Posts Tagged ‘multiple Persönlichkeit’

Brief an das Engelchen

26. Dezember 2016

-imaginär   26.12.2016

Liebes, liebes, herzallerliebstes Engelchen,

heute, gestern, vorgestern warst du die ganze Zeit bei uns …. und ich war bei dir …. in Gedanken …. in der Hoffnung, dass es dir tausendmillionen Mal besser geht als mir gerade.

Zu gern würde ich dir etliche Sachen erzählen … was in den letzten Monaten so alles gewesen ist … nun, in Gedanken sage ich dir diese Dinge immer!

Ich erinnere mich, mit welcher Wucht ich die Enttäuschung auf deine Reaktion gefühlt hatte, und mit welcher Verzweiflung ich dir diese Gefühle um die Ohren geschleudert hatte. Summiert hatte sich dies, weil es die Zeit meines Geburtstags war …. noch immer für mich eine der schlimmsten Zeiten im Jahr.
Die Extrem“ausbrüche“ basieren auf nur eine Tatsache:
Vertrauen zu haben, ist eine sehr, sehr seltene Angelegenheit in meinem Leben. Das schenke ich dir seit nun 4 ganzen Jahren (was erstaunlich ist nach nur 3 Monaten, in denen wir miteinander zu tun hatten). Nie kann ich dir lange böse sein, niemals.
Die Wurzel, die du mir gab’st, sie ist tief, fest, und scheint nicht zu erschüttern zu sein. Du hast dein Herz für uns geöffnet, du hast unsere Existenz ohne Zweifel angenommen, und mir damit ein „Ich darf SEIN“ geschenkt. Das war für uns der Beginn eines zaghaften Versuches, leben zu wollen. Leben, nicht dahinsichen.
In mein Herz kam dein Lächeln an – bis dato noch niemals geschehen – und da ist es noch heute, dein Lächeln, das Mut machen soll, das irgendwie vorwärts stupst! Und wohl gerade dann, wenn ich etwas ganz tief in mein Herz lassen konnte, dann bin ich verwundbarer als je zuvor. Aber wohl am schlimmsten ist es die Angst, dich zu verlieren. (Unlogisches Denken, denn wir werden uns ja in Wahrheit wirklich nicht wiedersehen!)
Extremausbruch – ist ja eigentlich das völlig falsche Wort für mich, denn nach außen brechen konnte noch nie etwas sichtbar oder hörbar. Nein, es ist eher eine extreme Gefühlsreaktion, die ich dir dann in Worte verpackt auf deinen Tisch zurückgeschoben hatte.

PS: Schon verrückt – nicht nur in diesen Zeilen duze ich unser Engelchen, ich tu es von jeher in Gedanken! Dabei waren wir immer beim SIE, was bei einer neuen Begegnung wieder so wäre.
Aber warum tu ich es für mich? Ist es die Nähe, die ich empfinde? Soll das DU Einlass gewähren in meine Welt? Oder habe ich einfach nur ein Nähe-Distanz-Problem? Ach Mensch …., sie erfährt es ja eh niemals!

Zurück zum Engelchen.
Du hattest uns zum Abschied ein hübsches, kuschliges Halstuch von dir geschenkt. Und das liegt seitdem neben meinem Kopfkissen. Sofie liegt darauf, unsere Kleinste(das Bienchen), die den meisten Schutz braucht. Sofie, die durch dich an die Oberfläche kam aller Angstbarrieren zum Trotz; die dich von der ersten Sekunde an liebte, und von dir geliebt werden wollte als ein willkommenes Kind. Und ab und an sprühe ich dein Parfüm darauf, damit der Duft der Mami bleibt. Es ist ziemlich verrückt, aber wahr: nach Jahren schafft es dieser Geruch noch immer, dass in uns eine Entspannung stattfindet. Auch dafür ein Danke an dich!!!!!!
Jetzt weiß ich überhaupt nicht mehr, warum ich eigentlich schreiben wollte!
Naja, vielleicht einfach nur, weil du uns so sehr fehlst! Und weil Weihnachten ist.
Mit diesen Zeilen schicken wir dir tausendmillionen Grüße ins Universum in dem Glauben, dass du sie fühlen wirst!
Deine Sofie,
Annegret,
Marie,
Kathi,
die anderen dir begegneten 27 Meinwesen,
Frau Xxxxxxxx,
und das Restteam

Nicht multiple? Mir gehts gut!

14. Dezember 2016

14.12.16        aus dem Tagebuch

Heute hat die Schwedin Geburtstag! Die Frau, die seit meinem 15. Geburtstag meine Anlaufstelle war und ist, meine Vertraute, so etwas wie eine Ersatzmutter. Nun ist sie 76 Jahre alt, und immer noch stehen wir im engen Kontakt, nur leider seit rund 4 Jahren nur noch telefonisch, da sie nach Schweden gezogen ist. Beim heutigen Telefonat erwähnte sie, dass ich diejenige war und bin, die einzige, mit der sie über wirklich alles reden kann. In diesem Moment fiel eine unsagbare Schuld von mir ab. Schuld – das Gefühl dafür, dass ich sie all die Jahre immer wieder mit meinen Problemen belastet hatte. Dass es aber ein Nehmen und Geben war, …das habe ich so noch nie gesehen. Ja, und darum tat mir das Gespräch heute mit ihr unsagbar gut.
Im gleichen Atemzug wurde ich böse auf meine schmerzenden Füße, die seit über zwei Jahren jeglichen Urlaub verhindert haben. Dabei steht die Einladung nach Schweden schon so lange an. :-(( Und ich möchte meine Schwedin einfach noch einmal richtig fest in den Arm nehmen, richtig fest und lange.

Leute, mir geht es zur Zeit gut wie lange nicht.
Liegt es daran, dass ich mich frei gemacht habe von Bevormundung, und dieser Akt mich ins Erwachsenen-Dasein befördert hat? Keine Ahnung.
Belebt mich die Schwangerschaft meiner Tochter?
Ist die innere Ruhe eingetreten, weil ich endlich keine zwei Termine täglich zu bewältigen habe? (Das war Extremstress für mich.)
Ich kann endlich wieder basteln, werkeln und malen, mir sitzt keine Zeit im Nacken!
Fühle ich Selbstbestätigung, weil ich wieder einmal meinem Bauch vertraut hatte, und sich die Sache bestätigt hat … dass eine sogenannte Freundin überhaubt keine Freundin ist, sondern eine Egoistin. So hört die von mir gewählte Abgrenzung langsam auf, weh zu tun. Langsam, aber stetig. Ich konnte ihr ein NEIN ins Gesicht sagen, freundlich, aber bestimmt! (stolz auf mich) Umso mehr freut mich, dass eine andere Schulfreundin gerne mit mir Zeit verbringt.
Mir geht gerade durch den Kopf, dass ich so enorm hellhörig, vorsichtig, empfindlich und misstrauisch bin, weil mich die Kindheit so gemacht hat. Aber diese Eigenschaften machen auch einsam. Das merke ich immer wieder. Oft wünschte ich mir, einfach oberflächlich ohne Ansprüche durch die Welt maschieren zu können. Damit ließe es sich bestimmt unbeschwerter leben im Umgang mit den Menschen.

Warum ich heute schreiben wollte: Diagnose Multiple

Ich weiß nicht, ob es anderen Betroffenen auch so geht!?
In der jetzigen guten, mit Ruhe ausgefüllten Phase glaube ich an eine Fehldiagnose. Mich nerven keine Stimmen im Kopf, ich rutsche nur in positive kindliche Gefühle, ich habe keine Paniken, keine Alpträume, die Motorik funktioniert.
Geblieben sind nur Einschlafprobleme und die mit der Zeit.
Zeit: – kein Gefühl für Minuten oder Stunden, – krasse Vergesslichkeit, – kaum eine Erinnerung der letzten Tage, Wochen, Monate lässt sich zeitlich zuordnen (ohne Kalender mit Notizen hätte ich keine Erinnerungsmöglichkeiten)

Also, nur zwei Probleme, die jeder dritte Mensch der Erde auch hat!
Ich bin wie jeder andere! 🙂

Meine Meinung zur Therapie

3. Dezember 2016

Brief an die nun Ex-Psychologin

27.10.16
Sehr geehrte Frau …..

am 17.10. war die letzte Therapiestunde (von der REHA nach Hause gehetzt…Stress…nur 40 Minuten Zeit zum Frischmachen nach dem Sport, und Umziehen…keine Zeit zum Essen -in Reha gibt es keine Mahlzeiten -……losgehetzt zum Therapietermin.)
Fazit bei Ihnen: 16:30 Termin, aber 18:10 beginnt unser Gespräch! Glauben Sie mir, das will niemand erleben.
PS: Woher wollen Sie eigentlich wissen, ob der Mensch nicht noch vor 18 Uhr in ein Brotgeschäft möchte o.Ä. ?????????
Einen Tag später bin ich nervlich zusammengebrochen. Ich fasse zusammen, was alles passierte im Innen, summiert aus den letzten Wochen. Die Erkenntnis entsetzt:
Ich war wochenlang nur im Kind, sonst hätte ich mich eher gewehrt zu vielen Dingen.
Nun muss ich endlich anfangen, Selbstfürsorge zu betreiben.
Darum Folgendes:
Thema WARTEN!
Ich hatte über diesen Extremtrigger berichtet, sogar noch einmal nach dem Klinikaufenthalt. In den Unterlagen, die Sie von mir haben, sind außerdem Texte dazu.
Zusätzlich habe ich davon berichtet, was die Themen ZEIT, Termindruck, Stress bei mir auslösen. Wie sehr ich Zeit gar nicht einordnen kann, weil sie mir „rausfällt“, dass ohne etliche Kalender gar nichts gehen könnte – was mich dennoch völlig konfus macht, Druck erzeugt.
So setze ich mich tw. dem Zeitstress aus, um pünktlich bei Ihnen zu sein, aber Sie…………………….

Was ich heute dazu denke?
Ihnen ist es völlig Wurst!

Nur zwei Mal kam ich zur Terminzeit in das Zimmer….musste mich dort aber – wie immer – dem Warten aussetzen 15-20 Minuten. Sonst ist die Wartezeit (Flur plus Zimmer) im Durchschnitt 50 Minuten. Benötigen Sie hinterher noch etwas aus dem Büro, verschwinden Sie darin erst einmal 10-20 Minuten, ehe was passiert, und lassen mich wie ne Blöde davor warten.
Mal abgesehen davon, dass ich getriggert werde auf höchster Stufe, unterstelle ich Ihnen mittlerweile Absicht, weil ich der Meinung bin, dass ein gebildeter Mensch wie Sie weiß, dass so etwas extrem unhöflich ist. Ich unterstelle Absicht, es zu genießen, jemanden schmoren zu lassen.
Und bevor Sie jetzt Einwände bringen wollen zu Ihrer eigenen Selbstfürsorge/Abschalten…..erst einmal sind Sie verantwortlich für das Wohlergehen der Kunden, oder? Und glauben Sie mir auch, kein Mensch will sich erst 20 Minuten in Ihrem Gesprächszimmer „einrichten“, keiner! Es dient nur Ihnen!
Fakt ist:
Sie gehen mit meiner Lebenszeit um, wie Sie wollen, ohne Rücksicht darauf, dass ich ja noch andere Pläne hätte für die Zeit nach dem Therapiegespräch. In diesem Punkt fühle ich keinerlei Respekt gegenüber mir als Person.

Unter welchen Umständen könnte ich die Therapie fortsetzen? Ich spare mir die Mühe, weitere Ursachen zu benennen.

°Ein Termin ist für mich (und 99,9% der Bevölkerung) bindend. Aus Höflichkeit würde ich zukünftig bis zu 30 Minuten Wartezeit in Kauf nehmen. Aber nur als Summe von -im Flur u. im Zimmer.
Sollten Sie 35 Minuten vor unserem gemeinsamen Termin bemerken, dass Sie die Zeit nicht einhalten können, dann bäte ich um eine SMS z.B. „Bitte kommen Sie 40 Minuten später.“ Hierbei lieber übertreiben, falls doch noch irgendetwas länger dauert. Das wäre doch machbar, oder?
Ich denke mal, die ist ein ganz menschlicher, normaler Wunsch.

°Ich würde mir nicht mehr vorschreiben lassen:

(ich benutze dieses Wort „vorschreiben“, weil Sie sehr fordernd sind.)

– dass ich ein Glas hinstelle, selbst ohne Durst (wenn Sie es für sich wichtig finden, dann machen Sie es)
– wann ich mir Tränen abwischen soll (ich bin höflich, und putze mir den Rotz weg. aber ob ich mir stundenlang im Gesicht rumwischen will, entscheide ich. wenn Sie Tränen nicht aushalten, also ich weiß nicht……!)
– welche Formulierungen ich benutze……..denn:

Wie ich empfinde – ob ICH oder WIR – ist meine Sache.
Wenn Sie mir ein WIR verbieten, dann verbieten Sie mir mein ureigenstes Identitätsempfinden. Wenn ein Kind aus mir heraus spricht, dann traut es sich etwas, nämlich Outing vor Ihnen. Anstatt dies zu würdigen, zwingen Sie mich, dieses Kind wegzudrücken, und eine Ältere von uns reden zu lassen.

Wissen Sie, was ich glaube?
Theoretisch ist Ihnen klar, was mit einem Gehirn so passiert in seiner Entwicklung. (Bisher gaben Sie mir wirklich gute Tipps im Umgang mit den Kleinen.)
Aber in der Praxis ist es für Sie Hokuspokus/Blödsinn. Sie sagen: „Das sind ja alles auch Sie.“ Ja, in der Praxis des Körperlichen…da sitzt nun mal nur 1 Frau, und die ist auch noch alt.
Aber Ihre Bemerkungen zu meinen Formulierungen zeigen eindeutig, dass ich so wie ich bin und bei Ihnen Hilfe ersuche…., dass ich SO nicht willkommen bin.
Sie drücken mir etwas auf, was ich nicht bin.

Die misshandelten Anteile, die Ihnen von sich berichten könnten, sind nicht willkommen.
Im Gegenteil, es sind ja eigentlich nur…“alles Ich“……….!
Um andere Menschen nicht zu erschrecken, habe ich mir mit den Jahren angewöhnt von Anteilen zu sprechen. Denn dies kann ein Normalo verstehen, irgendwie. Dass es sich aber in Wahrheit um eigenständige Meinwesen handelt, dass ließe sich kaum erklären. Meine öffentliche Wortwahl drückt also nicht die Wahrheit aus.
Ich hatte von Ihnen erwartet, dass Ihnen dies klar ist.
Jetzt kristallisiert sich aber raus, dass Sie nicht alle von uns willkommen heißen.
Sicher würden und werden Sie jetzt therapeutische Erklärungen dazu abgeben wollen, Ziele usw.
Kann ja alles schön und gut sein.
ABER:
Sollten Sie mich nicht erst einmal respektieren, wie ich es glaube zu sein?
Ist das nicht die wichtigste Voraussetzung, um eine Vertrauensbasis herstellen zu können?

Willkommen sein mit allem Drum und Dran?

Nein, bin ich nicht!!! (Puh, strengt an, die ICH-Form einzuhalten. Alle gehen auf Widerstand. Jeder Einzelne fordert selbst von mir seinen Respekt ein.)
Sie ahnen vielleicht, was in den Therapiestunden abgegangen ist an Misstrauen, Enttäuschung, Verzweiflung, Retraumatisierung. Ich habe alle jedesmal neu hingeschleift, anstatt auf meinen Bauch zu hören, die innere Not.

Wahrscheinlich brauchte ich den Zusammenbruch am 18.10., um endlich nach Innen zu horchen, um endlich zu erkennen, was wir wirklich brauchen!

Die Akzeptanz, den Respekt!

Wir könnten die Therapie bei Ihnen nur weiter machen, wenn alle von uns willkommen sind!
Und wenn uns nichts mehr vorgeschrieben wird.

Weiter entwickeln und verändern kann sich unser Gesamtsystem nur mit Verständnis und Geduld, in unserem ureigensten Tempo, ohne Zwang. Es geht nur, wenn alle von uns einverstanden sind.

Momentan denke ich, dass Sie eben sind wie Sie sind. Ist ja okay. Nur eben nicht passend für mich. Ich muss darauf achten, was mir gut tut, ich brauche Respekt.
Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Gerade habe ich keine Lust mehr auf Therapie.

Unterschreiben tut hier jeder
im Sinne seiner Bekräftigung!
Ich mach es im Sinne aller.

PS: (2 Tage später)
Ich mache keine weitere Therapie!

Endlich im HIER und HEUTE

18. November 2016

18.11.16 aus dem Tagebuch

Es ist still geworden in den letzten Tagen.
Nach so viel Aufruhr, so viel Stress und Angst haben sich in mir Einige aufatmend in die Ecke gelegt. Sie müssen nicht mehr WACHEN, nicht mehr auf halb-Acht-Stellung sein.
Der letzte Therapeutenbesuch war nicht leicht: Jemanden ins Gesicht zu sagen: „Ich gehe hier jetzt weg, weil ich mich selbst schützen muss! Außerdem zollen Sie mir keinerlei Respekt.“ (sie ließ mich 20 Minuten schmoren, obwohl niemand weiter in der Praxis war) Wow, ich habe es geschafft! Nur zwei Minuten dauerte die „Therapiestunde“. Brief übergeben, mein Buch geschnappt und weg war ich.
Da war dann erst einmal ein großes schwarzes Loch, aber ich glitt nicht wie sonst hinein. Es scheint, als ob es bis ins Innerste angekommen ist, dass wir uns selbst etwas wert sein müssen. Ich kann wieder etwas besser schlafen, und ich widme mich dem Basteln, Nähen und Stricken……Dinge, die mich runterfahren! An eventuelle Ängste im Morgen, Übermorgen…denke ich nicht. Ich lasse mich treiben im Heute und spüre, dass dies genau das Richtige momentan ist! Kein „Oje, was wird sein!“. Einfach nur Dinge tun in diesem Moment, die mir Spaß machen.

Leute, habs noch gar nicht erwähnt. Ich freue mich riesig drauf, auch wenn es ziemliche Aufregung verursacht: Ich werde im Rahmen eines Weihnachtskonzertes in einer ausverkauften Kirche Lyrik von mir lesen. Macht mich nervös….in so einem Rahmen! Aber: Juchuuuuuu!

Wir wissen über uns…

23. Oktober 2016

teilweise Briefauszug (der Thera gegeben) und tw. Tagebuch:

Es gibt keine gemeinsamen Erinnerungen.
Entweder werden sie leblos übermittelt, oder aber der Anteil ist draußen, kann berichten unter unsäglichen Gefühlen.
Die heute erwachsene ##jährige ist eine vor rund 3 Jahren erschaffene Außen-Ich-Funktionieren-Person, kein wirklicher Anteil. Sie ist jemand, der alles zusammen hält, gegen die Depressionen angeht, im Inneren versucht zu vermitteln, zu ordnen und uns damit zu stabilisieren.
Aber sie ist ein Hohlkopf! Denn in ihrem Kopf sind keine eigenen biografischen Erinnerungen, keine langjährigen Erfahrungen über Gefühle, Bindung, Sozialverhalten usw. Ihr Kopf fängt von vorne an.
Wenn es was zu wuppen gibt, ist sie also vorn.

.
Ich soll in der Therapiestunde spontan sagen, was mir in den Kopf kommt.

??????????????? Sie bekommt das ganze Denken vieler Anteile total wirr als Buchstabensalat in ihren Kopf geschickt. Was soll sie damit anfangen, was aus diesem Salat fischen? Nicht nur dass sie überfordert ist, sie kann auch keinerlei Bezug herstellen. Was sie von unserer Vergangenheit weiß, hat sie aus den Tagebüchern. Diese ##jährige ist nicht therapiefähig, denn so gesehen ist sie eine Außenstehende.

Ich soll in der Therapie die Kindersprache unterdrücken, sondern aus der Sicht einer Erwachsenen reden!

??????????????????????
Dilemma: einerseits absolute Spontanität erwünscht -soviel zum Thema Assoziation- andererseits Kind wegdrücken, draufschauen was gedacht wurde, in Erwachsensprache umwandeln und dann erst aussprechen! Na das nenne ich mal Spontanität!
Mal abgesehen davon, a) dass sich kaum noch Kleine nach draußen trauen in der Stunde und b) der Kopfsalat.
Druck, Dilemma, Anspannung und Gedanke:
Die Therapeutin weiß zwar von den Anteilen, gibt Ratschläge dazu, aber arbeiten will sie nicht mit ihnen? Da kam schon mal resolut der Satz:“Sagen Sie ICH, nicht WIR!“ Das ist hart! Wir fühlen Ablehnung und denken, dass sie nicht wirklich versteht, was Viele-sein bedeutet, dass sie nicht an wirkliche eigenständige Meinwesen glaubt.   (Und in Wir-Form reden und schreiben wir doch absolut selten.)
Aber ohne die Meinwesen mit ihren Erinnerungen geht die Therapie doch gar nicht.
Was wir als Kind waren, durften wir damals nicht sein!
So wollten wir nie wieder fühlen. Wir möchten sein was wir sind!
SEIN DÜRFEN!

Bitte nicht Sein SOLLEN!

PS: Das Switchen kann ich zu 95% nicht beeinflussen, wie soll ich da kontrolliert sprechen können?

Nachtrag: Erlebe ich eine Retraumatisierung? Denke schon.

Nachdenken über eine Therapiestunde

30. August 2016

Ich beschreibe der Therapeutin eine kürzlich erlebte Situation, zu der mein logischer Gedanke erwachsen und angemessen war, mein Fühlen aber völlig unangemessen; wie ich diese Diskrepanz wahrnehme, aber nichts ändern kann. Ich erkläre den entstehenden, schon länger bekannten Kreislauf: Verzeiflung darüber – entstehende Wut über meine Unfähigkeit nach so vielen Therapiejahren – Selbsthass.

,Ob ich denn überhaupt Therapie machen wolle, klingt mit meinen Ausführungen nämlich nicht danach.‘ Ojeeee, alle hören mit, Chaos entsteht. Es braucht fast 20 Minuten, bis wir verstanden haben, worum es der Thera eigentlich geht.

Eine Zusammenfassung für mich wäre die:

Gerade das Auseinanderklaffen von Denken und Fühlen macht meine Störung aus. Wut auf mich zu haben, wäre gleichzusetzen Wut auf die Innenkinder. Ich missachte, bestrafe sie, anstatt sie in ihrem Fühlen anzuerkennen, ihnen Trost zu geben. Ich retraumatisiere sie eigentlich.
Mein Weg sollte sein: Anerkennung (endlich mal wirklich) der Diagnose und damit der Therapienotwendigkeit, daraus erst könne erwachsen, keine Wut zu entwickeln, keinen Selbsthass. Mit mir selbst liebevoller, verständnisvoller umgehen; und endlich mal anfangen, wirklich alles auszusprechen, was in meinem Kopf rumgeht…..und das für mich schlimmste: der Thera ruhig zeigen, was an Fühlen in mir abgeht……….ojeeeee…..
Genau das kann ich noch immer nicht richtig. Bin die meiste Zeit der Stunde am Unterdrücken – bloß nichts zeigen – viel zu peinlich, was da aus alten Zeiten jammert….
Seht ihr…schon das Wort JAMMERN drückt Missachtung aus,
….und obwohl ich meist weine
(also nicht weinen an sich, sondern da laufen einfach die Tränen ohne Pause, ich verziehe das Gesicht nicht, kann das Laufen kaum beeinflussen),
unterdrücke ich das wirkliche Fühlen, das Gesamte. Noch immer habe ich Angst vor der Wucht, die aus mir rausbrechen könnte, eine unkontrollierbare Wucht an Gefühlen, aufgestaut, angesammelt in den Jahren. Die Wucht, die sich in Ansätzen schon im EMDR gezeigt hat, wo ich schrie und weinte und schrie, nichts mehr um mich herum mitkriegte. Darum wehre ich mich gegen so ein Fühlen, weil es kaum auszuhalten ist.
Für heute genug, kann nicht mehr.

PS: Ich bemerke, dass ich oft beim Schreiben mich distanziert, oder kalt ausdrücke in abgehackten Sätzen, scheinbar emotionslos draufsehend. Es verwundert mich immer öfter, weil….das bin ich nicht….so bin ich nicht.

Meine neuesten Gedichte zum Schmerz

26. August 2016

Ich denke, diese Texte von mir kennt ihr noch nicht! Also raus damit. Schätze mal, dass da mehrere Meinwesen am Werk waren, unterschiedliche Alter.

(bitte nicht das Urheberrecht vergessen)

Könnt ruhig eure Meinung sagen.

Ein Klumpen Masse/Die Flucht

In alle Richtungen
reißen Körper
Fetzen für Fetzen
von sich ab

Wie alte Mäntel
liegen sie verstreut
vom Hautbrand
abgeworfen
auf dem Track
ins Ungewisse

Müdgeschleppte Füße
wundblutende Knie
leergefegte Augen
trockenrissene Münder
Schreie lautlos
in die Weite

Wir sind viele
in einem Klumpen Masse
wächst die Entfernung
zur Heimkehr

.

Fragment

Schmerz
reißt in mir
alles voneinander
Nichts bleibt
was zusammen gehört
Auf meinen Pfaden
findest du nur
Bruchstücke
Am Ende
ein Fragment
mit dem
Abgrund
in den Augen

.
Kinder

kleine kinder
große kinder
macht euch raus
ihr Alten
aus dem haus
das wir verwalten
kleine welt
heile welt
wenn kein Großer
dazugezählt
.
Valerie

Aus meinen Augen
kam dein Schmerz
Aus meinen Worten
sogst du Hoffnung
In meinem Herzen
fandst du Nähe

Zu tief
Zu nah
Zu schmerzvoll
Hast meine Angst
zu deiner gemacht
und das Seil
gekappt
zwischen uns
das Ende
.

Schatten der Nacht

Vor jedem Morgen
liegt die Nacht
unbarmherziger Augen

Schatten
kehren zurück
um ihre Schritte
einzusammeln
auf eingebrannter Haut

Auf frischem Schorf
zerfällt der Atem
in Stücke
aus Stein
Die trage ich
durch den Tag
.

Progressive Navigation

Kein erklärtes Dasein
Kein gefühltes Willkommensein
Keine Hand bei den
ersten Schritten
Kein Lehrmeister auf Wegen
Ein halbes Jahrhundert
mit selbst programmierter
Navigation
die immer wieder
abstürzt
Ich lande auf
Irrwegen
im Nichts
.
Stille

Stille – ist hörbar
Stille – lärmt, tobt, schreit, weint
Stille – Implosion der Ohnmacht
Stille – die Innenwändigkeit zerbricht
in tausend Einzelteile
.
Das Herz am lebendigen Leib herausreißen

Eine Zeile von einem Krimi?
Eine Metapher?
Nein.

Entweder tu ich es selbst,
oder es wird getan.

Eine Zeile aus einem Lied.
Das Lied des Lebens.
Dauerbrenner.

Viertelnoten
in offene Wunden
gestanzt.

.

Warten

immer nur das warten
Trauma gleich
lösen sich die Sinne auf
im Vakuum kein Atemzug

nur warten
warten
warten

ein letzter Versuch
warten
warten

hinter Glas und Stein
in zerborstenem Sein
warten

Unsere Jung’s sind Autofreaks

9. August 2016

image

Muss echt aufpassen, dass wir nicht zu viel einkaufen.

Und dann…..seit Wochen freuen wir uns, tagtäglich Bagger anzusehen, und gigantische Bohrer!!!! Direkt dort wo wir wohnen. Nur die Große regt sich auf über den Krach und den Staub. Hi, Hi!

image

Baaaaaaagggggger 😄😄😄

image

Juchuuu

image

Langsam verschwindet das Haus.

image.jpeg

Ein schönes Wochenende

9. August 2016

Mit einer Freundin unterwegs. So habe ich meine Umgebung gesehen.

image

 

Nr. 1

image

Nr.2

image

Nr.3

image

Nr.4

image

.

image

Warum ich nicht verstehe, dass andere Menschen gerne leben.

9. August 2016

Die Antwort habe ich aus dem Netz gezogen. ( Dr. Ingrid Olbricht)  Besser kann man diesen Fakt nicht beschreiben.

ES IST DER VERZWEIFELTE KAMPF UM DAS GEFÜHL DER EXISTENZBERECHTIGUNG.

(die Fotos lassen sich einzeln öffnen und vergrößern)

imageimage

image

Verstrickt – die Kunst des Loslassens

5. August 2016

Was für eine Last!

therapeutenseele

Für die Eisprinzessin, die nur in sich selbst das finden kann, was sie im Anderen sucht.

Meine Supervisorin schaut mich mitfühlend an: „Sie werden keinen herrschaftsfreien Dialog hinbekommen. Sie können nicht mit einer ehemaligen Klinikpatientin nach deren Entlassung privat in Kontakt bleiben, das funktioniert nicht.“ Ich schlucke, weiß nicht, was ich antworten soll. Klar ist mir das ja auch, irgendwo tief im Inneren. Aber. 1000 Gedanken, warum es doch gehen könnte, warum in diesem Fall alles anders ist. Gleichzeitig 1000 Argumente, warum es eben nicht gehen kann, warum meine Supervisorin recht haben könnte mit dem, was sie sagt. Ja, was mach ich denn jetzt DAMIT?! Bevor ich weiter darüber nachdenken kann, stellt sie mir schon die nächste Frage, jetzt weniger mitfühlend, eher forschend-interessiert: „Was ist es denn, was Sie da nicht loslassen können?“ Ja, wenn ich das wüsste. „Ich weiß nicht,“ sage ich leise, „generell kann ich eigentlich ganz gut loslassen.“ Nur hier eben nicht. Und…

Ursprünglichen Post anzeigen 535 weitere Wörter

Das Kind und die Schuld

2. August 2016

Seit ein paar Wochen arbeite ich an diesem Thema, und es schmerzt, verdammt nochmal!

Ohne viel Worte zeige ich Folien von Michaela Huber:

image

image

 

image

Und heute kämpfe ich darum, meine Schuldgefühle abzulegen, das Unrecht zu erkennen, und die Verantwortung auf den „richtigen Tisch“ zu packen!

image

Für wen ist EMDR geeignet?

31. Mai 2016

Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) wurde in den 80er Jahren von Francine Shapiro als traumazentrierte Psychotherapie entwickelt. Heute wird die Methode zur Behandlung einer PTBS nicht isoliert, sondern meist im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans (Berger, 2004) angewendet.

Einsatz findet sie sowohl bei akuten Monotraumata wie Unfällen, Gewalterfahrungen, Vergewaltigungen etc., als auch bei traumatischen Erlebnissen, die bereits einige Jahre zurückliegen.

Es sollte abgeklärt werden, ob nicht auch gleichzeitig eine dissoziative Störung vorliegt, da hierbei der Klient durch EMDR retraumatisiert werden kann, d.h. nur überschwemmt von angstmachenden Bildern und Gefühlen.

Bei der Traumabearbeitung ist es wichtig darauf zu achten, dass Betroffene ausreichend stabilisiert sind, um sich mit den Erinnerungen und den dazugehörigen Beschwerden (PTBS , Akute Stressreaktion ) konfrontieren zu können.

Ein zu früh begonnene und nicht ausreichend professionell durchgeführte Konfrontation kann zu einer Retraumatisierung führen.

 

image

2. Was sind dissoziative Störungen?

29. Februar 2016

image

image

 

Der Unterschied zu Konversion?

Konversion – Körper
Dissoziation – Bewusstsein

image

 

Man könnte sagen, dass die Konversion eine Folge der Dissoziation ist.

Wenn man dissoziiert, trennen sich Körper und Bewusstsein.

Verstärkter Stress kann dann noch zusätzlich im Körper Funktionsstörungen (Motorik, Sensorik, Sensibilität) auslösen.

image

3. F 44 dissoziative Störungen

29. Februar 2016

image.jpeg

image

image

-—-–—————————————-

Zusammenfassung von mir:

Die dissoziative Identitätsstörung F 44.8  gehört zu den Konversionsstörungen,

sie ist KEINE Persönlichkeitsstörung.

Sie ist ein Sammelsurium der dissoziativen Symptome.

5.Ich habe keine Persönlichkeitsstörung

24. Februar 2016

image

Persönlichkeitsstörungen sind tief verwurzelte Verhaltensmuster.

Die dissoziative Identitätsstörung dagegen basiert auf den Verlust des integrierbaren Bewusstseins!

Ich meine:

Sie ist eine fehlgeleitete (eine zum Überleben notwendige) Entwicklung des Gehirns aufgrund frühster nicht zu verarbeitenden Traumatas. Fehlgeleitet nur insofern, als dass die Funktionsweisen des Gehirns im späteren Alter große Alltagsbelastungen darstellen.

Wenn das Gedächtnis nicht funktioniert, steht die Identität in Frage!

Wenn die Kontrolle über Wahrnehmung des Selbst und Umwelt, Beziehungserleben, Affekten, Erinnerungen, Körperbewegungen, Sensorik verloren ist…… dann bin ich nur ein Sammelsurium aus Fragmenten, dann kann ich kaum das Ausmaß der Welt um mich herum, das Ausmaß zwischenmenschlicher Beziehungen begreifen.

 

Ist dies mein MEINSEIN?

13. Februar 2016

„Diesseitig bin ich gar nicht fassbar.

Denn ich wohne grad so gut bei den Toten,

wie bei den Ungeborenen.“

 

sagte Paul Klee 1920

——————————-

Öl auf Leinwand von mir:

image

Irgendwie beschreibt dies genau mein Dasein, Zustand, Nichtsein, MEINSEIN.

Ich hänge in der Zwischenwelt.

13.2.16

Was macht es mir so schwer? – Gedanken über Depressionen

9. Januar 2016

 

Mich beschäftigen die Antworten, die aus meinem Mund kommen zu Fragen wie: „Wie soll ihr Leben aussehen, wenn sie nicht depressiv wären? Und: Was wünschen sie sich?“
Dann sehe ich nach meiner Antwort meist unverständliche Gesichter, was mich natürlich anregt nachzuforschen, was so anders bei mir sein soll.
Ich hatte mit schon einigen Depressiven zu tun, habe immer Vergleiche angestellt, fand aber meist nur Unterschiede.

Zum Beispiel war da eine, die durchweg miese Laune bekam, wenn sie an anderen, wildfremden Menschen sah, was sie selbst nicht hat. Oh, wurde sie da böse. Lautstark machte sie ihren Unmut deutlich, schmiss ihre ganze Wut auf mich ab, ich, die nur zufällig daneben stand und nichts, überhaupt nichts dafür konnte. So geballtem Neid bin ich vorher noch nie begegnet. Neid und Selbstmitleid, denen man einen Doktortitel vergeben könnte, so intensiv waren sie. Heute finde ich dazu Worte – voll gelebte Opferrolle! Mit dem Schrei: “Oh, das will ich auch haben. Warum die und nicht ich?“

Andere erlebte ich als Wiederkäuer ihrer schlimmen Vergangenheit, mit der sie ihre Gegenwart zustopften, zertrampelten und selbst mir damit auf die Nerven gingen. Für mich eindeutig faule Menschen, die keinen Bock haben, sich neuen schmerzhaften Wegen zu stellen. Die von der Umwelt erwarten, dass sie an die Hand genommen werden, dass ihnen im Heute von Helfern eine Wiedergutmachung entgegengebracht wird. Sie möchten aufholen, nachholen im Bekommen von Zuwendung. Darum brauchen sie unentwegte Krankenhausaufenthalte, wo sie sich bemuttert fühlen. Gesund werden würde für sie bedeuten, Zuwendung zu verlieren. Puh, eine erschütternde Vorstellung.

Zu mir: Meine spontane Antwort auf die Frage nach dem Wunsch ist immer, dass ich mal fühlen möchte, was die gesunden Menschen fühlen, wenn sie sagen, das Leben ist schön. Morgens aufwachen und denken: Heureka, ein neuer Tag, wunderbar! Das ist mein Wunsch, wenigstens nur einmal so denken, so fühlen.
Nur einmal, werden sich jetzt viele fragen? Nun, ich denke, wachsen beruht auf Erfahrungen. Und oft reicht eine einzige gute, oder nicht?
Wieso behaupte ich, anders zu sein als die oben genannten? Neid kenne ich nicht als Gefühl. Da war stets die Freude für die anderen. Ich könnte es irgendwie feiern, wenn ich andere Menschen im Glück sehe. Finde es so wunderbar und wichtig. Natürlich stellt sich in mir die Frage, warum kein Neid? Die einzig logische Erklärung aus mir heraus ist die, dass ich von Geburt an keine Erwartungen hatte, wie auch. Erwartungen, dass da von außen etwas, jemand kommt und mir hilft in irgendeiner Form. Im Hirn der Gedanke: da ist nichts, da wird nichts kommen und Punkt. Du musst dir schon selbst helfen.

Oje, verstehe in diesem Moment, dass dies die Ursache der Überzeugung ist : Für dich gibt es niemanden! Hoffen lohnt nicht! Und damit auch nicht Vertrauen lernen. Bringt nichts.
Und dies bewirkte, dass ich mich nie in Bezug zu Anderen setzen konnte. Demzufolge konnten auch keine wirklichen Vergleiche entstehen, die auf die Hoffnung basierten, es könne sich etwas ändern.  Also – wo es sich nicht lohnt, wie soll da Neid entstehen? Ich meine den boshaften Neid, den wunschbesessenen Neid, den fordernden Neid.
Klar, irgendwelche Träume waren da als Kind – wo dazugehören, Halt zu haben…, aber dies empfinde ich nicht als Neid. Es war ein instinktives Begehren.

Zurück zu meiner Depression. Meine Vergangenheit habe ich stets ausgeblendet. Sie war nie Thema für mich im HEUTE. Geht gar nicht, weil es nicht auszuhalten wäre. Ich würde krachen gehen, wenn ich mich täglich mit ihr auseinander setzen würde (was mir ja auch die Therapien so schwer macht). Ich würde mich täglich mehrmals töten, der notwendige Akt, zu dem ich als Kind nie die Kraft hatte.

Meine Verwandtschaft würde jetzt anderes behaupten. Denn sie begreift nicht den Unterschied zwischen  (1)sich in der Vergangenheit suhlen- und  (2) dem ums Überleben kämpfen, sowie dem Wunsch, die Täter mögen ihre Schuld eingestehen. Ein einziges Mal hören „Tut mir leid.“ würde ich nämlich als minikleine Wertschätzung meiner Person ansehen.
Dass ich mich nur meiner kranken Seele stelle, die schmerzhaften Therapien durchstehe, kämpfe…. das sehen sie nicht. Sie sehen zB. diesen Block als Suhlen, als Familienverrat, als Rachefeldzug. Dass es mal nur um mich geht, ums Aufarbeiten, das sehen sie garantiert nicht. PS: Das sind Vermutungen von mir.

Und weil die Vergangenheit nie Thema war, hatte mich der Besuch des Stiefvaters 2002 ja so extrem in die Kindheit geschleudert, das Versiegelte Buch hat sich geöffnet, und ich werde seitdem von unermesslichen Scheißgefühlen überrannt.
Bis dahin konnte ich mit den fast täglichen schwarzen Löchern leben, war es gewohnt. Plötzlich aber bekam alles einen Namen…..echt, das wünsche ich keinem.
Außer in Therapien war weiterhin die Vergangenheit kein Thema, sondern es bestand die Gegenwartsfrage „Wie überlebe ich den Tag?“ Wieder und wieder. Nicht weil ich ein Weichei bin, nein.
Sondern weil da so viele Meinwesen aus mir herauskommen, die sterben wollen. Die Kleinen, die noch in ihrem Akutgeschehen stecken, die nur den Tod als Ausweg sehen.
Sich ihrem Erleben zu stellen, um die Verantwortung für sie übernehmen zu können, ist wohl das Mutigste, was ich je in meinem Leben angegangen bin. Es gelingt mir nur noch nicht immer, brauche Übung.

Zurück zum Thema. Was ist nun meine eigene Depression?
Es ist nicht die Vergangenheit.
Es ist das Heute!

Egal was ich alles für Fähigkeiten, Fertigkeiten habe, mein tägliches HEUTE ist das Fühlen der Kleinen, soweit habe ich es begriffen.
Da ist niemand in mir, der sich auf den kommenden Tag freut, niemand. Da ist seit jeher jeden Morgen beim Aufwachen der Gedanke: „Scheiße! Noch ein Tag mehr!“
Es hat sich in mir festgesetzt, dass das, was andere Leben nennen, für mich nur -Aushalten müssen- bedeutet. Aushalten, aushalten. Und da kann ich mir selbst versuchen, alles bisher als gut Erlebtes, gut Gelungenes ins Gedächtnis zurück zu rufen…….es hilft nicht echten Stolz etablieren zu können, es hilft nicht, Vorfreude auf etwas zu entwickeln.
Und warum nicht? Ich denke, es liegt am nicht existierenden Selbstwert. Da kann ich noch so gut sein in bestimmten Dingen, noch so viel Lob von außen erhaschen…..es fällt durch mich durch, wie durch ein Sieb.
Das Gehirn ist darauf programmiert, Scheiße zu sein, im Weg zu sein, zu viel zu sein, nichts wert zu sein.
Sag du mir, wie toll ich bin, und ich finde tausend Argumente, die dagegen sprechen.
Huhu, da könnte man jetzt Stimmen von außen hören „Hej, du weißt dies doch alles. Also kannst du es doch ändern!“
Kann ich eben nicht.
Und das ist genau das Problem.
Die erwachsene Intelligenz in mir, weiß um so, so vieles!
Aber die verschiedenen Meinwesen wissen gar nichts, sie fühlen nur, eingefroren in ihrem Moment.
Da kann ich mir vornehmen was ich will, sie haben die Übermacht, übernehmen das Fühlen. Und so bleibt jeder einzelne verdammte Morgen mit der Aussage: „Scheiße, noch ein Tag!“
Meine Depression ist nicht: Mir gehts schlecht!
Meine Depression ist: Ich Erwachsene stehe rund 90 Lebensmüden gegenüber, meinen inneren Anteilen.
Jeder neue Tag ist ein Kampf, ein Kampf ums Überleben.

Mein Ziel ist nicht, ein besseres Leben zu haben. Das wäre vielleicht mein Endziel irgendwann.

Mein Ziel im Kampf gegen meine Art der Depression ist: Leben leben zu können, es zu spüren, bewusst.
Und wenn ich es könnte, dann würde wohl irgendwann ein WOLLEN daraus, oder?

Und dann ………… irgendwann dann …… würde ich es mir besser wünschen  …das Leben.

Was ist EMDR? Wie läuft so eine Sitzung ab?

10. September 2015

Mein Glück war ja, dass ich meine Intervalltherapie auf der von Prof. Dr. U. Sachsse aufgebauten Station machen konnte, und bei Bedarf weiterhin machen darf. Er ist einer der deutschlandweit bekanntesten Spezialisten dafür.

EMDR

Durch die Augenbewegung – rechts , links – oder durch leichtes Klopfen auf die Oberschenkel – rechts , links – scheinen sich ( empirische Untersuchungen bestätigten dies ) die linke und rechte Gehirnhälfte zu „verbinden“.

Beispiel bei Behandlung von PTBS:

Der Patient geht mit dem Wissen um die alten Geschehnisse in die Sitzung. Er wird aufgefordert, vom Trauma zu berichten. Eine sehr schmerzvolle, kräftezehrende Prozedur, weil alles noch einmal durchlebt wird. ABER : Die EMDR – Technik bewirkt, dass das Gehirn begreift, dass die Situation keine aktuelle mehr ist. Das Gehirn kann sie endlich als Vergangenheit einordnen.

Je öfter die gleiche Situation auf diese Art besprochen wird, um so weniger Gefühle und körperliche Reaktionen treten auf. Damit hören die Flash’s auf.

Der wichtigste Tip von mir:

Wenn nach einer EMDR-Sitzung eine Woche nicht reicht, dass Ruhe im Inneren einkehrt, dann solltet ihr unbedingt darauf bestehen, dass zu diesem Thema weitere EMDR-Sitzungen folgen, solange bis ihr  das Trauma nicht mehr als belastend empfindet!

Kliniken wollen oft schnell „abarbeiten “ – und wir Patienten sagen oft in unserer Angst nicht, dass noch überhaupt nichts gut ist. Also kämpft für euch!!

Beispiel von mir: Dissoziative Identitätsstörung:

In meiner Erinnerung sind teilweise nur „Blitz“bilder, die mich aber in Flash’s und absolutes Chaos stürzen, bis zum Todeswunsch, und ganz zu schweigen von Personenwechsel.

Mein Gehirn hat das Geschehene dissoziiert, einfach ausgedrückt – in so verschiedene Gehirnkammern als Teilstücke versteckt, dass ich keine zusammenhängende Erinnerung haben kann. Dies diente zum Schutz, zum Überleben.

Am Beispiel der knapp 3 jährigen Marie will ich die Sitzung wiedergeben:

Zu Beginn fragt die Thera, ob ich Berührungen zulassen kann, falls ich austicke. Dann beginnt sie mit ihrem Finger vor meinen Augen hin und her zu wedeln. Dieser Bewegung sollen meine Augen folgen. Wenn mir schwindlig wurde, oder ich weg driftete, machte sie mit sanften Klopfen oberhalb der Knie weiter. Sie bat mich, in das Bild zu gehen, zu erzählen, was um mich herum ist. Bemerkte sie an mir körperliche Reaktionen, dann fragte sie nach, was ich fühle. Oft hatte die kleine Marie keine Worte in ihrem Sprachschatz. Dann durfte sie auf das bereitliegende Papier die Antwort malen. Jahrelang hatte ich zu diesem Bild ein Cat. Ich sah nicht, wer zur Tür reinkommt und wie mir weh getan wird. Das Fühlen, die Schmerzen, dies war immer da. In der EMDR- Sitzung schalten sich rechte und linke Gehirnhälften zusammen, und gaben mir somit weitere Erinnerungen preis. Ich konnte sehen, wie der Mann aussah, und was er tat.

Als ich dann Dreijährig voll in diesem Film drin war, fürchterlich schrie und um mich schlug, legte die Thera behutsam eine Decke um mich, ( darum zu Beginn die Frage nach Berührung) wiegte mich sanft, und sprach immer wieder auf mich ein: „Alles ist gut, es ist vorbei, du bist jetzt hier, ich beschütze dich.“ Irgendwann kam die kleine Marie in den Therapieraum zurück, beäugte die fremde Frau. Aber weil diese so behutsam, sanft und beschützend war, konnte Marie das glauben. Nach einer gewissen Zeit der Beruhigung fragte die Thera, was sich Marie denn jetzt wünsche, wie sie am besten aus dem Zimmer käme. Mit kindlicher Fantasie hatte Marie natürlich Wünsche. Kaum waren die geäußert, drängte die Thera die erwachsene Mari, diese Wünsche imaginär umzusetzen. Das brachte also die Erwachsene auf den Plan, die automatisch Beschützerinstinkte hatte für die kleine Marie. Ich ließ einen Drachen durch’s Fenster kommen, welches die kleine Marie auf seinen Rücken packte und davon flog. Dann half die Thera mir und der Kleinen gemeinsam, einen sicheren Ort zu finden, den wir auch imaginär gestalteten.

Also, als Erwachsene ging ich in die Sitzung, wechselte in das Kind, dann waren wir beide da, und am Ende war ich wieder die Erwachsene, die aus der Sitzung ging. Zwar völlig lädiert, kaputt, traurig, wütend, aber nicht mehr hilflos.

Nach einer solchen Sitzung kommen dann meist geballt die alten körperlichen Schmerzen, oft tagelang. Da heißt es dann: Innere Kindarbeit- trösten, Wärmflasche, Beruhigungsbäder, Schmerzmittel. Also alles tun, was man als Mutter mit einem Kind tun würde.

———-

Es gab Sitzungen, wo keine neuen Erinnerungen dazu kamen, aber auch Sitzungen, wo neue Blitzbilder auftraten. EMDR ist eigentlich nicht für DIS so wirklich geeignet. Wenn, dann nur stationär, bei der eine intensive Nachbetreung möglich ist. Ich hatte schon Situationen, wo die wirkliche Erinnerung erst Tage später einsetzte. Ohne stationäre Hilfe wäre ich sicher von irgend einem Dach gesprungen. Denn: Das Erinnern bewirkt eine totale Regression in diese Altersstufe, in der ich nicht fähig zur Regulation und Selbsthilfe bin.

So rate ich jedem mit DIS ab, ambulant die EMDR- Technik anwenden zu lassen!!!!!

Gut dagegen ambulant wäre sie als Stabilisierungstechnik, das habe ich auch schon mehrmals gemacht, und das ist super. Aber niemals aufdeckend damit arbeiten. Glaubt mir, das geht nicht gut.

Meine Zersplitterung im Erleben

17. August 2015

Ich lese alte Aufzeichnungen in der Kategorie „Ich ticke anders“ den Text: „2003, was? Noch 10 Jahre?“

Oh verdammt, ich lese diese Zeilen, besonders die zu 2013 und wundere mich: “Wer von uns war dieser Meinung?” Wie viele verschiedene Erlebnisebenen gibt es in mir? Nicht mehr täglich tot sein zu wollen…. das lese ich doch in meinem Tagebuch erst als Ergebnis zu einer wundervollen Beziehung 2013 zu einer Stationsärztin. Eine Beziehung, die mir das Öffnen erlaubte, das SO- SEIN, wie ich bin. Eine Arbeitsbeziehung, die mir Willkommensein zu Bewusstsein brachte, Respekt gegenüber meinen Anteilen offenbahrte. Aber im Zusatz zu dem Artikel formuliere ich eine Zeit 6 Jahre davor. ?????????
Oh jeminee, immer wieder zu bemerken, dass das “aktuelle” Ich Dinge nicht mitbekommen hat….grauenvoll! Ich wünschte mir so sehnlichst, dass mir die einzelnen Anteile ihr Erleben, ihr Wachsen mitteilen würden. Könnte mir so viel Zeit sparen.
Puh, merke, wie zerstückelt scheinbar selbst das Erleben in mir ist.

Aus dem Tagebuch: Chaos im Inneren

17. April 2015

Nicht nur in den Tagen ist das Stimmungsbarometer ein wirres Auf und Ab, auch in den Stunden. Heute war so viel auf einmal in mir. Morgen kommt eine Studienfreundin als Übernachtungsgast. Da hieß es gestern den Einkauf erledigen. Und Ballett – Eintrittskarten sind besorgt, freu, freu.
Heute wollte ich meine sehr gedrückte Parallelstimmung durch Aufräumen und Bügeln weg drücken. Denn noch immer sind da Vorbehalte gegen die neue Thera, obwohl diese sofort nach meinem Besuch mit meiner alten Thera (sie hat’s mir gleich gemailt) telefoniert hat. Was ja ein Zeichen von Kompetenz und Gutem Willen ist. Aber irgendwie scheut sich alles in uns vor einem Neuanfang.
Ist ätzend, mir hängt noch so sehr die anstrengende Klinikzeit nach. Lieber täte ich diese in Angriff nehmen. Denn, obwohl ich die Sache mit dem leiblichen Vater äußerlich abgehakt habe, arbeitet im Inneren ein diffuses Gemisch von Hilflosigkeit, Enttäuschung, Fragen von ganz jungen Anteilen (die oft heimlich vom Vater abgeholt wurden ohne Wissen der Mutter) und ihr Gebrüll zu diesem Thema. An der Stelle (Sofie-Säugling) werde ich nie eine wirkliche Antwort finden, da kann niemals eine reale Erinnerung zu dem grauenhaften “Blitz-Bild” kommen, niemals. Ich war viel zu klein, das ist mir schon klar. Und obwohl ich dieses Bild im Tresor habe, rütteln etliche Anteile an dessen Tür, als wollten sie mir etwas sagen. Nun, ich bin nicht dumm. Mir ist sehr wohl klar, dass, wenn er es eben mal bei mir mit 16 versucht, es nicht aus heiterem Himmel kommt, dieses Verlangen. Und trotzdem bin ich als Große voll im Abstreiten. Möchte mich als dumm und krank hinstellen (uj, Introjekt lässt grüßen), als jemand mit krankhafter Fantasie. Wäre echt gut, wenn dies klappen würde. Tut es aber nicht, weil schon beim Denken dieser Abwertungen totale innere Unruhe entsteht, Schmerzen am ganzen Körper auftreten, der Kopf voll ist mit Weinen, und eine Schar von Kindern gegen mich in den Kampf ziehen will, weil ich sie nicht ernsthaft wahrnehme, alles leugne. Trara ….., ich mache genau das mit meinen Innenkindern, was die Eltern damals taten:”Halt die Fresse!”
Ein unlösbares Dilemma, wenn innere Chaoskämpfe stattfinden, ich aber die Wogen nicht glätten kann ohne wirkliche Erinnerungen. Klar,meine Hausaufgabe ist, dem INNEN zu vertrauen, genau hin zu hören, und ihnen zu glauben. Das weiß ich.
Aber stellt euch vor, ihr solltet plötzlich glauben, dass Milchtüten auf dem Acker wachsen. Würdet ihr? Sicher nicht!
So geht’s mir Großen zu dem Thema “schon als Säugling…”
Hej, das will man nicht wissen, und Teufel nochmal nicht haben! Punkt.
Oh Schitt, weg von dem Thema, hin zu einem wohltuenden, existenziellen: Unser Engelchen hat uns auf unsere Mail geantwortet, juchuuuuuuuuuuuuuuu!
Und plumps, tanzen die Kleinen wieder vor Freude: ihre Mami!!!!
Da werden von mir in nächster Zeit wieder Imaginationsübungen erwartet, besonders die : Dein ganz persönlicher Engel.
Da laufen uns jedesmal die Tränen vor Freude, weil wir echt das Gefühl haben, sie wäre bei uns. Mann, was haben wir sie lieb!
Sie war so absolut kurz an unserem Leben dran, aber sie ist bis heute der einzige Mensch, der es bis ganz nach Innen geschafft hat, einfach so, nur weil sie ist, wie sie ist!
Ein Engel eben!

 

Nachtrag: Dumm gelaufen…der zweite Therapeutenbesuch brachte mir nur die Absage! Sie würde aufdeckend arbeiten, nicht stabilisierend. Tja, das war ’s dann. Sellavie

Fehlende Konzentration und Panik in Stresssituationen

18. August 2014

In den Zeiten, in denen von mir nur abverlangt wurde, den Alltag irgendwie hinzubekommen, dabei nur meinen Interessen zu frönen, nur wenige Termine wahrnehmen zu müssen, in diesen Zeiten glaubte ich oft, grundlos in Rente geschickt worden zu sein. Dabei vergaß ich aber, dass ich Kontakte in die menschliche Welt da draußen tunlichst vermied, und mir alles an Angst einflößenden Dingen vom Leibe hielt.

Seit den Wochen aber, in denen ich nun schon mit dem Umzug beschäftigt bin, holen mich die Defizite ein, und lösen wieder riesiges Entsetzen in mir aus. Entsetzen darüber, dass ich nicht mehr wie früher, mehreren Dingen gleichzeitig Aufmerksamkeit schenken kann, dass schon nach wenigen Organisationstätigkeiten in mir starke Unruhe auftritt,  dass ich schnell erschöpft bin, und Switches mich wie blöd da stehen lassen – ich nicht mehr weiter weiß, weil das Gehirn/ Denken wie ausgeschaltet scheint. Ich verliere mich auch oft in Kleinigkeiten, fange mehrere Dinge gleichzeitig an, wo aber letztendlich alles liegen bleibt, weil sich im Kopf einfach kein Plan finden will. Zeitdruck versetzt mich dermaßen in Panik, dass ich am liebsten heulen möchte. Dieser Drang von früher, alles perfekt hinzubekommen, stellt mir nun ein Bein. Er setzt mich unter Druck, volle Pulle. Und Druck ist es, was mir die letzten Jahre die größten Probleme gemacht hat. Da entstehen in mir Stress, Unruhe, Gegenwehr, an Schlaf ist kaum zu denken. Mein einziges Rezept, den zu organisierenden Dingen Herr zu werden, ist das Notieren. Ohne sichtbare Notizen bin ich aufgeschmissen. Eine Planung im Kopf zu haben, ist nicht mehr möglich. Auch die Vergesslichkeit steigert sich im Stress. Mich auf etwas konzentrieren, wie lesen oder ähnliches, geht nicht mehr. Bemerke an mir, dass ich alle Dinge im “Außen” machen muss, weil da kein Platz im Kopf für ist. Das nenne ich mal verrückt. Trotzdem, ich habe immerhin für mich einen Weg gefunden, alles Wichtige erledigen zu können. Klar liegen meine Nerven völlig blank, aber ich klammere mich an die Tatsache, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt ja geschafft sein wird. Heute sind 98% meiner Habseligkeiten verpackt. Damit sind die Kleinen von uns sehr unzufrieden. Ihre Sachen sind weg, sie haben somit keine Möglichkeit mehr, sich mal zur Entspannung auszuleben, und sei es nur mit einem einzigen Matchboxauto. So gehen auch Unzufriedenheit und Unruhe von ihnen aus. Das kommt für mich noch obendrauf auf das Gesamtpaket “Stress”.

Am liebsten einrollen, unter einer Decke verstecken, und die Welt Welt sein lassen.  (15.8.14)

Neue Wege gehen

19. Juni 2014

Es ist viele Wochen her, in denen ich über mein Innenleben geschrieben habe.
Irgend etwas ist in mir passiert. Kann nicht sagen, welcher Grund der ausschlaggebene war. So nenne ich alle drei wichtigsten Gründe, die sicherlich in ihrer Summe zu meinem derzeitigen guten Zustand führten.

Die Traumatherapie in Göttingen – ihr erinnert euch sicher, dass sie lange nachgewirkt hatte, mich völlig aus der gewohnten „Leugnungs“ bahn geworfen hat. Wochen nach der Rückkehr ging es mir sagenhaft schlecht. Was war danach passiert?
Ich denke, mein Gehirn hat endlich ins Bewusstsein verankert, dass die „Bilder“, die ich immer sah, die mich stets weg flashten, dass sie der Wahrheit entsprechen und damit meiner erlebten Vergangenheit. Dieses neu Durchleben hat in mir ausgelöst, dass ich es als Vergangenheit akzeptiere. Und damit hat mein Gehirn es wohl folgerichtig in die Vergangenheit gepackt. Richtig abgespeichert, so, dass ich keine Flashs mehr hatte, keine Panikatacken mehr erlebte seitdem.
Parallel dazu konnte ich mein Verliebtsein ablegen, was stets leiden bedeutet hatte, weil eben unerfüllt. Wurde auch mal Zeit nach 16/17 Monaten. Zurück geblieben ist nur tiefe Dankbarkeit für diesen Menschen, der mir unbewusst den Weg nach Innen geöffnet hatte. Diesen Engel werde ich stets in meinem Herzen tragen.
Der Entschluss, aus dieser Stadt weg zu ziehen, hilft mir beim Pläne schmieden. Und dies bedeutet Zukunft zu haben irgendwie. Ich werde einen Neuanfang wagen.
Erwähnen sollte ich wohl auch, dass ich mit meinem Psychiater die Dosis von Cymbalta erhöht habe, und nun zusätzlich zur Nacht ein mir völlig neues Antidepressiva einnehme. Es verursacht zwar noch mehr Fressatacken als sowieso schon waren….aber egal. Wenn ich davon ausgehe, dass ich den Rest meines Lebens sowieso allein bleibe, dann sollte es mir doch egal sein, wie fett ich werde, oder?        PS: Tuts nicht! Es nervt mich total.

Summasummarum bin ich momentan sehr gut drauf, habe Ziele, falle in keine Depries rein, unternehme etwas. Samstag zum Beispiel fahre ich übers Wochenende mit dem Zug zu einer Studienfreundin.
Anfang Juli werde ich wieder in eine Ballettaufführung gehen!

Wenn das alles zusammen nicht einfach wunderbar ist!

Nachtrag 2016:

So kann man sich irren. „in die Vergangenheit gepackt“ Scheiße is. Nun flashen Körper und Gefühle wie wild. Aufeinandergestapelt, durcheinander und nicht zu beherrschen! Kontrolle ist völlig flöten gegangen.

Wenn die Nähmaschine rattert

13. Juni 2014

…. dann geht es mir gut.
Wieder einmal war ich dabei, meine Wäscheschränke zu „lichten“. Ein Stapel zum Weitergeben, einer für den Müll, der letzte Stapel für den Versuch, durch Nähmaschinengeratter die Stücke so abzuändern, dass ich bei Gewichtszunahme doch noch rein passe. So stand die Maschine nun tagelang im Wohnzimmer. Nach dem Frühstück gab es kein Wegdissen mehr, sondern schwungvollen Elan an der Nähmaschine.
Ich genieße es außerordentlich, dass ich wieder so etwas wie ELAN buchstabieren kann.
Zwischendurch kamen aber auch die Kleinen von uns nicht zu kurz. Ich habe symbolisch als Babypuppen die kleine Sofie und die Annegret.

Schätze mal deren Größen als 38 und 25, im Vergleich zu Babysachen. So stöbere ich seit Jahren immer wieder in Babyabteilungen rum, und kaufe Größe 56, wenn es mich voll entzückt. (kleiner gibt es leider selten) Dann muss ich das Zeug auf Miniklein „trimmen“ .
Hier zwei fertig gewordene Beispiele:
– für Sofie:

Für Sofie

– für Annegret:

Für Annegret

Ich werde irre: Sofie hört nicht auf zu warten

23. April 2014

23.4.14

Was die Spaltung in verschiedene Persönlichkeiten zur Zeit mit mir macht!

Sperrt mich ruhig ein für das, was ich jetzt erzähle. Habe sowieso das Gefühl, langsam komplett irre zu werden, denn nichts unterliegt meinem Einfluss, was da in mir hoch kommt.
Es ist nicht auszuhalten. So oder so hab ich nichts mehr in dieser normalen Welt zu suchen.
Nur einer ist da, eine Helferin, die mit mir versuchen will, diesen so frühen Anteil von mir in eine imaginäre Sicherheit zu bringen.
Ein einziger mir bekannter Mensch, der aufgrund seiner Studien sich sicher ist, dass im Kleinkindalter genauso verdrängt wird, in Ecken des Gehirns versteckt wird, so, wie es auch ähnlich Erwachsene können.
Dies lässt mich dann aber fragen: Wenn die Wissenschaftler von Dissoziationen im Frühkindalter sprechen, von der Fähigkeit des Gehirns im frühsten Entwicklungsstadium sich anders als normal zu entwickeln zum Zweck des Überlebens, Dissoziationen bis zur Persönlichkeitsspaltung zu trainieren, warum wird dann noch immer von einem großen Teil der Fachwelt bezweifelt, man könne sich nicht an Dinge vor dem 3. Lebensjahr erinnern? Wenn es doch scheinbar nur in den Winkeln des Gehirns versteckt wurde?

Dies ist der Grund, warum ich sage: Schmeißt mich doch einfach auf den Irrenhaufen.

Ich gehe in einem alten Körper durch diese Welt, bekomme Pickel, habe Hitzewallungen und Altersfalten, und dennoch fühle ich die seelischen und körperlichen Schmerzen der Kleinen ab der Geburt.

Schritte, Schritte … sie können die Schritte unterscheiden … wenn sie Schritte hören, geraten sie in Höchstspannung … halten die Luft an … hoffen, warten, hoffen, warten, hoffen, warten … gehen die Schritte vorbei, ohne dass sich die Tür öffnet, fallen sie in einen tiefen, schwarzen Strudel, lösen sich auf … wollen sterben. Die kleinen Körper wollen bersten vor Schmerz … Schmerz … Sehnsucht … Schmerz … es ist so kalt … kalt … kalt … sterben … sterben. Ein Lichtstrahl, nur ein kleiner Lichtstrahl … selten, aber da … jetzt das Warten auf Schritte … Schritte … Warum kommen keine Schritte? Es ist doch Licht da! Kalt … kalt … warten … warten … hoffen … hoffen … Schmerzen … warten … warten … sterben … sterben. Augen … Wo sind die Augen? … der sanfte Blick, der uns Leben gibt …Warten … warten … hoffen … warten … er ist weg … wir wollen sterben … sterben … nicht mehr kalt … nicht mehr kalt … lieber sterben. Warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben … Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate!

Was ich hier schreibe?
Das, was ich bisher als mir völlig unbekanntes, diffuses Gefühl mit der daraus entstehenden Depression mein ganzes Leben lang mit mir rum trug, ohne Erklärungen dafür zu haben.

Seit Monaten aber habe ich all dies genau nicht nur mehr als Bild vor Augen, sondern auch genau in den Ohren, genau im Erleben, genau im Fühlen, genau in Worte fassbar. Und mit jedem Tag wird es schlimmer. Dieses unsagbar schlimme Fühlen.

Klar, leichter wird für mich, den Zusammenhang zu verstehen.
Leichter wird auch für mich, in alten Texten, Gedichten und in Zeichnungen das vor Jahren schon unbewusst nach Außen drängende Erlebte zu finden:
Schwarz, nur so ist`s gut – Warten – verschlossene Türen – Dunkel – Strudel – Schreie – gesichtslose Menschen – sterben wollen – Tod, Tod, Tod, Tod, Tod, Tod … wieder und wieder undefinierbar für mich damals beim Schreiben und Malen, weil nicht wissend woher. Leichter, weil ich endlich verstehe.

Heute?

Die Helferin müht sich, findet aber keinen Zugang zu den Kleinen. Alles Bemühen scheint umsonst. Sie ist lieb, ja, sie ist aber eben nicht unser Engelchen, das zu uns vordrang.

Der Alltag seit vielen Wochen ist der:
Schritte … egal wo ich bin … lösen das Warten aus, das Hoffen, das Zerreißen.
Ganz bestimmt einfallendes Licht – genau dieselben Folgen!
Warten müssen irgendwo, auf irgendetwas, … rumms entsteht daraus das Warten auf diesen einen, unseren Engel…rumms, ich rutsche in dieses Alter und fühle dieses schlimme Fühlen.
Schritte, Hoffen, Licht, Warten, Augen, Hoffen, Warten … Flash, Flash, Flash!

Okay, mir ist klar, dass der Weg sein muss, alles an Zusammenhängen zu erkennen, zu verstehen. So weit, so gut. Hab ich mittlerweile.

ICH. Ja, ich! Ich verstehe es! Aber nicht sie! Nicht die Kleinen. Sie sind noch dort. Sie sind zwar „wach“ geworden vor Monaten, zeigen mir seitdem genau das Erlebte von damals, aber sie sind noch dort, genau in diesem alten Geschehen von damals im Heim.
Sie weinen, schreien, weinen, warten auf ihr Engelchen, das sie aus ihrer Erstarrung geholt hat, das sie aber nicht wieder sehen werden, weil die „Kontaktzeit“ begrenzt war.
Und das ist das, was ich meine mit : IRRE!

Und wieder ist es mir völlig egal, was die Welt da draußen denkt über mich, aber ich bekomme die von mir scheinbar völlig getrennt existierenden Anteile nicht zur Ruhe. Und sie lassen mich nicht in Ruhe. Sie schütten all ihr Fühlen über mich aus, und ich stehe wie blöd da und kann nichts tun. So verzweifelt war ich lange nicht, es zerreißt mich.

Ich möchte einen Ausweg! Kenne aber keinen.

Emma in Not

5. April 2014

5.5.14

Seit gestern habe ich immer wieder Brechreiz, hocke aber umsonst vor der Toilettenschüssel. Es würgt, es kommt aber nichts raus. Vorhin wieder. An das Gelernte endlich erinnert, habe ich mich gerade hingelegt, in Ruhe nach innen gefragt: Da war Emma da, auf dem Arm vom Dicken Ende, streckte die Arme nach mir aus. Ich nahm sie zu mir, wiegte sie, beteuerte immer wieder, es sei vorbei. Sie möchte brechen, ununterbrochen läuft Speichel aus ihrem Mund, den sie ausspucken will. Ich muntere sie dazu an: Lass es raus!
Uns ist kotzübel! Aber wir halten einander fest. Endlich hat sie Vertrauen zu mir.
Muss zugeben, dass ich seit meiner Rückreise die Kleinen nicht bedacht hatte, außer beim Einschlafen.
Werde mich mehr bemühen, versprochen!

Nach Innen schauen

26. Februar 2014

3. Intervall

Mittwoch, den 27.2.14

Ich habe einen wichtigen Entschluss für mich gefasst!
Möchte während meiner Therapiewochen hier auf Station meine Internettätigkeit fast völlig runter schrauben.
Habe in den ersten Tagen schon bemerkt, dass das Internet bedeutet, sich nicht mit mir selbst auseinander setzen zu wollen, mich abzulenken, nicht nach Innen zu sehen. Zuhause mag es eine notwendige Strategie sein, weil ich außer dem Therakontakt pro Woche keine weiteren pflege. Dort muss ich notgedrungen viel von mir weg schieben, weil ich Aufkommendes nicht allein abfangen kann. Hier aber habe ich das Auffangnetz und alles an Unterstützung! Wann also, wenn nicht jetzt, den Mut aufbringen, mich mit meinem Innenleben wirklich auseinander zu setzen?
Bitte wundert euch also nicht, wenn ich mich kaum noch melde bei euch. Ist in keinster Form persönlich zu nehmen.
Kurzinfo zum bisherigen Verlauf:
Zur vierten Anreise letzten Donnerstag bin ich das erste Mal als Erwachsene angereist. So konnte der Start also gut gelingen. Morgen ist meine erste Traumakonfrontation, in der es endlich um Marie gehen soll. Muss endlich sehen, wer durch diese Tür kommt. Nun den Rest des Geschehens „kenne“ ich ja schon von den Albträumen, den Körperreaktionen und ihrer Angst.
Zwar hat eine TT-Sitzung mit EMDR mir hier noch nie etwas Neues offenbart,aber ich hoffe, dass ich so weit bin diesmal.
Die andere Zeit möchte ich an den Täterintrojekten arbeiten, die mir das Leben so zur Hölle machen, die mir mein Leben im eigentlichen Sinne sogar stehlen. Also wird Muhex fällig, der Verleumder auch!
Ebenso möchte ich für mich allein hier die Zeit finden, unser inneres System neu zu struktuieren. Das Haus ist zu klein für alle geworden, es stoßen immer mehr dazu…uh, wie das klingt! Will bewusster nach innen hören, wahrnehmen, wie es da laufen soll. Endziel: Das noch immer auftretende Chaos mit Aufgabenteilungen schneller in den Griff zu bekommen.
So, heute steht nur noch immer wieder kehrende Imagination an, um Marie auf den morgigen Tag vorzubereiten, um sie ein Sicherheitsnetz zu spannen, das sie auch wahrhaftig fühlen kann. Nur so wird sie zuende reden, was so schlimm ist.
Ich sag mal Tschüss!
Und: Macht euch also keine Sorgen! Bin in guten Händen!

Tagebuch: Franzi und Jenny

5. Februar 2014

5.2.14
Gestern war der Gang zur Therapiestunde ein unbelasteter. Sagte gleich zu Beginn, dass ich nichts Aktuelles habe, sondern trainieren will.
Also war ihr (Thera) erster Schritt, ich solle zurück gehen an den erlebten, schönen Urlaubsort, um mit gutem Gefühl eine Ausgangsbasis zu schaffen.
So sehr ich mich auch bemühte, es kam etwas sehr Einsames mit traurigem Gefühl dazwischen, egal, wie oft ich wegschieben wollte. Die Thera sah mich genauer an, fragte, wer da zu uns kommen möchte. Ich wollte sauer auf sie werden, statt dessen traten mir Tränen in die Augen und ich verlor die Kontrolle über meine Coolness. „Möchtest du zu uns kommen? Willst du dich dort auf das Sofa setzen, mit dabei sein? Was möchtest du uns etwas sagen?“ fragte die Thera.
Rumms (=Switch), saß sie da, völlig verunsichert, klemmte ihre Arme verschämt unter die Beine, und glaubte nicht, dass die Frau da Interesse an ihr hatte. „Du kannst bei uns bleiben, kein Problem! Siehst du, hier passiert dir nichts. Hast du was auf dem Herzen?“ „Die lässt mich nicht lesen!“ „So, lesen willst du. Was möchtest du denn lesen? Sagst du mir, wie alt du bist?“ „12“ „Dann möchtest du sicher ein Kinderbuch lesen.“ „Ja, aber die liest immer anderen Kram.“ „Hat sie denn kein Buch für dich?“ Rumms, Mari: „Klar, wir haben `ne Menge davon. Aber momentan ein Kinderbuch lesen? Zu blöd, echt.“ Thera: „Wo liest denn du am liebsten?“ Rumms, „Im Bett, nachts.“ Thera: „Ja, das ist was Schönes!“ Rumms, Mari: „Im Winter ist es aber zu kalt im Schlafzimmer dafür! Die Arme draußen, und wir frieren uns `nen Ast ab!“ Thera: „Ich hab gehört, da gibt es…“ Mari: „Ich weiß. Wir haben uns früher einfach eine Strickjacke verkehrt rum über die Arme gezogen, damit es warm bleibt. Aber jetzt? Keine Ahnung. Ist einfach zu kalt!“ Thera: „Wie fühlst du dich mit dem, was Frau M. hier grad sagt?“ Rumms: „Das ist doof.“ Thera: „Wer bist du?“ „Franzi“ „Gut Franzi, dann sagen wir jetzt Frau M., sie soll dich ruhig mal ein Kinderbuch lesen lassen, ja?“ Freudig: „Oh ja!“
Lücken in der Erinnerung.
Spiegelneuronen! Ich sage der Thera, dass mir mal gesagt wurde, ich hätte Spiegelneuronen. Und dass dies für mich aussagt, dass in den ersten 5 Lebensmonaten im Heim jemand mich gemocht haben muss, dass jemand vom Pflegepersonal liebevoll mit mir war. Und ich äußerte, dass es wohl für die kleine Sofie schlimm gewesen sein muss, an den Wochenenden immer zu einer teilnahmslosen Frau (Geburtsfrau) zu müssen, die ihr fremd war.
Man kann auch ahnen, dass diese Tatsache nicht einfach für die Geburtsfrau gewesen sein muss, stets ein fremdelndes Baby zu erleben.
Lücken im Text.
Die Thera wollte mich aus irgendeinem Zustand ins Hier und Heute holen. Das Übliche folgte – welches Datum, im Raum verankern, Buchrücken lesen, Rechenaufgabe lösen.
Wir sahen an ihrem Gesicht, wie sie selbst schnell versuchte, die gestellte Aufgabe zu lösen. Rumms, quiekten wir los! Thera: „Hallo, wer bist du?“ „Ich find das lustig, wie sie sich anstrengen!“
Lücken im Text zu einer regen, spaßigen Unterhaltung einer 10 Jährigen mit der Thera. Sehe nur an meinen Notizen aus der Stunde, dass sie Jenny heißt, und es liebt, mit Menschen zu reden und mit ihnen Spaß zu haben. Jenny mag das logische Denken, das Rechnen, das Streiche spielen.
Im weiterem Gesprächsverlauf berichte ich, dass ich irgendwie als Schülerin zweigeteilt war. Außerhalb der Wohnung wollte ich leben, lachen, Spaß haben. Aber je näher ich der elterlichen Wohnung kam, um so mehr ging eine Wandlung in mir vor. Dies wurde nicht weiter beleuchtet, da es ja schon bekannt war.
Jedenfalls ging ich aus dem Gespräch – geschafft, zufrieden mit der Kommunikationsfähigkeit, verunsichert ob der noch so vielen Anteile in mir.
Sicher, ich habe verstanden, dass ich jeden willkommen heißen möchte. Dennoch steigt manchmal die Panik in mir auf, dass es immer mehr werden könnten. Mit dem heutigen Tag sind es schon 25 Anteile, die sich nach außen gezeigt haben, die auch eigenständig agiert haben. Das macht mich schon sehr unsicher. Und dann sehe ich auf mein „gebautes“ inneres Haus, und spüre, dass es nicht die Lösung für uns alle bleiben kann. So gebaut, kann es niemals das sich formierende System aufnehmen. Ich ahne und fühle, dass es wieder enorme Arbeit bedeutet, etwas Zufriedenstellendes für alle zu bauen. Etwas, wo jeder zu seinem Recht kommt.
Als ich heute einfach in einigen Zimmern aus einem einfachen Bett ein Doppelstockbett machen wollte, ging Gezeter in mir los. Keiner will das. Wogegen ich mich die letzten Monate ziemlich gesträubt habe aus Angst vor dem Abrutschen: Kontakt nach Innen aufzunehmen, dies wird wohl doch notwendig, damit ich wieder ruhiger werde.
Also, ich heiße Franzi und Jenny willkommen, und verspreche, ihnen einen schönen Platz an unserem sicheren Ort zu schaffen!

12.7.13

Franco ist 8 Jahre alt, ein kleiner Rotzlöffel, der Spaß am Leben hat, keck und äußerst verspielt ist.
Für mich sehr überraschend zeigte er sich vor 2 Tagen. Anfangs war ich sehr verunsichert, weil ich an Bewegung, Mimik, Gestik erst die 8jährige ausmachen wollte. Schnell aber stellte sich im Inneren Widerstand ein zu meiner Annahme, und wie ein Rumpelstielzchen pochte er stampfend auf seine Identität.
Nun denn, er ist willkommen, was soll ich dazu sagen? Es ist eben so!

Verschiedene Anteile

26. Januar 2014

Ich habe schon so einige Dokumentationen, Fachartikel und Forschungsberichte gesehen, gelesen, in denen dokumentiert wurde, dass unterschiedliche Anteile auch unterschiedlichen Blutdruck, unterschiedliche Hormonausschüttungen, unterschiedliche Blutwerte haben können, sowie auch unterschiedliche Gehirnareale reagierten, und so einiges mehr.
Meiner Meinung nach widerlegt dies die Behauptung, dass die Unterschiede nur aus dem unterschiedlichen Fühlen heraus wahrgenommen werden, aber nicht wirklich vorhanden sind. Es also nur eigene Wahrnehmungen sind.
Ich bin ein Mensch, der nur wissenschaftlich Nachgewiesenes glauben will. So lange dies nicht der Fall ist, bin ich selbst meist am Negieren.
Beim Auftauchen der Diagnose vor 11 Jahren, wurden mir zwar sofort “Eigenarten” an mir klar, dennoch glaubte ich, die Thera spinnt.
Die absolute Gegenwehr gegen ihre Ansicht setzte ein.
Leider sind im Laufe der Jahre, mit immer mehr Eigenerkenntnissen, meine Zweifel abhanden gekommen.
Zu den körperlichen Veränderungen, von einen auf den anderen Moment, im Falle eines Switches, möchte ich meinerseits als Beispiel, nur meine stark unterschiedlichen Sehstärken anbringen.
Auch wird immer wieder thematisiert, ob man den geswitchten Zustand überhaupt bewusst wahrnehmen kann. Mal ganz abgesehen von der Frage, was denn nun wirklich BEWUSST bedeutet.
Da ist ein Fakt, der mich von anderen Mitpatienten stark unterscheidet: Obwohl sich mein Körperempfinden abschalten kann, ich dann nichts mehr spüre, habe ich durch 29 Jahre Beschäftigung mit Motorik und Muskulatur (Sport) nie aufgehört, meinen Körper meist bewusst wahr zu nehmen. Wo andere beim Feldenkrais verzweifeln, weil sie nichts spüren können, kann ich aufs genaueste den Muskel lokalisieren, die Körperregion. So ist mir durch meine eigene Motorik anfangs oft im Nachhinein klar geworden, in welcher Altersstufe ich mich befand. Mittlerweile weiß ich es schon in den ersten Minuten. Was da nun Co-Bewusstsein ist oder nicht, ist mir völlig Wurst. Fakt ist, dass ich drauf sehe, aber nicht einschreiten kann.
Auch in den total verängstigten Kinderstates nehme ich die Unsinnigkeit im Heute wahr, kann aber nichts dagegen tun.
So habe ich nun mit meiner Therapeutin angefangen, das Switchen zu “üben”. Packt sie mir Spielzeug auf den Tisch, bin ich ratzefatz im Kind. Sie lässt mich diesen schönen, verspielten Moment genießen, zählt die Sekunden runter, und dann Peng, ein lautes Geräusch, eine auffallende Bewegung. Dann nutzt sie den Schreckmoment, mich wieder ins Heute zu führen, mich erwachsen zu machen mit Sehen, Riechen, Hören, Rechnen, Denken, Körperfühlen. Also mit allen Sinnen. Wo ich bis Dato nur das langsame Wegdriften schon an mir erkennen konnte, soll nun das Herauskommen aus dem kindlichen Zustand trainiert werden. Denn genau dieses Nicht-Heraus-Finden ist immer wieder mein Dilemma, besonders bei den Klinikaufenthalten mit den Traumakonfrontationen.
Was ich hier eigentlich sagen wollte:
Meine Anteile haben nicht nur unterschiedliche Fähigkeiten bezüglich ihres Fühlens oder ihrer Interessen, sondern sind auch physisch völlig verschieden in ihrem Entwicklungsstand. Das ist Fakt, lässt sich nicht leugnen. Ob in ihrer Motorik, oder auch ihrem Abstraktvermögen, in der Fähigkeit, logisch zu denken, oder ihrem Erfahrungsschatz, ihrem Wissen über die Welt. Selbst das Gehirn scheint bei diesem Wechsel seinen eigenen Entwicklungsstand zu haben.
Und noch eine Anmerkung!
“Ich bin Viele!” Nun, was soll der Spruch aussagen?
Viele getrennt voneinander? Viele nur nacheinander? Viele gleichzeitig? Viele voneinander unbekannt? Viele bekannt in einem Team?
Viele im Innen? Viele im Außen? Einzeln? Zusammen? Gegeneinander?
Ich denke, so komplex der Mensch ist, so komplex können auch die inneren Zustände sein.
Und ganz wichtig scheint mir auch die Tatsache, wie lange man sich schon mit sich selbst auseinander setzt. Die Schulung der Achtsamkeit, der inneren Wahrnehmung, denke ich, braucht Zeit und Übung.

Ich bin Ich, und Du bist Du

26. Januar 2014

Ich merke, dass es mir aufstößt, immer wieder von den Fragen zu lesen: Bist du multi? Bin ich multi?
Was bringt mir so eine Fragerei? Gar nichts, überhaupt nichts. Die Diagnosen sind mir so etwas von Scheiß egal, echt. Mich nervt das nur.
Ich bin ich, bin wir, sind uns, basta.
Wie jemand anderes darüber denkt…soll er. Ich muss mit meinem Innenleben klar kommen, nicht andere. Ich habe die Probleme an der Backe, ich muss meinen eigenen Kampf ausfechten, nicht jemand anders.
Ich lese sehr gern auf anderen Blogs, besonders mit dem Hintergrund, mir eventuell Tipps zum besseren Vorankommen daraus zu ziehen. (auch liebe ich das Lesen von sehr guten “Sprachen”- den Schreibstil) Und ich bemerke die vielen, enorm vielen unterschiedlichen Erlebensfacetten. Und ich lese sie mit Aufmerksamkeit und Respekt.
Obwohl ich auch in mir täterloyale Anteile kenne, käme ich aber nie auf die Idee, mir über das Empfinden anderer ein Urteil zu erlauben. Dies ist nun mal subjektiv. Ich möchte auch nicht durch mein Schreiben beurteilt werden. Ich möchte einfach nur sagen, was in mir abgeht.
Irgendetwas reagiert in mir mit Zorn, wenn ich lesen muss, was nicht sein KANN. In mir bricht ein uralter Wunsch nach Gerechtigkeit aus: “Warum lasst ihr mich nicht so, wie ich bin? Warum soll ich verkehrt sein?” Und es bricht der Urinstinkt nach Wehr aus mir heraus.
Ich liebe die Menschen, selbst wenn ich sie mir auf Abstand halte. Ich liebe das Verschiedensein an den Menschen.
Und ich habe sehr früh in meinem Leben gelernt, wert zu schätzen, was sie sind, jeden einzelnen für sich! Ich könnte mir nicht anmaßen, ein Urteil über sie öffentlich zu fällen, nur, weil ich eine andere Ansicht habe. Ich finde es sehr wichtig, den anderen mit seiner Meinung zu akzeptieren. Man kann miteinander reden. Aber das größte Dilemma wäre doch, den anderen von seiner eigenen Meinung überzeugen zu wollen. Was hätte man denn am Ende? Gleichheit, gepaart mit Gleichgültigkeit, nichts, was spannend am Miteinander wäre.
Aus diesem Grund wird es auf meinen Seiten stets nur um mich gehen, weil ich andere SEIN lassen kann, wie sie sind!

2016 Nachtrag:

Habe schon lange keine Kraft mehr irgendetwas auf anderen Blogs zu lesen. Es geht einfach zu viel in mir ab, da geht kein Blick nach rechts oder links, bin überfordert.

Tagebuch: Eine Hand fassen

23. Januar 2014

Ich saß Mittwoch beim Zahnarzt im Wartezimmer, mir gegenüber ein uraltes Paar, entspannende Musik drang aus den Lautsprecher. Was es nun war – das Hören oder das Sehen – keine Ahnung ….rumms, spulten sich alte und neue Bilder und Vorstellungen ab, fast parallel. Vom Vertraut sein der Beiden gegenüber, kam die Vorstellung, wie schön dies auch nach 25 Jahren Ehe sein müsste, und wie sehr dies bewahrt werden sollte…rumms, sah ich mich in verschiedenen Altersstufen in fremde, erleuchtete Fenster sehend, sehnsuchtsvoll mit dem Wunsch, einfach dazu zu gehören. Ja, zu wildfremden Menschen. Noch kleiner sehe ich mich unschlüssig auf der Straße stehen, ohne Mut, einfach eine fremde Hand zu fassen, und mit zu gehen. Bei fremden Menschen müsste es hundert Mal besser sein, als bei mir zuhause.
Ich sitze in dem Wartezimmer, mein Körper scheint bersten zu wollen an dem Wunsch: „Bitte nimm mich mit, ich will nicht mehr nach Hause.“ Jetzt beim Schreiben selbst kommt dieser Druck nach oben. Als stünde ich auf einem riesigen Platz, auf dem tausende Menschen kreuz und quer laufen, ich, ganz klein in der Mitte, von niemanden bemerkt. Und es brüllt so sehr in mir, aber meine Lippen bleiben zusammengepresst. Damals schon die Einsamkeit in einer Menschenmenge. Damals genötigt, stumm zu sein, keine Hilfe zu suchen, erstarrt zu verharren in dem, was sich meine Familie nannte. Und heute begreife ich den so enorm tiefen und verzweifelten Schmerz der kleinen „Marie“. Und mich erstaunt ihr Instinkt, dass es auch andere Familienkonstellationen geben muss, bessere. Und die enorme Sehnsucht, zu einer solchen gehören zu wollen, unsagbar.
Ich frage die Kleine, was sie sich denn davon erwartet. Die Antwort zitternd, fragend und dennoch klar (von vielen): „trösten, mal ein Lob, lieb gucken, keine Angst mehr, ankuscheln dürfen.“ Ich spüre, was ihr das Wichtigste wäre: sein dürfen unter stets liebevollen Blicken.
Wenn ich ihre Worte höre, dann steigt in mir eine Ahnung auf, wie sehr sie gelitten haben muss. Und ich kann es körperlich spüren.
Gleichzeitig frage ich mich, wie es möglich sein kann, dass diese einfachsten Dinge der Welt einem Kind verwehrt wurden? Ein liebevoller Blick! Aber das ist doch das Mindeste, was ein Kind täglich zum Leben bräuchte, oder? Wie kann man denn ohne gedeihen?
Rumms … man kann nicht ….man endet dann als 51 Jährige, die noch immer von der Sehnsucht überrollt wird, irgendwo dazu zu gehören … zu einer Familie, die intakt ist. Klingt jetzt merkwürdig, aber Fakt ist, dass wir oft in unserer Fantasie im Alltagsleben unserer Wunschfamilie integriert sind, mal als Kinder, mal als Freundin. Das ist doch verrückt, oder?
Nein, ist es nicht, denn dieses Fühlen ist das der kleinen Schmerzkinder von uns, die noch immer in ihrem Sehnen eingefroren scheinen.
Einfach eine Hand fassen von einem Menschen, der es gut mit uns meint!
Wenn ich auf mein Leben zurück blicke, stelle ich fest, dass ich an nur einem Punkt gescheitert bin. Nämlich an der Tatsache, dass ich mich stets fassen ließ.
Mir sind die Menschen zuvor gekommen, solche Menschen, die genau mein Defizit durchschaut haben. Und ich Trottel glaubte, man wollte mich meinetwegen. Es hat stets eine Weile gedauert, bis ich in einer Beziehung das ganze durchschaut hatte. Aber immerhin hatte ich dann immer die Kraft, mich davon zu lösen. Ein Anfang, oder?
Nun aber stehe ich da …. lasse mich nicht mehr so einfach fassen, weiß, worauf es mir heute ankommt. Und?
Nichts!
Hindert die eigene Vorsicht? Ist es die Angst vor erneuter Enttäuschung?
Nein!
Denn ich hatte den Versuch gewagt bei einem Menschen, der genau das war, nach dem alle von uns suchten, alle, ohne Ausnahme.
Es steht nicht zur Debatte, dass dieser Versuch in die Hosen ging, nein!
Zur Debatte steht: ich hatte den Mut, ich hatte die Kraft, ich wusste, was mir gut täte, und ich hätte alles dafür getan, das es funktioniert!
Ich hatte also nicht aufgegeben, ich habe neu dazu gelernt, ich hatte eine richtige Wahl getroffen, ich habe mich nicht an die Hand nehmen lassen, sondern selbst nach einer Hand gefasst.
Die Kleinen sind damit also einen Schritt weiter. Selbst mit dem Schmerz, dass ihr Glück nur kurz war.
Und ich?
Dazu finden sich jetzt keine Worte mehr! Nicht heute.

Die Macht der Gefühle

16. Januar 2014

16.1.14

Wenn mich der aktuelle Schmerz im Heute so sehr aufwühlt,
dann sind die Schmerzkinder nicht weit, kippen ihre Last dazu.
Und selbst meine Flüsterkinder suchen meine Nähe, wollen ihren Schmerz an mir loswerden.
Dann stecke ich zwischen HEUTE und GESTERN.

Gefühl
Finde keinen Weg aus dieser Lage. Nur der Blick nach unten bleibt mir.
Und irgendwann dann der Gedanke: „Lasst mich doch alle in Ruhe!“, und die Sehnsucht ist da,
die Sehnsucht nach dieser Weite:
Höhe
Bei diesem Anblick findet mein Herz wieder einen Rhythmus, das Atmen wird leichter.

Erwachsen sein?

17. Dezember 2013

Mir wurde vor Kurzem von einem Menschen, der lange schon Umgang mit schwer traumatisierten Menschen in einer Klinik hat, gesagt:

„Ich war geschockt, als ich erfuhr, dass Sie 25 Jahre in ihrem Beruf gearbeitet haben! Ich hatte bei Ihnen gedacht, dass Sie nie arbeitsfähig waren in ihrem Leben, so, wie ich Sie hier sehe und erlebe. Ich habe immer das Gefühl, Sie wollten am Liebsten unsichtbar sein.“

Oh Mann, das hörst du, bist erstmal wie gelähmt, und dann steigt die Verzweiflung hoch.

Aber in diesem Gespräch, so glaube ich jedenfalls, konnte ich das erste Mal einem Menschen deutlich machen, wie schlimm es für mich ist, dass seit 11 Jahren alles an Fähigkeiten weggebrochen ist. Dass ich ein anderer Mensch zu sein scheine. Nichts ist mehr wie vorher! Du hast keinen Boden unter den Füßen, findest keinen Halt mehr.
Ein Viertel Jahrhundert habe ich mit guter Leistung dem Staat gedient, habe seine Kinder erzogen, behütet, ihnen das Leben gelehrt. Ein Viertel Jahrhundert! Das klingt doch nach einer langen Zeitspanne, oder?

Und plötzlich, von heute auf morgen, finde ich mich in einem anderen Film wieder, einfach so. Warum?
Mein Stiefvater hatte seinen Besuch bei mir angekündigt. Rumms…war ich auf einmal in der Kindheit, weinte und schrie …meine Tochter stand hilflos daneben, geschockt.
Seit diesem Tag war alles anders. Es war ein Tag im September 2002.
Der spätere Versuch (ein Jahr danach), wieder im Beruf Fuß zu fassen, dauerte nur knapp zwei Jahre. Zwei Jahre, in denen alles an Symptomen stärker wurde, sich die Zwänge, der Ekel, die Schmerzen, die Flashs, die Dissoziationen verstärkten.
Der schnelle Wiedereintritt in den Beruf war der größte Fehler, der begangen wurde, leider nicht von mit initiiert, sondern gegen meinen Willen durchgesetzt. Ich selbst wusste ja, dass noch überhaupt nichts stimmt mit mir nach diesen ersten 9 Monaten Therapie.
Seit dem einen Tag im Oktober 2002 ist jede Therapie daran vorbei gegangen, etwas Erwachsenes aus mir wieder hervor zu holen. So oft ich darum bat, keiner nahm mich wirklich ernst mit diesem Wunsch.
Scheinbar wirkte ich reif genug, stark genug, meinen Alltag zu bewältigen.
Aber wie soll man Therapeuten klar machen, dass dies schon die Kinder können, weil sie es immer können mussten? Niemand nahm mich wirklich ernst, niemand.
Und glaubt mir, ich habe stets gewusst, was ich brauche, und es immer angesprochen. Aber es war umsonst.
Es ging immer nur um „Stabilität“.
Stabilität? Was ist das für uns? Überleben, irgendwie!!!!! Also wurde alles an Fertigkeiten heraus geholt, was die Kinder hatten. Rumms … genau dies ist der Punkt! Fertigkeiten der Kinder!
Und die hatten sie, sonst wären wir längst nicht mehr am Leben!
Also fleißig verstecken, dissoziieren, tot stellen, nichts fühlen! Ich kann euch sagen, dass ich immer sehr offen in den Therapien war. Aber wirklich zugehört hat wohl niemand.

Und nun stand ich also da, hörte, welchen Eindruck mein Verhalten hinterlässt, war geschockt, aber gleichzeitig war es ja seit 11 Jahren nichts Neues für mich! Darum verstecke ich mich ja vor der Welt! Weil ich mich eben NICHT wiedererkenne, weil ich mich schäme, weil ich keine Zumutung sein will.

Diese vielen Jahre falschen Trainings soll ich nun schlagartig ändern können: Ja, da sein Sie doch mal erwachsen!
Halleluja! Fein!
Hu, jetzt steigt endlich mal Wut hoch. Wut auf die Behandler, die sich Traumatherapeuten nannten, die von sich glaubten, allwissend zu sein, alles zu kennen und zu können! Ich, die stets deutlich war, habe meinen Mund umsonst fusselig geredet. Warum hört man dem Patienten eigentlich nicht zu? Er weiß doch am Besten, was in ihm abgeht! Vielleicht war auch dies der Grund, mich selbständig mit der Fachliteratur zu befassen. Hilfe zur Selbsthilfe! Nur … es funktioniert nur in der Theorie, der Verstand begreift die Zusammenhänge, die Lösungsvorschläge …der Verstand!
Der aber scheint abgetrennt von meinen Ich-Wesen. Sie verstehen dies nicht. Nun rede ich mich an mir selbst fusselig …auch umsonst.
Ich hab den Hals voll, echt!

Ach nee, so viele mehr?

15. November 2013

14.11.13

Ohne Kontrolle jeden reden lassen, egal ob wir ihn schon kennen. So weit konnten wir bisher nicht denken, wenn das Chaos im Kopf einsetzte und so viele Unbekannte mitquakten.
Gleich 11 Uhr, sehen aufgequollen aus, Schlafmittel hat Schlaf gebracht nach einem Verzweiflungsheultag.
Am Nachmittag heute noch die TT, oh menne, wird wohl noch krasser werden! Hab mir gemerkt, dass wir mehr aufschreiben sollen, und Scheiß drauf, wer es von uns tut.
Seit gestern bin ich Viele da, Drängelei, jeder will sein Zeug loswerden. Ich kriegs ab und komme noch nicht zurecht mit Fürsorge. Geht irgendwie nicht ohne Ortungssystem, sind zu viele und kenne sie nicht. So viel Schmerz auf einmal ausspucken wollen macht mich konfus.
Dazwischen die Kleinen, die im Arm bleiben wollen und so sehr nach Engelchen schreien. Ankuscheln, einkuscheln, wohl fühlen, keine Angst haben müssen. Weiß nicht, wer ich bin, weil ich das Gleiche fühle. Möchte nur noch auf einen Schoß, drauf einschlafen, ohne aufwachen zu müssen. nie mehr, wär gut.
.
.
Warum kann dieses Arschloch sich nicht selber mal eins in die fresse haun? Der Hu##nsohn müsste mal von ner ganzen Truppe so verprügelt werden, dass er nach Mami wimmert, der Arsch.
Psst, sonst hört er uns, versteck dich lieber.
Wozu, soll er doch kommen, ist eh schon Wurst. Wo ist mein buch? Legst dus mir hin? Versprochen. Ich hab solche Angst! Brauchste nich, sind doch da, kommste einfach zu uns. Wir können ja auf die silberne Brücke gehen, und die Frau Zeit macht Kakao. Dickes Ende, kommst du mit? Jo! Uh, soll sich der Pimpel seinen Gürtel doch selbst holen, dieser faule Sack. Werde ihm ins Gesicht grinsen, bu! Hälst du mich fest? Klaro, der soll nur mal in deine nähe kommen, da wirds rot, das sach ich dir.

15.11.13

Die TT war nicht schlimm. Nur der Augenblick, als die Thera und Kathrin rausgehen, uns alleine lassen wollten, nur weil wir tot sein wollten. Haben geflüstert ” nicht gehen”
Aber dann sind wir aber alle zusammen losgegangen (imaginär) haben uns einen Tisch gedeckt mit lauter schönen Sachen drauf, und ohne Stock im Rücken und Angst und Pflichtwurst. Da gabs Luftballons und wir durften alle reden und lachen und essen was wir wollten. Wolln wir jetzt immer machen. Weiß nich, ob alle raus sind ( aus der Familiensituation), da waren so viele wie 30 oder 40 Kinder. Manno, brauchen viel Stühle. Aber je mehr umso viel Spaß.
Die große hat uns abends n Schokoladenstulle gemacht und wir durften dabei einen trikfilm gukken, was mit lieben Monstern.
Und gemalt haben wir ein bild für die Tante.

Gebeutelt

15. November 2013

8.11.13

So Leute, war in der Stadt und habe vier Bilderbücher gekauft….grrrrr…grins. Drachen, Elfen mit Glitzer. Das wird uns gut tun. Und dann noch ein Erwachsenenbuch über Lieben, lange Beziehungen, und warum Se# überbewertet wird. Dort wird viel von der Chemie unseres Körpers gesprochen. Bin ja mal gespannt.

Sonst gibt es nichts neues.
Am Vormittag war irgendwie ein Unruhestifter draußen, der nicht muh und nicht mäh wollte, völlig hin und hergerissen schien und unruhig. Ganz besonders war er stinkig. Hat sich aber zusammenreißen können. Also niemanden blöd angemacht.
Es war aber anstrengend, so jemanden unseren Körper zu überlassen. Und … wer war es, woher kam er? Schien uns unbekannt. So unmutig und unzufrieden mit sich selbst, buha, war ne Herausforderung, ihn im Zaum zu halten.
Nu isser wech, auch gut!
Morgen stehen HA an – noch etwas gründlicher die bekannten Traumatas notieren, da die Liste für die Thera hier nicht viel aussagt. Da heißt es dann wohl wieder: dolle auf uns aufpassen.
Dann will die Thera auch noch, dass wir uns für die nächste Sitzung am Montag selbst das Thema raussuchen….uuuuuuh, glaube dies macht uns so konfus!

Kuscheln

15. November 2013

5.11.13

Mir ist klar geworden, dass sich noch etwas in unserem Haus ändern muss.
Das Allerwichtigste: eine riesengroße Kuschelschlafecke im Innenraum auf der ich liegen kann, und alle anderen sich zum Schlafen rankuscheln können. Habe dies seit gestern “praktiziert”, um keines der Kleinen zu benachteiligen, … und was soll ich sagen? Der Schutz nach innen kommt besser an! Und im Außen bewege ich mich etwas ruhiger.
Ja, alles gemeinsam tun, und die Zimmer nur als freiwilligen Rückzugsort nutzen, das ist es! Uns scheint es damit besser zu gehen!
Auch ist das -zur Ruhe kommen- etwas einfacher.
Hej, ihr Süßen, langsam verstehe ich, was ihr braucht, und…..dass ich es euch geben kann!

Was heißt LIEBEN?

15. November 2013

5.12.13

Ist es überhaupt möglich, einen Menschen zu lieben, wirklich zu lieben, ohne ihn richtig zu kennen?
Oder füttert man nur die eigene Fantasie mit all den Wunscheigenschaften an?
Was macht die Chemie des Körpers mit einem, wenn es in den ersten Minuten funkt?
Ich habe für mich raus gefunden – es war nicht Chemie, es war Rückkopplung zu Positiven!
Kann man überhaupt lieben, wenn es da keinen Kontakt gibt? Ist es nur eine Verliebtheit, weil man sich selbst füllt mit Gutem?
Oder ist es doch Liebe, wenn man vergeben kann, wenn man sich reinfühlen kann, wenn man alles drumherum versteht, selbst wenn man dabei auf der Strecke bleibt?
Was ist Liebe?
Dass man glaubt, seine zweite Hälfte entdeckt zu haben, die einen vollkommen macht, ganz macht?
Ich weiß mittlerweile von mir:
Ich fühle mich ganz, fühle mich richtig, wenn ich es in Augen sehe, die auf mich schauen. Wenn ich also mich finde in den Augen des anderen, wenn aus diesen Augen heraus meine Wertigkeit für den anderen springt. Anders gesagt:
Ich liebe, wenn meine Gesamtheit im anderen gespiegelt wird, wenn ich in seinem Blick sehe, welche Bedeutung ich für ihn habe. Nur über diese Rückkopplung kann bei mir so tiefes Vertrauen entstehen, dass dies in Liebe münden kann!
Und ich liebe … momentan … immer noch … fester als je zuvor. Kann nichts dagegen tun.

Umgestaltetes Innenleben

3. November 2013

3.11.2013

Musste das innere Haus ändern aus mehreren Gründen!
Franco ist dazu gekommen, die Introjekte haben sich geoutet. Und diese sollen nicht im Strafbereich sein, sie gehören schließlich zu uns. Aber wir haben nun eine Etage drauf gebaut, wo sie sein können, ohne dass die Kleinen unten Angst haben müssen vor ihnen.
Aus dem Strafbereich habe ich ein Spiel-Toben-Bereich gemacht.

Die kleinen, noch immer mir unbekannten weinenden Kinder, die ich Schlafseelen nenne, sind raus aus dem Haus, weil sie beschützt sein müssen. Sie sind im Garten auf einer Wolke (unsichtbare Kette bis in den Boden), haben dort ihre Kuschelbettchen und werden von zwei Elfen bewacht.

Das Zimmer der drei Kleinsten(mit Annegret) werden wir nach außen riesig „ausbeulen“ und einen runden Schlafbereich bauen. Auch das wird alles aus Glaswänden und Decken sein.

Die Introjekte sind in die erste Etage gezogen und können nur mit Kathis Genehmigung nach unten.
Das DICKE ENDE ist ein imaginärer Spiel, Kuschel, Beschützer-Gefährte, der darf immer runter.

Innere Konferenzen finden noch immer unten am großen Tisch statt. Besonders vor den EMDR Sitzungen wird dort geplant, wer mit wem wohin! Um uns vor den Introjekten zu beschützen, werden sie vorher ordentlich verwöhnt und dürfen dann währenddessen was leckeres kochen.
Den kleinen Drachen, mein ICH-Synton, beziehe ich öfter ins Geschehen ein, weil wir ihn irgendwann umwandeln möchten. Er kann ja nichts dafür, dass er sich immer so fühlt.

Nachtrag am 8. Nov.:
Der Konferenztisch in der Mitte wurde so umgebaut, dass er sich auf Knopfdruck im Boden versenkt und eine Schlaf – Kuschelwiese nach oben kommt. So kann die Nacht außerhalb der Zimmer verbracht werden, an eine Erwachsene gekuschelt!

Mehr fällt mir gerade nichts ein, was ich zu unserem Haus sagen könnte!
unser Innensystem

Die erste Etage mit noch freien Zimmern.

Innensystem 1. Etage

Tagebuch 8.10.

8. Oktober 2013

8.10.13

Verschlafe fast ganze Tage, um sie auszuhalten, zu überstehen. Die Realität geht gar nicht mehr.

So suchte ich nun die “Rettung” im Lesen eines Textes von Lydia Hantke. Das verhindert, dissoziieren zu wollen.
Der Text ist an die Traumatherapeuten gerichtet. Oft muss ich einen Absatz mehrmals lesen, ehe es bei mir ankommt. Möchte mal hier ein paar Ausschnitte notieren, die keinen Zusammenhang haben:

1. “Noch einladender und (von uns Therapeuten oft) wenig reflektiert sind die Hilfe suchenden Anteile unserer Klientinnen. Da sind wir doch gerne Retterin, Galan und “der Einzige, dem sie vertraut”. Aber gerade hier zementieren wir eine Rolle, die zentrales Ergebnis und Inhalt der Traumatisierung ist:
– Nach der Hilflosigkeit und der Dissoziation (im Traumageschehen) folgte das ÜBERLEBEN.
Es liegt also nahe, dass das “System Klient” diese Hilflosigkeit als Vorbedingung des Überlebens begreift.(für sich glaubt) Und solange nichts anderes sicher ist, würden Sie denn diese “erlernte” Sicherheit aufgeben wollen?”

Leute merkt ihr, was sich da für Erkenntnisse auftun? Bin völlig baff!

.
Und sie schreibt auch, dass wir Dissos extrem geschult sind in der Wahrnehmung von Ungereimtheiten und Brüchen in der Kongruenz des Gegenübers. Also dass wir viel sehen “am” Therapeuten. Geschult sind wir deshalb, weil wir nur damit überleben konnten. Und hier wieder beginne ich die oft an Thera’s gesehene Unsicherheit zu verstehen: Sie haben Angst, durchschaut zu werden. Das jedenfalls erlebte ich vor 11 Jahren.
Sie schreibt auch, dass wir im therapeutischen Umgang meist nur 25% verbal mitbekommen, aber dagegen sehr klar und deutlich die nonverbalen “Äußerungen” mit 75% wahrnehmen.
Ups, muss daran denken, dass ich dieses Erleben sehr, sehr oft hatte.
Und das Kuriosum ist, dass gerade die nonverbalen Prozesse sich unbewusst abspielen, direkt im Verhalten aus dem Bauch heraus kommen. Also Theras, achtet auf euch und auf das, was ihr unbewusst an “Zeichen” sendet.

Selbstanalyse – Sofie’s Verlust

2. Oktober 2013

2.10.13

Seit Wochen nun vergeht kein Tag ohne dieses Wegrutschen in die unbeschreibliche Hilflosigkeit.
Und immer deutlicher bekam ich Signale, die von den Säuglingen stammen. Klar erschreckt mich das. Es ist und bleibt mir unverständlich, dass man als Mensch so weit zurückliegende Erlebnisse und Empfindungen neu erleben, erinnern kann. Ertappe mich immer wieder beim Abstreiten.
Trotz aller Schmerzen habe ich aber genau hingesehen, habe (und das tu ich heute noch) Situationen im Heute und meine unverständlichen Reaktionen darauf versucht zu begreifen.
Je mehr ich mich damit beschäftige, umso klarer werden für mich die Antworten.
Die Kleinsten kommen nicht klar mit der Trennung von ihrem Liebmensch.
Ich fand nun Passagen zur Säuglingsforschung:

„Die Erfahrung des eigenen Seins entwickelt sich aus der Erfahrung der gelebten Beziehungen.“ (P.Janet)

„So erfährt der Körper sich über den Körper des anderen, die Art und Weise von dessen Präsenz entwickelt die eigene!“

Bsp. „Wenn jede Vorhersagbarkeit der Reaktion für das Kind entfällt, reagiert es mit Schreien, dann mit allen Anzeichen von Vermeidungsverhalten, Fluchttendenzen und Panik und zuletzt verfällt es in einen apathischen Zustand der Nicht-Reaktion. Es stellt sich tot, reagiert nicht mehr.“

„Traumatisierung ist die Erfahrung von Hilflosigkeit, mehr noch: von Handlungs-Unwirksamkeit!“

Das Merkwürdigste von allem ist: Ich hatte diese Dinge im Fühlen von mir verstanden, noch bevor ich die Bestätigungen aus der Fachliteratur fand. Was mir sagt, ich bin auf einem guten Weg – den Weg des achtsamen nach Innen-Schauens, dem Weg der Selbsterkenntnisse.

Erinnere mich, Sofie entwickelte blitzschnell eine Präsenz, kaum, dass sie den „anderen Körper“/Mensch für sich gesehen hat, kaum, dass sie gelebte Beziehung fühlen konnte. Dieser Mensch war für uns ein Engel, für Sofie die ersehnte Mami.
Sie war plötzlich in uns so dermaßen oft draußen, es fühlte sich wie eine Neugeburt an, eigentlich wie eine Geburt an sich.

Sie durfte plötzlich in uns etwas sein. Wir fühlten uns alle plötzlich berechtigt, leben zu dürfen, sein zu dürfen.
Dass Sofie damit gleichzeitig ihr extrem schmerzvolles Fühlen über uns auskippte, brauch ich wohl nicht erwähnen. Aber je schmerzvoller es war, umso mehr nahmen wir die Bindung zu ihrem Engelchen an, umso mehr griffen wir nach diesem Halt.
Das war mir damals alles sehr schnell klar.

Und heute verstehe ich dann auch, warum ich seit Wochen so nah an der Grenze lebe, so nah am sterben wollen.
Die Ersterfahrung des Säuglings endete nun in gefühlter Ablehnung.
Ich kann versuchen wie ich will, ihr begreiflich zu machen, dass nicht sie abgelehnt wurde. Sie kann es nicht verstehen, was ich nun auch kapiere! Sie ist zu klein für diese Zusammenhänge, ihr Denken ist noch lange nicht so weit. Sie kann nur spüren, fühlen, reagieren … mehr nicht.

Und das alles durchlebe ich jetzt seit Wochen, ihr Leid, ihr sterben wollen.
Trost von uns kommt kaum an. Weil sie nicht wirklich mehr bei uns ist. Sie wollte ja woanders bleiben. Nur scheint es ihr nicht mehr gut zu tun, weil wir nicht mehr wirklich an sie rankommen.
Wir fühlen, was sie fühlt, aus uns herauskommend, aber von uns auf sie scheinen wir keinen Einfluss zu haben.
Muss eine Lösung finden, nur welche…?
Imaginär versuche ich es seit Wochen umsonst.

Die Technik des Holzriss

10. September 2013

Habe ich vom Künstler Herr Hüttengrund erlernt:

Leider ist es mein einziger Versuch geblieben ( dir faulen die Hände ab…grrrr), und an ihm sieht man die Graustufen leider kaum, weil ich Anfänger war.

Ich nehme eine Holzplatte und ritze mit einer Nadel das Motiv ein. Im Gegensatz zu einer Radierung ( bei der das Geritzte abgedruckt wird ) kann man beim Holzriss stärkere Grauabstufungen vornehmen:

Es wird das gedruckt, was man an Oberfläche stehen lässt!

} je tiefer ich ritze um so heller dann auf dem Druck!!

Macht mehr Arbeit, weil “ nicht  Benötigtes“ weg genommen werden muss.
Eigentlich macht/ritzt man ein sogenanntes Negativ!

Hier mein Holzbrett nach der Bearbeitung und leider schon voll mit Farbe nach dem Druck:

die Holzrissgrundlage

Dann kommt es unter die Presse:

"Der tägliche Tod"   Holzriss - Druck

Dieser Holzriss sollte mein tagtägliches Sterben ausdrücken! Habe ich im Jahr 2003 gemacht.

Noch einmal kurz Definition Radierung: In das Eingeritzte arbeitet man sorgsam die Farbe ein, wischt danach das Blech (Plaste auch möglich) wieder vollkommen sauber. Nur in den „Ritzen“ bleibt Farbe hängen. In der Presse wird das Papier regelrecht in die Ritzen gedrückt, wo natürlich die Farbe aufgenommen wird!

Holzriss: Mit einer Rolle wird Farbe über das Holz gewalzt, logisch, dass je höher das Holz umso mehr Farbe!
Der Druckvorgang wird dann ganz sanft vorgenommen. So entstehen dann mehr Grautöne.

EMDR – Therapieform bei posttraumatischen Belastungsstörungen

7. September 2013

Genau auf diese Art habe ich EMDR auf der Traumastation  erlebt!

Nun, Ergebnisse kann ich noch nicht fühlen, da ich erst ganz am Anfang stehe! (4 Intervalle folgen noch)

Dieser Text ist aus dem Internet gefischt. Ist so klar und einfach erklärt, dass ich nicht von meinen Erleben reden muss. Dies hier ist für jeden Laien verständlich. Und ich kann im Moment nicht gut schreiben oder nachdenken. Mir geht es zu schlecht.

EMDR = Eye Movement Desensitization and Reprocessing

Eye Movement Desensitization and Reprocessing, kurz EMDR, ist eine von Francine Shapiro in den USA entwickelte Behandlungsmethode für Trauma-Betroffene aus dem Bereich der Psychotraumatologie.

Bei EMDR regt der Therapeut den Patienten nach strukturierter Vorbereitung zu bestimmten Augenbewegungen an, wodurch es möglich werden soll, unverarbeitete traumatische Inhalte zu verarbeiten.

Inhaltsverzeichnis
1 Abgrenzung
2 Entstehung
3 Wirkungsweisen und Hintergründe
4 Ablauf
5 Gefahren
6 Wissenschaftliche Anerkennung

1. Abgrenzung
Trotz oberflächlicher Ähnlichkeit, etwa durch die angeleitete Augenbewegung, ist EMDR nicht mit Hypnose zu verwechseln. Es soll keine Veränderung des Bewusstseinszustandes, sondern vielmehr eine Integration der mit dem Trauma verbundenen Emotionen und Empfindungen erreicht werden.

2. Entstehung
Francine Shapiro hatte die Idee zur Erprobung und Untersuchung dieser Methode zufällig beim Spazierengehen im Park. Sie bewegte die Augen hin und her und erlebte eine deutliche Entlastung von Ängsten und depressiven Gedanken im Zusammenhang mit der bei ihr diagnostizierten Krebserkrankung.

3. Wirkungsweisen und Hintergründe
Nach einem Trauma kann es zum sogenannten „Sprachlosen Entsetzen“ (speechless terror) kommen, d. h. in der rechten Hirnhälfte werden Bilder prozessiert, die der Patient vor Augen hat, während das Sprachzentrum aktiv unterdrückt wird. Der Patient kann das Geschehene so nicht in Worte fassen, wodurch nachfolgend eine Verarbeitung des Erlebten erschwert wird. Es gibt bereits eine Vielzahl von Studien, die die Wirksamkeit von EMDR belegen und versuchen, die Wirkungsweise zu ergründen. Es wird angenommen, dass durch die bilaterale Stimulation mittels bestimmter Augenbewegungen (oder auch akustischen oder taktilen Reizen), eine Synchronisation der Hirnhälften ermöglicht wird, die bei der posttraumatischen Belastungsstörung gestört ist. Erklärend wird auch Bezug genommen auf eine Schlafphase, bei der starke Augenbewegungen stattfinden und zugleich ein erhöhter Verarbeitungsmodus des im Alltag Erlebten vermutet wird.

4. Ablauf
Das eigentliche Durcharbeiten der belastenden Inhalte, durch Augenbewegungen oder andere Stimulationsarten, ist dabei ein recht später Schritt im Therapiemanual.

Anamnese:
Zunächst muss eine genaue Anamnese erhoben werden, bei der z. B. die traumakompensatorischen Bewältigungsversuche des Patienten erfragt werden. Auch muss zuvor abgeklärt werden, ob gleichzeitig eine sogenannte dissoziative Störung vorliegt (hierbei werden Teile des eigenen Erlebens ausgeblendet/aktiv unterdrückt).

Stabilisierung: 
Die Stabilisierungsphase dauert je nach Lage der Ressourcen oft sehr lange. Besonders bei einer dissoziativen Störung muss als vorrangiges Therapieziel zunächst eine Grundstabilisierung des Patienten erreicht werden, die die Fähigkeit des Patienten stärkt, sich der Traumathematik vorsichtig und dosiert zu nähern und sich vor einer möglichen ungesteuerten „Überflutung“ mit belastendem Erinnerungsmaterial aktiv zu schützen.
Auch hierbei kann EMDR hilfreich sein, z. B. durch eine mittels angeleiteter Augenbewegung erfolgreichen Verankerung positiver Imagination wie „der innere sichere Ort“ oder „der innere Tresor“ nach Dr. Luise Reddemann.

Bewertung:
Einer einzelnen ausgewählten Erinnerung, also einem „einzelnen Bild“, das den belastetsten Teil einer Traumathematik darstellt, wird vom Patienten eine aktuell zutreffende negative Kognition, (z. B. „ich bin hilflos“) zugewiesen sowie auch eine positive, die er in Zukunft damit verbinden möchte (z. B. „ich kann heute etwas tun“ – was dann als eine Ressource zu verstehen ist). Die an dieser Stelle eingeschätzte Belastung der Situation soll im folgenden Bearbeitungs-Prozess sinken.

Desensibilisierung: 
In dieser Phase wird die Traumabearbeitung durch die Augenbewegungen begleitet. Während an die Traumathematik gebundene Energie freigesetzt wird, kommt es häufig zu unterschiedlichsten sogenannten Abreaktionen (wie z. B. Weinen, heftiges Atmen, Übelkeit u. a.), die erinnerte Situation verliert so ihre emotionale Aufladung.
Zur Bearbeitung einer Traumathematik sind meistens mehrere EMDR-Sitzungen nötig. Einflechten von sogenannten Ressourcen z. B. „hilfreiche innere Wesen“ oder „ideale innere Eltern“, die zuvor z. B. mit Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie installiert wurden unterstützt oftmals diese Phase.

Verankerung: 
Empfindet der Patient bei der erinnerten Situation keine Belastung mehr, wird die positive Kognition nochmals überprüft und mit Augenbewegungen verankert.

Körper-Test: 
Alle Missempfindungen zur erinnerten Situation sollten bei einem kompletten Abschluss der Sitzung verschwunden sein.

Abschluss: 
In der Besprechung zum Abschluss der Sitzung wird der Patient auf das „Nachprozessieren“ (z.B. in Träumen) hingewiesen. Es bringt eventuell neues Material für weitere Sitzungen hervor und sollte in einem Tagebuch festgehalten werden.

5. Gefahren
Die Behandlung dissoziativer Störungen sollte erfahrenen Traumatherapeuten vorbehalten bleiben, da der Patient sonst gefährdet ist, im Zuge der Behandlung retraumatisiert zu werden, das hieße, erneut überschwemmt zu werden mit den angstmachenden Gefühlen. Der Patient würde dann die auslösende Situation ungeschützt noch einmal durchleben. Dann würde die Traumatherapie mehr schaden als nutzen: die Symptome könnten sich vertiefen – möglicherweise in bedrohlichem Ausmaß, eine weitere Behandlung wäre erschwert. Eine sorgfältige Vorbereitung und Abklärung von Komorbiditäten (gleichzeitig vorliegender anderer Erkrankungen) ist bei der Traumatherapie also sehr wichtig.
Wichtig ist auch die Abklärung der damaligen Bewältigungsstrategien des Traumas, da auch diese durch das EMDR getriggert werden. Wenn z. B. damals nach dem erlebten Trauma suizidale Tendenzen bestanden, können diese auch nach der EMDR-Sitzung reaktiviert werden, über diese Verbindung muss der Patient vorher aufgeklärt werden.

6. Wissenschaftliche Anerkennung
Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie verabschiedete in der Sitzung vom 6. Juli 2006 ein Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen. Gemäß diesem Gutachten kann die EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen bei Erwachsenen als wissenschaftlich anerkannt gelten.

Wie erlebe ich mich?

25. August 2013

25.8.13

Leicht ist es nicht, mein Innenleben zu beschreiben. Aber mit jeder überstandenen Krise wird das innere Bild immer klarer.

Vor 11 Jahren, bei meinem Totalzusammenbruch, passierte etwas sehr Merkwürdiges. Im Zusammenhang mit den Flashs landete ich in einem Zimmer, das wohl für so einige Etappen meiner Kindheit steht.
Wie nun erlebe ich das Leben, die Welt, mein Fühlen seitdem?

Ich bin in einer Kiste, aus Holz und teilweise Korbgeflecht.
Diese Kiste ist gleichzeitig ein Zimmer im schummrigen Licht mit nur einer „Nach-Innen-Tür“. Ich starre wie hypnotisiert auf diese Tür, rutsche dabei immer dichter an das Kopfende des Bettes, umklammere meine Beine. Die Tür wird etwas zu mir herein lassen. In Erwartung des absolut Bösem verharre ich seit  Jahren in dieser Position.
Die Tür lässt überhaupt nichts nach außen dringen. Ich habe keine Möglichkeit, etwas nach außen zu bringen, geschweige denn selbst nach außen zu gehen. So wird das Zimmer für mich wie ein eisernes Band, das sich über meine Brust legt und immer enger wird.
Viele Ich-Wesen sind aus mir herausgetreten, schweben an der Zimmerdecke nervös durcheinander, von einer Ecke in die andere, so, als suchten sie ein Entrinnen.
Dies beschreibt meinen üblichen Tagzustand.
Dieses Umherschwirren im Fluchtversuch schafft in mir eine enorme körperliche Angespanntheit, die ich trotz aller Entspannungsübungen nicht loswerden kann.

Die Kiste hat Ritzen, durch die manchmal etwas nach innen dringt. Meist sind es Trigger, die meine Ich-Wesen in ein völliges Chaos stürzen.
Und im Moment der gefühlten Bedrohung scheinen die vier Wände dieses Zimmers gleichzeitig eine Garantie zu sein, dass sie mich beschützen, dass sie nichts an Gefahr zu mir hindurchlassen.

Das Zimmer als schützendes Verlies meiner Existenz.

Wenn ich einigermaßen real im Alltag bin, kann ich das angespannt Sein nur mit Ablenkung etwas herunter schrauben. Da ich aber bisher noch keine wirkliche Traumatherapie gemacht habe, ist diese Ablenkung nur eine Verdrängung des Ganzen. Dies wiederum bringt meine Ich-Wesen in noch mehr Verwirrtheit, die Anspannung steigt, der Druck wird oft gefühlt unaushaltbar.
Mit etwas Glück kompensiert sich das mit körperlichen Schmerzen, denn sie sind besser auszuhalten; abartige Entspannung durch gefühlten psychosomatischen Schmerz und durch Körperflashs.
Mal völlig abgesehen davon, dass ich zusätzlich ununterbrochen meine Wirklichkeit zu überprüfen scheine durch schmerzhaftes Einreißen der Nagelhäute, ohne Pause. Der Schmerz als Wahrnehmung meiner Selbst, als Sicherheit, noch zu existieren.

Ich finde kaum noch in den Schlaf:
Wenn ich zur Nacht die Augen schließe, scheinen meine Ich-Wesen zu mir zurück zu kehren.
Was des Tags in meiner Außenhaut stattfand, findet sich nun in meinem Kopf. Gedanken überschlagen, überholen, überdecken  sich dermaßen, als wolle jeder einzelne zuerst zu Wort kommen. Ein Nicht-Denken-Können in der Überflutung von Gedanken. Das Gehirn findet keine Sortiermöglichkeit, kein Ablagefach, kein Ordnungssystem. Und so wälze ich mich Nacht für Nacht durch die Stunden durch scheinbar fremde Gedanken, die doch meine sind.

Und die Nacht macht das Zimmer dunkler und enger. Nichts kann durch die Wände nach außen dringen. So platzt es fast aus allen Nähten vor Gedankenfetzen, meinen Schreien, meinen Schmerzen. Alles ineinander vermengt, nicht zu entwirren.
Ein Morgen bedeutet völlige Erschöpfung, Schmerzen in fast allen Gliedern und der Angst, alles beginnt von vorn.
Jeden Morgen!
Jeden Tag!

Dissoziation im Alltag

5. August 2013

5.8.13
Wenn du es nicht aushältst, der Akku leer ist, und du beim Blick vom Balkon den Gedanken hegst, aber nicht den Impuls dazu hast … dann ist es Zeit zu verschwinden.
Kann mir selbst nicht erklären, wie das funktioniert. Aber es scheint ein bewusster Entschluss zu sein:

Die Kleinen nennen das „Leer machen“, die Jugendlichen „Innen tot machen“. Ich habe keine Worte dafür, außer vielleicht „Nichts fühlen müssen“. Profis sprechen wohl von „Dissoziation“. Völlig Wurst, denn ich kann nicht mehr.

So sehe ich zwar nach außen, nehme die Umgebung wahr, aber sie kommt nicht an bei mir. Als wären die Augen nur ein Glaskörper, hinter dem der Stumpfsinn hockt und alles Reinkommende packt und in den Müll haut. Mister Stumpfsinn lässt nichts durch bis in die Hirnzellen, damit sie verschont bleiben. In der Wohnung scheine ich ein Geist zu sein, der vor Eintönigkeit nur schlafen möchte. Eine Außenwelt existiert nicht, kein Grund also, die Wohnung zu verlassen. Es gibt kein „Wofür“, das macht Alles und das Leben so ohne Sinn. In der Herzgegend nur ein Klumpen geschmolzenen Stahls, in hohen Wänden eingemauert. Das Einzige, was an Wahrnehmung durchkommt, dieser tote Klotz in mir. Der Körper scheint nicht existent, ist Überfluss, könnte ja weg, eigentlich. Das Gesicht eine erstarrte Miene. Selbst mit Anstrengung lassen sich die Gesichtsmuskeln auf keine Bewegung ein.
Das ICH ist irgendwohin verschwunden. In Sicherheit? Auf dem Scheiterhaufen?
Es ist Notwehr, nur reine Notwehr.

Wahrnehmung der Innenkinder

4. August 2013

4.8.13

Fragen einer Bloggerin:
„mir kommen weitere fragen. wenn ich es richtig verstehe, gibt es die änderungen in deinem verhalten, bewegung, sprache schon immer, auch schon bevor du bewusst darin deine innenkinder wahrgenommen hast?
woher weißt du wie sich eine 3-jährige, eine 5-jährige und ein säugling verhält?
durch eigene kinder oder fühlst du das einfach?
ich kann das bei mir oft nicht zuordnen, aus welchem alter etwas kommt. aber bei mir drückt sich auch alles nur innen aus. ich lerne gerade, davon auch etwas durchzulassen.“

Ich antworte:

Ja, geswitcht bin ich schon immer. Konnte das rückblickend an vielen Beispielen festmachen.
Ich habe zwar meine Tochter groß gezogen, aber die kleinen Innenkinder habe ich anfangs durch Reflexion bemerkt. Holte die Situation in Gedanken zurück, sah drauf und erkannte das Alter. Mittlerweile bemerke ich es entweder gleich (Co.Bewusstsein), oder gar nicht. Das wechselt, weiß nicht warum. Aber mein Lernprozess hat mir Mut gemacht, die Kleinen einfach machen zu lassen, denn oftmals fühle ich nur auf diese Art glückliche Momente.
Woran erkenne ich das Alter?
Ich weiß nicht, ob ich als Mutter den Blick gut dafür habe, oder weil ich 25 Jahre mit Kindern gearbeitet habe, keine Ahnung.
Nun, wenn du plötzlich tapsend läufst, kaum das Gleichgewicht halten kannst, nicht über die Schwelle zum Balkon kommst …dann bist du eben kein Jahr. Oder ich kann plötzlich gar nicht mehr laufen, finde keine Wörter zum Sprechen, nur komische Laute kommen raus…, keine Frage, nicht wahr?
Die 3 Jährige erkenne ich an ihren erstaunten Blick auf die Umwelt, als würde sie alles zum ersten Mal entdecken. Auch denkt sie sehr eingeschränkt. Mit 5 bin ich mutiger und gehe ohne viel Überlegung auf die Dinge zu, bin beweglicher und erkenne schon Zusammenhänge.
So komisch, wie das jetzt klingt, aber ich weiß nun auch, warum ich erfolgreich im Beruf war, gemocht wurde. Sicherlich habe ich mich unbewusst immer in das jeweilige Alter bugsiert, und meist aus der Sicht der Kinder gehandelt. In der 5. Klasse sprach und handelte ich anders, als bei den 18 Jährigen. Und wenn man selbst das Fühlen des Alters gerade hat, kann man absolut gerecht und schützend sein, zumal ich selbst alles an Ängsten in Kindern am eigenen Leib erfahren habe. Was auch immer da war … Respekt und Konsequenz. Das wird von Erwachsenen, die Halt geben sollen, einfach erwartet.
Du sprichst von Durchlassen.
Raus kamen sie bei mir schon immer, ohne, dass ich davon was mitbekam. Als ich es vor 10 Jahren merkte, bin ich vor Scham fast gestorben. Heute ist nun anders. Es nimmt total die innere Körperspannung, wenn ich den Kleinen ohne Scham draußen die Zeit lasse. Mit den verletzten Seelchen muss ich noch sorgsamer umgehen, das lerne ich gerade. Aber die „Entdecker“ bekommen alle Zeit der Welt, weil sie mir das Gefühl von wohlfühlen geben.
Da sind noch viel mehr mir „Unbekannte“ im Innen und Außen. Aber ich kann sie nicht alle erfassen und genau sehen. Das wird schon noch irgendwann. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.
Übrigens, als meine Tochter noch bei mir lebte (längst erwachsen), hat sie mich oft auf „Fremde“ in mir aufmerksam gemacht. Sie hat als erstes auch die Jungen gesehen. Oh Mann, man selbst bekommt das ja erst nicht mit.

Innenkinder differenzierbar?

2. August 2013

Ich danke der Bloggerin für den Gedankenanstoß!

Kommentar einer Bloggerin zu „Innenkinder“

„Wie so oft, spricht mich deine Offenheit und Ehrlichkeit sehr an. Ich erlebe gerade viel von meinem hyperaktiven Entdeckerkind, und mir fällt auf, dass ich das Entdecken fast verlernt habe. Danke für deinen Text.“

Ich antworte:

Ja, wenn man die Kleinen einfach mal lässt, egal wie die Umwelt reagiert, dann erstaunt es, wie irre Spaß dieses neue kindliche Erleben macht. Ich lerne wieder, ganz bewusst mein Umfeld zu betrachten und komme nicht aus dem Staunen raus!
Unter der Rubrik “Kurzgeschichten” steht – Anna und die Zauberfee, und auch – Fiona im Switsch. … beides selbst erlebte Situationen der Kleinen. Lies mal!

Bloggerin:

„Ja, staunen. Die Faszination des Augenblicks, der einen verschluckt. Die Zeit existiert nicht mehr. Luft anhalten… passiert mir dann auch oft. War heute auf dem Spielplatz rutschen.

Was mich interessieren würde, sind deine Innenkinder für dich immer klar getrennt voneinander wahrnehmbar? Der, der die Schneeflocken mag, der, der die Vögel beobachtet. Woher weißt du, wer wer ist? Oder vermischt sich auch mal was? Oder hast du die Trennung, Sortierung mit dem Entdecken vorgenommen?“

Ich antworte:

Oh, komplizierte Antwort!

Nein, selten klar.

Manchmal merke ich es sofort an den Bewegungen und der Sprache. Da wird mir schnell das Alter klar, weil sich nun mal Säuglinge, 3 jährige oder 5 jährige völlig unterscheiden in Sprache, Mimik, Gestik und Bewegung. Oft erst danach, wenn ich auf mein Verhalten angesprochen werde und ich nachspüre. An den völlig verschiedenen Interessen merke ich es, und dem Wissen, was gerade da ist. Das Merkwürdige ist auch, dass einige wohl bekannt, stets wieder erkannt werden, aber keinen Namen haben.

Dann ist bei bestimmten, mir wichtigen Personen auch mal ein ganzes Rudel da, das sich gegenseitig schupst, weil jeder Zeit mit dem Menschen haben will. Da erkenne ich kaum was, bin völlig überfordert.

Wie bin ich auf die Kinder gestoßen?

Zuerst über die Intrusionen. Landete im Flash, war total im Kind.

Damit fing es an.

Je sicherer sich alle in mir fühlten, umso mehr zeigten sich nun auch die „unversehrten“ Teile, die, die Spaß haben, entdecken, leben wollen. Über sie freue ich mich natürlich besonders. Aber auch hier verstehe ich noch nicht die Zuordnung. Ist auch Wurst. Ich kann ihr Erleben genießen. Da ist nichts mit sortieren, weil ich es selbst noch nicht so recht verstehe: Nämlich die Frage:

„Sind es die verschwundenen Seelen zum Zeitpunkt des Traumas? Sind es die, die beschützt werden mussten? Ich weiß es nicht. Ich habe nur gelernt, immer besser in mich hinein zu horchen, wenn da jemand mit den Füßen aufstampft, weil er meine Aufmerksamkeit will.

LG

Innenkinder sehr verschieden

31. Juli 2013

Feenja vom Seelenland schreibt:                                                                                                                                  31.7.13

Ich habe lange überlegt ob ich diesen Text schreiben soll, tatsächlich fühle ich mich damit nicht wohl. Trotzdem. Es geht um die Kleinen im System, um die Innenkinder. 
Wie oft musste ich im Internet und auch anderswo lesen, Innenkinder sind in der Regel verschüchtert, reden nicht, malen gerne, mögen Kuscheltiere usw. usf. eben diese typischen Kriterien wie man es sich auch von außen gerne vorstellen möchte.
Bei uns ist das nicht die Realität. Wir haben Kinder innen die überhaupt nicht kommunizieren können von denen nur unverständliche Laute kommen, die wenn sie vorne sind mit ihrem Gegenüber gar nicht interagieren wollen oder können.
Wir haben Kinder innen, die sind nicht unbedingt nett und lieb, sie werfen mit Kraftausdrücken um sich, sie zeigen stark sexualisiertes Verhalten.
Wir haben Innenkinder die die Worte: Pimmel, ficken, Sex, Fotze als etwas “alltägliches” ( ich sage extra nicht normal ) in den Mund nehmen und aussprechen.
Ja, wir haben Innenkinder die viel Angst haben, anhänglich sind bei ein oder zwei Außenmenschen. Aber für uns ist es ein Mythos das Innenkinder immer anhänglich sind, spielen wollen (manche kennen den Begriff des Spielens nicht einmal)
Okay merke es gäbe viel, zu schreiben es ist zu oberflächlich. Ja der Text ist im Moment zu oberflächlich aber wir können nicht mehr.
 

Ich antworte:

Du hast vollkommen Recht. Da sind die, die als Baby noch gar keine Sprache haben können, die nur gurgeln und gestikulieren. Da sind Daumenlutschende, Stumme, aber auch Rotzlöffel mit irrer Lebensfreude. Auch kenne ich die völlig in Sexual-, und Fäkalien-Sprache abrutschenden Jugendlichen ab dem Alter … hört, hört von 10 Jahren. Und die Witze sind meist nichts für anständige Erwachsene, kann ich dir sagen!
Ich denke grade nach, und da fällt mir auf, dass man sicher beim Schreiben das Schmerzhafte verarbeiten will, und deshalb meist von den verwundeten, ängstlichen Kleinen berichtet.

Ist jedenfalls ein Gedankenanstoß -danke dir-, den ich festhalten will.
Mit Spielen ist es bei mir auch nicht weit her. Ich beobachte eher, dass die Kleinen fasziniert von der Natur sind und immer auf Entdeckungsreise. Macht in solchen Momenten richtigen Spaß. Tschaui erst mal. Marie

——————————————————————-

Zum Spielen noch ein Wort: So allein vor mich hinsetzen und ne Ewigkeit spielen allein – geht nicht. Klar lass ich mal nen Kreisel tanzen, oder male mal kurz was im Ausmalbuch aus. Aber länger als 10 Minuten?  Neeee! Allein ist spielen blöd. Nun, ich habe Puppen … aber mit ihnen spielen tue ich nicht. Sie repräsentieren meine Innenkinder.
Ich selbst damit spielen, geht gar nicht.
Was ich neu dazu gelernt habe in den letzten zwei Jahren ist, dass es wirklich innen ankommt, wenn ich Bilderbücher, Kinderbücher ansehe, vorlese. Uh, das gefällt den Kleinen, da gehn sie ab wie `ne Haubitze, und zeigen und staunen! Das kann ich gut einsetzen für die „Innere Kindarbeit“.
Für die Kleinsten habe ich eine Spieluhr am Bett … wehe ihr lacht jetzt!
Was ich seit Jahren schon mache, oder die Größeren -keine Ahnung- Babysachen kaufen, auftrennen, den Puppen neu auf den Leib schneidern! Da ist schon eine Kiste voll mit.
Wir haben einen Fußballer unter uns und eine Blance“künstlerin“, die nichts unterwegs auslässt … peinlich!
Tja, Insektenforscher, Biologen voller Erkundungsdrang. Konnte in der Klinik stundenlang im Garten beobachten mit erstaunlichen Ergebnissen!
Manchmal bin ich überrascht, wer da so aus mir rausguckt. Viele Male neue Anteile, die ich nicht kenne. Zu schnell sind sie wieder weg, als dass ich sie identifizieren könnte. Nun, schade einerseits, aber andererseits macht es schon Angst zu spüren, dass da noch so viele unbekannte sind.
Auf jeden Fall wäre jeder willkommen!

Meine Sicht auf das Leben

31. Juli 2013

Mir ist sehr wohl klar, dass viele Leser über die Tatsache stolpern müssen, dass ich meist nur von meinem Innenleben schreibe.
Da kommen sicher Fragen auf, wie:
„Sieht die Alte nicht das Drumherum?“
„Warum jammert die immer so?“
„Hat die nichts anderes, mit dem sie sich beschäftigen kann?“
und so weiter und so weiter ……..

Nun, wären berechtigte Fragen, wenn mein Blog nicht ein ganz bestimmtes Ziel hätte.

Es geht nicht darum, was ich so tagtäglich erlebe, tue, welche Kontakte ich pflege oder so. Solche Dinge kommen in mein privates Tagebuch.
Es geht hier auch nicht darum, welche politische,  gesellschaftliche und philosophischen Meinungen ich vertrete.
Nein.

Mein Blog soll Gleichbetroffenen und deren Angehörigen und Partnern aufzeigen, wie es in einem so verqueren Innenleben abgeht. Was mich beutelt, nieder schmeißt, zweifeln lässt. Wie ich wieder nach oben steige wie Phönix, mich neu sortiere, kämpfe!
Klar habe ich es mit meinen Störungen nicht besonders leicht, auf meine Umwelt adäquat zu reagieren. Ist schon klar.
Und folglich muss ich viele innere Kämpfe ausfechten, die ich hier im Blog notiere.
Ich mache keinen Alltagsblog für Geschehnisse, sondern einen Blog über das desolate Innenleben einer chronischen PTBS frühkindlicher Traumata. Dazu gehören die Ängste nun mal, die Abstürze, die Flashs.
Und ich will berichten, was die Spaltung in mir für Probleme macht. Will die einzelnen Anteile benennen, mit ihnen umgehen lernen.
Also, liebe Leser,
es wird hier auf den Seiten IMMER nur um mein Inneres gehen.
Deshalb muss man nicht annehmen, dass ich kein äußeres Leben habe, versteht ihr? Für so etwas gibt es genügend andere Seiten im Internet.

Und noch einmal:
Lasst euch nie beirren von meinen Todesgedanken!
Glaubt mir, man kann sie in sich tragen, ohne sich jemals selbst das Leben nehmen zu wollen. Das hat einfach nur mit den Traumatisierungen zu tun.

Tod

28. Juli 2013

Immer wieder treffe ich in der Außenwelt auf Menschen mit Todesangst, und ich stelle fest, dass ich diese im Normalleben nicht empfinden kann. Die Aussicht auf den Tod ist das, was mein Leben irgendwie erträglich macht.
Was ist für mich der Tod?
Ein erholsamer Schlaf, ohne aufwachen zu müssen.
Ein – nichts fühlen müssen!
Aus der inneren Leere wird eine äußere. Einklang entsteht.

Oh Mann, ich erinnere mich gerade, wie oft ich mir als Kind vorgestellt habe, dass die Geburtsfrau an meinem Grab steht und weint. Als Beweis, dass sie mich ja doch irgendwie mochte. Als Kind diesen einen festen Wunsch zu haben, um nur ein einziges Mal ein Gefühl von ihr zu bekommen … Irre! Und doch immer wieder in den Gedanken damals.

Heute wird mir klar, dass diese Frau meinen wirklichen Tod eigentlich schon seit Jahrzehnten betrauern müsste, wenn sie es denn könnte mit ihrer Kälte.
Denn gelebt, wie ein Menschenwesen leben sollte, habe ich nie.
Zwei Seelen in meiner Brust: – eine, die immer auf der Bordsteinkante läuft, seit sie laufen kann;
eine, die sich einen Scheiß um die vielen Krebsfälle in der Familie schert und keine Vorsorge betreibt, damit es mal schnell geht;
eine, die bei Gewittern auf dem Eisenbalkon stundenlang steht und wartet;
eine, die nicht mehr aushalten kann und will!
– und die zweite Seele will seit 51 Jahren mein Überleben.
Ich weiß nicht, warum. Irgendetwas ist da in mir.
Wartet es? Wenn ja, worauf? Ist das Hoffen angeboren?
Worauf hoffen?
Einmal ganz tief zu fühlen, was am Dasein so schön sein soll?
Aber dieses Hoffen macht mich auch kaputt, jeden Tag mehr.

Manchmal wünsche ich mir, dass die Geburtsfrau nur einen einzigen Tag mal mein Fühlen und Erleben leben muss. Nur einen Tag. Den würde sie nie überstehen!!!! Nie!

In der neusten Epikrise steht, dass ich nur zwei Bewältigungsstrategien habe: Dissoziation und Vermeidung.

Voll erkannt. Nicht Betroffene können sich nicht hinein versetzen in die tägliche Überlebensqual! Klugscheißern können sie, und das war’s auch schon. Nun, woher sollten sie auch erahnen können, was in einem anderen Inneren abgeht. Erzählen tue ich sowieso nur einen Bruchteil, weil ich es sowieso nicht wirklich in Worte fassen kann, und weil ich nicht glaube, dass mein Gegenüber diese Qual nur vom Erzählen her aushalten könnte.
So bleibt am Ende diese unfüllbare Tiefe in mir selbst.

Kein Selbstwert

23. Juli 2013

Selbst-WERT

Du störst – du bist selbst schuld – du hast dich unter zu ordnen – du machst meine Ehe kaputt – reiß dich am Riemen, sonst setzt es was – hör auf zu jammern – zieh nicht solche Gusche, sonst knallt es – man hat zu schlucken – Strafe muss sein – iss das gefälligst auf – hab dich nicht so – geh in dein Zimmer, was willst du hier – hättest vorher überlegen müssen, nun ist zu spät (Prügel) – du denkst immer erst hinterher – brauchst dich nicht zu wundern über die Reaktionen der anderen – wofür suchst du einen Schuldigen – nein, ich habe dich nie geliebt, weil die Heimschwestern meine abgepumpte Milch dir nicht brachten…

In meinem Selbst:
Ich bin nichts wert – bin überflüssig – mich will keiner – ich bin selbst schuld – ich habe es verdient – ich bin zu dumm – kriege nichts auf die Reihe – ich darf nichts wollen- ich darf nichts fühlen – und erst recht nicht zeigen – an jeden Echo bin ich selbst schuld – man kann mich nicht lieben – habe Liebe nicht verdient – bin zuviel auf der Welt…

Zwei voneinander getrennte Absätze, auf die ich wirklich nicht eingehen muss.
Ein irres Selbstbild von mir, dass mich Schritte auf Menschen zu nur selten und sehr zögerlich machen lässt. Immer weg geschoben als Kind, nicht wahrgenommen als Menschlein … was bleibt da in mir? Ich bin es nicht wert. Punkt! Jede Annäherung von mir an andere empfinde ich als Anmaßung von mir, als ein Aufdrängen.
Es geht einfach nicht in meinen Kopf hinein, dass eventuell Leute mich mal gern um sich haben. Geht gar nicht! Wie auch, bin schlecht, sonst hätte man mich als Kind doch geliebt, oder?

Ich bin gar nichts wert.
In mich eingebrannt, vom Introjekt immer wieder neu heraufgeholt, in Stein gemeißelt!

Sehe gerade einen Zusammenhang zum Thema EINSAMKEIT.

Was ich oft träume?????
Ein einziges Mal an einem Menschen anlehnen, ohne auf dem „Sprung“ zu sein, auf der Hut!

Nur ein einziges Mal so etwas fühlen dürfen …. Beistand in absoluter Sicherheit!!!!!


%d Bloggern gefällt das: