Posts Tagged ‘Hölle’

Nachdenken über eine Therapiestunde

30. August 2016

Ich beschreibe der Therapeutin eine kürzlich erlebte Situation, zu der mein logischer Gedanke erwachsen und angemessen war, mein Fühlen aber völlig unangemessen; wie ich diese Diskrepanz wahrnehme, aber nichts ändern kann. Ich erkläre den entstehenden, schon länger bekannten Kreislauf: Verzeiflung darüber – entstehende Wut über meine Unfähigkeit nach so vielen Therapiejahren – Selbsthass.

,Ob ich denn überhaupt Therapie machen wolle, klingt mit meinen Ausführungen nämlich nicht danach.‘ Ojeeee, alle hören mit, Chaos entsteht. Es braucht fast 20 Minuten, bis wir verstanden haben, worum es der Thera eigentlich geht.

Eine Zusammenfassung für mich wäre die:

Gerade das Auseinanderklaffen von Denken und Fühlen macht meine Störung aus. Wut auf mich zu haben, wäre gleichzusetzen Wut auf die Innenkinder. Ich missachte, bestrafe sie, anstatt sie in ihrem Fühlen anzuerkennen, ihnen Trost zu geben. Ich retraumatisiere sie eigentlich.
Mein Weg sollte sein: Anerkennung (endlich mal wirklich) der Diagnose und damit der Therapienotwendigkeit, daraus erst könne erwachsen, keine Wut zu entwickeln, keinen Selbsthass. Mit mir selbst liebevoller, verständnisvoller umgehen; und endlich mal anfangen, wirklich alles auszusprechen, was in meinem Kopf rumgeht…..und das für mich schlimmste: der Thera ruhig zeigen, was an Fühlen in mir abgeht……….ojeeeee…..
Genau das kann ich noch immer nicht richtig. Bin die meiste Zeit der Stunde am Unterdrücken – bloß nichts zeigen – viel zu peinlich, was da aus alten Zeiten jammert….
Seht ihr…schon das Wort JAMMERN drückt Missachtung aus,
….und obwohl ich meist weine
(also nicht weinen an sich, sondern da laufen einfach die Tränen ohne Pause, ich verziehe das Gesicht nicht, kann das Laufen kaum beeinflussen),
unterdrücke ich das wirkliche Fühlen, das Gesamte. Noch immer habe ich Angst vor der Wucht, die aus mir rausbrechen könnte, eine unkontrollierbare Wucht an Gefühlen, aufgestaut, angesammelt in den Jahren. Die Wucht, die sich in Ansätzen schon im EMDR gezeigt hat, wo ich schrie und weinte und schrie, nichts mehr um mich herum mitkriegte. Darum wehre ich mich gegen so ein Fühlen, weil es kaum auszuhalten ist.
Für heute genug, kann nicht mehr.

PS: Ich bemerke, dass ich oft beim Schreiben mich distanziert, oder kalt ausdrücke in abgehackten Sätzen, scheinbar emotionslos draufsehend. Es verwundert mich immer öfter, weil….das bin ich nicht….so bin ich nicht.

Meine neuesten Gedichte zum Schmerz

26. August 2016

Ich denke, diese Texte von mir kennt ihr noch nicht! Also raus damit. Schätze mal, dass da mehrere Meinwesen am Werk waren, unterschiedliche Alter.

(bitte nicht das Urheberrecht vergessen)

Könnt ruhig eure Meinung sagen.

Ein Klumpen Masse/Die Flucht

In alle Richtungen
reißen Körper
Fetzen für Fetzen
von sich ab

Wie alte Mäntel
liegen sie verstreut
vom Hautbrand
abgeworfen
auf dem Track
ins Ungewisse

Müdgeschleppte Füße
wundblutende Knie
leergefegte Augen
trockenrissene Münder
Schreie lautlos
in die Weite

Wir sind viele
in einem Klumpen Masse
wächst die Entfernung
zur Heimkehr

.

Fragment

Schmerz
reißt in mir
alles voneinander
Nichts bleibt
was zusammen gehört
Auf meinen Pfaden
findest du nur
Bruchstücke
Am Ende
ein Fragment
mit dem
Abgrund
in den Augen

.
Kinder

kleine kinder
große kinder
macht euch raus
ihr Alten
aus dem haus
das wir verwalten
kleine welt
heile welt
wenn kein Großer
dazugezählt
.
Valerie

Aus meinen Augen
kam dein Schmerz
Aus meinen Worten
sogst du Hoffnung
In meinem Herzen
fandst du Nähe

Zu tief
Zu nah
Zu schmerzvoll
Hast meine Angst
zu deiner gemacht
und das Seil
gekappt
zwischen uns
das Ende
.

Schatten der Nacht

Vor jedem Morgen
liegt die Nacht
unbarmherziger Augen

Schatten
kehren zurück
um ihre Schritte
einzusammeln
auf eingebrannter Haut

Auf frischem Schorf
zerfällt der Atem
in Stücke
aus Stein
Die trage ich
durch den Tag
.

Progressive Navigation

Kein erklärtes Dasein
Kein gefühltes Willkommensein
Keine Hand bei den
ersten Schritten
Kein Lehrmeister auf Wegen
Ein halbes Jahrhundert
mit selbst programmierter
Navigation
die immer wieder
abstürzt
Ich lande auf
Irrwegen
im Nichts
.
Stille

Stille – ist hörbar
Stille – lärmt, tobt, schreit, weint
Stille – Implosion der Ohnmacht
Stille – die Innenwändigkeit zerbricht
in tausend Einzelteile
.
Das Herz am lebendigen Leib herausreißen

Eine Zeile von einem Krimi?
Eine Metapher?
Nein.

Entweder tu ich es selbst,
oder es wird getan.

Eine Zeile aus einem Lied.
Das Lied des Lebens.
Dauerbrenner.

Viertelnoten
in offene Wunden
gestanzt.

.

Warten

immer nur das warten
Trauma gleich
lösen sich die Sinne auf
im Vakuum kein Atemzug

nur warten
warten
warten

ein letzter Versuch
warten
warten

hinter Glas und Stein
in zerborstenem Sein
warten

Mein Leben lebt z.Z. im Chaos

23. August 2016

aus dem Tagebuch:

23.8.16

Die Zustände wechseln enorm, sind oft parallel, überlagert, irreführend.
Fersenschmerzen seit zwei Jahren ununterbrochen. Da hilft auch kein dissen mehr, lassen sich nicht mehr ignorieren. Tiefe Sehnsucht nach einem genussvollen Spaziergang…nach so langer Zeit scheint dies der Traum aller Träume! Weiß nicht mehr was wandern ist, was spazieren, erst recht nicht was tanzen, von Urlaub machen können mal ganz zu schweigen. Für alles braucht man die Füße. Gegen die Depressionen ankämpfen ohne solche Genüsse ist nicht einfach. Versuche das Nötigste im Leben seit zwei Jahren mit dem Fahrrad zu erledigen. Und nun will die Krankenkasse mir keine wichtige ambulante Reha gönnen. Zusätzliche Kämpfe die mich überfordern.
Rumms, bin bei den Zuständen, die mein Innen nach Außen kippen, Oben wird zu Unten, meine Kompetenzen sind vergraben im Niemands-Ich, im Haushalt weiß der Eine nicht, was der Andere macht…explodierende Espressokannen auf dem Herd…rumliegende Putzutensilien zeugen von Anfängen, aber…, Fisch in der Pfanne wird zu Kohle (man gut, dass in der Küche kein Feuermelder ist), Licht bleibt an, Fenster werden nicht geschlossen….meine Motorik spielt verrückt – muss extrem langsam machen selbst beim Aus-der-Badewanne-steigen, jede Ecke in der Wohnung wird „mitgenommen“, Kontrolle scheint verloren zu gehen…höre lieber mit dem Aufzählen auf, bringt nichts, ist zu viel.
Logisch, dass da Ängste aufsteigen. Noch bin ich völlig selbstständig, will das nicht verlieren. Nun hoffe ich, dass diese unkontrollierbare Zeit wieder vergeht. Kontrolle – das Schlüsselwort an sich! Davon lebte ich bisher, überlebte ich.
Appropo überleben.
Habe in meinen Unterlagen Notizen von mir gefunden:

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Oh Mann, ist es da ein Wunder, dass die Kleinen von uns Halt suchen bei Elfen? Halt, den ich momentan nicht leisten kann?
Ich sag ja, irre ist nichts dagegen.

Warum ich nicht verstehe, dass andere Menschen gerne leben.

9. August 2016

Die Antwort habe ich aus dem Netz gezogen. ( Dr. Ingrid Olbricht)  Besser kann man diesen Fakt nicht beschreiben.

ES IST DER VERZWEIFELTE KAMPF UM DAS GEFÜHL DER EXISTENZBERECHTIGUNG.

(die Fotos lassen sich einzeln öffnen und vergrößern)

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Das Kind und die Schuld

2. August 2016

Seit ein paar Wochen arbeite ich an diesem Thema, und es schmerzt, verdammt nochmal!

Ohne viel Worte zeige ich Folien von Michaela Huber:

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Und heute kämpfe ich darum, meine Schuldgefühle abzulegen, das Unrecht zu erkennen, und die Verantwortung auf den „richtigen Tisch“ zu packen!

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Warum können wir Worte niemals wörtlich nehmen?

19. Juni 2016

19.6.16

„Stellen Sie sich bitte ein Glas hin, während Sie auf mich warten!“

Zum wiederholten Mal gesagt. Aber ich wage es nicht, in einem fremden Raum etwas anzufassen. „Warum haben Sie sich kein Glas genommem?“
„Ich habe keinen Durst! Und hätte ich Durst gehabt, wäre ich aufs Clo gegangen, und hätte am Wasserhahn getrunken.“

Man meint, es sei ein einfacher Dialog. Aber was mir dann gespiegelt wird….halleluja! Und dann setzten die Erinnerungen ein, ich erkannte die Zusammenhänge.

Wo ich anfangs dachte: Warum meckert die immer so?, erkenne ich, dass es die erste Thera ist, die mein Denken, mein Verhalten spiegelt, damit ich mein verqueres Agieren verstehe, und das nach 12 Jahren Therapie und etlichen Thera’s.

In dieser Stunde, Sunden danach, den Tag danach weinten wir ununterbrochen.
Wieder ins Bewusstsein zu kriegen, wie wir als Kind erlebten, fühlten…Scheiße!
Ich fasse zusammen:
– Warum hinterfrage ich jedes gesagte Wort?
– Warum suche ich einen Haken, wenn mir jemand etwas Gutes will?

Angst war mein Dasein, jede Stunde, jeden Tag, 16 Jahre lang.
Immer auf der Hut, in völliger Anspannung musste ich jeden gehörten Satz hinterfragen, deuten, jede Tonlage erkennen….nur…nur um herauszufinden, ob ich mir eine „Ruhephase“ vor der Angst gönnen kann.
Und selbst dies war unsicher, denn nie konnte ich etwas als Gegeben annehmen, stets kippte die Stimmung der Eltern von einer Sekunde auf die andere, und ich war ohne Vorwarnung den Schlägen ausgesetzt.
Auf Worte konnte ich mich nie verlassen.
Meine Gedankenkreisel als Kind waren Tag und Nacht:
Warum hauen die mich?
Was hab ich denn getan?
Warum bin ich denn schlecht?
Warum, warum, warum?

Fragen über Fragen meine ganze Kindheit über.
Antworten?
Antworten gab es niemals!

Zu niemanden konnte ich gehen, mich anvertrauen.
Bei der Geburtsfrau mal anlehnen, Sicherheit suchen? Kannte ich nicht, gab es nicht, erinnere mich nicht einmal an einen liebevollen Blick.

Ein Mädchen, dass kein Vertrauen, keine Geborgenheit, erst recht keine Sicherheit erlebt hat, niemals. Niemals!

Das war ich. Ein Mädchen, deren jede Pore vollgestopft war mit purer Angst! Jahr für Jahr nur Angst!!!!!!

Warum soll ich heute glauben können, dass irgendjemand mir wirklich gerade etwas Gutes sagt, oder etwas Gutes will?
Woher soll dieser Glaube kommen? Selbst in unserem Erwachsenenleben konnten wir diese Erfahrung nicht so machen, als dass sie nur ein einziges Mal stetig war, glaubhaft. Immer kamen böse Konsequenzen.

Im Heute suchen wir also noch immer nach dem Haken! Suchen nach Bedingungen, die dann eingefordert werden, versuchen wir den Tonfall zu analysieren….Summasummarum: Wir gehen von vornherein in Abwehrstellung um uns zu schützen, und das, obwohl die Kindheit fast 40 Jahre her ist.

Darauf sehen zu müssen, dass ein kleines Mädchen so leben musste, so aushalten musste……tut verdammt weh. Erst recht die Erkenntnis: Das war ich!

Kein Wunder, dass alles aus uns heraus weint und weint.
Ist das Trauer? Endlich? Fängt damit die Verarbeitung an?

Wenn plötzlich mehrere Anteile nach außen drängen

6. Juni 2016

6.6.16

Zurückerinnern, wann ich diesen Zustand zum ersten Mal bewusst fühlte, fällt schwer. Aber mindestens das letzte Jahr begann diese Art …. na ich nenne es mal Stress.
In den Zeiten (manchmal wochenlang) höchster innerer Anspannung reicht eine Kleinigkeit und mein Körper will mit Zucken beginnen. Tut er auch, wenn ich allein bin und ich es nicht unterdrücke. Dann erst höre ich im Innen lauter Stimmen, alles redet durcheinander. Einiges verstehe ich, anderes kommt nicht mal in Sätzen an. Ab diesem Moment kann ich im Kontakt mit Menschen dem Gespräch nicht mehr folgen, kann die nötige Konzentration einfach nicht aufbringen. So ein paar Minuten kann ich das Ganze verbergen, dann aber muss ich gehen, weil ich keine Kraft mehr habe, das, was da mit mir passiert, zu verstecken.
Ich habe das Gefühl, als wolle jeder (mind. 5) zu seinem Recht kommen, im Außen zu sein. Sie schieben, schubsen, drängeln. Ich habe dann das Gefühl, als wolle jede Gliedmaße in eine andere Richtung, im schnellen Wechsel. Ich bin ein zuckendes Etwas, wirr in den Gedanken. Und wenn da aber noch dazu die Gefühle jedes einzelnen dazukommen….Halleluja. Im schwierigen Traumabearbeitungssetting erlebte ich schon bis zu 30 Anteile gleichzeitig. Mittlerweile weiß ich, dass sie im annähernd gleichem Alter sind, und die gleichen Traumata haben. Warum sie so drängen weiß ich auch mittlerweile. Es sind die Meinwesen, die ich noch nicht kenne, die sich aber gezeigt haben bei Traumaexposition zu einem jeweils gleichaltrigen bekannten Anteil.

Ein Introjekt als Albtraum

4. Juni 2016

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8.6.16

Das Mäuschen im Wolfspelz

Jahrelang wurde ich im Inneren beschimpft und genötigt. Musste mir Dinge anhören wie:
„Du gehörst auf den Müll! Bist weniger als der Dreck unter Fingernägeln! So was wie dich braucht kein Mensch! Warum springst du nicht endlich? Mach dem Ganzen ein Ende, ist besser so für den Rest der Welt! Sieh dich doch an, du fette Kuh! Wage es ja nicht dich gut zu fühlen! Halt ja die Fresse, ich warne dich! Wenn du auch nur ein bisschen verrätst, ich warne dich!…usw., usw., usw.!!!!!!!!“

Kam ich der inneren Stimme nach, indem ich mich einigelte, mich selbst wegschloss, mich vollstopfte mit Lebensmitteln, Kontakte vermied oder känzelte….ließ er mich in Ruhe.
Aber wehe ich versuchte Bindung aufzubauen…dann wurde das Täterintrojekt aktiv, störte meine Kontaktversuche mit Kopfschmerzen, oder lautem Dazwischengerede, was mir die nötige Konzentration auf das Gespräch raubte.
Am Einfachsten fiel es ihm aber, mich mit Worten runterzumachen, mir jeden zaghaften Versuch, ein Selbstwertgefühl zu entwickeln, zu unterbinden.
Ein Mann Anfang Dreißig, boshaft, abwertend, drohend, angsteinflößend….so sah ich ihn in mir.
Eine Traumasitzung torpedierte er schon aktiv, und danach schien er im Inneren alles klein zu schlagen, verwüstete unser Haus, brüllte rum. Angst machen wollte er uns – und schaffte dies auch. Das war vor rund zwei Jahren.

Und dann vor einem Monat eine EMDR-Sitzung zu diesem Täterintrojekt, dem VERLEUMDER, wie er seit Jahren heißt. Ziel der Sitzung war, mich von meinem Selbstmordwunsch abzubringen. Perspektivwechsel nennen die Psych. das.

Für mich war es eine grauenhafte Sitzung.
An die Details kann ich mich nicht mehr erinnern, schließlich wurde er ja befragt…anfangs.
Dann war da irgendwann die Frage: „Was ist los? Wo sind sie gerade? Was sehen Sie?“
Ich sah nichts, ich roch! Ich roch den ekligen Gestank von kochenden Babywindeln. Und dann war ich in der ersten Wohnung meiner Kindheit, und ich fühlte aus mir heraus plötzlich jemand anderen. Was heißen soll, dass ich switchte.
Die Thera holte den erwachsenen Anteil dazu und fragte nach, denn ich zitterte plötzlich, rückte von ihr ab. Sie fragte, was der Verleumder sich von mir wünscht.
-“ Nähe zu anderen Menschen ist verboten! Wage es bloß nicht, du gehörst nur mir! Reden ist erst recht verboten! Wenn du auch nur ein Sterbenswörtchen zu jemanden sagst, dann schlage ich dir den Schädel ein!“

Sie schrieb alles auf Zettel, legte sie vor mir auf den Boden, und fragte wieder und wieder nach dem Grund!

Buha, das war wohl zu viel.
Plötzlich war ich 6 Jahre alt und starb vor Angst.
Wie ich auf die Thera wirkte, oder was da genau passierte, kann ich nicht sagen. Nur eines wurde mir bewusst: Sie versuchte immer wieder tröstend meine Hände zu greifen, ich dagegen fühlte dies mit Todesangst, schrie NEIN und weinte, zog meine Hände immer weg.
In mir drin ein Gefühl: „Wenn du das erlaubst, bist du tot!“
Wollte weiter weg von ihr rücken… ging nicht, da war die Wand.
Ich schrie sie an, dass sie weiter weg gehen soll, was sie dann auch tat.

Dann habe ich Lücken in der Erinnerung. Ich weiß nur noch, dass irgendwann ein riesengroßes Entsetzen in mir aufstieg! In mir, der Mutter eines eigenen Kindes…Entsetzen darüber, dass ein 6 jähriges Kind aus Todesangst Zuwendung ablehnt. Das Wort Entsetzen reicht dafür gar nicht aus, finde aber kein anderes.
Und der zweite Schlag war die Erkenntnis, dass hinter dem erwachsenen Täterintrojekt VERLEUMDER, diesem grausigen Mann in meinem Inneren, ein 6jähriges Kind steckt, ein eingeschüchteter, vor Todesangst schlotternder Junge.

Ich weiß nicht, ob Außenstehende nachvollziehen können, was da in meinen Gefühlen abging. Ungeheuerlich!

Erinnern tue ich mich auch noch an die völlige Hilflosigkeit der Thera, dass sie nichts weiter tun konnte, als wegzurücken.
Sie hatte ja eigentlich mit der Sitzung auch vor, dem Introjekt eine Neuerfahrung anzubieten. Tja, er wollte aber nicht aus Angst.
Aber …. Profi wie sie ist, sprach sie dann mit dem kleinen Jungen, fragte, was er sich wünschen würde.
„Wegfliegen, ganz schnell wegfliegen, in die Wolken hoch!“
„Mit wem willst du fliegen? Wer soll dich da raus holen?“
„Ein riesengroßer Adler“ kam als Antwort.

In dieser Sitzung wurde nichts „verraten“, kein Grund genannt für die Drohungen. Nichts kam als irgendeine Erinnerung dazu, nichts.                                                        (später: fremde Schreie)

Tage später bekam der Junge seinen Wunschnamen Florian. Weil er so flink ist, dürfen wir ihn Floh nennen. (Jetzt wisst ihr, warum ich ein Adlerfoto gepostet habe. Der Adler ist Florians innerer Helfer.)

Was dann später im Innen alles noch so seinetwegen passierte, und wie wir uns langsam annähern, dass schreibe ich ein anderes Mal.

Für wen ist EMDR geeignet?

31. Mai 2016

Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) wurde in den 80er Jahren von Francine Shapiro als traumazentrierte Psychotherapie entwickelt. Heute wird die Methode zur Behandlung einer PTBS nicht isoliert, sondern meist im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans (Berger, 2004) angewendet.

Einsatz findet sie sowohl bei akuten Monotraumata wie Unfällen, Gewalterfahrungen, Vergewaltigungen etc., als auch bei traumatischen Erlebnissen, die bereits einige Jahre zurückliegen.

Es sollte abgeklärt werden, ob nicht auch gleichzeitig eine dissoziative Störung vorliegt, da hierbei der Klient durch EMDR retraumatisiert werden kann, d.h. nur überschwemmt von angstmachenden Bildern und Gefühlen.

Bei der Traumabearbeitung ist es wichtig darauf zu achten, dass Betroffene ausreichend stabilisiert sind, um sich mit den Erinnerungen und den dazugehörigen Beschwerden (PTBS , Akute Stressreaktion ) konfrontieren zu können.

Ein zu früh begonnene und nicht ausreichend professionell durchgeführte Konfrontation kann zu einer Retraumatisierung führen.

 

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3. F 44 dissoziative Störungen

29. Februar 2016

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Zusammenfassung von mir:

Die dissoziative Identitätsstörung F 44.8  gehört zu den Konversionsstörungen,

sie ist KEINE Persönlichkeitsstörung.

Sie ist ein Sammelsurium der dissoziativen Symptome.

5.Ich habe keine Persönlichkeitsstörung

24. Februar 2016

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Persönlichkeitsstörungen sind tief verwurzelte Verhaltensmuster.

Die dissoziative Identitätsstörung dagegen basiert auf den Verlust des integrierbaren Bewusstseins!

Ich meine:

Sie ist eine fehlgeleitete (eine zum Überleben notwendige) Entwicklung des Gehirns aufgrund frühster nicht zu verarbeitenden Traumatas. Fehlgeleitet nur insofern, als dass die Funktionsweisen des Gehirns im späteren Alter große Alltagsbelastungen darstellen.

Wenn das Gedächtnis nicht funktioniert, steht die Identität in Frage!

Wenn die Kontrolle über Wahrnehmung des Selbst und Umwelt, Beziehungserleben, Affekten, Erinnerungen, Körperbewegungen, Sensorik verloren ist…… dann bin ich nur ein Sammelsurium aus Fragmenten, dann kann ich kaum das Ausmaß der Welt um mich herum, das Ausmaß zwischenmenschlicher Beziehungen begreifen.

 

Ist dies mein MEINSEIN?

13. Februar 2016

„Diesseitig bin ich gar nicht fassbar.

Denn ich wohne grad so gut bei den Toten,

wie bei den Ungeborenen.“

 

sagte Paul Klee 1920

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Öl auf Leinwand von mir:

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Irgendwie beschreibt dies genau mein Dasein, Zustand, Nichtsein, MEINSEIN.

Ich hänge in der Zwischenwelt.

13.2.16

Spezialstation PTBS – EMDR Therapie Göttingen Asklepiosklinikum

7. Februar 2016

Leider muss ich im Voraus sagen, dass alle Persönlichkeitsstörungen, deren PTBS behandelt werden soll, dort gut aufgehoben sind, außer die der Dissoziativen Identität (multiple Persönlichkeit)!!!!!!!
Zwar wird dort super mit dem inneren Kind gearbeitet, aber Erfahrungen im Umgang mit Multiplen hat dort keiner wirklich. In Krisen wurde ich dort nicht bestmöglich versorgt, weil das Personal nicht den Unterschied kennt zwischen dissoziativem Symptom und Switch. Teilweise verschlimmerte sich dadurch mein Zustand.

Aber diese Station ist wirklich super geeignet für jedwede posttraumatische Belastungsstörung! (außer DISS)

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Man hat als Patientin einen Schlüssel, der für das eigene Zimmer und beide Stationseingänge ist. D.h. zum Einem, dass man jederzeit die Station verlassen kann bis 22 Uhr, und zum Anderen, dass die Stationstüren sich stets allein schließen, damit kein Stationsfremder Zutritt hat.
Zusätzlich ist der Zimmerschrank abschließbar.
Die Hälfte der Zimmer gehen mit Terrassentür in den Garten (eingezäunt), es gibt ausreichend Gartenstühle und Tische.
Eine riesige überdachte Terrasse mit Sitzgruppe für Raucher und Tischtennisplatte lässt einen auch schlechtes Wetter vergessen.

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Land unter

14. Dezember 2015

Von wegen schleichender Absturz….ich selbst denke mich kaputt. Und umso mehr ich über mich nachdenke, desto mehr finde ich alles, was in mir denkt und fühlt grauenvoll. Sehe in viele Situationen der letzten Jahre hinein : sehe verzweifelte Fixierung, sehe Klammern aufgrund von hilflos machender innerer Einsamkeit, sehe die Konstruktionen, die mein Kopf sich über einen Menschen gebaut hat, ich sehe Spontanreaktionen von mir, unüberlegt, grenzüberschreitend – weil mein Näheempfinden nicht das meines Gegenübers ist…… Und der Selbsthass steigt…ICH will das so nicht!!! ICH bin das nicht!!! Wie ein Überstülpen von außen, oder ein Marionettenspiel von innen. Oh, wie entsetzlich finde ich das Passieren, das, was oft so kindlich unbedacht ist, was aber nicht in mein Körper-Alter passt.

So denke und hasse ich mir seit Wochen die Nächte kaputt. Da findet sich kein Schlaf mehr. Dazu meine geforderte Tablettenumstellung – habe die Nase voll vom Fettwerden. Fazit der neuen Pillen: der Gedanke an Nahrungsaufnahme verursacht Übelkeit. Allergische Reaktionen ignoriere ich. Kann eh nicht einschätzen, was andere Menschen als schlimm und arztbesuchnotwendig erachten. Da kommt oft der Gedanke : Es wird bei mir mal ganz schnell gehen, weil Schmerzen, egal welche Stärke, noch heute von uns ertragen werden. Aushalten….ist ja nichts Neues. Diesen Gedankengang empfinde ich als tröstlich.

Ich wollte Schluss machen mit Therapien, Kliniken….15 Monate hangle ich mich durch ohne “Begleitung”. Was ist das Ende vom Lied? Weiß nicht wohin mit den Gedanken, mit den schrecklichen Gefühlen. Sie stauen sich im Inneren auf wie blöde. Es ist genau wie in der Kindheit, nicht wissen wohin damit. Der Stau will meinen Körper platzen lassen. Und ich tanze mal wieder auf der Grenze, die ersehnte, die Angst machende.

Dennoch gut, dass sich einer von uns immer rechtzeitig Hilfe holt. Die Erfahrung haben wir gemacht. Einer wenigstens will leben.

Die Mitte

10. Dezember 2015

Oberflächenspannung

Kreidezeichnung „Öl auf Wasser“

10.12.15

Wo ist die Mitte, wenn es nach allen Seiten quillt, eruptionsartig, ohne Maß. Die Mitte finden, könnte bedeuten mich zu finden. Mich, das ICH, erträumt definierbar, erwünscht berechenbar, und vor allem entschlüsselbar.
Die Mitte … Mittelpunkt der Waage … würde alles im Fluss halten. Ein schier unerfüllbarer Traum von mir.
Die Mitte, die keinen Halt nach außen braucht, die in sich selbst ruht.
Die Mitte, die Stille verspricht und den Blick in’s Außen zulässt.

Sehnsucht danach bedeutet zu hoffen. Hoffnung zu spüren heißt für mich Kampf. Kampf darum, weiter zu leben.

Aus dem Tagebuch: Chaos im Inneren

17. April 2015

Nicht nur in den Tagen ist das Stimmungsbarometer ein wirres Auf und Ab, auch in den Stunden. Heute war so viel auf einmal in mir. Morgen kommt eine Studienfreundin als Übernachtungsgast. Da hieß es gestern den Einkauf erledigen. Und Ballett – Eintrittskarten sind besorgt, freu, freu.
Heute wollte ich meine sehr gedrückte Parallelstimmung durch Aufräumen und Bügeln weg drücken. Denn noch immer sind da Vorbehalte gegen die neue Thera, obwohl diese sofort nach meinem Besuch mit meiner alten Thera (sie hat’s mir gleich gemailt) telefoniert hat. Was ja ein Zeichen von Kompetenz und Gutem Willen ist. Aber irgendwie scheut sich alles in uns vor einem Neuanfang.
Ist ätzend, mir hängt noch so sehr die anstrengende Klinikzeit nach. Lieber täte ich diese in Angriff nehmen. Denn, obwohl ich die Sache mit dem leiblichen Vater äußerlich abgehakt habe, arbeitet im Inneren ein diffuses Gemisch von Hilflosigkeit, Enttäuschung, Fragen von ganz jungen Anteilen (die oft heimlich vom Vater abgeholt wurden ohne Wissen der Mutter) und ihr Gebrüll zu diesem Thema. An der Stelle (Sofie-Säugling) werde ich nie eine wirkliche Antwort finden, da kann niemals eine reale Erinnerung zu dem grauenhaften “Blitz-Bild” kommen, niemals. Ich war viel zu klein, das ist mir schon klar. Und obwohl ich dieses Bild im Tresor habe, rütteln etliche Anteile an dessen Tür, als wollten sie mir etwas sagen. Nun, ich bin nicht dumm. Mir ist sehr wohl klar, dass, wenn er es eben mal bei mir mit 16 versucht, es nicht aus heiterem Himmel kommt, dieses Verlangen. Und trotzdem bin ich als Große voll im Abstreiten. Möchte mich als dumm und krank hinstellen (uj, Introjekt lässt grüßen), als jemand mit krankhafter Fantasie. Wäre echt gut, wenn dies klappen würde. Tut es aber nicht, weil schon beim Denken dieser Abwertungen totale innere Unruhe entsteht, Schmerzen am ganzen Körper auftreten, der Kopf voll ist mit Weinen, und eine Schar von Kindern gegen mich in den Kampf ziehen will, weil ich sie nicht ernsthaft wahrnehme, alles leugne. Trara ….., ich mache genau das mit meinen Innenkindern, was die Eltern damals taten:”Halt die Fresse!”
Ein unlösbares Dilemma, wenn innere Chaoskämpfe stattfinden, ich aber die Wogen nicht glätten kann ohne wirkliche Erinnerungen. Klar,meine Hausaufgabe ist, dem INNEN zu vertrauen, genau hin zu hören, und ihnen zu glauben. Das weiß ich.
Aber stellt euch vor, ihr solltet plötzlich glauben, dass Milchtüten auf dem Acker wachsen. Würdet ihr? Sicher nicht!
So geht’s mir Großen zu dem Thema “schon als Säugling…”
Hej, das will man nicht wissen, und Teufel nochmal nicht haben! Punkt.
Oh Schitt, weg von dem Thema, hin zu einem wohltuenden, existenziellen: Unser Engelchen hat uns auf unsere Mail geantwortet, juchuuuuuuuuuuuuuuu!
Und plumps, tanzen die Kleinen wieder vor Freude: ihre Mami!!!!
Da werden von mir in nächster Zeit wieder Imaginationsübungen erwartet, besonders die : Dein ganz persönlicher Engel.
Da laufen uns jedesmal die Tränen vor Freude, weil wir echt das Gefühl haben, sie wäre bei uns. Mann, was haben wir sie lieb!
Sie war so absolut kurz an unserem Leben dran, aber sie ist bis heute der einzige Mensch, der es bis ganz nach Innen geschafft hat, einfach so, nur weil sie ist, wie sie ist!
Ein Engel eben!

 

Nachtrag: Dumm gelaufen…der zweite Therapeutenbesuch brachte mir nur die Absage! Sie würde aufdeckend arbeiten, nicht stabilisierend. Tja, das war ’s dann. Sellavie

Treidler der “ modernen“ Art

5. Juni 2014

Als ich auf dieses Foto ( unterer Bildteil) in „National Geografic“ stieß, konnte ich nicht anders, als an das alte Gemälde zu denken, dass mich schon in der Kindheit beschäftigte: „Wolgatreidler“ von Ilja Repin 1873 (Menschen am Fluss)

Also setzte ich beide Bilder zueinander.
Viel geändert hat sich ja nichts, oder?

Wolgatreidler

Ich werde irre: Sofie hört nicht auf zu warten

23. April 2014

23.4.14

Was die Spaltung in verschiedene Persönlichkeiten zur Zeit mit mir macht!

Sperrt mich ruhig ein für das, was ich jetzt erzähle. Habe sowieso das Gefühl, langsam komplett irre zu werden, denn nichts unterliegt meinem Einfluss, was da in mir hoch kommt.
Es ist nicht auszuhalten. So oder so hab ich nichts mehr in dieser normalen Welt zu suchen.
Nur einer ist da, eine Helferin, die mit mir versuchen will, diesen so frühen Anteil von mir in eine imaginäre Sicherheit zu bringen.
Ein einziger mir bekannter Mensch, der aufgrund seiner Studien sich sicher ist, dass im Kleinkindalter genauso verdrängt wird, in Ecken des Gehirns versteckt wird, so, wie es auch ähnlich Erwachsene können.
Dies lässt mich dann aber fragen: Wenn die Wissenschaftler von Dissoziationen im Frühkindalter sprechen, von der Fähigkeit des Gehirns im frühsten Entwicklungsstadium sich anders als normal zu entwickeln zum Zweck des Überlebens, Dissoziationen bis zur Persönlichkeitsspaltung zu trainieren, warum wird dann noch immer von einem großen Teil der Fachwelt bezweifelt, man könne sich nicht an Dinge vor dem 3. Lebensjahr erinnern? Wenn es doch scheinbar nur in den Winkeln des Gehirns versteckt wurde?

Dies ist der Grund, warum ich sage: Schmeißt mich doch einfach auf den Irrenhaufen.

Ich gehe in einem alten Körper durch diese Welt, bekomme Pickel, habe Hitzewallungen und Altersfalten, und dennoch fühle ich die seelischen und körperlichen Schmerzen der Kleinen ab der Geburt.

Schritte, Schritte … sie können die Schritte unterscheiden … wenn sie Schritte hören, geraten sie in Höchstspannung … halten die Luft an … hoffen, warten, hoffen, warten, hoffen, warten … gehen die Schritte vorbei, ohne dass sich die Tür öffnet, fallen sie in einen tiefen, schwarzen Strudel, lösen sich auf … wollen sterben. Die kleinen Körper wollen bersten vor Schmerz … Schmerz … Sehnsucht … Schmerz … es ist so kalt … kalt … kalt … sterben … sterben. Ein Lichtstrahl, nur ein kleiner Lichtstrahl … selten, aber da … jetzt das Warten auf Schritte … Schritte … Warum kommen keine Schritte? Es ist doch Licht da! Kalt … kalt … warten … warten … hoffen … hoffen … Schmerzen … warten … warten … sterben … sterben. Augen … Wo sind die Augen? … der sanfte Blick, der uns Leben gibt …Warten … warten … hoffen … warten … er ist weg … wir wollen sterben … sterben … nicht mehr kalt … nicht mehr kalt … lieber sterben. Warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben … Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate!

Was ich hier schreibe?
Das, was ich bisher als mir völlig unbekanntes, diffuses Gefühl mit der daraus entstehenden Depression mein ganzes Leben lang mit mir rum trug, ohne Erklärungen dafür zu haben.

Seit Monaten aber habe ich all dies genau nicht nur mehr als Bild vor Augen, sondern auch genau in den Ohren, genau im Erleben, genau im Fühlen, genau in Worte fassbar. Und mit jedem Tag wird es schlimmer. Dieses unsagbar schlimme Fühlen.

Klar, leichter wird für mich, den Zusammenhang zu verstehen.
Leichter wird auch für mich, in alten Texten, Gedichten und in Zeichnungen das vor Jahren schon unbewusst nach Außen drängende Erlebte zu finden:
Schwarz, nur so ist`s gut – Warten – verschlossene Türen – Dunkel – Strudel – Schreie – gesichtslose Menschen – sterben wollen – Tod, Tod, Tod, Tod, Tod, Tod … wieder und wieder undefinierbar für mich damals beim Schreiben und Malen, weil nicht wissend woher. Leichter, weil ich endlich verstehe.

Heute?

Die Helferin müht sich, findet aber keinen Zugang zu den Kleinen. Alles Bemühen scheint umsonst. Sie ist lieb, ja, sie ist aber eben nicht unser Engelchen, das zu uns vordrang.

Der Alltag seit vielen Wochen ist der:
Schritte … egal wo ich bin … lösen das Warten aus, das Hoffen, das Zerreißen.
Ganz bestimmt einfallendes Licht – genau dieselben Folgen!
Warten müssen irgendwo, auf irgendetwas, … rumms entsteht daraus das Warten auf diesen einen, unseren Engel…rumms, ich rutsche in dieses Alter und fühle dieses schlimme Fühlen.
Schritte, Hoffen, Licht, Warten, Augen, Hoffen, Warten … Flash, Flash, Flash!

Okay, mir ist klar, dass der Weg sein muss, alles an Zusammenhängen zu erkennen, zu verstehen. So weit, so gut. Hab ich mittlerweile.

ICH. Ja, ich! Ich verstehe es! Aber nicht sie! Nicht die Kleinen. Sie sind noch dort. Sie sind zwar „wach“ geworden vor Monaten, zeigen mir seitdem genau das Erlebte von damals, aber sie sind noch dort, genau in diesem alten Geschehen von damals im Heim.
Sie weinen, schreien, weinen, warten auf ihr Engelchen, das sie aus ihrer Erstarrung geholt hat, das sie aber nicht wieder sehen werden, weil die „Kontaktzeit“ begrenzt war.
Und das ist das, was ich meine mit : IRRE!

Und wieder ist es mir völlig egal, was die Welt da draußen denkt über mich, aber ich bekomme die von mir scheinbar völlig getrennt existierenden Anteile nicht zur Ruhe. Und sie lassen mich nicht in Ruhe. Sie schütten all ihr Fühlen über mich aus, und ich stehe wie blöd da und kann nichts tun. So verzweifelt war ich lange nicht, es zerreißt mich.

Ich möchte einen Ausweg! Kenne aber keinen.

Malen mit Ölfarbe

15. April 2014

Die meisten meiner Ölbilder sind verschenkt. Einige malte ich im Auftrag meiner Freunde!

Teilweise sind die Bilder bis 1,20 m mal 90 cm groß.

Trio 2                       Trio 3

Trio 1                        Tür in Blau

 

 

Am Strand            Lichtung

 

 

Akt im Orange               Klänge

 

 

Mauer             Welten

 

Zum Gebet                        Glauchau Stausee

 

Öl  "Gaffer - mehr nicht"                Die Hölle in mir

 

 

 

Extase           Digital Camera

 

 

Im Rad der Zeit                                unbewusster Schrei

 

 

 

danach          achterbahn

 

 

100_0548          100_0942

 

 

Digital Camera                  Digital Camera

 

 

Wasserwelt           Wellengang

 

 

Träumerin                  Susie

 

 

Rote Blume             Dame in Rot

 

Frau mit Hut               Warteschleife

 

Verlassen3                             100_0715

 

 

abgedeckter Traum

Pastellkreide, Kohle, Bleistift

15. April 2014

Pastellkreide – damit male ich am Liebsten!

 

                                 

 

 

                      Kreide Akt grün

 

gefangenes Licht                  Sonnenbaum

 

 

              Ohne Wort

 

 

 

Farben                         Gespalten, Kreide

 

 

 

Akt                                      Kreide Akt Tänzerin

 

 

 

Bettler                              Schwarz

 

 

 

                                

 

 

 

             

 

 

 

dunkler Engel                          Portrait Volkmar

 

 

 

Würfel im Netz                             Windungen

 

 

Glauchau                     Kochel am See

 

 

 

Perspektivwechsel

 

 

 

                  

Ton, Speckstein, Schnitzereien, Bildhauerei

6. April 2014

Am liebsten gestalte ich an und mit Materialien, die ich in den Händen halten kann!

 

           Kinderwunsch                                                                                                                                            Holz              Strauß   image                              image     image                        image                                                                                                      Laub                strukturell   1                    Silvester     schwanger                            Kraftvoll (2)       Radierung  Ibiza                     Architektur

Radikale Akzeptanz – mein Signal an meine Kleinen

5. April 2014

5.4.14

Seit Beginn 2013 bin ich in einer regelmäßigen stationären Traumabehandlung, die einzig und allein dazu dient, die Symptome der PTBS zu lindern. Der Weg führt über das EMDR-Verfahren, mit dem Ziel, vom Gefühl abgespaltene Ereignisse des Lebens zum Einem wieder zueinander zu führen, zum Anderen diese dann im Gehirn als abgeschlossene/beendete Tatsache als Vergangenheit einordnen zu können. Nur so ist es möglich, nicht mehr unkontrolliert den Flashbacks ausgeliefert zu sein. Das Gehirn benötigt dazu die Information, dass das Geschehen ein ALTES ist, also keine Gefahr mehr im HEUTE bedeutet.

Dass eine dissoziative Identitätsstörung einhergeht mit vielen Amnesien, macht mir diese Behandlung aber zur Qual, weil immer wieder für mich neue, mir unbekannte Erinnerungen hochkommen, die den seelischen Schmerz ins Unermessliche treiben. Während der Traumakonfrontation fühle ich alles noch einmal, switche in das Kind, und erlebe das alte Geschehen im Hier und Jetzt. Dank der guten Therapeutin werde ich aber dort wieder “ heraus geholt“ , und sie hilft mir, für dieses Ereignis einen anderen Abschluss zu finden. Sicher werden sich jetzt Leser fragen: „Warum tut sie sich das an?“ Nun, ich habe mich dazu entschieden, weil es für mich keinen Ausweg mehr gibt. Das, was sich als mein derzeitiges Leben bezeichnet, ist kein Leben. Es ist ein zurückgezogenes Dahinvegetieren. Sicher, es werden die alten Gefühle immer wieder, mein ganzes restliches Leben lang auftauchen, aber ich werde fähig sein, schneller aus ihnen heraus zu finden, um die extremen tiefen Abstürze zu verhindern.

Nur darum „tue ich mir das an“ mit der Behandlung!

Eigentlich wollte ich auf den sexuellen Missbrauch zurückkommen. Also: Wie ich oben im Text beschrieben hatte, kannte ich entweder die puren Bilder, entweder fremde schlimme Gefühle, oder nur blanke Todesangst. Bilder und Gefühle wirklich in Zusammenhang zu bringen, das ging nicht. Also war es für mich ein Leichtes, das Meiste zu leugnen. Nein, das kann nicht sein, so ein Quatsch, das stammt aus meinem kranken Hirn! Das tut kein Mensch einem Kind an, so ein Blödsinn! Hm, heute, nach drei Intervallen und vielen „Blicken“ in die Vergangenheit bin ich eines Besseren belehrt. Nicht, weil während des EMDR so viel hochkommt, nein! Sondern weil ich die stundenlang und tagelang danach auftretenden Schmerzen aushalten muss. (Körperflash’s = Erinnerungsschmerzen) Schmerzen, die mir das Gehirn aus der Erinnerung schickt, Schmerzen, die das jeweilige Kind von uns aushalten musste. Ob Unterleibsschmerzen, Bauchschmerzen, Knochenschmerzen von Prügelexessen (Rücken, Arme, Beine, Gesicht, Kopf) , Schmerzen in Po und Knochen „da unten“.Selbst blaue Flecken treten auf, einfach so, wie aus dem Nichts. So, da stehe ich dann da, kann es nicht fassen, aber in mir steigt ein Mitgefühl für die jeweilige Kleine auf, und ein Entsetzen, was sie aushalten musste…oh menne! Und pö a pö hat sich, obwohl damit mein Weltbild völlig zusammengebrochen ist, eine innere Akzeptanz entwickelt. Und damit auch ein innerer Zugang zu den Kleinen. Erst durch mein Glauben an ihre Erlebnisse, durch meine Fürsorge für sie, kommen sie mir näher, finden Vertrauen zu mir und meiner Kraft, öffnen sich immer mehr, und dies alles bringt letztendlich eine größere Ruhe in mein Innensystem. Ich habe verstanden, dass mein Leben nur lebenswert werden kann, wenn wir als Team, dass sich vertraut und genau kennt, zusammenhalten.

Und das geht nur mit der Akzeptanz des Geschehenen! Und mit folgender Aussage möchte ich meinen Kleinen ein Signal setzen: “ Wir wurden sexuell missbraucht!“

Wir wollen und müssen uns nicht dafür schämen! Denn wir waren nicht die Schuldigen! Wir waren nur Kinder!

PS an die Kleinen: Hab euch lieb!

Nach Innen schauen

26. Februar 2014

3. Intervall

Mittwoch, den 27.2.14

Ich habe einen wichtigen Entschluss für mich gefasst!
Möchte während meiner Therapiewochen hier auf Station meine Internettätigkeit fast völlig runter schrauben.
Habe in den ersten Tagen schon bemerkt, dass das Internet bedeutet, sich nicht mit mir selbst auseinander setzen zu wollen, mich abzulenken, nicht nach Innen zu sehen. Zuhause mag es eine notwendige Strategie sein, weil ich außer dem Therakontakt pro Woche keine weiteren pflege. Dort muss ich notgedrungen viel von mir weg schieben, weil ich Aufkommendes nicht allein abfangen kann. Hier aber habe ich das Auffangnetz und alles an Unterstützung! Wann also, wenn nicht jetzt, den Mut aufbringen, mich mit meinem Innenleben wirklich auseinander zu setzen?
Bitte wundert euch also nicht, wenn ich mich kaum noch melde bei euch. Ist in keinster Form persönlich zu nehmen.
Kurzinfo zum bisherigen Verlauf:
Zur vierten Anreise letzten Donnerstag bin ich das erste Mal als Erwachsene angereist. So konnte der Start also gut gelingen. Morgen ist meine erste Traumakonfrontation, in der es endlich um Marie gehen soll. Muss endlich sehen, wer durch diese Tür kommt. Nun den Rest des Geschehens „kenne“ ich ja schon von den Albträumen, den Körperreaktionen und ihrer Angst.
Zwar hat eine TT-Sitzung mit EMDR mir hier noch nie etwas Neues offenbart,aber ich hoffe, dass ich so weit bin diesmal.
Die andere Zeit möchte ich an den Täterintrojekten arbeiten, die mir das Leben so zur Hölle machen, die mir mein Leben im eigentlichen Sinne sogar stehlen. Also wird Muhex fällig, der Verleumder auch!
Ebenso möchte ich für mich allein hier die Zeit finden, unser inneres System neu zu struktuieren. Das Haus ist zu klein für alle geworden, es stoßen immer mehr dazu…uh, wie das klingt! Will bewusster nach innen hören, wahrnehmen, wie es da laufen soll. Endziel: Das noch immer auftretende Chaos mit Aufgabenteilungen schneller in den Griff zu bekommen.
So, heute steht nur noch immer wieder kehrende Imagination an, um Marie auf den morgigen Tag vorzubereiten, um sie ein Sicherheitsnetz zu spannen, das sie auch wahrhaftig fühlen kann. Nur so wird sie zuende reden, was so schlimm ist.
Ich sag mal Tschüss!
Und: Macht euch also keine Sorgen! Bin in guten Händen!

Ich bin Ich, und Du bist Du

26. Januar 2014

Ich merke, dass es mir aufstößt, immer wieder von den Fragen zu lesen: Bist du multi? Bin ich multi?
Was bringt mir so eine Fragerei? Gar nichts, überhaupt nichts. Die Diagnosen sind mir so etwas von Scheiß egal, echt. Mich nervt das nur.
Ich bin ich, bin wir, sind uns, basta.
Wie jemand anderes darüber denkt…soll er. Ich muss mit meinem Innenleben klar kommen, nicht andere. Ich habe die Probleme an der Backe, ich muss meinen eigenen Kampf ausfechten, nicht jemand anders.
Ich lese sehr gern auf anderen Blogs, besonders mit dem Hintergrund, mir eventuell Tipps zum besseren Vorankommen daraus zu ziehen. (auch liebe ich das Lesen von sehr guten “Sprachen”- den Schreibstil) Und ich bemerke die vielen, enorm vielen unterschiedlichen Erlebensfacetten. Und ich lese sie mit Aufmerksamkeit und Respekt.
Obwohl ich auch in mir täterloyale Anteile kenne, käme ich aber nie auf die Idee, mir über das Empfinden anderer ein Urteil zu erlauben. Dies ist nun mal subjektiv. Ich möchte auch nicht durch mein Schreiben beurteilt werden. Ich möchte einfach nur sagen, was in mir abgeht.
Irgendetwas reagiert in mir mit Zorn, wenn ich lesen muss, was nicht sein KANN. In mir bricht ein uralter Wunsch nach Gerechtigkeit aus: “Warum lasst ihr mich nicht so, wie ich bin? Warum soll ich verkehrt sein?” Und es bricht der Urinstinkt nach Wehr aus mir heraus.
Ich liebe die Menschen, selbst wenn ich sie mir auf Abstand halte. Ich liebe das Verschiedensein an den Menschen.
Und ich habe sehr früh in meinem Leben gelernt, wert zu schätzen, was sie sind, jeden einzelnen für sich! Ich könnte mir nicht anmaßen, ein Urteil über sie öffentlich zu fällen, nur, weil ich eine andere Ansicht habe. Ich finde es sehr wichtig, den anderen mit seiner Meinung zu akzeptieren. Man kann miteinander reden. Aber das größte Dilemma wäre doch, den anderen von seiner eigenen Meinung überzeugen zu wollen. Was hätte man denn am Ende? Gleichheit, gepaart mit Gleichgültigkeit, nichts, was spannend am Miteinander wäre.
Aus diesem Grund wird es auf meinen Seiten stets nur um mich gehen, weil ich andere SEIN lassen kann, wie sie sind!

2016 Nachtrag:

Habe schon lange keine Kraft mehr irgendetwas auf anderen Blogs zu lesen. Es geht einfach zu viel in mir ab, da geht kein Blick nach rechts oder links, bin überfordert.

Tagebuch: Eine Hand fassen

23. Januar 2014

Ich saß Mittwoch beim Zahnarzt im Wartezimmer, mir gegenüber ein uraltes Paar, entspannende Musik drang aus den Lautsprecher. Was es nun war – das Hören oder das Sehen – keine Ahnung ….rumms, spulten sich alte und neue Bilder und Vorstellungen ab, fast parallel. Vom Vertraut sein der Beiden gegenüber, kam die Vorstellung, wie schön dies auch nach 25 Jahren Ehe sein müsste, und wie sehr dies bewahrt werden sollte…rumms, sah ich mich in verschiedenen Altersstufen in fremde, erleuchtete Fenster sehend, sehnsuchtsvoll mit dem Wunsch, einfach dazu zu gehören. Ja, zu wildfremden Menschen. Noch kleiner sehe ich mich unschlüssig auf der Straße stehen, ohne Mut, einfach eine fremde Hand zu fassen, und mit zu gehen. Bei fremden Menschen müsste es hundert Mal besser sein, als bei mir zuhause.
Ich sitze in dem Wartezimmer, mein Körper scheint bersten zu wollen an dem Wunsch: „Bitte nimm mich mit, ich will nicht mehr nach Hause.“ Jetzt beim Schreiben selbst kommt dieser Druck nach oben. Als stünde ich auf einem riesigen Platz, auf dem tausende Menschen kreuz und quer laufen, ich, ganz klein in der Mitte, von niemanden bemerkt. Und es brüllt so sehr in mir, aber meine Lippen bleiben zusammengepresst. Damals schon die Einsamkeit in einer Menschenmenge. Damals genötigt, stumm zu sein, keine Hilfe zu suchen, erstarrt zu verharren in dem, was sich meine Familie nannte. Und heute begreife ich den so enorm tiefen und verzweifelten Schmerz der kleinen „Marie“. Und mich erstaunt ihr Instinkt, dass es auch andere Familienkonstellationen geben muss, bessere. Und die enorme Sehnsucht, zu einer solchen gehören zu wollen, unsagbar.
Ich frage die Kleine, was sie sich denn davon erwartet. Die Antwort zitternd, fragend und dennoch klar (von vielen): „trösten, mal ein Lob, lieb gucken, keine Angst mehr, ankuscheln dürfen.“ Ich spüre, was ihr das Wichtigste wäre: sein dürfen unter stets liebevollen Blicken.
Wenn ich ihre Worte höre, dann steigt in mir eine Ahnung auf, wie sehr sie gelitten haben muss. Und ich kann es körperlich spüren.
Gleichzeitig frage ich mich, wie es möglich sein kann, dass diese einfachsten Dinge der Welt einem Kind verwehrt wurden? Ein liebevoller Blick! Aber das ist doch das Mindeste, was ein Kind täglich zum Leben bräuchte, oder? Wie kann man denn ohne gedeihen?
Rumms … man kann nicht ….man endet dann als 51 Jährige, die noch immer von der Sehnsucht überrollt wird, irgendwo dazu zu gehören … zu einer Familie, die intakt ist. Klingt jetzt merkwürdig, aber Fakt ist, dass wir oft in unserer Fantasie im Alltagsleben unserer Wunschfamilie integriert sind, mal als Kinder, mal als Freundin. Das ist doch verrückt, oder?
Nein, ist es nicht, denn dieses Fühlen ist das der kleinen Schmerzkinder von uns, die noch immer in ihrem Sehnen eingefroren scheinen.
Einfach eine Hand fassen von einem Menschen, der es gut mit uns meint!
Wenn ich auf mein Leben zurück blicke, stelle ich fest, dass ich an nur einem Punkt gescheitert bin. Nämlich an der Tatsache, dass ich mich stets fassen ließ.
Mir sind die Menschen zuvor gekommen, solche Menschen, die genau mein Defizit durchschaut haben. Und ich Trottel glaubte, man wollte mich meinetwegen. Es hat stets eine Weile gedauert, bis ich in einer Beziehung das ganze durchschaut hatte. Aber immerhin hatte ich dann immer die Kraft, mich davon zu lösen. Ein Anfang, oder?
Nun aber stehe ich da …. lasse mich nicht mehr so einfach fassen, weiß, worauf es mir heute ankommt. Und?
Nichts!
Hindert die eigene Vorsicht? Ist es die Angst vor erneuter Enttäuschung?
Nein!
Denn ich hatte den Versuch gewagt bei einem Menschen, der genau das war, nach dem alle von uns suchten, alle, ohne Ausnahme.
Es steht nicht zur Debatte, dass dieser Versuch in die Hosen ging, nein!
Zur Debatte steht: ich hatte den Mut, ich hatte die Kraft, ich wusste, was mir gut täte, und ich hätte alles dafür getan, das es funktioniert!
Ich hatte also nicht aufgegeben, ich habe neu dazu gelernt, ich hatte eine richtige Wahl getroffen, ich habe mich nicht an die Hand nehmen lassen, sondern selbst nach einer Hand gefasst.
Die Kleinen sind damit also einen Schritt weiter. Selbst mit dem Schmerz, dass ihr Glück nur kurz war.
Und ich?
Dazu finden sich jetzt keine Worte mehr! Nicht heute.

Erwachsen sein?

17. Dezember 2013

Mir wurde vor Kurzem von einem Menschen, der lange schon Umgang mit schwer traumatisierten Menschen in einer Klinik hat, gesagt:

„Ich war geschockt, als ich erfuhr, dass Sie 25 Jahre in ihrem Beruf gearbeitet haben! Ich hatte bei Ihnen gedacht, dass Sie nie arbeitsfähig waren in ihrem Leben, so, wie ich Sie hier sehe und erlebe. Ich habe immer das Gefühl, Sie wollten am Liebsten unsichtbar sein.“

Oh Mann, das hörst du, bist erstmal wie gelähmt, und dann steigt die Verzweiflung hoch.

Aber in diesem Gespräch, so glaube ich jedenfalls, konnte ich das erste Mal einem Menschen deutlich machen, wie schlimm es für mich ist, dass seit 11 Jahren alles an Fähigkeiten weggebrochen ist. Dass ich ein anderer Mensch zu sein scheine. Nichts ist mehr wie vorher! Du hast keinen Boden unter den Füßen, findest keinen Halt mehr.
Ein Viertel Jahrhundert habe ich mit guter Leistung dem Staat gedient, habe seine Kinder erzogen, behütet, ihnen das Leben gelehrt. Ein Viertel Jahrhundert! Das klingt doch nach einer langen Zeitspanne, oder?

Und plötzlich, von heute auf morgen, finde ich mich in einem anderen Film wieder, einfach so. Warum?
Mein Stiefvater hatte seinen Besuch bei mir angekündigt. Rumms…war ich auf einmal in der Kindheit, weinte und schrie …meine Tochter stand hilflos daneben, geschockt.
Seit diesem Tag war alles anders. Es war ein Tag im September 2002.
Der spätere Versuch (ein Jahr danach), wieder im Beruf Fuß zu fassen, dauerte nur knapp zwei Jahre. Zwei Jahre, in denen alles an Symptomen stärker wurde, sich die Zwänge, der Ekel, die Schmerzen, die Flashs, die Dissoziationen verstärkten.
Der schnelle Wiedereintritt in den Beruf war der größte Fehler, der begangen wurde, leider nicht von mit initiiert, sondern gegen meinen Willen durchgesetzt. Ich selbst wusste ja, dass noch überhaupt nichts stimmt mit mir nach diesen ersten 9 Monaten Therapie.
Seit dem einen Tag im Oktober 2002 ist jede Therapie daran vorbei gegangen, etwas Erwachsenes aus mir wieder hervor zu holen. So oft ich darum bat, keiner nahm mich wirklich ernst mit diesem Wunsch.
Scheinbar wirkte ich reif genug, stark genug, meinen Alltag zu bewältigen.
Aber wie soll man Therapeuten klar machen, dass dies schon die Kinder können, weil sie es immer können mussten? Niemand nahm mich wirklich ernst, niemand.
Und glaubt mir, ich habe stets gewusst, was ich brauche, und es immer angesprochen. Aber es war umsonst.
Es ging immer nur um „Stabilität“.
Stabilität? Was ist das für uns? Überleben, irgendwie!!!!! Also wurde alles an Fertigkeiten heraus geholt, was die Kinder hatten. Rumms … genau dies ist der Punkt! Fertigkeiten der Kinder!
Und die hatten sie, sonst wären wir längst nicht mehr am Leben!
Also fleißig verstecken, dissoziieren, tot stellen, nichts fühlen! Ich kann euch sagen, dass ich immer sehr offen in den Therapien war. Aber wirklich zugehört hat wohl niemand.

Und nun stand ich also da, hörte, welchen Eindruck mein Verhalten hinterlässt, war geschockt, aber gleichzeitig war es ja seit 11 Jahren nichts Neues für mich! Darum verstecke ich mich ja vor der Welt! Weil ich mich eben NICHT wiedererkenne, weil ich mich schäme, weil ich keine Zumutung sein will.

Diese vielen Jahre falschen Trainings soll ich nun schlagartig ändern können: Ja, da sein Sie doch mal erwachsen!
Halleluja! Fein!
Hu, jetzt steigt endlich mal Wut hoch. Wut auf die Behandler, die sich Traumatherapeuten nannten, die von sich glaubten, allwissend zu sein, alles zu kennen und zu können! Ich, die stets deutlich war, habe meinen Mund umsonst fusselig geredet. Warum hört man dem Patienten eigentlich nicht zu? Er weiß doch am Besten, was in ihm abgeht! Vielleicht war auch dies der Grund, mich selbständig mit der Fachliteratur zu befassen. Hilfe zur Selbsthilfe! Nur … es funktioniert nur in der Theorie, der Verstand begreift die Zusammenhänge, die Lösungsvorschläge …der Verstand!
Der aber scheint abgetrennt von meinen Ich-Wesen. Sie verstehen dies nicht. Nun rede ich mich an mir selbst fusselig …auch umsonst.
Ich hab den Hals voll, echt!

Selbstanalyse – Sofie’s Verlust

2. Oktober 2013

2.10.13

Seit Wochen nun vergeht kein Tag ohne dieses Wegrutschen in die unbeschreibliche Hilflosigkeit.
Und immer deutlicher bekam ich Signale, die von den Säuglingen stammen. Klar erschreckt mich das. Es ist und bleibt mir unverständlich, dass man als Mensch so weit zurückliegende Erlebnisse und Empfindungen neu erleben, erinnern kann. Ertappe mich immer wieder beim Abstreiten.
Trotz aller Schmerzen habe ich aber genau hingesehen, habe (und das tu ich heute noch) Situationen im Heute und meine unverständlichen Reaktionen darauf versucht zu begreifen.
Je mehr ich mich damit beschäftige, umso klarer werden für mich die Antworten.
Die Kleinsten kommen nicht klar mit der Trennung von ihrem Liebmensch.
Ich fand nun Passagen zur Säuglingsforschung:

„Die Erfahrung des eigenen Seins entwickelt sich aus der Erfahrung der gelebten Beziehungen.“ (P.Janet)

„So erfährt der Körper sich über den Körper des anderen, die Art und Weise von dessen Präsenz entwickelt die eigene!“

Bsp. „Wenn jede Vorhersagbarkeit der Reaktion für das Kind entfällt, reagiert es mit Schreien, dann mit allen Anzeichen von Vermeidungsverhalten, Fluchttendenzen und Panik und zuletzt verfällt es in einen apathischen Zustand der Nicht-Reaktion. Es stellt sich tot, reagiert nicht mehr.“

„Traumatisierung ist die Erfahrung von Hilflosigkeit, mehr noch: von Handlungs-Unwirksamkeit!“

Das Merkwürdigste von allem ist: Ich hatte diese Dinge im Fühlen von mir verstanden, noch bevor ich die Bestätigungen aus der Fachliteratur fand. Was mir sagt, ich bin auf einem guten Weg – den Weg des achtsamen nach Innen-Schauens, dem Weg der Selbsterkenntnisse.

Erinnere mich, Sofie entwickelte blitzschnell eine Präsenz, kaum, dass sie den „anderen Körper“/Mensch für sich gesehen hat, kaum, dass sie gelebte Beziehung fühlen konnte. Dieser Mensch war für uns ein Engel, für Sofie die ersehnte Mami.
Sie war plötzlich in uns so dermaßen oft draußen, es fühlte sich wie eine Neugeburt an, eigentlich wie eine Geburt an sich.

Sie durfte plötzlich in uns etwas sein. Wir fühlten uns alle plötzlich berechtigt, leben zu dürfen, sein zu dürfen.
Dass Sofie damit gleichzeitig ihr extrem schmerzvolles Fühlen über uns auskippte, brauch ich wohl nicht erwähnen. Aber je schmerzvoller es war, umso mehr nahmen wir die Bindung zu ihrem Engelchen an, umso mehr griffen wir nach diesem Halt.
Das war mir damals alles sehr schnell klar.

Und heute verstehe ich dann auch, warum ich seit Wochen so nah an der Grenze lebe, so nah am sterben wollen.
Die Ersterfahrung des Säuglings endete nun in gefühlter Ablehnung.
Ich kann versuchen wie ich will, ihr begreiflich zu machen, dass nicht sie abgelehnt wurde. Sie kann es nicht verstehen, was ich nun auch kapiere! Sie ist zu klein für diese Zusammenhänge, ihr Denken ist noch lange nicht so weit. Sie kann nur spüren, fühlen, reagieren … mehr nicht.

Und das alles durchlebe ich jetzt seit Wochen, ihr Leid, ihr sterben wollen.
Trost von uns kommt kaum an. Weil sie nicht wirklich mehr bei uns ist. Sie wollte ja woanders bleiben. Nur scheint es ihr nicht mehr gut zu tun, weil wir nicht mehr wirklich an sie rankommen.
Wir fühlen, was sie fühlt, aus uns herauskommend, aber von uns auf sie scheinen wir keinen Einfluss zu haben.
Muss eine Lösung finden, nur welche…?
Imaginär versuche ich es seit Wochen umsonst.

Die Technik des Holzriss

10. September 2013

Habe ich vom Künstler Herr Hüttengrund erlernt:

Leider ist es mein einziger Versuch geblieben ( dir faulen die Hände ab…grrrr), und an ihm sieht man die Graustufen leider kaum, weil ich Anfänger war.

Ich nehme eine Holzplatte und ritze mit einer Nadel das Motiv ein. Im Gegensatz zu einer Radierung ( bei der das Geritzte abgedruckt wird ) kann man beim Holzriss stärkere Grauabstufungen vornehmen:

Es wird das gedruckt, was man an Oberfläche stehen lässt!

} je tiefer ich ritze um so heller dann auf dem Druck!!

Macht mehr Arbeit, weil “ nicht  Benötigtes“ weg genommen werden muss.
Eigentlich macht/ritzt man ein sogenanntes Negativ!

Hier mein Holzbrett nach der Bearbeitung und leider schon voll mit Farbe nach dem Druck:

die Holzrissgrundlage

Dann kommt es unter die Presse:

"Der tägliche Tod"   Holzriss - Druck

Dieser Holzriss sollte mein tagtägliches Sterben ausdrücken! Habe ich im Jahr 2003 gemacht.

Noch einmal kurz Definition Radierung: In das Eingeritzte arbeitet man sorgsam die Farbe ein, wischt danach das Blech (Plaste auch möglich) wieder vollkommen sauber. Nur in den „Ritzen“ bleibt Farbe hängen. In der Presse wird das Papier regelrecht in die Ritzen gedrückt, wo natürlich die Farbe aufgenommen wird!

Holzriss: Mit einer Rolle wird Farbe über das Holz gewalzt, logisch, dass je höher das Holz umso mehr Farbe!
Der Druckvorgang wird dann ganz sanft vorgenommen. So entstehen dann mehr Grautöne.

EMDR – Therapieform bei posttraumatischen Belastungsstörungen

7. September 2013

Genau auf diese Art habe ich EMDR auf der Traumastation  erlebt!

Nun, Ergebnisse kann ich noch nicht fühlen, da ich erst ganz am Anfang stehe! (4 Intervalle folgen noch)

Dieser Text ist aus dem Internet gefischt. Ist so klar und einfach erklärt, dass ich nicht von meinen Erleben reden muss. Dies hier ist für jeden Laien verständlich. Und ich kann im Moment nicht gut schreiben oder nachdenken. Mir geht es zu schlecht.

EMDR = Eye Movement Desensitization and Reprocessing

Eye Movement Desensitization and Reprocessing, kurz EMDR, ist eine von Francine Shapiro in den USA entwickelte Behandlungsmethode für Trauma-Betroffene aus dem Bereich der Psychotraumatologie.

Bei EMDR regt der Therapeut den Patienten nach strukturierter Vorbereitung zu bestimmten Augenbewegungen an, wodurch es möglich werden soll, unverarbeitete traumatische Inhalte zu verarbeiten.

Inhaltsverzeichnis
1 Abgrenzung
2 Entstehung
3 Wirkungsweisen und Hintergründe
4 Ablauf
5 Gefahren
6 Wissenschaftliche Anerkennung

1. Abgrenzung
Trotz oberflächlicher Ähnlichkeit, etwa durch die angeleitete Augenbewegung, ist EMDR nicht mit Hypnose zu verwechseln. Es soll keine Veränderung des Bewusstseinszustandes, sondern vielmehr eine Integration der mit dem Trauma verbundenen Emotionen und Empfindungen erreicht werden.

2. Entstehung
Francine Shapiro hatte die Idee zur Erprobung und Untersuchung dieser Methode zufällig beim Spazierengehen im Park. Sie bewegte die Augen hin und her und erlebte eine deutliche Entlastung von Ängsten und depressiven Gedanken im Zusammenhang mit der bei ihr diagnostizierten Krebserkrankung.

3. Wirkungsweisen und Hintergründe
Nach einem Trauma kann es zum sogenannten „Sprachlosen Entsetzen“ (speechless terror) kommen, d. h. in der rechten Hirnhälfte werden Bilder prozessiert, die der Patient vor Augen hat, während das Sprachzentrum aktiv unterdrückt wird. Der Patient kann das Geschehene so nicht in Worte fassen, wodurch nachfolgend eine Verarbeitung des Erlebten erschwert wird. Es gibt bereits eine Vielzahl von Studien, die die Wirksamkeit von EMDR belegen und versuchen, die Wirkungsweise zu ergründen. Es wird angenommen, dass durch die bilaterale Stimulation mittels bestimmter Augenbewegungen (oder auch akustischen oder taktilen Reizen), eine Synchronisation der Hirnhälften ermöglicht wird, die bei der posttraumatischen Belastungsstörung gestört ist. Erklärend wird auch Bezug genommen auf eine Schlafphase, bei der starke Augenbewegungen stattfinden und zugleich ein erhöhter Verarbeitungsmodus des im Alltag Erlebten vermutet wird.

4. Ablauf
Das eigentliche Durcharbeiten der belastenden Inhalte, durch Augenbewegungen oder andere Stimulationsarten, ist dabei ein recht später Schritt im Therapiemanual.

Anamnese:
Zunächst muss eine genaue Anamnese erhoben werden, bei der z. B. die traumakompensatorischen Bewältigungsversuche des Patienten erfragt werden. Auch muss zuvor abgeklärt werden, ob gleichzeitig eine sogenannte dissoziative Störung vorliegt (hierbei werden Teile des eigenen Erlebens ausgeblendet/aktiv unterdrückt).

Stabilisierung: 
Die Stabilisierungsphase dauert je nach Lage der Ressourcen oft sehr lange. Besonders bei einer dissoziativen Störung muss als vorrangiges Therapieziel zunächst eine Grundstabilisierung des Patienten erreicht werden, die die Fähigkeit des Patienten stärkt, sich der Traumathematik vorsichtig und dosiert zu nähern und sich vor einer möglichen ungesteuerten „Überflutung“ mit belastendem Erinnerungsmaterial aktiv zu schützen.
Auch hierbei kann EMDR hilfreich sein, z. B. durch eine mittels angeleiteter Augenbewegung erfolgreichen Verankerung positiver Imagination wie „der innere sichere Ort“ oder „der innere Tresor“ nach Dr. Luise Reddemann.

Bewertung:
Einer einzelnen ausgewählten Erinnerung, also einem „einzelnen Bild“, das den belastetsten Teil einer Traumathematik darstellt, wird vom Patienten eine aktuell zutreffende negative Kognition, (z. B. „ich bin hilflos“) zugewiesen sowie auch eine positive, die er in Zukunft damit verbinden möchte (z. B. „ich kann heute etwas tun“ – was dann als eine Ressource zu verstehen ist). Die an dieser Stelle eingeschätzte Belastung der Situation soll im folgenden Bearbeitungs-Prozess sinken.

Desensibilisierung: 
In dieser Phase wird die Traumabearbeitung durch die Augenbewegungen begleitet. Während an die Traumathematik gebundene Energie freigesetzt wird, kommt es häufig zu unterschiedlichsten sogenannten Abreaktionen (wie z. B. Weinen, heftiges Atmen, Übelkeit u. a.), die erinnerte Situation verliert so ihre emotionale Aufladung.
Zur Bearbeitung einer Traumathematik sind meistens mehrere EMDR-Sitzungen nötig. Einflechten von sogenannten Ressourcen z. B. „hilfreiche innere Wesen“ oder „ideale innere Eltern“, die zuvor z. B. mit Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie installiert wurden unterstützt oftmals diese Phase.

Verankerung: 
Empfindet der Patient bei der erinnerten Situation keine Belastung mehr, wird die positive Kognition nochmals überprüft und mit Augenbewegungen verankert.

Körper-Test: 
Alle Missempfindungen zur erinnerten Situation sollten bei einem kompletten Abschluss der Sitzung verschwunden sein.

Abschluss: 
In der Besprechung zum Abschluss der Sitzung wird der Patient auf das „Nachprozessieren“ (z.B. in Träumen) hingewiesen. Es bringt eventuell neues Material für weitere Sitzungen hervor und sollte in einem Tagebuch festgehalten werden.

5. Gefahren
Die Behandlung dissoziativer Störungen sollte erfahrenen Traumatherapeuten vorbehalten bleiben, da der Patient sonst gefährdet ist, im Zuge der Behandlung retraumatisiert zu werden, das hieße, erneut überschwemmt zu werden mit den angstmachenden Gefühlen. Der Patient würde dann die auslösende Situation ungeschützt noch einmal durchleben. Dann würde die Traumatherapie mehr schaden als nutzen: die Symptome könnten sich vertiefen – möglicherweise in bedrohlichem Ausmaß, eine weitere Behandlung wäre erschwert. Eine sorgfältige Vorbereitung und Abklärung von Komorbiditäten (gleichzeitig vorliegender anderer Erkrankungen) ist bei der Traumatherapie also sehr wichtig.
Wichtig ist auch die Abklärung der damaligen Bewältigungsstrategien des Traumas, da auch diese durch das EMDR getriggert werden. Wenn z. B. damals nach dem erlebten Trauma suizidale Tendenzen bestanden, können diese auch nach der EMDR-Sitzung reaktiviert werden, über diese Verbindung muss der Patient vorher aufgeklärt werden.

6. Wissenschaftliche Anerkennung
Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie verabschiedete in der Sitzung vom 6. Juli 2006 ein Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen. Gemäß diesem Gutachten kann die EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen bei Erwachsenen als wissenschaftlich anerkannt gelten.

Wie erlebe ich mich?

25. August 2013

25.8.13

Leicht ist es nicht, mein Innenleben zu beschreiben. Aber mit jeder überstandenen Krise wird das innere Bild immer klarer.

Vor 11 Jahren, bei meinem Totalzusammenbruch, passierte etwas sehr Merkwürdiges. Im Zusammenhang mit den Flashs landete ich in einem Zimmer, das wohl für so einige Etappen meiner Kindheit steht.
Wie nun erlebe ich das Leben, die Welt, mein Fühlen seitdem?

Ich bin in einer Kiste, aus Holz und teilweise Korbgeflecht.
Diese Kiste ist gleichzeitig ein Zimmer im schummrigen Licht mit nur einer „Nach-Innen-Tür“. Ich starre wie hypnotisiert auf diese Tür, rutsche dabei immer dichter an das Kopfende des Bettes, umklammere meine Beine. Die Tür wird etwas zu mir herein lassen. In Erwartung des absolut Bösem verharre ich seit  Jahren in dieser Position.
Die Tür lässt überhaupt nichts nach außen dringen. Ich habe keine Möglichkeit, etwas nach außen zu bringen, geschweige denn selbst nach außen zu gehen. So wird das Zimmer für mich wie ein eisernes Band, das sich über meine Brust legt und immer enger wird.
Viele Ich-Wesen sind aus mir herausgetreten, schweben an der Zimmerdecke nervös durcheinander, von einer Ecke in die andere, so, als suchten sie ein Entrinnen.
Dies beschreibt meinen üblichen Tagzustand.
Dieses Umherschwirren im Fluchtversuch schafft in mir eine enorme körperliche Angespanntheit, die ich trotz aller Entspannungsübungen nicht loswerden kann.

Die Kiste hat Ritzen, durch die manchmal etwas nach innen dringt. Meist sind es Trigger, die meine Ich-Wesen in ein völliges Chaos stürzen.
Und im Moment der gefühlten Bedrohung scheinen die vier Wände dieses Zimmers gleichzeitig eine Garantie zu sein, dass sie mich beschützen, dass sie nichts an Gefahr zu mir hindurchlassen.

Das Zimmer als schützendes Verlies meiner Existenz.

Wenn ich einigermaßen real im Alltag bin, kann ich das angespannt Sein nur mit Ablenkung etwas herunter schrauben. Da ich aber bisher noch keine wirkliche Traumatherapie gemacht habe, ist diese Ablenkung nur eine Verdrängung des Ganzen. Dies wiederum bringt meine Ich-Wesen in noch mehr Verwirrtheit, die Anspannung steigt, der Druck wird oft gefühlt unaushaltbar.
Mit etwas Glück kompensiert sich das mit körperlichen Schmerzen, denn sie sind besser auszuhalten; abartige Entspannung durch gefühlten psychosomatischen Schmerz und durch Körperflashs.
Mal völlig abgesehen davon, dass ich zusätzlich ununterbrochen meine Wirklichkeit zu überprüfen scheine durch schmerzhaftes Einreißen der Nagelhäute, ohne Pause. Der Schmerz als Wahrnehmung meiner Selbst, als Sicherheit, noch zu existieren.

Ich finde kaum noch in den Schlaf:
Wenn ich zur Nacht die Augen schließe, scheinen meine Ich-Wesen zu mir zurück zu kehren.
Was des Tags in meiner Außenhaut stattfand, findet sich nun in meinem Kopf. Gedanken überschlagen, überholen, überdecken  sich dermaßen, als wolle jeder einzelne zuerst zu Wort kommen. Ein Nicht-Denken-Können in der Überflutung von Gedanken. Das Gehirn findet keine Sortiermöglichkeit, kein Ablagefach, kein Ordnungssystem. Und so wälze ich mich Nacht für Nacht durch die Stunden durch scheinbar fremde Gedanken, die doch meine sind.

Und die Nacht macht das Zimmer dunkler und enger. Nichts kann durch die Wände nach außen dringen. So platzt es fast aus allen Nähten vor Gedankenfetzen, meinen Schreien, meinen Schmerzen. Alles ineinander vermengt, nicht zu entwirren.
Ein Morgen bedeutet völlige Erschöpfung, Schmerzen in fast allen Gliedern und der Angst, alles beginnt von vorn.
Jeden Morgen!
Jeden Tag!

Meine Sicht auf das Leben

31. Juli 2013

Mir ist sehr wohl klar, dass viele Leser über die Tatsache stolpern müssen, dass ich meist nur von meinem Innenleben schreibe.
Da kommen sicher Fragen auf, wie:
„Sieht die Alte nicht das Drumherum?“
„Warum jammert die immer so?“
„Hat die nichts anderes, mit dem sie sich beschäftigen kann?“
und so weiter und so weiter ……..

Nun, wären berechtigte Fragen, wenn mein Blog nicht ein ganz bestimmtes Ziel hätte.

Es geht nicht darum, was ich so tagtäglich erlebe, tue, welche Kontakte ich pflege oder so. Solche Dinge kommen in mein privates Tagebuch.
Es geht hier auch nicht darum, welche politische,  gesellschaftliche und philosophischen Meinungen ich vertrete.
Nein.

Mein Blog soll Gleichbetroffenen und deren Angehörigen und Partnern aufzeigen, wie es in einem so verqueren Innenleben abgeht. Was mich beutelt, nieder schmeißt, zweifeln lässt. Wie ich wieder nach oben steige wie Phönix, mich neu sortiere, kämpfe!
Klar habe ich es mit meinen Störungen nicht besonders leicht, auf meine Umwelt adäquat zu reagieren. Ist schon klar.
Und folglich muss ich viele innere Kämpfe ausfechten, die ich hier im Blog notiere.
Ich mache keinen Alltagsblog für Geschehnisse, sondern einen Blog über das desolate Innenleben einer chronischen PTBS frühkindlicher Traumata. Dazu gehören die Ängste nun mal, die Abstürze, die Flashs.
Und ich will berichten, was die Spaltung in mir für Probleme macht. Will die einzelnen Anteile benennen, mit ihnen umgehen lernen.
Also, liebe Leser,
es wird hier auf den Seiten IMMER nur um mein Inneres gehen.
Deshalb muss man nicht annehmen, dass ich kein äußeres Leben habe, versteht ihr? Für so etwas gibt es genügend andere Seiten im Internet.

Und noch einmal:
Lasst euch nie beirren von meinen Todesgedanken!
Glaubt mir, man kann sie in sich tragen, ohne sich jemals selbst das Leben nehmen zu wollen. Das hat einfach nur mit den Traumatisierungen zu tun.

Tod

28. Juli 2013

Immer wieder treffe ich in der Außenwelt auf Menschen mit Todesangst, und ich stelle fest, dass ich diese im Normalleben nicht empfinden kann. Die Aussicht auf den Tod ist das, was mein Leben irgendwie erträglich macht.
Was ist für mich der Tod?
Ein erholsamer Schlaf, ohne aufwachen zu müssen.
Ein – nichts fühlen müssen!
Aus der inneren Leere wird eine äußere. Einklang entsteht.

Oh Mann, ich erinnere mich gerade, wie oft ich mir als Kind vorgestellt habe, dass die Geburtsfrau an meinem Grab steht und weint. Als Beweis, dass sie mich ja doch irgendwie mochte. Als Kind diesen einen festen Wunsch zu haben, um nur ein einziges Mal ein Gefühl von ihr zu bekommen … Irre! Und doch immer wieder in den Gedanken damals.

Heute wird mir klar, dass diese Frau meinen wirklichen Tod eigentlich schon seit Jahrzehnten betrauern müsste, wenn sie es denn könnte mit ihrer Kälte.
Denn gelebt, wie ein Menschenwesen leben sollte, habe ich nie.
Zwei Seelen in meiner Brust: – eine, die immer auf der Bordsteinkante läuft, seit sie laufen kann;
eine, die sich einen Scheiß um die vielen Krebsfälle in der Familie schert und keine Vorsorge betreibt, damit es mal schnell geht;
eine, die bei Gewittern auf dem Eisenbalkon stundenlang steht und wartet;
eine, die nicht mehr aushalten kann und will!
– und die zweite Seele will seit 51 Jahren mein Überleben.
Ich weiß nicht, warum. Irgendetwas ist da in mir.
Wartet es? Wenn ja, worauf? Ist das Hoffen angeboren?
Worauf hoffen?
Einmal ganz tief zu fühlen, was am Dasein so schön sein soll?
Aber dieses Hoffen macht mich auch kaputt, jeden Tag mehr.

Manchmal wünsche ich mir, dass die Geburtsfrau nur einen einzigen Tag mal mein Fühlen und Erleben leben muss. Nur einen Tag. Den würde sie nie überstehen!!!! Nie!

In der neusten Epikrise steht, dass ich nur zwei Bewältigungsstrategien habe: Dissoziation und Vermeidung.

Voll erkannt. Nicht Betroffene können sich nicht hinein versetzen in die tägliche Überlebensqual! Klugscheißern können sie, und das war’s auch schon. Nun, woher sollten sie auch erahnen können, was in einem anderen Inneren abgeht. Erzählen tue ich sowieso nur einen Bruchteil, weil ich es sowieso nicht wirklich in Worte fassen kann, und weil ich nicht glaube, dass mein Gegenüber diese Qual nur vom Erzählen her aushalten könnte.
So bleibt am Ende diese unfüllbare Tiefe in mir selbst.

Kein Selbstwert

23. Juli 2013

Selbst-WERT

Du störst – du bist selbst schuld – du hast dich unter zu ordnen – du machst meine Ehe kaputt – reiß dich am Riemen, sonst setzt es was – hör auf zu jammern – zieh nicht solche Gusche, sonst knallt es – man hat zu schlucken – Strafe muss sein – iss das gefälligst auf – hab dich nicht so – geh in dein Zimmer, was willst du hier – hättest vorher überlegen müssen, nun ist zu spät (Prügel) – du denkst immer erst hinterher – brauchst dich nicht zu wundern über die Reaktionen der anderen – wofür suchst du einen Schuldigen – nein, ich habe dich nie geliebt, weil die Heimschwestern meine abgepumpte Milch dir nicht brachten…

In meinem Selbst:
Ich bin nichts wert – bin überflüssig – mich will keiner – ich bin selbst schuld – ich habe es verdient – ich bin zu dumm – kriege nichts auf die Reihe – ich darf nichts wollen- ich darf nichts fühlen – und erst recht nicht zeigen – an jeden Echo bin ich selbst schuld – man kann mich nicht lieben – habe Liebe nicht verdient – bin zuviel auf der Welt…

Zwei voneinander getrennte Absätze, auf die ich wirklich nicht eingehen muss.
Ein irres Selbstbild von mir, dass mich Schritte auf Menschen zu nur selten und sehr zögerlich machen lässt. Immer weg geschoben als Kind, nicht wahrgenommen als Menschlein … was bleibt da in mir? Ich bin es nicht wert. Punkt! Jede Annäherung von mir an andere empfinde ich als Anmaßung von mir, als ein Aufdrängen.
Es geht einfach nicht in meinen Kopf hinein, dass eventuell Leute mich mal gern um sich haben. Geht gar nicht! Wie auch, bin schlecht, sonst hätte man mich als Kind doch geliebt, oder?

Ich bin gar nichts wert.
In mich eingebrannt, vom Introjekt immer wieder neu heraufgeholt, in Stein gemeißelt!

Sehe gerade einen Zusammenhang zum Thema EINSAMKEIT.

Was ich oft träume?????
Ein einziges Mal an einem Menschen anlehnen, ohne auf dem „Sprung“ zu sein, auf der Hut!

Nur ein einziges Mal so etwas fühlen dürfen …. Beistand in absoluter Sicherheit!!!!!

Allein

5. Juli 2013

Freitag, den 5. Juli 2013

Es schleudert mich ziemlich hin und her, wenn am Tisch immer Gespräche sind über Familie, von Ehemännern, die einen abholen, von Schwestern, die besuchen, von Eltern und anderen lieben Verwandten. Oft denke ich, diese Dinge sind schon Trigger für mich.
In solch Gesprächen wird mir immer meine Einsamkeit bewusst.
Gut, ich habe zwei Freundinnen seit über 40 und über 30 Jahren. Aber wir sehen uns so selten, weil jeder in einer anderen Stadt wohnt, und ich meist das Verreisen scheue.
Alles, was ich vor Jahren in meiner Stadt als Bekanntschaften hatte, habe ich nach und nach gekänzelt. Der Gedanke will nicht aus meinem Kopf, dass, auch wenn ich nichts über mich erzähle, den anderen die Laune verderbe, weil ich eben nicht stets und ständig lustig sein kann. Bei echten Freunden darf man unzulänglich sein, nicht aber bei den üblichen Bekanntschaften, die nie sehr tief gehen. Merke auch von Jahr zu Jahr mehr, dass mir Bekanntschaften nichts geben. Ich lehne mit immer größerer Macht die Oberflächlichkeiten ab. Nein, eher kriege ich eine Krise, wenn Nichtigkeiten zu Problemen aufgebauscht werden. Natürlich ist mir gleichzeitig bewusst, dass Probleme ja immer subjektiv sind, und ich die Akzeptanz aufbringen sollte. Tue ich auch, aber eben nur nach außen. Im Inneren sieht es ganz anders aus. Und dann komme ich irgendwann auf den Punkt, dass ich mich unehrlich fühle. Damit gehts mir dann so mies, dass ich mich aus dieser Bekanntschaft zurückziehe. Badabum, wurden es immer weniger.
Wo war ich eigentlich?
Bei der Einsamkeit!
Ich höre hier den Mitpatienten zu, kann mich für sie freuen. Aber in mir drin steigt dann so ein Schmerz auf… uhu! Am Schlimmsten ist es, wenn über die liebste Mama geschwärmt wird.
Und wieder wird mir klar, dass alle von uns (meine Anteile) noch immer die Sehnsucht haben, irgendwo dazu zu gehören. Zu irgendeiner Familie…. oh Mann, das klingt so Scheiße, ist aber schon in Kindertagen so gewesen, dass ich mich immer in eine liebevolle Familie gewünscht habe.
Heute ist die Formulierung vielleicht so: „Möchte irgendwo ankommen, zuhause sein.“
Blöd, blöd, weiß ich. Aber ich kann nichts gegen dieses Fühlen von Innen machen.
Am Schlimmsten sind die Tage, an denen es in mir drin so richtig danach schreit, weint, brüllt, krampft. Kaum auszuhalten. So ne alte Tante und noch so ein bescheuertes Fühlen, ich weiß. Nur weiß ich eben nicht, wie es weg gehen soll.
Nach zwei EMDR – Sitzungen hat sich noch nichts an Fühlen in mir geändert. Leider. Montag ist die nächste, ich will arbeiten, kämpfen, durchhalten, damit ich endlich aus der ganzen Misere raus komme.

Anteile 2003

5. Juni 2013

Freitag, den 15.4.2003

Kaum allein im Auto unkontrolliert die Tränen.
Du bist 10 und heulst. Warum tut sie mir das an? Lieben und verlieren? Ich will zu meiner Mutti, weint es in mir. Viel kleiner. Wein nur!

Hör nicht auf Frau M., da ist kein Sinn. Lass dich nicht verschaukeln. Da ist er wieder, der Rebell.

Pfeif drauf.

Ich erkenne dich, schnoddrig, Schauspieler, du cooles Arschloch hast kein Respekt.
Aber oft die Hilfe, keiner merkt was.
Offensiv; da kommt keiner ran.
Lässt nichts durch. Danke.
Ich durchschaue dich, bist die Abwehr mit der großen Schnauze. Du passt nicht hierher, rede heute anders.
Du blamierst mich. Aber bleib ruhig da. Hinter dir sehe ich die Kleine.
Du hast sie lieb, stemmst deine Arme in die Hüften.
Danke. Da kommt wirklich keiner durch.

Aber was soll ich mit dir tun?
Irritierst mich, zu wenig Platz da.
Ich rücke schon etwas.
Aber du drängelst. Machst deine Witze.
Und die Zähne tun mir weh. Was presst du so?

Bist wütend. Glaub ja nicht, dass ich das nicht merke.
Woher kenn ich dich bloß? Dieser Zorn in dir, diese Kälte
.
Frau Br..mann geht über den Schulhof. Ja, ich laufe los. Und bemerke den Irrtum – es ist nicht meine Mutter. Nur die Haarfarbe stimmt und das Grün in den Augen. Irgendwann gibt meine Freundin ihr mein Tagebuch. 8. Klasse. Der Tag wie heute. Es ist das erste Mal in meinem Leben, wo der Wunsch da ist: “ Bitte hilf mir!!!”  Peinlich, ich vergöttere sie. Dann der Schlag ins Gesicht. “ Ich will damit nichts zu tun haben.”

Hi, Kathrin, hab nach dir gesucht heute. Du erinnerst dich gut, nicht?

Ja, glaub, es war der erste Versuch in meinem Leben – mein erster Hilfeschrei. Nur wegen der Haarfarbe? Nein! Sah sie mit ihrem Kind, 3 Jahre. Zwischen den beiden sah ich Liebe. Weiß noch, ich wollte dazugehören. Eiskalte Abfuhr. Das Buch hab ich in den Ofen gesteckt. Schade! Was stand da drin? Keine Ahnung!

Ab da waren selbst die Lehrer blöd. Und mein Entschluss: Ich mach es besser. Ich werde Lehrer. Dir werde ich es schon zeigen!

Jetzt ahne ich woher du kommst, Rebell. Ahne ich? Warum bin ich mir so sicher? Höre ich dich in Gedanken oder sind es meine Gedanken? Mein Schädel will platzen. Kann doch nicht sein, dass du das Denken übernimmst.

Patientin Dora heute in der Gruppenvisite: “ Dass mir meine Mutter nicht mal 50 Euro anbietet.”

Da warst du plötzlich da, frech grinsend: “Wie kann man so etwas von einer Mutter erwarten. Mädel, du bist naiv. Mütter sind kalte Schweine!”
Meine Zähne tun weh. Aber wir stehen über den Dingen.
“Naives Ding, kennst das Leben nicht.” Lauthals lachst du.

Willst nicht hören lassen, wie es weint hinter dir. Na ja, besser als der Schmerz.

Nachtrag: In der Visite erlebte ich zum ersten Mal zwei Anteile gleichzeitig in mir! Hat mich überfordert, bin danach ins Gelände abgehauen, um wieder runter zu kommen! So ein durcheinander Gequake im Kopf machte Angst!

SMS-Pause …..

Ich sortiere:
das Baby, die Kleine, Mariechen, 10 Jahre, 12 Jahre, der Rebell, das Schlitzauge

Sitze blöd da und frage: Wo ist Kathrin??

K A T H R I N . Scheiß Name.

Meine Schwester J. hieß immer J…, mein Bruder M. immer M…! Ich war immer nur Kathrin. Meinen Wunschnamen hat das erste Mal Edit (Ungarn) ausgesprochen: Kathi.
Oje, ich kapier hier was.

Gute Nacht! Will schlafen.

Eiskalter Tropfen
fällst auf meine Haut
und bist erstaunt
dass ich nicht aufschrecke
Wer ist nun hier im Vorteil?

Kann nicht schlafen. Die Tränen wollen kullern. Weil ich verstehe, was damals passiert ist. War die Enttäuschung so groß? Tat es so extrem weh, dass ich rebellisch werden musste? Obwohl ich verwirrt, geschafft, ausgelaugt bin, etwas Mut mit der aller ersten Erkenntnis: Wann, in welchem Moment in mir etwas Neues entstand. Und ein klein wenig Hoffnung da, dass ich vielleicht auch noch viel mehr verstehe irgendwann.

Eins ist mir seit 2 Wochen enorm bewusst geworden: Schon und nur allein das Wort – MUTTER – lässt alles kippen – Chaos – unkontrollierbar alles.

Deshalb die Angst vor den Gruppenvisiten? Jeder zweite Patient benutzt dieses Wort. Ich hasse das. Kriege Panik – so viel kommt hoch – staune – da braucht es kein Sofa – bin ausgeliefert – selbst in jedem Einzelgespräch.

Jeden Tag neu

29. Mai 2013

An manchen Tagen frage ich mich, wo die Kraft herkommt. Sie ist da und ich tue Dinge, die an anderen Tagen nicht mal zu denken wären.
Logisch, dass ich Post von der Staatsanwaltschaft bekam, mit der Info, dass laut Gesetz … bla, bla… das Verfahren eingestellt wurde. Wusste ich vorher. Aber dass ich den Mut und die Kraft habe, Beschwerde dagegen einzulegen, das hab ich nicht von mir erwartet. Ich habe um „Ruhen“ gebeten, bis das neue Verjährungsgesetz auf den Weg gebracht wird. Ohne Nachdenken um die Folgen ab in den Briefkasten.
Natürlich denke ich seit Monaten darüber nach. Warum tue ich das? Welchen Zweck verfolge ich? Was soll das bringen?
Nun, mir bringt es nichts… nichts für mein Leben, nichts für mein Empfinden in Zukunft.
Rache? Blödsinn.
Was treibt mich?
Und dann bemerke ich an mir die Explosionsgefahr, wenn ich auf der Straße, ach, egal wo, Menschen erlebe, die ihre Kinder anschreien, sie ohrfeigen, schubsen, kneifen oder ähnliches. In mir steigt alles an Schmerz auf, ich bekomme Wut, ich verzweifle. Verstehe nicht, dass noch heute im Jahr 2013 der Mensch noch immer nicht verstanden hat, was er Kindern antun kann.

Und dann wird mir klar, dass ich trotz der widrigen Umstände des Aufwachsens meiner Eltern, noch immer kein Verzeihen ihres Verhaltens fühlen kann. Und mir wird auch bewusst, dass ich AN STELLE tausender Kinder diesen Schritt gehen will-Strafverfolgung.
Wie viele Kinder werden sich noch das Leben nehmen, in Psychiatrien versteinern, nur Angst kennen und kein wirkliches Leben führen können? Wie viele noch? Wann hört das auf? Und wie viele Eltern dagegen werden weiter ihr Leben leben in Beschaulichkeit und ohne Reue? Ich krieg nen Hals!!!!

Es muss endlich ins Bewusstsein der Menschen getragen werden, was heute noch in Familien passiert.
Ich halte das einfach nicht mehr aus.
Und wenn ich auf mich sehe, erkenne ich die Wut und die Verzweiflung darüber, dass mein Erleben nicht mit dem Tod der Eltern enden wird, sondern erst mit meinem eigenen Tod, dem physischen, dem unabdingbaren.
Den wirklichen Tod kenne ich schon lange. Da ist jeden Tag ein bisschen mehr an sterben, jeden Tag.

Jeden Tag.
Jeden Tag, an dem ich erlebe, dass ich immer noch die abgestempelte Schuldige bin, die ihre Klappe nicht halten will, die sich aufbäumt.

Jeden Tag neu das Erleben, nicht zur Familie zu gehören. Jeden Tag neu, verlassen zu werden. Jeden Tag neu! Das wird nie aufhören. Nie! Weil es zu meinem ICH gemacht wurde.
Und jeden Tag neu muss ich des Überlebens wegen die falschen Mechanismen des Dissoziierens einsetzen, damit ich den Abend erlebe. Jeden Tag neu!

Wie vielen Millionen Kindern auf der Welt soll das noch passieren, bis endlich mal die Erde in einem Ur-Endlos-Knall zerfällt?
DAS lässt mich verzweifeln!!!
DAS!

Tränen    Tränen              

1                         

 

 

 

Fetzen vor 10 Jahren ! Triggergefahr

28. Mai 2013

Tagebuch
Montag, den 31.März 2003

Hab mich ausgeweint bei G. S.. Kann es nicht glauben. Verstehe nicht, wie man so etwas abspalten könnte.
Am Freitag im Einzelgespräch erzähle ich von der Abweisung durch meine Mutter, der immerwährenden Angst. Und, dass ich nie weinen durfte oder auch nur eine Stimmung zeigen durfte. Frau M. fragt: ”Haben sie in der Schule geweint?”
Sprachlos sitze ich da und begreife: Nie in meinem Leben hat das Kind je über seinen Schmerz geweint vor anderen Menschen. Erst hat es die Mutter verboten, dann hab ich es mir verboten.

Und ich fange an zu verstehen, was aus mir geworden ist.
Und ich beginne langsam für mich zu akzeptieren, dass ich aus mehreren Seelen bestehe. In den letzten Wochen haben sich da der Säugling gezeigt, das Kleinkind und die 12 jährige. Glaube ich mal erwachsen zu sein, dann ist in Wahrheit die 12 jährige da. Sehe es an meinen Gesten, der Mimik und dem total verspielten Wesen. Und daran, wie ich vor Angst zittere, wenn es an ein Gespräch geht.
Und zum ersten Mal konnte ich fühlen, dass ich das traurige Kind in mir in den Arm nehmen kann und muss. Nur so kann der Schmerz raus und die Seele gesunden.
Erst letzten Donnerstag war das Kleinstkind da, das in der Ecke zusammengekauert hockte und den Schmerz und die Einsamkeit heraus schrie. Frau M. brauchte sehr lange um mich aus dieser falschen Zeit heraus zu holen. Und danach kamen die Erinnerungen bis ins Detail: wie meine Mutter zu mir war und was ich tagtäglich für Ängste ausstehen musste.
Wie ich den heutigen Tag verarbeiten soll und kann, das weiß ich noch nicht. Vielleicht sitze ich gerade dazu jetzt vor meinem Tagebuch.
Heute erzählte ich wieder von meiner Mutter, um zu erklären, warum ich vor den anderen in der Klinik einfach nicht weinen kann.

Neu ist zwar, dass ich nicht mehr “abhaue”/ mein Geist ist nicht mehr anwesend/ nehme die Umwelt nicht mehr wahr/ verflüchtige mich auf meine Wolke, die mich endlich mitnehmen soll — nein, ich hau nicht mehr ab.
Da ist plötzlich die 12 jährige mit ihrem pubertären Widerstand, der Gegenwehr, dem Trotz – ist anwesend, übernimmt den Schmerz und hält die Kleine im Arm. Bin also irgendwie da und verstehe, was um mich herum abläuft. Gleichzeitig stellt sich mir die Frage, wo ist die 41 jährige??? Frau M. jedenfalls hat sie noch nie gesehen.

Im Gespräch landete ich logischerweise wieder bei den Prügeleien meines Stiefvaters. Denn zu tief sitzt der Schmerz, dass mir niemand je zu Hilfe eilte. Meine Mutter sah einfach weg, meine Geschwister durften das “Prügelzimmer” nie betreten während der Schläge und auch lange Zeit danach nicht.
Fühle noch wie heute, wie ich zusammengekauert am Ofen hocke und mir die Seele aus dem Leib weine, Minuten und Stunden danach. Und niemand durfte zu mir, mich trösten. Mein Brüderchen wimmert in seinem Zimmer, meine Schwester musste alles im Nebenzimmer mit anhören.
Ich erzählte weiter, dass irgendwann (als ich ungefähr 13 war) meine Schwester sich vor meinen Vater warf und gegen ihn ankämpfte um mich zu schützen. Es war das erste und einzige Mal.

Was ich aber nie begriff war: Warum übernahm ab diesem Moment meine Mutter die Funktion des Schlägers??
Warum hörte sie nie, wie ich unter ihren Schlägen nach ihr rief: Mutti!! ?????

M. fragt mich: “ Was fühlen sie bei den Schlägen ihres Stiefvaters? Was genau tut ihnen weh?”

Weinend sitze ich da, spüre die Schläge auf meinem Körper einprasseln – aber da ist kein Schmerz, der von den Knochen ausstrahlt, von der Haut oder dem Kopf.
Wieder fragt M.:
“Was nehmen sie von ihrem Körper wahr? Wo tut es weh?”

Ich fühle, wie mir die Brust, der gesamte Oberkörper zerspringen will, spüre meine Beine nicht mehr, meine Scheide drückt, scheint doppelt und dreifach so groß – ich sitze darauf, sie ist im Weg.
Ich will aber nichts sagen.
M. drängt mich, auszusprechen, was ich gerade fühle.
Kriege Panik, mein ganzer Körper weint. Tränen fließen so viele, wie schon Jahre nicht mehr.
Aber ich kann es sagen – es rückt so ins Bewusstsein. “Meine Scham ist doppelt so groß.”
Jedes andere Wort über mein Geschlechtsteil ist in diesem Moment so widerwärtig für mich.
Riesiges Entsetzen breitet sich in mir aus, eine Klappe fällt.
In mir bäumt sich etwas auf und ganz tief in einem Eckchen ist da jemand, der mich ansieht und sich dann hinlegt mit einem Hauch von Erleichterung auf dem Gesicht.

Jetzt, noch Stunden danach, spüre ich das in jenem Moment Gefühlte. Will es nicht begreifen, nicht wahrhaben. Was war da im Zimmer passiert?? Finde keine Bilder, bin verzweifelt, möchte mich irren.
Stunden später:
Habe viel geweint, mit B. geredet, bin erschöpft, will schlafen.

Ich erinnere mich an M., wie sie bemüht ist, meine (auf sie übergesprungenen) Gefühle abzustreifen. Ich sehe sie so anteilvoll, schützend und stark. Fühle mich geborgen. Ich weine vor Erleichterung. Werde den nächsten Tag schaffen. Gute Nacht.

Ohnmachten

19. Mai 2013

In Ohnmacht zu fallen, das kannte ich als Kind schon sehr früh. Ob es beim Anstehen beim Bäcker war, und ich (7 J.) dann von einem Wildfremden nach Hause gebracht wurde, oder in der Schule, was ich oft verheimlichen konnte vor den Eltern.
Aber das Wissen um deren Ablauf … das Kribbeln im ganzen Körper, dann das Flirren vor den Augen, dann die Angst, nicht mehr zu erwachen, dann das langsame Einsetzen ins Nichts zu fallen… das kannte ich zur Genüge.
So war ich sicher im Vorteil bei unserem Lieblingsspiel in der Schule:
Du umarmst den anderen von hinten in Höhe des Brustkorbes, und drückst so lange zu, bis dir die zuschauenden Mitschüler ein Stoppzeichen geben. Das kam entweder bei einem Zeichen des „Opfers“, oder wenn man diesem zu sehr Luftnot ansah, oder wenn die Ohnmacht eintrat.
Kann nicht sagen, wie wir auf solchen Unfug kamen. Aber von mir selbst weiß ich noch, dass ich selbst irgendwie durch das Spiel gehofft habe, die Angst vor den Ohnmachten zu verlieren. Funktionierte nicht.
Ohnmachten zogen sich durch meine Jugend, wenn es mir zu eng wurde um mich, zu viele Menschen, zu laut alles.
In der Zeit der Ehe hatte ich wohl keine, denke ich! Kaum aber war der Mann aus meinem Leben, waren sie wieder da.
Ich bin mittlerweile Meister im Erkennen der Vorboten, lege mich blitzschnell auf den Fußboden, und suche etwas um die Beine nach oben zu halten. Und in solchen Momenten, die noch immer mit der Angst behaftet sind, sterben zu müssen, ist es mir völlig Wurst, wie die Umwelt mich sieht…Hauptsache nicht ohnmächtig werden!!
Das schlimmste Ankämpfen dagegen war so um das Jahr 2000. Wir waren in Ungarn, der Sohn einer Freundin hatte mir seine Cannabiszigarette gereicht. Oja, ich wollte einmal im Leben ausprobieren, was Drogen so mit einem machen, und wie das lustig Sein damit ist. Uh ah, da war nichts mit lustig. Bin leider ein Typ, der wohl so etwas nicht verträgt. Für mich war es ein Horrortrip über 3 Stunden. Einen Notarzt wollten die anderen nicht holen … na ja, im Ausland, reingeschmuggelte Drogen und so!
Über zwei Stunden hing ich in den Armen von zwei Freunden, sie schleiften mich im Kreis im Garten herum, wieder und wieder. Ich lallte immer nur von: nicht stehen bleiben, nicht ohnmächtig werden, das würde Tod bedeuten, kümmert euch um mein Kind … Bua, es war grausam für mich! Nach zwei Stunden hatten die beiden keine Kraft mehr und packten mich ins Bett.
Na, das war dann der Gipfel.
Ich schwebte an der Decke, sah auf das Geschehen im Zimmer hinunter, sah mich dort liegen, Schleier über Schleier…irgendwann schlief ich ein. Mein erster Versuch und so ein Scheiß!
Der nächste Versuch war im Jahr 2003. Alle saßen um ein Feuer herum, die Kippe wurde weiter gereicht, alle kicherten und hatten Spaß, und ich rang mit mir. Wollte mich auch mal frei fühlen.
Hm, dachte: Nur ein einziger kleiner Zug!
Pustekuchen! Blitzschnell wieder an der Ohnmacht. So schnell die Beine mich tragen konnten, verzog ich mich ins Haus, wo niemand war. Legte mich auf den Boden, packte die Beine auf einen Stuhl und betete: Nicht ohnmächtig werden.
Oh Mann, es drehte sich alles, mir war schlecht, mein Körper wollte sich in Luft auflösen. Hat er aber nicht.
Nun, an diesem Punkt wusste ich, dass ich selbst Drogen absolut nicht vertrage, dass die scheinbar für andere Menschen einsetzenden Rauschgefühle nicht bei mir eintreten, sondern eher die Todesangst.
Klingt jetzt blöd, aber es hat mich traurig gemacht in Anbetracht dessen, dass ich auch Alkohol nicht vertrage.
Das mit dem kurz vor der Ohnmacht stehen und dagegen ankämpfen ist immer noch aktuell, aber der soziale Rückzug verhindert die Häufigkeit.

Prügelstrafe „Schwarze Pädagogik“

11. Mai 2013

Zitate aus „Die geprügelte Generation“ von Ingrid Müller-Münch

Märchen 

Es war einmal ein Kind eigensinnig und tat nicht, was seine Mutter haben wollte. Darum hatte der liebe Gott kein Wohlgefallen an ihm und ließ es krank werden, und kein Arzt konnte ihm helfen, und in kurzem lag es auf dem Totenbettchen.
Als es nun ins Grab versenkt und Erde über es hin gedeckt war, so kam auf einmal sein Ärmchen wieder hervor und reichte es in die Höhe, und wenn sie es hineinlegten und frische Erde darüber taten, so half das nichts, und das Ärmchen kam immer wieder heraus.
Da musste
die Mutter selbst zum Grabe gehen und mit der Rute aufs Ärmchen schlagen, und wie sie das getan hatte, zog es sich hinein, und das Kind hatte nun erst Ruhe unter der Erde.

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Dr. med. Johanna Haarer, geb. 1900 schrieb Erziehungshandbücher,  darunter Propaganda von Nazis, mit Prügel zum absoluten Gehorsam, „Affenliebe zum Kind macht dieses verderblich.“ Beispiele sind Sätze: „ Entweder du spurst oder es knallt!“, „Entweder reißt du dich jetzt am Riemen, oder ich schlage dich windelweich!“

Johanna Haarers Bücher waren bis in den 80er Jahren bekannt, da noch über 1 Millionen Exemplare aufgelegt. Hauptaussage: „ Kinder sind chaotisch, bösartig und müssen deshalb gezähmt werden zu ihrem eigenen Besten.“

Viele Kriegstraumatisierten bauten auch durch die Prügeleien ihren Stress ab.

Das „Vicarous-Trauma“, das sogenannte Stellvertreter-Trauma ist die Tatsache, dass die Kinder das Kriegstrauma ihrer Eltern quasi für sich übernommen haben, sie durchlebten die ehemaligen Leiden der Eltern, als wären sie ihre eigenen Leiden gewesen.

Eltern wollen stets ihre Kinder beschützen, egal wie gewalttätig sie sich dabei geben. Sie sprechen aber nie über ihr Kriegserleben. So bleiben die geschlagenen Kinder immer mit der Frage zurück: Warum? Was habe ich falsch gemacht? Das Kind kann die Verbindung zwischen den Schlägen und dem, was die Eltern erlebt haben, einfach nicht herstellen.

Neben der körperlichen Gewalt ist die der seelischen Grausamkeiten genauso zerstörend. Psychoterror in den Familien zeigte sich durch Liebesentzug, Hausarrest, Schweigen, Demütigungen vor anderen, Bloßstellungen. Ein ständiges „Leise sein müssen“ vermittelt Kindern zu stören, in der Familie überflüssig zu sein. Es empfindet jeden Unfrieden in der Familie als eigene Schuld. Das Kind entwickelt in sich die Vorstellung. „Ich bin nicht richtig, egal wie ich mich anstrenge.“

Meine Schmerzen verdrängen – keine Blöße geben

10. Mai 2013

Mein Leben hat mich gelehrt, Schmerzen auszuhalten, zu negieren, sie nicht zu äußern!!!

Kindheit: Mein erster Erinnerungsschmerz liegt im 5. Lebensjahr. Ich war in einem Ferienlager, fiel von einem Doppelstockbett und brach mir den rechten Oberarm. Das Ding baumelte an mir herunter, wenn jemand den Arm fasste, war der Schmerz da. In den weiteren Jahren erinnerte mich Schmerz beim Weitwurf immer daran. Ich wurde zwar längst mit 5 Jahren zuhause geschlagen, aber an Schmerzen diesbezüglich habe ich keine Erinnerungen, nur an die irre Angst vor Prügel. Ich war dann als Schulmädchen sehr sportlich, aber auch hastig in den Bewegungen. Ab und an musste mich die Mutter aus einer Klinik abholen wegen Verstauchungen, Zerrungen, und erfreut war sie keineswegs. Im Gegenteil, da kam von ihr keine Besorgnis oder Fürsorge, sondern Schelte, weil sie vom Arbeitsplatz weg musste. Wenn ich an die vielen Ohrfeigen bis ins Jugendalter denke, dann ist da ein Erinnerungsschmerz. Diese kamen stets aus dem Nichts, ich musste immer auf der Hut sein. Heute noch zucke ich bei schnellen Bewegungen neben mir zusammen und gehe in Deckung. In den Prügelszenen war ich wohl meist wegdissoziiert, denn ich erinnere keine Schmerzen, wenn ich diese Szenen vor mir habe. Ich weiß aber noch, dass ich nie wusste, wie ich währenddessen mein Verhalten anpassen sollte, um weniger ab zu bekommen. Hoffte ich durch lautes Schreien vor Schmerz auf schnelle milde Stimmung, dann hatte ich meist das Pech, dass meine Laute den Vater noch wütender machten. Dann erinnere ich mich an die sturen Versuche von mir, keinen einzigen Mucks von mir zu geben. Das ging auch in die Hose, verstärkte eher den Frust beim Vater, weil er wohl meine unterwürfigen Schreie brauchte. Na dann erst ging die Post ab, denn ein stures, stummes Kind ist aufmüpfig und muss erst recht gezüchtigt werden. Als Kind dachte ich oft daran, wie viel Gegenstände meinetwegen ersetzt werden mussten, weil sie an meinem Körper zerbrachen. Kleiderbügel, Holzkellen, Besenstiele, Teppichklopfer. Gern nahm er den Hosengürtel, ein Schlüsselbund machte es auch. Nichts, aber auch gar nichts kann  mich an diese körperliche Schmerzen erinnern. Da sind nur dieses innere Zerreißen, diese Hilflosigkeit, dieses Verlassen sein, dieses nicht von der Mutter beschützt sein, völlige Leere und totales Bersten … alles gleichzeitig. Auf die Nachfrage vor kurzem, an die Lehrergeneration von damals, bekam ich die Auskunft, dass man sehr wohl an Kindern die Flecke und Verletzungen sah, es aber unüblich war, sich einzumischen. Es wurde also in den 60iger und 70iger Jahren darüber hinweg gesehen, Schläge gehörten noch zu der Erziehung.  Einmal schob ich 13jährig einer Lehrerin mein Tagebuch unter. Einen Tag später gab sie es mir zurück mit der Aussage, sie wolle damit nichts zu tun haben. Ich verbrannte es vor Enttäuschung am selben Tag im Ofen. Was da drin stand, weiß ich nicht mehr. Aber es war der erste Versuch in meinem Leben, um Hilfe zu bitten.

In meinem Haus waren die typischen Sprüche: Hab dich nicht so!, Stell dich nicht so an!, Jammerlappen ganz normal. Du solltest keine Befindlichkeiten zeigen. Hast du es doch getan, wurde es herunter gespielt. Also habe ich gelernt, dass man Schmerzen nicht äußert.

Auf der Oberschule habe ich mir einen Finger an einem Glas bis zum Knochen aufgeschnitten. Ich hatte ein angenehmes Gespräch mit dem Arzt, der auf meinen Wunsch hin ohne Betäubung den Finger nähte. Ich sah zu und plauderte mit ihm.

Studium: Ein Sportler hält alles aus! Halleluja! Das war in den 80iger Jahren auch eine eiserne Regel. Nun, ich hatte es sowieso zuhause gelernt, also konnte ich beim Sportstudium mehr wegstecken als viele andere. Schon im ersten Studienjahr schickte man mich zum Röntgen, weil die Rückbeuge im Rücken nicht so weit, wie üblich, möglich war, und ich Schmerzen hatte. Dort stellte man fest, dass ich einen Wirbel mehr im Steiß habe als normal wäre, und die Bandscheiben schon halb weg sind. Okay, ist logisch, da fehlt Platz, muss also wehtun. So dachte ich dann die Folgejahre. Zur großen Turnprüfung (alle Geräte) habe ich mir vorher beim Arzt eine Betäubungsspritze in ein schmerzhaftes Überbein am Handgelenk oben setzen lassen, damit ich teilnehmen kann. Ohne hätte ich die Hand nicht aufstützen können. Niemand sollte denken dürfen, dass ich mich drücken will. Das Überbein habe ich mir durch das viele Üben vorher zugezogen.

Tja, die Prüfung ging mit gutem Ergebnis für mich aus. So in etwa zog es sich durch die Studienjahre. Zähne zusammen beißen, keinen Schmerz zeigen. Als Speerwurfkampfrichter hatte ich einen Speer in meinem Innenknöchel stecken … was macht Kathrin? Nachdem der Speer abgeplumpst war, ging ich die weite Strecke zum Platzrand, das Blut quoll aus meinem Schuh, ich suchte einen Sani in aller Seelenruhe. Na und? Ist nur Schmerz, kannte ich doch!

Beruf: Üblicher Weise kam irgendwann im ersten Dienstjahr jemand zur Hospitation um dein Tun zu begutachten. Nur ein Satz davon ist noch in Erinnerung: „Fräulein B., mir ist aufgefallen, dass sie zu jeder Gelegenheit sitzen. Und das im Sportunterricht. Das ist nicht üblich!“ Ich war sehr erstaunt, weil mir vorher nie bewusst war, dass ich jede Gelegenheit zur Rückenschonung nutze. Nun, diese Meise habe ich nie geändert, weil es gar nicht anders ging. Tja und im Laufe der Jahre, in denen man ja auch aktiv wird im Unterricht, habe ich mir verschiedene Finger gebrochen, Stauchungen geholt, Bänderdehnungen, Nackenzerrungen und sonst was. Mit der Zeit habe ich selbst schon die Diagnosen stellen können. Konnte abwägen, ob ein Arztbesuch Zeitverschwendung wäre. Mit einer Ausnahme erst vor wenigen Jahren. Da ging ich nach 6 Wochen anhaltendem Schmerz dann doch mal, und musste ein Gezeter des Arztes über mich ergehen lassen, weil ein Knöchelgelenk in einem Finger dann wohl doch völlig abgerissen war. Na ja, passiert eben! Konnt ich ja nicht ahnen.

Meine Erwachsenenjahre bestanden in 7 Tagen aus 3 Kopfschmerztagen und 4 Rückenschmerztagen oder umgekehrt. Woche für Woche, Monat für Monat, und Jahr für Jahr. Alles an Schmerzmitteln war nicht mehr wirksam bei mir, hatte sich meinem Körper „angepasst“ und half nicht mehr. (Dass ich noch kein Loch im Magen habe, ist ein Wunder.) Irgendwann kam der Punkt, wo ich nur noch auf dem Sofa lag und lieber hätte sterben wollen, als die Schmerzen weiter auszuhalten. Hatte dann aber Glück, eine ambulante Schmerztherapie machen zu können mit irgendwelchen Psychopharmaka, die die Schmerzschwelle wieder runter setzten. Hat mir echt geholfen. Der Witz am Ganzen: Es waren psychosomatische Schmerzen weiß ich heute, und die Psychopillen haben mir auch gut getan. Ja, man hätte es damals besser wissen sollen. Aber das Wort Depressivität kannte ich nicht für mich, nur die tiefen schwarzen Löcher, die mir seit der Kindheit bekannt waren.

Zur Weihnachtszeit 1997 oder 98 bekam ich von einem jungen Mann den verpatzten Volleyballaufschlag voll an die Kopfseite, während ich noch am Netz rum fummelte. Die Schmerzen habe ich dann bis zum 3. Januar ausgehalten, dann plötzlich konnte ich keinen Fuß mehr setzen, die Arme nicht mehr heben. Also ins Krankenhaus. Atlasbogenbruch, auf Deutsch – Genickbruch. Ja und nun? Mein Kind konnte nicht zuhause allein bleiben, von meiner Familie hörte ich nur Bedauern, aber es ließ sich niemand blicken. Meine Freundin kam extra aus Ungarn angereist, um mich zu pflegen und für das Kind da zu sein. So ist das mit der Familie, nech?

Ein Viertel Jahr hat es gedauert, ehe überhaupt die Schmerzen aufhörten.

Was seit der Kindheit sich nicht geändert hat, sind die täglichen Schmerzen beim Einschlafen wollen. Ich liege so lange auf der einen Seite, bis ich es vor Schmerzen im Beckenknochen nicht mehr aushalte. Dann drehe ich mich um, und kann wieder nur so lange so liegen, bis ich mich vor Schmerzen wieder umdrehen muss. Auf dem Rücken geht gar nicht, und die Versuche auf dem Bauch scheitern immer an Knieschmerzen. (Deshalb kann ich nicht stundenlang am Strand liegen … unmöglich.) Das war schon immer so, und wird wohl so bleiben. Das Einschlafen an sich ist also schon gestört durch diese Schmerzen, seit ich denken kann. Nun kommen noch die Grübeleien, die Ängste und all das dazu, was eben zu einer Depression und zu Traumatas gehört. Das Einschlafen ist jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung. Wie sagt man? Was der Mensch kennt, frisst er.

Neu hinzugekommen sind die beim Aufwachen. An den unmöglichsten Körperstellen, die überhaupt gar nicht mit den Rändern des Bettes in Berührung kommen können, habe ich Schmerzen. Manchmal wache ich sogar davon auf. Das ist die erste Erfahrung gewesen mit Trauma-Erinnerungsschmerzen von den Prügeleien. Aber auch daran habe ich mich schon gewöhnt, und nehme es hin.

Typisch für mich ist heute noch die Tatsache, dass ich in der Öffentlichkeit oder auch im Klinikgeschehen keine Schmerzen äußere. Es liegt hauptsächlich daran, dass ich dieses Äußern nicht kenne, und auch daran, dass ich Angst habe, dass Leute denken, ich möchte Aufmerksamkeit. Das geht ja mal schon gar nicht. Um Gottes Willen, nein!

Dann sitzt du da in der Gruppenrunde und fragst dich, warum die anderen immer von Schlafproblemen reden und von Schmerzen, mal hier und mal da. Ich sitze da und denke: Würde ich nie im Leben äußern.

Fazit: Ich habe die Schmerzen, nehme sie aber kaum wahr, weil sie bekannt sind. In Extremfällen kann ich nach Unfällen im Alltag auch einfach abschalten, mich völlig aus der Schmerzsituation herausnehmen mit Konzentration. Dann stehe ich wieder auf, merke da was, wird aber negiert.

Manchmal habe ich den Gedanken, dass ich durch die geübte Schmerznegation mal nicht merken würde, wenn sich in meinem Körper etwas Lebensbedrohliches anbahnt. Da denke ich dann weiter, und sage mir: Auch gut, dann geht es mal ratz Batz. Das will ich ja sowieso!

Innenkinder unbekannt?

21. April 2013

Anja und die Sterne fragte uns auf ihrem Blog, was wir als Magie empfinden. Ich konnte ihr von meiner Sicht auf die Natur schreiben. Heute lese ich einen Artikel von Rosenblatt zu diesem Thema, bin erstaunt über ihre Kenntnisse des eigenen Innenlebens.

Und ganz groß steigt in mir die Frage auf: Warum habe ich nicht die eindeutige Kenntnis über meine Anteile? Rosenblatt kann wunderbar ihre Innens unterscheiden, ihre Gefühlswelt beschreiben und die Funktionalität des Gesamtsystems. Ich dagegen aber stehe da, erinnere mich, wie die Kleine in mir den glitzernden Schnee entdeckt hat, erinnere mich an ihr Denken, ihre unbeholfenen Bewegungen, ihr Erstaunen. Nur in diesem Zusammenhang konnte ich auf das Alter der Kleinen schließen.

Und nun kommt hier mein aktueller Zweifel: Wenn diese Kleine so um die 3 Jahre war, so ein schönes Fühlen und Erleben hatte, wie kann sie dann gleichzeitig auf dem Bett sitzen und vor Angst lieber sterben wollen? (Marie) Kann ein innerer Anteil zwei Seiten in sich haben, laufe ich durch die Welt und kenne nicht mal einen Großteil von mir selbst?

Wenn in Not eine Abspaltung erfolgt, ich die Marie also in mir habe mit allem Leid – das Wesen, dass den Schmerz übernommen hat – ist dann da in mir noch der Teil, der „weggeflogen“ ist, der beschützt werden musste? Wenn dem so ist, warum nehme ich diesen Anteil nicht so bewusst wahr wie die Marie? Ist der beschützte Anteil die Kleine, die ihre Lebensfreude, ihren Entdeckerdrang, ihr Zutrauen behalten konnte? Ist es die Kleine, die mit dem Schnee gespielt hat?

Kann es sein, dass ich vorrangig nur die traumatisierten Anteile kenne? Warum?

Sind sie in ihrem Fühlen so stark, dass wir dagegen kaum die beschützten Kinder wiedererkennen und spüren? Ist mein Grundzustand die Depressivität, weil die „heilgebliebenen“ Kinderseelen noch immer kaum hervorschauen? Werden sie noch immer bedeckt gehalten um sie zu schützen?

So viele Fragen die auftauchen. Nur eines ist Fakt, wie in „Kurzgeschichten“ beschrieben, habe ich wunderbare Momente des Entdeckens und Staunens in meiner mich umgebenen Welt. Eingetaucht darin, kann ich genießen, mit allen Sinnen wahrnehmen. Und in den letzten Monaten konnte ich es immer intensiver. Mein Gehör scheint übersensibel, ebenso mein Geruchssinn. (trotz des 35 Jahren Tabakkonsums)

So und nun die Frage: Kann es sein, dass ich nicht mal die Hälfte meiner Anteile kenne?

Da fällt mir folgende Erkenntnis ein, die ich vor kurzem hatte: Namen zu meinen Anteilen haben sich immer nur dann eingefunden, wenn diese Anteile äußerst bewusst und häufig in mir agiert haben, bzw. wenn plötzlich jemand Neues mein Außen übernommen hat. Im Gegensatz dazu die zwei Jungen. Sie sind seit Jahren da, nehme sie aber nur als Beobachter wahr, kann mir ihre Anwesenheit nicht erklären. Sie agieren auch nie wirklich. Haben sie deshalb keine Namen?

Die 8 jährige, die so viel Angst vor NETT SEIN hat, sie fühle ich agieren. Warum hat sie keinen Namen? Merke, hier ist alles ein Widerspruch in sich.

Genauso fühle ich in mir noch viele kleine Seelen die weinen (deshalb die Einrichtung eines Schlafsaals in unserem Haus), kann sie aber nicht orten und erkennen. Fühle, dass da mehr sind, kenne sie aber nicht.

Ich kriege einfach in mir drin keine Ordnung rein, kein wirkliches Erkennen. Geht es anderen Betroffenen auch so? Braucht man etwa Jahre dazu? Oder liegt es an den Wechseln, die gleichzeitig eine Amnesie bedeuten?

Alles in Allem macht jetzt schon etwas Angst bei der Vorstellung, dass wir eben doch nicht, wie zurzeit, 13 Anteile sind (2 EW pennen ab), sondern viel mehr.

Wenn es aber auch die „beschützten“, damals eingefrorenen Kleinen sind – nun, dann sollten sie ruhig rauskommen. Denn ich bin begeistert von dem erlebten Dingen – Schnee, Vögel, Raureif, Blüten, Düfte, Wasserblasen, mit Babys spielen wollen, mit Kindern abhängen usw.

Oder muss ich den aktiven Part übernehmen? Sie herauslocken, indem ich beim Genießen der Umwelt klar und deutlich den Zeitrahmen verlängere;- mich nen Scheiß drum kümmere, was mich beobachtende Leute denken;- ich die Kleinen in ihrem Wollen einfach LASSE, selbst wenn ich dabei im Sandkasten lande?  Ha, mittlerweile sitze ich einmal pro Woche auf einer Schaukel, und ich suche im Gesteinssplit nach tollen Formen und Farben. Uj, merke gerade, dass es für mich die Angst nehmen soll vor der jeweiligen Therapiestunde. Egal, bringt wohl was. Dann ist es gut, oder?

Zu den Wechseln noch ein Gedanke:

Gestern war ich 9 Stunden durchweg (Premiere der Dauer seit Jahren) in der Öffentlichkeit, eine Fachtagung zur frühen Kindheit (ab Geburt). Da ist mir wieder aufgefallen, dass ich mit aller Macht Wechsel unterdrücke (was irre schlaucht), die Scham noch immer zu groß ist, und ich mich verstecke, wenn es doch passiert, weil niemand meine Tränen sehen soll. Und ich habe erkannt, dass das Unterdrücken meinen Körper so sehr überfordert, dass er zittert, kaum beherrschbar ist, alles schwammig wird. Und dennoch habe ich die Menschen um mich herum ausgehalten, denn sie waren alle ohne Ausnahme da, um sich kundig zu machen, wie eine sichere Mutter-Kind-Bindung  hergestellt werden kann. Also Menschen um mich herum, die sich indirekt meiner Hauptprobleme stellen wollen, Ärzte, Hebammen, Psychologen, Therapeuten usw. Dieses Wissen um deren Wollen hatte etwas Beruhigendes für mich. Denn ich wünschte, dass keinem Kind dieser Welt Ähnliches wiederfährt. Weiß nicht, ob ich dort die einzige Patientin war, nur merken sollte es eben niemand. Nur meine eigene Therapeutin und eine Ärztin kannten mich. PS: Ihr ahnt es – habe meine Batterien aufladen wollen mit Wohlgefühl. Hat nicht so ganz geklappt, weil zu viele Anteile raus wollten und das Unterdrücken zu anstrengend war.

Fazit dieser Zeilen insgesamt: Ich scheine mein Innenleben noch überhaupt nicht zu kennen.

2006 Tagebuchaufzeichnungen

13. April 2013

Sofie           TEIL 1

Seit 30. Mai 2006 in der Rehaklinik

15.6.06

Nun geht die 3. Woche in der Rehklinik vorbei und ich bin im Moment beruhigt worden mit Tropfen und später noch Tavor.
Was gab es alles Neues?
Erster Austicker beim Stehen Rücken an Rücken mit einer Patientin. Erst war da Zittern, dann Tränen, später innerer Druck. Hab mich in einer halben Stunde wieder eingekriegt.
Der nächste erwähnenswerte „Knaller“ war in einer Gruppentherapie. Alle redeten von ihren lieben und netten Eltern und ich war nur damit beschäftigt nicht zu platzen. Dann ging nichts mehr, bin abgehauen. Dann gab es nur noch Zittern, Heulen und Angst vor jedem. So wurde ein Tag schlimmer als der Vorherige.
Gestern stand ich auf mit einer unguten Ahnung. Das steigerte sich und irgendwann wusste ich in einer Therapie, warum ich die Tür in meiner Nähe brauche. In mir war eine so extrem erwartungsvolle Angst – landete auf dem Bett der Eltern in der ersten Wohnung und starre auf die Tür. Und ich weiß, dass da was kommen wird, was mich momentan so unter Anspannung setzt. Angst vor dem Wissen, dass die Tür aufgehen wird und ich nichts dagegen tun kann. Etwas in mir weiß, was nach dem Eintreten passieren wird.
Und diese Angst davor verspüre ich so gewaltig, dass es mir den Atem zu nehmen scheint. Seit zwei Tagen versuche ich die Menschen zu meiden, weil ich nicht ertrage, dass sie mich in dieser Angst erleben. Und das ist genauso schlimm. Flucht in die Einsamkeit aus Scham.
Morgen ist noch mal die Therapeutin dran. Hoffentlich kann ich locker bleiben. Denn Susanne hat sich für 13 Uhr angekündigt. Will nicht, dass sie mich verwirrt erlebt. Aber ich freue mich schon sehr auf ihre Umarmung und wir gehen einkaufen. Morgen ist ihr 19. Geburtstag. Sie steckt mitten in den Prüfungen und findet Zeit für mich!!!!! AUFATMEN!!
Therapiethema “Imagination“:
Du sollst dir gedanklich einen sicheren Ort basteln, den du schnellstmöglich aufsuchst, wenn die scheiß Gefühle anfangen aufzusteigen. Ich hab mir diesen Ort gebaut, nahm Annegret und Mariechen mit,  tobte mit ihnen als 12 jährige auf der Gänseblümchenwiese rum. Dann standen irgendwann die zwei Jungen am Rand und beobachteten uns. Es stellten sich der Rebell und das Schlitzauge dazu. Sie kamen nicht auf die Wiese der Kleinen, als schienen sie nur zum Schutz dazustehen. Aber ich wusste, dass da noch viele Kleine fehlen. Sie weinen und wimmern im Hintergrund und ich kenne sie nicht.
Wie also soll ich in größter Not alle von uns schnell da hochziehen zum sicheren Ort, und andere vergessen? Und wer bin ich, die da unten bleibt und dennoch von den Gefühlen überschwemmt wird?
Die nächste aktuelle Frage in mir ist: Wer bin ich, wenn ich nach dem TOTMACHEN in eine Person rutsche, die kleiner ist als 12?
Will Hüpfspiele machen, Blümchen pflücken, mich auf der Wiese kugeln. Zu welchem Alter gehört das?? Hallo du da in mir, kannst dich ruhig zeigen und mir deinen Namen nennen. Bist nicht älter als 5, oder?? Und du hast genauso viel Angst vor den Menschen wie alle anderen in uns. Gute Nacht ihr alle. Seid in den Arm genommen.

20.6.06 Dienstagnacht

Da ist Mariechen, das aufgegeben hat. Sitzt in der Ecke – nur Tränen – kein Laut – es hört nicht auf. 3 Jahre alt und weiß keinen Rat. Irgendwann kommt der Rebell, stellt sich vor die Kleine und lässt nichts an sie ran. Ich liebe ihn dafür und hasse ihn. Er macht mich sprachlos, still und wütend. Sie muss nichts sagen, kann bleiben in Hoffnungslosigkeit. Er ist stumm und die Mauer. Ich bin beides – ich ersticke an der Hoffnungslosigkeit und krieg kein Wort raus.
Frau S. hat gesagt, ich solle mir Hilfe holen. Nur funktioniert es nicht. Kein Wort – kein Zulassen – heißt kein Schmerz dazu. Bin hierher gekommen, um da raus zu finden. Fliege hin und her zwischen Stummheit, Starre, Schmerz, Angst, Panik und Aufgeben. Hab so gehofft, hier ein „Rezept“ zu finden.
Alles ist anders und tausendmal schlimmer als zu Haus (versteckt in meinen vier Wänden).
Bekomme schon Panik, wenn eine Gruppentherapie ansteht. Millionen Auslöser, die ich zuhause nicht hatte. Renne rum wie ein Zombie, ertrage die Blicke nicht, kann mich nicht verstecken, und mache meine Tischnachbarn leise. Es ist so demütigend, wenn sie plötzlich leise sprechen, nicht mehr albern. Will eigentlich oft gar nicht mehr zum Essen. Will nur noch heulen und heim.

21.6.06

Rauche eine nach der anderen. Hab mich heute ausgeklinkt, muss zu mir finden. Irgendeine Ruhe entdecken. Hoffe ich. In mir ein Anflug von Wut und Verzweiflung. Im ersten Moment ist die angebotene Hilfe ja ganz nett: Eine Pille, die dich ruhigstellt. Aber das hätte ich auch zuhause haben können. Fühle mich hier wie umsonst. Fast jede Gruppentherapie löst Neues in mir aus, Ausruhen ist da nicht drin. Stehe wie in eine Ecke gedrängt.

Thema IMAGINATION: Wir sollen uns einen Lichtstrahl vorstellen, der von oben kommt und uns langsam ausfüllt. Also stehe ich auf einer Lichtung, stelle mir vor, wie das Licht schräg von oben kommt und  KLICK_ KLICK_

ich lande zuerst in „meinem Zimmer“. Da gibt es nur den einen Lichtstrahl – der, der unten durch die Türspalte fällt. Ich bekomme Panik, wie immer, wenn ich in diesem Zimmer lande.

Dann plötzlich ein neues KLICK_KLICK – das Licht, was ich auf der Lichtung sah, kam von oben und schräg.

BUMM – nehme ich um mich herum nur Dunkelheit wahr, ich kratze an einem Korbgeflecht, durch das etwas Licht dringt und habe nur noch Angst vor dem Augenblick, wo oben ein schräger Lichtstrahl auf mich fallen wird. Das Gefühl wie in einer Kiste, die oben aufgemacht wird und bei Licht kommt dann das Grauen.

Mittwoch, den 28.6.06

Die letzten Tage waren teilweise wie ein Horrortrip für mich. Musste mich weigern ins Tagebuch zu schreiben, um nicht noch tiefer in all den Sumpf zu geraten. Heute bin ich wohl etwas entspannter und versuche die letzten Tage zu rekonstruieren.
Nach 4 Wochen erst traut man sich mir zu sagen, dass die Reha nicht verlängert wird, weil man mir hier nicht helfen kann. Ich wäre am besten in einer echten psychiatrischen Klinik aufgehoben. Es kam zur Sprache, dass ich nicht mehr in die Schule kann.
Erst war ich am Durchdrehen, einen Tag später wurde mir klar, dass Susanne sich nun endlich selbst um Geld kümmern muss. Es wird wohl Zeit, dass ICH mich abnabele und was für mich tue. Vielleicht ist das der Anfang, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Zu etwas Gutem muss ich unbedingt was loswerden.
In einer Imagination bekam ich zum aller ersten mal in meinem Leben eine Ahnung davon, was die Menschen meinen mit: “Das Leben kann schön sein.“ Ich konnte mit Annegret, mit Mariechen, dem Rebell, dem Schlitzauge, den zwei frech lümmelnden Jungs und vielen anderen Kleinen im Gänsemarsch den Himmelsweg verlassen und die Sorgen, Ängste und Alpträume in Gepäckstücken zurücklassen. Da kam so tief in mir ein so extrem friedliches Gefühl auf – war wie im Taumel – ich kannte so ein Gefühl noch nicht. Wollte es festhalten und nicht mehr loslassen.
In derselben Nacht noch saß ich oben im Raucherraum und die Tränen liefen ohne Pause. Mir wurde bewusst, dass ich 44 Jahre so ein Gefühl nicht kannte. Und es kam Wut auf meine Mutter und unendlich große Trauer.
In dieser Trauer kam plötzlich (ich weiß nicht mehr wer) einer von meinen Süßen auf mich zu und legte mir den Säugling in den Arm. Ich roch ihn und fühlte seine kleinen Händchen. Und das Mädchen schmiegte sich an mich – irre schön. Dann plötzlich passierte etwas in mir.

Ein unendlich schlimmes Gefühl kam in mir hoch und ich begriff, dass sie mir etwas erzählen wollte. Aber ich war allein und hatte einfach nicht die Kraft dazu. Also drückte ich sie ganz fest an mich und versprach: „Später!“ Ganz fest an meinen Hals geschmiegt konnten wir zusammen schlafen gehen. Und ich bemerkte die Not in mir. Also ging ich zu jedem einzelnen in mir und drückte sie. Ganz eng, wie auf einen Haufen, aneinandergeschmiegt schliefen wir zusammen ein.
So verging das Wochenende und der Tag Montag mit der Nachricht, dass man mir hier nicht helfen kann.

Gestern, am Dienstag, lege ich mich zu einem Schläfchen vor dem Abendessen noch einmal hin, und sofort war sie wieder da. Ich lag auf dem Bett und fühlte, wie das Baby langsam an mir hochrutschte bis zu meinem Hals. Dort schien es sich wie eine Katze ein zu kringeln.
Und dann war ES plötzlich da. ES, was ich nicht begriff. Immer wieder machte ich die Augen auf, weil ich dachte ich spinne. Kaum waren die Augen wieder zu, kamen die zwei Bilder wieder und wieder.
Ich schaffe es jetzt nicht, sie auszusprechen. Habe versucht mit einer Krankenschwester die Bilder in einen Tresor zu legen. Scheint geklappt zu haben, irgendwie. Sie kommen zwar immer wieder vor meine Augen, aber ohne Emotionen. Bin ich total verunsichert. Kann es wirklich sein, dass mir ein Anteil seine Erinnerung gesagt hat? Spielt meine Fantasie verrückt??
Doch wie komme ich auf solche Bilder?? Vielleicht spinne ich nur auch.

Ich denke nämlich daran, dass die anderen Bilder bisher so kamen, als würde ich aus meinen Augen sehen, oder von außen drauf.

Jetzt aber ist ein Bild aus der Sicht des Täters dabei. Wie geht das?

So etwas will man nicht sehen, nicht fühlen und erst recht nicht wissen.

Bindungsmuster

27. März 2013

Dissertation

zur Erlangung des akademischen Grades doctor medicinae
(Dr. med.)
vorgelegt dem Rat der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
von Annegret Martin geb. am 18. 11. 1978 in Saalfeld
 

Nur Auszüge davon:

3. Theoretischer Hintergrund

3.1 Die Bindungstheorie

3.1.2 Das Bindungssystem

Das Bindungssystem ist nach Bowlby ein dem Menschen angeborenes Verhaltenssystem, das aus dem Druck der Evolution entstand. Es hat die Aufgabe, das menschliche Kind vor Gefahren zu schützen und so die Erhaltung der Art zu sichern. Da das Kind noch nicht imstande ist, Gefahren wahrzunehmen oder sich aus bedrohlichen Situationen in Sicherheit zu bringen, benötigt es die Hilfe einer erwachsenen Person. Um sich diese sichern zu können, verfügt es über Verhaltensweisen, wie weinen, rufen oder krabbeln, die die Aufmerksamkeit der Bezugsperson auf sich lenken. Auf der Seite der Eltern existiert, so Bowlby, das dazu komplementäre Verhaltenssystem der Fürsorge, das die ebenso überlebenssichernde Funktion besitzt, dem Kind Schutz und Sicherheit zu gewähren. Das Bindungssystem wird immer dann aktiviert, wenn das Kind Unwohlsein, z.B. Schmerz, Trennung von der Bezugsperson oder Bedrohliches in der Umgebung erfährt und dann wieder beruhigt, wenn die Nähe zur Bezugsperson wieder hergestellt, und das Bedürfnis nach Sicherheit befriedigt ist (Cassidy 1999, Schmücker und Buchheim 2002). Aus der allgemeinen Kontrolltheorie entlehnte Bowlby den Gedanken, dass das Bindungssystem, ähnlich den physiologischen Steuerungssystemen, die für die Einhaltung von Sollwerten des Organismus innerhalb bestimmter Grenzen sorgen, eine zentralnervöse Steuerungseinheit besitzt, die über Aktivierung und Deaktivierung von Bindungsverhalten, die Nähe der Bezugsperson sichert.
Ainsworth (1967) beschreibt drei weitere Verhaltenssysteme, mit denen das Bindungssystem in einem dynamischen Gleichgewicht steht. Das Erkundungssystem und das soziale Verhaltenssystem, die beide konträr zu ihm wirken, indem sie nur dann aktiviert werden, wenn es beruhigt ist, und das Furchtsystem, das die Aktivierung des Bindungssystems hervorruft und ihm somit gleichgerichtet ist.
In diesem Zusammenhang ist auch die Funktion der Mutter als „sichere Basis“ zu sehen. Solange das Kind sich wohl fühlt, wird es seine Umwelt erkunden oder sich mit Spielen vergnügen. Das Erkundungssystem ist aktiv, da Sicherheit gegeben ist. Tritt jedoch ein Stressfaktor hinzu, beispielsweise ein Sturz, ein lautes Geräusch, Hunger oder eine zu große Entfernung von der Mutter, wird das Bindungssystem aktiviert. Die dadurch hervorgerufene Hilfe und der Trost der Bezugsperson stellen die emotionale Sicherheit des Kindes wieder her, das dann, im Vertrauen auf Unterstützung in eventuell wiederkehrenden Bedrohungen, alle Aufmerksamkeit und Energie wieder dem Spiel zuwenden kann.

3.1.3 Die fremde Situation und die Bedeutung der mütterlichen Feinfühligkeit

Um das Zusammenspiel von Erkundungs–, Angst– und Bindungsverhaltenssystem zu untersuchen, entwickelte Ainsworth in den 60er Jahren die „Fremde Situation“, Minidrama mit acht dreiminütigen Abschnitten, in denen das Kind in seiner Exploration in Anwesenheit der Mutter, nach Hinzukommen einer fremden Person, bei Verlassen des Raumes durch die Mutter, nach Wiedereintreten der Mutter, ohne eine weitere Person im Raum, allein mit der Fremden und schließlich wieder mit der Mutter beobachtet wird . Diese Versuchssituation erlangte große Bedeutung, da sie unter gut kontrollierbaren Bedingungen und in relativ einfach durchzuführender Weise Informationen über die Bindungssicherheit des Kindes im Alter von einem Jahr geben kann (Holmes 1996, Grossmann 2000a). Es stellte sich nämlich heraus, dass sich das Verhalten der Kinder, vor allem in den Wiedervereinigungsabschnitten, erheblich unterschied. Ainsworth konnte drei unterschiedliche Muster ausfindig machen: sicher gebundene Kinder, die bei Trennung von der Mutter offen ihren Kummer ausdrückten und sich bei ihrer Wiederkehr freuten und von ihr beruhigen ließen; unsicher ambivalent gebundene, die nach der Trennung von der Mutter untröstlich waren, sich jedoch bei ihrem Wiedereintritt durch aggressiv–ärgerliches Verhalten gegenüber der Mutter auszeichneten, während sie gleichzeitig ihre Nähe suchten; und unsicher vermeidend gebundene Kinder, die den Weggang der Mutter kaum beachteten, und auch ihrer Wiederkehr nur sehr wenig Aufmerksamkeit widmeten. Das Verhalten letzterer sah man zunächst als besonders reif an, jedoch zeigte sich in Cortisolmessungen, dass ihr innerer Stress am höchsten war. Aus den Beobachtungen derselben Mutter–Kind–Dyaden in häuslicher Umgebung während der 12 Monate seit der Geburt ging hervor, dass ein Zusammenhang zwischen dem Verhalten der Mutter, besonders deren Feinfühligkeit, Akzeptanz, Kooperation und Verfügbarkeit, und des Vorliegens einer sicheren Bindung in der Fremden Situation mit einem Jahr bestand. Von diesen Eigenschaften zeigte die mütterliche Fürsorglichkeit die höchste Vorhersagekraft. Sie ist durch Wahrnehmen der kindlichen Bedürfnisse, deren richtige Interpretation, und eine prompte sowie angemessenen Reaktion gekennzeichnet . Nicht immer zeigte sich dieser Zusammenhang in späteren Studien so stark wie Ainsworth ihn beobachtet hatte, bestätigte sich jedoch im Großen und Ganzen. Weiterentwicklungen des Konstrukts der mütterlichen Feinfühligkeit finden sich bei Stern (1996), der sie abwandelte in eine sogenannte „Einstimmung“ (Stern 1996) der Mutter auf das Kind, sowie bei Meins , die die Fähigkeit der Mutter, den inneren Zustand ihres Kindes differenziert zuberichten, als wesentlichen Faktor für die Entwicklung einer sicheren Bindung des Kindes erachtete. In die gleiche Richtung deuten Studien von Egeland und Farber (1984). Aber auch für andere mütterliche Verhaltensaspekte wurde ein Einfluss auf die kindliche Bindungssicherheit nachgewiesen. Wie Izard et al. (1991) berichteten, sind in diesem Sinn häufigere positive Emotionen der Mutter, in Verbindung mit einer größeren Offenheit
gegenüber dem Kind bei eigenen negativen Emotionen, prädikiv für eine sichere Bindung, während Simo et al. (2000) feststellten, dass stark kontrollierende Mütter eher unsichere Kinder haben.

3.1.4 Bindungsmuster

Um die Nähe der Mutter beziehungsweise ihre emotionale und physische Verfügbarkeit und Hilfsbereitschaft möglichst effektiv zu sichern, benötigt das Kind Informationen über das wahrscheinliche Verhalten der Mutter, über die eigenen Bedürfnisse und die Interaktion beider. Durch Erfahrungen mit den Eltern bildet es bis etwa zum 18. Monat aus diesen Informationen relativ stabile Repräsentanzen der Beziehungen zu ihnen aus, die sein Verhalten ihnen gegenüber bestimmen (Bowlby 1995, Holmes 2002).
Sicher gebundene Kinder können aufgrund ihrer Erfahrungen auf die Verfügbarkeit ihrer Eltern vertrauen, falls sie deren Hilfe benötigen, während unsicher gebundene Kinder befürchten müssen, dass ihnen die Bezugsperson in einer Notsituation nicht zur Verfügung steht. Unsicher–vermeidend gebundene haben gelernt, ihre Schutzbedürfnisse zu verbergen, da deren offene Äußerung im Allgemeinen Zurückweisung durch die Mutter zur Folge hatte. Unsicher–ambivalent gebundene zeigen ihren Kummer und Ärger in bindungsrelevanten Situationen besonders intensiv, um der Unterstützung durch die Bezugsperson, die sie als unstet in ihrer Verfügbarkeit erfahren haben, sicher zu sein (Weinfield et al. 1999). 1985 wurde von Mary Main noch ein viertes Bindungsmuster entdeckt, das sich in der Fremden Situation in Erstarrung, stupiden Bewegungswiederholungen oder Furcht vor der Bezugsperson bei deren Wiederkehr ausdrückte. Dieses so genannte desorganisierte Bindungsmuster unterscheidet sich von den zuvor beschriebenen darin, dass das Kind keine konsistente Verhaltensstrategie entwickeln konnte. Es bietet Züge aller drei organisierten Bindungsmuster und zeigt starkes Konfliktverhalten. Oft lagen Missbrauch oder Erfahrungen zugrunde, die das Kind das Elternteil als potentielle Gefahr betrachten lassen mussten.

3.1.5 Interne Arbeitsmodelle von Bindung

Bowlby zufolge liegen den Bindungsmustern interne Arbeitsmodelle zugrunde. Es sind Vorstellungen von der Bezugsperson, den Bedürfnissen der eigenen Person und der Interaktion zwischen beiden, die schon sehr früh in der Kindheit aus den Erfahrungen mit der Bezugsperson heraus konstruiert werden. Sie dienen vor allem dazu, die Realität vorwegnehmen zu können und so das Bindungsverhalten optimal anzupassen. Sie durchlaufen während der Entwicklung des Kindes eine fortwährende Differenzierung. Bis zum Alter von zwei Monaten sind sie primitiv, das Kind richtet sein Bindungsverhalten an beliebige Personen. Mit sechs Monaten hat das Kind jedoch schon klare Präferenzen bezüglich einer oder mehrerer Bindungspersonen, bei denen es Nähe und Sicherheit sucht. Diese auf die eigenen Bedürfnisse konzentrierte Phase nennt Bowlby „zielorientiert“ im Gegensatz zu der, durch die Sprache und Perspektivenübernahme möglichen, „zielkorrigierten“ etwa ab dem dritten Lebensjahr. Das Kind kann nun auch die Wünsche und Absichten der anderen Person in seine eigenen Ziele integrieren. Während bis dahin die bindungsrelevanten Erfahrungen nur als Gefühle repräsentiert werden, nehmen nun auch kognitive und sprachliche Aspekte Einzug in die internen Arbeitsmodelle. Diese subjektiven Konstrukte stehen prinzipiell der Anpassung durch neue Erfahrungen offen, jedoch sind sie unbewusst und beeinflussen nicht nur das Handeln, sondern auch neue Wahrnehmungen werden im Lichte der vorhergehenden Erlebnisse interpretiert. Die Adaption ist hierbei bei sicherer Bindung erleichtert, während unsichere Repräsentanzen zu Rigidität neigen. Aufgrund ihres Vertrauens auf die Responsivität ihrer Bezugspersonen fällt es sicher gebundenen Kindern leichter, negative Erfahrungen zu integrieren. Die Eltern unsicher gebundener Kinder erschweren dies durch Verhaltensweisen wie z.B.: diese so behandeln, dass die Ereignisse für das Kind zu schlimm sind, als dass es sich damit bewusst auseinander setzen könnte; reagieren auf Handlungen des Kindes in einer Art und Weise, die es sich schuldig fühlen lässt oder vermitteln, dass es bestimmte negative Realitäten, die die Eltern selbst nicht wahrhaben wollen, nicht wissen soll. So kann es dazu kommen, dass mehrere interne Arbeitsmodelle von Bindung nebeneinander entstehen, ein bewusstes, in dem nur die Informationen enthalten sind, die zu haben dem Kind durch die Eltern erlaubt wird und ein unbewusstes, das die wirklichen Wahrnehmungen enthält. Dies zeigt sich besonders bei Erwachsenen mit unsicher–vermeidendem Bindungsstil, die ein sehr positives Bild ihrer Eltern schildern, bei konkreten Ereignissen mit ihnen aber vor allem zurückweisendes Verhalten erinnern. Bowlby unterscheidet außerdem alte und neue Modelle von Bindung. Erstere enthalten vor allem die präsymbolischen Erfahrungen der frühen Kindheit, während letztere sich auf die Zeit danach beziehen, in der die Integration von neuen Erfahrungen durch die Fähigkeit zu Gesprächen und Nachdenken über die eigenen Gedanken leichter fällt. Werden die frühen Erlebnisse in dieser Zeit nicht integriert, existieren alte und neue Repräsentanzen von Bindung nebeneinander, wobei die Alten in belastenden Situationen und gefühlsintensiven Beziehungen an Einfluss gewinnen.Neuere Vorstellungen über interne Arbeitsmodelle gehen davon aus, dass nicht Erinnerungen gespeichert werden und sich im neuen Kontext auf Verhalten auswirken, sondern dass ein Potential vorhanden ist, die früheren Erfahrungen durch die Eindrücke einer neuen Situation wieder abzurufen und zu „reklassifizieren“. So sind diese ständige Neukonstruktionen aus gegenwärtigen Wahrnehmungen und alten Kategorisierungen.

3.1.6 Der Einfluss früher Bindungsqualität auf die Entwicklung

Während der letzten 20 Jahre wurden zu diesem Thema vielfältige Studien unternommen, in denen der Zusammenhang zwischen Bindungsqualität und verschiedensten späteren Fähigkeiten und Eigenschaften der Kinder, wie soziale Kompetenz, Qualität der Beziehungen mit Gleichaltrigen, und Selbstbild untersucht wurde. Die gemischten Ergebnisse zeigen, dass man nicht von einer einfachen geradlinigen Beziehung zwischen Bindungsqualität und weiterer Entwicklung ausgehen kann. Thompson (1999) betont die Unterscheidung der untersuchten Eigenschaften nach theoretisch erwarteter Enge des Zusammenhanges. Die engste Beziehung sollte zwischen der frühen Bindungsqualität und der Eltern–Kind–Beziehung in der späteren Kindheit bestehen. Diese zeigt sich nur über kurze Zeiträume. Auf längere Sicht sind die Ergebnisse nicht so eindeutig, was auf Veränderungen in der familiären Situation und andere Risikofaktoren zurückgeführt werden kann. Ein etwas lockererer Zusammenhang sollte zur Kompetenz in anderen engen Beziehungen bestehen. Wiederum über kurze Zeiträume können sicher gebundenen Kindern höhere soziale Kompetenz, engere Freundschaften, besseres Konfliktlösen, weniger aggressives und kontrollierendes Verhalten bestätigt werden. Studien, die Zusammenhänge über längere Zeiträume maßen, zeigten uneindeutige Ergebnisse. Gemäß der Annahme, dass Kinder ihre Erfahrungen mit den Eltern auch auf fremde Personen übertragen, wurde bestätigt, dass Kinder sich tatsächlich Fremden gegenüber ähnlich ihres in der Fremden Situation eruierten Verhaltensmusters ihren Eltern gegenüber verhielten. Noch weniger eng mit der Bindungsqualität in Beziehung zu sehen sind Persönlichkeitseigenschaften. In der Minneapolis–Längsschnittstudie (Sroufe 1983) wurden größere Empathie, höherer Selbstwert, Kooperativität und positives Verhalten bei den mit einem Jahr als sicher gebundenen nachgewiesen, jedoch konnten diese Ergebnisse noch nicht repliziert werden. Zusammenhänge zu vielen anderen Persönlichkeitscharakteristika z. B. zu späteren Verhaltens-problemen, wurden nur in einer Studie oder nicht konsistent nachgewiesen wobei wieder Risikofaktoren eine Rolle spielten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Ergebnisse vorläufige Hinweise darstellen, die durch klarere theoretische Hypothesen, welchen Einfluss die Bindungsqualität auf die weitere Entwicklung des Kindes hat, und vor allem auch, in welchen Bereichen man keinen Zusammenhang erwartet, in Zukunft zu überprüfen und zu erweitern sind .

Mein Grauen

18. März 2013

Juni 2006 Rehaklinik in Hessen
Es war Ende Juni, nach 4 Wochen Aufenthalt ging es mir schlechter als je zuvor. Die vielen Gruppentherapien mit bunt gemixtem „Publikum“: Mobbingopfer, Burnout, PTBS Typ 1, Depressionen öffneten ungeahnte tiefe Schleusen in mir, alle bereit, mich zu verschlingen. Trigger an Trigger gaben sich die Hand, ich war machtlos, wurde zu den Therapien gezwungen, da man der Kasse sonst meine Verweigerung mitgeteilt hätte.
Es gab im obersten Geschoss einen Raucheraufenthaltsraum, der aber schon 22 Uhr abgeschlossen wurde. Ihr könnt euch meine schlaflosen Nächte vorstellen. Meist saß ich heulend und zusammengekauert auf meinem Balkon und rauchte, was dort eigentlich verboten war. Aber ich wusste nicht, wie ich die Nächte sonst hinter mich bringen konnte. Das ging bis zu dem Tag gut, als direkt über mir ein neuer Patient einzog. Mitten in der Nacht erschreckte er mich von oben und blaffte mich wegen dem Rauchgeruch an.
Zwei Tage später war, wie üblich einmal pro Woche, die Großvisite mit der Chefärztin auf meinem eigenen Zimmer. Ich saß auf meinem Bett, damit die Ärztin sich auf den Stuhl setzen konnte. Dann begann das Grauen für mich.
Sie sprach von der Hausordnung, von der Möglichkeit, nach Hause geschickt zu werden, wenn man sich daran nicht hält, und von der Beschwerde des Patienten über mir. Glaubt mir, mit jedem ihrer Worte wurde ich immer kleiner und verängstigter. Ich schaute beschämt nach unten auf meine Füße. Wusste ich doch, dass auf dem Balkon Rauchverbot war. Plötzlich rief sie: „Sehen sie mich gefälligst an, wenn ich mit ihnen rede!“ Wumms, baddabumms war ich im falschen Film. Genau diesen Satz hörte ich immer in meiner Kindheit (natürlich mit dem Wort DU), wenn es einen Schuldigen zu finden galt, oder wenn ich was ausgefressen hatte, oder wenn ich die Note 3 hatte, oder, oder, und. Jedenfalls leitete dieser Satz meist eine Prügelorgie ein. Und glaubt mir, die Angst war gewaltig, jedesmal. So nun auch in dieser Situation. Ich fing sofort an, am ganzen Körper zu zittern, sah nach oben, nahm die Personen im Raum nur noch hinter einem Schleier wahr. Ich war voll von Hilflosigkeit und Angst. So kann ich auch gar nicht mehr sagen, wie die Visite zu Ende ging. Kann mich absolut nicht erinnern.
Nur eines weiß ich bis heute: Dieser Satz von einer Therapeutin, der ich anvertraut war, der ich ausgeliefert war, dieser Satz löste zum ersten Mal in meinem Leben die bewusste Handlung zu einem Selbstmord aus.
Ich weiß nicht mehr, wie viel Zeit vergangen war, nur, dass ich auf die Mittagspause gewartet habe (zum Essen konnte ich einfach nicht gehen), weil dann garantiert niemand mehr in die Zimmer kam. Ich hatte zur Anreise natürlich nicht meine ganze Tablettensammlung abgegeben. Ich stopfte alles in mich rein, was ich fand… 12 Tavor a 1mg, eine 20iger Packung Schlaftabletten, mind. 20 Trevilor und noch Trimipramin. Dann legte ich mich ins Bett und wollte nur noch einschlafen und dann wegbleiben für immer.
Zeitgefühl hatte ich keins, weiß nicht, wie lange ich gelegen habe. Plötzlich aber hörte ich die Stimme meiner Tochter. Ich fand das schrecklich, aber die Stimme hörte nicht auf. Irgendwie schaffte ich es in die Toilette, steckte meinen Finger in den Hals (als Studentin geübt), wieder und wieder, bis kein Tropfen mehr kam. Dann legte ich mich wieder hin. War unendlich traurig. Geschlafen habe ich dann über 24 Stunden.
Es gibt heute noch Momente, an denen ich verfluche, das nicht durchgezogen zu haben, so wie ich verfluchte, die Lungenembolie 2003 überlebt zu haben (Vielleicht rauche ich deshalb mehr als je zuvor?), so wie ich heute noch verfluche, den Genickbruch 1998 überstanden zu haben.
Es wird wohl nie wieder die Kraft geben, eigens Hand anzulegen, aber ich hoffe noch immer, dass die Natur die Sache übernimmt. Davon werde ich wohl nie loskommen, solange ich keinen Sinn zu leben finde.

Und: Gott sei Dank ist mir so eine Therapeutin nie wieder über den Weg gelaufen!

Dagmar Minor „Das erwachsengewordene Opfer“

3. März 2013

Von Internetseite  „Schotterblume e.V.“

Das erwachsengewordene Opfer

Zeitbombe
Du steckst Deine Schmerzen,
Deine Qualen, Deinen Ekel,
deine Erinnerungen
erschrocken in einen Karton
und schnürst ihn fest zu, ganz fest,
damit nichts mehr darin atmen kann
und Du hoffst, dass alles erstickt.
Doch wann wirst Du merken,
dass in dem Karton
eine Zeitbombe tickt?
(Dagmar Minor)

Ich bekam neulich einen Fragebogen geschickt. Es ging um eine Studie.
Ich sollte ankreuzen, wie viele Kinder und wie viele Jugendliche, die Missbrauchsopfer geworden sind, in unsere Beratungsstelle kommen und bei uns Hilfe suchen.
Etwas erstaunt saß ich über diesem Bogen, legte ihn dann beiseite und teilte dem Forschungsinstitut mit, dass die Menschen, die bei uns Hilfe suchen, in der Regel „erwachsengewordene Opfer“ sind.
Wieso das so ist, brauche ich den Betroffenen nicht zu erzählen, aber den Menschen, die nicht sofort nachvollziehen können, weshalb ein missbrauchtes Kind in der Regel nicht darüber spricht, nicht darüber sprechen kann und wieso es das meist erst Jahrzehnte später tut.

Kinder reden nicht weil
sie Angst haben, keiner glaubt ihnen
sie unter massiven Druck gesetzt werden
sie den Täter, die Täterin lieben
sie den Täter, die Täterin schützen wollen
sie ihre Familie behalten wollen
sie die traumatischen Erlebnisse verdrängt haben
sie das Erlebte abgespalten haben, um überleben zu können

Groß ist die Chance sofort darüber reden zu können für ein Kind lediglich dann, wenn der Täter oder die Täterin ein völlig fremder Mensch ist. Dann wird das Kind sich vermutlich den Eltern anvertrauen, sofern es denn Vertrauen zu ihnen hat und aus Erfahrung weiß, dass sie ihm zuhören, es ernst nehmen, ihm glauben und Trost spenden.
Diese Kinderseele wird vermutlich relativ schnell heilen, keine jahrzehntelangen Folgeerscheinungen werden das weitere Leben vergiften.

Doch leider sieht es in dem meisten Fällen ganz anders aus. Grausamerweise ist der hauptsächliche Tatort ausgerechnet da, wo sich Kinder am sichersten fühlen sollten – in der eigenen Familie !!! Und Täter oder Täterinnen sind nahe Angehörige, nein, mehr noch, Menschen, die das Kind liebt und die genau diese Liebe und das Vertrauen des Kindes für ihre eigenen Bedürfnisse ausnutzen.
Was sind das für Familien, in denen so etwas Fürchterliches wie Missbrauch geschieht?
Es sind Familien aus allen sozialen Schichten, aber es sind auf jeden Fall gestörte Familien, Krisenfamilien.
Durchaus können diese Familien aber nach außen hin vollkommen intakt, ja sogar besonders harmonisch erscheinen. Familien mit sog. großem Namen und Gutem Ruf sein. Es sind aber häufig Familien mit sehr autoritärer Struktur, mit strengen Familienregeln, in denen ein starkes Machtgefälle herrscht und über bestimmte Dinge nicht gesprochen wird. Schwierigkeiten der einzelnen Familienmitglieder sind kein Thema. Gefühle werden nicht benannt. Es herrscht emotionale Sprachlosigkeit.

Schweigen, Vergessen, Verdrängen –
sind tabu-unterstützende Regeln aller gestörten Familien.

Wo war die Mutter? Warum hat sie das Kind nicht geschützt? Wo liegt ihre Schuld?
Fragen mich so viele Menschen immer wieder.

Oft wird der betroffenen Mutter vorgeworfen, sie habe ihr Kind nicht genügend geschützt. Ihr wird zur Last gelegt, dass sie den Missbrauch hätte verhindern oder zumindest früher bemerken sollen. Inzest-Opfer sind deshalb oft ein Leben lang wütend auf die Mutter, die sie nach ihrer Vorstellung im Stich gelassen hat.
Sie können nicht glauben, dass Mutter nichts mitbekommen hat und häufig kommen die Mütter auch beim Urteil durch die Umwelt schlecht weg – noch schlechter als der Täter.
Warum lässt eine Mutter das zu? Wie konnte sie das übersehen? Wieso hat das Kind sich ihr nicht anvertraut? Hat sie den Missbrauch vielleicht sogar unterstützt, ihn gewollt, damit sie selbst nicht mehr zur Verfügung stehen muss? – Das sind weitere Fragen.
Es ist allerdings ein menschliches Phänomen, dass Wahrnehmungen, mit denen wir nicht umgehen können, abgewehrt oder umgedeutet werden.
Ohnmachtsgefühle, Überforderung und Unfassbarkeit der Tat verhindern durchaus, dass der Missbrauch wahrgenommen und angesprochen wird.
Sehr häufig haben übrigens Mütter auch selbst Missbrauchserfahrungen in ihrer Kindheit gemacht, die sie sorgsam verdrängt halten, und nichts, was sie daran erinnert, lassen sie an sich herankommen. Sie leiden noch immer an der Blindheit ihrer eigenen Kindheit gegenüber und sind so auch blind für die Signale ihrer Kinder.
Natürlich gibt es auch Mütter, die von dem Missbrauch ihrer Kinder wissen, es zumindest ahnen. Lässt eine solche Mutter ihr Kind dennoch wissentlich im Stich, wird sie zur Mit-Täterin, egal, welche emotionalen Verstrickungen hier die Ursache sind.
Auch Scham – und Schuldgefühle halten viele Frauen davon ab, selbst bei bestätigtem verdacht sexuellen Missbrauchs an den eigenen Kindern, Konsequenzen für sich und ihre Kinder zu ziehen.
Deshalb ist es ganz wichtig, gerade diese Mütter zu bestärken, für ihre Kinder zu handeln.

Nicht verschweigen will ich allerdings, dass es auch Frauen und eben Mütter gibt, die Kinder sexuell missbrauchen und auch Fälle in denen Frau und Mann gemeinsam solche Taten begehen.
Hier herrscht mit Sicherheit eine ganz große Dunkelzone – mir selbst werden allerdings immer mehr dieser Vorkommnisse bekannt, in denen auch Großmütter, Mütter und Schwestern zu Sexual-Täterinnen an Jungen UND Mädchen geworden sind. Die neueste Statistik benennt einen Täterinnen-Anteil von fast 20%.

Der Täter, die Täterin in der eigenen Familie.
Wem sollte das Kind sich also anvertrauen? Wer würde ihm DAS glauben?
Außerdem liebt es den Täter, die Täterin meist trotz allem, will diesen Menschen nicht verlieren, will die Familie nicht verlieren.

Die Familie ist kein sicherer Ort, aber das Kind hat keinen anderen!

Manchmal ist auch körperliche Gewalt als Druckmittel im Spiel, ist aber meist „gar nicht nötig“ denn es wird Liebe, Vertrauen und Bewunderung des Kindes für die eigenen Zwecke ausgenutzt. Gerade dieser Missbrauch unter dem Deckmantel der Liebe wird deshalb von anderen selten bemerkt. Natürlich werden auch Respekt und Angst eingesetzt, denn alle Täter/innen befehlen dem Kind, zu schweigen, oft verbunden mit den unglaublichsten Drohungen, die das Kind bitter ernst nimmt.
Es herrscht auf jeden Fall immer ein Macht- oder Kompetenzgefälle.
Also einmal sex. Missbrauch gekoppelt mit scheinbarer Liebe und einmal Missbrauch gekoppelt mit Gewalt. Immer aber eine vollkommene Verwirrung der kindlichen Gefühle!

Gefühle, die ein Kind absolut nicht einordnen kann, es verliert die Kontrolle, die Sicherheit in die Familie und damit in die ganze Welt, es verliert die Geborgenheit.
Kinder entwickeln immer Überlebensstrategien, um mit seelischen Erschütterungen fertig zu werden.
Kann das Kind sich weder verteidigen, noch flüchten – und welches Kind kann das schon? – sind traumatische Folgen unvermeidbar.
Meist werden diese unbegreiflichen Erlebnisse und Gefühle, mit denen ihre Psyche natürlich vollkommen überfordert ist, dann erst mal schnellstens verdrängt.
Diese Verdrängung ist für viele, selbst für die Betroffenen, schwer oder gänzlich unmöglich nachzuvollziehen.
Bei den möglichen Gedächtnislücken, hervorgerufen durch einen Unfallschock sind wir alle weitaus weniger zweifelnd.
Dabei hat die Verdrängung eines Missbrauchserlebnisses genau den gleichen Hintergrund und ist ein wirklich gnädiger Schutzmechanismus der Seele, auch dieser grauenhafte Schock, diese Erinnerungen werden aus dem Bewusstsein verbannt, scheinbar vergessen, aber eben nur scheinbar…
Die Erinnerungen werden fragmentiert, also aufgespalten in einer bestimmten Hirnregion in Sicherheit gebracht und sind oft lange gar nicht bewusst zugänglich.
In Wirklichkeit sind diese verdrängten Erinnerungen aber Zeitbomben, die ständig im Unterbewusstsein ticken und wenn sie nicht entschärft werden, explodieren sie in der Regel eines Tages – und das ist grauenhaft.
Eine weitere Überlebensstrategie ist die des Abspaltens, d.h. das Kind verlässt seinen eigenen Körper, lässt ihn als seelenlose, gefühllose Hülle zurück – auch das ist eine Flucht vor dem Erlebten.
In allergrausamsten Fällen, oft bei in allerfrühster Kindheit erlittener und bei ritueller Gewalt, spaltet sich die Persönlichkeit des Kindes in unzählig viele Einzelteile, die nichts mehr voneinander wissen.
Es ist so, als würden die grausamer Erinnerungen in vielen einzelnen Schubladen aufbewahrt, als ein ganzes wären sie nicht auszuhalten.
All das stellt den Versuch dar, das verletzte Innere zu schützen.
Diese lebensrettenden Funktionen, später ja nicht mehr benötigt, wandeln sich, wenn sie nicht aufgelöst werden, beim erwachsenen Menschen allerdings in eine zerstörerische Macht,
Eine alte Not-Programmierung, die, wie gesagt, einst beim Überleben geholfen hat, ist mittlerweile schädlich geworden, blockiert das heutige Leben, das Fließen der Lebendigkeit. Diese Programmierung muss überschrieben werden, denn löschen kann man sie leider nie mehr.

Das Trauma ist für die unzähligen Opfer also noch lange nicht zu Ende, wenn der Missbrauch aufhört.
Die oft verheerenden Langzeitfolgen durchdringen das ganze weitere Leben, das Selbstwertgefühl, nahe Beziehungen, Sexualität, Mutterschaft, Vatersein, Gesundheit, Arbeitsleben, das Verhalten – Tag für Tag. Und glauben Sie mir, viele Opfer sterben jahrzehntelang auf Raten.

Denn wenn ein Kind wie so oft, keinen Retter gefunden hat, verdrängt es die Erlebnisse, die Schmerzen, und die berechtigte Wut und die Trauer auch weiterhin – und in dieser verdrängten Form wuchert all das auch im Erwachsenenleben unkontrolliert weiter, oft bis zur totalen Zerstörung.
„Vergiss es doch einfach“ und „Das ist doch schon so lange her“ sind schlechte Ratschläge, denn Unterdrückung der Gefühle kann nicht ohne schwerwiegende Folgen bleiben.
Zeit heilt diese Wunden nicht!

Immer wiederkehrende grauenhafte Albträume, Panikattacken, Schlafstörungen, Essstörungen, Abhängigkeits-Erkrankungen, Angst-Störungen ,Autoaggression, Beziehungs-, Sexual-, Sprach-Störungen, Ängste, Zwänge, Phobien, Psychosen, Schlafstörungen, Persönlichkeitsstörungen- und Spaltungen, Gedächtnisstörungen- Amnesien, Depressionen, Aggressionen sind nur einige davon.
Auch der Körper spricht jetzt eine immer deutlichere Sprache, reagiert auf die Verdrängung, die erstarrten Energien, mit massivsten Störungen wie Migräne, Asthma, Sehstörungen, Ohnmachtsanfällen, Herzattacken, Hauterkrankungen, Magengeschwüren, Epilepsie, Lähmungen, Blutungen.
Meist aber leider nur mit dem Ergebnis, dass der gequälte Mensch eine Odyssee durch sämtliche Arztpraxen unternimmt, unzählige Pillen schluckt, alle teuren Wunderheiler aufsucht, letztendlich aber immer wieder zu hören bekommt, er sei vollkommen gesund und er am Ende, wie so oft, an seinem Verstand zweifelt.
All das genannte sind Folgen, aber auch Schutzprogramme, eine Meisterleistung der Seele, denn sie haben, wie auch immer, das Überleben ermöglicht.
Andererseits handelt es sich durchaus auch um unbewusste Ausweichmanöver, denn Krankheiten, Süchte und ungesunde Beziehungen zu anderen Menschen in die alte Kindheitswunde zu stecken, damit ich den eigentlichen Schmerz nicht wahrnehmen muss, verhindern allerdings auch, dass ich die Wunde wirklich betrachten, säubern, verarzten und sorgsam vernähen kann, damit sich eine gesunde Narbe bildet.
Es nützt nichts, dem inneren stummen Kind mit all diesen Dingen den Mund zu stopfen – es muss reden und fühlen dürfen.
In der Kindheit liegen die Wurzeln unseres Lebensbaums und wenn dieser Baum später krank ist, keine Früchte trägt, wenn die Blätter nicht grün werden, wenn die Rinde abfällt und die Äste immer wieder verdorren, dann nützt es doch auch nichts, die Blätter blank zu reiben, die Rinde wieder anzukleben, die Äste zu reparieren oder gar künstliche Früchte hineinzuhängen.
Wir sollten uns schon die Wurzeln anschauen und herausfinden, was da nicht in Ordnung ist.
Dabei ist es allerdings nicht nötig, jede kleinste Wurzel auszugraben, d.h. jedes Detail der traumatischen Erlebnisse.
Wichtig ist die bewusste Entscheidung zur Heilung, ansonsten geht nichts.
Betroffene Menschen brauchen einen Schutzraum dafür und benötigen Helferinnen und Helfer, die liebevolle Begleitung anbieten, die gerechtfertigte Wut, Angst und Traurigkeit erlauben und Trost spenden.
Zunächst wird gemeinsam Sicherheit und Stabilität geschaffen, erste und wichtigste Grundlage für die spätere Traumaarbeit. Erst dann kann der Mensch die unverarbeiteten Geschehnisse rückwirkend erlebnisfähig und damit einer Verarbeitung zugänglich zu machen, damit das Trauma nicht mehr weiterhin abgewehrt werden muss, die alten Schutzfunktionen nachlassen und schrittweise überflüssig werden können.
Es geht dabei aber nicht darum, etwas loszuwerden, rauszulassen, sondern die abgespaltenen Kindheitserlebnisse- und Gefühle in die gesamte Lebensgeschichte zu integrieren und sie zu akzeptieren um sich so neu orientieren zu können.
Damit die Erinnerungen und Gefühle den hilfesuchenden Menschen nicht in die Tiefe reißen oder vollkommen überschwemmen, kann er unter einfühlsamer Begleitung Methoden erlernen, selbst zu dosieren, wann und wie viel er sich anschauen möchte und muss nicht mehr hilflos ausgeliefert sein.

Therapie ist also etwas anderes als bloße Wiederholung des Elends der Kindheit oder ständiges Herumrühren in alten Schmerzen, Therapie kann ein spannender und sehr kreativer Prozess sein.
Die Vergangenheit ist nicht mehr veränderbar. Die Folgen im Heute allerdings durchaus.

Das grobe Therapieziel ist es also, realisierbare Veränderungsmöglichkeiten für schädigende Verhaltensweisen zu finden und Handlungsabläufe, sie zu stabilisieren und zu generalisieren, also sie nicht nur zu kennen, sondern auch leben zu können.
Die Heilung ist oft wie ein Wunder, aber ein langsames und ein selbst erarbeitetes.
Ohne therapeutische Begleitung aber ist eine Heilung kaum möglich.
Allerdings will ich die katastrophale therapeutische Unterversorgung für diese Thematik nicht verschweigen.
Trauma-spezialisierte Fachleute sind kaum zu finden, die Kosten der wenigen, die sich spezialisiert haben, werden oft nicht von der Kasse übernommen und wenn doch, sind Wartezeiten bis zu 3 Jahren nicht selten.
Auch die Aufnahme in eine Traumaklinik ist schon für viele zum Albtraum geworden. Traumakliniken sind nämlich keine AKUTkliniken, sondern Reha-Kliniken. Bis alle Genehmigungen und Anträge bei den oft äußerst kritischen und sparsamen Kostenträgern gestellt und durchgesetzt wurden, vergingen bisher in der Regel 3 – 14 Monate. Auch wenn es mittlerweile neue Gesetze gibt, die die Fristen bis zur Mitteilung klar einschränken, ändert das kaum etwas an den Wartezeiten, da in ganz vielen Fällen zunächst erstmal eine Absage erteilt wird und in Widerspruch gegangen werden muss.
Das Ganze dauert dann eine Ewigkeit für Betroffene, die sich zu diesem nicht einfachen Schritt durchgerungen und nach so vielen Jahren kaum noch Kraft zum Überleben haben.

Wenn die Erinnerungen des Kindheitstraumas aus dem Unterbewusstsein nach oben steigen, ist das oft mit einem ganz akuter Schock verbunden, der sofortige Hilfe und Betreuung erfordern würde. Einem solchen Menschen muss ich nicht selten sagen, dass er mit dieser aufgeplatzten Wunde erst mal Schlange stehen und auf irgendeinen Zusagestempel warten muss.
Ein unverantwortliches Hin- und Hergeschiebe zwischen verschiedenen Kostenträgern oder zwischen Kostenträgern und Gutachtern, die dann über Ja oder Nein der Erforderlichkeit eines Klinikaufenthalts entscheiden, kann Menschenleben kosten!
In diesen langen Wartezeiten bis zur Bewilligung versuchen wir in unserer Beratungsstelle tatsächlich nicht selten, in oft stundenlangen Gesprächen den Betroffenen ihren Lebenswillen zu erhalten. Nicht immer war das möglich!
An den Kliniken liegt es nicht – Betten sind meist frei.
Gerade jetzt in dieser Minute sitzen alleine 3 der von mir betreuten Menschen seit Wochen auf gepackten Koffern und warten auf das erlösende „JA“.
Es wäre also dringend notwendig, auch hier Notfall-Aufnahmen zu bewilligen.
Zum Glück gibt es einige wenige Traumakliniken, die eine erfreuliche Ausnahme bilden können, da sie über eine psychiatrische und eine psychosomatische Abteilung verfügen und eine nahtlos ineinandergehende Behandlung anbieten können.
Hier ist eine einfache Einweisung durch den Hausarzt vollkommen ausreichend.
Nur, wie gesagt, von diesen Kliniken haben wir entschieden zu wenig.
Schotterblume ist ja ein kämpferischer Verein und mal sehen, was wir da noch verändern können.

Dennoch möchte ich betroffenen Menschen unbedingt ans Herz legen, sich nicht entmutigen zu lassen, sich auf jeden Fall Hilfe zu suchen.
Die Teilnahme an einer SH-Gruppe und die Unterstützung und das Verständnis von Menschen mit ähnlichem Schicksal kann die Wartezeit bis zur ambulanten oder auch stationären Therapie überbrücken.
Aber niemand kommt natürlich geheilt aus einer Traumaklinik zurück, aber sozusagen mit neuem Handwerkszeug, neuen Möglichkeiten der Verarbeitung.
Ganz wichtig ist es, sich schon vorher eine einfühlsame Therapeutin oder einen Therapeuten zu suchen, der nach der Rückkehr in den Alltag auf neuen, noch sehr unbekannten Wegen zur Seite steht…
Zum Schluss möchte ich allen betroffenen Frauen und Männern Mut machen, sich bewusst auf den Weg der Heilung zu begeben und sich, wie eine kleine Blume, den Weg durch Schotter und Geröll hindurch zu bahnen, den Weg ans Licht, an die Sonne und damit zurück ins Leben.
Glauben Sie mir – es ist zu schaffen!!!

Dagmar Minor

Vergeblicher innerer Kampf gegen das „Verlassen werden“

2. März 2013

Sicher kennt ihr das, wenn man sich suhlen will in der Erkenntnis, dass alles läuft wie immer, dass man umsonst gegen Windmühlen zu kämpfen glaubt, dass man sowieso immer wieder verlassen wird. Ja, ich spreche vom Suhlen, weil mir schon klar ist, dass dies der leichteste Weg ist, er macht keine Mühe, ist altbekannt und die Gefühle dabei kennt man sein ganzes Leben lang. Suhlen, weil da keine Mühe dahinter steht, sich die Tatsachen genauer anzusehen, weil man lieber Bekanntes fühlen möchte, egal wie schlimm, aber wohl vertraut scheint es Sicherheit zu geben.
Eine trügerische Sicherheit, die nur bedeutet, dass man verharren will aus Angst, verharren im alten Geschehen, das in keinster Weise in die Gegenwart passt, das aber das innere Gleichgewicht zu schaffen scheint. Ein Gleichgewicht von derart falschem und irrealem Fühlen aus der Kindheit, das Bekannte, das Erwartete, das Übliche. Und obwohl es einem jedes Mal wieder das Herz aus dem Leib reißt, die Sinne völlig vernebelt, den Wunsch ins Nichts bringt; trotz alledem ist es das Bekannte, das scheinbar Glaubwürdige, etwas was Sicherheit in unser Ungleichgewicht zu bringen scheint.
Man läuft auf der alten Spur, wieder und wieder, denn das Einschlagen einer neuen Spur macht Angst.
Vertrauen macht Angst, Liebe macht Angst, Sicherheit macht Angst, Glaube macht Angst, Hoffnung erst recht.
In irgendeinem Moment kapiert man diese vollkommen verschrobene Reaktionsweise. Es wird einem klar, dass da Feigheit dahinter steckt, Feigheit vor dem Neuen, das wunderbar sein könnte.
Und an diesem Punkt angekommen, will man das Leben für sich anders, man will kämpfen für das Neue, man will Mut haben, man will die Dinge ändern, man will sich aus der Abhängigkeit der eingepflanzten Reaktionsweisen trennen.
Logisch, dass ich von mir rede.
Zehn lange Jahre schon, versuche ich neue Wege zu gehen.
In den Anfängen versuchte ich jede meiner Reaktionsweisen zu hinterfragen, mit dem Glauben: Nur wenn ich mein Verhalten ergründe, kann ich mein Innenleben verstehen. Nur wenn ich mein Innenleben verstehe, kann ich neu dagegen steuern.
Also war das Erste, dass ich versuchte, alles an mir selbst zu analysieren. Und auch wenn es von meiner ersten Psychobegleiterin weiterhin als Suhlen bezeichnet wurde – für mich aber brachte es Erkenntnisse über meine unbewussten inneren Abläufe, die mich mein Leben lang begleitet und gesteuert haben. Der erste Schritt war also das Erkennen, wie ich ticke. Nun konnte ich die Sache angehen und bemühte mich, dem falschen Ticken gegenzusteuern. Und die Verhaltenstherapie dann in Dresden hat mich dabei sehr unterstützt.
Ich habe also vollständig gelernt: Warum passiert das jetzt gerade in mir? Und teilweise schaffte ich den Lernvorgang: Unterbrich die alten Reaktionsweisen und tu etwas dagegen! Dagegen tun in Form von Ersetzen durch etwas Besseres, Passenderes.
Ich weiß, dass für mich hierbei die wichtigste Erkenntnis war, dass mein Gegenüber ein eigenständiges Individuum ist, mit eigenem Fühlen, das ich nicht kennen kann; ein eigener Mensch mit eigenen mir unbekannten Hintergründen, mit eigenen, von mir völlig unabhängigen Befindlichkeiten.
So verstand ich mit den Jahren, dass ich nicht für jede negative Schwingung bei meinem Gegenüber verantwortlich war. Was ich damit sagen will ist, dass ich verstand, dass nicht jede Situation von mir persönlich abhängig ist.
Und diese Erkenntnis hat mich weiter gebracht. Eine Abgrenzung von einem anderen Individuum bedeutete, dass ich nicht für alles Scheitern auf dieser Welt verantwortlich sein muss.
Zuvor hatte ich in Allem und an Jedem meine eigene Schuld gesehen. Nun, das lernt man als Kind, wenn die Eltern ihr missbräuchliches Verhalten rechtfertigen wollen. Das Kind ist an allem Schuld. Ja, so lief auch ich durch die Welt.
Nun ich hatte für mich persönlich also den zweiten Schritt geschafft: Jeder Mensch fühlt anders aus seiner eigenen Geschichte heraus.
Schritt eins war: mich selbst verstehen (schaffe ich immer besser)
Schritt zwei war: den anderen nicht verstehen zu müssen und auch nicht zu können, Abgrenzung zu üben
Schritt drei wäre demzufolge zu verinnerlichen, nicht jedes Mal in Schuldgefühlen zu ertrinken.
Hier scheitere ich bis heute.
Möchte aber eigentlich noch was ganz anders sagen.
Nämlich den Schritt vier: ohne Bewertung Gefühle kommen und gehen zu lassen.
Oh Mann, hieran stirbt alles Bemühen, weil es für mich an sich schon ein Widerspruch ist.
Wie soll ich keine negative Bewertung über mein Fühlen und Reagieren abgeben, wenn mir bewusst wird, dass es falsch und unangemessen ist? Wie soll ich dem alten Reagieren gegensteuern, wenn ich mir nicht erlauben soll, es abzuwerten? Hier beißt sich für mich die Katze in den Schwanz.
Ich muss doch erst etwas schlecht finden, bevor ich dies zu verändern suche, oder nicht?
Bin ziemlich ratlos.
Habe mich diese Woche bei meiner Psychologin darüber ausgeheult, dass ich es mal wieder nicht schaffe, einen mir ins Herz geschlossenen Menschen nicht total zu vermissen.
Und was höre ich als Antwort?
Das wäre doch ganz normal! Hallo? Das finde ich eben nicht ganz normal!! Denn ich weiß, wo meine tiefe Sehnsucht herkommt. Also will ich es gerne einem alten Fühlen zuordnen und somit abtun können … geht nicht.
Ich stehe also wie blöd vor meiner Unfähigkeit, das mir geglaubt Gelernte nicht anwenden zu können, zweifle an meinem Verstand und hasse mich dafür, dass ich nach so vielem Lernen die Sache einfach nicht in richtige Bahnen lenken kann.
Aber die Psychologin setzt noch eins drauf und meint, mein Fühlen wäre normal, Selbsthass völlig unangebracht. Hä? Kann nicht sein! Ich schaffe etwas nicht, also werde ich doch sauer auf mich sein dürfen, oder? Wieso sagt sie mir, dass mein Inneres so fühlen darf?? Nein, soll es eben nicht! Ich will endlich Herr meiner Sinne sein.
Warum funktioniert das nicht, wenn ich doch alles verstanden habe? Wie kann ich denn ohne Wut auf mich selbst je etwas an mir verändern? Versteht ihr, was ich meine? Ich bin der Meinung, dass ich erst etwas schlecht an mir finden muss, dann kann ich mich an die Arbeit machen, dieses Schlechte auszumerzen, oder?
Anstatt mir in dieser Hinsicht eine Unterstützung meines Gedanken zu helfen, werde ich mitleidig angesehen und mir wird gesagt, dass ich hinnehmen muss, was mein Inneres und somit auch die Kinder fühlen, es wäre nun mal so und meine Entwicklung ließe vor einer Traumatherapie auch nichts anderes zu! Echt, so etwas will ich nicht hören. Ich will wütend auf mich sein. Ich möchte endlich mal nicht mehr so tief ins Fühlen rutschen. Ich will cool sein und das Leben mal hinkriegen.
Tja, da wünsche ich mir oft, die Psychologen treten mich mal in den Arsch, oder finden meine Wut gut für meine Entwicklung, und dann aber muss ich mir so etwas anhören. Und, dass ich wieder meine alten Muster bedienen will, in denen ich Strafe erwarte, im Sinne von: bist selbst schuld, es verkackt zu haben, also sollt du ruhig abstürzen. Oh je, ein größeres Durcheinander geht gar nicht.
Nun versteht ihr sicher, warum ich beim Urschleim anfing zu erzählen, vom Schritt eins und so weiter. Ich stehe wie blöd da, dachte, dass mein schrittweises Dazulernen mich nach vorne bringt, und dann fühle ich mich ausgebremst, nur weil ich keine Eigenwut haben soll. Aber ehrlich, die innere Wut auf mein eigenes Unvermögen war es doch immer, die mich hat weitermachen lassen, die einen Impuls gab: Nun erst Recht!
Eines aber, das konnte ich dieses Mal zu ersten Mal auch wirklich gut: Ich habe den anderen Menschen nicht abgewertet, weil ich um die echten Zusammenhänge eben weiß. Kann es auch nicht, weil zu viel an Gutem dahinter steht, was mir widerfahren ist. Ja und das mir Wichtigste: Will diesen Menschen auf keinen Fall verlieren.
Und nun das Perplexe: Darum werde ich schweigen, mich zurückziehen!!!!
Hallo? Wieder sehe ich einen Irrgarten hoch fünf.
Ich will festhalten an etwas, obwohl es in die Vergangenheit gehört. Ich will in meiner Fantasie bewahren, was da war! Will dieses Glücksgefühl nicht loslassen.

Jetzt aber will ich mich zurückziehen! Warum?
Habe wohl selbst Angst, wieder Blödsinn zu machen und somit den Verlust zu riskieren.
Aber ist das Zurückziehen nicht schon ein Verlust? Ein Verlust, den ich selbst herbeiführe?

Ich kann rauf und runter denken und fühlen … es bringt nichts. In mir ist Chaos pur, kenne nicht was richtig ist, verliere mein „Schrittsystem“ aus den Augen, oben und unten gibt es nicht mehr.
Deutsch: Bin völlig überfordert!
Hm, merke, dass hier mein Denken geschrieben hat. Auch mal gut.

Dieser Text soll ja an alle anderen Leser gehen, die den Blog aufsuchen um ein multiples System zu verstehen. Denen bin ich schuldig, diesen Artikel vollständig zu machen, damit überhaupt verstanden werden kann, warum ich mit ihm angefangen habe.
Ich will aufzeigen, dass trotz aller Mühe um „Genesung“, um die Entwirrung der eigenen Gefühlswelt, ein untherapiertes System sich nicht selbst helfen kann.
Warum? Was geht ab in mir?
Seit 10 Jahren bin ich in Therapie, aber habe noch nie eine echte Traumatherapie gemacht. Andauernd wird mir gesagt, dass ich mein Verhalten und mein Fühlen nicht beeinflussen kann, weil die Traumatas noch nicht aufgelöst sind. Ich selbst will das nicht wahrhaben, will mich steuern können, will Einfluss auf mein Leben haben können. Will die ganzen Abstürze nicht mehr haben, will nicht mehr im Gefühlschaos ersaufen.
Was ist heute in mir?
Kämpfe an gegen das falsche alte „Verlassen werden“, mache mir immer wieder die gegenwärtige Wahrheit bewusst …. sinnlos, es tut weh und hört nicht auf.
Und dies ist der Grund, warum ich so böse auf mich selbst sein möchte. Glaubte ich so viel gelernt und verstanden zu haben, scheint jeglicher Verstand nie existiert zu haben.
Lande immer wieder am Ausgangspunkt – der kindlichen Wahrnehmung, des irrealen Fühlens, und bekomme Wut auf diese Hilflosigkeit. Ich bin kein Kind mehr! Basta!
Mein Verstand ist voll da, mein Fühlen reagiert aber nicht auf mein mühsam erarbeitetes Wissen.
Das bringt tiefe Verzweiflung, Hass auf mich selbst. Wehe, es wagt mir jetzt jemand zu widersprechen, denn in diesem Fall ist diese Wut berechtigt, sie wird von der erwachsenen Mari gefühlt, die es eigentlich besser wissen müsste.
Nach vielen Wochen großen Glücks in mir, ist der Absturz umso schmerzlicher. Ich habe das alles so was von satt.

Körperflash

16. Februar 2013

Klinik: erlebter Körperflash:

Wache auf, geweckt von einem hilfeschreienden Kindergebrüll (erfahre später, dass da kein Gebrüll auf Station war), fühle mich gerädert, kann nicht wieder einschlafen und so entscheide ich mich, rauchen zu gehen.
Schon der Gang dorthin wird immer zittriger, mein Hals wird eng.
Minuten später bitte ich die Krankenschwester um Hilfe. Habe Angst zu ersticken, jemand drückt mir die Kehle zu, es schmerzt unsagbar, Luft holen strengt an und es kommt immer weniger Luft rein.
Panik setzt ein, weil der Körper mir entgleiten will. Die Schwester redet ununterbrochen, gibt mir dann einen Duftstoff, spricht von Atemerleichterungen, zeigt mir Körperhaltungen.
In ihrem Reden wird mir bewusst, dass da kein wirklicher Schmerz sein kann, sehe mich bewusst im Zimmer um, erinnere mich an den Frontallappen im Gehirn, der angeregt werden soll, lese Buchtitel, die da rumstehen, konzentriere mich auf die Worte der Schwester und nach und nach strömt wieder mehr Luft durch meinen Hals.
Gleichzeitig steigt ein Entsetzen in mir auf, das Pressen auf meinen Kehlkopf war real, nur nicht im Jetzt.
Ich zittere am ganzen Leib, schaffe es aber, gegen die aufgestiegenen Ängste anzugehen. Langsam werde ich ruhiger.
Die Schwester erzählt was von Körperflashs und ich erinnere mich an Schmerzen, die ich oft morgens beim Aufwachen hatte, an Körperstellen, die unmöglich in Schlafbewegungen an die Bettumrandung gelangt wären.
Erinnere mich auch, dass ich da schon oft an die Schläge in der Kindheit gedacht hatte.
Kann nicht wieder fest einschlafen. Der Morgen dann ist kein so guter.

Trigger und Flash

1. Februar 2013

Fundstück

Die Zerstörung des sozialen Misstrauens ist umfassend gegen die Umwelt gerichtet.

Traumatisierte Menschen entwickeln besonders feine Antennen für unbewusste und nonverbale Kommunikation,
sie haben keine “normalen” Beziehungen und schwanken zwischen intensiver Zuneigung und verängstigtem Rückzug.

Mitmenschen werden bestimmte Rollen zugewiesen und ihr Verhalten beobachtet.

“Da kaum jemand die ständigen, strengen Prüfungen des Vertrauens bestehen kann, zieht sich das Opfer im Lauf der Zeit mehr und mehr aus allen Beziehungen zurück.”

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Beschreibung der uns allzeit bekannten Flashbacks!

Für Laien unvorstellbar! Strandkrabbe hat bessere Worte dafür, als ich es je formulieren könnte! Also drucke ich ihren Text ab!

Strandkrabbe schreibt auf ihrem Blog:   „gefühlte Erinnerungen“    Posted: 22. April 2013

Ein Blick. Eine Bewegung. Ein Zucken im Gesicht. Ein bestimmter Geruch. Ein Wort. Ein Tonfall. Ein Gedanke. Ein Geschmack. Eine Körperempfindung. Ein ganz alltäglicher Moment……………………
Plötzlich geht der Alarm im Innern los. Es gibt eine leichte Erschütterung. Nur ein Vorbeben. Alle rennen, wollen sich in Sicherheit bringen bevor alles erschüttert und zerstört wird. Der Anteil der gerade im Außen ist, erstarrt vor Angst. Was wird gleich geschehen? Wie ein wildes Tier in Gefangenschaft peitscht im Innern die Angst. Füße wollen laufen so schnell sie können. Hände wollen vor noch mehr Worten, Tönen, Erschrecken schützen. Nichts kann es stoppen. Panisches Aufspringen, loslaufen wollen. Vor der Tür stoppen. Beine wollen laufen, doch sind sie wie gelähmt. Auf den Ohren nur noch ein lautes Rauschen. Der Kopf dröhnt. Und dann zerfällt alles in dichten Nebel.
Die Barriere ist durchbrochen. Schutzlos, haltlos, mutterseelenallein ist sie da. Die kleine, zarte, zerbrechliche Kinderseele. Sie ist ganz ruhig. Hat sich klein gemacht. In eine schützende Ecke gedrückt. In der Hoffnung zu überleben. Vielleicht würde man sie nicht sehen. Vielleicht würde man nicht bemerken, dass sie noch da ist. Sie ist ganz ruhig geworden. Sie hört ein Rauschen als wäre sie direkt am Meer. Oh wie schön es wäre, sie könnte die Hände ausstrecken und die Freiheit des Meeres fühlen. Sie ist allein. Oder doch nicht. Plötzlich ein Geräusch. Ein Klacken. Sie kommen. Sie werden sie sehen. Sie werden sie mitschleifen. Sie hat keine Chance. In ihrer Phantasie taucht sie ein ins Meer. Bis sie nichts mehr fühlt.
Watte im Kopf. Eine weiße Wand. Kein Boden zu fühlen. Schweben im luftleeren Raum. Und dann plötzlich etwas kaltes am Arm. Augen füllen sich mit Tränen. Suchend wird nach dem Kalten getastet. Wir sind im luftleeren Raum zwischen hier und da. Das Kalte, es ist der Schlüssel, der Reiz, der mich rausbringen kann. Wenigstens raus aus diesem Schweben. Doch was erwartet mich da, wenn ich hier raus bin? Tränen über Tränen brechen herein. Abgrundtiefe Traurigkeit, panische Angst. Noch immer sollte ich nur Laufen, weg von hier. Doch die Energie hat sich in Nichts aufgelöst. Die Beine sind schwer wie Blei.
Ich bleibe in einem Chaos aus Gefühlen von Gestern und Heute. Unsortiert. Nicht zu unterscheiden. Nicht wissend, was ist real und was Erinnerung. Keine Bilder denen die Gefühle zuzuordnen sind. Nur Angst, panische Angst. Und der Körper erscheint nur noch als Hülle. Im Kopf tanzen Gedanken wirr durcheinander, bilden sich nur noch Worte ohne Zusammenhang.
Eine Bombe ist explodiert. Es gab einen gewaltigen Knall, ein schweres Beben. Zurück bleibt ein unsortierbares Gefühlschaos.

Was ist geschehen? Wir haben einen Fehler gemacht. Wir haben um Hilfe gerufen und die Helfer hilf-und ratlos gemacht. Wir wollten gerettet werden und haben doch um Verständnis und Loslassen gebettelt. Wir haben Not, Schmerz und Angst bei denen ausgelöst, die uns am wichtigsten sind. Und Fehler werden doch immer bestraft. Oder nicht? Und anderen Schmerz zufügen, das dürfen wir doch nicht. Das ist doch verboten.
Wie konnten wir es nur wagen, unsere Not so sehr zu zeigen. Was ist nur geschehen, dass wir geglaubt haben, es wäre heute richtig, nach einer helfenden Hand zu suchen, als alles stockdunkel um uns wurde. Jetzt wird es wieder dunkel…………………………
Wir hätten doch vielleicht nie mehr Nähe zulassen dürfen. Niemandem mehr vertrauen dürfen. Nicht mehr um Hilfe bitten sollen. Jetzt tut es nur noch entsetzlich weh.

Hallo Ihr,
es ist so ein schlimmes Gefühl, so sehr in sich selbst zu versinken und gefangen zu sein in der Angst. Da haben wir großes Mitgefühl und Verständnis.
Und wir kennen auch das Erschrecken, wenn man merkt und sieht, dass Helfer überfordert sind, oder sich hilflos fühlen. Vor allem dann, wenn man zuvor viel von ihnen Angebotenes “genommen” hat, weil man es brauchte. Wenn die Helfer sich danach belastet zeigen, ist das für unsereins ein schweres, ängstliches Gefühl. Für uns ist wichtig, innerlich etwas auseinander zu halten: WIR zeigen uns mit unserer Not und eigenen Hilflosigkeit gegenüber bestimmten Zuständen oder Gefühlen. Die gefühlte oder gezeigte Hilflosigkeit der Helfer ist DEREN Erleben, kommt aus DEREN “Ich” und hat nur bedingt etwas mit uns zu tun! Wir machen die Helfer nicht hilflos! Wir lösen mit unserem Sein vielleicht etwas bei ihnen aus- aber die Verantwortung für den Umgang damit tragen sie selbst. Wenn sie in ihrer Hilf-und Ratlosigkeit feststecken, müssen sie selbst schauen, wie sie damit weiterarbeiten können- und nicht wir müssen uns darum kümmern, dass sie sich nicht mehr so fühlen. Versteht Ihr?
Dass Ihr Euch auf jemanden eingelassen habt und die ausgestreckte, helfende Hand ergriffen habt, war mutig und stark. Dass Ihr einem anderen Menschen begegnet und ihn in Euer Herz lasst zeigt, dass Ihr Euch Berührung und Begegnung auch wünscht. Daran ist nichts falsch!

nahe menschliche kontakte sind am meisten gebraucht und am meisten gefürchtet…. sie können so heilsam sein und sie können so sehr weh tun… ein mensch kann so gut tun und auch so verletzen… eine grenze kann sicherheit geben und ausschließen oder abweisen…
alles gehört wohl dazu, wenn man sich auf das leben und auf menschen einlässt.

Liebe Grüße, die paulines

Hallo Ihr,
Eure Worte sind so absolut wahr und wertvoll. Es war so wichtig, zu lesen, dass WIR nicht die Hilflosigkeit bei den Helfern machen, und dass WIR auch nicht für sie sorgen müssen. Wisst Ihr, uns passiert das schnell, dass wir denken, dass wir was falsch gemacht haben und jetzt alles zerstört ist. Es sind alte Geschichten in die wir da reinrutschen. Und dann kriegen wir das Heute und das Gestern nicht voneinander getrennt. Es war gaaaanz schwer und anstrengend, aber wir haben heute vieles verstanden und ganz langsam weicht die Angst wieder zurück und macht dem Vertrauen Platz. Nur am inneren Zittern ist noch zu erkennen, dass es noch nicht wieder richtig gut ist. Liebe Grüße von uns

Aquarelle malen

6. Januar 2013

           

                         

                

                         

                   

               

 

 

Herbstwald

 

Sommerabend          Szepezd

 

Brand                      Frühling 1

Mariechen erzählt ! 2005 Und die große Wucht !

2. Januar 2013

Fett gedrucktes ist das Erleben von Marie (2-3 Jahre  höchstens)

Ich möchte allen Lesern sagen, dass ich nie in meinem Leben eine Hypnose gemacht habe.
Traumatherapie benutzt diesen Mist gar nicht.

2005

Meine Traumatherapeutin sitzt an meinem Kopfende, ich liege auf dem Sofa. Sie bittet mich, in Gedanken an einen wundervollen Ort zu gehen und diesen dabei ihr zu beschreiben. Ich schließe die Augen, laufe in Gedanken über eine Wiese.  Je weiter die Therapeutin fragt, was ich dort alles so sehe, um so mehr kann ich alle umgebenden Geräusche aus der Praxis und von der Straße ausblenden.
Irgendwann in unserer Unterhaltung lande ich in irgendeiner versenkten Erinnerung und berichte natürlich darüber.

Aufzeichnung für meine Psychologin nach der Sitzung am 5.April 2005

In der Therapiesitzung von mir erinnert:

Ich sehe unsere erste Wohnung in der Fröbelstraße. Dort lebte ich bis zur 1. Klasse.

– der Flur ist zu klein für zwei Personen – rechts ein Minibad – geradezu das Wohnzimmer (auch klein) –
gerade da hindurch geht auf der rechten Seite das Kinderzimmer ab – auf der linken Seite das Schlafzimmer
– in der Kinderzimmertür stehend, sehe ich auf die sogenannte Kochnische (klein wie eine Speisekammer)
– so muss der Kühlschrank mit im Wohnzimmer stehen.

Das Schlafzimmer: braune, groß gemusterte, hässliche Tapete, rechts ein Wäscheschrank, geradezu das Fenster, links die  Ehebetten. Die Deckenlampe- 5 oder 6 flammig –Milchglas.

Scheiße, Tränen, zu viele Fehler, kann kaum tippen. Zurück zur Therapie, welches Bild da in mir hoch kam:

Sitze auf dem Bett in diesem Schlafzimmer, ans Kopfende gedrückt, mit angewinkelten Beinen, die ich umklammere. Bin noch so tappsig – merke –bin2 bis 3 Jahre alt höchstens.
Tausend verschiedene Gefühle:
Angst steigt auf – ob ich will oder nicht, ich muss warten – ein Weglaufen gibt’s nicht – warum ist Mutti nicht da? – Einsamkeit immer mehr – gleich wird’s wie immer – mir wird schlecht – Aussichtslosigkeit – machtlos – der Blick auf die Tür (noch bin ich allein) – ich will das nicht – bin wie schwerelos –verstecken – Übelkeit immer mehr – muss die Beine fester anpressen, dann kommt keiner ran – Mutti, wo bist du?
Starre wie gebannt auf die Tür – da wird das große Schwarze durchkommen.
Schwarz: das Schlimmste auf der Welt, die Wucht, das Unbeschreibliche, das jeden auffrisst.
Man kann’s nicht sagen, sonst wird der Zuhörer auch gefressen. Kann keiner aushalten. 

Breche bei der Nachfrage zur WUCHT das Therapiegespräch ab, habe Angst! Ein Junge verhindert weiters Erinnern, tut so weh..bin kurz vor einer Ohnmacht.

22. Mai 2005

Irgendwie habe ich keine Lust, über die letzte Sitzung am 5.Mai Notizen zu machen. Soll ich aber. Buh, in mir sperrt sich was. Da steckt Angst drin, weiß ich.
Wenn ich vergangene Woche versucht habe, mir die ganze Sitzung in Erinnerung zu bringen, dann funktionierte das nicht. Ich versuch’s einfach jetzt, soweit wie es geht.
Es ging auch um den Strudel, den ich immer wieder zeichnete. Er ist für mich ein altbekanntes Gefühl, wenn ich nicht mehr die Kontrolle über mich habe.

Im Schmerz passiert folgende Reihenfolge:
Im Brustraum steigt ein enormer Druck, steigt und steigt, nimmt mir fast die Luft. Ich empfinde den schwarzen Strudel, der nach mir greift und immer stärker mich in das Schwarze zieht – nach Innen – in mir- ein schwarzes Loch – der Druck steigt im Brustkorb – mein Körper fängt an zu zittern – scheine fast zu platzen. Dann – die Zeitdauer ist verschieden – fängt mein Körper sich an aufzulösen.
Was nun passiert, habe ich begriffen als Technik, die ich entwickelt habe und nicht beeinflussen kann.
Ich sehe jetzt einen Strudel, der mir hilft. Ich tauche in den Strudel ab, der mich entführt und beschützt.

In Gedichten erwähnte ich ihn unbewusst als „Kreise, die sich öffnen und mich rein lassen“, „bodenlos“ dann bin ich an einem Ort, den ich in Gedichten beschreibe: „Vergraben“, „Einfrieren“, „Raum voll Stille“, „im Grab“, „die Tiefe“, „bedeckt, meterhoch“ usw.

In diesen Momenten angekommen, beginnt das eigentliche Problem meines Alltags.
Diese Tiefe bedeutet, dass ich mich in meiner Wohnung verstecke, jeglichen menschlichen Kontakt meide – und das über Tage und manchmal Wochen. Weiß, dass dieser Rückzug nichts mit meinem Heute zu tun hat. Weiß, dass es der Schutzmechanismus aus der Kindheit war. War innerlich wie abgestorben und nichts konnte an mein Fühlen ran- war einfach unverwundbar- weil ich tot war. Dies geschieht heute noch, obwohl es real keinen Anlass gibt.
Aber ich kann diese Gefühle nicht steuern und beeinflussen. Sicher habe ich gelernt, mich abzulenken. Ich beschäftige mich mit Dingen, aber das Gefühl ist da, nur nicht so akut, dass ich mir den Tod als Erlösung wünsche.
Kaum liegt die Beschäftigung, steigt der Druck in der Brust an und Angst geht wieder los.

Hab mich gefragt, warum ich ein Gedicht von 1983 beginne mit: „Dein Gewicht lähmt mich, dein Flüstern zwängt mich ein…“
Finde heute, dass genau diese Worte das Gefühl des Zerplatzens beschreiben.

Nun zum Thema „WUCHT“.
Das ist mein Ausdruck für den extremen inneren Druck, den ich bildlich immer empfinde. Es ist riesengroß, schwarz, kommt in einer Bewegung auf mich zu, obwohl es im Inneren passiert. Dieses Schwarze ist für mich so extrem bedrohlich, dass ich unbewusst weiß, dass die Wahrheit dahinter nicht auszuhalten ist.
Es ist die Wucht für mich, nicht zu bremsen, weil ich mich dem so hilflos ausgeliefert fühle.
Und ich weiß, dass dahinter steckt, dass ich mich nicht wehren konnte.
Auf dem Sofa liegend wurde ich also am 5. Mai von meiner Psychologin befragt, was hinter dieser schwarzen Wucht ist.

Im selben Moment war da …
in mir ein Durcheinander – die Kinderschar war wieder da – und sofort kam vom 17 jährigen Jungen  „Halt’s  Maul!“ in einem so bestimmenden Ton, dass sofort Ruhe war.
Die Kinderschar versteckte sich hinter ihm, und er stand da – frech, triumphierend und diesmal mit einem „Halt’s Maul!“ zu mir.

Erst war ich erschrocken, dass dieses Chaos in mir wieder da war.
Dann war ich erleichtert, weil ich spürte, dass der Junge auf die Kleinen aufpasst.
Also, alles in Ordnung. Ich fügte mich seinen Worten und wollte nichts mehr über die Wucht sagen.
Was heißt wollte?  Es war alles weg …kein Empfinden mehr da….innen wie tot!
Gut so….ich fühlte mich wieder sicher.

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