Posts Tagged ‘Egostates’

Mein Leben lebt z.Z. im Chaos

23. August 2016

aus dem Tagebuch:

23.8.16

Die Zustände wechseln enorm, sind oft parallel, überlagert, irreführend.
Fersenschmerzen seit zwei Jahren ununterbrochen. Da hilft auch kein dissen mehr, lassen sich nicht mehr ignorieren. Tiefe Sehnsucht nach einem genussvollen Spaziergang…nach so langer Zeit scheint dies der Traum aller Träume! Weiß nicht mehr was wandern ist, was spazieren, erst recht nicht was tanzen, von Urlaub machen können mal ganz zu schweigen. Für alles braucht man die Füße. Gegen die Depressionen ankämpfen ohne solche Genüsse ist nicht einfach. Versuche das Nötigste im Leben seit zwei Jahren mit dem Fahrrad zu erledigen. Und nun will die Krankenkasse mir keine wichtige ambulante Reha gönnen. Zusätzliche Kämpfe die mich überfordern.
Rumms, bin bei den Zuständen, die mein Innen nach Außen kippen, Oben wird zu Unten, meine Kompetenzen sind vergraben im Niemands-Ich, im Haushalt weiß der Eine nicht, was der Andere macht…explodierende Espressokannen auf dem Herd…rumliegende Putzutensilien zeugen von Anfängen, aber…, Fisch in der Pfanne wird zu Kohle (man gut, dass in der Küche kein Feuermelder ist), Licht bleibt an, Fenster werden nicht geschlossen….meine Motorik spielt verrückt – muss extrem langsam machen selbst beim Aus-der-Badewanne-steigen, jede Ecke in der Wohnung wird „mitgenommen“, Kontrolle scheint verloren zu gehen…höre lieber mit dem Aufzählen auf, bringt nichts, ist zu viel.
Logisch, dass da Ängste aufsteigen. Noch bin ich völlig selbstständig, will das nicht verlieren. Nun hoffe ich, dass diese unkontrollierbare Zeit wieder vergeht. Kontrolle – das Schlüsselwort an sich! Davon lebte ich bisher, überlebte ich.
Appropo überleben.
Habe in meinen Unterlagen Notizen von mir gefunden:

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Oh Mann, ist es da ein Wunder, dass die Kleinen von uns Halt suchen bei Elfen? Halt, den ich momentan nicht leisten kann?
Ich sag ja, irre ist nichts dagegen.

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Unsere Jung’s sind Autofreaks

9. August 2016

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Muss echt aufpassen, dass wir nicht zu viel einkaufen.

Und dann…..seit Wochen freuen wir uns, tagtäglich Bagger anzusehen, und gigantische Bohrer!!!! Direkt dort wo wir wohnen. Nur die Große regt sich auf über den Krach und den Staub. Hi, Hi!

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Baaaaaaagggggger 😄😄😄

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Juchuuu

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Langsam verschwindet das Haus.

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Das Kind und die Schuld

2. August 2016

Seit ein paar Wochen arbeite ich an diesem Thema, und es schmerzt, verdammt nochmal!

Ohne viel Worte zeige ich Folien von Michaela Huber:

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Und heute kämpfe ich darum, meine Schuldgefühle abzulegen, das Unrecht zu erkennen, und die Verantwortung auf den „richtigen Tisch“ zu packen!

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Wenn plötzlich mehrere Anteile nach außen drängen

6. Juni 2016

6.6.16

Zurückerinnern, wann ich diesen Zustand zum ersten Mal bewusst fühlte, fällt schwer. Aber mindestens das letzte Jahr begann diese Art …. na ich nenne es mal Stress.
In den Zeiten (manchmal wochenlang) höchster innerer Anspannung reicht eine Kleinigkeit und mein Körper will mit Zucken beginnen. Tut er auch, wenn ich allein bin und ich es nicht unterdrücke. Dann erst höre ich im Innen lauter Stimmen, alles redet durcheinander. Einiges verstehe ich, anderes kommt nicht mal in Sätzen an. Ab diesem Moment kann ich im Kontakt mit Menschen dem Gespräch nicht mehr folgen, kann die nötige Konzentration einfach nicht aufbringen. So ein paar Minuten kann ich das Ganze verbergen, dann aber muss ich gehen, weil ich keine Kraft mehr habe, das, was da mit mir passiert, zu verstecken.
Ich habe das Gefühl, als wolle jeder (mind. 5) zu seinem Recht kommen, im Außen zu sein. Sie schieben, schubsen, drängeln. Ich habe dann das Gefühl, als wolle jede Gliedmaße in eine andere Richtung, im schnellen Wechsel. Ich bin ein zuckendes Etwas, wirr in den Gedanken. Und wenn da aber noch dazu die Gefühle jedes einzelnen dazukommen….Halleluja. Im schwierigen Traumabearbeitungssetting erlebte ich schon bis zu 30 Anteile gleichzeitig. Mittlerweile weiß ich, dass sie im annähernd gleichem Alter sind, und die gleichen Traumata haben. Warum sie so drängen weiß ich auch mittlerweile. Es sind die Meinwesen, die ich noch nicht kenne, die sich aber gezeigt haben bei Traumaexposition zu einem jeweils gleichaltrigen bekannten Anteil.

Ein Introjekt als Albtraum

4. Juni 2016

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8.6.16

Das Mäuschen im Wolfspelz

Jahrelang wurde ich im Inneren beschimpft und genötigt. Musste mir Dinge anhören wie:
„Du gehörst auf den Müll! Bist weniger als der Dreck unter Fingernägeln! So was wie dich braucht kein Mensch! Warum springst du nicht endlich? Mach dem Ganzen ein Ende, ist besser so für den Rest der Welt! Sieh dich doch an, du fette Kuh! Wage es ja nicht dich gut zu fühlen! Halt ja die Fresse, ich warne dich! Wenn du auch nur ein bisschen verrätst, ich warne dich!…usw., usw., usw.!!!!!!!!“

Kam ich der inneren Stimme nach, indem ich mich einigelte, mich selbst wegschloss, mich vollstopfte mit Lebensmitteln, Kontakte vermied oder känzelte….ließ er mich in Ruhe.
Aber wehe ich versuchte Bindung aufzubauen…dann wurde das Täterintrojekt aktiv, störte meine Kontaktversuche mit Kopfschmerzen, oder lautem Dazwischengerede, was mir die nötige Konzentration auf das Gespräch raubte.
Am Einfachsten fiel es ihm aber, mich mit Worten runterzumachen, mir jeden zaghaften Versuch, ein Selbstwertgefühl zu entwickeln, zu unterbinden.
Ein Mann Anfang Dreißig, boshaft, abwertend, drohend, angsteinflößend….so sah ich ihn in mir.
Eine Traumasitzung torpedierte er schon aktiv, und danach schien er im Inneren alles klein zu schlagen, verwüstete unser Haus, brüllte rum. Angst machen wollte er uns – und schaffte dies auch. Das war vor rund zwei Jahren.

Und dann vor einem Monat eine EMDR-Sitzung zu diesem Täterintrojekt, dem VERLEUMDER, wie er seit Jahren heißt. Ziel der Sitzung war, mich von meinem Selbstmordwunsch abzubringen. Perspektivwechsel nennen die Psych. das.

Für mich war es eine grauenhafte Sitzung.
An die Details kann ich mich nicht mehr erinnern, schließlich wurde er ja befragt…anfangs.
Dann war da irgendwann die Frage: „Was ist los? Wo sind sie gerade? Was sehen Sie?“
Ich sah nichts, ich roch! Ich roch den ekligen Gestank von kochenden Babywindeln. Und dann war ich in der ersten Wohnung meiner Kindheit, und ich fühlte aus mir heraus plötzlich jemand anderen. Was heißen soll, dass ich switchte.
Die Thera holte den erwachsenen Anteil dazu und fragte nach, denn ich zitterte plötzlich, rückte von ihr ab. Sie fragte, was der Verleumder sich von mir wünscht.
-“ Nähe zu anderen Menschen ist verboten! Wage es bloß nicht, du gehörst nur mir! Reden ist erst recht verboten! Wenn du auch nur ein Sterbenswörtchen zu jemanden sagst, dann schlage ich dir den Schädel ein!“

Sie schrieb alles auf Zettel, legte sie vor mir auf den Boden, und fragte wieder und wieder nach dem Grund!

Buha, das war wohl zu viel.
Plötzlich war ich 6 Jahre alt und starb vor Angst.
Wie ich auf die Thera wirkte, oder was da genau passierte, kann ich nicht sagen. Nur eines wurde mir bewusst: Sie versuchte immer wieder tröstend meine Hände zu greifen, ich dagegen fühlte dies mit Todesangst, schrie NEIN und weinte, zog meine Hände immer weg.
In mir drin ein Gefühl: „Wenn du das erlaubst, bist du tot!“
Wollte weiter weg von ihr rücken… ging nicht, da war die Wand.
Ich schrie sie an, dass sie weiter weg gehen soll, was sie dann auch tat.

Dann habe ich Lücken in der Erinnerung. Ich weiß nur noch, dass irgendwann ein riesengroßes Entsetzen in mir aufstieg! In mir, der Mutter eines eigenen Kindes…Entsetzen darüber, dass ein 6 jähriges Kind aus Todesangst Zuwendung ablehnt. Das Wort Entsetzen reicht dafür gar nicht aus, finde aber kein anderes.
Und der zweite Schlag war die Erkenntnis, dass hinter dem erwachsenen Täterintrojekt VERLEUMDER, diesem grausigen Mann in meinem Inneren, ein 6jähriges Kind steckt, ein eingeschüchteter, vor Todesangst schlotternder Junge.

Ich weiß nicht, ob Außenstehende nachvollziehen können, was da in meinen Gefühlen abging. Ungeheuerlich!

Erinnern tue ich mich auch noch an die völlige Hilflosigkeit der Thera, dass sie nichts weiter tun konnte, als wegzurücken.
Sie hatte ja eigentlich mit der Sitzung auch vor, dem Introjekt eine Neuerfahrung anzubieten. Tja, er wollte aber nicht aus Angst.
Aber …. Profi wie sie ist, sprach sie dann mit dem kleinen Jungen, fragte, was er sich wünschen würde.
„Wegfliegen, ganz schnell wegfliegen, in die Wolken hoch!“
„Mit wem willst du fliegen? Wer soll dich da raus holen?“
„Ein riesengroßer Adler“ kam als Antwort.

In dieser Sitzung wurde nichts „verraten“, kein Grund genannt für die Drohungen. Nichts kam als irgendeine Erinnerung dazu, nichts.                                                        (später: fremde Schreie)

Tage später bekam der Junge seinen Wunschnamen Florian. Weil er so flink ist, dürfen wir ihn Floh nennen. (Jetzt wisst ihr, warum ich ein Adlerfoto gepostet habe. Der Adler ist Florians innerer Helfer.)

Was dann später im Innen alles noch so seinetwegen passierte, und wie wir uns langsam annähern, dass schreibe ich ein anderes Mal.

3. F 44 dissoziative Störungen

29. Februar 2016

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Zusammenfassung von mir:

Die dissoziative Identitätsstörung F 44.8  gehört zu den Konversionsstörungen,

sie ist KEINE Persönlichkeitsstörung.

Sie ist ein Sammelsurium der dissoziativen Symptome.

Ist dies mein MEINSEIN?

13. Februar 2016

„Diesseitig bin ich gar nicht fassbar.

Denn ich wohne grad so gut bei den Toten,

wie bei den Ungeborenen.“

 

sagte Paul Klee 1920

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Öl auf Leinwand von mir:

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Irgendwie beschreibt dies genau mein Dasein, Zustand, Nichtsein, MEINSEIN.

Ich hänge in der Zwischenwelt.

13.2.16

Die innere Hölle

25. Januar 2016

 

Mit Acryl kann ich mich auf die Schnelle austoben – Gefühle aufs Papier ohne nachzudenken.

„Alles brennt in mir…………..

 

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Gib eine Beschriftung ein

…..kaum auszuhalten der Pulk an Gefühlen!

Und im Kopf findet sich kein klarer Gedanke, alles Denken schwirrt durcheinander…..

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In diesem Wirrwarr finde ich keinen logischen Schluss für mich.
Mein Kopf platzt, mein Körper, die Brust …. alles will auseinander fliegen.

Es kann nicht sein, dass man mich einfach nur so mag. ??? So kaputt ich bin?“
.

Wie es sich lebt als Multiple

14. Januar 2016

Hier wird ein Begriff falsch verwendet ->Persönlichkeitsstörung. Multiple haben keine PS-störung (erzogen, erworben mit Notsystem), sondern eine Identitätsstörung (veränderte Gehirnstruktur,- und funktionsweise).

-aus dem Internet:
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Eng mit dem psychisch bedingten Gedächtnisverlust verwandt ist die Symptomatik der dissoziativen Persönlichkeitsstörung.

Hier hat der durch seelische Traumata bedingte Gedächtnisverlust solche Ausmaße erreicht, dass ganze Teile der Persönlichkeit eines Menschen in die Abspaltung einbezogen werden.
Bei verschiedenen Anlässen treten dann ganz unterschiedliche Seiten der Persönlichkeit auf und handeln in Extremfällen, ohne dass ein Bezug zu den anderen Seiten besteht.
Ein solcher Mensch lebt wie zersplittert und hat größte Probleme, sich und die Mitmenschen zu verstehen. Weiterhin sind sein Lebensweg und seine Beziehungen von heftigen Wechseln und großen Schwierigkeiten gekennzeichnet.

Wenn sich – etwa durch ungünstige bisherige Lebenserfahrungen – ein starres Erlebens- und Verhaltensmuster entwickelt hat, kann dies zu Ieidvollen Störungen im Selbsterleben, v.a. aber auch zu schweren, sich ständig in ähnlicher Form wiederholenden Störungen in den Beziehungen zu anderen Menschen führen und die soziale Funktions- und Leistungsfähigkeit einschränken.

Persönlichkeitsstörungen sind somit als Extremvarianten bestimmter Persönlichkeitsstile zu sehen, wie sie jeder von uns entwickelt hat.
Die Symptomatik von Persönlichkeitsstörungen ist dementsprechend sehr vielgestaltig.
Beispiele wären etwa eine sehr stark misstrauisch-empfindliche Haltung der gesamten Umwelt gegenüber oder emotionale Kühle und ausgeprägtes Rückzugsverhalten.
Aber auch mangelnde Impulskontrolle, eine sehr schwere Selbstwertproblematik oder stark abhängiges, ängstlich-vermeidendes oder sehr zwanghaftes Verhalten können Ausdruck so einer Persönlichkeitsstörung sein. Charakteristisch für die Symptomatik bei Persönlichkeitsstörungen ist, dass sie lang anhaltend ist und als leidvoll erlebt wird.

Menschen mit einer dissoziativen Identitätsstörung fällt es schwer, ihr Erleben mitzuteilen, weil dies stark schambesetzt ist. Sie versuchen oft, ihre Symptome im Alltag zu verbergen, besonders ihre Zeitverluste, die sie am Tage erleben und ihre Identitätswechsel.
Sie bemühen sich intensiv, alles unter Kontrolle zu halten und teilen in ihrem Leben nur wenigen, sehr vertrauten Mensch ihr inneres Erleben mit.
Da sie manchmal auch innere Stimmen hören, tritt bei einigen Betroffenen die Sorge auf, falsch beurteilt und behandelt zu werden.
Im Übrigen können bei dissoziativer Identitätsstörung vergleichbare Symptome wie bei der Posttraumatischen Belastungsstörung auftreten wie z.B.:

erhöhte Schreckhaftigkeit

Depressionen

andauerndes Gefühl von Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen

andauerndes Gefühl von Betäubtsein und Stumpfheit

Vermeidung von Situationen, die mit dem Trauma zusammenhängen

Schlafstörungen

Alpträume.

Land unter

14. Dezember 2015

Von wegen schleichender Absturz….ich selbst denke mich kaputt. Und umso mehr ich über mich nachdenke, desto mehr finde ich alles, was in mir denkt und fühlt grauenvoll. Sehe in viele Situationen der letzten Jahre hinein : sehe verzweifelte Fixierung, sehe Klammern aufgrund von hilflos machender innerer Einsamkeit, sehe die Konstruktionen, die mein Kopf sich über einen Menschen gebaut hat, ich sehe Spontanreaktionen von mir, unüberlegt, grenzüberschreitend – weil mein Näheempfinden nicht das meines Gegenübers ist…… Und der Selbsthass steigt…ICH will das so nicht!!! ICH bin das nicht!!! Wie ein Überstülpen von außen, oder ein Marionettenspiel von innen. Oh, wie entsetzlich finde ich das Passieren, das, was oft so kindlich unbedacht ist, was aber nicht in mein Körper-Alter passt.

So denke und hasse ich mir seit Wochen die Nächte kaputt. Da findet sich kein Schlaf mehr. Dazu meine geforderte Tablettenumstellung – habe die Nase voll vom Fettwerden. Fazit der neuen Pillen: der Gedanke an Nahrungsaufnahme verursacht Übelkeit. Allergische Reaktionen ignoriere ich. Kann eh nicht einschätzen, was andere Menschen als schlimm und arztbesuchnotwendig erachten. Da kommt oft der Gedanke : Es wird bei mir mal ganz schnell gehen, weil Schmerzen, egal welche Stärke, noch heute von uns ertragen werden. Aushalten….ist ja nichts Neues. Diesen Gedankengang empfinde ich als tröstlich.

Ich wollte Schluss machen mit Therapien, Kliniken….15 Monate hangle ich mich durch ohne “Begleitung”. Was ist das Ende vom Lied? Weiß nicht wohin mit den Gedanken, mit den schrecklichen Gefühlen. Sie stauen sich im Inneren auf wie blöde. Es ist genau wie in der Kindheit, nicht wissen wohin damit. Der Stau will meinen Körper platzen lassen. Und ich tanze mal wieder auf der Grenze, die ersehnte, die Angst machende.

Dennoch gut, dass sich einer von uns immer rechtzeitig Hilfe holt. Die Erfahrung haben wir gemacht. Einer wenigstens will leben.

Meine Zersplitterung im Erleben

17. August 2015

Ich lese alte Aufzeichnungen in der Kategorie „Ich ticke anders“ den Text: „2003, was? Noch 10 Jahre?“

Oh verdammt, ich lese diese Zeilen, besonders die zu 2013 und wundere mich: “Wer von uns war dieser Meinung?” Wie viele verschiedene Erlebnisebenen gibt es in mir? Nicht mehr täglich tot sein zu wollen…. das lese ich doch in meinem Tagebuch erst als Ergebnis zu einer wundervollen Beziehung 2013 zu einer Stationsärztin. Eine Beziehung, die mir das Öffnen erlaubte, das SO- SEIN, wie ich bin. Eine Arbeitsbeziehung, die mir Willkommensein zu Bewusstsein brachte, Respekt gegenüber meinen Anteilen offenbahrte. Aber im Zusatz zu dem Artikel formuliere ich eine Zeit 6 Jahre davor. ?????????
Oh jeminee, immer wieder zu bemerken, dass das “aktuelle” Ich Dinge nicht mitbekommen hat….grauenvoll! Ich wünschte mir so sehnlichst, dass mir die einzelnen Anteile ihr Erleben, ihr Wachsen mitteilen würden. Könnte mir so viel Zeit sparen.
Puh, merke, wie zerstückelt scheinbar selbst das Erleben in mir ist.

Starre

3. Juli 2015

3. Juli 2015

Wo mich monatelang eine innere Unruhe trieb, die neue Wohnung fertig zu bekommen, alles im Inneren Hochkommende zu verdrängen, mich nur mit dem Außen zu beschäftigen, erklimmt heute in mir an jedem einzelnen Knochen ein Rumoren empor, nagt bis ins Mark, scheint sich zu einem inneren Explosionsherd zu entwickeln.
Es gab tausend Momente, bei denen ich da saß und dachte: „Und nun?“ Es gibt nichts Schlimmeres, als diesen Gedanken. Was fange ich nun mit mir an? Was soll ich tun? Saß einfach so da mit der Erkenntnis: Ob ich hier nun rumsitze oder nicht, es ist für die Welt da draußen uninteressant. da könnte ich doch gleich wieder ins Bett gehen. Buh, mir fehlt mein Beruf so sehr, meine Aufgabe.
Oja, höre jetzt schon Stimmen von Außenmenschen: Dann tu doch endlich was. Geh in einen Verein, engagiere dich ehrenamtlich usw.! Weiß ich doch alles. Aber dieses Dasitzen ist verbunden mit einer eisigen Umklammerung, mit einer Lähmung des Körpers, des Geistes. Irgend etwas in mir will verhindern, dass mein Geist anspringt, dass sich ein Leben lebt in mir. Und je mehr ich mir dessen bewusst werde, um so klarer werden die Hintergründe.
Teile in mir wissen um die Anwesenheit der Eltern in dieser Stadt, blockieren vieles an Aktivitäten, um eine Begegnung auszuschließen. Mir selbst ist das völlig Wurst. Eine andere Hemmschwelle für den Lebensmut ist die Tatsache, dass ich hier in der Stadt noch keine psychologische Begleitung gefunden habe. Da nagt die Angst, bei Zulassung intensiven Lebens in mir, hoch kommende Flashs nicht abfangen zu können. Ich verweigere das Leben, aus Angst vor dem Leben. Wenn das nicht völlig absurd ist. 12 Jahre lang hatte ich auf die eine oder andere Weise stets eine Begleitung, eine Begleitung durch Personen von außen, wo ich in größter Not vorsprechen konnte. Habe ich dadurch mein selbstständiges Leben verlernt? Bin ich feige geworden?
Radikale Akzeptanz! Ist klar! Depression ist so und so, bla, bla, akzeptiere dich damit, bla, bla. Ich kann doch nicht mein Restleben lang alles auf Diagnosen abschieben! Ich muss doch endlich mal zu Potte kommen! Ich hasse diese Starre in mir, auch wenn ich deren Ursache kenne. Wissen um die Dinge bringt mich aber auch nicht weiter.
Meine Freunde hier? Klar habe ich diese Kontakte. Aber Freunden erzähle ich eben nicht, was mit mir los ist. Ich nutze jede Kontaktmöglichkeit, die mir angeboten wird, (Oje, ich selbst suche den Kontakt noch immer nicht von mir selbst aus. Warte stets ab. Fühle mich noch immer zu viel.) mache alles mit, aber um Hilfe bitten, oder mich bei ihnen auskotzen, das tat ich nie, und werde ich nie tun.
Oft steigt in mir ein Vergleich hoch, der mich nervt: Da sitzt ein Kind rum, das auf einen Stups wartet, damit es loslaufen kann, oder darf. Als ob ich von außen eine Erlaubnis bräuchte.
Während des Schreibens wird mir klar, dass es sich tatsächlich um Zustände innerer Anteile handeln wird, was auch die innere Unruhe erklärt, die mich beim „So-dasitzen“ befällt. Ich finde keinen Nenner der vielen inneren Wünsche, viel zu unterschiedlich die Vorstellungen vom Tun, zu große Interessenunterschiede aufgrund der so extrem unterschiedlichen Altersstufen. Dieses Chaos lähmt mich.
Oje, und prompt verstehe ich, dass ich noch immer nicht die Arbeit nach Innen beherrsche, noch immer keine Innenkonferenzen abhalte, noch immer nicht auf die Bedürfnisse der Einzelnen eingehe. Und da genau lande ich beim Ausgangspunkt:: Angst vor dem aktiven Leben. Seit 8 Monaten bin ich jetzt in dieser Stadt, und seitdem blockiere ich alles von Innen Kommende, aus Angst, überrollt zu werden. Und dies sind dann auch die Monate, in denen ich nicht schreiben kann, nicht im Tagebuch, nicht im Blog. Denn Schreiben bedeutet nachdenken, dem Inneren nach zu spüren. Und das jagt mir Angst ein, wenn ich keine Therapeutin zur Not habe.
Angst macht starr. Starre nimmt mir das Leben.

Aus dem Tagebuch: Chaos im Inneren

17. April 2015

Nicht nur in den Tagen ist das Stimmungsbarometer ein wirres Auf und Ab, auch in den Stunden. Heute war so viel auf einmal in mir. Morgen kommt eine Studienfreundin als Übernachtungsgast. Da hieß es gestern den Einkauf erledigen. Und Ballett – Eintrittskarten sind besorgt, freu, freu.
Heute wollte ich meine sehr gedrückte Parallelstimmung durch Aufräumen und Bügeln weg drücken. Denn noch immer sind da Vorbehalte gegen die neue Thera, obwohl diese sofort nach meinem Besuch mit meiner alten Thera (sie hat’s mir gleich gemailt) telefoniert hat. Was ja ein Zeichen von Kompetenz und Gutem Willen ist. Aber irgendwie scheut sich alles in uns vor einem Neuanfang.
Ist ätzend, mir hängt noch so sehr die anstrengende Klinikzeit nach. Lieber täte ich diese in Angriff nehmen. Denn, obwohl ich die Sache mit dem leiblichen Vater äußerlich abgehakt habe, arbeitet im Inneren ein diffuses Gemisch von Hilflosigkeit, Enttäuschung, Fragen von ganz jungen Anteilen (die oft heimlich vom Vater abgeholt wurden ohne Wissen der Mutter) und ihr Gebrüll zu diesem Thema. An der Stelle (Sofie-Säugling) werde ich nie eine wirkliche Antwort finden, da kann niemals eine reale Erinnerung zu dem grauenhaften “Blitz-Bild” kommen, niemals. Ich war viel zu klein, das ist mir schon klar. Und obwohl ich dieses Bild im Tresor habe, rütteln etliche Anteile an dessen Tür, als wollten sie mir etwas sagen. Nun, ich bin nicht dumm. Mir ist sehr wohl klar, dass, wenn er es eben mal bei mir mit 16 versucht, es nicht aus heiterem Himmel kommt, dieses Verlangen. Und trotzdem bin ich als Große voll im Abstreiten. Möchte mich als dumm und krank hinstellen (uj, Introjekt lässt grüßen), als jemand mit krankhafter Fantasie. Wäre echt gut, wenn dies klappen würde. Tut es aber nicht, weil schon beim Denken dieser Abwertungen totale innere Unruhe entsteht, Schmerzen am ganzen Körper auftreten, der Kopf voll ist mit Weinen, und eine Schar von Kindern gegen mich in den Kampf ziehen will, weil ich sie nicht ernsthaft wahrnehme, alles leugne. Trara ….., ich mache genau das mit meinen Innenkindern, was die Eltern damals taten:”Halt die Fresse!”
Ein unlösbares Dilemma, wenn innere Chaoskämpfe stattfinden, ich aber die Wogen nicht glätten kann ohne wirkliche Erinnerungen. Klar,meine Hausaufgabe ist, dem INNEN zu vertrauen, genau hin zu hören, und ihnen zu glauben. Das weiß ich.
Aber stellt euch vor, ihr solltet plötzlich glauben, dass Milchtüten auf dem Acker wachsen. Würdet ihr? Sicher nicht!
So geht’s mir Großen zu dem Thema “schon als Säugling…”
Hej, das will man nicht wissen, und Teufel nochmal nicht haben! Punkt.
Oh Schitt, weg von dem Thema, hin zu einem wohltuenden, existenziellen: Unser Engelchen hat uns auf unsere Mail geantwortet, juchuuuuuuuuuuuuuuu!
Und plumps, tanzen die Kleinen wieder vor Freude: ihre Mami!!!!
Da werden von mir in nächster Zeit wieder Imaginationsübungen erwartet, besonders die : Dein ganz persönlicher Engel.
Da laufen uns jedesmal die Tränen vor Freude, weil wir echt das Gefühl haben, sie wäre bei uns. Mann, was haben wir sie lieb!
Sie war so absolut kurz an unserem Leben dran, aber sie ist bis heute der einzige Mensch, der es bis ganz nach Innen geschafft hat, einfach so, nur weil sie ist, wie sie ist!
Ein Engel eben!

 

Nachtrag: Dumm gelaufen…der zweite Therapeutenbesuch brachte mir nur die Absage! Sie würde aufdeckend arbeiten, nicht stabilisierend. Tja, das war ’s dann. Sellavie

Video: Versuch der Erklärung einer Dissoziativen Identitätsstörung

17. April 2015

https://m.youtube.com/watch?v=NpdJ3DHa1c4

Nicht schuldig

15. März 2015

Es ist wie ein Schlag ins Gesicht, wenn du begreifst:
Auch in der Ehe habe ich dissoziiert.
Ein Mann, der dir alles vorschreibt, wirklich alles, vor dessen Jähzorn du Angst hast, und dessen Sexsucht du nicht aushältst.
Was nur ein Therapiegespräch sein sollte, endete in einem Mix aus Wechseln der PS, verarbeitende EMDR-Technik, und am Ende in mir die grausame Erkenntnis:
Meine inneren Kinder haben die schmerzlichsten Momente übernommen, Kinder.
Zwei ganze Tage nach dieser Therapiesitzung fühlte ich so ein Entsetzen in mir, kaum auszuhalten. Schuld – das Haupt-Gefühl!!!! So als hätte ich selbst meine inneren Kinder zu ihrem Täter gebracht und sie diesem ausgeliefert. So einen gewaltigen Gefühlskrieg hatte ich lange nicht in mir.
„Versöhnung mit dem inneren Kind“ – ein Therapieweg – undenkbar mit diesem Schuldgefühl.
Und es war nur ein Gespräch über die ersten drei Jahre der Beziehung.
Die Steigerung aller Probleme mit diesem Mann, den ich erst nach 11 Jahren aus meinem Leben schmiss, die sind noch nicht auf dem Tisch.

Der Weg, den wir jetzt gegangen sind, war eine „Gerichtsverhandlung“. Mit Mühe nur hat dann jeder Einzelne von uns verstanden, dass nicht ICH schuldig bin, sondern der Mann. Die Wie’s und Warum’s, die genaue Erkenntnisroute will ich nicht hier beschreiben. Noch einmal hinsehen wäre zu kräftezehrend.

Dann….oft Gedanken an meine Tochter…sie hat mich geerdet. Was sie betraf, war purer Mutterinstinkt, der mich funktional machte, stark und beschützend, liebevoll. Gott sei Dank.

Wenn die Nähmaschine rattert

13. Juni 2014

…. dann geht es mir gut.
Wieder einmal war ich dabei, meine Wäscheschränke zu „lichten“. Ein Stapel zum Weitergeben, einer für den Müll, der letzte Stapel für den Versuch, durch Nähmaschinengeratter die Stücke so abzuändern, dass ich bei Gewichtszunahme doch noch rein passe. So stand die Maschine nun tagelang im Wohnzimmer. Nach dem Frühstück gab es kein Wegdissen mehr, sondern schwungvollen Elan an der Nähmaschine.
Ich genieße es außerordentlich, dass ich wieder so etwas wie ELAN buchstabieren kann.
Zwischendurch kamen aber auch die Kleinen von uns nicht zu kurz. Ich habe symbolisch als Babypuppen die kleine Sofie und die Annegret.

Schätze mal deren Größen als 38 und 25, im Vergleich zu Babysachen. So stöbere ich seit Jahren immer wieder in Babyabteilungen rum, und kaufe Größe 56, wenn es mich voll entzückt. (kleiner gibt es leider selten) Dann muss ich das Zeug auf Miniklein „trimmen“ .
Hier zwei fertig gewordene Beispiele:
– für Sofie:

Für Sofie

– für Annegret:

Für Annegret

Ich werde irre: Sofie hört nicht auf zu warten

23. April 2014

23.4.14

Was die Spaltung in verschiedene Persönlichkeiten zur Zeit mit mir macht!

Sperrt mich ruhig ein für das, was ich jetzt erzähle. Habe sowieso das Gefühl, langsam komplett irre zu werden, denn nichts unterliegt meinem Einfluss, was da in mir hoch kommt.
Es ist nicht auszuhalten. So oder so hab ich nichts mehr in dieser normalen Welt zu suchen.
Nur einer ist da, eine Helferin, die mit mir versuchen will, diesen so frühen Anteil von mir in eine imaginäre Sicherheit zu bringen.
Ein einziger mir bekannter Mensch, der aufgrund seiner Studien sich sicher ist, dass im Kleinkindalter genauso verdrängt wird, in Ecken des Gehirns versteckt wird, so, wie es auch ähnlich Erwachsene können.
Dies lässt mich dann aber fragen: Wenn die Wissenschaftler von Dissoziationen im Frühkindalter sprechen, von der Fähigkeit des Gehirns im frühsten Entwicklungsstadium sich anders als normal zu entwickeln zum Zweck des Überlebens, Dissoziationen bis zur Persönlichkeitsspaltung zu trainieren, warum wird dann noch immer von einem großen Teil der Fachwelt bezweifelt, man könne sich nicht an Dinge vor dem 3. Lebensjahr erinnern? Wenn es doch scheinbar nur in den Winkeln des Gehirns versteckt wurde?

Dies ist der Grund, warum ich sage: Schmeißt mich doch einfach auf den Irrenhaufen.

Ich gehe in einem alten Körper durch diese Welt, bekomme Pickel, habe Hitzewallungen und Altersfalten, und dennoch fühle ich die seelischen und körperlichen Schmerzen der Kleinen ab der Geburt.

Schritte, Schritte … sie können die Schritte unterscheiden … wenn sie Schritte hören, geraten sie in Höchstspannung … halten die Luft an … hoffen, warten, hoffen, warten, hoffen, warten … gehen die Schritte vorbei, ohne dass sich die Tür öffnet, fallen sie in einen tiefen, schwarzen Strudel, lösen sich auf … wollen sterben. Die kleinen Körper wollen bersten vor Schmerz … Schmerz … Sehnsucht … Schmerz … es ist so kalt … kalt … kalt … sterben … sterben. Ein Lichtstrahl, nur ein kleiner Lichtstrahl … selten, aber da … jetzt das Warten auf Schritte … Schritte … Warum kommen keine Schritte? Es ist doch Licht da! Kalt … kalt … warten … warten … hoffen … hoffen … Schmerzen … warten … warten … sterben … sterben. Augen … Wo sind die Augen? … der sanfte Blick, der uns Leben gibt …Warten … warten … hoffen … warten … er ist weg … wir wollen sterben … sterben … nicht mehr kalt … nicht mehr kalt … lieber sterben. Warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben, warten, hoffen, sterben … Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate!

Was ich hier schreibe?
Das, was ich bisher als mir völlig unbekanntes, diffuses Gefühl mit der daraus entstehenden Depression mein ganzes Leben lang mit mir rum trug, ohne Erklärungen dafür zu haben.

Seit Monaten aber habe ich all dies genau nicht nur mehr als Bild vor Augen, sondern auch genau in den Ohren, genau im Erleben, genau im Fühlen, genau in Worte fassbar. Und mit jedem Tag wird es schlimmer. Dieses unsagbar schlimme Fühlen.

Klar, leichter wird für mich, den Zusammenhang zu verstehen.
Leichter wird auch für mich, in alten Texten, Gedichten und in Zeichnungen das vor Jahren schon unbewusst nach Außen drängende Erlebte zu finden:
Schwarz, nur so ist`s gut – Warten – verschlossene Türen – Dunkel – Strudel – Schreie – gesichtslose Menschen – sterben wollen – Tod, Tod, Tod, Tod, Tod, Tod … wieder und wieder undefinierbar für mich damals beim Schreiben und Malen, weil nicht wissend woher. Leichter, weil ich endlich verstehe.

Heute?

Die Helferin müht sich, findet aber keinen Zugang zu den Kleinen. Alles Bemühen scheint umsonst. Sie ist lieb, ja, sie ist aber eben nicht unser Engelchen, das zu uns vordrang.

Der Alltag seit vielen Wochen ist der:
Schritte … egal wo ich bin … lösen das Warten aus, das Hoffen, das Zerreißen.
Ganz bestimmt einfallendes Licht – genau dieselben Folgen!
Warten müssen irgendwo, auf irgendetwas, … rumms entsteht daraus das Warten auf diesen einen, unseren Engel…rumms, ich rutsche in dieses Alter und fühle dieses schlimme Fühlen.
Schritte, Hoffen, Licht, Warten, Augen, Hoffen, Warten … Flash, Flash, Flash!

Okay, mir ist klar, dass der Weg sein muss, alles an Zusammenhängen zu erkennen, zu verstehen. So weit, so gut. Hab ich mittlerweile.

ICH. Ja, ich! Ich verstehe es! Aber nicht sie! Nicht die Kleinen. Sie sind noch dort. Sie sind zwar „wach“ geworden vor Monaten, zeigen mir seitdem genau das Erlebte von damals, aber sie sind noch dort, genau in diesem alten Geschehen von damals im Heim.
Sie weinen, schreien, weinen, warten auf ihr Engelchen, das sie aus ihrer Erstarrung geholt hat, das sie aber nicht wieder sehen werden, weil die „Kontaktzeit“ begrenzt war.
Und das ist das, was ich meine mit : IRRE!

Und wieder ist es mir völlig egal, was die Welt da draußen denkt über mich, aber ich bekomme die von mir scheinbar völlig getrennt existierenden Anteile nicht zur Ruhe. Und sie lassen mich nicht in Ruhe. Sie schütten all ihr Fühlen über mich aus, und ich stehe wie blöd da und kann nichts tun. So verzweifelt war ich lange nicht, es zerreißt mich.

Ich möchte einen Ausweg! Kenne aber keinen.

Pastellkreide, Kohle, Bleistift

15. April 2014

Pastellkreide – damit male ich am Liebsten!

 

                                 

 

 

                      Kreide Akt grün

 

gefangenes Licht                  Sonnenbaum

 

 

              Ohne Wort

 

 

 

Farben                         Gespalten, Kreide

 

 

 

Akt                                      Kreide Akt Tänzerin

 

 

 

Bettler                              Schwarz

 

 

 

                                

 

 

 

             

 

 

 

dunkler Engel                          Portrait Volkmar

 

 

 

Würfel im Netz                             Windungen

 

 

Glauchau                     Kochel am See

 

 

 

Perspektivwechsel

 

 

 

                  

Emma in Not

5. April 2014

5.5.14

Seit gestern habe ich immer wieder Brechreiz, hocke aber umsonst vor der Toilettenschüssel. Es würgt, es kommt aber nichts raus. Vorhin wieder. An das Gelernte endlich erinnert, habe ich mich gerade hingelegt, in Ruhe nach innen gefragt: Da war Emma da, auf dem Arm vom Dicken Ende, streckte die Arme nach mir aus. Ich nahm sie zu mir, wiegte sie, beteuerte immer wieder, es sei vorbei. Sie möchte brechen, ununterbrochen läuft Speichel aus ihrem Mund, den sie ausspucken will. Ich muntere sie dazu an: Lass es raus!
Uns ist kotzübel! Aber wir halten einander fest. Endlich hat sie Vertrauen zu mir.
Muss zugeben, dass ich seit meiner Rückreise die Kleinen nicht bedacht hatte, außer beim Einschlafen.
Werde mich mehr bemühen, versprochen!

Nach Innen schauen

26. Februar 2014

3. Intervall

Mittwoch, den 27.2.14

Ich habe einen wichtigen Entschluss für mich gefasst!
Möchte während meiner Therapiewochen hier auf Station meine Internettätigkeit fast völlig runter schrauben.
Habe in den ersten Tagen schon bemerkt, dass das Internet bedeutet, sich nicht mit mir selbst auseinander setzen zu wollen, mich abzulenken, nicht nach Innen zu sehen. Zuhause mag es eine notwendige Strategie sein, weil ich außer dem Therakontakt pro Woche keine weiteren pflege. Dort muss ich notgedrungen viel von mir weg schieben, weil ich Aufkommendes nicht allein abfangen kann. Hier aber habe ich das Auffangnetz und alles an Unterstützung! Wann also, wenn nicht jetzt, den Mut aufbringen, mich mit meinem Innenleben wirklich auseinander zu setzen?
Bitte wundert euch also nicht, wenn ich mich kaum noch melde bei euch. Ist in keinster Form persönlich zu nehmen.
Kurzinfo zum bisherigen Verlauf:
Zur vierten Anreise letzten Donnerstag bin ich das erste Mal als Erwachsene angereist. So konnte der Start also gut gelingen. Morgen ist meine erste Traumakonfrontation, in der es endlich um Marie gehen soll. Muss endlich sehen, wer durch diese Tür kommt. Nun den Rest des Geschehens „kenne“ ich ja schon von den Albträumen, den Körperreaktionen und ihrer Angst.
Zwar hat eine TT-Sitzung mit EMDR mir hier noch nie etwas Neues offenbart,aber ich hoffe, dass ich so weit bin diesmal.
Die andere Zeit möchte ich an den Täterintrojekten arbeiten, die mir das Leben so zur Hölle machen, die mir mein Leben im eigentlichen Sinne sogar stehlen. Also wird Muhex fällig, der Verleumder auch!
Ebenso möchte ich für mich allein hier die Zeit finden, unser inneres System neu zu struktuieren. Das Haus ist zu klein für alle geworden, es stoßen immer mehr dazu…uh, wie das klingt! Will bewusster nach innen hören, wahrnehmen, wie es da laufen soll. Endziel: Das noch immer auftretende Chaos mit Aufgabenteilungen schneller in den Griff zu bekommen.
So, heute steht nur noch immer wieder kehrende Imagination an, um Marie auf den morgigen Tag vorzubereiten, um sie ein Sicherheitsnetz zu spannen, das sie auch wahrhaftig fühlen kann. Nur so wird sie zuende reden, was so schlimm ist.
Ich sag mal Tschüss!
Und: Macht euch also keine Sorgen! Bin in guten Händen!

Tagebuch: Franzi und Jenny

5. Februar 2014

5.2.14
Gestern war der Gang zur Therapiestunde ein unbelasteter. Sagte gleich zu Beginn, dass ich nichts Aktuelles habe, sondern trainieren will.
Also war ihr (Thera) erster Schritt, ich solle zurück gehen an den erlebten, schönen Urlaubsort, um mit gutem Gefühl eine Ausgangsbasis zu schaffen.
So sehr ich mich auch bemühte, es kam etwas sehr Einsames mit traurigem Gefühl dazwischen, egal, wie oft ich wegschieben wollte. Die Thera sah mich genauer an, fragte, wer da zu uns kommen möchte. Ich wollte sauer auf sie werden, statt dessen traten mir Tränen in die Augen und ich verlor die Kontrolle über meine Coolness. „Möchtest du zu uns kommen? Willst du dich dort auf das Sofa setzen, mit dabei sein? Was möchtest du uns etwas sagen?“ fragte die Thera.
Rumms (=Switch), saß sie da, völlig verunsichert, klemmte ihre Arme verschämt unter die Beine, und glaubte nicht, dass die Frau da Interesse an ihr hatte. „Du kannst bei uns bleiben, kein Problem! Siehst du, hier passiert dir nichts. Hast du was auf dem Herzen?“ „Die lässt mich nicht lesen!“ „So, lesen willst du. Was möchtest du denn lesen? Sagst du mir, wie alt du bist?“ „12“ „Dann möchtest du sicher ein Kinderbuch lesen.“ „Ja, aber die liest immer anderen Kram.“ „Hat sie denn kein Buch für dich?“ Rumms, Mari: „Klar, wir haben `ne Menge davon. Aber momentan ein Kinderbuch lesen? Zu blöd, echt.“ Thera: „Wo liest denn du am liebsten?“ Rumms, „Im Bett, nachts.“ Thera: „Ja, das ist was Schönes!“ Rumms, Mari: „Im Winter ist es aber zu kalt im Schlafzimmer dafür! Die Arme draußen, und wir frieren uns `nen Ast ab!“ Thera: „Ich hab gehört, da gibt es…“ Mari: „Ich weiß. Wir haben uns früher einfach eine Strickjacke verkehrt rum über die Arme gezogen, damit es warm bleibt. Aber jetzt? Keine Ahnung. Ist einfach zu kalt!“ Thera: „Wie fühlst du dich mit dem, was Frau M. hier grad sagt?“ Rumms: „Das ist doof.“ Thera: „Wer bist du?“ „Franzi“ „Gut Franzi, dann sagen wir jetzt Frau M., sie soll dich ruhig mal ein Kinderbuch lesen lassen, ja?“ Freudig: „Oh ja!“
Lücken in der Erinnerung.
Spiegelneuronen! Ich sage der Thera, dass mir mal gesagt wurde, ich hätte Spiegelneuronen. Und dass dies für mich aussagt, dass in den ersten 5 Lebensmonaten im Heim jemand mich gemocht haben muss, dass jemand vom Pflegepersonal liebevoll mit mir war. Und ich äußerte, dass es wohl für die kleine Sofie schlimm gewesen sein muss, an den Wochenenden immer zu einer teilnahmslosen Frau (Geburtsfrau) zu müssen, die ihr fremd war.
Man kann auch ahnen, dass diese Tatsache nicht einfach für die Geburtsfrau gewesen sein muss, stets ein fremdelndes Baby zu erleben.
Lücken im Text.
Die Thera wollte mich aus irgendeinem Zustand ins Hier und Heute holen. Das Übliche folgte – welches Datum, im Raum verankern, Buchrücken lesen, Rechenaufgabe lösen.
Wir sahen an ihrem Gesicht, wie sie selbst schnell versuchte, die gestellte Aufgabe zu lösen. Rumms, quiekten wir los! Thera: „Hallo, wer bist du?“ „Ich find das lustig, wie sie sich anstrengen!“
Lücken im Text zu einer regen, spaßigen Unterhaltung einer 10 Jährigen mit der Thera. Sehe nur an meinen Notizen aus der Stunde, dass sie Jenny heißt, und es liebt, mit Menschen zu reden und mit ihnen Spaß zu haben. Jenny mag das logische Denken, das Rechnen, das Streiche spielen.
Im weiterem Gesprächsverlauf berichte ich, dass ich irgendwie als Schülerin zweigeteilt war. Außerhalb der Wohnung wollte ich leben, lachen, Spaß haben. Aber je näher ich der elterlichen Wohnung kam, um so mehr ging eine Wandlung in mir vor. Dies wurde nicht weiter beleuchtet, da es ja schon bekannt war.
Jedenfalls ging ich aus dem Gespräch – geschafft, zufrieden mit der Kommunikationsfähigkeit, verunsichert ob der noch so vielen Anteile in mir.
Sicher, ich habe verstanden, dass ich jeden willkommen heißen möchte. Dennoch steigt manchmal die Panik in mir auf, dass es immer mehr werden könnten. Mit dem heutigen Tag sind es schon 25 Anteile, die sich nach außen gezeigt haben, die auch eigenständig agiert haben. Das macht mich schon sehr unsicher. Und dann sehe ich auf mein „gebautes“ inneres Haus, und spüre, dass es nicht die Lösung für uns alle bleiben kann. So gebaut, kann es niemals das sich formierende System aufnehmen. Ich ahne und fühle, dass es wieder enorme Arbeit bedeutet, etwas Zufriedenstellendes für alle zu bauen. Etwas, wo jeder zu seinem Recht kommt.
Als ich heute einfach in einigen Zimmern aus einem einfachen Bett ein Doppelstockbett machen wollte, ging Gezeter in mir los. Keiner will das. Wogegen ich mich die letzten Monate ziemlich gesträubt habe aus Angst vor dem Abrutschen: Kontakt nach Innen aufzunehmen, dies wird wohl doch notwendig, damit ich wieder ruhiger werde.
Also, ich heiße Franzi und Jenny willkommen, und verspreche, ihnen einen schönen Platz an unserem sicheren Ort zu schaffen!

12.7.13

Franco ist 8 Jahre alt, ein kleiner Rotzlöffel, der Spaß am Leben hat, keck und äußerst verspielt ist.
Für mich sehr überraschend zeigte er sich vor 2 Tagen. Anfangs war ich sehr verunsichert, weil ich an Bewegung, Mimik, Gestik erst die 8jährige ausmachen wollte. Schnell aber stellte sich im Inneren Widerstand ein zu meiner Annahme, und wie ein Rumpelstielzchen pochte er stampfend auf seine Identität.
Nun denn, er ist willkommen, was soll ich dazu sagen? Es ist eben so!

Verschiedene Anteile

26. Januar 2014

Ich habe schon so einige Dokumentationen, Fachartikel und Forschungsberichte gesehen, gelesen, in denen dokumentiert wurde, dass unterschiedliche Anteile auch unterschiedlichen Blutdruck, unterschiedliche Hormonausschüttungen, unterschiedliche Blutwerte haben können, sowie auch unterschiedliche Gehirnareale reagierten, und so einiges mehr.
Meiner Meinung nach widerlegt dies die Behauptung, dass die Unterschiede nur aus dem unterschiedlichen Fühlen heraus wahrgenommen werden, aber nicht wirklich vorhanden sind. Es also nur eigene Wahrnehmungen sind.
Ich bin ein Mensch, der nur wissenschaftlich Nachgewiesenes glauben will. So lange dies nicht der Fall ist, bin ich selbst meist am Negieren.
Beim Auftauchen der Diagnose vor 11 Jahren, wurden mir zwar sofort “Eigenarten” an mir klar, dennoch glaubte ich, die Thera spinnt.
Die absolute Gegenwehr gegen ihre Ansicht setzte ein.
Leider sind im Laufe der Jahre, mit immer mehr Eigenerkenntnissen, meine Zweifel abhanden gekommen.
Zu den körperlichen Veränderungen, von einen auf den anderen Moment, im Falle eines Switches, möchte ich meinerseits als Beispiel, nur meine stark unterschiedlichen Sehstärken anbringen.
Auch wird immer wieder thematisiert, ob man den geswitchten Zustand überhaupt bewusst wahrnehmen kann. Mal ganz abgesehen von der Frage, was denn nun wirklich BEWUSST bedeutet.
Da ist ein Fakt, der mich von anderen Mitpatienten stark unterscheidet: Obwohl sich mein Körperempfinden abschalten kann, ich dann nichts mehr spüre, habe ich durch 29 Jahre Beschäftigung mit Motorik und Muskulatur (Sport) nie aufgehört, meinen Körper meist bewusst wahr zu nehmen. Wo andere beim Feldenkrais verzweifeln, weil sie nichts spüren können, kann ich aufs genaueste den Muskel lokalisieren, die Körperregion. So ist mir durch meine eigene Motorik anfangs oft im Nachhinein klar geworden, in welcher Altersstufe ich mich befand. Mittlerweile weiß ich es schon in den ersten Minuten. Was da nun Co-Bewusstsein ist oder nicht, ist mir völlig Wurst. Fakt ist, dass ich drauf sehe, aber nicht einschreiten kann.
Auch in den total verängstigten Kinderstates nehme ich die Unsinnigkeit im Heute wahr, kann aber nichts dagegen tun.
So habe ich nun mit meiner Therapeutin angefangen, das Switchen zu “üben”. Packt sie mir Spielzeug auf den Tisch, bin ich ratzefatz im Kind. Sie lässt mich diesen schönen, verspielten Moment genießen, zählt die Sekunden runter, und dann Peng, ein lautes Geräusch, eine auffallende Bewegung. Dann nutzt sie den Schreckmoment, mich wieder ins Heute zu führen, mich erwachsen zu machen mit Sehen, Riechen, Hören, Rechnen, Denken, Körperfühlen. Also mit allen Sinnen. Wo ich bis Dato nur das langsame Wegdriften schon an mir erkennen konnte, soll nun das Herauskommen aus dem kindlichen Zustand trainiert werden. Denn genau dieses Nicht-Heraus-Finden ist immer wieder mein Dilemma, besonders bei den Klinikaufenthalten mit den Traumakonfrontationen.
Was ich hier eigentlich sagen wollte:
Meine Anteile haben nicht nur unterschiedliche Fähigkeiten bezüglich ihres Fühlens oder ihrer Interessen, sondern sind auch physisch völlig verschieden in ihrem Entwicklungsstand. Das ist Fakt, lässt sich nicht leugnen. Ob in ihrer Motorik, oder auch ihrem Abstraktvermögen, in der Fähigkeit, logisch zu denken, oder ihrem Erfahrungsschatz, ihrem Wissen über die Welt. Selbst das Gehirn scheint bei diesem Wechsel seinen eigenen Entwicklungsstand zu haben.
Und noch eine Anmerkung!
“Ich bin Viele!” Nun, was soll der Spruch aussagen?
Viele getrennt voneinander? Viele nur nacheinander? Viele gleichzeitig? Viele voneinander unbekannt? Viele bekannt in einem Team?
Viele im Innen? Viele im Außen? Einzeln? Zusammen? Gegeneinander?
Ich denke, so komplex der Mensch ist, so komplex können auch die inneren Zustände sein.
Und ganz wichtig scheint mir auch die Tatsache, wie lange man sich schon mit sich selbst auseinander setzt. Die Schulung der Achtsamkeit, der inneren Wahrnehmung, denke ich, braucht Zeit und Übung.

Ich bin Ich, und Du bist Du

26. Januar 2014

Ich merke, dass es mir aufstößt, immer wieder von den Fragen zu lesen: Bist du multi? Bin ich multi?
Was bringt mir so eine Fragerei? Gar nichts, überhaupt nichts. Die Diagnosen sind mir so etwas von Scheiß egal, echt. Mich nervt das nur.
Ich bin ich, bin wir, sind uns, basta.
Wie jemand anderes darüber denkt…soll er. Ich muss mit meinem Innenleben klar kommen, nicht andere. Ich habe die Probleme an der Backe, ich muss meinen eigenen Kampf ausfechten, nicht jemand anders.
Ich lese sehr gern auf anderen Blogs, besonders mit dem Hintergrund, mir eventuell Tipps zum besseren Vorankommen daraus zu ziehen. (auch liebe ich das Lesen von sehr guten “Sprachen”- den Schreibstil) Und ich bemerke die vielen, enorm vielen unterschiedlichen Erlebensfacetten. Und ich lese sie mit Aufmerksamkeit und Respekt.
Obwohl ich auch in mir täterloyale Anteile kenne, käme ich aber nie auf die Idee, mir über das Empfinden anderer ein Urteil zu erlauben. Dies ist nun mal subjektiv. Ich möchte auch nicht durch mein Schreiben beurteilt werden. Ich möchte einfach nur sagen, was in mir abgeht.
Irgendetwas reagiert in mir mit Zorn, wenn ich lesen muss, was nicht sein KANN. In mir bricht ein uralter Wunsch nach Gerechtigkeit aus: “Warum lasst ihr mich nicht so, wie ich bin? Warum soll ich verkehrt sein?” Und es bricht der Urinstinkt nach Wehr aus mir heraus.
Ich liebe die Menschen, selbst wenn ich sie mir auf Abstand halte. Ich liebe das Verschiedensein an den Menschen.
Und ich habe sehr früh in meinem Leben gelernt, wert zu schätzen, was sie sind, jeden einzelnen für sich! Ich könnte mir nicht anmaßen, ein Urteil über sie öffentlich zu fällen, nur, weil ich eine andere Ansicht habe. Ich finde es sehr wichtig, den anderen mit seiner Meinung zu akzeptieren. Man kann miteinander reden. Aber das größte Dilemma wäre doch, den anderen von seiner eigenen Meinung überzeugen zu wollen. Was hätte man denn am Ende? Gleichheit, gepaart mit Gleichgültigkeit, nichts, was spannend am Miteinander wäre.
Aus diesem Grund wird es auf meinen Seiten stets nur um mich gehen, weil ich andere SEIN lassen kann, wie sie sind!

2016 Nachtrag:

Habe schon lange keine Kraft mehr irgendetwas auf anderen Blogs zu lesen. Es geht einfach zu viel in mir ab, da geht kein Blick nach rechts oder links, bin überfordert.

Tagebuch: Eine Hand fassen

23. Januar 2014

Ich saß Mittwoch beim Zahnarzt im Wartezimmer, mir gegenüber ein uraltes Paar, entspannende Musik drang aus den Lautsprecher. Was es nun war – das Hören oder das Sehen – keine Ahnung ….rumms, spulten sich alte und neue Bilder und Vorstellungen ab, fast parallel. Vom Vertraut sein der Beiden gegenüber, kam die Vorstellung, wie schön dies auch nach 25 Jahren Ehe sein müsste, und wie sehr dies bewahrt werden sollte…rumms, sah ich mich in verschiedenen Altersstufen in fremde, erleuchtete Fenster sehend, sehnsuchtsvoll mit dem Wunsch, einfach dazu zu gehören. Ja, zu wildfremden Menschen. Noch kleiner sehe ich mich unschlüssig auf der Straße stehen, ohne Mut, einfach eine fremde Hand zu fassen, und mit zu gehen. Bei fremden Menschen müsste es hundert Mal besser sein, als bei mir zuhause.
Ich sitze in dem Wartezimmer, mein Körper scheint bersten zu wollen an dem Wunsch: „Bitte nimm mich mit, ich will nicht mehr nach Hause.“ Jetzt beim Schreiben selbst kommt dieser Druck nach oben. Als stünde ich auf einem riesigen Platz, auf dem tausende Menschen kreuz und quer laufen, ich, ganz klein in der Mitte, von niemanden bemerkt. Und es brüllt so sehr in mir, aber meine Lippen bleiben zusammengepresst. Damals schon die Einsamkeit in einer Menschenmenge. Damals genötigt, stumm zu sein, keine Hilfe zu suchen, erstarrt zu verharren in dem, was sich meine Familie nannte. Und heute begreife ich den so enorm tiefen und verzweifelten Schmerz der kleinen „Marie“. Und mich erstaunt ihr Instinkt, dass es auch andere Familienkonstellationen geben muss, bessere. Und die enorme Sehnsucht, zu einer solchen gehören zu wollen, unsagbar.
Ich frage die Kleine, was sie sich denn davon erwartet. Die Antwort zitternd, fragend und dennoch klar (von vielen): „trösten, mal ein Lob, lieb gucken, keine Angst mehr, ankuscheln dürfen.“ Ich spüre, was ihr das Wichtigste wäre: sein dürfen unter stets liebevollen Blicken.
Wenn ich ihre Worte höre, dann steigt in mir eine Ahnung auf, wie sehr sie gelitten haben muss. Und ich kann es körperlich spüren.
Gleichzeitig frage ich mich, wie es möglich sein kann, dass diese einfachsten Dinge der Welt einem Kind verwehrt wurden? Ein liebevoller Blick! Aber das ist doch das Mindeste, was ein Kind täglich zum Leben bräuchte, oder? Wie kann man denn ohne gedeihen?
Rumms … man kann nicht ….man endet dann als 51 Jährige, die noch immer von der Sehnsucht überrollt wird, irgendwo dazu zu gehören … zu einer Familie, die intakt ist. Klingt jetzt merkwürdig, aber Fakt ist, dass wir oft in unserer Fantasie im Alltagsleben unserer Wunschfamilie integriert sind, mal als Kinder, mal als Freundin. Das ist doch verrückt, oder?
Nein, ist es nicht, denn dieses Fühlen ist das der kleinen Schmerzkinder von uns, die noch immer in ihrem Sehnen eingefroren scheinen.
Einfach eine Hand fassen von einem Menschen, der es gut mit uns meint!
Wenn ich auf mein Leben zurück blicke, stelle ich fest, dass ich an nur einem Punkt gescheitert bin. Nämlich an der Tatsache, dass ich mich stets fassen ließ.
Mir sind die Menschen zuvor gekommen, solche Menschen, die genau mein Defizit durchschaut haben. Und ich Trottel glaubte, man wollte mich meinetwegen. Es hat stets eine Weile gedauert, bis ich in einer Beziehung das ganze durchschaut hatte. Aber immerhin hatte ich dann immer die Kraft, mich davon zu lösen. Ein Anfang, oder?
Nun aber stehe ich da …. lasse mich nicht mehr so einfach fassen, weiß, worauf es mir heute ankommt. Und?
Nichts!
Hindert die eigene Vorsicht? Ist es die Angst vor erneuter Enttäuschung?
Nein!
Denn ich hatte den Versuch gewagt bei einem Menschen, der genau das war, nach dem alle von uns suchten, alle, ohne Ausnahme.
Es steht nicht zur Debatte, dass dieser Versuch in die Hosen ging, nein!
Zur Debatte steht: ich hatte den Mut, ich hatte die Kraft, ich wusste, was mir gut täte, und ich hätte alles dafür getan, das es funktioniert!
Ich hatte also nicht aufgegeben, ich habe neu dazu gelernt, ich hatte eine richtige Wahl getroffen, ich habe mich nicht an die Hand nehmen lassen, sondern selbst nach einer Hand gefasst.
Die Kleinen sind damit also einen Schritt weiter. Selbst mit dem Schmerz, dass ihr Glück nur kurz war.
Und ich?
Dazu finden sich jetzt keine Worte mehr! Nicht heute.

Erwachsen sein?

17. Dezember 2013

Mir wurde vor Kurzem von einem Menschen, der lange schon Umgang mit schwer traumatisierten Menschen in einer Klinik hat, gesagt:

„Ich war geschockt, als ich erfuhr, dass Sie 25 Jahre in ihrem Beruf gearbeitet haben! Ich hatte bei Ihnen gedacht, dass Sie nie arbeitsfähig waren in ihrem Leben, so, wie ich Sie hier sehe und erlebe. Ich habe immer das Gefühl, Sie wollten am Liebsten unsichtbar sein.“

Oh Mann, das hörst du, bist erstmal wie gelähmt, und dann steigt die Verzweiflung hoch.

Aber in diesem Gespräch, so glaube ich jedenfalls, konnte ich das erste Mal einem Menschen deutlich machen, wie schlimm es für mich ist, dass seit 11 Jahren alles an Fähigkeiten weggebrochen ist. Dass ich ein anderer Mensch zu sein scheine. Nichts ist mehr wie vorher! Du hast keinen Boden unter den Füßen, findest keinen Halt mehr.
Ein Viertel Jahrhundert habe ich mit guter Leistung dem Staat gedient, habe seine Kinder erzogen, behütet, ihnen das Leben gelehrt. Ein Viertel Jahrhundert! Das klingt doch nach einer langen Zeitspanne, oder?

Und plötzlich, von heute auf morgen, finde ich mich in einem anderen Film wieder, einfach so. Warum?
Mein Stiefvater hatte seinen Besuch bei mir angekündigt. Rumms…war ich auf einmal in der Kindheit, weinte und schrie …meine Tochter stand hilflos daneben, geschockt.
Seit diesem Tag war alles anders. Es war ein Tag im September 2002.
Der spätere Versuch (ein Jahr danach), wieder im Beruf Fuß zu fassen, dauerte nur knapp zwei Jahre. Zwei Jahre, in denen alles an Symptomen stärker wurde, sich die Zwänge, der Ekel, die Schmerzen, die Flashs, die Dissoziationen verstärkten.
Der schnelle Wiedereintritt in den Beruf war der größte Fehler, der begangen wurde, leider nicht von mit initiiert, sondern gegen meinen Willen durchgesetzt. Ich selbst wusste ja, dass noch überhaupt nichts stimmt mit mir nach diesen ersten 9 Monaten Therapie.
Seit dem einen Tag im Oktober 2002 ist jede Therapie daran vorbei gegangen, etwas Erwachsenes aus mir wieder hervor zu holen. So oft ich darum bat, keiner nahm mich wirklich ernst mit diesem Wunsch.
Scheinbar wirkte ich reif genug, stark genug, meinen Alltag zu bewältigen.
Aber wie soll man Therapeuten klar machen, dass dies schon die Kinder können, weil sie es immer können mussten? Niemand nahm mich wirklich ernst, niemand.
Und glaubt mir, ich habe stets gewusst, was ich brauche, und es immer angesprochen. Aber es war umsonst.
Es ging immer nur um „Stabilität“.
Stabilität? Was ist das für uns? Überleben, irgendwie!!!!! Also wurde alles an Fertigkeiten heraus geholt, was die Kinder hatten. Rumms … genau dies ist der Punkt! Fertigkeiten der Kinder!
Und die hatten sie, sonst wären wir längst nicht mehr am Leben!
Also fleißig verstecken, dissoziieren, tot stellen, nichts fühlen! Ich kann euch sagen, dass ich immer sehr offen in den Therapien war. Aber wirklich zugehört hat wohl niemand.

Und nun stand ich also da, hörte, welchen Eindruck mein Verhalten hinterlässt, war geschockt, aber gleichzeitig war es ja seit 11 Jahren nichts Neues für mich! Darum verstecke ich mich ja vor der Welt! Weil ich mich eben NICHT wiedererkenne, weil ich mich schäme, weil ich keine Zumutung sein will.

Diese vielen Jahre falschen Trainings soll ich nun schlagartig ändern können: Ja, da sein Sie doch mal erwachsen!
Halleluja! Fein!
Hu, jetzt steigt endlich mal Wut hoch. Wut auf die Behandler, die sich Traumatherapeuten nannten, die von sich glaubten, allwissend zu sein, alles zu kennen und zu können! Ich, die stets deutlich war, habe meinen Mund umsonst fusselig geredet. Warum hört man dem Patienten eigentlich nicht zu? Er weiß doch am Besten, was in ihm abgeht! Vielleicht war auch dies der Grund, mich selbständig mit der Fachliteratur zu befassen. Hilfe zur Selbsthilfe! Nur … es funktioniert nur in der Theorie, der Verstand begreift die Zusammenhänge, die Lösungsvorschläge …der Verstand!
Der aber scheint abgetrennt von meinen Ich-Wesen. Sie verstehen dies nicht. Nun rede ich mich an mir selbst fusselig …auch umsonst.
Ich hab den Hals voll, echt!

Ach nee, so viele mehr?

15. November 2013

14.11.13

Ohne Kontrolle jeden reden lassen, egal ob wir ihn schon kennen. So weit konnten wir bisher nicht denken, wenn das Chaos im Kopf einsetzte und so viele Unbekannte mitquakten.
Gleich 11 Uhr, sehen aufgequollen aus, Schlafmittel hat Schlaf gebracht nach einem Verzweiflungsheultag.
Am Nachmittag heute noch die TT, oh menne, wird wohl noch krasser werden! Hab mir gemerkt, dass wir mehr aufschreiben sollen, und Scheiß drauf, wer es von uns tut.
Seit gestern bin ich Viele da, Drängelei, jeder will sein Zeug loswerden. Ich kriegs ab und komme noch nicht zurecht mit Fürsorge. Geht irgendwie nicht ohne Ortungssystem, sind zu viele und kenne sie nicht. So viel Schmerz auf einmal ausspucken wollen macht mich konfus.
Dazwischen die Kleinen, die im Arm bleiben wollen und so sehr nach Engelchen schreien. Ankuscheln, einkuscheln, wohl fühlen, keine Angst haben müssen. Weiß nicht, wer ich bin, weil ich das Gleiche fühle. Möchte nur noch auf einen Schoß, drauf einschlafen, ohne aufwachen zu müssen. nie mehr, wär gut.
.
.
Warum kann dieses Arschloch sich nicht selber mal eins in die fresse haun? Der Hu##nsohn müsste mal von ner ganzen Truppe so verprügelt werden, dass er nach Mami wimmert, der Arsch.
Psst, sonst hört er uns, versteck dich lieber.
Wozu, soll er doch kommen, ist eh schon Wurst. Wo ist mein buch? Legst dus mir hin? Versprochen. Ich hab solche Angst! Brauchste nich, sind doch da, kommste einfach zu uns. Wir können ja auf die silberne Brücke gehen, und die Frau Zeit macht Kakao. Dickes Ende, kommst du mit? Jo! Uh, soll sich der Pimpel seinen Gürtel doch selbst holen, dieser faule Sack. Werde ihm ins Gesicht grinsen, bu! Hälst du mich fest? Klaro, der soll nur mal in deine nähe kommen, da wirds rot, das sach ich dir.

15.11.13

Die TT war nicht schlimm. Nur der Augenblick, als die Thera und Kathrin rausgehen, uns alleine lassen wollten, nur weil wir tot sein wollten. Haben geflüstert ” nicht gehen”
Aber dann sind wir aber alle zusammen losgegangen (imaginär) haben uns einen Tisch gedeckt mit lauter schönen Sachen drauf, und ohne Stock im Rücken und Angst und Pflichtwurst. Da gabs Luftballons und wir durften alle reden und lachen und essen was wir wollten. Wolln wir jetzt immer machen. Weiß nich, ob alle raus sind ( aus der Familiensituation), da waren so viele wie 30 oder 40 Kinder. Manno, brauchen viel Stühle. Aber je mehr umso viel Spaß.
Die große hat uns abends n Schokoladenstulle gemacht und wir durften dabei einen trikfilm gukken, was mit lieben Monstern.
Und gemalt haben wir ein bild für die Tante.

Gebeutelt

15. November 2013

8.11.13

So Leute, war in der Stadt und habe vier Bilderbücher gekauft….grrrrr…grins. Drachen, Elfen mit Glitzer. Das wird uns gut tun. Und dann noch ein Erwachsenenbuch über Lieben, lange Beziehungen, und warum Se# überbewertet wird. Dort wird viel von der Chemie unseres Körpers gesprochen. Bin ja mal gespannt.

Sonst gibt es nichts neues.
Am Vormittag war irgendwie ein Unruhestifter draußen, der nicht muh und nicht mäh wollte, völlig hin und hergerissen schien und unruhig. Ganz besonders war er stinkig. Hat sich aber zusammenreißen können. Also niemanden blöd angemacht.
Es war aber anstrengend, so jemanden unseren Körper zu überlassen. Und … wer war es, woher kam er? Schien uns unbekannt. So unmutig und unzufrieden mit sich selbst, buha, war ne Herausforderung, ihn im Zaum zu halten.
Nu isser wech, auch gut!
Morgen stehen HA an – noch etwas gründlicher die bekannten Traumatas notieren, da die Liste für die Thera hier nicht viel aussagt. Da heißt es dann wohl wieder: dolle auf uns aufpassen.
Dann will die Thera auch noch, dass wir uns für die nächste Sitzung am Montag selbst das Thema raussuchen….uuuuuuh, glaube dies macht uns so konfus!

Kuscheln

15. November 2013

5.11.13

Mir ist klar geworden, dass sich noch etwas in unserem Haus ändern muss.
Das Allerwichtigste: eine riesengroße Kuschelschlafecke im Innenraum auf der ich liegen kann, und alle anderen sich zum Schlafen rankuscheln können. Habe dies seit gestern “praktiziert”, um keines der Kleinen zu benachteiligen, … und was soll ich sagen? Der Schutz nach innen kommt besser an! Und im Außen bewege ich mich etwas ruhiger.
Ja, alles gemeinsam tun, und die Zimmer nur als freiwilligen Rückzugsort nutzen, das ist es! Uns scheint es damit besser zu gehen!
Auch ist das -zur Ruhe kommen- etwas einfacher.
Hej, ihr Süßen, langsam verstehe ich, was ihr braucht, und…..dass ich es euch geben kann!

Umgestaltetes Innenleben

3. November 2013

3.11.2013

Musste das innere Haus ändern aus mehreren Gründen!
Franco ist dazu gekommen, die Introjekte haben sich geoutet. Und diese sollen nicht im Strafbereich sein, sie gehören schließlich zu uns. Aber wir haben nun eine Etage drauf gebaut, wo sie sein können, ohne dass die Kleinen unten Angst haben müssen vor ihnen.
Aus dem Strafbereich habe ich ein Spiel-Toben-Bereich gemacht.

Die kleinen, noch immer mir unbekannten weinenden Kinder, die ich Schlafseelen nenne, sind raus aus dem Haus, weil sie beschützt sein müssen. Sie sind im Garten auf einer Wolke (unsichtbare Kette bis in den Boden), haben dort ihre Kuschelbettchen und werden von zwei Elfen bewacht.

Das Zimmer der drei Kleinsten(mit Annegret) werden wir nach außen riesig „ausbeulen“ und einen runden Schlafbereich bauen. Auch das wird alles aus Glaswänden und Decken sein.

Die Introjekte sind in die erste Etage gezogen und können nur mit Kathis Genehmigung nach unten.
Das DICKE ENDE ist ein imaginärer Spiel, Kuschel, Beschützer-Gefährte, der darf immer runter.

Innere Konferenzen finden noch immer unten am großen Tisch statt. Besonders vor den EMDR Sitzungen wird dort geplant, wer mit wem wohin! Um uns vor den Introjekten zu beschützen, werden sie vorher ordentlich verwöhnt und dürfen dann währenddessen was leckeres kochen.
Den kleinen Drachen, mein ICH-Synton, beziehe ich öfter ins Geschehen ein, weil wir ihn irgendwann umwandeln möchten. Er kann ja nichts dafür, dass er sich immer so fühlt.

Nachtrag am 8. Nov.:
Der Konferenztisch in der Mitte wurde so umgebaut, dass er sich auf Knopfdruck im Boden versenkt und eine Schlaf – Kuschelwiese nach oben kommt. So kann die Nacht außerhalb der Zimmer verbracht werden, an eine Erwachsene gekuschelt!

Mehr fällt mir gerade nichts ein, was ich zu unserem Haus sagen könnte!
unser Innensystem

Die erste Etage mit noch freien Zimmern.

Innensystem 1. Etage

Selbstanalyse – Sofie’s Verlust

2. Oktober 2013

2.10.13

Seit Wochen nun vergeht kein Tag ohne dieses Wegrutschen in die unbeschreibliche Hilflosigkeit.
Und immer deutlicher bekam ich Signale, die von den Säuglingen stammen. Klar erschreckt mich das. Es ist und bleibt mir unverständlich, dass man als Mensch so weit zurückliegende Erlebnisse und Empfindungen neu erleben, erinnern kann. Ertappe mich immer wieder beim Abstreiten.
Trotz aller Schmerzen habe ich aber genau hingesehen, habe (und das tu ich heute noch) Situationen im Heute und meine unverständlichen Reaktionen darauf versucht zu begreifen.
Je mehr ich mich damit beschäftige, umso klarer werden für mich die Antworten.
Die Kleinsten kommen nicht klar mit der Trennung von ihrem Liebmensch.
Ich fand nun Passagen zur Säuglingsforschung:

„Die Erfahrung des eigenen Seins entwickelt sich aus der Erfahrung der gelebten Beziehungen.“ (P.Janet)

„So erfährt der Körper sich über den Körper des anderen, die Art und Weise von dessen Präsenz entwickelt die eigene!“

Bsp. „Wenn jede Vorhersagbarkeit der Reaktion für das Kind entfällt, reagiert es mit Schreien, dann mit allen Anzeichen von Vermeidungsverhalten, Fluchttendenzen und Panik und zuletzt verfällt es in einen apathischen Zustand der Nicht-Reaktion. Es stellt sich tot, reagiert nicht mehr.“

„Traumatisierung ist die Erfahrung von Hilflosigkeit, mehr noch: von Handlungs-Unwirksamkeit!“

Das Merkwürdigste von allem ist: Ich hatte diese Dinge im Fühlen von mir verstanden, noch bevor ich die Bestätigungen aus der Fachliteratur fand. Was mir sagt, ich bin auf einem guten Weg – den Weg des achtsamen nach Innen-Schauens, dem Weg der Selbsterkenntnisse.

Erinnere mich, Sofie entwickelte blitzschnell eine Präsenz, kaum, dass sie den „anderen Körper“/Mensch für sich gesehen hat, kaum, dass sie gelebte Beziehung fühlen konnte. Dieser Mensch war für uns ein Engel, für Sofie die ersehnte Mami.
Sie war plötzlich in uns so dermaßen oft draußen, es fühlte sich wie eine Neugeburt an, eigentlich wie eine Geburt an sich.

Sie durfte plötzlich in uns etwas sein. Wir fühlten uns alle plötzlich berechtigt, leben zu dürfen, sein zu dürfen.
Dass Sofie damit gleichzeitig ihr extrem schmerzvolles Fühlen über uns auskippte, brauch ich wohl nicht erwähnen. Aber je schmerzvoller es war, umso mehr nahmen wir die Bindung zu ihrem Engelchen an, umso mehr griffen wir nach diesem Halt.
Das war mir damals alles sehr schnell klar.

Und heute verstehe ich dann auch, warum ich seit Wochen so nah an der Grenze lebe, so nah am sterben wollen.
Die Ersterfahrung des Säuglings endete nun in gefühlter Ablehnung.
Ich kann versuchen wie ich will, ihr begreiflich zu machen, dass nicht sie abgelehnt wurde. Sie kann es nicht verstehen, was ich nun auch kapiere! Sie ist zu klein für diese Zusammenhänge, ihr Denken ist noch lange nicht so weit. Sie kann nur spüren, fühlen, reagieren … mehr nicht.

Und das alles durchlebe ich jetzt seit Wochen, ihr Leid, ihr sterben wollen.
Trost von uns kommt kaum an. Weil sie nicht wirklich mehr bei uns ist. Sie wollte ja woanders bleiben. Nur scheint es ihr nicht mehr gut zu tun, weil wir nicht mehr wirklich an sie rankommen.
Wir fühlen, was sie fühlt, aus uns herauskommend, aber von uns auf sie scheinen wir keinen Einfluss zu haben.
Muss eine Lösung finden, nur welche…?
Imaginär versuche ich es seit Wochen umsonst.

EMDR – Therapieform bei posttraumatischen Belastungsstörungen

7. September 2013

Genau auf diese Art habe ich EMDR auf der Traumastation  erlebt!

Nun, Ergebnisse kann ich noch nicht fühlen, da ich erst ganz am Anfang stehe! (4 Intervalle folgen noch)

Dieser Text ist aus dem Internet gefischt. Ist so klar und einfach erklärt, dass ich nicht von meinen Erleben reden muss. Dies hier ist für jeden Laien verständlich. Und ich kann im Moment nicht gut schreiben oder nachdenken. Mir geht es zu schlecht.

EMDR = Eye Movement Desensitization and Reprocessing

Eye Movement Desensitization and Reprocessing, kurz EMDR, ist eine von Francine Shapiro in den USA entwickelte Behandlungsmethode für Trauma-Betroffene aus dem Bereich der Psychotraumatologie.

Bei EMDR regt der Therapeut den Patienten nach strukturierter Vorbereitung zu bestimmten Augenbewegungen an, wodurch es möglich werden soll, unverarbeitete traumatische Inhalte zu verarbeiten.

Inhaltsverzeichnis
1 Abgrenzung
2 Entstehung
3 Wirkungsweisen und Hintergründe
4 Ablauf
5 Gefahren
6 Wissenschaftliche Anerkennung

1. Abgrenzung
Trotz oberflächlicher Ähnlichkeit, etwa durch die angeleitete Augenbewegung, ist EMDR nicht mit Hypnose zu verwechseln. Es soll keine Veränderung des Bewusstseinszustandes, sondern vielmehr eine Integration der mit dem Trauma verbundenen Emotionen und Empfindungen erreicht werden.

2. Entstehung
Francine Shapiro hatte die Idee zur Erprobung und Untersuchung dieser Methode zufällig beim Spazierengehen im Park. Sie bewegte die Augen hin und her und erlebte eine deutliche Entlastung von Ängsten und depressiven Gedanken im Zusammenhang mit der bei ihr diagnostizierten Krebserkrankung.

3. Wirkungsweisen und Hintergründe
Nach einem Trauma kann es zum sogenannten „Sprachlosen Entsetzen“ (speechless terror) kommen, d. h. in der rechten Hirnhälfte werden Bilder prozessiert, die der Patient vor Augen hat, während das Sprachzentrum aktiv unterdrückt wird. Der Patient kann das Geschehene so nicht in Worte fassen, wodurch nachfolgend eine Verarbeitung des Erlebten erschwert wird. Es gibt bereits eine Vielzahl von Studien, die die Wirksamkeit von EMDR belegen und versuchen, die Wirkungsweise zu ergründen. Es wird angenommen, dass durch die bilaterale Stimulation mittels bestimmter Augenbewegungen (oder auch akustischen oder taktilen Reizen), eine Synchronisation der Hirnhälften ermöglicht wird, die bei der posttraumatischen Belastungsstörung gestört ist. Erklärend wird auch Bezug genommen auf eine Schlafphase, bei der starke Augenbewegungen stattfinden und zugleich ein erhöhter Verarbeitungsmodus des im Alltag Erlebten vermutet wird.

4. Ablauf
Das eigentliche Durcharbeiten der belastenden Inhalte, durch Augenbewegungen oder andere Stimulationsarten, ist dabei ein recht später Schritt im Therapiemanual.

Anamnese:
Zunächst muss eine genaue Anamnese erhoben werden, bei der z. B. die traumakompensatorischen Bewältigungsversuche des Patienten erfragt werden. Auch muss zuvor abgeklärt werden, ob gleichzeitig eine sogenannte dissoziative Störung vorliegt (hierbei werden Teile des eigenen Erlebens ausgeblendet/aktiv unterdrückt).

Stabilisierung: 
Die Stabilisierungsphase dauert je nach Lage der Ressourcen oft sehr lange. Besonders bei einer dissoziativen Störung muss als vorrangiges Therapieziel zunächst eine Grundstabilisierung des Patienten erreicht werden, die die Fähigkeit des Patienten stärkt, sich der Traumathematik vorsichtig und dosiert zu nähern und sich vor einer möglichen ungesteuerten „Überflutung“ mit belastendem Erinnerungsmaterial aktiv zu schützen.
Auch hierbei kann EMDR hilfreich sein, z. B. durch eine mittels angeleiteter Augenbewegung erfolgreichen Verankerung positiver Imagination wie „der innere sichere Ort“ oder „der innere Tresor“ nach Dr. Luise Reddemann.

Bewertung:
Einer einzelnen ausgewählten Erinnerung, also einem „einzelnen Bild“, das den belastetsten Teil einer Traumathematik darstellt, wird vom Patienten eine aktuell zutreffende negative Kognition, (z. B. „ich bin hilflos“) zugewiesen sowie auch eine positive, die er in Zukunft damit verbinden möchte (z. B. „ich kann heute etwas tun“ – was dann als eine Ressource zu verstehen ist). Die an dieser Stelle eingeschätzte Belastung der Situation soll im folgenden Bearbeitungs-Prozess sinken.

Desensibilisierung: 
In dieser Phase wird die Traumabearbeitung durch die Augenbewegungen begleitet. Während an die Traumathematik gebundene Energie freigesetzt wird, kommt es häufig zu unterschiedlichsten sogenannten Abreaktionen (wie z. B. Weinen, heftiges Atmen, Übelkeit u. a.), die erinnerte Situation verliert so ihre emotionale Aufladung.
Zur Bearbeitung einer Traumathematik sind meistens mehrere EMDR-Sitzungen nötig. Einflechten von sogenannten Ressourcen z. B. „hilfreiche innere Wesen“ oder „ideale innere Eltern“, die zuvor z. B. mit Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie installiert wurden unterstützt oftmals diese Phase.

Verankerung: 
Empfindet der Patient bei der erinnerten Situation keine Belastung mehr, wird die positive Kognition nochmals überprüft und mit Augenbewegungen verankert.

Körper-Test: 
Alle Missempfindungen zur erinnerten Situation sollten bei einem kompletten Abschluss der Sitzung verschwunden sein.

Abschluss: 
In der Besprechung zum Abschluss der Sitzung wird der Patient auf das „Nachprozessieren“ (z.B. in Träumen) hingewiesen. Es bringt eventuell neues Material für weitere Sitzungen hervor und sollte in einem Tagebuch festgehalten werden.

5. Gefahren
Die Behandlung dissoziativer Störungen sollte erfahrenen Traumatherapeuten vorbehalten bleiben, da der Patient sonst gefährdet ist, im Zuge der Behandlung retraumatisiert zu werden, das hieße, erneut überschwemmt zu werden mit den angstmachenden Gefühlen. Der Patient würde dann die auslösende Situation ungeschützt noch einmal durchleben. Dann würde die Traumatherapie mehr schaden als nutzen: die Symptome könnten sich vertiefen – möglicherweise in bedrohlichem Ausmaß, eine weitere Behandlung wäre erschwert. Eine sorgfältige Vorbereitung und Abklärung von Komorbiditäten (gleichzeitig vorliegender anderer Erkrankungen) ist bei der Traumatherapie also sehr wichtig.
Wichtig ist auch die Abklärung der damaligen Bewältigungsstrategien des Traumas, da auch diese durch das EMDR getriggert werden. Wenn z. B. damals nach dem erlebten Trauma suizidale Tendenzen bestanden, können diese auch nach der EMDR-Sitzung reaktiviert werden, über diese Verbindung muss der Patient vorher aufgeklärt werden.

6. Wissenschaftliche Anerkennung
Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie verabschiedete in der Sitzung vom 6. Juli 2006 ein Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen. Gemäß diesem Gutachten kann die EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen bei Erwachsenen als wissenschaftlich anerkannt gelten.

Wahrnehmung der Innenkinder

4. August 2013

4.8.13

Fragen einer Bloggerin:
„mir kommen weitere fragen. wenn ich es richtig verstehe, gibt es die änderungen in deinem verhalten, bewegung, sprache schon immer, auch schon bevor du bewusst darin deine innenkinder wahrgenommen hast?
woher weißt du wie sich eine 3-jährige, eine 5-jährige und ein säugling verhält?
durch eigene kinder oder fühlst du das einfach?
ich kann das bei mir oft nicht zuordnen, aus welchem alter etwas kommt. aber bei mir drückt sich auch alles nur innen aus. ich lerne gerade, davon auch etwas durchzulassen.“

Ich antworte:

Ja, geswitcht bin ich schon immer. Konnte das rückblickend an vielen Beispielen festmachen.
Ich habe zwar meine Tochter groß gezogen, aber die kleinen Innenkinder habe ich anfangs durch Reflexion bemerkt. Holte die Situation in Gedanken zurück, sah drauf und erkannte das Alter. Mittlerweile bemerke ich es entweder gleich (Co.Bewusstsein), oder gar nicht. Das wechselt, weiß nicht warum. Aber mein Lernprozess hat mir Mut gemacht, die Kleinen einfach machen zu lassen, denn oftmals fühle ich nur auf diese Art glückliche Momente.
Woran erkenne ich das Alter?
Ich weiß nicht, ob ich als Mutter den Blick gut dafür habe, oder weil ich 25 Jahre mit Kindern gearbeitet habe, keine Ahnung.
Nun, wenn du plötzlich tapsend läufst, kaum das Gleichgewicht halten kannst, nicht über die Schwelle zum Balkon kommst …dann bist du eben kein Jahr. Oder ich kann plötzlich gar nicht mehr laufen, finde keine Wörter zum Sprechen, nur komische Laute kommen raus…, keine Frage, nicht wahr?
Die 3 Jährige erkenne ich an ihren erstaunten Blick auf die Umwelt, als würde sie alles zum ersten Mal entdecken. Auch denkt sie sehr eingeschränkt. Mit 5 bin ich mutiger und gehe ohne viel Überlegung auf die Dinge zu, bin beweglicher und erkenne schon Zusammenhänge.
So komisch, wie das jetzt klingt, aber ich weiß nun auch, warum ich erfolgreich im Beruf war, gemocht wurde. Sicherlich habe ich mich unbewusst immer in das jeweilige Alter bugsiert, und meist aus der Sicht der Kinder gehandelt. In der 5. Klasse sprach und handelte ich anders, als bei den 18 Jährigen. Und wenn man selbst das Fühlen des Alters gerade hat, kann man absolut gerecht und schützend sein, zumal ich selbst alles an Ängsten in Kindern am eigenen Leib erfahren habe. Was auch immer da war … Respekt und Konsequenz. Das wird von Erwachsenen, die Halt geben sollen, einfach erwartet.
Du sprichst von Durchlassen.
Raus kamen sie bei mir schon immer, ohne, dass ich davon was mitbekam. Als ich es vor 10 Jahren merkte, bin ich vor Scham fast gestorben. Heute ist nun anders. Es nimmt total die innere Körperspannung, wenn ich den Kleinen ohne Scham draußen die Zeit lasse. Mit den verletzten Seelchen muss ich noch sorgsamer umgehen, das lerne ich gerade. Aber die „Entdecker“ bekommen alle Zeit der Welt, weil sie mir das Gefühl von wohlfühlen geben.
Da sind noch viel mehr mir „Unbekannte“ im Innen und Außen. Aber ich kann sie nicht alle erfassen und genau sehen. Das wird schon noch irgendwann. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.
Übrigens, als meine Tochter noch bei mir lebte (längst erwachsen), hat sie mich oft auf „Fremde“ in mir aufmerksam gemacht. Sie hat als erstes auch die Jungen gesehen. Oh Mann, man selbst bekommt das ja erst nicht mit.

Innenkinder differenzierbar?

2. August 2013

Ich danke der Bloggerin für den Gedankenanstoß!

Kommentar einer Bloggerin zu „Innenkinder“

„Wie so oft, spricht mich deine Offenheit und Ehrlichkeit sehr an. Ich erlebe gerade viel von meinem hyperaktiven Entdeckerkind, und mir fällt auf, dass ich das Entdecken fast verlernt habe. Danke für deinen Text.“

Ich antworte:

Ja, wenn man die Kleinen einfach mal lässt, egal wie die Umwelt reagiert, dann erstaunt es, wie irre Spaß dieses neue kindliche Erleben macht. Ich lerne wieder, ganz bewusst mein Umfeld zu betrachten und komme nicht aus dem Staunen raus!
Unter der Rubrik “Kurzgeschichten” steht – Anna und die Zauberfee, und auch – Fiona im Switsch. … beides selbst erlebte Situationen der Kleinen. Lies mal!

Bloggerin:

„Ja, staunen. Die Faszination des Augenblicks, der einen verschluckt. Die Zeit existiert nicht mehr. Luft anhalten… passiert mir dann auch oft. War heute auf dem Spielplatz rutschen.

Was mich interessieren würde, sind deine Innenkinder für dich immer klar getrennt voneinander wahrnehmbar? Der, der die Schneeflocken mag, der, der die Vögel beobachtet. Woher weißt du, wer wer ist? Oder vermischt sich auch mal was? Oder hast du die Trennung, Sortierung mit dem Entdecken vorgenommen?“

Ich antworte:

Oh, komplizierte Antwort!

Nein, selten klar.

Manchmal merke ich es sofort an den Bewegungen und der Sprache. Da wird mir schnell das Alter klar, weil sich nun mal Säuglinge, 3 jährige oder 5 jährige völlig unterscheiden in Sprache, Mimik, Gestik und Bewegung. Oft erst danach, wenn ich auf mein Verhalten angesprochen werde und ich nachspüre. An den völlig verschiedenen Interessen merke ich es, und dem Wissen, was gerade da ist. Das Merkwürdige ist auch, dass einige wohl bekannt, stets wieder erkannt werden, aber keinen Namen haben.

Dann ist bei bestimmten, mir wichtigen Personen auch mal ein ganzes Rudel da, das sich gegenseitig schupst, weil jeder Zeit mit dem Menschen haben will. Da erkenne ich kaum was, bin völlig überfordert.

Wie bin ich auf die Kinder gestoßen?

Zuerst über die Intrusionen. Landete im Flash, war total im Kind.

Damit fing es an.

Je sicherer sich alle in mir fühlten, umso mehr zeigten sich nun auch die „unversehrten“ Teile, die, die Spaß haben, entdecken, leben wollen. Über sie freue ich mich natürlich besonders. Aber auch hier verstehe ich noch nicht die Zuordnung. Ist auch Wurst. Ich kann ihr Erleben genießen. Da ist nichts mit sortieren, weil ich es selbst noch nicht so recht verstehe: Nämlich die Frage:

„Sind es die verschwundenen Seelen zum Zeitpunkt des Traumas? Sind es die, die beschützt werden mussten? Ich weiß es nicht. Ich habe nur gelernt, immer besser in mich hinein zu horchen, wenn da jemand mit den Füßen aufstampft, weil er meine Aufmerksamkeit will.

LG

Innenkinder sehr verschieden

31. Juli 2013

Feenja vom Seelenland schreibt:                                                                                                                                  31.7.13

Ich habe lange überlegt ob ich diesen Text schreiben soll, tatsächlich fühle ich mich damit nicht wohl. Trotzdem. Es geht um die Kleinen im System, um die Innenkinder. 
Wie oft musste ich im Internet und auch anderswo lesen, Innenkinder sind in der Regel verschüchtert, reden nicht, malen gerne, mögen Kuscheltiere usw. usf. eben diese typischen Kriterien wie man es sich auch von außen gerne vorstellen möchte.
Bei uns ist das nicht die Realität. Wir haben Kinder innen die überhaupt nicht kommunizieren können von denen nur unverständliche Laute kommen, die wenn sie vorne sind mit ihrem Gegenüber gar nicht interagieren wollen oder können.
Wir haben Kinder innen, die sind nicht unbedingt nett und lieb, sie werfen mit Kraftausdrücken um sich, sie zeigen stark sexualisiertes Verhalten.
Wir haben Innenkinder die die Worte: Pimmel, ficken, Sex, Fotze als etwas “alltägliches” ( ich sage extra nicht normal ) in den Mund nehmen und aussprechen.
Ja, wir haben Innenkinder die viel Angst haben, anhänglich sind bei ein oder zwei Außenmenschen. Aber für uns ist es ein Mythos das Innenkinder immer anhänglich sind, spielen wollen (manche kennen den Begriff des Spielens nicht einmal)
Okay merke es gäbe viel, zu schreiben es ist zu oberflächlich. Ja der Text ist im Moment zu oberflächlich aber wir können nicht mehr.
 

Ich antworte:

Du hast vollkommen Recht. Da sind die, die als Baby noch gar keine Sprache haben können, die nur gurgeln und gestikulieren. Da sind Daumenlutschende, Stumme, aber auch Rotzlöffel mit irrer Lebensfreude. Auch kenne ich die völlig in Sexual-, und Fäkalien-Sprache abrutschenden Jugendlichen ab dem Alter … hört, hört von 10 Jahren. Und die Witze sind meist nichts für anständige Erwachsene, kann ich dir sagen!
Ich denke grade nach, und da fällt mir auf, dass man sicher beim Schreiben das Schmerzhafte verarbeiten will, und deshalb meist von den verwundeten, ängstlichen Kleinen berichtet.

Ist jedenfalls ein Gedankenanstoß -danke dir-, den ich festhalten will.
Mit Spielen ist es bei mir auch nicht weit her. Ich beobachte eher, dass die Kleinen fasziniert von der Natur sind und immer auf Entdeckungsreise. Macht in solchen Momenten richtigen Spaß. Tschaui erst mal. Marie

——————————————————————-

Zum Spielen noch ein Wort: So allein vor mich hinsetzen und ne Ewigkeit spielen allein – geht nicht. Klar lass ich mal nen Kreisel tanzen, oder male mal kurz was im Ausmalbuch aus. Aber länger als 10 Minuten?  Neeee! Allein ist spielen blöd. Nun, ich habe Puppen … aber mit ihnen spielen tue ich nicht. Sie repräsentieren meine Innenkinder.
Ich selbst damit spielen, geht gar nicht.
Was ich neu dazu gelernt habe in den letzten zwei Jahren ist, dass es wirklich innen ankommt, wenn ich Bilderbücher, Kinderbücher ansehe, vorlese. Uh, das gefällt den Kleinen, da gehn sie ab wie `ne Haubitze, und zeigen und staunen! Das kann ich gut einsetzen für die „Innere Kindarbeit“.
Für die Kleinsten habe ich eine Spieluhr am Bett … wehe ihr lacht jetzt!
Was ich seit Jahren schon mache, oder die Größeren -keine Ahnung- Babysachen kaufen, auftrennen, den Puppen neu auf den Leib schneidern! Da ist schon eine Kiste voll mit.
Wir haben einen Fußballer unter uns und eine Blance“künstlerin“, die nichts unterwegs auslässt … peinlich!
Tja, Insektenforscher, Biologen voller Erkundungsdrang. Konnte in der Klinik stundenlang im Garten beobachten mit erstaunlichen Ergebnissen!
Manchmal bin ich überrascht, wer da so aus mir rausguckt. Viele Male neue Anteile, die ich nicht kenne. Zu schnell sind sie wieder weg, als dass ich sie identifizieren könnte. Nun, schade einerseits, aber andererseits macht es schon Angst zu spüren, dass da noch so viele unbekannte sind.
Auf jeden Fall wäre jeder willkommen!

Meine Sicht auf das Leben

31. Juli 2013

Mir ist sehr wohl klar, dass viele Leser über die Tatsache stolpern müssen, dass ich meist nur von meinem Innenleben schreibe.
Da kommen sicher Fragen auf, wie:
„Sieht die Alte nicht das Drumherum?“
„Warum jammert die immer so?“
„Hat die nichts anderes, mit dem sie sich beschäftigen kann?“
und so weiter und so weiter ……..

Nun, wären berechtigte Fragen, wenn mein Blog nicht ein ganz bestimmtes Ziel hätte.

Es geht nicht darum, was ich so tagtäglich erlebe, tue, welche Kontakte ich pflege oder so. Solche Dinge kommen in mein privates Tagebuch.
Es geht hier auch nicht darum, welche politische,  gesellschaftliche und philosophischen Meinungen ich vertrete.
Nein.

Mein Blog soll Gleichbetroffenen und deren Angehörigen und Partnern aufzeigen, wie es in einem so verqueren Innenleben abgeht. Was mich beutelt, nieder schmeißt, zweifeln lässt. Wie ich wieder nach oben steige wie Phönix, mich neu sortiere, kämpfe!
Klar habe ich es mit meinen Störungen nicht besonders leicht, auf meine Umwelt adäquat zu reagieren. Ist schon klar.
Und folglich muss ich viele innere Kämpfe ausfechten, die ich hier im Blog notiere.
Ich mache keinen Alltagsblog für Geschehnisse, sondern einen Blog über das desolate Innenleben einer chronischen PTBS frühkindlicher Traumata. Dazu gehören die Ängste nun mal, die Abstürze, die Flashs.
Und ich will berichten, was die Spaltung in mir für Probleme macht. Will die einzelnen Anteile benennen, mit ihnen umgehen lernen.
Also, liebe Leser,
es wird hier auf den Seiten IMMER nur um mein Inneres gehen.
Deshalb muss man nicht annehmen, dass ich kein äußeres Leben habe, versteht ihr? Für so etwas gibt es genügend andere Seiten im Internet.

Und noch einmal:
Lasst euch nie beirren von meinen Todesgedanken!
Glaubt mir, man kann sie in sich tragen, ohne sich jemals selbst das Leben nehmen zu wollen. Das hat einfach nur mit den Traumatisierungen zu tun.

Tod

28. Juli 2013

Immer wieder treffe ich in der Außenwelt auf Menschen mit Todesangst, und ich stelle fest, dass ich diese im Normalleben nicht empfinden kann. Die Aussicht auf den Tod ist das, was mein Leben irgendwie erträglich macht.
Was ist für mich der Tod?
Ein erholsamer Schlaf, ohne aufwachen zu müssen.
Ein – nichts fühlen müssen!
Aus der inneren Leere wird eine äußere. Einklang entsteht.

Oh Mann, ich erinnere mich gerade, wie oft ich mir als Kind vorgestellt habe, dass die Geburtsfrau an meinem Grab steht und weint. Als Beweis, dass sie mich ja doch irgendwie mochte. Als Kind diesen einen festen Wunsch zu haben, um nur ein einziges Mal ein Gefühl von ihr zu bekommen … Irre! Und doch immer wieder in den Gedanken damals.

Heute wird mir klar, dass diese Frau meinen wirklichen Tod eigentlich schon seit Jahrzehnten betrauern müsste, wenn sie es denn könnte mit ihrer Kälte.
Denn gelebt, wie ein Menschenwesen leben sollte, habe ich nie.
Zwei Seelen in meiner Brust: – eine, die immer auf der Bordsteinkante läuft, seit sie laufen kann;
eine, die sich einen Scheiß um die vielen Krebsfälle in der Familie schert und keine Vorsorge betreibt, damit es mal schnell geht;
eine, die bei Gewittern auf dem Eisenbalkon stundenlang steht und wartet;
eine, die nicht mehr aushalten kann und will!
– und die zweite Seele will seit 51 Jahren mein Überleben.
Ich weiß nicht, warum. Irgendetwas ist da in mir.
Wartet es? Wenn ja, worauf? Ist das Hoffen angeboren?
Worauf hoffen?
Einmal ganz tief zu fühlen, was am Dasein so schön sein soll?
Aber dieses Hoffen macht mich auch kaputt, jeden Tag mehr.

Manchmal wünsche ich mir, dass die Geburtsfrau nur einen einzigen Tag mal mein Fühlen und Erleben leben muss. Nur einen Tag. Den würde sie nie überstehen!!!! Nie!

In der neusten Epikrise steht, dass ich nur zwei Bewältigungsstrategien habe: Dissoziation und Vermeidung.

Voll erkannt. Nicht Betroffene können sich nicht hinein versetzen in die tägliche Überlebensqual! Klugscheißern können sie, und das war’s auch schon. Nun, woher sollten sie auch erahnen können, was in einem anderen Inneren abgeht. Erzählen tue ich sowieso nur einen Bruchteil, weil ich es sowieso nicht wirklich in Worte fassen kann, und weil ich nicht glaube, dass mein Gegenüber diese Qual nur vom Erzählen her aushalten könnte.
So bleibt am Ende diese unfüllbare Tiefe in mir selbst.

Kein Selbstwert

23. Juli 2013

Selbst-WERT

Du störst – du bist selbst schuld – du hast dich unter zu ordnen – du machst meine Ehe kaputt – reiß dich am Riemen, sonst setzt es was – hör auf zu jammern – zieh nicht solche Gusche, sonst knallt es – man hat zu schlucken – Strafe muss sein – iss das gefälligst auf – hab dich nicht so – geh in dein Zimmer, was willst du hier – hättest vorher überlegen müssen, nun ist zu spät (Prügel) – du denkst immer erst hinterher – brauchst dich nicht zu wundern über die Reaktionen der anderen – wofür suchst du einen Schuldigen – nein, ich habe dich nie geliebt, weil die Heimschwestern meine abgepumpte Milch dir nicht brachten…

In meinem Selbst:
Ich bin nichts wert – bin überflüssig – mich will keiner – ich bin selbst schuld – ich habe es verdient – ich bin zu dumm – kriege nichts auf die Reihe – ich darf nichts wollen- ich darf nichts fühlen – und erst recht nicht zeigen – an jeden Echo bin ich selbst schuld – man kann mich nicht lieben – habe Liebe nicht verdient – bin zuviel auf der Welt…

Zwei voneinander getrennte Absätze, auf die ich wirklich nicht eingehen muss.
Ein irres Selbstbild von mir, dass mich Schritte auf Menschen zu nur selten und sehr zögerlich machen lässt. Immer weg geschoben als Kind, nicht wahrgenommen als Menschlein … was bleibt da in mir? Ich bin es nicht wert. Punkt! Jede Annäherung von mir an andere empfinde ich als Anmaßung von mir, als ein Aufdrängen.
Es geht einfach nicht in meinen Kopf hinein, dass eventuell Leute mich mal gern um sich haben. Geht gar nicht! Wie auch, bin schlecht, sonst hätte man mich als Kind doch geliebt, oder?

Ich bin gar nichts wert.
In mich eingebrannt, vom Introjekt immer wieder neu heraufgeholt, in Stein gemeißelt!

Sehe gerade einen Zusammenhang zum Thema EINSAMKEIT.

Was ich oft träume?????
Ein einziges Mal an einem Menschen anlehnen, ohne auf dem „Sprung“ zu sein, auf der Hut!

Nur ein einziges Mal so etwas fühlen dürfen …. Beistand in absoluter Sicherheit!!!!!

Anteile 2003

5. Juni 2013

Freitag, den 15.4.2003

Kaum allein im Auto unkontrolliert die Tränen.
Du bist 10 und heulst. Warum tut sie mir das an? Lieben und verlieren? Es weint es in mir. Viel kleiner. Wein nur!

Hör nicht auf Frau M., da ist kein Sinn. Lass dich nicht verschaukeln. Da ist er wieder, der Rebell.

Pfeif drauf.

Ich erkenne dich, schnoddrig, Schauspieler, du cooles Arschloch hast kein Respekt.
Aber oft die Hilfe, keiner merkt was.
Offensiv; da kommt keiner ran.
Lässt nichts durch. Danke.
Ich durchschaue dich, bist die Abwehr mit der großen Schnauze. Du passt nicht hierher, rede heute anders.
Du blamierst mich. Aber bleib ruhig da. Hinter dir sehe ich die Kleine.
Du hast sie lieb, stemmst deine Arme in die Hüften.
Danke. Da kommt wirklich keiner durch.

Aber was soll ich mit dir tun?
Irritierst mich, zu wenig Platz da.
Ich rücke schon etwas.
Aber du drängelst. Machst deine Witze.
Und die Zähne tun mir weh. Was presst du so?

Bist wütend. Glaub ja nicht, dass ich das nicht merke.
Woher kenn ich dich bloß? Dieser Zorn in dir, diese Kälte
.
Frau Br..mann geht über den Schulhof. Ja, ich laufe los. Und bemerke den Irrtum – es ist nicht meine Mutter. Nur die Haarfarbe stimmt und das Grün in den Augen. Irgendwann gibt meine Freundin ihr mein Tagebuch. 8. Klasse. Der Tag wie heute. Es ist das erste Mal in meinem Leben, wo der Wunsch da ist: “ Bitte hilf mir!!!”  Peinlich, ich vergöttere sie. Dann der Schlag ins Gesicht. “ Ich will damit nichts zu tun haben.”

Hi, Mari, hab nach dir gesucht heute. Du erinnerst dich gut, nicht?

Ja, glaub, es war der erste Versuch in meinem Leben – mein erster Hilfeschrei. Nur wegen der Haarfarbe? Nein! Sah sie mit ihrem Kind, 3 Jahre. Zwischen den beiden sah ich Liebe. Weiß noch, ich wollte dazugehören. Eiskalte Abfuhr. Das Buch hab ich in den Ofen gesteckt. Schade! Was stand da drin? Keine Ahnung!

Ab da waren selbst die Lehrer blöd. Und mein Entschluss: Ich mach es besser. Ich werde Lehrer. Dir werde ich es schon zeigen!

Jetzt ahne ich woher du kommst, Rebell. Ahne ich? Warum bin ich mir so sicher? Höre ich dich in Gedanken oder sind es meine Gedanken? Mein Schädel will platzen. Kann doch nicht sein, dass du das Denken übernimmst.

Patientin Dora heute in der Gruppenvisite: “ Dass mir meine Mutter nicht mal 50 Euro anbietet.”

Da warst du plötzlich da, frech grinsend: “Wie kann man so etwas von einer Mutter erwarten. Mädel, du bist naiv. Mütter sind kalte Schweine!”
Meine Zähne tun weh. Aber wir stehen über den Dingen.
“Naives Ding, kennst das Leben nicht.” Lauthals lachst du.

Willst nicht hören lassen, wie es weint hinter dir. Na ja, besser als der Schmerz.

Nachtrag: In der Visite erlebte ich zum ersten Mal zwei Anteile gleichzeitig in mir! Hat mich überfordert, bin danach ins Gelände abgehauen, um wieder runter zu kommen! So ein durcheinander Gequake im Kopf machte Angst!

SMS-Pause …..

Ich sortiere:
das Baby, die Kleine, Mariechen, 10 Jahre, 12 Jahre, der Rebell, das Schlitzauge

Sitze blöd da und frage: Wo ist Mari??

MARI, Scheiß Name.

Meine Schwester J. hieß immer J…, mein Bruder M. immer M…! Ich war immer nur Mari. Meinen Wunschnamen hat das erste Mal Edit (Ungarn) ausgesprochen: Mxxxxx.
Oje, ich kapier hier was.

Gute Nacht! Will schlafen.

Eiskalter Tropfen
fällst auf meine Haut
und bist erstaunt
dass ich nicht aufschrecke
Wer ist nun hier im Vorteil?

Kann nicht schlafen. Die Tränen wollen kullern. Weil ich verstehe, was damals passiert ist. War die Enttäuschung so groß? Tat es so extrem weh, dass ich rebellisch werden musste? Obwohl ich verwirrt, geschafft, ausgelaugt bin, etwas Mut mit der aller ersten Erkenntnis: Wann, in welchem Moment in mir etwas Neues entstand. Und ein klein wenig Hoffnung da, dass ich vielleicht auch noch viel mehr verstehe irgendwann.

Eins ist mir seit 2 Wochen enorm bewusst geworden: Schon und nur allein das Wort – MUTTER – lässt alles kippen – Chaos – unkontrollierbar alles.

Deshalb die Angst vor den Gruppenvisiten? Jeder zweite Patient benutzt dieses Wort. Ich hasse das. Kriege Panik – so viel kommt hoch – staune – da braucht es kein Sofa – bin ausgeliefert – selbst in jedem Einzelgespräch.

Prügelstrafe „Schwarze Pädagogik“

11. Mai 2013

Zitate aus „Die geprügelte Generation“ von Ingrid Müller-Münch

Märchen 

Es war einmal ein Kind eigensinnig und tat nicht, was seine Mutter haben wollte. Darum hatte der liebe Gott kein Wohlgefallen an ihm und ließ es krank werden, und kein Arzt konnte ihm helfen, und in kurzem lag es auf dem Totenbettchen.
Als es nun ins Grab versenkt und Erde über es hin gedeckt war, so kam auf einmal sein Ärmchen wieder hervor und reichte es in die Höhe, und wenn sie es hineinlegten und frische Erde darüber taten, so half das nichts, und das Ärmchen kam immer wieder heraus.
Da musste
die Mutter selbst zum Grabe gehen und mit der Rute aufs Ärmchen schlagen, und wie sie das getan hatte, zog es sich hinein, und das Kind hatte nun erst Ruhe unter der Erde.

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Dr. med. Johanna Haarer, geb. 1900 schrieb Erziehungshandbücher,  darunter Propaganda von Nazis, mit Prügel zum absoluten Gehorsam, „Affenliebe zum Kind macht dieses verderblich.“ Beispiele sind Sätze: „ Entweder du spurst oder es knallt!“, „Entweder reißt du dich jetzt am Riemen, oder ich schlage dich windelweich!“

Johanna Haarers Bücher waren bis in den 80er Jahren bekannt, da noch über 1 Millionen Exemplare aufgelegt. Hauptaussage: „ Kinder sind chaotisch, bösartig und müssen deshalb gezähmt werden zu ihrem eigenen Besten.“

Viele Kriegstraumatisierten bauten auch durch die Prügeleien ihren Stress ab.

Das „Vicarous-Trauma“, das sogenannte Stellvertreter-Trauma ist die Tatsache, dass die Kinder das Kriegstrauma ihrer Eltern quasi für sich übernommen haben, sie durchlebten die ehemaligen Leiden der Eltern, als wären sie ihre eigenen Leiden gewesen.

Eltern wollen stets ihre Kinder beschützen, egal wie gewalttätig sie sich dabei geben. Sie sprechen aber nie über ihr Kriegserleben. So bleiben die geschlagenen Kinder immer mit der Frage zurück: Warum? Was habe ich falsch gemacht? Das Kind kann die Verbindung zwischen den Schlägen und dem, was die Eltern erlebt haben, einfach nicht herstellen.

Neben der körperlichen Gewalt ist die der seelischen Grausamkeiten genauso zerstörend. Psychoterror in den Familien zeigte sich durch Liebesentzug, Hausarrest, Schweigen, Demütigungen vor anderen, Bloßstellungen. Ein ständiges „Leise sein müssen“ vermittelt Kindern zu stören, in der Familie überflüssig zu sein. Es empfindet jeden Unfrieden in der Familie als eigene Schuld. Das Kind entwickelt in sich die Vorstellung. „Ich bin nicht richtig, egal wie ich mich anstrenge.“

Innenkinder unbekannt?

21. April 2013

Anja und die Sterne fragte uns auf ihrem Blog, was wir als Magie empfinden. Ich konnte ihr von meiner Sicht auf die Natur schreiben. Heute lese ich einen Artikel von Rosenblatt zu diesem Thema, bin erstaunt über ihre Kenntnisse des eigenen Innenlebens.

Und ganz groß steigt in mir die Frage auf: Warum habe ich nicht die eindeutige Kenntnis über meine Anteile? Rosenblatt kann wunderbar ihre Innens unterscheiden, ihre Gefühlswelt beschreiben und die Funktionalität des Gesamtsystems. Ich dagegen aber stehe da, erinnere mich, wie die Kleine in mir den glitzernden Schnee entdeckt hat, erinnere mich an ihr Denken, ihre unbeholfenen Bewegungen, ihr Erstaunen. Nur in diesem Zusammenhang konnte ich auf das Alter der Kleinen schließen.

Und nun kommt hier mein aktueller Zweifel: Wenn diese Kleine so um die 3 Jahre war, so ein schönes Fühlen und Erleben hatte, wie kann sie dann gleichzeitig auf dem Bett sitzen und vor Angst lieber sterben wollen? (Marie) Kann ein innerer Anteil zwei Seiten in sich haben, laufe ich durch die Welt und kenne nicht mal einen Großteil von mir selbst?

Wenn in Not eine Abspaltung erfolgt, ich die Marie also in mir habe mit allem Leid – das Wesen, dass den Schmerz übernommen hat – ist dann da in mir noch der Teil, der „weggeflogen“ ist, der beschützt werden musste? Wenn dem so ist, warum nehme ich diesen Anteil nicht so bewusst wahr wie die Marie? Ist der beschützte Anteil die Kleine, die ihre Lebensfreude, ihren Entdeckerdrang, ihr Zutrauen behalten konnte? Ist es die Kleine, die mit dem Schnee gespielt hat?

Kann es sein, dass ich vorrangig nur die traumatisierten Anteile kenne? Warum?

Sind sie in ihrem Fühlen so stark, dass wir dagegen kaum die beschützten Kinder wiedererkennen und spüren? Ist mein Grundzustand die Depressivität, weil die „heilgebliebenen“ Kinderseelen noch immer kaum hervorschauen? Werden sie noch immer bedeckt gehalten um sie zu schützen?

So viele Fragen die auftauchen. Nur eines ist Fakt, wie in „Kurzgeschichten“ beschrieben, habe ich wunderbare Momente des Entdeckens und Staunens in meiner mich umgebenen Welt. Eingetaucht darin, kann ich genießen, mit allen Sinnen wahrnehmen. Und in den letzten Monaten konnte ich es immer intensiver. Mein Gehör scheint übersensibel, ebenso mein Geruchssinn. (trotz des 35 Jahren Tabakkonsums)

So und nun die Frage: Kann es sein, dass ich nicht mal die Hälfte meiner Anteile kenne?

Da fällt mir folgende Erkenntnis ein, die ich vor kurzem hatte: Namen zu meinen Anteilen haben sich immer nur dann eingefunden, wenn diese Anteile äußerst bewusst und häufig in mir agiert haben, bzw. wenn plötzlich jemand Neues mein Außen übernommen hat. Im Gegensatz dazu die zwei Jungen. Sie sind seit Jahren da, nehme sie aber nur als Beobachter wahr, kann mir ihre Anwesenheit nicht erklären. Sie agieren auch nie wirklich. Haben sie deshalb keine Namen?

Die 8 jährige, die so viel Angst vor NETT SEIN hat, sie fühle ich agieren. Warum hat sie keinen Namen? Merke, hier ist alles ein Widerspruch in sich.

Genauso fühle ich in mir noch viele kleine Seelen die weinen (deshalb die Einrichtung eines Schlafsaals in unserem Haus), kann sie aber nicht orten und erkennen. Fühle, dass da mehr sind, kenne sie aber nicht.

Ich kriege einfach in mir drin keine Ordnung rein, kein wirkliches Erkennen. Geht es anderen Betroffenen auch so? Braucht man etwa Jahre dazu? Oder liegt es an den Wechseln, die gleichzeitig eine Amnesie bedeuten?

Alles in Allem macht jetzt schon etwas Angst bei der Vorstellung, dass wir eben doch nicht, wie zurzeit, 13 Anteile sind (2 EW pennen ab), sondern viel mehr.

Wenn es aber auch die „beschützten“, damals eingefrorenen Kleinen sind – nun, dann sollten sie ruhig rauskommen. Denn ich bin begeistert von dem erlebten Dingen – Schnee, Vögel, Raureif, Blüten, Düfte, Wasserblasen, mit Babys spielen wollen, mit Kindern abhängen usw.

Oder muss ich den aktiven Part übernehmen? Sie herauslocken, indem ich beim Genießen der Umwelt klar und deutlich den Zeitrahmen verlängere;- mich nen Scheiß drum kümmere, was mich beobachtende Leute denken;- ich die Kleinen in ihrem Wollen einfach LASSE, selbst wenn ich dabei im Sandkasten lande?  Ha, mittlerweile sitze ich einmal pro Woche auf einer Schaukel, und ich suche im Gesteinssplit nach tollen Formen und Farben. Uj, merke gerade, dass es für mich die Angst nehmen soll vor der jeweiligen Therapiestunde. Egal, bringt wohl was. Dann ist es gut, oder?

Zu den Wechseln noch ein Gedanke:

Gestern war ich 9 Stunden durchweg (Premiere der Dauer seit Jahren) in der Öffentlichkeit, eine Fachtagung zur frühen Kindheit (ab Geburt). Da ist mir wieder aufgefallen, dass ich mit aller Macht Wechsel unterdrücke (was irre schlaucht), die Scham noch immer zu groß ist, und ich mich verstecke, wenn es doch passiert, weil niemand meine Tränen sehen soll. Und ich habe erkannt, dass das Unterdrücken meinen Körper so sehr überfordert, dass er zittert, kaum beherrschbar ist, alles schwammig wird. Und dennoch habe ich die Menschen um mich herum ausgehalten, denn sie waren alle ohne Ausnahme da, um sich kundig zu machen, wie eine sichere Mutter-Kind-Bindung  hergestellt werden kann. Also Menschen um mich herum, die sich indirekt meiner Hauptprobleme stellen wollen, Ärzte, Hebammen, Psychologen, Therapeuten usw. Dieses Wissen um deren Wollen hatte etwas Beruhigendes für mich. Denn ich wünschte, dass keinem Kind dieser Welt Ähnliches wiederfährt. Weiß nicht, ob ich dort die einzige Patientin war, nur merken sollte es eben niemand. Nur meine eigene Therapeutin und eine Ärztin kannten mich. PS: Ihr ahnt es – habe meine Batterien aufladen wollen mit Wohlgefühl. Hat nicht so ganz geklappt, weil zu viele Anteile raus wollten und das Unterdrücken zu anstrengend war.

Fazit dieser Zeilen insgesamt: Ich scheine mein Innenleben noch überhaupt nicht zu kennen.

2006 Tagebuchaufzeichnungen

13. April 2013

Sofie           TEIL 1

Seit 30. Mai 2006 in der Rehaklinik

15.6.06

Nun geht die 3. Woche in der Rehklinik vorbei und ich bin im Moment beruhigt worden mit Tropfen und später noch Tavor.
Was gab es alles Neues?
Erster Austicker beim Stehen Rücken an Rücken mit einer Patientin. Erst war da Zittern, dann Tränen, später innerer Druck. Hab mich in einer halben Stunde wieder eingekriegt.
Der nächste erwähnenswerte „Knaller“ war in einer Gruppentherapie. Alle redeten von ihren lieben und netten Eltern und ich war nur damit beschäftigt nicht zu platzen. Dann ging nichts mehr, bin abgehauen. Dann gab es nur noch Zittern, Heulen und Angst vor jedem. So wurde ein Tag schlimmer als der Vorherige.
Gestern stand ich auf mit einer unguten Ahnung. Das steigerte sich und irgendwann wusste ich in einer Therapie, warum ich die Tür in meiner Nähe brauche. In mir war eine so extrem erwartungsvolle Angst – landete auf dem Bett der Eltern in der ersten Wohnung und starre auf die Tür. Und ich weiß, dass da was kommen wird, was mich momentan so unter Anspannung setzt. Angst vor dem Wissen, dass die Tür aufgehen wird und ich nichts dagegen tun kann. Etwas in mir weiß, was nach dem Eintreten passieren wird.
Und diese Angst davor verspüre ich so gewaltig, dass es mir den Atem zu nehmen scheint. Seit zwei Tagen versuche ich die Menschen zu meiden, weil ich nicht ertrage, dass sie mich in dieser Angst erleben. Und das ist genauso schlimm. Flucht in die Einsamkeit aus Scham.
Morgen ist noch mal die Therapeutin dran. Hoffentlich kann ich locker bleiben. Denn Susanne hat sich für 13 Uhr angekündigt. Will nicht, dass sie mich verwirrt erlebt. Aber ich freue mich schon sehr auf ihre Umarmung und wir gehen einkaufen. Morgen ist ihr 19. Geburtstag. Sie steckt mitten in den Prüfungen und findet Zeit für mich!!!!! AUFATMEN!!
Therapiethema “Imagination“:
Du sollst dir gedanklich einen sicheren Ort basteln, den du schnellstmöglich aufsuchst, wenn die scheiß Gefühle anfangen aufzusteigen. Ich hab mir diesen Ort gebaut, nahm Annegret und Mariechen mit,  tobte mit ihnen als 12 jährige auf der Gänseblümchenwiese rum. Dann standen irgendwann die zwei Jungen am Rand und beobachteten uns. Es stellten sich der Rebell und das Schlitzauge dazu. Sie kamen nicht auf die Wiese der Kleinen, als schienen sie nur zum Schutz dazustehen. Aber ich wusste, dass da noch viele Kleine fehlen. Sie weinen und wimmern im Hintergrund und ich kenne sie nicht.
Wie also soll ich in größter Not alle von uns schnell da hochziehen zum sicheren Ort, und andere vergessen? Und wer bin ich, die da unten bleibt und dennoch von den Gefühlen überschwemmt wird?
Die nächste aktuelle Frage in mir ist: Wer bin ich, wenn ich nach dem TOTMACHEN in eine Person rutsche, die kleiner ist als 12?
Will Hüpfspiele machen, Blümchen pflücken, mich auf der Wiese kugeln. Zu welchem Alter gehört das?? Hallo du da in mir, kannst dich ruhig zeigen und mir deinen Namen nennen. Bist nicht älter als 5, oder?? Und du hast genauso viel Angst vor den Menschen wie alle anderen in uns. Gute Nacht ihr alle. Seid in den Arm genommen.

20.6.06 Dienstagnacht

Da ist Mariechen, das aufgegeben hat. Sitzt in der Ecke – nur Tränen – kein Laut – es hört nicht auf. 3 Jahre alt und weiß keinen Rat. Irgendwann kommt der Rebell, stellt sich vor die Kleine und lässt nichts an sie ran. Ich liebe ihn dafür und hasse ihn. Er macht mich sprachlos, still und wütend. Sie muss nichts sagen, kann bleiben in Hoffnungslosigkeit. Er ist stumm und die Mauer. Ich bin beides – ich ersticke an der Hoffnungslosigkeit und krieg kein Wort raus.
Frau S. hat gesagt, ich solle mir Hilfe holen. Nur funktioniert es nicht. Kein Wort – kein Zulassen – heißt kein Schmerz dazu. Bin hierher gekommen, um da raus zu finden. Fliege hin und her zwischen Stummheit, Starre, Schmerz, Angst, Panik und Aufgeben. Hab so gehofft, hier ein „Rezept“ zu finden.
Alles ist anders und tausendmal schlimmer als zu Haus (versteckt in meinen vier Wänden).
Bekomme schon Panik, wenn eine Gruppentherapie ansteht. Millionen Auslöser, die ich zuhause nicht hatte. Renne rum wie ein Zombie, ertrage die Blicke nicht, kann mich nicht verstecken, und mache meine Tischnachbarn leise. Es ist so demütigend, wenn sie plötzlich leise sprechen, nicht mehr albern. Will eigentlich oft gar nicht mehr zum Essen. Will nur noch heulen und heim.

21.6.06

Rauche eine nach der anderen. Hab mich heute ausgeklinkt, muss zu mir finden. Irgendeine Ruhe entdecken. Hoffe ich. In mir ein Anflug von Wut und Verzweiflung. Im ersten Moment ist die angebotene Hilfe ja ganz nett: Eine Pille, die dich ruhigstellt. Aber das hätte ich auch zuhause haben können. Fühle mich hier wie umsonst. Fast jede Gruppentherapie löst Neues in mir aus, Ausruhen ist da nicht drin. Stehe wie in eine Ecke gedrängt.

Thema IMAGINATION: Wir sollen uns einen Lichtstrahl vorstellen, der von oben kommt und uns langsam ausfüllt. Also stehe ich auf einer Lichtung, stelle mir vor, wie das Licht schräg von oben kommt und  KLICK_ KLICK_

ich lande zuerst in „meinem Zimmer“. Da gibt es nur den einen Lichtstrahl – der, der unten durch die Türspalte fällt. Ich bekomme Panik, wie immer, wenn ich in diesem Zimmer lande.

Dann plötzlich ein neues KLICK_KLICK – das Licht, was ich auf der Lichtung sah, kam von oben und schräg.

BUMM – nehme ich um mich herum nur Dunkelheit wahr, ich kratze an einem Korbgeflecht, durch das etwas Licht dringt und habe nur noch Angst vor dem Augenblick, wo oben ein schräger Lichtstrahl auf mich fallen wird. Das Gefühl wie in einer Kiste, die oben aufgemacht wird und bei Licht kommt dann das Grauen.

Mittwoch, den 28.6.06

Die letzten Tage waren teilweise wie ein Horrortrip für mich. Musste mich weigern ins Tagebuch zu schreiben, um nicht noch tiefer in all den Sumpf zu geraten. Heute bin ich wohl etwas entspannter und versuche die letzten Tage zu rekonstruieren.
Nach 4 Wochen erst traut man sich mir zu sagen, dass die Reha nicht verlängert wird, weil man mir hier nicht helfen kann. Ich wäre am besten in einer echten psychiatrischen Klinik aufgehoben. Es kam zur Sprache, dass ich nicht mehr in die Schule kann.
Erst war ich am Durchdrehen, einen Tag später wurde mir klar, dass Susanne sich nun endlich selbst um Geld kümmern muss. Es wird wohl Zeit, dass ICH mich abnabele und was für mich tue. Vielleicht ist das der Anfang, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Zu etwas Gutem muss ich unbedingt was loswerden.
In einer Imagination bekam ich zum aller ersten mal in meinem Leben eine Ahnung davon, was die Menschen meinen mit: “Das Leben kann schön sein.“ Ich konnte mit Annegret, mit Mariechen, dem Rebell, dem Schlitzauge, den zwei frech lümmelnden Jungs und vielen anderen Kleinen im Gänsemarsch den Himmelsweg verlassen und die Sorgen, Ängste und Alpträume in Gepäckstücken zurücklassen. Da kam so tief in mir ein so extrem friedliches Gefühl auf – war wie im Taumel – ich kannte so ein Gefühl noch nicht. Wollte es festhalten und nicht mehr loslassen.
In derselben Nacht noch saß ich oben im Raucherraum und die Tränen liefen ohne Pause. Mir wurde bewusst, dass ich 44 Jahre so ein Gefühl nicht kannte. Und es kam Wut auf meine Mutter und unendlich große Trauer.
In dieser Trauer kam plötzlich (ich weiß nicht mehr wer) einer von meinen Süßen auf mich zu und legte mir den Säugling in den Arm. Ich roch ihn und fühlte seine kleinen Händchen. Und das Mädchen schmiegte sich an mich – irre schön. Dann plötzlich passierte etwas in mir.

Ein unendlich schlimmes Gefühl kam in mir hoch und ich begriff, dass sie mir etwas erzählen wollte. Aber ich war allein und hatte einfach nicht die Kraft dazu. Also drückte ich sie ganz fest an mich und versprach: „Später!“ Ganz fest an meinen Hals geschmiegt konnten wir zusammen schlafen gehen. Und ich bemerkte die Not in mir. Also ging ich zu jedem einzelnen in mir und drückte sie. Ganz eng, wie auf einen Haufen, aneinandergeschmiegt schliefen wir zusammen ein.
So verging das Wochenende und der Tag Montag mit der Nachricht, dass man mir hier nicht helfen kann.

Gestern, am Dienstag, lege ich mich zu einem Schläfchen vor dem Abendessen noch einmal hin, und sofort war sie wieder da. Ich lag auf dem Bett und fühlte, wie das Baby langsam an mir hochrutschte bis zu meinem Hals. Dort schien es sich wie eine Katze ein zu kringeln.
Und dann war ES plötzlich da. ES, was ich nicht begriff. Immer wieder machte ich die Augen auf, weil ich dachte ich spinne. Kaum waren die Augen wieder zu, kamen die zwei Bilder wieder und wieder.
Ich schaffe es jetzt nicht, sie auszusprechen. Habe versucht mit einer Krankenschwester die Bilder in einen Tresor zu legen. Scheint geklappt zu haben, irgendwie. Sie kommen zwar immer wieder vor meine Augen, aber ohne Emotionen. Bin ich total verunsichert. Kann es wirklich sein, dass mir ein Anteil seine Erinnerung gesagt hat? Spielt meine Fantasie verrückt??
Doch wie komme ich auf solche Bilder?? Vielleicht spinne ich nur auch.

Ich denke nämlich daran, dass die anderen Bilder bisher so kamen, als würde ich aus meinen Augen sehen, oder von außen drauf.

Jetzt aber ist ein Bild aus der Sicht des Täters dabei. Wie geht das?

So etwas will man nicht sehen, nicht fühlen und erst recht nicht wissen.

Bindungsmuster

27. März 2013

Dissertation

zur Erlangung des akademischen Grades doctor medicinae
(Dr. med.)
vorgelegt dem Rat der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
von Annegret Martin geb. am 18. 11. 1978 in Saalfeld
 

Nur Auszüge davon:

3. Theoretischer Hintergrund

3.1 Die Bindungstheorie

3.1.2 Das Bindungssystem

Das Bindungssystem ist nach Bowlby ein dem Menschen angeborenes Verhaltenssystem, das aus dem Druck der Evolution entstand. Es hat die Aufgabe, das menschliche Kind vor Gefahren zu schützen und so die Erhaltung der Art zu sichern. Da das Kind noch nicht imstande ist, Gefahren wahrzunehmen oder sich aus bedrohlichen Situationen in Sicherheit zu bringen, benötigt es die Hilfe einer erwachsenen Person. Um sich diese sichern zu können, verfügt es über Verhaltensweisen, wie weinen, rufen oder krabbeln, die die Aufmerksamkeit der Bezugsperson auf sich lenken. Auf der Seite der Eltern existiert, so Bowlby, das dazu komplementäre Verhaltenssystem der Fürsorge, das die ebenso überlebenssichernde Funktion besitzt, dem Kind Schutz und Sicherheit zu gewähren. Das Bindungssystem wird immer dann aktiviert, wenn das Kind Unwohlsein, z.B. Schmerz, Trennung von der Bezugsperson oder Bedrohliches in der Umgebung erfährt und dann wieder beruhigt, wenn die Nähe zur Bezugsperson wieder hergestellt, und das Bedürfnis nach Sicherheit befriedigt ist (Cassidy 1999, Schmücker und Buchheim 2002). Aus der allgemeinen Kontrolltheorie entlehnte Bowlby den Gedanken, dass das Bindungssystem, ähnlich den physiologischen Steuerungssystemen, die für die Einhaltung von Sollwerten des Organismus innerhalb bestimmter Grenzen sorgen, eine zentralnervöse Steuerungseinheit besitzt, die über Aktivierung und Deaktivierung von Bindungsverhalten, die Nähe der Bezugsperson sichert.
Ainsworth (1967) beschreibt drei weitere Verhaltenssysteme, mit denen das Bindungssystem in einem dynamischen Gleichgewicht steht. Das Erkundungssystem und das soziale Verhaltenssystem, die beide konträr zu ihm wirken, indem sie nur dann aktiviert werden, wenn es beruhigt ist, und das Furchtsystem, das die Aktivierung des Bindungssystems hervorruft und ihm somit gleichgerichtet ist.
In diesem Zusammenhang ist auch die Funktion der Mutter als „sichere Basis“ zu sehen. Solange das Kind sich wohl fühlt, wird es seine Umwelt erkunden oder sich mit Spielen vergnügen. Das Erkundungssystem ist aktiv, da Sicherheit gegeben ist. Tritt jedoch ein Stressfaktor hinzu, beispielsweise ein Sturz, ein lautes Geräusch, Hunger oder eine zu große Entfernung von der Mutter, wird das Bindungssystem aktiviert. Die dadurch hervorgerufene Hilfe und der Trost der Bezugsperson stellen die emotionale Sicherheit des Kindes wieder her, das dann, im Vertrauen auf Unterstützung in eventuell wiederkehrenden Bedrohungen, alle Aufmerksamkeit und Energie wieder dem Spiel zuwenden kann.

3.1.3 Die fremde Situation und die Bedeutung der mütterlichen Feinfühligkeit

Um das Zusammenspiel von Erkundungs–, Angst– und Bindungsverhaltenssystem zu untersuchen, entwickelte Ainsworth in den 60er Jahren die „Fremde Situation“, Minidrama mit acht dreiminütigen Abschnitten, in denen das Kind in seiner Exploration in Anwesenheit der Mutter, nach Hinzukommen einer fremden Person, bei Verlassen des Raumes durch die Mutter, nach Wiedereintreten der Mutter, ohne eine weitere Person im Raum, allein mit der Fremden und schließlich wieder mit der Mutter beobachtet wird . Diese Versuchssituation erlangte große Bedeutung, da sie unter gut kontrollierbaren Bedingungen und in relativ einfach durchzuführender Weise Informationen über die Bindungssicherheit des Kindes im Alter von einem Jahr geben kann (Holmes 1996, Grossmann 2000a). Es stellte sich nämlich heraus, dass sich das Verhalten der Kinder, vor allem in den Wiedervereinigungsabschnitten, erheblich unterschied. Ainsworth konnte drei unterschiedliche Muster ausfindig machen: sicher gebundene Kinder, die bei Trennung von der Mutter offen ihren Kummer ausdrückten und sich bei ihrer Wiederkehr freuten und von ihr beruhigen ließen; unsicher ambivalent gebundene, die nach der Trennung von der Mutter untröstlich waren, sich jedoch bei ihrem Wiedereintritt durch aggressiv–ärgerliches Verhalten gegenüber der Mutter auszeichneten, während sie gleichzeitig ihre Nähe suchten; und unsicher vermeidend gebundene Kinder, die den Weggang der Mutter kaum beachteten, und auch ihrer Wiederkehr nur sehr wenig Aufmerksamkeit widmeten. Das Verhalten letzterer sah man zunächst als besonders reif an, jedoch zeigte sich in Cortisolmessungen, dass ihr innerer Stress am höchsten war. Aus den Beobachtungen derselben Mutter–Kind–Dyaden in häuslicher Umgebung während der 12 Monate seit der Geburt ging hervor, dass ein Zusammenhang zwischen dem Verhalten der Mutter, besonders deren Feinfühligkeit, Akzeptanz, Kooperation und Verfügbarkeit, und des Vorliegens einer sicheren Bindung in der Fremden Situation mit einem Jahr bestand. Von diesen Eigenschaften zeigte die mütterliche Fürsorglichkeit die höchste Vorhersagekraft. Sie ist durch Wahrnehmen der kindlichen Bedürfnisse, deren richtige Interpretation, und eine prompte sowie angemessenen Reaktion gekennzeichnet . Nicht immer zeigte sich dieser Zusammenhang in späteren Studien so stark wie Ainsworth ihn beobachtet hatte, bestätigte sich jedoch im Großen und Ganzen. Weiterentwicklungen des Konstrukts der mütterlichen Feinfühligkeit finden sich bei Stern (1996), der sie abwandelte in eine sogenannte „Einstimmung“ (Stern 1996) der Mutter auf das Kind, sowie bei Meins , die die Fähigkeit der Mutter, den inneren Zustand ihres Kindes differenziert zuberichten, als wesentlichen Faktor für die Entwicklung einer sicheren Bindung des Kindes erachtete. In die gleiche Richtung deuten Studien von Egeland und Farber (1984). Aber auch für andere mütterliche Verhaltensaspekte wurde ein Einfluss auf die kindliche Bindungssicherheit nachgewiesen. Wie Izard et al. (1991) berichteten, sind in diesem Sinn häufigere positive Emotionen der Mutter, in Verbindung mit einer größeren Offenheit
gegenüber dem Kind bei eigenen negativen Emotionen, prädikiv für eine sichere Bindung, während Simo et al. (2000) feststellten, dass stark kontrollierende Mütter eher unsichere Kinder haben.

3.1.4 Bindungsmuster

Um die Nähe der Mutter beziehungsweise ihre emotionale und physische Verfügbarkeit und Hilfsbereitschaft möglichst effektiv zu sichern, benötigt das Kind Informationen über das wahrscheinliche Verhalten der Mutter, über die eigenen Bedürfnisse und die Interaktion beider. Durch Erfahrungen mit den Eltern bildet es bis etwa zum 18. Monat aus diesen Informationen relativ stabile Repräsentanzen der Beziehungen zu ihnen aus, die sein Verhalten ihnen gegenüber bestimmen (Bowlby 1995, Holmes 2002).
Sicher gebundene Kinder können aufgrund ihrer Erfahrungen auf die Verfügbarkeit ihrer Eltern vertrauen, falls sie deren Hilfe benötigen, während unsicher gebundene Kinder befürchten müssen, dass ihnen die Bezugsperson in einer Notsituation nicht zur Verfügung steht. Unsicher–vermeidend gebundene haben gelernt, ihre Schutzbedürfnisse zu verbergen, da deren offene Äußerung im Allgemeinen Zurückweisung durch die Mutter zur Folge hatte. Unsicher–ambivalent gebundene zeigen ihren Kummer und Ärger in bindungsrelevanten Situationen besonders intensiv, um der Unterstützung durch die Bezugsperson, die sie als unstet in ihrer Verfügbarkeit erfahren haben, sicher zu sein (Weinfield et al. 1999). 1985 wurde von Mary Main noch ein viertes Bindungsmuster entdeckt, das sich in der Fremden Situation in Erstarrung, stupiden Bewegungswiederholungen oder Furcht vor der Bezugsperson bei deren Wiederkehr ausdrückte. Dieses so genannte desorganisierte Bindungsmuster unterscheidet sich von den zuvor beschriebenen darin, dass das Kind keine konsistente Verhaltensstrategie entwickeln konnte. Es bietet Züge aller drei organisierten Bindungsmuster und zeigt starkes Konfliktverhalten. Oft lagen Missbrauch oder Erfahrungen zugrunde, die das Kind das Elternteil als potentielle Gefahr betrachten lassen mussten.

3.1.5 Interne Arbeitsmodelle von Bindung

Bowlby zufolge liegen den Bindungsmustern interne Arbeitsmodelle zugrunde. Es sind Vorstellungen von der Bezugsperson, den Bedürfnissen der eigenen Person und der Interaktion zwischen beiden, die schon sehr früh in der Kindheit aus den Erfahrungen mit der Bezugsperson heraus konstruiert werden. Sie dienen vor allem dazu, die Realität vorwegnehmen zu können und so das Bindungsverhalten optimal anzupassen. Sie durchlaufen während der Entwicklung des Kindes eine fortwährende Differenzierung. Bis zum Alter von zwei Monaten sind sie primitiv, das Kind richtet sein Bindungsverhalten an beliebige Personen. Mit sechs Monaten hat das Kind jedoch schon klare Präferenzen bezüglich einer oder mehrerer Bindungspersonen, bei denen es Nähe und Sicherheit sucht. Diese auf die eigenen Bedürfnisse konzentrierte Phase nennt Bowlby „zielorientiert“ im Gegensatz zu der, durch die Sprache und Perspektivenübernahme möglichen, „zielkorrigierten“ etwa ab dem dritten Lebensjahr. Das Kind kann nun auch die Wünsche und Absichten der anderen Person in seine eigenen Ziele integrieren. Während bis dahin die bindungsrelevanten Erfahrungen nur als Gefühle repräsentiert werden, nehmen nun auch kognitive und sprachliche Aspekte Einzug in die internen Arbeitsmodelle. Diese subjektiven Konstrukte stehen prinzipiell der Anpassung durch neue Erfahrungen offen, jedoch sind sie unbewusst und beeinflussen nicht nur das Handeln, sondern auch neue Wahrnehmungen werden im Lichte der vorhergehenden Erlebnisse interpretiert. Die Adaption ist hierbei bei sicherer Bindung erleichtert, während unsichere Repräsentanzen zu Rigidität neigen. Aufgrund ihres Vertrauens auf die Responsivität ihrer Bezugspersonen fällt es sicher gebundenen Kindern leichter, negative Erfahrungen zu integrieren. Die Eltern unsicher gebundener Kinder erschweren dies durch Verhaltensweisen wie z.B.: diese so behandeln, dass die Ereignisse für das Kind zu schlimm sind, als dass es sich damit bewusst auseinander setzen könnte; reagieren auf Handlungen des Kindes in einer Art und Weise, die es sich schuldig fühlen lässt oder vermitteln, dass es bestimmte negative Realitäten, die die Eltern selbst nicht wahrhaben wollen, nicht wissen soll. So kann es dazu kommen, dass mehrere interne Arbeitsmodelle von Bindung nebeneinander entstehen, ein bewusstes, in dem nur die Informationen enthalten sind, die zu haben dem Kind durch die Eltern erlaubt wird und ein unbewusstes, das die wirklichen Wahrnehmungen enthält. Dies zeigt sich besonders bei Erwachsenen mit unsicher–vermeidendem Bindungsstil, die ein sehr positives Bild ihrer Eltern schildern, bei konkreten Ereignissen mit ihnen aber vor allem zurückweisendes Verhalten erinnern. Bowlby unterscheidet außerdem alte und neue Modelle von Bindung. Erstere enthalten vor allem die präsymbolischen Erfahrungen der frühen Kindheit, während letztere sich auf die Zeit danach beziehen, in der die Integration von neuen Erfahrungen durch die Fähigkeit zu Gesprächen und Nachdenken über die eigenen Gedanken leichter fällt. Werden die frühen Erlebnisse in dieser Zeit nicht integriert, existieren alte und neue Repräsentanzen von Bindung nebeneinander, wobei die Alten in belastenden Situationen und gefühlsintensiven Beziehungen an Einfluss gewinnen.Neuere Vorstellungen über interne Arbeitsmodelle gehen davon aus, dass nicht Erinnerungen gespeichert werden und sich im neuen Kontext auf Verhalten auswirken, sondern dass ein Potential vorhanden ist, die früheren Erfahrungen durch die Eindrücke einer neuen Situation wieder abzurufen und zu „reklassifizieren“. So sind diese ständige Neukonstruktionen aus gegenwärtigen Wahrnehmungen und alten Kategorisierungen.

3.1.6 Der Einfluss früher Bindungsqualität auf die Entwicklung

Während der letzten 20 Jahre wurden zu diesem Thema vielfältige Studien unternommen, in denen der Zusammenhang zwischen Bindungsqualität und verschiedensten späteren Fähigkeiten und Eigenschaften der Kinder, wie soziale Kompetenz, Qualität der Beziehungen mit Gleichaltrigen, und Selbstbild untersucht wurde. Die gemischten Ergebnisse zeigen, dass man nicht von einer einfachen geradlinigen Beziehung zwischen Bindungsqualität und weiterer Entwicklung ausgehen kann. Thompson (1999) betont die Unterscheidung der untersuchten Eigenschaften nach theoretisch erwarteter Enge des Zusammenhanges. Die engste Beziehung sollte zwischen der frühen Bindungsqualität und der Eltern–Kind–Beziehung in der späteren Kindheit bestehen. Diese zeigt sich nur über kurze Zeiträume. Auf längere Sicht sind die Ergebnisse nicht so eindeutig, was auf Veränderungen in der familiären Situation und andere Risikofaktoren zurückgeführt werden kann. Ein etwas lockererer Zusammenhang sollte zur Kompetenz in anderen engen Beziehungen bestehen. Wiederum über kurze Zeiträume können sicher gebundenen Kindern höhere soziale Kompetenz, engere Freundschaften, besseres Konfliktlösen, weniger aggressives und kontrollierendes Verhalten bestätigt werden. Studien, die Zusammenhänge über längere Zeiträume maßen, zeigten uneindeutige Ergebnisse. Gemäß der Annahme, dass Kinder ihre Erfahrungen mit den Eltern auch auf fremde Personen übertragen, wurde bestätigt, dass Kinder sich tatsächlich Fremden gegenüber ähnlich ihres in der Fremden Situation eruierten Verhaltensmusters ihren Eltern gegenüber verhielten. Noch weniger eng mit der Bindungsqualität in Beziehung zu sehen sind Persönlichkeitseigenschaften. In der Minneapolis–Längsschnittstudie (Sroufe 1983) wurden größere Empathie, höherer Selbstwert, Kooperativität und positives Verhalten bei den mit einem Jahr als sicher gebundenen nachgewiesen, jedoch konnten diese Ergebnisse noch nicht repliziert werden. Zusammenhänge zu vielen anderen Persönlichkeitscharakteristika z. B. zu späteren Verhaltens-problemen, wurden nur in einer Studie oder nicht konsistent nachgewiesen wobei wieder Risikofaktoren eine Rolle spielten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Ergebnisse vorläufige Hinweise darstellen, die durch klarere theoretische Hypothesen, welchen Einfluss die Bindungsqualität auf die weitere Entwicklung des Kindes hat, und vor allem auch, in welchen Bereichen man keinen Zusammenhang erwartet, in Zukunft zu überprüfen und zu erweitern sind .

Mein Grauen

18. März 2013

Juni 2006 Rehaklinik in Hessen
Es war Ende Juni, nach 4 Wochen Aufenthalt ging es mir schlechter als je zuvor. Die vielen Gruppentherapien mit bunt gemixtem „Publikum“: Mobbingopfer, Burnout, PTBS Typ 1, Depressionen öffneten ungeahnte tiefe Schleusen in mir, alle bereit, mich zu verschlingen. Trigger an Trigger gaben sich die Hand, ich war machtlos, wurde zu den Therapien gezwungen, da man der Kasse sonst meine Verweigerung mitgeteilt hätte.
Es gab im obersten Geschoss einen Raucheraufenthaltsraum, der aber schon 22 Uhr abgeschlossen wurde. Ihr könnt euch meine schlaflosen Nächte vorstellen. Meist saß ich heulend und zusammengekauert auf meinem Balkon und rauchte, was dort eigentlich verboten war. Aber ich wusste nicht, wie ich die Nächte sonst hinter mich bringen konnte. Das ging bis zu dem Tag gut, als direkt über mir ein neuer Patient einzog. Mitten in der Nacht erschreckte er mich von oben und blaffte mich wegen dem Rauchgeruch an.
Zwei Tage später war, wie üblich einmal pro Woche, die Großvisite mit der Chefärztin auf meinem eigenen Zimmer. Ich saß auf meinem Bett, damit die Ärztin sich auf den Stuhl setzen konnte. Dann begann das Grauen für mich.
Sie sprach von der Hausordnung, von der Möglichkeit, nach Hause geschickt zu werden, wenn man sich daran nicht hält, und von der Beschwerde des Patienten über mir. Glaubt mir, mit jedem ihrer Worte wurde ich immer kleiner und verängstigter. Ich schaute beschämt nach unten auf meine Füße. Wusste ich doch, dass auf dem Balkon Rauchverbot war. Plötzlich rief sie: „Sehen sie mich gefälligst an, wenn ich mit ihnen rede!“ Wumms, baddabumms war ich im falschen Film. Genau diesen Satz hörte ich immer in meiner Kindheit (natürlich mit dem Wort DU), wenn es einen Schuldigen zu finden galt, oder wenn ich was ausgefressen hatte, oder wenn ich die Note 3 hatte, oder, oder, und. Jedenfalls leitete dieser Satz meist eine Prügelorgie ein. Und glaubt mir, die Angst war gewaltig, jedesmal. So nun auch in dieser Situation. Ich fing sofort an, am ganzen Körper zu zittern, sah nach oben, nahm die Personen im Raum nur noch hinter einem Schleier wahr. Ich war voll von Hilflosigkeit und Angst. So kann ich auch gar nicht mehr sagen, wie die Visite zu Ende ging. Kann mich absolut nicht erinnern.
Nur eines weiß ich bis heute: Dieser Satz von einer Therapeutin, der ich anvertraut war, der ich ausgeliefert war, dieser Satz löste zum ersten Mal in meinem Leben die bewusste Handlung zu einem Selbstmord aus.
Ich weiß nicht mehr, wie viel Zeit vergangen war, nur, dass ich auf die Mittagspause gewartet habe (zum Essen konnte ich einfach nicht gehen), weil dann garantiert niemand mehr in die Zimmer kam. Ich hatte zur Anreise natürlich nicht meine ganze Tablettensammlung abgegeben. Ich stopfte alles in mich rein, was ich fand… 12 Tavor a 1mg, eine 20iger Packung Schlaftabletten, mind. 20 Trevilor und noch Trimipramin. Dann legte ich mich ins Bett und wollte nur noch einschlafen und dann wegbleiben für immer.
Zeitgefühl hatte ich keins, weiß nicht, wie lange ich gelegen habe. Plötzlich aber hörte ich die Stimme meiner Tochter. Ich fand das schrecklich, aber die Stimme hörte nicht auf. Irgendwie schaffte ich es in die Toilette, steckte meinen Finger in den Hals (als Studentin geübt), wieder und wieder, bis kein Tropfen mehr kam. Dann legte ich mich wieder hin. War unendlich traurig. Geschlafen habe ich dann über 24 Stunden.
Es gibt heute noch Momente, an denen ich verfluche, das nicht durchgezogen zu haben, so wie ich verfluchte, die Lungenembolie 2003 überlebt zu haben (Vielleicht rauche ich deshalb mehr als je zuvor?), so wie ich heute noch verfluche, den Genickbruch 1998 überstanden zu haben.
Es wird wohl nie wieder die Kraft geben, eigens Hand anzulegen, aber ich hoffe noch immer, dass die Natur die Sache übernimmt. Davon werde ich wohl nie loskommen, solange ich keinen Sinn zu leben finde.

Und: Gott sei Dank ist mir so eine Therapeutin nie wieder über den Weg gelaufen!

Trigger und Flash

1. Februar 2013

Fundstück

Die Zerstörung des sozialen Misstrauens ist umfassend gegen die Umwelt gerichtet.

Traumatisierte Menschen entwickeln besonders feine Antennen für unbewusste und nonverbale Kommunikation,
sie haben keine “normalen” Beziehungen und schwanken zwischen intensiver Zuneigung und verängstigtem Rückzug.

Mitmenschen werden bestimmte Rollen zugewiesen und ihr Verhalten beobachtet.

“Da kaum jemand die ständigen, strengen Prüfungen des Vertrauens bestehen kann, zieht sich das Opfer im Lauf der Zeit mehr und mehr aus allen Beziehungen zurück.”

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Beschreibung der uns allzeit bekannten Flashbacks!

Für Laien unvorstellbar! Strandkrabbe hat bessere Worte dafür, als ich es je formulieren könnte! Also drucke ich ihren Text ab!

Strandkrabbe schreibt auf ihrem Blog:   „gefühlte Erinnerungen“    Posted: 22. April 2013

Ein Blick. Eine Bewegung. Ein Zucken im Gesicht. Ein bestimmter Geruch. Ein Wort. Ein Tonfall. Ein Gedanke. Ein Geschmack. Eine Körperempfindung. Ein ganz alltäglicher Moment……………………
Plötzlich geht der Alarm im Innern los. Es gibt eine leichte Erschütterung. Nur ein Vorbeben. Alle rennen, wollen sich in Sicherheit bringen bevor alles erschüttert und zerstört wird. Der Anteil der gerade im Außen ist, erstarrt vor Angst. Was wird gleich geschehen? Wie ein wildes Tier in Gefangenschaft peitscht im Innern die Angst. Füße wollen laufen so schnell sie können. Hände wollen vor noch mehr Worten, Tönen, Erschrecken schützen. Nichts kann es stoppen. Panisches Aufspringen, loslaufen wollen. Vor der Tür stoppen. Beine wollen laufen, doch sind sie wie gelähmt. Auf den Ohren nur noch ein lautes Rauschen. Der Kopf dröhnt. Und dann zerfällt alles in dichten Nebel.
Die Barriere ist durchbrochen. Schutzlos, haltlos, mutterseelenallein ist sie da. Die kleine, zarte, zerbrechliche Kinderseele. Sie ist ganz ruhig. Hat sich klein gemacht. In eine schützende Ecke gedrückt. In der Hoffnung zu überleben. Vielleicht würde man sie nicht sehen. Vielleicht würde man nicht bemerken, dass sie noch da ist. Sie ist ganz ruhig geworden. Sie hört ein Rauschen als wäre sie direkt am Meer. Oh wie schön es wäre, sie könnte die Hände ausstrecken und die Freiheit des Meeres fühlen. Sie ist allein. Oder doch nicht. Plötzlich ein Geräusch. Ein Klacken. Sie kommen. Sie werden sie sehen. Sie werden sie mitschleifen. Sie hat keine Chance. In ihrer Phantasie taucht sie ein ins Meer. Bis sie nichts mehr fühlt.
Watte im Kopf. Eine weiße Wand. Kein Boden zu fühlen. Schweben im luftleeren Raum. Und dann plötzlich etwas kaltes am Arm. Augen füllen sich mit Tränen. Suchend wird nach dem Kalten getastet. Wir sind im luftleeren Raum zwischen hier und da. Das Kalte, es ist der Schlüssel, der Reiz, der mich rausbringen kann. Wenigstens raus aus diesem Schweben. Doch was erwartet mich da, wenn ich hier raus bin? Tränen über Tränen brechen herein. Abgrundtiefe Traurigkeit, panische Angst. Noch immer sollte ich nur Laufen, weg von hier. Doch die Energie hat sich in Nichts aufgelöst. Die Beine sind schwer wie Blei.
Ich bleibe in einem Chaos aus Gefühlen von Gestern und Heute. Unsortiert. Nicht zu unterscheiden. Nicht wissend, was ist real und was Erinnerung. Keine Bilder denen die Gefühle zuzuordnen sind. Nur Angst, panische Angst. Und der Körper erscheint nur noch als Hülle. Im Kopf tanzen Gedanken wirr durcheinander, bilden sich nur noch Worte ohne Zusammenhang.
Eine Bombe ist explodiert. Es gab einen gewaltigen Knall, ein schweres Beben. Zurück bleibt ein unsortierbares Gefühlschaos.

Was ist geschehen? Wir haben einen Fehler gemacht. Wir haben um Hilfe gerufen und die Helfer hilf-und ratlos gemacht. Wir wollten gerettet werden und haben doch um Verständnis und Loslassen gebettelt. Wir haben Not, Schmerz und Angst bei denen ausgelöst, die uns am wichtigsten sind. Und Fehler werden doch immer bestraft. Oder nicht? Und anderen Schmerz zufügen, das dürfen wir doch nicht. Das ist doch verboten.
Wie konnten wir es nur wagen, unsere Not so sehr zu zeigen. Was ist nur geschehen, dass wir geglaubt haben, es wäre heute richtig, nach einer helfenden Hand zu suchen, als alles stockdunkel um uns wurde. Jetzt wird es wieder dunkel…………………………
Wir hätten doch vielleicht nie mehr Nähe zulassen dürfen. Niemandem mehr vertrauen dürfen. Nicht mehr um Hilfe bitten sollen. Jetzt tut es nur noch entsetzlich weh.

Hallo Ihr,
es ist so ein schlimmes Gefühl, so sehr in sich selbst zu versinken und gefangen zu sein in der Angst. Da haben wir großes Mitgefühl und Verständnis.
Und wir kennen auch das Erschrecken, wenn man merkt und sieht, dass Helfer überfordert sind, oder sich hilflos fühlen. Vor allem dann, wenn man zuvor viel von ihnen Angebotenes “genommen” hat, weil man es brauchte. Wenn die Helfer sich danach belastet zeigen, ist das für unsereins ein schweres, ängstliches Gefühl. Für uns ist wichtig, innerlich etwas auseinander zu halten: WIR zeigen uns mit unserer Not und eigenen Hilflosigkeit gegenüber bestimmten Zuständen oder Gefühlen. Die gefühlte oder gezeigte Hilflosigkeit der Helfer ist DEREN Erleben, kommt aus DEREN “Ich” und hat nur bedingt etwas mit uns zu tun! Wir machen die Helfer nicht hilflos! Wir lösen mit unserem Sein vielleicht etwas bei ihnen aus- aber die Verantwortung für den Umgang damit tragen sie selbst. Wenn sie in ihrer Hilf-und Ratlosigkeit feststecken, müssen sie selbst schauen, wie sie damit weiterarbeiten können- und nicht wir müssen uns darum kümmern, dass sie sich nicht mehr so fühlen. Versteht Ihr?
Dass Ihr Euch auf jemanden eingelassen habt und die ausgestreckte, helfende Hand ergriffen habt, war mutig und stark. Dass Ihr einem anderen Menschen begegnet und ihn in Euer Herz lasst zeigt, dass Ihr Euch Berührung und Begegnung auch wünscht. Daran ist nichts falsch!

nahe menschliche kontakte sind am meisten gebraucht und am meisten gefürchtet…. sie können so heilsam sein und sie können so sehr weh tun… ein mensch kann so gut tun und auch so verletzen… eine grenze kann sicherheit geben und ausschließen oder abweisen…
alles gehört wohl dazu, wenn man sich auf das leben und auf menschen einlässt.

Liebe Grüße, die paulines

Hallo Ihr,
Eure Worte sind so absolut wahr und wertvoll. Es war so wichtig, zu lesen, dass WIR nicht die Hilflosigkeit bei den Helfern machen, und dass WIR auch nicht für sie sorgen müssen. Wisst Ihr, uns passiert das schnell, dass wir denken, dass wir was falsch gemacht haben und jetzt alles zerstört ist. Es sind alte Geschichten in die wir da reinrutschen. Und dann kriegen wir das Heute und das Gestern nicht voneinander getrennt. Es war gaaaanz schwer und anstrengend, aber wir haben heute vieles verstanden und ganz langsam weicht die Angst wieder zurück und macht dem Vertrauen Platz. Nur am inneren Zittern ist noch zu erkennen, dass es noch nicht wieder richtig gut ist. Liebe Grüße von uns

Aquarelle malen

6. Januar 2013

           

                         

                

                         

                   

               

 

 

Herbstwald

 

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