschaften machen auch einsam. Das merke ich immer wieder. Oft wünschte ich mir, einfach oberflächlich ohne Ansprüche durch die Welt maschieren zu können. Damit ließe es sich bestimmt unbeschwerter leben im Umgang mit den Menschen.

Warum ich heute schreiben wollte: Diagnose Multiple

Ich weiß nicht, ob es anderen Betroffenen auch so geht!?
In der jetzigen guten, mit Ruhe ausgefüllten Phase glaube ich an eine Fehldiagnose. Mich nerven keine Stimmen im Kopf, ich rutsche nur in positive kindliche Gefühle, ich habe keine Paniken, keine Alpträume, die Motorik funktioniert.
Geblieben sind nur Einschlafprobleme und die mit der Zeit.
Zeit: – kein Gefühl für Minuten oder Stunden, – krasse Vergesslichkeit, – kaum eine Erinnerung der letzten Tage, Wochen, Monate lässt sich zeitlich zuordnen (ohne Kalender mit Notizen hätte ich keine Erinnerungsmöglichkeiten)

Also, nur zwei Probleme, die jeder dritte Mensch der Erde auch hat!
Ich bin wie jeder andere! 🙂

Meine Meinung zur Therapie

3. Dezember 2016

Brief an die nun Ex-Psychologin

27.10.16
Sehr geehrte Frau …..

am 17.10. war die letzte Therapiestunde (von der REHA nach Hause gehetzt…Stress…nur 40 Minuten Zeit zum Frischmachen nach dem Sport, und Umziehen…keine Zeit zum Essen -in Reha gibt es keine Mahlzeiten -……losgehetzt zum Therapietermin.)
Fazit bei Ihnen: 16:30 Termin, aber 18:10 beginnt unser Gespräch! Glauben Sie mir, das will niemand erleben.
PS: Woher wollen Sie eigentlich wissen, ob der Mensch nicht noch vor 18 Uhr in ein Brotgeschäft möchte o.Ä. ?????????
Einen Tag später bin ich nervlich zusammengebrochen. Ich fasse zusammen, was alles passierte im Innen, summiert aus den letzten Wochen. Die Erkenntnis entsetzt:
Ich war wochenlang nur im Kind, sonst hätte ich mich eher gewehrt zu vielen Dingen.
Nun muss ich endlich anfangen, Selbstfürsorge zu betreiben.
Darum Folgendes:
Thema WARTEN!
Ich hatte über diesen Extremtrigger berichtet, sogar noch einmal nach dem Klinikaufenthalt. In den Unterlagen, die Sie von mir haben, sind außerdem Texte dazu.
Zusätzlich habe ich davon berichtet, was die Themen ZEIT, Termindruck, Stress bei mir auslösen. Wie sehr ich Zeit gar nicht einordnen kann, weil sie mir „rausfällt“, dass ohne etliche Kalender gar nichts gehen könnte – was mich dennoch völlig konfus macht, Druck erzeugt.
So setze ich mich tw. dem Zeitstress aus, um pünktlich bei Ihnen zu sein, aber Sie…………………….

Was ich heute dazu denke?
Ihnen ist es völlig Wurst!

Nur zwei Mal kam ich zur Terminzeit in das Zimmer….musste mich dort aber – wie immer – dem Warten aussetzen 15-20 Minuten. Sonst ist die Wartezeit (Flur plus Zimmer) im Durchschnitt 50 Minuten. Benötigen Sie hinterher noch etwas aus dem Büro, verschwinden Sie darin erst einmal 10-20 Minuten, ehe was passiert, und lassen mich wie ne Blöde davor warten.
Mal abgesehen davon, dass ich getriggert werde auf höchster Stufe, unterstelle ich Ihnen mittlerweile Absicht, weil ich der Meinung bin, dass ein gebildeter Mensch wie Sie weiß, dass so etwas extrem unhöflich ist. Ich unterstelle Absicht, es zu genießen, jemanden schmoren zu lassen.
Und bevor Sie jetzt Einwände bringen wollen zu Ihrer eigenen Selbstfürsorge/Abschalten…..erst einmal sind Sie verantwortlich für das Wohlergehen der Kunden, oder? Und glauben Sie mir auch, kein Mensch will sich erst 20 Minuten in Ihrem Gesprächszimmer „einrichten“, keiner! Es dient nur Ihnen!
Fakt ist:
Sie gehen mit meiner Lebenszeit um, wie Sie wollen, ohne Rücksicht darauf, dass ich ja noch andere Pläne hätte für die Zeit nach dem Therapiegespräch. In diesem Punkt fühle ich keinerlei Respekt gegenüber mir als Person.

Unter welchen Umständen könnte ich die Therapie fortsetzen? Ich spare mir die Mühe, weitere Ursachen zu benennen.

°Ein Termin ist für mich (und 99,9% der Bevölkerung) bindend. Aus Höflichkeit würde ich zukünftig bis zu 30 Minuten Wartezeit in Kauf nehmen. Aber nur als Summe von -im Flur u. im Zimmer.
Sollten Sie 35 Minuten vor unserem gemeinsamen Termin bemerken, dass Sie die Zeit nicht einhalten können, dann bäte ich um eine SMS z.B. „Bitte kommen Sie 40 Minuten später.“ Hierbei lieber übertreiben, falls doch noch irgendetwas länger dauert. Das wäre doch machbar, oder?
Ich denke mal, die ist ein ganz menschlicher, normaler Wunsch.

°Ich würde mir nicht mehr vorschreiben lassen:

(ich benutze dieses Wort „vorschreiben“, weil Sie sehr fordernd sind.)

– dass ich ein Glas hinstelle, selbst ohne Durst (wenn Sie es für sich wichtig finden, dann machen Sie es)
– wann ich mir Tränen abwischen soll (ich bin höflich, und putze mir den Rotz weg. aber ob ich mir stundenlang im Gesicht rumwischen will, entscheide ich. wenn Sie Tränen nicht aushalten, also ich weiß nicht……!)
– welche Formulierungen ich benutze……..denn:

Wie ich empfinde – ob ICH oder WIR – ist meine Sache.
Wenn Sie mir ein WIR verbieten, dann verbieten Sie mir mein ureigenstes Identitätsempfinden. Wenn ein Kind aus mir heraus spricht, dann traut es sich etwas, nämlich Outing vor Ihnen. Anstatt dies zu würdigen, zwingen Sie mich, dieses Kind wegzudrücken, und eine Ältere von uns reden zu lassen.

Wissen Sie, was ich glaube?
Theoretisch ist Ihnen klar, was mit einem Gehirn so passiert in seiner Entwicklung. (Bisher gaben Sie mir wirklich gute Tipps im Umgang mit den Kleinen.)
Aber in der Praxis ist es für Sie Hokuspokus/Blödsinn. Sie sagen: „Das sind ja alles auch Sie.“ Ja, in der Praxis des Körperlichen…da sitzt nun mal nur 1 Frau, und die ist auch noch alt.
Aber Ihre Bemerkungen zu meinen Formulierungen zeigen eindeutig, dass ich so wie ich bin und bei Ihnen Hilfe ersuche…., dass ich SO nicht willkommen bin.
Sie drücken mir etwas auf, was ich nicht bin.

Die misshandelten Anteile, die Ihnen von sich berichten könnten, sind nicht willkommen.
Im Gegenteil, es sind ja eigentlich nur…“alles Ich“……….!
Um andere Menschen nicht zu erschrecken, habe ich mir mit den Jahren angewöhnt von Anteilen zu sprechen. Denn dies kann ein Normalo verstehen, irgendwie. Dass es sich aber in Wahrheit um eigenständige Meinwesen handelt, dass ließe sich kaum erklären. Meine öffentliche Wortwahl drückt also nicht die Wahrheit aus.
Ich hatte von Ihnen erwartet, dass Ihnen dies klar ist.
Jetzt kristallisiert sich aber raus, dass Sie nicht alle von uns willkommen heißen.
Sicher würden und werden Sie jetzt therapeutische Erklärungen dazu abgeben wollen, Ziele usw.
Kann ja alles schön und gut sein.
ABER:
Sollten Sie mich nicht erst einmal respektieren, wie ich es glaube zu sein?
Ist das nicht die wichtigste Voraussetzung, um eine Vertrauensbasis herstellen zu können?

Willkommen sein mit allem Drum und Dran?

Nein, bin ich nicht!!! (Puh, strengt an, die ICH-Form einzuhalten. Alle gehen auf Widerstand. Jeder Einzelne fordert selbst von mir seinen Respekt ein.)
Sie ahnen vielleicht, was in den Therapiestunden abgegangen ist an Misstrauen, Enttäuschung, Verzweiflung, Retraumatisierung. Ich habe alle jedesmal neu hingeschleift, anstatt auf meinen Bauch zu hören, die innere Not.

Wahrscheinlich brauchte ich den Zusammenbruch am 18.10., um endlich nach Innen zu horchen, um endlich zu erkennen, was wir wirklich brauchen!

Die Akzeptanz, den Respekt!

Wir könnten die Therapie bei Ihnen nur weiter machen, wenn alle von uns willkommen sind!
Und wenn uns nichts mehr vorgeschrieben wird.

Weiter entwickeln und verändern kann sich unser Gesamtsystem nur mit Verständnis und Geduld, in unserem ureigensten Tempo, ohne Zwang. Es geht nur, wenn alle von uns einverstanden sind.

Momentan denke ich, dass Sie eben sind wie Sie sind. Ist ja okay. Nur eben nicht passend für mich. Ich muss darauf achten, was mir gut tut, ich brauche Respekt.
Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Gerade habe ich keine Lust mehr auf Therapie.

Unterschreiben tut hier jeder
im Sinne seiner Bekräftigung!
Ich mach es im Sinne aller.

PS: (2 Tage später)
Ich mache keine weitere Therapie!

Ist es die richtige Therapeutin?

23. Oktober 2016

Irgendetwas stimmt nicht, wenn ich nach einer Therapiestunde, kaum Zuhause, zusammenbreche. Mir ist an der Therapeutin aufgefallen:
Immer sitze ich trotz Termin noch eine Stunde im Wartezimmer….so viel zum Thema, dass WARTEN einer meiner größten Trigger ist.
In wirklich jeder Stunde beschwert sie sich über mein Verhalten.
„Winken sie nicht ab, ich wollte auch was dazu sagen!…Die Kleinen sollen sich hier raushalten, sich nicht äußern. Das übernehmen sie als Erwachsene! …Sie denken nach, anstatt mir zu sagen, was genau in der Sekunde durch ihren Kopf geht, oder was in ihrem Körper passiert! So geht das nicht!“ ….usw.
Sie wirkt oft beleidigt, tw. wütend.

In meine Sprache übersetzt: Ich bin nicht so, wie sie mich haben will.

Halleluja! Das Schlimmste aber: Auch wenn sie mir das Gefühl vermittelt, sie verstehe die Zersplitterung in mehrere Anteile…aber mit den Anteilen zu arbeiten lehnt sie ab! Sie meint immer: „Die anderen, das sind ja in Wirklichkeit sie!“ Daraus höre ich, dass eine wirkliche Akzeptanz der Anteile nicht da ist. Ja wie soll denn Therapie gehen? Ich sitze da, und versuche alles zu kontrollieren, um der Thera gerecht zu werden. Schätze, dies ist genau der falsche Weg. Da baut sich Druck und Anspannung auf, und Vertrauen entsteht gar nicht erst. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Alles dazu habe ich ihr schon gesagt, aber….nichts ändert sich. 21 Stunden sind nun um. Mit ihr einen Neuantrag stellen? Was sagt ihr?

Kann ich endlich die Geburtsfrau hassen?

19. Oktober 2016

19.10.16

Ich weiß nicht……Minuten oder Stunden auf den Fliesen im Bad liegend – über dem Waschbecken hängend…weinend…zu viel in den letzen Wochen … überhaupt……aber Morgen hat die Alte, die Geburtsfrau, ihren Geburtststag….. ich weiß nicht, was und warum in mir abgeht…es tut weh…. lähmt, schreit aus dem Innen…..immer wieder kaltes Wasser als Skill…. hilft nicht….wieder und wieder kaltes Wasser…ein Versuch, erwachsen mich zu regulieren……….zeitweise Ertrinkungsgefühle, ersticken….aber am Ende ….. will unter den Boden…..kein Aushalten….es soll aufhören so weh zu tun…..ein Lichtblitz: letztes Jahr hat Engelchens Geburtstag den 20. völlig vergessen lassen- Gott sei Dank…aber heute … dünnhäutig … wurde erinnert an das Datum….ich hasse es…….und was hochkommt:
Wie konnte ein kleines Kind die ganzen Dinge mit der Geburtsfrau aushalten????????

! …….es waren Stunden auf den Fliesen…. mir ist kalt ……irre kalt……nach langer Taubheit steigt Erinnerung auf…..der 9. Oktober ist das entscheidene Datum und Punkt!!!!…..ratsch….meine Tochter braucht Unterstützung….. der Schmerz reguliert sich ein auf einen normalen Schmerz, indem wir wegschieben, ausblenden, wie es uns geht……hundert Jahre lang geübt: Nicht um uns geht es…verstehe ich auch nicht….da ist ein Außen, dass mich zwingt…irgendwie.

Nachdenken über eine Therapiestunde

30. August 2016

Ich beschreibe der Therapeutin eine kürzlich erlebte Situation, zu der mein logischer Gedanke erwachsen und angemessen war, mein Fühlen aber völlig unangemessen; wie ich diese Diskrepanz wahrnehme, aber nichts ändern kann. Ich erkläre den entstehenden, schon länger bekannten Kreislauf: Verzeiflung darüber – entstehende Wut über meine Unfähigkeit nach so vielen Therapiejahren – Selbsthass.

,Ob ich denn überhaupt Therapie machen wolle, klingt mit meinen Ausführungen nämlich nicht danach.‘ Ojeeee, alle hören mit, Chaos entsteht. Es braucht fast 20 Minuten, bis wir verstanden haben, worum es der Thera eigentlich geht.

Eine Zusammenfassung für mich wäre die:

Gerade das Auseinanderklaffen von Denken und Fühlen macht meine Störung aus. Wut auf mich zu haben, wäre gleichzusetzen Wut auf die Innenkinder. Ich missachte, bestrafe sie, anstatt sie in ihrem Fühlen anzuerkennen, ihnen Trost zu geben. Ich retraumatisiere sie eigentlich.
Mein Weg sollte sein: Anerkennung (endlich mal wirklich) der Diagnose und damit der Therapienotwendigkeit, daraus erst könne erwachsen, keine Wut zu entwickeln, keinen Selbsthass. Mit mir selbst liebevoller, verständnisvoller umgehen; und endlich mal anfangen, wirklich alles auszusprechen, was in meinem Kopf rumgeht…..und das für mich schlimmste: der Thera ruhig zeigen, was an Fühlen in mir abgeht……….ojeeeee…..
Genau das kann ich noch immer nicht richtig. Bin die meiste Zeit der Stunde am Unterdrücken – bloß nichts zeigen – viel zu peinlich, was da aus alten Zeiten jammert….
Seht ihr…schon das Wort JAMMERN drückt Missachtung aus,
….und obwohl ich meist weine
(also nicht weinen an sich, sondern da laufen einfach die Tränen ohne Pause, ich verziehe das Gesicht nicht, kann das Laufen kaum beeinflussen),
unterdrücke ich das wirkliche Fühlen, das Gesamte. Noch immer habe ich Angst vor der Wucht, die aus mir rausbrechen könnte, eine unkontrollierbare Wucht an Gefühlen, aufgestaut, angesammelt in den Jahren. Die Wucht, die sich in Ansätzen schon im EMDR gezeigt hat, wo ich schrie und weinte und schrie, nichts mehr um mich herum mitkriegte. Darum wehre ich mich gegen so ein Fühlen, weil es kaum auszuhalten ist.
Für heute genug, kann nicht mehr.

PS: Ich bemerke, dass ich oft beim Schreiben mich distanziert, oder kalt ausdrücke in abgehackten Sätzen, scheinbar emotionslos draufsehend. Es verwundert mich immer öfter, weil….das bin ich nicht….so bin ich nicht.

Meine neuesten Gedichte zum Schmerz

26. August 2016

Ich denke, diese Texte von mir kennt ihr noch nicht! Also raus damit. Schätze mal, dass da mehrere Meinwesen am Werk waren, unterschiedliche Alter.

(bitte nicht das Urheberrecht vergessen)

Könnt ruhig eure Meinung sagen.

Ein Klumpen Masse/Die Flucht

In alle Richtungen
reißen Körper
Fetzen für Fetzen
von sich ab

Wie alte Mäntel
liegen sie verstreut
vom Hautbrand
abgeworfen
auf dem Track
ins Ungewisse

Müdgeschleppte Füße
wundblutende Knie
leergefegte Augen
trockenrissene Münder
Schreie lautlos
in die Weite

Wir sind viele
in einem Klumpen Masse
wächst die Entfernung
zur Heimkehr

.

Fragment

Schmerz
reißt in mir
alles voneinander
Nichts bleibt
was zusammen gehört
Auf meinen Pfaden
findest du nur
Bruchstücke
Am Ende
ein Fragment
mit dem
Abgrund
in den Augen

.
Kinder

kleine kinder
große kinder
macht euch raus
ihr Alten
aus dem haus
das wir verwalten
kleine welt
heile welt
wenn kein Großer
dazugezählt
.
Valerie

Aus meinen Augen
kam dein Schmerz
Aus meinen Worten
sogst du Hoffnung
In meinem Herzen
fandst du Nähe

Zu tief
Zu nah
Zu schmerzvoll
Hast meine Angst
zu deiner gemacht
und das Seil
gekappt
zwischen uns
das Ende
.

Schatten der Nacht

Vor jedem Morgen
liegt die Nacht
unbarmherziger Augen

Schatten
kehren zurück
um ihre Schritte
einzusammeln
auf eingebrannter Haut

Auf frischem Schorf
zerfällt der Atem
in Stücke
aus Stein
Die trage ich
durch den Tag
.

Progressive Navigation

Kein erklärtes Dasein
Kein gefühltes Willkommensein
Keine Hand bei den
ersten Schritten
Kein Lehrmeister auf Wegen
Ein halbes Jahrhundert
mit selbst programmierter
Navigation
die immer wieder
abstürzt
Ich lande auf
Irrwegen
im Nichts
.
Stille

Stille – ist hörbar
Stille – lärmt, tobt, schreit, weint
Stille – Implosion der Ohnmacht
Stille – die Innenwändigkeit zerbricht
in tausend Einzelteile
.
Das Herz am lebendigen Leib herausreißen

Eine Zeile von einem Krimi?
Eine Metapher?
Nein.

Entweder tu ich es selbst,
oder es wird getan.

Eine Zeile aus einem Lied.
Das Lied des Lebens.
Dauerbrenner.

Viertelnoten
in offene Wunden
gestanzt.

.

Warten

immer nur das warten
Trauma gleich
lösen sich die Sinne auf
im Vakuum kein Atemzug

nur warten
warten
warten

ein letzter Versuch
warten
warten

hinter Glas und Stein
in zerborstenem Sein
warten

Mein Leben lebt z.Z. im Chaos

23. August 2016

aus dem Tagebuch:

23.8.16

Die Zustände wechseln enorm, sind oft parallel, überlagert, irreführend.
Fersenschmerzen seit zwei Jahren ununterbrochen. Da hilft auch kein dissen mehr, lassen sich nicht mehr ignorieren. Tiefe Sehnsucht nach einem genussvollen Spaziergang…nach so langer Zeit scheint dies der Traum aller Träume! Weiß nicht mehr was wandern ist, was spazieren, erst recht nicht was tanzen, von Urlaub machen können mal ganz zu schweigen. Für alles braucht man die Füße. Gegen die Depressionen ankämpfen ohne solche Genüsse ist nicht einfach. Versuche das Nötigste im Leben seit zwei Jahren mit dem Fahrrad zu erledigen. Und nun will die Krankenkasse mir keine wichtige ambulante Reha gönnen. Zusätzliche Kämpfe die mich überfordern.
Rumms, bin bei den Zuständen, die mein Innen nach Außen kippen, Oben wird zu Unten, meine Kompetenzen sind vergraben im Niemands-Ich, im Haushalt weiß der Eine nicht, was der Andere macht…explodierende Espressokannen auf dem Herd…rumliegende Putzutensilien zeugen von Anfängen, aber…, Fisch in der Pfanne wird zu Kohle (man gut, dass in der Küche kein Feuermelder ist), Licht bleibt an, Fenster werden nicht geschlossen….meine Motorik spielt verrückt – muss extrem langsam machen selbst beim Aus-der-Badewanne-steigen, jede Ecke in der Wohnung wird „mitgenommen“, Kontrolle scheint verloren zu gehen…höre lieber mit dem Aufzählen auf, bringt nichts, ist zu viel.
Logisch, dass da Ängste aufsteigen. Noch bin ich völlig selbstständig, will das nicht verlieren. Nun hoffe ich, dass diese unkontrollierbare Zeit wieder vergeht. Kontrolle – das Schlüsselwort an sich! Davon lebte ich bisher, überlebte ich.
Appropo überleben.
Habe in meinen Unterlagen Notizen von mir gefunden:

image

Oh Mann, ist es da ein Wunder, dass die Kleinen von uns Halt suchen bei Elfen? Halt, den ich momentan nicht leisten kann?
Ich sag ja, irre ist nichts dagegen.

Wie unser Gehirn abspeichert

21. August 2016

Aus dem Netz gefischt:

image

– Man könnte es als kühles System bezeichnen, kühles Archiv.

imageimage

 

Jetzt fragt sich der Leser: Warum postet sie das?
Nun, ich denke oft darüber nach, warum ich Erinnerungen aus der Säuglingszeit habe, wenn auch unscharf, aber extrem leicht anzutriggern.

Und dann….zu oft….zu viel Stress bis Todesangst………das Gehirn muss reagieren…..spaltet ab, wieder und wieder.

image

Warum ich nicht verstehe, dass andere Menschen gerne leben.

9. August 2016

Die Antwort habe ich aus dem Netz gezogen. ( Dr. Ingrid Olbricht)  Besser kann man diesen Fakt nicht beschreiben.

ES IST DER VERZWEIFELTE KAMPF UM DAS GEFÜHL DER EXISTENZBERECHTIGUNG.

(die Fotos lassen sich einzeln öffnen und vergrößern)

imageimage

image

Das Kind und die Schuld

2. August 2016

Seit ein paar Wochen arbeite ich an diesem Thema, und es schmerzt, verdammt nochmal!

Ohne viel Worte zeige ich Folien von Michaela Huber:

image

image

 

image

Und heute kämpfe ich darum, meine Schuldgefühle abzulegen, das Unrecht zu erkennen, und die Verantwortung auf den „richtigen Tisch“ zu packen!

image

Woher im Innen die Stille?

29. Juni 2016

image28.6.16

Über 6 Jahre lang kam bei einem Blick in den Spiegel „Du fette Kuh, so etwas wie dich …ekelhaft!“ Dabei war ich noch nie ein Mensch der wirklich überfett wirkte. Meine Größe machte so einiges wett, niemand glaubte so recht meine Kilozahl. Im letzten Jahr kam ich an eine Grenze des Gewichtes, die ich selbst nicht mehr akzeptieren konnte….ich sah Fett im Gesicht, Fett am Hals…die Beschimpfungen im Innen nahmen zu.
Heute?
Das Beschimpfen hat aufgehört, plötzlich scheine ICH (wer bist du?) mich real zu sehen. Viele Fragen stehen im Raum, zu denen ich wirklich keine Antwort finde.
= Floh, warst du der Abwertende? Bist du plötzlich auf unserer Seite?
= 12 Kilogramm in den letzten drei Monaten abgenommen…habe dünne Staksen (Beine)…macht dies uns einen neuen Blickwinkel? Warum beschließen oft mehrere Meinwesen „Wenn wir jetzt einfach nichts mehr essen, dann fallen wir tot um. Suuuuper, also los!“ Feigheit vor der Aktivität des Suizids?
= Hat die erleichternde Erkenntnis, dass wir nicht mehr leben MÜSSEN, unsere Ansichten geändert, unsere Wahrnehmung? Diese Frage kommt auf, weil ich mich nicht an so eine Ruhe in mir erinnern kann, wie ich sie seit Tagen fühle. Eine Ruhe, die aus mir selbst heraus kommt, und nicht eine „erschaffene“ Ruhe, wie ich sie mir schon als 8 Jährige beim Gang über den Friedhof gedisst habe. Innen tot machen – nichts fühlen müssen – so gewabnet die elterliche Wohnung betreten zu können – nichts kam an mich ran! Ich frage mich ernsthaft, ob nach 50 Jahren Aushalten müssen, 50 Jahre Zwang im Kopf, …. und nun endlich die Schranke überwunden zu haben….ich meinem lebenslangen Wunsch, sterben zu dürfen, endlich nachgehen zu können….mir dies einen inneren Frieden bringt, diese Ruhe? Schafft mir diese Ruhe einen neuen Blick?
= Bin ich wach geworden aufgrund der Enttäuschung über mir nah stehende Menschen? Steckt dahinter, endlich real auf diese Menschen sehen zu können? Bin ich also mal erwachsen anwesend? Rael in den Welt?
= Oder bin ich auf dem Weg weiter pro Monat eine Konfektionsgröße weniger zu haben, bis ich verschwunden bin? Macht dies ruhig?

Viele Fragen, auf die ich sicher keine Antworten finde, denn zu unterschiedliche Meinungen kommen aus mir heraus.
Oder jede/r einzelne/r Gedanke/Frage sind schon die Antworten?

 

 

Warum können wir Worte niemals wörtlich nehmen?

19. Juni 2016

19.6.16

„Stellen Sie sich bitte ein Glas hin, während Sie auf mich warten!“

Zum wiederholten Mal gesagt. Aber ich wage es nicht, in einem fremden Raum etwas anzufassen. „Warum haben Sie sich kein Glas genommem?“
„Ich habe keinen Durst! Und hätte ich Durst gehabt, wäre ich aufs Clo gegangen, und hätte am Wasserhahn getrunken.“

Man meint, es sei ein einfacher Dialog. Aber was mir dann gespiegelt wird….halleluja! Und dann setzten die Erinnerungen ein, ich erkannte die Zusammenhänge.

Wo ich anfangs dachte: Warum meckert die immer so?, erkenne ich, dass es die erste Thera ist, die mein Denken, mein Verhalten spiegelt, damit ich mein verqueres Agieren verstehe, und das nach 12 Jahren Therapie und etlichen Thera’s.

In dieser Stunde, Sunden danach, den Tag danach weinten wir ununterbrochen.
Wieder ins Bewusstsein zu kriegen, wie wir als Kind erlebten, fühlten…Scheiße!
Ich fasse zusammen:
– Warum hinterfrage ich jedes gesagte Wort?
– Warum suche ich einen Haken, wenn mir jemand etwas Gutes will?

Angst war mein Dasein, jede Stunde, jeden Tag, 16 Jahre lang.
Immer auf der Hut, in völliger Anspannung musste ich jeden gehörten Satz hinterfragen, deuten, jede Tonlage erkennen….nur…nur um herauszufinden, ob ich mir eine „Ruhephase“ vor der Angst gönnen kann.
Und selbst dies war unsicher, denn nie konnte ich etwas als Gegeben annehmen, stets kippte die Stimmung der Eltern von einer Sekunde auf die andere, und ich war ohne Vorwarnung den Schlägen ausgesetzt.
Auf Worte konnte ich mich nie verlassen.
Meine Gedankenkreisel als Kind waren Tag und Nacht:
Warum hauen die mich?
Was hab ich denn getan?
Warum bin ich denn schlecht?
Warum, warum, warum?

Fragen über Fragen meine ganze Kindheit über.
Antworten?
Antworten gab es niemals!

Zu niemanden konnte ich gehen, mich anvertrauen.
Bei der Geburtsfrau mal anlehnen, Sicherheit suchen? Kannte ich nicht, gab es nicht, erinnere mich nicht einmal an einen liebevollen Blick.

Ein Mädchen, dass kein Vertrauen, keine Geborgenheit, erst recht keine Sicherheit erlebt hat, niemals. Niemals!

Das war ich. Ein Mädchen, deren jede Pore vollgestopft war mit purer Angst! Jahr für Jahr nur Angst!!!!!!

Warum soll ich heute glauben können, dass irgendjemand mir wirklich gerade etwas Gutes sagt, oder etwas Gutes will?
Woher soll dieser Glaube kommen? Selbst in unserem Erwachsenenleben konnten wir diese Erfahrung nicht so machen, als dass sie nur ein einziges Mal stetig war, glaubhaft. Immer kamen böse Konsequenzen.

Im Heute suchen wir also noch immer nach dem Haken! Suchen nach Bedingungen, die dann eingefordert werden, versuchen wir den Tonfall zu analysieren….Summasummarum: Wir gehen von vornherein in Abwehrstellung um uns zu schützen, und das, obwohl die Kindheit fast 40 Jahre her ist.

Darauf sehen zu müssen, dass ein kleines Mädchen so leben musste, so aushalten musste……tut verdammt weh. Erst recht die Erkenntnis: Das war ich!

Kein Wunder, dass alles aus uns heraus weint und weint.
Ist das Trauer? Endlich? Fängt damit die Verarbeitung an?

Ein Introjekt als Albtraum

4. Juni 2016

image           image

8.6.16

Das Mäuschen im Wolfspelz

Jahrelang wurde ich im Inneren beschimpft und genötigt. Musste mir Dinge anhören wie:
„Du gehörst auf den Müll! Bist weniger als der Dreck unter Fingernägeln! So was wie dich braucht kein Mensch! Warum springst du nicht endlich? Mach dem Ganzen ein Ende, ist besser so für den Rest der Welt! Sieh dich doch an, du fette Kuh! Wage es ja nicht dich gut zu fühlen! Halt ja die Fresse, ich warne dich! Wenn du auch nur ein bisschen verrätst, ich warne dich!…usw., usw., usw.!!!!!!!!“

Kam ich der inneren Stimme nach, indem ich mich einigelte, mich selbst wegschloss, mich vollstopfte mit Lebensmitteln, Kontakte vermied oder känzelte….ließ er mich in Ruhe.
Aber wehe ich versuchte Bindung aufzubauen…dann wurde das Täterintrojekt aktiv, störte meine Kontaktversuche mit Kopfschmerzen, oder lautem Dazwischengerede, was mir die nötige Konzentration auf das Gespräch raubte.
Am Einfachsten fiel es ihm aber, mich mit Worten runterzumachen, mir jeden zaghaften Versuch, ein Selbstwertgefühl zu entwickeln, zu unterbinden.
Ein Mann Anfang Dreißig, boshaft, abwertend, drohend, angsteinflößend….so sah ich ihn in mir.
Eine Traumasitzung torpedierte er schon aktiv, und danach schien er im Inneren alles klein zu schlagen, verwüstete unser Haus, brüllte rum. Angst machen wollte er uns – und schaffte dies auch. Das war vor rund zwei Jahren.

Und dann vor einem Monat eine EMDR-Sitzung zu diesem Täterintrojekt, dem VERLEUMDER, wie er seit Jahren heißt. Ziel der Sitzung war, mich von meinem Selbstmordwunsch abzubringen. Perspektivwechsel nennen die Psych. das.

Für mich war es eine grauenhafte Sitzung.
An die Details kann ich mich nicht mehr erinnern, schließlich wurde er ja befragt…anfangs.
Dann war da irgendwann die Frage: „Was ist los? Wo sind sie gerade? Was sehen Sie?“
Ich sah nichts, ich roch! Ich roch den ekligen Gestank von kochenden Babywindeln. Und dann war ich in der ersten Wohnung meiner Kindheit, und ich fühlte aus mir heraus plötzlich jemand anderen. Was heißen soll, dass ich switchte.
Die Thera holte den erwachsenen Anteil dazu und fragte nach, denn ich zitterte plötzlich, rückte von ihr ab. Sie fragte, was der Verleumder sich von mir wünscht.
-“ Nähe zu anderen Menschen ist verboten! Wage es bloß nicht, du gehörst nur mir! Reden ist erst recht verboten! Wenn du auch nur ein Sterbenswörtchen zu jemanden sagst, dann schlage ich dir den Schädel ein!“

Sie schrieb alles auf Zettel, legte sie vor mir auf den Boden, und fragte wieder und wieder nach dem Grund!

Buha, das war wohl zu viel.
Plötzlich war ich 6 Jahre alt und starb vor Angst.
Wie ich auf die Thera wirkte, oder was da genau passierte, kann ich nicht sagen. Nur eines wurde mir bewusst: Sie versuchte immer wieder tröstend meine Hände zu greifen, ich dagegen fühlte dies mit Todesangst, schrie NEIN und weinte, zog meine Hände immer weg.
In mir drin ein Gefühl: „Wenn du das erlaubst, bist du tot!“
Wollte weiter weg von ihr rücken… ging nicht, da war die Wand.
Ich schrie sie an, dass sie weiter weg gehen soll, was sie dann auch tat.

Dann habe ich Lücken in der Erinnerung. Ich weiß nur noch, dass irgendwann ein riesengroßes Entsetzen in mir aufstieg! In mir, der Mutter eines eigenen Kindes…Entsetzen darüber, dass ein 6 jähriges Kind aus Todesangst Zuwendung ablehnt. Das Wort Entsetzen reicht dafür gar nicht aus, finde aber kein anderes.
Und der zweite Schlag war die Erkenntnis, dass hinter dem erwachsenen Täterintrojekt VERLEUMDER, diesem grausigen Mann in meinem Inneren, ein 6jähriges Kind steckt, ein eingeschüchteter, vor Todesangst schlotternder Junge.

Ich weiß nicht, ob Außenstehende nachvollziehen können, was da in meinen Gefühlen abging. Ungeheuerlich!

Erinnern tue ich mich auch noch an die völlige Hilflosigkeit der Thera, dass sie nichts weiter tun konnte, als wegzurücken.
Sie hatte ja eigentlich mit der Sitzung auch vor, dem Introjekt eine Neuerfahrung anzubieten. Tja, er wollte aber nicht aus Angst.
Aber …. Profi wie sie ist, sprach sie dann mit dem kleinen Jungen, fragte, was er sich wünschen würde.
„Wegfliegen, ganz schnell wegfliegen, in die Wolken hoch!“
„Mit wem willst du fliegen? Wer soll dich da raus holen?“
„Ein riesengroßer Adler“ kam als Antwort.

In dieser Sitzung wurde nichts „verraten“, kein Grund genannt für die Drohungen. Nichts kam als irgendeine Erinnerung dazu, nichts.                                                        (später: fremde Schreie)

Tage später bekam der Junge seinen Wunschnamen Florian. Weil er so flink ist, dürfen wir ihn Floh nennen. (Jetzt wisst ihr, warum ich ein Adlerfoto gepostet habe. Der Adler ist Florians innerer Helfer.)

Was dann später im Innen alles noch so seinetwegen passierte, und wie wir uns langsam annähern, dass schreibe ich ein anderes Mal.

EMDR = Eye Movement Desensitization and Reprocessing

30. Mai 2016

Zitat aus dem Netz:

„Eye Movement Desensitization and Reprocessing, kurz EMDR, ist eine von Francine Shapiro in den USA entwickelte Behandlungsmethode für Trauma-Betroffene aus dem Bereich der Psychotraumatologie.

Bei EMDR regt der Therapeut den Patienten nach strukturierter Vorbereitung zu bestimmten Augenbewegungen an, wodurch es möglich werden soll, unverarbeitete traumatische Inhalte zu verarbeiten.

Inhaltsverzeichnis

1 Abgrenzung

2 Entstehung

3 Wirkungsweisen und Hintergründe

4 Ablauf

5 Gefahren

6 Wissenschaftliche Anerkennung
1. Abgrenzung

Trotz oberflächlicher Ähnlichkeit, etwa durch die angeleitete Augenbewegung, ist EMDR nicht mit Hypnose zu verwechseln. Es soll keine Veränderung des Bewusstseinszustandes, sondern vielmehr eine Integration der mit dem Trauma verbundenen Emotionen und Empfindungen erreicht werden.

2. Entstehung

Francine Shapiro hatte die Idee zur Erprobung und Untersuchung dieser Methode zufällig beim Spazierengehen im Park. Sie bewegte die Augen hin und her und erlebte eine deutliche Entlastung von Ängsten und depressiven Gedanken im Zusammenhang mit der bei ihr diagnostizierten Krebserkrankung.

3. Wirkungsweisen und Hintergründe

Nach einem Trauma kann es zum sogenannten „Sprachlosen Entsetzen“ (speechless terror) kommen, d. h. in der rechten Hirnhälfte werden Bilder prozessiert, die der Patient vor Augen hat, während das Sprachzentrum aktiv unterdrückt wird. Der Patient kann das Geschehene so nicht in Worte fassen, wodurch nachfolgend eine Verarbeitung des Erlebten erschwert wird. Es gibt bereits eine Vielzahl von Studien, die die Wirksamkeit von EMDR belegen und versuchen, die Wirkungsweise zu ergründen. Es wird angenommen, dass durch die bilaterale Stimulation mittels bestimmter Augenbewegungen (oder auch akustischen oder taktilen Reizen), eine Synchronisation der Hirnhälften ermöglicht wird, die bei der posttraumatischen Belastungsstörung gestört ist. Erklärend wird auch Bezug genommen auf eine Schlafphase, bei der starke Augenbewegungen stattfinden und zugleich ein erhöhter Verarbeitungsmodus des im Alltag Erlebten vermutet wird.

4. Ablauf

Das eigentliche Durcharbeiten der belastenden Inhalte, durch Augenbewegungen oder andere Stimulationsarten, ist dabei ein recht später Schritt im Therapiemanual.

Anamnese:

Zunächst muss eine genaue Anamnese erhoben werden, bei der z. B. die traumakompensatorischen Bewältigungsversuche des Patienten erfragt werden. Auch muss zuvor abgeklärt werden, ob gleichzeitig eine sogenannte dissoziative Störung vorliegt (hierbei werden Teile des eigenen Erlebens ausgeblendet/aktiv unterdrückt).

Stabilisierung:

Die Stabilisierungsphase dauert je nach Lage der Ressourcen oft sehr lange. Besonders bei einer dissoziativen Störung muss als vorrangiges Therapieziel zunächst eine Grundstabilisierung des Patienten erreicht werden, die die Fähigkeit des Patienten stärkt, sich der Traumathematik vorsichtig und dosiert zu nähern und sich vor einer möglichen ungesteuerten „Überflutung“ mit belastendem Erinnerungsmaterial aktiv zu schützen.

Auch hierbei kann EMDR hilfreich sein, z. B. durch eine mittels angeleiteter Augenbewegung erfolgreichen Verankerung positiver Imagination wie „der innere sichere Ort“ oder „der innere Tresor“ nach Dr. Luise Reddemann.

Bewertung:

Einer einzelnen ausgewählten Erinnerung, also einem „einzelnen Bild“, das den belastetsten Teil einer Traumathematik darstellt, wird vom Patienten eine aktuell zutreffende negative Kognition, (z. B. „ich bin hilflos“) zugewiesen sowie auch eine positive, die er in Zukunft damit verbinden möchte (z. B. „ich kann heute etwas tun“ – was dann als eine Ressource zu verstehen ist). Die an dieser Stelle eingeschätzte Belastung der Situation soll im folgenden Bearbeitungs-Prozess sinken.

Desensibilisierung:

In dieser Phase wird die Traumabearbeitung durch die Augenbewegungen begleitet. Während an die Traumathematik gebundene Energie freigesetzt wird, kommt es häufig zu unterschiedlichsten sogenannten Abreaktionen (wie z. B. Weinen, heftiges Atmen, Übelkeit u. a.), die erinnerte Situation verliert so ihre emotionale Aufladung.

Zur Bearbeitung einer Traumathematik sind meistens mehrere EMDR-Sitzungen nötig. Einflechten von sogenannten Ressourcen z. B. „hilfreiche innere Wesen“ oder „ideale innere Eltern“, die zuvor z. B. mit Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie installiert wurden unterstützt oftmals diese Phase.

Verankerung:

Empfindet der Patient bei der erinnerten Situation keine Belastung mehr, wird die positive Kognition nochmals überprüft und mit Augenbewegungen verankert.

Körper-Test:

Alle Missempfindungen zur erinnerten Situation sollten bei einem kompletten Abschluss der Sitzung verschwunden sein.

Abschluss:

In der Besprechung zum Abschluss der Sitzung wird der Patient auf das „Nachprozessieren“ (z.B. in Träumen) hingewiesen. Es bringt eventuell neues Material für weitere Sitzungen hervor und sollte in einem Tagebuch festgehalten werden.

5. Gefahren

Die Behandlung dissoziativer Störungen sollte erfahrenen Traumatherapeuten vorbehalten bleiben, da der Patient sonst gefährdet ist, im Zuge der Behandlung retraumatisiert zu werden, das hieße, erneut überschwemmt zu werden mit den angstmachenden Gefühlen. Der Patient würde dann die auslösende Situation ungeschützt noch einmal durchleben. Dann würde die Traumatherapie mehr schaden als nutzen: die Symptome könnten sich vertiefen – möglicherweise in bedrohlichem Ausmaß, eine weitere Behandlung wäre erschwert. Eine sorgfältige Vorbereitung und Abklärung von Komorbiditäten (gleichzeitig vorliegender anderer Erkrankungen) ist bei der Traumatherapie also sehr wichtig.

Wichtig ist auch die Abklärung der damaligen Bewältigungsstrategien des Traumas, da auch diese durch das EMDR getriggert werden. Wenn z. B. damals nach dem erlebten Trauma suizidale Tendenzen bestanden, können diese auch nach der EMDR-Sitzung reaktiviert werden, über diese Verbindung muss der Patient vorher aufgeklärt werden.

6. Wissenschaftliche Anerkennung

Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie verabschiedete in der Sitzung vom 6. Juli 2006 ein Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen. Gemäß diesem Gutachten kann die EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen bei Erwachsenen als wissenschaftlich anerkannt gelten.“

5.Ich habe keine Persönlichkeitsstörung

24. Februar 2016

image

Persönlichkeitsstörungen sind tief verwurzelte Verhaltensmuster.

Die dissoziative Identitätsstörung dagegen basiert auf den Verlust des integrierbaren Bewusstseins!

Ich meine:

Sie ist eine fehlgeleitete (eine zum Überleben notwendige) Entwicklung des Gehirns aufgrund frühster nicht zu verarbeitenden Traumatas. Fehlgeleitet nur insofern, als dass die Funktionsweisen des Gehirns im späteren Alter große Alltagsbelastungen darstellen.

Wenn das Gedächtnis nicht funktioniert, steht die Identität in Frage!

Wenn die Kontrolle über Wahrnehmung des Selbst und Umwelt, Beziehungserleben, Affekten, Erinnerungen, Körperbewegungen, Sensorik verloren ist…… dann bin ich nur ein Sammelsurium aus Fragmenten, dann kann ich kaum das Ausmaß der Welt um mich herum, das Ausmaß zwischenmenschlicher Beziehungen begreifen.

 

Ist dies mein MEINSEIN?

13. Februar 2016

„Diesseitig bin ich gar nicht fassbar.

Denn ich wohne grad so gut bei den Toten,

wie bei den Ungeborenen.“

 

sagte Paul Klee 1920

——————————-

Öl auf Leinwand von mir:

image

Irgendwie beschreibt dies genau mein Dasein, Zustand, Nichtsein, MEINSEIN.

Ich hänge in der Zwischenwelt.

13.2.16

Kopf der Medusa

8. Februar 2016

Kopf der Medusa

Unser Engelchen

31. Januar 2016

Selfmade in Speckstein

image

Wie es sich lebt als Multiple

14. Januar 2016

Hier wird ein Begriff falsch verwendet ->Persönlichkeitsstörung. Multiple haben keine PS-störung (erzogen, erworben mit Notsystem), sondern eine Identitätsstörung (veränderte Gehirnstruktur,- und funktionsweise).

-aus dem Internet:
.
Eng mit dem psychisch bedingten Gedächtnisverlust verwandt ist die Symptomatik der dissoziativen Persönlichkeitsstörung.

Hier hat der durch seelische Traumata bedingte Gedächtnisverlust solche Ausmaße erreicht, dass ganze Teile der Persönlichkeit eines Menschen in die Abspaltung einbezogen werden.
Bei verschiedenen Anlässen treten dann ganz unterschiedliche Seiten der Persönlichkeit auf und handeln in Extremfällen, ohne dass ein Bezug zu den anderen Seiten besteht.
Ein solcher Mensch lebt wie zersplittert und hat größte Probleme, sich und die Mitmenschen zu verstehen. Weiterhin sind sein Lebensweg und seine Beziehungen von heftigen Wechseln und großen Schwierigkeiten gekennzeichnet.

Wenn sich – etwa durch ungünstige bisherige Lebenserfahrungen – ein starres Erlebens- und Verhaltensmuster entwickelt hat, kann dies zu Ieidvollen Störungen im Selbsterleben, v.a. aber auch zu schweren, sich ständig in ähnlicher Form wiederholenden Störungen in den Beziehungen zu anderen Menschen führen und die soziale Funktions- und Leistungsfähigkeit einschränken.

Persönlichkeitsstörungen sind somit als Extremvarianten bestimmter Persönlichkeitsstile zu sehen, wie sie jeder von uns entwickelt hat.
Die Symptomatik von Persönlichkeitsstörungen ist dementsprechend sehr vielgestaltig.
Beispiele wären etwa eine sehr stark misstrauisch-empfindliche Haltung der gesamten Umwelt gegenüber oder emotionale Kühle und ausgeprägtes Rückzugsverhalten.
Aber auch mangelnde Impulskontrolle, eine sehr schwere Selbstwertproblematik oder stark abhängiges, ängstlich-vermeidendes oder sehr zwanghaftes Verhalten können Ausdruck so einer Persönlichkeitsstörung sein. Charakteristisch für die Symptomatik bei Persönlichkeitsstörungen ist, dass sie lang anhaltend ist und als leidvoll erlebt wird.

Menschen mit einer dissoziativen Identitätsstörung fällt es schwer, ihr Erleben mitzuteilen, weil dies stark schambesetzt ist. Sie versuchen oft, ihre Symptome im Alltag zu verbergen, besonders ihre Zeitverluste, die sie am Tage erleben und ihre Identitätswechsel.
Sie bemühen sich intensiv, alles unter Kontrolle zu halten und teilen in ihrem Leben nur wenigen, sehr vertrauten Mensch ihr inneres Erleben mit.
Da sie manchmal auch innere Stimmen hören, tritt bei einigen Betroffenen die Sorge auf, falsch beurteilt und behandelt zu werden.
Im Übrigen können bei dissoziativer Identitätsstörung vergleichbare Symptome wie bei der Posttraumatischen Belastungsstörung auftreten wie z.B.:

erhöhte Schreckhaftigkeit

Depressionen

andauerndes Gefühl von Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen

andauerndes Gefühl von Betäubtsein und Stumpfheit

Vermeidung von Situationen, die mit dem Trauma zusammenhängen

Schlafstörungen

Alpträume.

Land unter

14. Dezember 2015

Von wegen schleichender Absturz….ich selbst denke mich kaputt. Und umso mehr ich über mich nachdenke, desto mehr finde ich alles, was in mir denkt und fühlt grauenvoll. Sehe in viele Situationen der letzten Jahre hinein : sehe verzweifelte Fixierung, sehe Klammern aufgrund von hilflos machender innerer Einsamkeit, sehe die Konstruktionen, die mein Kopf sich über einen Menschen gebaut hat, ich sehe Spontanreaktionen von mir, unüberlegt, grenzüberschreitend – weil mein Näheempfinden nicht das meines Gegenübers ist…… Und der Selbsthass steigt…ICH will das so nicht!!! ICH bin das nicht!!! Wie ein Überstülpen von außen, oder ein Marionettenspiel von innen. Oh, wie entsetzlich finde ich das Passieren, das, was oft so kindlich unbedacht ist, was aber nicht in mein Körper-Alter passt.

So denke und hasse ich mir seit Wochen die Nächte kaputt. Da findet sich kein Schlaf mehr. Dazu meine geforderte Tablettenumstellung – habe die Nase voll vom Fettwerden. Fazit der neuen Pillen: der Gedanke an Nahrungsaufnahme verursacht Übelkeit. Allergische Reaktionen ignoriere ich. Kann eh nicht einschätzen, was andere Menschen als schlimm und arztbesuchnotwendig erachten. Da kommt oft der Gedanke : Es wird bei mir mal ganz schnell gehen, weil Schmerzen, egal welche Stärke, noch heute von uns ertragen werden. Aushalten….ist ja nichts Neues. Diesen Gedankengang empfinde ich als tröstlich.

Ich wollte Schluss machen mit Therapien, Kliniken….15 Monate hangle ich mich durch ohne “Begleitung”. Was ist das Ende vom Lied? Weiß nicht wohin mit den Gedanken, mit den schrecklichen Gefühlen. Sie stauen sich im Inneren auf wie blöde. Es ist genau wie in der Kindheit, nicht wissen wohin damit. Der Stau will meinen Körper platzen lassen. Und ich tanze mal wieder auf der Grenze, die ersehnte, die Angst machende.

Dennoch gut, dass sich einer von uns immer rechtzeitig Hilfe holt. Die Erfahrung haben wir gemacht. Einer wenigstens will leben.

Aus dem Tagebuch: Chaos im Inneren

17. April 2015

Nicht nur in den Tagen ist das Stimmungsbarometer ein wirres Auf und Ab, auch in den Stunden. Heute war so viel auf einmal in mir. Morgen kommt eine Studienfreundin als Übernachtungsgast. Da hieß es gestern den Einkauf erledigen. Und Ballett – Eintrittskarten sind besorgt, freu, freu.
Heute wollte ich meine sehr gedrückte Parallelstimmung durch Aufräumen und Bügeln weg drücken. Denn noch immer sind da Vorbehalte gegen die neue Thera, obwohl diese sofort nach meinem Besuch mit meiner alten Thera (sie hat’s mir gleich gemailt) telefoniert hat. Was ja ein Zeichen von Kompetenz und Gutem Willen ist. Aber irgendwie scheut sich alles in uns vor einem Neuanfang.
Ist ätzend, mir hängt noch so sehr die anstrengende Klinikzeit nach. Lieber täte ich diese in Angriff nehmen. Denn, obwohl ich die Sache mit dem leiblichen Vater äußerlich abgehakt habe, arbeitet im Inneren ein diffuses Gemisch von Hilflosigkeit, Enttäuschung, Fragen von ganz jungen Anteilen (die oft heimlich vom Vater abgeholt wurden ohne Wissen der Mutter) und ihr Gebrüll zu diesem Thema. An der Stelle (Sofie-Säugling) werde ich nie eine wirkliche Antwort finden, da kann niemals eine reale Erinnerung zu dem grauenhaften “Blitz-Bild” kommen, niemals. Ich war viel zu klein, das ist mir schon klar. Und obwohl ich dieses Bild im Tresor habe, rütteln etliche Anteile an dessen Tür, als wollten sie mir etwas sagen. Nun, ich bin nicht dumm. Mir ist sehr wohl klar, dass, wenn er es eben mal bei mir mit 16 versucht, es nicht aus heiterem Himmel kommt, dieses Verlangen. Und trotzdem bin ich als Große voll im Abstreiten. Möchte mich als dumm und krank hinstellen (uj, Introjekt lässt grüßen), als jemand mit krankhafter Fantasie. Wäre echt gut, wenn dies klappen würde. Tut es aber nicht, weil schon beim Denken dieser Abwertungen totale innere Unruhe entsteht, Schmerzen am ganzen Körper auftreten, der Kopf voll ist mit Weinen, und eine Schar von Kindern gegen mich in den Kampf ziehen will, weil ich sie nicht ernsthaft wahrnehme, alles leugne. Trara ….., ich mache genau das mit meinen Innenkindern, was die Eltern damals taten:”Halt die Fresse!”
Ein unlösbares Dilemma, wenn innere Chaoskämpfe stattfinden, ich aber die Wogen nicht glätten kann ohne wirkliche Erinnerungen. Klar,meine Hausaufgabe ist, dem INNEN zu vertrauen, genau hin zu hören, und ihnen zu glauben. Das weiß ich.
Aber stellt euch vor, ihr solltet plötzlich glauben, dass Milchtüten auf dem Acker wachsen. Würdet ihr? Sicher nicht!
So geht’s mir Großen zu dem Thema “schon als Säugling…”
Hej, das will man nicht wissen, und Teufel nochmal nicht haben! Punkt.
Oh Schitt, weg von dem Thema, hin zu einem wohltuenden, existenziellen: Unser Engelchen hat uns auf unsere Mail geantwortet, juchuuuuuuuuuuuuuuu!
Und plumps, tanzen die Kleinen wieder vor Freude: ihre Mami!!!!
Da werden von mir in nächster Zeit wieder Imaginationsübungen erwartet, besonders die : Dein ganz persönlicher Engel.
Da laufen uns jedesmal die Tränen vor Freude, weil wir echt das Gefühl haben, sie wäre bei uns. Mann, was haben wir sie lieb!
Sie war so absolut kurz an unserem Leben dran, aber sie ist bis heute der einzige Mensch, der es bis ganz nach Innen geschafft hat, einfach so, nur weil sie ist, wie sie ist!
Ein Engel eben!

 

Nachtrag: Dumm gelaufen…der zweite Therapeutenbesuch brachte mir nur die Absage! Sie würde aufdeckend arbeiten, nicht stabilisierend. Tja, das war ’s dann. Sellavie

Sommer 1978 – die 16 Jährige erzählt

24. Februar 2015

Die Kleine hinter der Tür ( juchu, hab ein Schwesterchen ) freut sich über den ersten Besuch ihrer Schwestern. In mir wächst die maßlose Freude auf ein Willkommen sein, endlich wohin zu gehören,zu einer Familie, die dich mag. Nach 14 Jahren lerne ich nun meinen leiblichen Vater kennen.
Erst für nur ein paar Stunden, in den Sommerferien fahre ich dann heimlich zu ihm.
Glück pur für mich in seiner Familie, …bis zu jener Nacht.
Die Frau war nicht da, der Vater, meine kleine süße Halbschwester und ich hatten einen Heidenspaß zum Einschlafen. Witze erzählen, Kissenschlacht. Aber irgendwann, als die Kleine schlief, brach mir die erste und kleinste und kurze Hoffnung in meinem Herzen weg. Er begann etwas zu tun, das mich erstarren ließ. Ich ließ ihn nicht zum Zuge kommen, rannte hinaus, und wartete die ganze Nacht draußen im Garten auf seine Frau. Kein Wort verlor ich darüber.
Wie sah es in mir aus?
„Oh, nicht der auch noch!“
„Warum tut er das?“
Alle Erwachsenen sind schlecht.
Ich bin schlecht. Nur dafür will man mich. Einfach nur gern haben kann man mich nicht. Ich werde niemals zu einer Familie gehören.
Vertrau nie wieder, denn schon der erste Versuch meines Lebens ging schief. Möchte sterben.

PS von der Erwachsenen:
Heute in der TT – Sitzung konnte ich endlich fühlen, was damals gefühlt wurde von der 16 Jährigen. Hatte es in den Jahrzehnten stets als lapidar angesehen, weil es ja überhaupt nicht bis zum Akt kam. Aber was da in mir zebrochen war, hatte ich nie wahrgenommen, und mit welchen Emotionen dies verbunden war, und heute noch ist.
Ich fühle ihr Fühlen : Es wird mich niemals jemand bedingungslos lieb haben, niemals gibt es ein Ankommen, ein Zuhause für mich, niemals. Das Mädchen von damals kam dann in ein Internat, und sprach 6 Monate mit keinem Erwachsenen auch nur ein Wort. Es war ein halbes Jahr stumm, selbst im Unterricht gab es keine Reaktion von ihr.

Fehlende Konzentration und Panik in Stresssituationen

18. August 2014

In den Zeiten, in denen von mir nur abverlangt wurde, den Alltag irgendwie hinzubekommen, dabei nur meinen Interessen zu frönen, nur wenige Termine wahrnehmen zu müssen, in diesen Zeiten glaubte ich oft, grundlos in Rente geschickt worden zu sein. Dabei vergaß ich aber, dass ich Kontakte in die menschliche Welt da draußen tunlichst vermied, und mir alles an Angst einflößenden Dingen vom Leibe hielt.

Seit den Wochen aber, in denen ich nun schon mit dem Umzug beschäftigt bin, holen mich die Defizite ein, und lösen wieder riesiges Entsetzen in mir aus. Entsetzen darüber, dass ich nicht mehr wie früher, mehreren Dingen gleichzeitig Aufmerksamkeit schenken kann, dass schon nach wenigen Organisationstätigkeiten in mir starke Unruhe auftritt,  dass ich schnell erschöpft bin, und Switches mich wie blöd da stehen lassen – ich nicht mehr weiter weiß, weil das Gehirn/ Denken wie ausgeschaltet scheint. Ich verliere mich auch oft in Kleinigkeiten, fange mehrere Dinge gleichzeitig an, wo aber letztendlich alles liegen bleibt, weil sich im Kopf einfach kein Plan finden will. Zeitdruck versetzt mich dermaßen in Panik, dass ich am liebsten heulen möchte. Dieser Drang von früher, alles perfekt hinzubekommen, stellt mir nun ein Bein. Er setzt mich unter Druck, volle Pulle. Und Druck ist es, was mir die letzten Jahre die größten Probleme gemacht hat. Da entstehen in mir Stress, Unruhe, Gegenwehr, an Schlaf ist kaum zu denken. Mein einziges Rezept, den zu organisierenden Dingen Herr zu werden, ist das Notieren. Ohne sichtbare Notizen bin ich aufgeschmissen. Eine Planung im Kopf zu haben, ist nicht mehr möglich. Auch die Vergesslichkeit steigert sich im Stress. Mich auf etwas konzentrieren, wie lesen oder ähnliches, geht nicht mehr. Bemerke an mir, dass ich alle Dinge im “Außen” machen muss, weil da kein Platz im Kopf für ist. Das nenne ich mal verrückt. Trotzdem, ich habe immerhin für mich einen Weg gefunden, alles Wichtige erledigen zu können. Klar liegen meine Nerven völlig blank, aber ich klammere mich an die Tatsache, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt ja geschafft sein wird. Heute sind 98% meiner Habseligkeiten verpackt. Damit sind die Kleinen von uns sehr unzufrieden. Ihre Sachen sind weg, sie haben somit keine Möglichkeit mehr, sich mal zur Entspannung auszuleben, und sei es nur mit einem einzigen Matchboxauto. So gehen auch Unzufriedenheit und Unruhe von ihnen aus. Das kommt für mich noch obendrauf auf das Gesamtpaket “Stress”.

Am liebsten einrollen, unter einer Decke verstecken, und die Welt Welt sein lassen.  (15.8.14)

Lost

30. April 2014

Das ist nun doch die Endfassung.
Was meint ihr?

Lost Endfassung

 

Radikale Akzeptanz – mein Signal an meine Kleinen

5. April 2014

5.4.14

Seit Beginn 2013 bin ich in einer regelmäßigen stationären Traumabehandlung, die einzig und allein dazu dient, die Symptome der PTBS zu lindern. Der Weg führt über das EMDR-Verfahren, mit dem Ziel, vom Gefühl abgespaltene Ereignisse des Lebens zum Einem wieder zueinander zu führen, zum Anderen diese dann im Gehirn als abgeschlossene/beendete Tatsache als Vergangenheit einordnen zu können. Nur so ist es möglich, nicht mehr unkontrolliert den Flashbacks ausgeliefert zu sein. Das Gehirn benötigt dazu die Information, dass das Geschehen ein ALTES ist, also keine Gefahr mehr im HEUTE bedeutet.

Dass eine dissoziative Identitätsstörung einhergeht mit vielen Amnesien, macht mir diese Behandlung aber zur Qual, weil immer wieder für mich neue, mir unbekannte Erinnerungen hochkommen, die den seelischen Schmerz ins Unermessliche treiben. Während der Traumakonfrontation fühle ich alles noch einmal, switche in das Kind, und erlebe das alte Geschehen im Hier und Jetzt. Dank der guten Therapeutin werde ich aber dort wieder “ heraus geholt“ , und sie hilft mir, für dieses Ereignis einen anderen Abschluss zu finden. Sicher werden sich jetzt Leser fragen: „Warum tut sie sich das an?“ Nun, ich habe mich dazu entschieden, weil es für mich keinen Ausweg mehr gibt. Das, was sich als mein derzeitiges Leben bezeichnet, ist kein Leben. Es ist ein zurückgezogenes Dahinvegetieren. Sicher, es werden die alten Gefühle immer wieder, mein ganzes restliches Leben lang auftauchen, aber ich werde fähig sein, schneller aus ihnen heraus zu finden, um die extremen tiefen Abstürze zu verhindern.

Nur darum „tue ich mir das an“ mit der Behandlung!

Eigentlich wollte ich auf den sexuellen Missbrauch zurückkommen. Also: Wie ich oben im Text beschrieben hatte, kannte ich entweder die puren Bilder, entweder fremde schlimme Gefühle, oder nur blanke Todesangst. Bilder und Gefühle wirklich in Zusammenhang zu bringen, das ging nicht. Also war es für mich ein Leichtes, das Meiste zu leugnen. Nein, das kann nicht sein, so ein Quatsch, das stammt aus meinem kranken Hirn! Das tut kein Mensch einem Kind an, so ein Blödsinn! Hm, heute, nach drei Intervallen und vielen „Blicken“ in die Vergangenheit bin ich eines Besseren belehrt. Nicht, weil während des EMDR so viel hochkommt, nein! Sondern weil ich die stundenlang und tagelang danach auftretenden Schmerzen aushalten muss. (Körperflash’s = Erinnerungsschmerzen) Schmerzen, die mir das Gehirn aus der Erinnerung schickt, Schmerzen, die das jeweilige Kind von uns aushalten musste. Ob Unterleibsschmerzen, Bauchschmerzen, Knochenschmerzen von Prügelexessen (Rücken, Arme, Beine, Gesicht, Kopf) , Schmerzen in Po und Knochen „da unten“.Selbst blaue Flecken treten auf, einfach so, wie aus dem Nichts. So, da stehe ich dann da, kann es nicht fassen, aber in mir steigt ein Mitgefühl für die jeweilige Kleine auf, und ein Entsetzen, was sie aushalten musste…oh menne! Und pö a pö hat sich, obwohl damit mein Weltbild völlig zusammengebrochen ist, eine innere Akzeptanz entwickelt. Und damit auch ein innerer Zugang zu den Kleinen. Erst durch mein Glauben an ihre Erlebnisse, durch meine Fürsorge für sie, kommen sie mir näher, finden Vertrauen zu mir und meiner Kraft, öffnen sich immer mehr, und dies alles bringt letztendlich eine größere Ruhe in mein Innensystem. Ich habe verstanden, dass mein Leben nur lebenswert werden kann, wenn wir als Team, dass sich vertraut und genau kennt, zusammenhalten.

Und das geht nur mit der Akzeptanz des Geschehenen! Und mit folgender Aussage möchte ich meinen Kleinen ein Signal setzen: “ Wir wurden sexuell missbraucht!“

Wir wollen und müssen uns nicht dafür schämen! Denn wir waren nicht die Schuldigen! Wir waren nur Kinder!

PS an die Kleinen: Hab euch lieb!

Die Macht der Gefühle

16. Januar 2014

16.1.14

Wenn mich der aktuelle Schmerz im Heute so sehr aufwühlt,
dann sind die Schmerzkinder nicht weit, kippen ihre Last dazu.
Und selbst meine Flüsterkinder suchen meine Nähe, wollen ihren Schmerz an mir loswerden.
Dann stecke ich zwischen HEUTE und GESTERN.

Gefühl
Finde keinen Weg aus dieser Lage. Nur der Blick nach unten bleibt mir.
Und irgendwann dann der Gedanke: „Lasst mich doch alle in Ruhe!“, und die Sehnsucht ist da,
die Sehnsucht nach dieser Weite:
Höhe
Bei diesem Anblick findet mein Herz wieder einen Rhythmus, das Atmen wird leichter.

Selbstanalyse – Sofie’s Verlust

2. Oktober 2013

2.10.13

Seit Wochen nun vergeht kein Tag ohne dieses Wegrutschen in die unbeschreibliche Hilflosigkeit.
Und immer deutlicher bekam ich Signale, die von den Säuglingen stammen. Klar erschreckt mich das. Es ist und bleibt mir unverständlich, dass man als Mensch so weit zurückliegende Erlebnisse und Empfindungen neu erleben, erinnern kann. Ertappe mich immer wieder beim Abstreiten.
Trotz aller Schmerzen habe ich aber genau hingesehen, habe (und das tu ich heute noch) Situationen im Heute und meine unverständlichen Reaktionen darauf versucht zu begreifen.
Je mehr ich mich damit beschäftige, umso klarer werden für mich die Antworten.
Die Kleinsten kommen nicht klar mit der Trennung von ihrem Liebmensch.
Ich fand nun Passagen zur Säuglingsforschung:

„Die Erfahrung des eigenen Seins entwickelt sich aus der Erfahrung der gelebten Beziehungen.“ (P.Janet)

„So erfährt der Körper sich über den Körper des anderen, die Art und Weise von dessen Präsenz entwickelt die eigene!“

Bsp. „Wenn jede Vorhersagbarkeit der Reaktion für das Kind entfällt, reagiert es mit Schreien, dann mit allen Anzeichen von Vermeidungsverhalten, Fluchttendenzen und Panik und zuletzt verfällt es in einen apathischen Zustand der Nicht-Reaktion. Es stellt sich tot, reagiert nicht mehr.“

„Traumatisierung ist die Erfahrung von Hilflosigkeit, mehr noch: von Handlungs-Unwirksamkeit!“

Das Merkwürdigste von allem ist: Ich hatte diese Dinge im Fühlen von mir verstanden, noch bevor ich die Bestätigungen aus der Fachliteratur fand. Was mir sagt, ich bin auf einem guten Weg – den Weg des achtsamen nach Innen-Schauens, dem Weg der Selbsterkenntnisse.

Erinnere mich, Sofie entwickelte blitzschnell eine Präsenz, kaum, dass sie den „anderen Körper“/Mensch für sich gesehen hat, kaum, dass sie gelebte Beziehung fühlen konnte. Dieser Mensch war für uns ein Engel, für Sofie die ersehnte Mami.
Sie war plötzlich in uns so dermaßen oft draußen, es fühlte sich wie eine Neugeburt an, eigentlich wie eine Geburt an sich.

Sie durfte plötzlich in uns etwas sein. Wir fühlten uns alle plötzlich berechtigt, leben zu dürfen, sein zu dürfen.
Dass Sofie damit gleichzeitig ihr extrem schmerzvolles Fühlen über uns auskippte, brauch ich wohl nicht erwähnen. Aber je schmerzvoller es war, umso mehr nahmen wir die Bindung zu ihrem Engelchen an, umso mehr griffen wir nach diesem Halt.
Das war mir damals alles sehr schnell klar.

Und heute verstehe ich dann auch, warum ich seit Wochen so nah an der Grenze lebe, so nah am sterben wollen.
Die Ersterfahrung des Säuglings endete nun in gefühlter Ablehnung.
Ich kann versuchen wie ich will, ihr begreiflich zu machen, dass nicht sie abgelehnt wurde. Sie kann es nicht verstehen, was ich nun auch kapiere! Sie ist zu klein für diese Zusammenhänge, ihr Denken ist noch lange nicht so weit. Sie kann nur spüren, fühlen, reagieren … mehr nicht.

Und das alles durchlebe ich jetzt seit Wochen, ihr Leid, ihr sterben wollen.
Trost von uns kommt kaum an. Weil sie nicht wirklich mehr bei uns ist. Sie wollte ja woanders bleiben. Nur scheint es ihr nicht mehr gut zu tun, weil wir nicht mehr wirklich an sie rankommen.
Wir fühlen, was sie fühlt, aus uns herauskommend, aber von uns auf sie scheinen wir keinen Einfluss zu haben.
Muss eine Lösung finden, nur welche…?
Imaginär versuche ich es seit Wochen umsonst.

Die Technik des Holzriss

10. September 2013

Habe ich vom Künstler Herr Hüttengrund erlernt:

Leider ist es mein einziger Versuch geblieben ( dir faulen die Hände ab…grrrr), und an ihm sieht man die Graustufen leider kaum, weil ich Anfänger war.

Ich nehme eine Holzplatte und ritze mit einer Nadel das Motiv ein. Im Gegensatz zu einer Radierung ( bei der das Geritzte abgedruckt wird ) kann man beim Holzriss stärkere Grauabstufungen vornehmen:

Es wird das gedruckt, was man an Oberfläche stehen lässt!

} je tiefer ich ritze um so heller dann auf dem Druck!!

Macht mehr Arbeit, weil “ nicht  Benötigtes“ weg genommen werden muss.
Eigentlich macht/ritzt man ein sogenanntes Negativ!

Hier mein Holzbrett nach der Bearbeitung und leider schon voll mit Farbe nach dem Druck:

die Holzrissgrundlage

Dann kommt es unter die Presse:

"Der tägliche Tod"   Holzriss - Druck

Dieser Holzriss sollte mein tagtägliches Sterben ausdrücken! Habe ich im Jahr 2003 gemacht.

Noch einmal kurz Definition Radierung: In das Eingeritzte arbeitet man sorgsam die Farbe ein, wischt danach das Blech (Plaste auch möglich) wieder vollkommen sauber. Nur in den „Ritzen“ bleibt Farbe hängen. In der Presse wird das Papier regelrecht in die Ritzen gedrückt, wo natürlich die Farbe aufgenommen wird!

Holzriss: Mit einer Rolle wird Farbe über das Holz gewalzt, logisch, dass je höher das Holz umso mehr Farbe!
Der Druckvorgang wird dann ganz sanft vorgenommen. So entstehen dann mehr Grautöne.

EMDR – Therapieform bei posttraumatischen Belastungsstörungen

7. September 2013

Genau auf diese Art habe ich EMDR auf der Traumastation  erlebt!

Nun, Ergebnisse kann ich noch nicht fühlen, da ich erst ganz am Anfang stehe! (4 Intervalle folgen noch)

Dieser Text ist aus dem Internet gefischt. Ist so klar und einfach erklärt, dass ich nicht von meinen Erleben reden muss. Dies hier ist für jeden Laien verständlich. Und ich kann im Moment nicht gut schreiben oder nachdenken. Mir geht es zu schlecht.

EMDR = Eye Movement Desensitization and Reprocessing

Eye Movement Desensitization and Reprocessing, kurz EMDR, ist eine von Francine Shapiro in den USA entwickelte Behandlungsmethode für Trauma-Betroffene aus dem Bereich der Psychotraumatologie.

Bei EMDR regt der Therapeut den Patienten nach strukturierter Vorbereitung zu bestimmten Augenbewegungen an, wodurch es möglich werden soll, unverarbeitete traumatische Inhalte zu verarbeiten.

Inhaltsverzeichnis
1 Abgrenzung
2 Entstehung
3 Wirkungsweisen und Hintergründe
4 Ablauf
5 Gefahren
6 Wissenschaftliche Anerkennung

1. Abgrenzung
Trotz oberflächlicher Ähnlichkeit, etwa durch die angeleitete Augenbewegung, ist EMDR nicht mit Hypnose zu verwechseln. Es soll keine Veränderung des Bewusstseinszustandes, sondern vielmehr eine Integration der mit dem Trauma verbundenen Emotionen und Empfindungen erreicht werden.

2. Entstehung
Francine Shapiro hatte die Idee zur Erprobung und Untersuchung dieser Methode zufällig beim Spazierengehen im Park. Sie bewegte die Augen hin und her und erlebte eine deutliche Entlastung von Ängsten und depressiven Gedanken im Zusammenhang mit der bei ihr diagnostizierten Krebserkrankung.

3. Wirkungsweisen und Hintergründe
Nach einem Trauma kann es zum sogenannten „Sprachlosen Entsetzen“ (speechless terror) kommen, d. h. in der rechten Hirnhälfte werden Bilder prozessiert, die der Patient vor Augen hat, während das Sprachzentrum aktiv unterdrückt wird. Der Patient kann das Geschehene so nicht in Worte fassen, wodurch nachfolgend eine Verarbeitung des Erlebten erschwert wird. Es gibt bereits eine Vielzahl von Studien, die die Wirksamkeit von EMDR belegen und versuchen, die Wirkungsweise zu ergründen. Es wird angenommen, dass durch die bilaterale Stimulation mittels bestimmter Augenbewegungen (oder auch akustischen oder taktilen Reizen), eine Synchronisation der Hirnhälften ermöglicht wird, die bei der posttraumatischen Belastungsstörung gestört ist. Erklärend wird auch Bezug genommen auf eine Schlafphase, bei der starke Augenbewegungen stattfinden und zugleich ein erhöhter Verarbeitungsmodus des im Alltag Erlebten vermutet wird.

4. Ablauf
Das eigentliche Durcharbeiten der belastenden Inhalte, durch Augenbewegungen oder andere Stimulationsarten, ist dabei ein recht später Schritt im Therapiemanual.

Anamnese:
Zunächst muss eine genaue Anamnese erhoben werden, bei der z. B. die traumakompensatorischen Bewältigungsversuche des Patienten erfragt werden. Auch muss zuvor abgeklärt werden, ob gleichzeitig eine sogenannte dissoziative Störung vorliegt (hierbei werden Teile des eigenen Erlebens ausgeblendet/aktiv unterdrückt).

Stabilisierung: 
Die Stabilisierungsphase dauert je nach Lage der Ressourcen oft sehr lange. Besonders bei einer dissoziativen Störung muss als vorrangiges Therapieziel zunächst eine Grundstabilisierung des Patienten erreicht werden, die die Fähigkeit des Patienten stärkt, sich der Traumathematik vorsichtig und dosiert zu nähern und sich vor einer möglichen ungesteuerten „Überflutung“ mit belastendem Erinnerungsmaterial aktiv zu schützen.
Auch hierbei kann EMDR hilfreich sein, z. B. durch eine mittels angeleiteter Augenbewegung erfolgreichen Verankerung positiver Imagination wie „der innere sichere Ort“ oder „der innere Tresor“ nach Dr. Luise Reddemann.

Bewertung:
Einer einzelnen ausgewählten Erinnerung, also einem „einzelnen Bild“, das den belastetsten Teil einer Traumathematik darstellt, wird vom Patienten eine aktuell zutreffende negative Kognition, (z. B. „ich bin hilflos“) zugewiesen sowie auch eine positive, die er in Zukunft damit verbinden möchte (z. B. „ich kann heute etwas tun“ – was dann als eine Ressource zu verstehen ist). Die an dieser Stelle eingeschätzte Belastung der Situation soll im folgenden Bearbeitungs-Prozess sinken.

Desensibilisierung: 
In dieser Phase wird die Traumabearbeitung durch die Augenbewegungen begleitet. Während an die Traumathematik gebundene Energie freigesetzt wird, kommt es häufig zu unterschiedlichsten sogenannten Abreaktionen (wie z. B. Weinen, heftiges Atmen, Übelkeit u. a.), die erinnerte Situation verliert so ihre emotionale Aufladung.
Zur Bearbeitung einer Traumathematik sind meistens mehrere EMDR-Sitzungen nötig. Einflechten von sogenannten Ressourcen z. B. „hilfreiche innere Wesen“ oder „ideale innere Eltern“, die zuvor z. B. mit Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie installiert wurden unterstützt oftmals diese Phase.

Verankerung: 
Empfindet der Patient bei der erinnerten Situation keine Belastung mehr, wird die positive Kognition nochmals überprüft und mit Augenbewegungen verankert.

Körper-Test: 
Alle Missempfindungen zur erinnerten Situation sollten bei einem kompletten Abschluss der Sitzung verschwunden sein.

Abschluss: 
In der Besprechung zum Abschluss der Sitzung wird der Patient auf das „Nachprozessieren“ (z.B. in Träumen) hingewiesen. Es bringt eventuell neues Material für weitere Sitzungen hervor und sollte in einem Tagebuch festgehalten werden.

5. Gefahren
Die Behandlung dissoziativer Störungen sollte erfahrenen Traumatherapeuten vorbehalten bleiben, da der Patient sonst gefährdet ist, im Zuge der Behandlung retraumatisiert zu werden, das hieße, erneut überschwemmt zu werden mit den angstmachenden Gefühlen. Der Patient würde dann die auslösende Situation ungeschützt noch einmal durchleben. Dann würde die Traumatherapie mehr schaden als nutzen: die Symptome könnten sich vertiefen – möglicherweise in bedrohlichem Ausmaß, eine weitere Behandlung wäre erschwert. Eine sorgfältige Vorbereitung und Abklärung von Komorbiditäten (gleichzeitig vorliegender anderer Erkrankungen) ist bei der Traumatherapie also sehr wichtig.
Wichtig ist auch die Abklärung der damaligen Bewältigungsstrategien des Traumas, da auch diese durch das EMDR getriggert werden. Wenn z. B. damals nach dem erlebten Trauma suizidale Tendenzen bestanden, können diese auch nach der EMDR-Sitzung reaktiviert werden, über diese Verbindung muss der Patient vorher aufgeklärt werden.

6. Wissenschaftliche Anerkennung
Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie verabschiedete in der Sitzung vom 6. Juli 2006 ein Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen. Gemäß diesem Gutachten kann die EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen bei Erwachsenen als wissenschaftlich anerkannt gelten.

Wie erlebe ich mich?

25. August 2013

25.8.13

Leicht ist es nicht, mein Innenleben zu beschreiben. Aber mit jeder überstandenen Krise wird das innere Bild immer klarer.

Vor 11 Jahren, bei meinem Totalzusammenbruch, passierte etwas sehr Merkwürdiges. Im Zusammenhang mit den Flashs landete ich in einem Zimmer, das wohl für so einige Etappen meiner Kindheit steht.
Wie nun erlebe ich das Leben, die Welt, mein Fühlen seitdem?

Ich bin in einer Kiste, aus Holz und teilweise Korbgeflecht.
Diese Kiste ist gleichzeitig ein Zimmer im schummrigen Licht mit nur einer „Nach-Innen-Tür“. Ich starre wie hypnotisiert auf diese Tür, rutsche dabei immer dichter an das Kopfende des Bettes, umklammere meine Beine. Die Tür wird etwas zu mir herein lassen. In Erwartung des absolut Bösem verharre ich seit  Jahren in dieser Position.
Die Tür lässt überhaupt nichts nach außen dringen. Ich habe keine Möglichkeit, etwas nach außen zu bringen, geschweige denn selbst nach außen zu gehen. So wird das Zimmer für mich wie ein eisernes Band, das sich über meine Brust legt und immer enger wird.
Viele Ich-Wesen sind aus mir herausgetreten, schweben an der Zimmerdecke nervös durcheinander, von einer Ecke in die andere, so, als suchten sie ein Entrinnen.
Dies beschreibt meinen üblichen Tagzustand.
Dieses Umherschwirren im Fluchtversuch schafft in mir eine enorme körperliche Angespanntheit, die ich trotz aller Entspannungsübungen nicht loswerden kann.

Die Kiste hat Ritzen, durch die manchmal etwas nach innen dringt. Meist sind es Trigger, die meine Ich-Wesen in ein völliges Chaos stürzen.
Und im Moment der gefühlten Bedrohung scheinen die vier Wände dieses Zimmers gleichzeitig eine Garantie zu sein, dass sie mich beschützen, dass sie nichts an Gefahr zu mir hindurchlassen.

Das Zimmer als schützendes Verlies meiner Existenz.

Wenn ich einigermaßen real im Alltag bin, kann ich das angespannt Sein nur mit Ablenkung etwas herunter schrauben. Da ich aber bisher noch keine wirkliche Traumatherapie gemacht habe, ist diese Ablenkung nur eine Verdrängung des Ganzen. Dies wiederum bringt meine Ich-Wesen in noch mehr Verwirrtheit, die Anspannung steigt, der Druck wird oft gefühlt unaushaltbar.
Mit etwas Glück kompensiert sich das mit körperlichen Schmerzen, denn sie sind besser auszuhalten; abartige Entspannung durch gefühlten psychosomatischen Schmerz und durch Körperflashs.
Mal völlig abgesehen davon, dass ich zusätzlich ununterbrochen meine Wirklichkeit zu überprüfen scheine durch schmerzhaftes Einreißen der Nagelhäute, ohne Pause. Der Schmerz als Wahrnehmung meiner Selbst, als Sicherheit, noch zu existieren.

Ich finde kaum noch in den Schlaf:
Wenn ich zur Nacht die Augen schließe, scheinen meine Ich-Wesen zu mir zurück zu kehren.
Was des Tags in meiner Außenhaut stattfand, findet sich nun in meinem Kopf. Gedanken überschlagen, überholen, überdecken  sich dermaßen, als wolle jeder einzelne zuerst zu Wort kommen. Ein Nicht-Denken-Können in der Überflutung von Gedanken. Das Gehirn findet keine Sortiermöglichkeit, kein Ablagefach, kein Ordnungssystem. Und so wälze ich mich Nacht für Nacht durch die Stunden durch scheinbar fremde Gedanken, die doch meine sind.

Und die Nacht macht das Zimmer dunkler und enger. Nichts kann durch die Wände nach außen dringen. So platzt es fast aus allen Nähten vor Gedankenfetzen, meinen Schreien, meinen Schmerzen. Alles ineinander vermengt, nicht zu entwirren.
Ein Morgen bedeutet völlige Erschöpfung, Schmerzen in fast allen Gliedern und der Angst, alles beginnt von vorn.
Jeden Morgen!
Jeden Tag!

Meine Sicht auf das Leben

31. Juli 2013

Mir ist sehr wohl klar, dass viele Leser über die Tatsache stolpern müssen, dass ich meist nur von meinem Innenleben schreibe.
Da kommen sicher Fragen auf, wie:
„Sieht die Alte nicht das Drumherum?“
„Warum jammert die immer so?“
„Hat die nichts anderes, mit dem sie sich beschäftigen kann?“
und so weiter und so weiter ……..

Nun, wären berechtigte Fragen, wenn mein Blog nicht ein ganz bestimmtes Ziel hätte.

Es geht nicht darum, was ich so tagtäglich erlebe, tue, welche Kontakte ich pflege oder so. Solche Dinge kommen in mein privates Tagebuch.
Es geht hier auch nicht darum, welche politische,  gesellschaftliche und philosophischen Meinungen ich vertrete.
Nein.

Mein Blog soll Gleichbetroffenen und deren Angehörigen und Partnern aufzeigen, wie es in einem so verqueren Innenleben abgeht. Was mich beutelt, nieder schmeißt, zweifeln lässt. Wie ich wieder nach oben steige wie Phönix, mich neu sortiere, kämpfe!
Klar habe ich es mit meinen Störungen nicht besonders leicht, auf meine Umwelt adäquat zu reagieren. Ist schon klar.
Und folglich muss ich viele innere Kämpfe ausfechten, die ich hier im Blog notiere.
Ich mache keinen Alltagsblog für Geschehnisse, sondern einen Blog über das desolate Innenleben einer chronischen PTBS frühkindlicher Traumata. Dazu gehören die Ängste nun mal, die Abstürze, die Flashs.
Und ich will berichten, was die Spaltung in mir für Probleme macht. Will die einzelnen Anteile benennen, mit ihnen umgehen lernen.
Also, liebe Leser,
es wird hier auf den Seiten IMMER nur um mein Inneres gehen.
Deshalb muss man nicht annehmen, dass ich kein äußeres Leben habe, versteht ihr? Für so etwas gibt es genügend andere Seiten im Internet.

Und noch einmal:
Lasst euch nie beirren von meinen Todesgedanken!
Glaubt mir, man kann sie in sich tragen, ohne sich jemals selbst das Leben nehmen zu wollen. Das hat einfach nur mit den Traumatisierungen zu tun.

Kein Selbstwert

23. Juli 2013

Selbst-WERT

Du störst – du bist selbst schuld – du hast dich unter zu ordnen – du machst meine Ehe kaputt – reiß dich am Riemen, sonst setzt es was – hör auf zu jammern – zieh nicht solche Gusche, sonst knallt es – man hat zu schlucken – Strafe muss sein – iss das gefälligst auf – hab dich nicht so – geh in dein Zimmer, was willst du hier – hättest vorher überlegen müssen, nun ist zu spät (Prügel) – du denkst immer erst hinterher – brauchst dich nicht zu wundern über die Reaktionen der anderen – wofür suchst du einen Schuldigen – nein, ich habe dich nie geliebt, weil die Heimschwestern meine abgepumpte Milch dir nicht brachten…

In meinem Selbst:
Ich bin nichts wert – bin überflüssig – mich will keiner – ich bin selbst schuld – ich habe es verdient – ich bin zu dumm – kriege nichts auf die Reihe – ich darf nichts wollen- ich darf nichts fühlen – und erst recht nicht zeigen – an jeden Echo bin ich selbst schuld – man kann mich nicht lieben – habe Liebe nicht verdient – bin zuviel auf der Welt…

Zwei voneinander getrennte Absätze, auf die ich wirklich nicht eingehen muss.
Ein irres Selbstbild von mir, dass mich Schritte auf Menschen zu nur selten und sehr zögerlich machen lässt. Immer weg geschoben als Kind, nicht wahrgenommen als Menschlein … was bleibt da in mir? Ich bin es nicht wert. Punkt! Jede Annäherung von mir an andere empfinde ich als Anmaßung von mir, als ein Aufdrängen.
Es geht einfach nicht in meinen Kopf hinein, dass eventuell Leute mich mal gern um sich haben. Geht gar nicht! Wie auch, bin schlecht, sonst hätte man mich als Kind doch geliebt, oder?

Ich bin gar nichts wert.
In mich eingebrannt, vom Introjekt immer wieder neu heraufgeholt, in Stein gemeißelt!

Sehe gerade einen Zusammenhang zum Thema EINSAMKEIT.

Was ich oft träume?????
Ein einziges Mal an einem Menschen anlehnen, ohne auf dem „Sprung“ zu sein, auf der Hut!

Nur ein einziges Mal so etwas fühlen dürfen …. Beistand in absoluter Sicherheit!!!!!

Anteile 2003

5. Juni 2013

Freitag, den 15.4.2003

Kaum allein im Auto unkontrolliert die Tränen.
Du bist 10 und heulst. Warum tut sie mir das an? Lieben und verlieren? Es weint es in mir. Viel kleiner. Wein nur!

Hör nicht auf Frau M., da ist kein Sinn. Lass dich nicht verschaukeln. Da ist er wieder, der Rebell.

Pfeif drauf.

Ich erkenne dich, schnoddrig, Schauspieler, du cooles Arschloch hast kein Respekt.
Aber oft die Hilfe, keiner merkt was.
Offensiv; da kommt keiner ran.
Lässt nichts durch. Danke.
Ich durchschaue dich, bist die Abwehr mit der großen Schnauze. Du passt nicht hierher, rede heute anders.
Du blamierst mich. Aber bleib ruhig da. Hinter dir sehe ich die Kleine.
Du hast sie lieb, stemmst deine Arme in die Hüften.
Danke. Da kommt wirklich keiner durch.

Aber was soll ich mit dir tun?
Irritierst mich, zu wenig Platz da.
Ich rücke schon etwas.
Aber du drängelst. Machst deine Witze.
Und die Zähne tun mir weh. Was presst du so?

Bist wütend. Glaub ja nicht, dass ich das nicht merke.
Woher kenn ich dich bloß? Dieser Zorn in dir, diese Kälte
.
Frau Br..mann geht über den Schulhof. Ja, ich laufe los. Und bemerke den Irrtum – es ist nicht meine Mutter. Nur die Haarfarbe stimmt und das Grün in den Augen. Irgendwann gibt meine Freundin ihr mein Tagebuch. 8. Klasse. Der Tag wie heute. Es ist das erste Mal in meinem Leben, wo der Wunsch da ist: “ Bitte hilf mir!!!”  Peinlich, ich vergöttere sie. Dann der Schlag ins Gesicht. “ Ich will damit nichts zu tun haben.”

Hi, Mari, hab nach dir gesucht heute. Du erinnerst dich gut, nicht?

Ja, glaub, es war der erste Versuch in meinem Leben – mein erster Hilfeschrei. Nur wegen der Haarfarbe? Nein! Sah sie mit ihrem Kind, 3 Jahre. Zwischen den beiden sah ich Liebe. Weiß noch, ich wollte dazugehören. Eiskalte Abfuhr. Das Buch hab ich in den Ofen gesteckt. Schade! Was stand da drin? Keine Ahnung!

Ab da waren selbst die Lehrer blöd. Und mein Entschluss: Ich mach es besser. Ich werde Lehrer. Dir werde ich es schon zeigen!

Jetzt ahne ich woher du kommst, Rebell. Ahne ich? Warum bin ich mir so sicher? Höre ich dich in Gedanken oder sind es meine Gedanken? Mein Schädel will platzen. Kann doch nicht sein, dass du das Denken übernimmst.

Patientin Dora heute in der Gruppenvisite: “ Dass mir meine Mutter nicht mal 50 Euro anbietet.”

Da warst du plötzlich da, frech grinsend: “Wie kann man so etwas von einer Mutter erwarten. Mädel, du bist naiv. Mütter sind kalte Schweine!”
Meine Zähne tun weh. Aber wir stehen über den Dingen.
“Naives Ding, kennst das Leben nicht.” Lauthals lachst du.

Willst nicht hören lassen, wie es weint hinter dir. Na ja, besser als der Schmerz.

Nachtrag: In der Visite erlebte ich zum ersten Mal zwei Anteile gleichzeitig in mir! Hat mich überfordert, bin danach ins Gelände abgehauen, um wieder runter zu kommen! So ein durcheinander Gequake im Kopf machte Angst!

SMS-Pause …..

Ich sortiere:
das Baby, die Kleine, Mariechen, 10 Jahre, 12 Jahre, der Rebell, das Schlitzauge

Sitze blöd da und frage: Wo ist Mari??

MARI, Scheiß Name.

Meine Schwester J. hieß immer J…, mein Bruder M. immer M…! Ich war immer nur Mari. Meinen Wunschnamen hat das erste Mal Edit (Ungarn) ausgesprochen: Mxxxxx.
Oje, ich kapier hier was.

Gute Nacht! Will schlafen.

Eiskalter Tropfen
fällst auf meine Haut
und bist erstaunt
dass ich nicht aufschrecke
Wer ist nun hier im Vorteil?

Kann nicht schlafen. Die Tränen wollen kullern. Weil ich verstehe, was damals passiert ist. War die Enttäuschung so groß? Tat es so extrem weh, dass ich rebellisch werden musste? Obwohl ich verwirrt, geschafft, ausgelaugt bin, etwas Mut mit der aller ersten Erkenntnis: Wann, in welchem Moment in mir etwas Neues entstand. Und ein klein wenig Hoffnung da, dass ich vielleicht auch noch viel mehr verstehe irgendwann.

Eins ist mir seit 2 Wochen enorm bewusst geworden: Schon und nur allein das Wort – MUTTER – lässt alles kippen – Chaos – unkontrollierbar alles.

Deshalb die Angst vor den Gruppenvisiten? Jeder zweite Patient benutzt dieses Wort. Ich hasse das. Kriege Panik – so viel kommt hoch – staune – da braucht es kein Sofa – bin ausgeliefert – selbst in jedem Einzelgespräch.

Jeden Tag neu

29. Mai 2013

An manchen Tagen frage ich mich, wo die Kraft herkommt. Sie ist da und ich tue Dinge, die an anderen Tagen nicht mal zu denken wären.
Logisch, dass ich Post von der Staatsanwaltschaft bekam, mit der Info, dass laut Gesetz … bla, bla… das Verfahren eingestellt wurde. Wusste ich vorher. Aber dass ich den Mut und die Kraft habe, Beschwerde dagegen einzulegen, das hab ich nicht von mir erwartet. Ich habe um „Ruhen“ gebeten, bis das neue Verjährungsgesetz auf den Weg gebracht wird. Ohne Nachdenken um die Folgen ab in den Briefkasten.
Natürlich denke ich seit Monaten darüber nach. Warum tue ich das? Welchen Zweck verfolge ich? Was soll das bringen?
Nun, mir bringt es nichts… nichts für mein Leben, nichts für mein Empfinden in Zukunft.
Rache? Blödsinn.
Was treibt mich?
Und dann bemerke ich an mir die Explosionsgefahr, wenn ich auf der Straße, ach, egal wo, Menschen erlebe, die ihre Kinder anschreien, sie ohrfeigen, schubsen, kneifen oder ähnliches. In mir steigt alles an Schmerz auf, ich bekomme Wut, ich verzweifle. Verstehe nicht, dass noch heute im Jahr 2013 der Mensch noch immer nicht verstanden hat, was er Kindern antun kann.

Und dann wird mir klar, dass ich trotz der widrigen Umstände des Aufwachsens meiner Eltern, noch immer kein Verzeihen ihres Verhaltens fühlen kann. Und mir wird auch bewusst, dass ich AN STELLE tausender Kinder diesen Schritt gehen will-Strafverfolgung.
Wie viele Kinder werden sich noch das Leben nehmen, in Psychiatrien versteinern, nur Angst kennen und kein wirkliches Leben führen können? Wie viele noch? Wann hört das auf? Und wie viele Eltern dagegen werden weiter ihr Leben leben in Beschaulichkeit und ohne Reue? Ich krieg nen Hals!!!!

Es muss endlich ins Bewusstsein der Menschen getragen werden, was heute noch in Familien passiert.
Ich halte das einfach nicht mehr aus.
Und wenn ich auf mich sehe, erkenne ich die Wut und die Verzweiflung darüber, dass mein Erleben nicht mit dem Tod der Eltern enden wird, sondern erst mit meinem eigenen Tod, dem physischen, dem unabdingbaren.
Den wirklichen Tod kenne ich schon lange. Da ist jeden Tag ein bisschen mehr an sterben, jeden Tag.

Jeden Tag.
Jeden Tag, an dem ich erlebe, dass ich immer noch die abgestempelte Schuldige bin, die ihre Klappe nicht halten will, die sich aufbäumt.

Jeden Tag neu das Erleben, nicht zur Familie zu gehören. Jeden Tag neu, verlassen zu werden. Jeden Tag neu! Das wird nie aufhören. Nie! Weil es zu meinem ICH gemacht wurde.
Und jeden Tag neu muss ich des Überlebens wegen die falschen Mechanismen des Dissoziierens einsetzen, damit ich den Abend erlebe. Jeden Tag neu!

Wie vielen Millionen Kindern auf der Welt soll das noch passieren, bis endlich mal die Erde in einem Ur-Endlos-Knall zerfällt?
DAS lässt mich verzweifeln!!!
DAS!

Tränen    Tränen              

1                         

 

 

 

Fetzen vor 10 Jahren ! Triggergefahr

28. Mai 2013

Tagebuch
Montag, den 31.März 2003

Hab mich ausgeweint bei G. S.. Kann es nicht glauben. Verstehe nicht, wie man so etwas abspalten könnte.
Am Freitag im Einzelgespräch erzähle ich von der Abweisung durch meine Mutter, der immerwährenden Angst. Und, dass ich nie weinen durfte oder auch nur eine Stimmung zeigen durfte. Frau M. fragt: ”Haben sie in der Schule geweint?”
Sprachlos sitze ich da und begreife: Nie in meinem Leben hat das Kind je über seinen Schmerz geweint vor anderen Menschen. Erst hat es die Mutter verboten, dann hab ich es mir verboten.

Und ich fange an zu verstehen, was aus mir geworden ist.
Und ich beginne langsam für mich zu akzeptieren, dass ich aus mehreren Seelen bestehe. In den letzten Wochen haben sich da der Säugling gezeigt, das Kleinkind und die 12 jährige. Glaube ich mal erwachsen zu sein, dann ist in Wahrheit die 12 jährige da. Sehe es an meinen Gesten, der Mimik und dem total verspielten Wesen. Und daran, wie ich vor Angst zittere, wenn es an ein Gespräch geht.
Und zum ersten Mal konnte ich fühlen, dass ich das traurige Kind in mir in den Arm nehmen kann und muss. Nur so kann der Schmerz raus und die Seele gesunden.
Erst letzten Donnerstag war das Kleinstkind da, das in der Ecke zusammengekauert hockte und den Schmerz und die Einsamkeit heraus schrie. Frau M. brauchte sehr lange um mich aus dieser falschen Zeit heraus zu holen. Und danach kamen die Erinnerungen bis ins Detail: wie meine Mutter zu mir war und was ich tagtäglich für Ängste ausstehen musste.
Wie ich den heutigen Tag verarbeiten soll und kann, das weiß ich noch nicht. Vielleicht sitze ich gerade dazu jetzt vor meinem Tagebuch.
Heute erzählte ich wieder von meiner Mutter, um zu erklären, warum ich vor den anderen in der Klinik einfach nicht weinen kann.

Neu ist zwar, dass ich nicht mehr “abhaue”/ mein Geist ist nicht mehr anwesend/ nehme die Umwelt nicht mehr wahr/ verflüchtige mich auf meine Wolke, die mich endlich mitnehmen soll — nein, ich hau nicht mehr ab.
Da ist plötzlich die 12 jährige mit ihrem pubertären Widerstand, der Gegenwehr, dem Trotz – ist anwesend, übernimmt den Schmerz und hält die Kleine im Arm. Bin also irgendwie da und verstehe, was um mich herum abläuft. Gleichzeitig stellt sich mir die Frage, wo ist die 41 jährige??? Frau M. jedenfalls hat sie noch nie gesehen.

Im Gespräch landete ich logischerweise wieder bei den Prügeleien meines Stiefvaters. Denn zu tief sitzt der Schmerz, dass mir niemand je zu Hilfe eilte. Meine Mutter sah einfach weg, meine Geschwister durften das “Prügelzimmer” nie betreten während der Schläge und auch lange Zeit danach nicht.
Fühle noch wie heute, wie ich zusammengekauert am Ofen hocke und mir die Seele aus dem Leib weine, Minuten und Stunden danach. Und niemand durfte zu mir, mich trösten. Mein Brüderchen wimmert in seinem Zimmer, meine Schwester musste alles im Nebenzimmer mit anhören.
Ich erzählte weiter, dass irgendwann (als ich ungefähr 13 war) meine Schwester sich vor meinen Vater warf und gegen ihn ankämpfte um mich zu schützen. Es war das erste und einzige Mal.

Was ich aber nie begriff war: Warum übernahm ab diesem Moment meine Mutter die Funktion des Schlägers??
Warum hörte sie nie, wie ich unter ihren Schlägen nach ihr rief: Mutti!! ?????

M. fragt mich: “ Was fühlen sie bei den Schlägen ihres Stiefvaters? Was genau tut ihnen weh?”

Weinend sitze ich da, spüre die Schläge auf meinem Körper einprasseln – aber da ist kein Schmerz, der von den Knochen ausstrahlt, von der Haut oder dem Kopf.
Wieder fragt M.:
“Was nehmen sie von ihrem Körper wahr? Wo tut es weh?”

Ich fühle, wie mir die Brust, der gesamte Oberkörper zerspringen will, spüre meine Beine nicht mehr, meine Scheide drückt, scheint doppelt und dreifach so groß – ich sitze darauf, sie ist im Weg.
Ich will aber nichts sagen.
M. drängt mich, auszusprechen, was ich gerade fühle.
Kriege Panik, mein ganzer Körper weint. Tränen fließen so viele, wie schon Jahre nicht mehr.
Aber ich kann es sagen – es rückt so ins Bewusstsein. “Meine Scham ist doppelt so groß.”
Jedes andere Wort über mein Geschlechtsteil ist in diesem Moment so widerwärtig für mich.
Riesiges Entsetzen breitet sich in mir aus, eine Klappe fällt.
In mir bäumt sich etwas auf und ganz tief in einem Eckchen ist da jemand, der mich ansieht und sich dann hinlegt mit einem Hauch von Erleichterung auf dem Gesicht.

Jetzt, noch Stunden danach, spüre ich das in jenem Moment Gefühlte. Will es nicht begreifen, nicht wahrhaben. Was war da im Zimmer passiert?? Finde keine Bilder, bin verzweifelt, möchte mich irren.
Stunden später:
Habe viel geweint, mit B. geredet, bin erschöpft, will schlafen.

Ich erinnere mich an M., wie sie bemüht ist, meine (auf sie übergesprungenen) Gefühle abzustreifen. Ich sehe sie so anteilvoll, schützend und stark. Fühle mich geborgen. Ich weine vor Erleichterung. Werde den nächsten Tag schaffen. Gute Nacht.

Flucht als Kind/Jugendliche in den Rausch

25. Mai 2013

Flucht in den Rausch war für mich als Kind gleichgesetzt mit der Realitätsflucht.

Im Laufe der Jahre haben sich die Möglichkeiten verändert. Einiges, was ich jetzt erzähle, habe ich nicht in der Erinnerung, sondern wurde mir von meinen Wegbegleitern von damals berichtet über mich.

Das erste in meiner Erinnerung sind die Gänge ab dem 8. Lebensjahr auf unseren Friedhof in Magdeburg, der nur 100 Meter entfernt von der Wohnung war.

Die Gräber hatten eine magische Anziehungskraft, wünschte ich mich doch am Liebsten immer dort hinein. Ich beneidete sogar die Toten, ist das zu fassen?

Dass mir die dicken Blütendüfte der dort ansässigen Büsche und Bäume irgendwie halfen, an einem Grab stehend mich aus mir selbst zu entfernen (innen tot zu machen), mich unberührbar, unantastbar, gefühlslos zu machen, das weiß ich bis heute. Denn heute noch „stehe ich plötzlich an einem Grab“, wenn ein ganz bestimmter Blütenduft in meine Nase strömt. Plumps, bin ich in der Kindheit.

Die Ohnmachtsspiele in der Schule waren wohl das Nächste, was mich in Rausch versetzen sollte.

Dann war so ab 10 Jahre die Zeit des Klebstoffschnüffelns dran. (1972) Zu DDR-Zeiten gab es nur eine Klebstoffsorte, die alles klebte. Und gerochen hat der Stoff wie hundert  Chemiebetriebe. Super! Dazu die durchsichtigen Plastemilchtüten mit blauer Aufschrift. Klebstoff rein, Tüte vor Mund und Nase, das war’s! 50 Pfennig für Wochen, was will man mehr.

So mit 12/13 Jahren (1974) erkannten wir die üblichen Magentropfen als ideal. Sie hatten viel Schlafmohnanteil. Nur musste man die trinken, mindestens das halbe Fläschchen (was ein halbes Schnapsgläschen voll nur war), sonst hatte man nichts davon. Ich weiß nicht mehr wie, aber dass wir nur schwer an die Fläschchen rankamen. Will nicht wissen, wie viele Mitschüler die Apothekenschränke der Eltern plünderten, ha! Na und nachweisbar war es auch nicht, wenn man dem Kinderarzt Magenprobleme vorgaukelte. Schwupps, hatte man Nachschub.

Wieso und woher ich während meiner Studienzeit immer „Faustan“ hatte, kann ich nicht mehr sagen. Faustan war DAS Beruhigungsmittel zu Ostzeiten.

Alle Mitstudenten bekamen wie ich 210 Mark Studiengeld vom Staat. Damit bezahlten wir das Internat (125 Mark) und alle Fachbücher. Den Lebensunterhalt, die Kleidung (besonders Sportkleidung, Schuhe), Lebensmittel kamen von den Eltern. Nur bei mir eben nicht. Hatte nur selten Kontakt. Geld bekam ich von ihnen auch nicht, geschweige denn Lebensmittelpakete. Ich hatte nur die 90 Mark Kindergeld von meinem leiblichen Vater. So, nun iss, kleide dich, fahre Bus damit, geh ins Kino oder in die Disco. Logisch, dass das Geld nicht lange reichte. (Musste deshalb stets nebenbei arbeiten. Die anderen machten Ferien in den Semesterpausen, ich schrubbte irgendwo Dienst.)

Zurück zum Rausch. Zu Partys konnten die anderen ihren vielen Alkohol bezahlen. Ich hatte eine andere Lösung schnell den Rausch zu erreichen: eine „Faustan“ und eine Schnaps. Fertig! Das war für mich erschwinglich.

Ohnmachten

19. Mai 2013

In Ohnmacht zu fallen, das kannte ich als Kind schon sehr früh. Ob es beim Anstehen beim Bäcker war, und ich (7 J.) dann von einem Wildfremden nach Hause gebracht wurde, oder in der Schule, was ich oft verheimlichen konnte vor den Eltern.
Aber das Wissen um deren Ablauf … das Kribbeln im ganzen Körper, dann das Flirren vor den Augen, dann die Angst, nicht mehr zu erwachen, dann das langsame Einsetzen ins Nichts zu fallen… das kannte ich zur Genüge.
So war ich sicher im Vorteil bei unserem Lieblingsspiel in der Schule:
Du umarmst den anderen von hinten in Höhe des Brustkorbes, und drückst so lange zu, bis dir die zuschauenden Mitschüler ein Stoppzeichen geben. Das kam entweder bei einem Zeichen des „Opfers“, oder wenn man diesem zu sehr Luftnot ansah, oder wenn die Ohnmacht eintrat.
Kann nicht sagen, wie wir auf solchen Unfug kamen. Aber von mir selbst weiß ich noch, dass ich selbst irgendwie durch das Spiel gehofft habe, die Angst vor den Ohnmachten zu verlieren. Funktionierte nicht.
Ohnmachten zogen sich durch meine Jugend, wenn es mir zu eng wurde um mich, zu viele Menschen, zu laut alles.
In der Zeit der Ehe hatte ich wohl keine, denke ich! Kaum aber war der Mann aus meinem Leben, waren sie wieder da.
Ich bin mittlerweile Meister im Erkennen der Vorboten, lege mich blitzschnell auf den Fußboden, und suche etwas um die Beine nach oben zu halten. Und in solchen Momenten, die noch immer mit der Angst behaftet sind, sterben zu müssen, ist es mir völlig Wurst, wie die Umwelt mich sieht…Hauptsache nicht ohnmächtig werden!!
Das schlimmste Ankämpfen dagegen war so um das Jahr 2000. Wir waren in Ungarn, der Sohn einer Freundin hatte mir seine Cannabiszigarette gereicht. Oja, ich wollte einmal im Leben ausprobieren, was Drogen so mit einem machen, und wie das lustig Sein damit ist. Uh ah, da war nichts mit lustig. Bin leider ein Typ, der wohl so etwas nicht verträgt. Für mich war es ein Horrortrip über 3 Stunden. Einen Notarzt wollten die anderen nicht holen … na ja, im Ausland, reingeschmuggelte Drogen und so!
Über zwei Stunden hing ich in den Armen von zwei Freunden, sie schleiften mich im Kreis im Garten herum, wieder und wieder. Ich lallte immer nur von: nicht stehen bleiben, nicht ohnmächtig werden, das würde Tod bedeuten, kümmert euch um mein Kind … Bua, es war grausam für mich! Nach zwei Stunden hatten die beiden keine Kraft mehr und packten mich ins Bett.
Na, das war dann der Gipfel.
Ich schwebte an der Decke, sah auf das Geschehen im Zimmer hinunter, sah mich dort liegen, Schleier über Schleier…irgendwann schlief ich ein. Mein erster Versuch und so ein Scheiß!
Der nächste Versuch war im Jahr 2003. Alle saßen um ein Feuer herum, die Kippe wurde weiter gereicht, alle kicherten und hatten Spaß, und ich rang mit mir. Wollte mich auch mal frei fühlen.
Hm, dachte: Nur ein einziger kleiner Zug!
Pustekuchen! Blitzschnell wieder an der Ohnmacht. So schnell die Beine mich tragen konnten, verzog ich mich ins Haus, wo niemand war. Legte mich auf den Boden, packte die Beine auf einen Stuhl und betete: Nicht ohnmächtig werden.
Oh Mann, es drehte sich alles, mir war schlecht, mein Körper wollte sich in Luft auflösen. Hat er aber nicht.
Nun, an diesem Punkt wusste ich, dass ich selbst Drogen absolut nicht vertrage, dass die scheinbar für andere Menschen einsetzenden Rauschgefühle nicht bei mir eintreten, sondern eher die Todesangst.
Klingt jetzt blöd, aber es hat mich traurig gemacht in Anbetracht dessen, dass ich auch Alkohol nicht vertrage.
Das mit dem kurz vor der Ohnmacht stehen und dagegen ankämpfen ist immer noch aktuell, aber der soziale Rückzug verhindert die Häufigkeit.

Prügelstrafe „Schwarze Pädagogik“

11. Mai 2013

Zitate aus „Die geprügelte Generation“ von Ingrid Müller-Münch

Märchen 

Es war einmal ein Kind eigensinnig und tat nicht, was seine Mutter haben wollte. Darum hatte der liebe Gott kein Wohlgefallen an ihm und ließ es krank werden, und kein Arzt konnte ihm helfen, und in kurzem lag es auf dem Totenbettchen.
Als es nun ins Grab versenkt und Erde über es hin gedeckt war, so kam auf einmal sein Ärmchen wieder hervor und reichte es in die Höhe, und wenn sie es hineinlegten und frische Erde darüber taten, so half das nichts, und das Ärmchen kam immer wieder heraus.
Da musste
die Mutter selbst zum Grabe gehen und mit der Rute aufs Ärmchen schlagen, und wie sie das getan hatte, zog es sich hinein, und das Kind hatte nun erst Ruhe unter der Erde.

_____________________________________________________

Dr. med. Johanna Haarer, geb. 1900 schrieb Erziehungshandbücher,  darunter Propaganda von Nazis, mit Prügel zum absoluten Gehorsam, „Affenliebe zum Kind macht dieses verderblich.“ Beispiele sind Sätze: „ Entweder du spurst oder es knallt!“, „Entweder reißt du dich jetzt am Riemen, oder ich schlage dich windelweich!“

Johanna Haarers Bücher waren bis in den 80er Jahren bekannt, da noch über 1 Millionen Exemplare aufgelegt. Hauptaussage: „ Kinder sind chaotisch, bösartig und müssen deshalb gezähmt werden zu ihrem eigenen Besten.“

Viele Kriegstraumatisierten bauten auch durch die Prügeleien ihren Stress ab.

Das „Vicarous-Trauma“, das sogenannte Stellvertreter-Trauma ist die Tatsache, dass die Kinder das Kriegstrauma ihrer Eltern quasi für sich übernommen haben, sie durchlebten die ehemaligen Leiden der Eltern, als wären sie ihre eigenen Leiden gewesen.

Eltern wollen stets ihre Kinder beschützen, egal wie gewalttätig sie sich dabei geben. Sie sprechen aber nie über ihr Kriegserleben. So bleiben die geschlagenen Kinder immer mit der Frage zurück: Warum? Was habe ich falsch gemacht? Das Kind kann die Verbindung zwischen den Schlägen und dem, was die Eltern erlebt haben, einfach nicht herstellen.

Neben der körperlichen Gewalt ist die der seelischen Grausamkeiten genauso zerstörend. Psychoterror in den Familien zeigte sich durch Liebesentzug, Hausarrest, Schweigen, Demütigungen vor anderen, Bloßstellungen. Ein ständiges „Leise sein müssen“ vermittelt Kindern zu stören, in der Familie überflüssig zu sein. Es empfindet jeden Unfrieden in der Familie als eigene Schuld. Das Kind entwickelt in sich die Vorstellung. „Ich bin nicht richtig, egal wie ich mich anstrenge.“

Innenkinder unbekannt?

21. April 2013

Anja und die Sterne fragte uns auf ihrem Blog, was wir als Magie empfinden. Ich konnte ihr von meiner Sicht auf die Natur schreiben. Heute lese ich einen Artikel von Rosenblatt zu diesem Thema, bin erstaunt über ihre Kenntnisse des eigenen Innenlebens.

Und ganz groß steigt in mir die Frage auf: Warum habe ich nicht die eindeutige Kenntnis über meine Anteile? Rosenblatt kann wunderbar ihre Innens unterscheiden, ihre Gefühlswelt beschreiben und die Funktionalität des Gesamtsystems. Ich dagegen aber stehe da, erinnere mich, wie die Kleine in mir den glitzernden Schnee entdeckt hat, erinnere mich an ihr Denken, ihre unbeholfenen Bewegungen, ihr Erstaunen. Nur in diesem Zusammenhang konnte ich auf das Alter der Kleinen schließen.

Und nun kommt hier mein aktueller Zweifel: Wenn diese Kleine so um die 3 Jahre war, so ein schönes Fühlen und Erleben hatte, wie kann sie dann gleichzeitig auf dem Bett sitzen und vor Angst lieber sterben wollen? (Marie) Kann ein innerer Anteil zwei Seiten in sich haben, laufe ich durch die Welt und kenne nicht mal einen Großteil von mir selbst?

Wenn in Not eine Abspaltung erfolgt, ich die Marie also in mir habe mit allem Leid – das Wesen, dass den Schmerz übernommen hat – ist dann da in mir noch der Teil, der „weggeflogen“ ist, der beschützt werden musste? Wenn dem so ist, warum nehme ich diesen Anteil nicht so bewusst wahr wie die Marie? Ist der beschützte Anteil die Kleine, die ihre Lebensfreude, ihren Entdeckerdrang, ihr Zutrauen behalten konnte? Ist es die Kleine, die mit dem Schnee gespielt hat?

Kann es sein, dass ich vorrangig nur die traumatisierten Anteile kenne? Warum?

Sind sie in ihrem Fühlen so stark, dass wir dagegen kaum die beschützten Kinder wiedererkennen und spüren? Ist mein Grundzustand die Depressivität, weil die „heilgebliebenen“ Kinderseelen noch immer kaum hervorschauen? Werden sie noch immer bedeckt gehalten um sie zu schützen?

So viele Fragen die auftauchen. Nur eines ist Fakt, wie in „Kurzgeschichten“ beschrieben, habe ich wunderbare Momente des Entdeckens und Staunens in meiner mich umgebenen Welt. Eingetaucht darin, kann ich genießen, mit allen Sinnen wahrnehmen. Und in den letzten Monaten konnte ich es immer intensiver. Mein Gehör scheint übersensibel, ebenso mein Geruchssinn. (trotz des 35 Jahren Tabakkonsums)

So und nun die Frage: Kann es sein, dass ich nicht mal die Hälfte meiner Anteile kenne?

Da fällt mir folgende Erkenntnis ein, die ich vor kurzem hatte: Namen zu meinen Anteilen haben sich immer nur dann eingefunden, wenn diese Anteile äußerst bewusst und häufig in mir agiert haben, bzw. wenn plötzlich jemand Neues mein Außen übernommen hat. Im Gegensatz dazu die zwei Jungen. Sie sind seit Jahren da, nehme sie aber nur als Beobachter wahr, kann mir ihre Anwesenheit nicht erklären. Sie agieren auch nie wirklich. Haben sie deshalb keine Namen?

Die 8 jährige, die so viel Angst vor NETT SEIN hat, sie fühle ich agieren. Warum hat sie keinen Namen? Merke, hier ist alles ein Widerspruch in sich.

Genauso fühle ich in mir noch viele kleine Seelen die weinen (deshalb die Einrichtung eines Schlafsaals in unserem Haus), kann sie aber nicht orten und erkennen. Fühle, dass da mehr sind, kenne sie aber nicht.

Ich kriege einfach in mir drin keine Ordnung rein, kein wirkliches Erkennen. Geht es anderen Betroffenen auch so? Braucht man etwa Jahre dazu? Oder liegt es an den Wechseln, die gleichzeitig eine Amnesie bedeuten?

Alles in Allem macht jetzt schon etwas Angst bei der Vorstellung, dass wir eben doch nicht, wie zurzeit, 13 Anteile sind (2 EW pennen ab), sondern viel mehr.

Wenn es aber auch die „beschützten“, damals eingefrorenen Kleinen sind – nun, dann sollten sie ruhig rauskommen. Denn ich bin begeistert von dem erlebten Dingen – Schnee, Vögel, Raureif, Blüten, Düfte, Wasserblasen, mit Babys spielen wollen, mit Kindern abhängen usw.

Oder muss ich den aktiven Part übernehmen? Sie herauslocken, indem ich beim Genießen der Umwelt klar und deutlich den Zeitrahmen verlängere;- mich nen Scheiß drum kümmere, was mich beobachtende Leute denken;- ich die Kleinen in ihrem Wollen einfach LASSE, selbst wenn ich dabei im Sandkasten lande?  Ha, mittlerweile sitze ich einmal pro Woche auf einer Schaukel, und ich suche im Gesteinssplit nach tollen Formen und Farben. Uj, merke gerade, dass es für mich die Angst nehmen soll vor der jeweiligen Therapiestunde. Egal, bringt wohl was. Dann ist es gut, oder?

Zu den Wechseln noch ein Gedanke:

Gestern war ich 9 Stunden durchweg (Premiere der Dauer seit Jahren) in der Öffentlichkeit, eine Fachtagung zur frühen Kindheit (ab Geburt). Da ist mir wieder aufgefallen, dass ich mit aller Macht Wechsel unterdrücke (was irre schlaucht), die Scham noch immer zu groß ist, und ich mich verstecke, wenn es doch passiert, weil niemand meine Tränen sehen soll. Und ich habe erkannt, dass das Unterdrücken meinen Körper so sehr überfordert, dass er zittert, kaum beherrschbar ist, alles schwammig wird. Und dennoch habe ich die Menschen um mich herum ausgehalten, denn sie waren alle ohne Ausnahme da, um sich kundig zu machen, wie eine sichere Mutter-Kind-Bindung  hergestellt werden kann. Also Menschen um mich herum, die sich indirekt meiner Hauptprobleme stellen wollen, Ärzte, Hebammen, Psychologen, Therapeuten usw. Dieses Wissen um deren Wollen hatte etwas Beruhigendes für mich. Denn ich wünschte, dass keinem Kind dieser Welt Ähnliches wiederfährt. Weiß nicht, ob ich dort die einzige Patientin war, nur merken sollte es eben niemand. Nur meine eigene Therapeutin und eine Ärztin kannten mich. PS: Ihr ahnt es – habe meine Batterien aufladen wollen mit Wohlgefühl. Hat nicht so ganz geklappt, weil zu viele Anteile raus wollten und das Unterdrücken zu anstrengend war.

Fazit dieser Zeilen insgesamt: Ich scheine mein Innenleben noch überhaupt nicht zu kennen.

2006 Tagebuchaufzeichnungen

13. April 2013

Sofie           TEIL 1

Seit 30. Mai 2006 in der Rehaklinik

15.6.06

Nun geht die 3. Woche in der Rehklinik vorbei und ich bin im Moment beruhigt worden mit Tropfen und später noch Tavor.
Was gab es alles Neues?
Erster Austicker beim Stehen Rücken an Rücken mit einer Patientin. Erst war da Zittern, dann Tränen, später innerer Druck. Hab mich in einer halben Stunde wieder eingekriegt.
Der nächste erwähnenswerte „Knaller“ war in einer Gruppentherapie. Alle redeten von ihren lieben und netten Eltern und ich war nur damit beschäftigt nicht zu platzen. Dann ging nichts mehr, bin abgehauen. Dann gab es nur noch Zittern, Heulen und Angst vor jedem. So wurde ein Tag schlimmer als der Vorherige.
Gestern stand ich auf mit einer unguten Ahnung. Das steigerte sich und irgendwann wusste ich in einer Therapie, warum ich die Tür in meiner Nähe brauche. In mir war eine so extrem erwartungsvolle Angst – landete auf dem Bett der Eltern in der ersten Wohnung und starre auf die Tür. Und ich weiß, dass da was kommen wird, was mich momentan so unter Anspannung setzt. Angst vor dem Wissen, dass die Tür aufgehen wird und ich nichts dagegen tun kann. Etwas in mir weiß, was nach dem Eintreten passieren wird.
Und diese Angst davor verspüre ich so gewaltig, dass es mir den Atem zu nehmen scheint. Seit zwei Tagen versuche ich die Menschen zu meiden, weil ich nicht ertrage, dass sie mich in dieser Angst erleben. Und das ist genauso schlimm. Flucht in die Einsamkeit aus Scham.
Morgen ist noch mal die Therapeutin dran. Hoffentlich kann ich locker bleiben. Denn Susanne hat sich für 13 Uhr angekündigt. Will nicht, dass sie mich verwirrt erlebt. Aber ich freue mich schon sehr auf ihre Umarmung und wir gehen einkaufen. Morgen ist ihr 19. Geburtstag. Sie steckt mitten in den Prüfungen und findet Zeit für mich!!!!! AUFATMEN!!
Therapiethema “Imagination“:
Du sollst dir gedanklich einen sicheren Ort basteln, den du schnellstmöglich aufsuchst, wenn die scheiß Gefühle anfangen aufzusteigen. Ich hab mir diesen Ort gebaut, nahm Annegret und Mariechen mit,  tobte mit ihnen als 12 jährige auf der Gänseblümchenwiese rum. Dann standen irgendwann die zwei Jungen am Rand und beobachteten uns. Es stellten sich der Rebell und das Schlitzauge dazu. Sie kamen nicht auf die Wiese der Kleinen, als schienen sie nur zum Schutz dazustehen. Aber ich wusste, dass da noch viele Kleine fehlen. Sie weinen und wimmern im Hintergrund und ich kenne sie nicht.
Wie also soll ich in größter Not alle von uns schnell da hochziehen zum sicheren Ort, und andere vergessen? Und wer bin ich, die da unten bleibt und dennoch von den Gefühlen überschwemmt wird?
Die nächste aktuelle Frage in mir ist: Wer bin ich, wenn ich nach dem TOTMACHEN in eine Person rutsche, die kleiner ist als 12?
Will Hüpfspiele machen, Blümchen pflücken, mich auf der Wiese kugeln. Zu welchem Alter gehört das?? Hallo du da in mir, kannst dich ruhig zeigen und mir deinen Namen nennen. Bist nicht älter als 5, oder?? Und du hast genauso viel Angst vor den Menschen wie alle anderen in uns. Gute Nacht ihr alle. Seid in den Arm genommen.

20.6.06 Dienstagnacht

Da ist Mariechen, das aufgegeben hat. Sitzt in der Ecke – nur Tränen – kein Laut – es hört nicht auf. 3 Jahre alt und weiß keinen Rat. Irgendwann kommt der Rebell, stellt sich vor die Kleine und lässt nichts an sie ran. Ich liebe ihn dafür und hasse ihn. Er macht mich sprachlos, still und wütend. Sie muss nichts sagen, kann bleiben in Hoffnungslosigkeit. Er ist stumm und die Mauer. Ich bin beides – ich ersticke an der Hoffnungslosigkeit und krieg kein Wort raus.
Frau S. hat gesagt, ich solle mir Hilfe holen. Nur funktioniert es nicht. Kein Wort – kein Zulassen – heißt kein Schmerz dazu. Bin hierher gekommen, um da raus zu finden. Fliege hin und her zwischen Stummheit, Starre, Schmerz, Angst, Panik und Aufgeben. Hab so gehofft, hier ein „Rezept“ zu finden.
Alles ist anders und tausendmal schlimmer als zu Haus (versteckt in meinen vier Wänden).
Bekomme schon Panik, wenn eine Gruppentherapie ansteht. Millionen Auslöser, die ich zuhause nicht hatte. Renne rum wie ein Zombie, ertrage die Blicke nicht, kann mich nicht verstecken, und mache meine Tischnachbarn leise. Es ist so demütigend, wenn sie plötzlich leise sprechen, nicht mehr albern. Will eigentlich oft gar nicht mehr zum Essen. Will nur noch heulen und heim.

21.6.06

Rauche eine nach der anderen. Hab mich heute ausgeklinkt, muss zu mir finden. Irgendeine Ruhe entdecken. Hoffe ich. In mir ein Anflug von Wut und Verzweiflung. Im ersten Moment ist die angebotene Hilfe ja ganz nett: Eine Pille, die dich ruhigstellt. Aber das hätte ich auch zuhause haben können. Fühle mich hier wie umsonst. Fast jede Gruppentherapie löst Neues in mir aus, Ausruhen ist da nicht drin. Stehe wie in eine Ecke gedrängt.

Thema IMAGINATION: Wir sollen uns einen Lichtstrahl vorstellen, der von oben kommt und uns langsam ausfüllt. Also stehe ich auf einer Lichtung, stelle mir vor, wie das Licht schräg von oben kommt und  KLICK_ KLICK_

ich lande zuerst in „meinem Zimmer“. Da gibt es nur den einen Lichtstrahl – der, der unten durch die Türspalte fällt. Ich bekomme Panik, wie immer, wenn ich in diesem Zimmer lande.

Dann plötzlich ein neues KLICK_KLICK – das Licht, was ich auf der Lichtung sah, kam von oben und schräg.

BUMM – nehme ich um mich herum nur Dunkelheit wahr, ich kratze an einem Korbgeflecht, durch das etwas Licht dringt und habe nur noch Angst vor dem Augenblick, wo oben ein schräger Lichtstrahl auf mich fallen wird. Das Gefühl wie in einer Kiste, die oben aufgemacht wird und bei Licht kommt dann das Grauen.

Mittwoch, den 28.6.06

Die letzten Tage waren teilweise wie ein Horrortrip für mich. Musste mich weigern ins Tagebuch zu schreiben, um nicht noch tiefer in all den Sumpf zu geraten. Heute bin ich wohl etwas entspannter und versuche die letzten Tage zu rekonstruieren.
Nach 4 Wochen erst traut man sich mir zu sagen, dass die Reha nicht verlängert wird, weil man mir hier nicht helfen kann. Ich wäre am besten in einer echten psychiatrischen Klinik aufgehoben. Es kam zur Sprache, dass ich nicht mehr in die Schule kann.
Erst war ich am Durchdrehen, einen Tag später wurde mir klar, dass Susanne sich nun endlich selbst um Geld kümmern muss. Es wird wohl Zeit, dass ICH mich abnabele und was für mich tue. Vielleicht ist das der Anfang, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Zu etwas Gutem muss ich unbedingt was loswerden.
In einer Imagination bekam ich zum aller ersten mal in meinem Leben eine Ahnung davon, was die Menschen meinen mit: “Das Leben kann schön sein.“ Ich konnte mit Annegret, mit Mariechen, dem Rebell, dem Schlitzauge, den zwei frech lümmelnden Jungs und vielen anderen Kleinen im Gänsemarsch den Himmelsweg verlassen und die Sorgen, Ängste und Alpträume in Gepäckstücken zurücklassen. Da kam so tief in mir ein so extrem friedliches Gefühl auf – war wie im Taumel – ich kannte so ein Gefühl noch nicht. Wollte es festhalten und nicht mehr loslassen.
In derselben Nacht noch saß ich oben im Raucherraum und die Tränen liefen ohne Pause. Mir wurde bewusst, dass ich 44 Jahre so ein Gefühl nicht kannte. Und es kam Wut auf meine Mutter und unendlich große Trauer.
In dieser Trauer kam plötzlich (ich weiß nicht mehr wer) einer von meinen Süßen auf mich zu und legte mir den Säugling in den Arm. Ich roch ihn und fühlte seine kleinen Händchen. Und das Mädchen schmiegte sich an mich – irre schön. Dann plötzlich passierte etwas in mir.

Ein unendlich schlimmes Gefühl kam in mir hoch und ich begriff, dass sie mir etwas erzählen wollte. Aber ich war allein und hatte einfach nicht die Kraft dazu. Also drückte ich sie ganz fest an mich und versprach: „Später!“ Ganz fest an meinen Hals geschmiegt konnten wir zusammen schlafen gehen. Und ich bemerkte die Not in mir. Also ging ich zu jedem einzelnen in mir und drückte sie. Ganz eng, wie auf einen Haufen, aneinandergeschmiegt schliefen wir zusammen ein.
So verging das Wochenende und der Tag Montag mit der Nachricht, dass man mir hier nicht helfen kann.

Gestern, am Dienstag, lege ich mich zu einem Schläfchen vor dem Abendessen noch einmal hin, und sofort war sie wieder da. Ich lag auf dem Bett und fühlte, wie das Baby langsam an mir hochrutschte bis zu meinem Hals. Dort schien es sich wie eine Katze ein zu kringeln.
Und dann war ES plötzlich da. ES, was ich nicht begriff. Immer wieder machte ich die Augen auf, weil ich dachte ich spinne. Kaum waren die Augen wieder zu, kamen die zwei Bilder wieder und wieder.
Ich schaffe es jetzt nicht, sie auszusprechen. Habe versucht mit einer Krankenschwester die Bilder in einen Tresor zu legen. Scheint geklappt zu haben, irgendwie. Sie kommen zwar immer wieder vor meine Augen, aber ohne Emotionen. Bin ich total verunsichert. Kann es wirklich sein, dass mir ein Anteil seine Erinnerung gesagt hat? Spielt meine Fantasie verrückt??
Doch wie komme ich auf solche Bilder?? Vielleicht spinne ich nur auch.

Ich denke nämlich daran, dass die anderen Bilder bisher so kamen, als würde ich aus meinen Augen sehen, oder von außen drauf.

Jetzt aber ist ein Bild aus der Sicht des Täters dabei. Wie geht das?

So etwas will man nicht sehen, nicht fühlen und erst recht nicht wissen.

Bedürfnisse von Kindern

30. März 2013

-aus dem Netz gezogen und zusammengestellt,

d.h. es sind andere Autoren, nicht ich

1. …aus entwicklungspsychologischer Sicht

Um die Problematik vernachlässigter Kinder besser zu verstehen, soll die Betrachtung vom Kind aus beginnen. Kinder sind kleine menschliche Wesen mit ihren eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen. Wenn diese Bedürfnisse gestillt werden, geht es dem Kind gut und es kann sich gesund entwickeln. So ein kleines, aber schon so vielfältiges Wesen hat viele Bedürfnisse an seine Eltern und seine Umwelt. Die Erfüllung dieser Bedürfnisse ist wichtig für eine gesunde körperliche und seelische Entwicklung des Kindes. Für eine positive Persönlichkeitsentwicklung ist das Erfüllen dieser Bedürfnisse eine wichtige Grundvoraussetzung. Man könnte also davon ausgehen, das vernachlässigte Kinder nicht in ihren Bedürfnissen befriedigt werden. Was unter kindlichen Bedürfnissen zu verstehen ist, hängt in hohem Maße von geltenden Normen und vom jeweiligen Lebensstandard ab.In den letzten 200 Jahren haben sich in unserer Gesellschaft menschliche Werte wie Liebe und Verständnis, Verlässlichkeit und Kontinuität, Schutz und Geborgenheit als Voraussetzungen für eine gelingende Erziehung entwickelt. Für die Interaktion zwischen Eltern und Kind scheinen dies wichtige Faktoren zu sein, wie auch für ein sonstiges menschliches Miteinander.

Es werden grundsätzlich auch alle Bedürfnisse aus der fünfstufigen Maslowschen Bedürfnishierarchie genannt. Diese wird auch heute noch gern zur Erklärung der menschlichen Bedürfnisse verwendet. Nach dem amerikanischen Psychologen Maslow wird der Mensch und somit auch das Kind in seinem Verhalten von hierarchisch strukturierten Bedürfnissen geleitet. Diese lassen sich als Pyramide darstellen. An ihrer Basis befinden sich die grundlegenden körperlichen Bedürfnisse. An der Spitze steht das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung. Dazwischen befinden sich Sicherheitsbedürfnisse, Zugehörigkeits- und Liebesbedürfnisse (soziale Bedürfnisse) sowie Wertschätzungs- und Geltungsbedürfnis. Wird das unterste Bedürfnis nach physiologischer Befriedigung nicht erfüllt, können sich die höheren Bedürfnisse gar nicht erst entwickeln. Das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung kann demnach erst dann realisiert werden, wenn alle grundlegenderen, niedrigrangigeren Bedürfnisse befriedigt sind.8Die ersten vier werden auch Mangel- oder Defizitbedürfnisse genannt. Das Selbstverwirklichungsbedürfnis dagegen wird als ein Wachstumsbedürfnis bezeichnet.

Auf dieses Modell baut auch der Kinderpsychotherapeut Schmidtchen auf. Er erweitert die elementaren Grundbedürfnisse für eine gesunde seelische und körperliche Entwicklung von Kindern auf insgesamt sechs. Ähnlich wie bei Maslow sind auch diese hierarchisch strukturiert. Er fügt noch das Bedürfnis nach Anregung, Spiel und Leistung ein. Es befindet sich unterhalb des höchsten Bedürfnisses der Selbstverwirklichung. Bei vernachlässigten Kindern werden die unterschiedlichsten Bedürfnisse nicht adäquat erfüllt. Für die Erklärung kindlicher Bedürfnisse aus entwicklungspsychologischer Sicht scheint deshalb die vielfältigste Bedürfnisauswahl nach Schmidtchen am geeignetsten. Außerdem ist bei ihm das Bedürfnis nach Anregung und Spiel enthalten. Dieses stellt im allgemeinen Verständnis ein besonders kindertypisches Bedürfnis dar. Die von Schmidtchen genannten Bedürfnisse sollen hier noch etwas detaillierter erklärt werden.

Um das Leben und Überleben eines Kindes überhaupt zu ermöglichen, müssen seine physiologischen Bedürfnisse befriedigt werden. Diese körperlichen Bedürfnisse sind Bedürfnisse nach Essen, Trinken, Ausscheidungen, Schlaf, Wach-Ruhe-Rhythmus und Sexualität.9

Das neugeborene Kind ist in diesem Bereich fast völlig abhängig von seinen Eltern. Ein Kind braucht eine angemessene Ernährung mit Essen und Trinken. Die Eltern müssen dafür sorgen, dass das Kind ausreichend mit Essen und Trinken versorgt wird. Sie sollten also seine Ernährung sicherstellen. Die Nahrung sollte in Zusammensetzung und Nährwert dem jeweiligen Bedarf des Kindes angepasst sein. Für Kinder im ersten halben Lebensjahr ist beispielsweise die Muttermilch die am besten geeignetste Nahrungsversorgung. Später können Kinder zwar selbstständig Nahrung zu sich nehmen, jedoch müssen der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme und die angemessene Menge noch durch die Eltern vorgegeben werden. Das Zubereiten und Bereitstellen von Nahrung durch das Kind selbst, ist erst in einem deutlich höheren Alter möglich. Es vergehen also viele Jahre, in denen die Versorgung mit Nahrung durch die Eltern geschehen muss.

Des Weiteren benötigt das Kind eine ausreichende Körperhygiene. Kleine Kinder können ihre Ausscheidung von Urin und Kot noch nicht selbständig kontrollieren. Deshalb müssen sie gewindelt werden. Das Windeln muss auch sehr regelmäßig geschehen, da sonst die Verdauungsrückstände die empfindliche Haut des Babys angreifen. Auch das Waschen und Baden muss bei Kindern häufig erfolgen. Wenn kleine Kinder im Freien spielen, machen sie sich schnell dreckig. Mit dem Erscheinen der ersten Zähne gehört auch die Zahnpflege mit dazu. Auch kleine Zähne sind schon von Krankheitserregern bedroht.

Besonders Kinder brauchen auch viele Stunden Schlaf. Dieser wird benötigt, um sich von der täglichen Vielzahl an Sinneswahrnehmungen zu erholen und diese zu verarbeiten.

Was unter kindgerechter Pflege, Versorgung und Förderung zu verstehen ist, variiert jedoch je nach Schichtzugehörigkeit deutlich.10Eigentlich müssten diese grundlegenden Kenntnisse über menschliche Bedürfnisse im Repertoire von Müttern und Vätern vorhanden sein. In Fällen von Vernachlässigung ist dies aber häufig nicht der Fall. Die Befriedigung von Schutzbedürfnissen als nächste Stufe erscheint genauso wichtig und selbstverständlich. Kinder benötigen Schutz vor körperlichen und seelischen

Krankheiten, Gefahren, Unbilden des Wetters wie Kälte und Wärme, Schutz im Straßenverkehr und vor schädigenden Umwelteinflüssen und materiellen Unsicherheiten.11

Um vor den Naturelementen geschützt zu sein, müssen Kinder von ihren Eltern mit entsprechender Kleidung angezogen werden. Sie sollte der Körpergröße des Kindes entsprechen, zu kleine oder zu große Kleidung ist nicht geeignet. Außerdem muss die Bekleidung einen ausreichenden Schutz vor den jeweiligen Temperaturen und Niederschlägen bieten.

Das Wohnumfeld von Kindern sollte vor Gefahren gesichert sein. Kinder sollten keine Möglichkeiten haben mit elektrischem Strom in Berührung zu kommen. Es darf auch keinen Zugang zu gesundheitsgefährdenden oder gar giftigen Stoffen für Kinder geben. Beim Auftreten von Verletzungen oder Unfällen sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei einem Aufenthalt außerhalb der Wohnung sollte immer eine Begleitperson in der Nähe des Kindes sein.

Ein Schutz vor materiellen Unsicherheiten ist sehr individuell einzuordnen. Vernachlässigte Kinder leben oft unter katastrophalen Wohnbedingungen. Die Familien vernachlässigter Kinder haben oft starke finanzielle Probleme. Dagegen besteht die Gefahr einer Reizüberflutung in unserer heutigen, modernen Gesellschaft wahrscheinlich für fast jedes Kind. Die Bedürfnisse nach physiologischer Befriedigung und Schutz stellen elementare Bedürfnisse dar.

Auch die weiteren Bedürfnisse nach einfühlendem Verständnis und sozialer Bindung an eine Person (Vater, Mutter, Freund etc.) sind zentrale Grundbedürfnisse von Kindern und Erwachsenen. Seelisches Einfühlungsvermögen (Empathie) einer Bezugsperson ist wichtig, damit Kinder überhaupt in einen entwicklungsfördernden Dialog mit anderen Personen finden können.12Das Bedürfnis nach sozialer Bindung wird ausführlich im nächsten Kapitel mit der Bindungstheorie nach John Bowlby erklärt. Des Weiteren besteht ein Bedürfnis nach seelischer und körperlicher Wertschätzung. Kinder wollen um ihrer selbst Willen geliebt werden und sehnen sich nach bedingungsloser Anerkennung als seelisch und körperlich wertvoller Mensch.13Vernachlässigte Kinder werden dagegen von ihren Eltern oft nur wenig wahrgenommen. Sind Kinder unerwünscht oder haben Missbildungen und Behinderungen fällt die Annahme des Kindes den Eltern nicht immer leicht. „Wer als Kind zu selten erlebt hat, daß er positive Affekte bei seinen Bezugspersonen auslösen kann, wer also nicht gelernt hat, liebenswert zu sein, entwickelt auch keine Selbstwahrnehmung und entsprechend kein Selbstwertgefühl.“

Schon Säuglinge und Kleinkinder benötigen vielfältige Anregungen aus ihrer Außenwelt. Die Bedürfnisse nach Anregung, Spiel und Leistung müssen natürlich passend zu den Fähigkeiten der Kinder in ihrer jeweiligen Altersstufe sein.15Kinder müssen herausgefordert werden ihre Umwelt zu erkunden. Bei der Entwicklung ihrer motorischen Fähigkeiten wird Unterstützung und Herausforderung benötigt. Das gemeinsame Spiel mit Kindern stellt eine hohe zeitliche Anforderung an die Eltern. Eltern müssen sich also intensiv mit ihrem Nachwuchs beschäftigen und auseinander setzen. Ein Kind kann sich noch nicht über längere Zeit selbst beschäftigen. Die Hospitalismusforschung von Spitz hat gezeigt, dass die Interaktion mit anderen Personen überlebenswichtig ist.

Das höchst stehende Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und Bewältigung existentieller Lebensängste ist für den Bereich der Kleinkinder nicht gut erforscht. Obwohl Kinder es meist nicht bewusst erfassen können, werden auch sie den mit den existentiellen menschlichen Erfahrungen konfrontiert.16Dazu gehören die Themen Tod, Krankheit und Alleinsein, die Frage nach dem Sinn des Lebens und viele weitere. Da in diesem Bereich sehr viel philosophisches Gedankengut einfließt, wird dieses Bedürfnis in der Regel erst bei älteren Kindern aufkommen. Dieses Bedürfnis entsteht der Theorie nach auch nur, wenn die niedriger angesiedelten Bedürfnisse befriedigt sind.

Die Aufzählung der verschiedensten Bedürfnisse zeigt, dass Vernachlässigung nicht zwangsläufig nur ein Problem von Familien aus der Unterschicht ist. Die Vernachlässigung oder Versagung physiologischer Bedürfnisbefriedigung führt nach einer gewissen Zeit zum Tod. Die Befriedigung der höheren Bedürfnisebenen verträgt dagegen einen Aufschub, ohne die Existenz des Kindes zu gefährden.17Die Vernachlässigung höher gestellter Bedürfnisse betrifft vielmehr eine psychische Dimension. Für eine gesunde körperliche und seelische Entwicklung von Kindern sind also auch diese Bedürfnisse keinesfalls zu vernachlässigen. Eine Vernachlässigung dieser Bedürfnisse kann jedoch auch in jeder Familie der Mittelschicht und der Oberschicht stattfinden.

2 Bedürfnisse von Kindern aus bindungstheoretischer Sicht

2.1 Bindungstheorie

Bei der Erfassung von Vernachlässigungen wird besonders der vom englischen Kinderpsychiater John Bowlby aufgestellten Bindungstheorie eine sehr große Bedeutung beigemessen. Es wird angenommen, dass ausgehend vom Bindungsmuster und dem Verhalten des Kindes, Rückschlüsse auf seine Situation und eventuelle Vernachlässigungen zu ziehen sind.18Es deutet viel auf einen Zusammenhang zwischen verschiedenen Bindungsmustern und der Situation von Kleinkindern hin. Ein Säugling baut im Laufe des ersten Lebensjahres eine starke emotionale Bindung zu einer Hauptbezugsperson auf. Diese Bezugsperson sucht das Kind bei Gefahr oder Schmerz als Erstes auf. In den meisten Fällen ist diese wichtige Bezugsperson seine leibliche Mutter. Bis etwa zur Vollendung des dritten Lebensjahres braucht es diese Person stets in seiner erreichbaren Gegenwart.19Kleinkinder ab etwa einem Jahr zeigen bei innerer Belastung (Krankheit, Schmerz, Müdigkeit, Hunger) oder äußerer Bedrohung (Trennung, Unsicherheit, Reizüberflutung) Verhaltensweisen wie Suchen der Bindungsperson, Weinen, Rufen, Festklammern oder Nachfolgen.20Darüber versuchen sie Nähe zu ihrer wichtigen Bezugsperson herzustellen. Ist die Hauptbindungsperson für das Kind nicht erreichbar, können ersatzweise auch andere Bezugspersonen aufgesucht werden. Wenn eine enge Beziehung zum Kind aufgebaut ist, kann dies beispielsweise der Vater sein. Aber auch die Großeltern und Geschwisterkinder, beziehungsweise später ein Erzieher im Kindergarten sind mögliche Ersatzpersonen. Entsprechend hat das Weinen eines kranken Kindes zum Ziel, dass die Mutter in seiner Nähe bleibt. Das Anklammern am Hosenbein des Vaters unter fremden Menschen gibt Sicherheit.

Derartiges Verhalten nannte Bowlby Bindungsverhalten. Er ging davon aus, dass Bindungsverhalten angeboren ist. Dieses Verhalten bietet für das Kleinkind in gefährlichen Situationen Schutz durch vertraute Erwachsene und ist damit wichtig für sein Überleben. Dieses Bindungssystem entwickelt sich im ersten Lebensjahr. Es bleibt während des gesamten Lebens aktiv bestehen. Auch ältere Kinder und Erwachsene suchen in gefährlichen oder schwierigen Situationen die Nähe von Personen, von denen sie Schutz oder Hilfe und Unterstützung erwarten.

Zusätzlich zum Bindungsverhalten gibt es noch eine weitere Gruppe an kindlichen Verhaltensweisen. Sie kennzeichnen das neugierige Auskundschaften und Erkunden der Umgebung. Die selbstständige Entdeckung von Neuem und Unbekannten ist eine wichtige Voraussetzung für das Lernen und die Entwicklung des Kindes. Dieses Verhalten bezeichnete Bowlby als Explorationsverhalten. Es wird von den Kindern dann gezeigt, wenn sie sich sicher fühlen. Seine Verhaltensweisen treten abwechselnd mit dem Bindungsverhalten auf.

Nach dem Modell von Bowlby suchen Kinder immer dann die Nähe zur Mutter, zum Vater oder zu einer anderen wichtigen Bezugsperson, wenn sie unsicher sind oder sich unwohl fühlen. Wenn sie dagegen sicher sind und sich wohl fühlen, bewegen sie sich von der Bezugsperson weg und erkunden ihre unbekannte Umgebung. Die beiden Verhaltensweisen stehen also im ständigen Wechsel. Die erwachsene Bezugsperson wird als sichere Basis genutzt.21

2.2 Bindungsmuster

Heute unterscheidet man im Bindungsverhalten vier verschiedene Bindungsmuster. Man differenziert zwischen der sicheren Bindung und der unsicheren Bindung. Die unsichere Bindung tritt in den zwei Formen der unsicher-ambivalenten Bindung und der unsicher-vermeidenden Bindung auf. Des Weiteren unterscheidet man noch die desorganisierte Bindung. Sie wird auch als hoch unsichere Bindung beschrieben. Die Kanadierin Ainsworth untersuchte zusammen mit ihren Forscherkollegen die beschriebene Bindungstheorie von Bowlby. Sie beobachtete dazu das Bindungsverhalten von einjährigen Kindern mit ihren Müttern. Sie führte lange Feldbeobachtungen von Müttern und Kindern in natürlicher Umgebung durch. Danach entwickelte sie eine standardisierte Methode der Verhaltensbeobachtung, die „Fremde Situation“. Deren Untersuchungsanordnung gleicht einem Spielzimmer, wie es häufig in Beratungsstellen zu finden ist. Die einjährigen Kinder werden von der Mutter für kurze Zeit getrennt. Die unbekannte Umgebung des Spielzimmers stellt somit eine Belastung dar und soll das Bindungsverhalten auslösen. Bei Anwesenheit der Mutter dagegen sollen die Kinder sich sicher fühlen. Sie sollen in der Lage sein, die Umgebung zu er-kunden. Insgesamt fanden Ainsworth und ihre Kollegen drei unterschiedliche Gruppen von Kindern.

Bei einer Gruppe von Kindern zeigt sich genau das von Bowlbys Theorie vorhergesagte Wechselspiel zwischen Nähe suchen und Erkundung. Die Kinder nutzen ihre Mutter als sichere Ausgangsbasis. Dieses Bindungsmuster wird als sichere Bindung bezeichnet.

Bei den anderen Gruppen scheint jeweils entweder das Bindungsverhalten oder das Explorationsverhalten besonders ausgeprägt zu sein. Einige Kinder beschäftigen sich sehr stark mit der Erkundung ihrer Umgebung und den vorhandenen Spielsachen. Sie scheinen wenig unter der Trennung von der Mutter zu leiden. Beim Wiedersehen mit der Mutter suchen sie kaum Nähe und Kontakt zu ihr. Sie zeigen also kaum das Bindungsverhalten. Diese Kinder vermeiden den Körper- und Blickkontakt zur Mutter. Deshalb wird dieses Bindungsmuster als unsicher-vermeidend bezeichnet.

Im Gegensatz dazu gibt es Kinder, welche kaum Explorationsverhalten zeigen. Diese Kinder sind vor allem damit beschäftigt, die Nähe und den Kontakt zur Mutter aufrecht zu erhalten. Solche Kinder sind kaum in der Lage sich von der Mutter zu lösen. Es fällt ihnen schwer die Umgebung zu erkunden oder einfach frei zu spielen. Die Kinder leiden sehr stark unter einer Trennung von der Mutter. Sie suchen nach einer Trennung sofort wieder engen Kontakt zur Mutter. Gleichzeitig zeigen sie aber Wut und Ärger gegenüber ihrer Mutter, weil diese nicht zur Verfügung stand. Das Suchen der Nähe der Mutter und das teilweise Zeigen von Wut und Ärger gegenüber der Mutter sind gegensätzliche Verhaltensweisen. Das Bindungsmuster dieser Kinder wird als unsicher-ambivalent bezeichnet.

In weiteren Studien wurde neben den drei beschriebenen Gruppen noch eine vierte, zusätzliche Gruppe von Kindern entdeckt.22Sie kommt vor allem in Stichproben mit vielen psychosozialen Risikofaktoren vor. Diese Bindung ist typisch für Familien, in denen Vernachlässigung von Kindern vorkommt.

Die Beziehungserfahrungen von Kindern mit der hoch unsicheren Bindung unterscheiden sich deutlich von den anderen Beziehungsmustern. Kinder dieser vierten Gruppe haben kurze Momente, in denen sie weder Bindungsverhalten noch Explorationsverhalten zeigen. Sie wirken teilweise wie erstarrt, verstecken sich und führen begonnenes Verhalten nicht zu Ende. Oft zeigen sie auch gleichzeitig oder kurz hintereinander stark widersprüchliches Verhalten. Die Kinder weisen für kurze Zeit keine organisierte Verhaltensstrategie auf. Das Bindungsmuster dieser Gruppe wird deshalb als desorganisiert bezeichnet.

Vermutlich entsteht diese Verhaltensform dadurch, dass die erwachsene Bezugsperson bei den Kindern Angst auslöst. Die Bindungsperson reagiert teilweise, durch eigene unverarbeitete Traumata, geängstigt auf das Kind. Das Kind wird nicht durch die externe Situation, sondern durch die Bezugsperson selbst in einen Alarmzustand versetzt. Angst einflößendes oder ängstliches Verhalten der Bezugsperson bringt Kinder auf ihrer Suche nach Schutz in eine unlösbare Situation. Die Person, die das Kind schützen soll, ist selbst Quelle von Angst. Möglicherweise führt dies zu den beobachteten kurzen Momenten desorganisierten Verhaltens. Die betroffenen Kinder haben einfach keine Strategie mit dem elterlichen Verhalten umzugehen. Traumatische Erfahrungen wie eine Vernachlässigung können zur Bindungslosigkeit beziehungsweise Bindungsstörung führen. Sie werden einerseits als Reaktion auf, andererseits als Folge von, Vernachlässigung aufgefasst.24In vielen Studien wurde weltweit untersucht, wie häufig die einzelnen Bindungsgruppen bei Kleinkindern vorkommen. In einem Überblick über deutschsprachige Studien war die sichere Mutter-Kind-Bindung die häufigste Bindungskategorie. Etwa 45 Prozent der Kinder gelten als sicher gebunden. Bei 28 Prozent der Kinder liegt das unsicher-vermeidende Bindungsverhalten vor. Nur sieben Prozent der Kinder wurden als unsicher-ambivalent gebunden eingestuft. Etwa ein Drittel aller Kleinkinder entwickelt somit eine Form einer unsicheren Bindungsbeziehung. Bei der überwiegenden Mehrzahl der Studien liegt der Anteil der Kinder mit desorganisiertem Bindungsverhalten bei rund 20 Prozent.

2.3 Anforderungen an das Verhalten der Eltern

Eine entscheidende Bedeutung für die psychische Entwicklung des Kindes hat die Fähigkeit der Eltern zur Empathie für ihr Kind. Empathie oder Einfühlungsvermögen bedeutet, dass sie in der Lage sind, die wechselnden Bedürfnisse ihres Kindes wahrzunehmen. Die Bedürfnisse und das Erleben des Kindes können den eigenen Wünschen der Eltern auch völlig zuwiderlaufen. Zusätzlich muss den Eltern bewusst sein, dass ein Kind unter gewissen Aspekten des Elternverhaltens leiden kann. Diese selbstreflexive Funktion ist bei gesunden Eltern vorhanden. Sie ist Grundlage zur Ausprägung einer sicheren Bindung.26Vernachlässigte Kinder kennen dieses Erfüllen ihrer Bindungsbedürfnisse und eine sichere Basis nicht. „Sie sorgt dafür, dass Eltern dann Hilfe holen, wenn sie den Bedürfnissen ihres Kindes allein nicht gerecht werden können.“27

Ainsworth definierte mütterliche Feinfühligkeit mit den folgenden vier Merkmalen:●Der Wahrnehmung der Befindlichkeit des Säuglings, das heißt, die Mutter muss das Kind aufmerksam im Blick haben und darf keine zu hohe Wahrnehmungsschwelle haben.

●Der richtigen Interpretation der Äußerungen des Säuglings, und zwar aus der Lage des Kindes heraus und nicht nach ihren eigenen Bedürfnissen.●Einer unmittelbaren Reaktion darauf, damit das Kind eine Verbindung zwischen seinem Verhalten und einem Effekt der mütterlichen Handlung knüpfen kann. Dies vermittelt dem Kind ein Gefühl von Effektivität gegenüber seiner sonstigen Hilflosigkeit.

●Der Angemessenheit der mütterlichen Reaktion, die nicht mehr, aber auch nicht weniger beinhalten soll, als was vom Kind verlangt wurde. Diese sollte im Einklang mit seinen Entwicklungsprozessen stehen.

Ainsworth und ihre Kollegen stellten bei ihren Untersuchungen fest, dass sich nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Mütter unterschiedlich verhalten. Die Mütter der Kinder mit sicherer Bindung gehen einfühlsam und feinfühlig auf das Bindungsverhalten ihrer Kinder ein. Sie gewähren ihnen Nähe und Schutz, wenn die Kinder es brauchen. Gleichzeitig unterstützen sie entwicklungsangemessen ihre Kinder beim Erkunden der Umwelt.

Mütter von Kindern mit vermeidender Bindung wehren das Bedürfnis ihrer Kinder nach Nähe und Kontakt in neuen Situationen häufig ab. Sie geben selbst an, dass ihnen enger Körperkontakt eher unangenehm ist. Die Kinder scheinen sich dem Verhalten der Mutter anzupassen. Sie legen ihre Aufmerksamkeit vermehrt auf ihre Sachumwelt und weniger auf den Kontakt zur Mutter.

Die Mütter der Kinder mit ambivalenter Bindung reagieren unterschiedlich. Auf der einen Seite gehen sie feinfühlig auf die Bindungsbedürfnisse ihrer Kinder ein. In anderen Momenten weisen sie ihre Kinder zurück. Die Kinder können sich dementsprechend nie sicher über die Reaktion ihrer Mutter sein. Die Kinder richten demnach ihre vermehrte Aufmerksamkeit auf den Kontakt zur Mutter. Sie zeigen ein verstärktes Bindungsverhalten.

Je nach Verhalten der Mütter entwickeln Kinder also unterschiedliche Strategien. Sie passen ihr Bindungs- und Explorationsverhalten entsprechend der mütterlichen Reaktionen an.30Auch wenn die sichere und die unsicheren Bindungsbeziehungen unterschiedliche Auswirkungen auf die weitere sozial-emotionale Entwicklung des Kindes haben, so sind doch alle Strategien als Ausdruck einer normalen Verschiedenartigkeit von Bindungserfahrungen zu verstehen.31

Die hoch unsichere desorganisierte Bindung dagegen ist typisch für Risikofamilien, in denen Vernachlässigung stattfindet.32Vernachlässigte Kinder zeigen auch häufig in besonders intensiver Weise ein unsicheres Bindungsverhalten des vermeidenden Typs. In der Regel haben sie Eltern, welche in besonders geringem Maße auf sie reagieren und emotional sehr zurückgezogen sind.33

Auch Bindungsstörungen als „reaktive Bindungsstörung des Kleinkinalters“ oder „Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung“ können bei vernachlässigten Kindern auftreten. Mit der ersten Störung werden Kinder beschrieben, welche in ihrer Bindungsbereitschaft gegenüber fremden Personen sehr gehemmt sind und mit Ambivalenz und Furchtsamkeit reagieren. Kinder des zweiten Types weisen ein entgegengesetzes Verhalten auf. Ihre Kontaktbereitschaft gegenüber anderen Personen ist ungehemmt und distanzlos. Sie äußern Bindungsbedürfnisse nach Nähe und Trost unterschiedslos auch gegenüber vollkommen fremden Personen. Beide Störungen mit ihren Verhaltensweisen werden als Folge von extremer emotionaler und/oder körperlicher Vernachlässigung angesehen.

3. Einordnung und Definition von Kindesvernachlässigung

Wenn man von den vorangegangenen Kapiteln zu einer Definition von Vernachlässigung finden will, könnte man sagen, Vernachlässigung ist ein Nichtbeachten kindlicher Entwicklungs- und Bindungsbedürfnisse. Diese Aussage wird jedoch der Komplexität des Themas weder gerecht, noch kann man damit eindeutig arbeiten. Außerdem könnte ein derart weiter Vernachlässigungsbegriff zur Annahme führen, dass eigentlich alle Eltern ihre Kinder vernachlässigen. Alle Bedürfnisse von Kindern sind von keinen noch so pädagogisch erfahrenen Eltern umfassend und zum richtigen Zeitpunkt zu befriedigen.

Die Vernachlässigung von Kindern einzuordnen ist recht schwierig und uneindeutig. Bei der Beschäftigung mit der Problematik lässt sich feststellen, dass es auch in der Fachliteratur nicht die eine Definition gibt.

In sehr allgemeinen Ansätzen wird der Begriff „Gewalt gegen Kinder“ verwendet. Gewalt meint alle Formen von Handlungen, Einwirkungen, Akten und Unterlassungen, welche als negativ bewertet werden. In erster Linie wird unter Gewalt physische Gewalt verstanden. Als Gewalt wird solches Verhalten bezeichnet, bei dem schädigende Reize auf einen Organismus einwirken. Bei Gewalt geht es darum, dass Anderen etwas gegen ihre Bedürfnisse, gegen ihren Willen geschieht. Von Gewalthandlungen geht man allgemein aus, wenn sozial mächtigere Personen gegen schwächere Personen handeln. Es existiert also oft der Oberbegriff Gewalt gegenüber dem Kind um dieses Themenfeld zu charakterisieren.

Ein Grund für die Vernachlässigung des Begriffes Vernachlässigung ist, dass Kindesvernachlässigung in der Kinderschutzliteratur oftmals mit unter dem Begriff der Kindesmisshandlung erfasst wird.36 Dadurch fehlt ein eigenständiger Problemzugang. Weiter erschwert wird die Begriffsbestimmung durch ein generelles Forschungs- und Informationsdefizit. Vernachlässigung hat weder in der öffentlichen noch in der fachlichen Diskussion so viel Aufmerksamkeit wie Kindesmisshandlung und sexueller Missbrauch. Es gibt bisher nur sehr wenig deutschsprachige Literatur zu diesem Themengebiet. Insgesamt ist das Phänomen einer Vernachlässigung relativ „unsichtbar“. Vernachlässigung vollzieht sich nicht laut und spektakulär, sondern eher still.

Bindungsmuster

27. März 2013

Dissertation

zur Erlangung des akademischen Grades doctor medicinae
(Dr. med.)
vorgelegt dem Rat der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
von Annegret Martin geb. am 18. 11. 1978 in Saalfeld
 

Nur Auszüge davon:

3. Theoretischer Hintergrund

3.1 Die Bindungstheorie

3.1.2 Das Bindungssystem

Das Bindungssystem ist nach Bowlby ein dem Menschen angeborenes Verhaltenssystem, das aus dem Druck der Evolution entstand. Es hat die Aufgabe, das menschliche Kind vor Gefahren zu schützen und so die Erhaltung der Art zu sichern. Da das Kind noch nicht imstande ist, Gefahren wahrzunehmen oder sich aus bedrohlichen Situationen in Sicherheit zu bringen, benötigt es die Hilfe einer erwachsenen Person. Um sich diese sichern zu können, verfügt es über Verhaltensweisen, wie weinen, rufen oder krabbeln, die die Aufmerksamkeit der Bezugsperson auf sich lenken. Auf der Seite der Eltern existiert, so Bowlby, das dazu komplementäre Verhaltenssystem der Fürsorge, das die ebenso überlebenssichernde Funktion besitzt, dem Kind Schutz und Sicherheit zu gewähren. Das Bindungssystem wird immer dann aktiviert, wenn das Kind Unwohlsein, z.B. Schmerz, Trennung von der Bezugsperson oder Bedrohliches in der Umgebung erfährt und dann wieder beruhigt, wenn die Nähe zur Bezugsperson wieder hergestellt, und das Bedürfnis nach Sicherheit befriedigt ist (Cassidy 1999, Schmücker und Buchheim 2002). Aus der allgemeinen Kontrolltheorie entlehnte Bowlby den Gedanken, dass das Bindungssystem, ähnlich den physiologischen Steuerungssystemen, die für die Einhaltung von Sollwerten des Organismus innerhalb bestimmter Grenzen sorgen, eine zentralnervöse Steuerungseinheit besitzt, die über Aktivierung und Deaktivierung von Bindungsverhalten, die Nähe der Bezugsperson sichert.
Ainsworth (1967) beschreibt drei weitere Verhaltenssysteme, mit denen das Bindungssystem in einem dynamischen Gleichgewicht steht. Das Erkundungssystem und das soziale Verhaltenssystem, die beide konträr zu ihm wirken, indem sie nur dann aktiviert werden, wenn es beruhigt ist, und das Furchtsystem, das die Aktivierung des Bindungssystems hervorruft und ihm somit gleichgerichtet ist.
In diesem Zusammenhang ist auch die Funktion der Mutter als „sichere Basis“ zu sehen. Solange das Kind sich wohl fühlt, wird es seine Umwelt erkunden oder sich mit Spielen vergnügen. Das Erkundungssystem ist aktiv, da Sicherheit gegeben ist. Tritt jedoch ein Stressfaktor hinzu, beispielsweise ein Sturz, ein lautes Geräusch, Hunger oder eine zu große Entfernung von der Mutter, wird das Bindungssystem aktiviert. Die dadurch hervorgerufene Hilfe und der Trost der Bezugsperson stellen die emotionale Sicherheit des Kindes wieder her, das dann, im Vertrauen auf Unterstützung in eventuell wiederkehrenden Bedrohungen, alle Aufmerksamkeit und Energie wieder dem Spiel zuwenden kann.

3.1.3 Die fremde Situation und die Bedeutung der mütterlichen Feinfühligkeit

Um das Zusammenspiel von Erkundungs–, Angst– und Bindungsverhaltenssystem zu untersuchen, entwickelte Ainsworth in den 60er Jahren die „Fremde Situation“, Minidrama mit acht dreiminütigen Abschnitten, in denen das Kind in seiner Exploration in Anwesenheit der Mutter, nach Hinzukommen einer fremden Person, bei Verlassen des Raumes durch die Mutter, nach Wiedereintreten der Mutter, ohne eine weitere Person im Raum, allein mit der Fremden und schließlich wieder mit der Mutter beobachtet wird . Diese Versuchssituation erlangte große Bedeutung, da sie unter gut kontrollierbaren Bedingungen und in relativ einfach durchzuführender Weise Informationen über die Bindungssicherheit des Kindes im Alter von einem Jahr geben kann (Holmes 1996, Grossmann 2000a). Es stellte sich nämlich heraus, dass sich das Verhalten der Kinder, vor allem in den Wiedervereinigungsabschnitten, erheblich unterschied. Ainsworth konnte drei unterschiedliche Muster ausfindig machen: sicher gebundene Kinder, die bei Trennung von der Mutter offen ihren Kummer ausdrückten und sich bei ihrer Wiederkehr freuten und von ihr beruhigen ließen; unsicher ambivalent gebundene, die nach der Trennung von der Mutter untröstlich waren, sich jedoch bei ihrem Wiedereintritt durch aggressiv–ärgerliches Verhalten gegenüber der Mutter auszeichneten, während sie gleichzeitig ihre Nähe suchten; und unsicher vermeidend gebundene Kinder, die den Weggang der Mutter kaum beachteten, und auch ihrer Wiederkehr nur sehr wenig Aufmerksamkeit widmeten. Das Verhalten letzterer sah man zunächst als besonders reif an, jedoch zeigte sich in Cortisolmessungen, dass ihr innerer Stress am höchsten war. Aus den Beobachtungen derselben Mutter–Kind–Dyaden in häuslicher Umgebung während der 12 Monate seit der Geburt ging hervor, dass ein Zusammenhang zwischen dem Verhalten der Mutter, besonders deren Feinfühligkeit, Akzeptanz, Kooperation und Verfügbarkeit, und des Vorliegens einer sicheren Bindung in der Fremden Situation mit einem Jahr bestand. Von diesen Eigenschaften zeigte die mütterliche Fürsorglichkeit die höchste Vorhersagekraft. Sie ist durch Wahrnehmen der kindlichen Bedürfnisse, deren richtige Interpretation, und eine prompte sowie angemessenen Reaktion gekennzeichnet . Nicht immer zeigte sich dieser Zusammenhang in späteren Studien so stark wie Ainsworth ihn beobachtet hatte, bestätigte sich jedoch im Großen und Ganzen. Weiterentwicklungen des Konstrukts der mütterlichen Feinfühligkeit finden sich bei Stern (1996), der sie abwandelte in eine sogenannte „Einstimmung“ (Stern 1996) der Mutter auf das Kind, sowie bei Meins , die die Fähigkeit der Mutter, den inneren Zustand ihres Kindes differenziert zuberichten, als wesentlichen Faktor für die Entwicklung einer sicheren Bindung des Kindes erachtete. In die gleiche Richtung deuten Studien von Egeland und Farber (1984). Aber auch für andere mütterliche Verhaltensaspekte wurde ein Einfluss auf die kindliche Bindungssicherheit nachgewiesen. Wie Izard et al. (1991) berichteten, sind in diesem Sinn häufigere positive Emotionen der Mutter, in Verbindung mit einer größeren Offenheit
gegenüber dem Kind bei eigenen negativen Emotionen, prädikiv für eine sichere Bindung, während Simo et al. (2000) feststellten, dass stark kontrollierende Mütter eher unsichere Kinder haben.

3.1.4 Bindungsmuster

Um die Nähe der Mutter beziehungsweise ihre emotionale und physische Verfügbarkeit und Hilfsbereitschaft möglichst effektiv zu sichern, benötigt das Kind Informationen über das wahrscheinliche Verhalten der Mutter, über die eigenen Bedürfnisse und die Interaktion beider. Durch Erfahrungen mit den Eltern bildet es bis etwa zum 18. Monat aus diesen Informationen relativ stabile Repräsentanzen der Beziehungen zu ihnen aus, die sein Verhalten ihnen gegenüber bestimmen (Bowlby 1995, Holmes 2002).
Sicher gebundene Kinder können aufgrund ihrer Erfahrungen auf die Verfügbarkeit ihrer Eltern vertrauen, falls sie deren Hilfe benötigen, während unsicher gebundene Kinder befürchten müssen, dass ihnen die Bezugsperson in einer Notsituation nicht zur Verfügung steht. Unsicher–vermeidend gebundene haben gelernt, ihre Schutzbedürfnisse zu verbergen, da deren offene Äußerung im Allgemeinen Zurückweisung durch die Mutter zur Folge hatte. Unsicher–ambivalent gebundene zeigen ihren Kummer und Ärger in bindungsrelevanten Situationen besonders intensiv, um der Unterstützung durch die Bezugsperson, die sie als unstet in ihrer Verfügbarkeit erfahren haben, sicher zu sein (Weinfield et al. 1999). 1985 wurde von Mary Main noch ein viertes Bindungsmuster entdeckt, das sich in der Fremden Situation in Erstarrung, stupiden Bewegungswiederholungen oder Furcht vor der Bezugsperson bei deren Wiederkehr ausdrückte. Dieses so genannte desorganisierte Bindungsmuster unterscheidet sich von den zuvor beschriebenen darin, dass das Kind keine konsistente Verhaltensstrategie entwickeln konnte. Es bietet Züge aller drei organisierten Bindungsmuster und zeigt starkes Konfliktverhalten. Oft lagen Missbrauch oder Erfahrungen zugrunde, die das Kind das Elternteil als potentielle Gefahr betrachten lassen mussten.

3.1.5 Interne Arbeitsmodelle von Bindung

Bowlby zufolge liegen den Bindungsmustern interne Arbeitsmodelle zugrunde. Es sind Vorstellungen von der Bezugsperson, den Bedürfnissen der eigenen Person und der Interaktion zwischen beiden, die schon sehr früh in der Kindheit aus den Erfahrungen mit der Bezugsperson heraus konstruiert werden. Sie dienen vor allem dazu, die Realität vorwegnehmen zu können und so das Bindungsverhalten optimal anzupassen. Sie durchlaufen während der Entwicklung des Kindes eine fortwährende Differenzierung. Bis zum Alter von zwei Monaten sind sie primitiv, das Kind richtet sein Bindungsverhalten an beliebige Personen. Mit sechs Monaten hat das Kind jedoch schon klare Präferenzen bezüglich einer oder mehrerer Bindungspersonen, bei denen es Nähe und Sicherheit sucht. Diese auf die eigenen Bedürfnisse konzentrierte Phase nennt Bowlby „zielorientiert“ im Gegensatz zu der, durch die Sprache und Perspektivenübernahme möglichen, „zielkorrigierten“ etwa ab dem dritten Lebensjahr. Das Kind kann nun auch die Wünsche und Absichten der anderen Person in seine eigenen Ziele integrieren. Während bis dahin die bindungsrelevanten Erfahrungen nur als Gefühle repräsentiert werden, nehmen nun auch kognitive und sprachliche Aspekte Einzug in die internen Arbeitsmodelle. Diese subjektiven Konstrukte stehen prinzipiell der Anpassung durch neue Erfahrungen offen, jedoch sind sie unbewusst und beeinflussen nicht nur das Handeln, sondern auch neue Wahrnehmungen werden im Lichte der vorhergehenden Erlebnisse interpretiert. Die Adaption ist hierbei bei sicherer Bindung erleichtert, während unsichere Repräsentanzen zu Rigidität neigen. Aufgrund ihres Vertrauens auf die Responsivität ihrer Bezugspersonen fällt es sicher gebundenen Kindern leichter, negative Erfahrungen zu integrieren. Die Eltern unsicher gebundener Kinder erschweren dies durch Verhaltensweisen wie z.B.: diese so behandeln, dass die Ereignisse für das Kind zu schlimm sind, als dass es sich damit bewusst auseinander setzen könnte; reagieren auf Handlungen des Kindes in einer Art und Weise, die es sich schuldig fühlen lässt oder vermitteln, dass es bestimmte negative Realitäten, die die Eltern selbst nicht wahrhaben wollen, nicht wissen soll. So kann es dazu kommen, dass mehrere interne Arbeitsmodelle von Bindung nebeneinander entstehen, ein bewusstes, in dem nur die Informationen enthalten sind, die zu haben dem Kind durch die Eltern erlaubt wird und ein unbewusstes, das die wirklichen Wahrnehmungen enthält. Dies zeigt sich besonders bei Erwachsenen mit unsicher–vermeidendem Bindungsstil, die ein sehr positives Bild ihrer Eltern schildern, bei konkreten Ereignissen mit ihnen aber vor allem zurückweisendes Verhalten erinnern. Bowlby unterscheidet außerdem alte und neue Modelle von Bindung. Erstere enthalten vor allem die präsymbolischen Erfahrungen der frühen Kindheit, während letztere sich auf die Zeit danach beziehen, in der die Integration von neuen Erfahrungen durch die Fähigkeit zu Gesprächen und Nachdenken über die eigenen Gedanken leichter fällt. Werden die frühen Erlebnisse in dieser Zeit nicht integriert, existieren alte und neue Repräsentanzen von Bindung nebeneinander, wobei die Alten in belastenden Situationen und gefühlsintensiven Beziehungen an Einfluss gewinnen.Neuere Vorstellungen über interne Arbeitsmodelle gehen davon aus, dass nicht Erinnerungen gespeichert werden und sich im neuen Kontext auf Verhalten auswirken, sondern dass ein Potential vorhanden ist, die früheren Erfahrungen durch die Eindrücke einer neuen Situation wieder abzurufen und zu „reklassifizieren“. So sind diese ständige Neukonstruktionen aus gegenwärtigen Wahrnehmungen und alten Kategorisierungen.

3.1.6 Der Einfluss früher Bindungsqualität auf die Entwicklung

Während der letzten 20 Jahre wurden zu diesem Thema vielfältige Studien unternommen, in denen der Zusammenhang zwischen Bindungsqualität und verschiedensten späteren Fähigkeiten und Eigenschaften der Kinder, wie soziale Kompetenz, Qualität der Beziehungen mit Gleichaltrigen, und Selbstbild untersucht wurde. Die gemischten Ergebnisse zeigen, dass man nicht von einer einfachen geradlinigen Beziehung zwischen Bindungsqualität und weiterer Entwicklung ausgehen kann. Thompson (1999) betont die Unterscheidung der untersuchten Eigenschaften nach theoretisch erwarteter Enge des Zusammenhanges. Die engste Beziehung sollte zwischen der frühen Bindungsqualität und der Eltern–Kind–Beziehung in der späteren Kindheit bestehen. Diese zeigt sich nur über kurze Zeiträume. Auf längere Sicht sind die Ergebnisse nicht so eindeutig, was auf Veränderungen in der familiären Situation und andere Risikofaktoren zurückgeführt werden kann. Ein etwas lockererer Zusammenhang sollte zur Kompetenz in anderen engen Beziehungen bestehen. Wiederum über kurze Zeiträume können sicher gebundenen Kindern höhere soziale Kompetenz, engere Freundschaften, besseres Konfliktlösen, weniger aggressives und kontrollierendes Verhalten bestätigt werden. Studien, die Zusammenhänge über längere Zeiträume maßen, zeigten uneindeutige Ergebnisse. Gemäß der Annahme, dass Kinder ihre Erfahrungen mit den Eltern auch auf fremde Personen übertragen, wurde bestätigt, dass Kinder sich tatsächlich Fremden gegenüber ähnlich ihres in der Fremden Situation eruierten Verhaltensmusters ihren Eltern gegenüber verhielten. Noch weniger eng mit der Bindungsqualität in Beziehung zu sehen sind Persönlichkeitseigenschaften. In der Minneapolis–Längsschnittstudie (Sroufe 1983) wurden größere Empathie, höherer Selbstwert, Kooperativität und positives Verhalten bei den mit einem Jahr als sicher gebundenen nachgewiesen, jedoch konnten diese Ergebnisse noch nicht repliziert werden. Zusammenhänge zu vielen anderen Persönlichkeitscharakteristika z. B. zu späteren Verhaltens-problemen, wurden nur in einer Studie oder nicht konsistent nachgewiesen wobei wieder Risikofaktoren eine Rolle spielten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Ergebnisse vorläufige Hinweise darstellen, die durch klarere theoretische Hypothesen, welchen Einfluss die Bindungsqualität auf die weitere Entwicklung des Kindes hat, und vor allem auch, in welchen Bereichen man keinen Zusammenhang erwartet, in Zukunft zu überprüfen und zu erweitern sind .

Mein Grauen

18. März 2013

Juni 2006 Rehaklinik in Hessen
Es war Ende Juni, nach 4 Wochen Aufenthalt ging es mir schlechter als je zuvor. Die vielen Gruppentherapien mit bunt gemixtem „Publikum“: Mobbingopfer, Burnout, PTBS Typ 1, Depressionen öffneten ungeahnte tiefe Schleusen in mir, alle bereit, mich zu verschlingen. Trigger an Trigger gaben sich die Hand, ich war machtlos, wurde zu den Therapien gezwungen, da man der Kasse sonst meine Verweigerung mitgeteilt hätte.
Es gab im obersten Geschoss einen Raucheraufenthaltsraum, der aber schon 22 Uhr abgeschlossen wurde. Ihr könnt euch meine schlaflosen Nächte vorstellen. Meist saß ich heulend und zusammengekauert auf meinem Balkon und rauchte, was dort eigentlich verboten war. Aber ich wusste nicht, wie ich die Nächte sonst hinter mich bringen konnte. Das ging bis zu dem Tag gut, als direkt über mir ein neuer Patient einzog. Mitten in der Nacht erschreckte er mich von oben und blaffte mich wegen dem Rauchgeruch an.
Zwei Tage später war, wie üblich einmal pro Woche, die Großvisite mit der Chefärztin auf meinem eigenen Zimmer. Ich saß auf meinem Bett, damit die Ärztin sich auf den Stuhl setzen konnte. Dann begann das Grauen für mich.
Sie sprach von der Hausordnung, von der Möglichkeit, nach Hause geschickt zu werden, wenn man sich daran nicht hält, und von der Beschwerde des Patienten über mir. Glaubt mir, mit jedem ihrer Worte wurde ich immer kleiner und verängstigter. Ich schaute beschämt nach unten auf meine Füße. Wusste ich doch, dass auf dem Balkon Rauchverbot war. Plötzlich rief sie: „Sehen sie mich gefälligst an, wenn ich mit ihnen rede!“ Wumms, baddabumms war ich im falschen Film. Genau diesen Satz hörte ich immer in meiner Kindheit (natürlich mit dem Wort DU), wenn es einen Schuldigen zu finden galt, oder wenn ich was ausgefressen hatte, oder wenn ich die Note 3 hatte, oder, oder, und. Jedenfalls leitete dieser Satz meist eine Prügelorgie ein. Und glaubt mir, die Angst war gewaltig, jedesmal. So nun auch in dieser Situation. Ich fing sofort an, am ganzen Körper zu zittern, sah nach oben, nahm die Personen im Raum nur noch hinter einem Schleier wahr. Ich war voll von Hilflosigkeit und Angst. So kann ich auch gar nicht mehr sagen, wie die Visite zu Ende ging. Kann mich absolut nicht erinnern.
Nur eines weiß ich bis heute: Dieser Satz von einer Therapeutin, der ich anvertraut war, der ich ausgeliefert war, dieser Satz löste zum ersten Mal in meinem Leben die bewusste Handlung zu einem Selbstmord aus.
Ich weiß nicht mehr, wie viel Zeit vergangen war, nur, dass ich auf die Mittagspause gewartet habe (zum Essen konnte ich einfach nicht gehen), weil dann garantiert niemand mehr in die Zimmer kam. Ich hatte zur Anreise natürlich nicht meine ganze Tablettensammlung abgegeben. Ich stopfte alles in mich rein, was ich fand… 12 Tavor a 1mg, eine 20iger Packung Schlaftabletten, mind. 20 Trevilor und noch Trimipramin. Dann legte ich mich ins Bett und wollte nur noch einschlafen und dann wegbleiben für immer.
Zeitgefühl hatte ich keins, weiß nicht, wie lange ich gelegen habe. Plötzlich aber hörte ich die Stimme meiner Tochter. Ich fand das schrecklich, aber die Stimme hörte nicht auf. Irgendwie schaffte ich es in die Toilette, steckte meinen Finger in den Hals (als Studentin geübt), wieder und wieder, bis kein Tropfen mehr kam. Dann legte ich mich wieder hin. War unendlich traurig. Geschlafen habe ich dann über 24 Stunden.
Es gibt heute noch Momente, an denen ich verfluche, das nicht durchgezogen zu haben, so wie ich verfluchte, die Lungenembolie 2003 überlebt zu haben (Vielleicht rauche ich deshalb mehr als je zuvor?), so wie ich heute noch verfluche, den Genickbruch 1998 überstanden zu haben.
Es wird wohl nie wieder die Kraft geben, eigens Hand anzulegen, aber ich hoffe noch immer, dass die Natur die Sache übernimmt. Davon werde ich wohl nie loskommen, solange ich keinen Sinn zu leben finde.

Und: Gott sei Dank ist mir so eine Therapeutin nie wieder über den Weg gelaufen!


%d Bloggern gefällt das: