Posts Tagged ‘Depersonalisation’

Woher im Innen die Stille?

29. Juni 2016

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Über 6 Jahre lang kam bei einem Blick in den Spiegel „Du fette Kuh, so etwas wie dich …ekelhaft!“ Dabei war ich noch nie ein Mensch der wirklich überfett wirkte. Meine Größe machte so einiges wett, niemand glaubte so recht meine Kilozahl. Im letzten Jahr kam ich an eine Grenze des Gewichtes, die ich selbst nicht mehr akzeptieren konnte….ich sah Fett im Gesicht, Fett am Hals…die Beschimpfungen im Innen nahmen zu.
Heute?
Das Beschimpfen hat aufgehört, plötzlich scheine ICH (wer bist du?) mich real zu sehen. Viele Fragen stehen im Raum, zu denen ich wirklich keine Antwort finde.
= Floh, warst du der Abwertende? Bist du plötzlich auf unserer Seite?
= 12 Kilogramm in den letzten drei Monaten abgenommen…habe dünne Staksen (Beine)…macht dies uns einen neuen Blickwinkel? Warum beschließen oft mehrere Meinwesen „Wenn wir jetzt einfach nichts mehr essen, dann fallen wir tot um. Suuuuper, also los!“ Feigheit vor der Aktivität des Suizids?
= Hat die erleichternde Erkenntnis, dass wir nicht mehr leben MÜSSEN, unsere Ansichten geändert, unsere Wahrnehmung? Diese Frage kommt auf, weil ich mich nicht an so eine Ruhe in mir erinnern kann, wie ich sie seit Tagen fühle. Eine Ruhe, die aus mir selbst heraus kommt, und nicht eine „erschaffene“ Ruhe, wie ich sie mir schon als 8 Jährige beim Gang über den Friedhof gedisst habe. Innen tot machen – nichts fühlen müssen – so gewabnet die elterliche Wohnung betreten zu können – nichts kam an mich ran! Ich frage mich ernsthaft, ob nach 50 Jahren Aushalten müssen, 50 Jahre Zwang im Kopf, …. und nun endlich die Schranke überwunden zu haben….ich meinem lebenslangen Wunsch, sterben zu dürfen, endlich nachgehen zu können….mir dies einen inneren Frieden bringt, diese Ruhe? Schafft mir diese Ruhe einen neuen Blick?
= Bin ich wach geworden aufgrund der Enttäuschung über mir nah stehende Menschen? Steckt dahinter, endlich real auf diese Menschen sehen zu können? Bin ich also mal erwachsen anwesend? Rael in den Welt?
= Oder bin ich auf dem Weg weiter pro Monat eine Konfektionsgröße weniger zu haben, bis ich verschwunden bin? Macht dies ruhig?

Viele Fragen, auf die ich sicher keine Antworten finde, denn zu unterschiedliche Meinungen kommen aus mir heraus.
Oder jede/r einzelne/r Gedanke/Frage sind schon die Antworten?

 

 

4. Dissoziationen in verschiedenen Störungsbildern

28. Februar 2016

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Zusammenfassung:

Bei akuten Traumatas, bei der Posttraumatischen Belastungsstörung, bei Angststörungen, bei affektiven Störungen und bei einigen Persönlichkeitsstörungen können dissoziative Symptome auftreten. Mal nur ein Symptom, mal mehrere.
KÖNNEN!!!!
Dabei sind sie teilweise zeitbegrenzt und gut therapierbar!

 

Wie es sich lebt als Multiple

14. Januar 2016

Hier wird ein Begriff falsch verwendet ->Persönlichkeitsstörung. Multiple haben keine PS-störung (erzogen, erworben mit Notsystem), sondern eine Identitätsstörung (veränderte Gehirnstruktur,- und funktionsweise).

-aus dem Internet:
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Eng mit dem psychisch bedingten Gedächtnisverlust verwandt ist die Symptomatik der dissoziativen Persönlichkeitsstörung.

Hier hat der durch seelische Traumata bedingte Gedächtnisverlust solche Ausmaße erreicht, dass ganze Teile der Persönlichkeit eines Menschen in die Abspaltung einbezogen werden.
Bei verschiedenen Anlässen treten dann ganz unterschiedliche Seiten der Persönlichkeit auf und handeln in Extremfällen, ohne dass ein Bezug zu den anderen Seiten besteht.
Ein solcher Mensch lebt wie zersplittert und hat größte Probleme, sich und die Mitmenschen zu verstehen. Weiterhin sind sein Lebensweg und seine Beziehungen von heftigen Wechseln und großen Schwierigkeiten gekennzeichnet.

Wenn sich – etwa durch ungünstige bisherige Lebenserfahrungen – ein starres Erlebens- und Verhaltensmuster entwickelt hat, kann dies zu Ieidvollen Störungen im Selbsterleben, v.a. aber auch zu schweren, sich ständig in ähnlicher Form wiederholenden Störungen in den Beziehungen zu anderen Menschen führen und die soziale Funktions- und Leistungsfähigkeit einschränken.

Persönlichkeitsstörungen sind somit als Extremvarianten bestimmter Persönlichkeitsstile zu sehen, wie sie jeder von uns entwickelt hat.
Die Symptomatik von Persönlichkeitsstörungen ist dementsprechend sehr vielgestaltig.
Beispiele wären etwa eine sehr stark misstrauisch-empfindliche Haltung der gesamten Umwelt gegenüber oder emotionale Kühle und ausgeprägtes Rückzugsverhalten.
Aber auch mangelnde Impulskontrolle, eine sehr schwere Selbstwertproblematik oder stark abhängiges, ängstlich-vermeidendes oder sehr zwanghaftes Verhalten können Ausdruck so einer Persönlichkeitsstörung sein. Charakteristisch für die Symptomatik bei Persönlichkeitsstörungen ist, dass sie lang anhaltend ist und als leidvoll erlebt wird.

Menschen mit einer dissoziativen Identitätsstörung fällt es schwer, ihr Erleben mitzuteilen, weil dies stark schambesetzt ist. Sie versuchen oft, ihre Symptome im Alltag zu verbergen, besonders ihre Zeitverluste, die sie am Tage erleben und ihre Identitätswechsel.
Sie bemühen sich intensiv, alles unter Kontrolle zu halten und teilen in ihrem Leben nur wenigen, sehr vertrauten Mensch ihr inneres Erleben mit.
Da sie manchmal auch innere Stimmen hören, tritt bei einigen Betroffenen die Sorge auf, falsch beurteilt und behandelt zu werden.
Im Übrigen können bei dissoziativer Identitätsstörung vergleichbare Symptome wie bei der Posttraumatischen Belastungsstörung auftreten wie z.B.:

erhöhte Schreckhaftigkeit

Depressionen

andauerndes Gefühl von Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen

andauerndes Gefühl von Betäubtsein und Stumpfheit

Vermeidung von Situationen, die mit dem Trauma zusammenhängen

Schlafstörungen

Alpträume.

Meine Zersplitterung im Erleben

17. August 2015

Ich lese alte Aufzeichnungen in der Kategorie „Ich ticke anders“ den Text: „2003, was? Noch 10 Jahre?“

Oh verdammt, ich lese diese Zeilen, besonders die zu 2013 und wundere mich: “Wer von uns war dieser Meinung?” Wie viele verschiedene Erlebnisebenen gibt es in mir? Nicht mehr täglich tot sein zu wollen…. das lese ich doch in meinem Tagebuch erst als Ergebnis zu einer wundervollen Beziehung 2013 zu einer Stationsärztin. Eine Beziehung, die mir das Öffnen erlaubte, das SO- SEIN, wie ich bin. Eine Arbeitsbeziehung, die mir Willkommensein zu Bewusstsein brachte, Respekt gegenüber meinen Anteilen offenbahrte. Aber im Zusatz zu dem Artikel formuliere ich eine Zeit 6 Jahre davor. ?????????
Oh jeminee, immer wieder zu bemerken, dass das “aktuelle” Ich Dinge nicht mitbekommen hat….grauenvoll! Ich wünschte mir so sehnlichst, dass mir die einzelnen Anteile ihr Erleben, ihr Wachsen mitteilen würden. Könnte mir so viel Zeit sparen.
Puh, merke, wie zerstückelt scheinbar selbst das Erleben in mir ist.

Video: Versuch der Erklärung einer Dissoziativen Identitätsstörung

17. April 2015

https://m.youtube.com/watch?v=NpdJ3DHa1c4

Radikale Akzeptanz – mein Signal an meine Kleinen

5. April 2014

5.4.14

Seit Beginn 2013 bin ich in einer regelmäßigen stationären Traumabehandlung, die einzig und allein dazu dient, die Symptome der PTBS zu lindern. Der Weg führt über das EMDR-Verfahren, mit dem Ziel, vom Gefühl abgespaltene Ereignisse des Lebens zum Einem wieder zueinander zu führen, zum Anderen diese dann im Gehirn als abgeschlossene/beendete Tatsache als Vergangenheit einordnen zu können. Nur so ist es möglich, nicht mehr unkontrolliert den Flashbacks ausgeliefert zu sein. Das Gehirn benötigt dazu die Information, dass das Geschehen ein ALTES ist, also keine Gefahr mehr im HEUTE bedeutet.

Dass eine dissoziative Identitätsstörung einhergeht mit vielen Amnesien, macht mir diese Behandlung aber zur Qual, weil immer wieder für mich neue, mir unbekannte Erinnerungen hochkommen, die den seelischen Schmerz ins Unermessliche treiben. Während der Traumakonfrontation fühle ich alles noch einmal, switche in das Kind, und erlebe das alte Geschehen im Hier und Jetzt. Dank der guten Therapeutin werde ich aber dort wieder “ heraus geholt“ , und sie hilft mir, für dieses Ereignis einen anderen Abschluss zu finden. Sicher werden sich jetzt Leser fragen: „Warum tut sie sich das an?“ Nun, ich habe mich dazu entschieden, weil es für mich keinen Ausweg mehr gibt. Das, was sich als mein derzeitiges Leben bezeichnet, ist kein Leben. Es ist ein zurückgezogenes Dahinvegetieren. Sicher, es werden die alten Gefühle immer wieder, mein ganzes restliches Leben lang auftauchen, aber ich werde fähig sein, schneller aus ihnen heraus zu finden, um die extremen tiefen Abstürze zu verhindern.

Nur darum „tue ich mir das an“ mit der Behandlung!

Eigentlich wollte ich auf den sexuellen Missbrauch zurückkommen. Also: Wie ich oben im Text beschrieben hatte, kannte ich entweder die puren Bilder, entweder fremde schlimme Gefühle, oder nur blanke Todesangst. Bilder und Gefühle wirklich in Zusammenhang zu bringen, das ging nicht. Also war es für mich ein Leichtes, das Meiste zu leugnen. Nein, das kann nicht sein, so ein Quatsch, das stammt aus meinem kranken Hirn! Das tut kein Mensch einem Kind an, so ein Blödsinn! Hm, heute, nach drei Intervallen und vielen „Blicken“ in die Vergangenheit bin ich eines Besseren belehrt. Nicht, weil während des EMDR so viel hochkommt, nein! Sondern weil ich die stundenlang und tagelang danach auftretenden Schmerzen aushalten muss. (Körperflash’s = Erinnerungsschmerzen) Schmerzen, die mir das Gehirn aus der Erinnerung schickt, Schmerzen, die das jeweilige Kind von uns aushalten musste. Ob Unterleibsschmerzen, Bauchschmerzen, Knochenschmerzen von Prügelexessen (Rücken, Arme, Beine, Gesicht, Kopf) , Schmerzen in Po und Knochen „da unten“.Selbst blaue Flecken treten auf, einfach so, wie aus dem Nichts. So, da stehe ich dann da, kann es nicht fassen, aber in mir steigt ein Mitgefühl für die jeweilige Kleine auf, und ein Entsetzen, was sie aushalten musste…oh menne! Und pö a pö hat sich, obwohl damit mein Weltbild völlig zusammengebrochen ist, eine innere Akzeptanz entwickelt. Und damit auch ein innerer Zugang zu den Kleinen. Erst durch mein Glauben an ihre Erlebnisse, durch meine Fürsorge für sie, kommen sie mir näher, finden Vertrauen zu mir und meiner Kraft, öffnen sich immer mehr, und dies alles bringt letztendlich eine größere Ruhe in mein Innensystem. Ich habe verstanden, dass mein Leben nur lebenswert werden kann, wenn wir als Team, dass sich vertraut und genau kennt, zusammenhalten.

Und das geht nur mit der Akzeptanz des Geschehenen! Und mit folgender Aussage möchte ich meinen Kleinen ein Signal setzen: “ Wir wurden sexuell missbraucht!“

Wir wollen und müssen uns nicht dafür schämen! Denn wir waren nicht die Schuldigen! Wir waren nur Kinder!

PS an die Kleinen: Hab euch lieb!

Umgestaltetes Innenleben

3. November 2013

3.11.2013

Musste das innere Haus ändern aus mehreren Gründen!
Franco ist dazu gekommen, die Introjekte haben sich geoutet. Und diese sollen nicht im Strafbereich sein, sie gehören schließlich zu uns. Aber wir haben nun eine Etage drauf gebaut, wo sie sein können, ohne dass die Kleinen unten Angst haben müssen vor ihnen.
Aus dem Strafbereich habe ich ein Spiel-Toben-Bereich gemacht.

Die kleinen, noch immer mir unbekannten weinenden Kinder, die ich Schlafseelen nenne, sind raus aus dem Haus, weil sie beschützt sein müssen. Sie sind im Garten auf einer Wolke (unsichtbare Kette bis in den Boden), haben dort ihre Kuschelbettchen und werden von zwei Elfen bewacht.

Das Zimmer der drei Kleinsten(mit Annegret) werden wir nach außen riesig „ausbeulen“ und einen runden Schlafbereich bauen. Auch das wird alles aus Glaswänden und Decken sein.

Die Introjekte sind in die erste Etage gezogen und können nur mit Kathis Genehmigung nach unten.
Das DICKE ENDE ist ein imaginärer Spiel, Kuschel, Beschützer-Gefährte, der darf immer runter.

Innere Konferenzen finden noch immer unten am großen Tisch statt. Besonders vor den EMDR Sitzungen wird dort geplant, wer mit wem wohin! Um uns vor den Introjekten zu beschützen, werden sie vorher ordentlich verwöhnt und dürfen dann währenddessen was leckeres kochen.
Den kleinen Drachen, mein ICH-Synton, beziehe ich öfter ins Geschehen ein, weil wir ihn irgendwann umwandeln möchten. Er kann ja nichts dafür, dass er sich immer so fühlt.

Nachtrag am 8. Nov.:
Der Konferenztisch in der Mitte wurde so umgebaut, dass er sich auf Knopfdruck im Boden versenkt und eine Schlaf – Kuschelwiese nach oben kommt. So kann die Nacht außerhalb der Zimmer verbracht werden, an eine Erwachsene gekuschelt!

Mehr fällt mir gerade nichts ein, was ich zu unserem Haus sagen könnte!
unser Innensystem

Die erste Etage mit noch freien Zimmern.

Innensystem 1. Etage

EMDR – Therapieform bei posttraumatischen Belastungsstörungen

7. September 2013

Genau auf diese Art habe ich EMDR auf der Traumastation  erlebt!

Nun, Ergebnisse kann ich noch nicht fühlen, da ich erst ganz am Anfang stehe! (4 Intervalle folgen noch)

Dieser Text ist aus dem Internet gefischt. Ist so klar und einfach erklärt, dass ich nicht von meinen Erleben reden muss. Dies hier ist für jeden Laien verständlich. Und ich kann im Moment nicht gut schreiben oder nachdenken. Mir geht es zu schlecht.

EMDR = Eye Movement Desensitization and Reprocessing

Eye Movement Desensitization and Reprocessing, kurz EMDR, ist eine von Francine Shapiro in den USA entwickelte Behandlungsmethode für Trauma-Betroffene aus dem Bereich der Psychotraumatologie.

Bei EMDR regt der Therapeut den Patienten nach strukturierter Vorbereitung zu bestimmten Augenbewegungen an, wodurch es möglich werden soll, unverarbeitete traumatische Inhalte zu verarbeiten.

Inhaltsverzeichnis
1 Abgrenzung
2 Entstehung
3 Wirkungsweisen und Hintergründe
4 Ablauf
5 Gefahren
6 Wissenschaftliche Anerkennung

1. Abgrenzung
Trotz oberflächlicher Ähnlichkeit, etwa durch die angeleitete Augenbewegung, ist EMDR nicht mit Hypnose zu verwechseln. Es soll keine Veränderung des Bewusstseinszustandes, sondern vielmehr eine Integration der mit dem Trauma verbundenen Emotionen und Empfindungen erreicht werden.

2. Entstehung
Francine Shapiro hatte die Idee zur Erprobung und Untersuchung dieser Methode zufällig beim Spazierengehen im Park. Sie bewegte die Augen hin und her und erlebte eine deutliche Entlastung von Ängsten und depressiven Gedanken im Zusammenhang mit der bei ihr diagnostizierten Krebserkrankung.

3. Wirkungsweisen und Hintergründe
Nach einem Trauma kann es zum sogenannten „Sprachlosen Entsetzen“ (speechless terror) kommen, d. h. in der rechten Hirnhälfte werden Bilder prozessiert, die der Patient vor Augen hat, während das Sprachzentrum aktiv unterdrückt wird. Der Patient kann das Geschehene so nicht in Worte fassen, wodurch nachfolgend eine Verarbeitung des Erlebten erschwert wird. Es gibt bereits eine Vielzahl von Studien, die die Wirksamkeit von EMDR belegen und versuchen, die Wirkungsweise zu ergründen. Es wird angenommen, dass durch die bilaterale Stimulation mittels bestimmter Augenbewegungen (oder auch akustischen oder taktilen Reizen), eine Synchronisation der Hirnhälften ermöglicht wird, die bei der posttraumatischen Belastungsstörung gestört ist. Erklärend wird auch Bezug genommen auf eine Schlafphase, bei der starke Augenbewegungen stattfinden und zugleich ein erhöhter Verarbeitungsmodus des im Alltag Erlebten vermutet wird.

4. Ablauf
Das eigentliche Durcharbeiten der belastenden Inhalte, durch Augenbewegungen oder andere Stimulationsarten, ist dabei ein recht später Schritt im Therapiemanual.

Anamnese:
Zunächst muss eine genaue Anamnese erhoben werden, bei der z. B. die traumakompensatorischen Bewältigungsversuche des Patienten erfragt werden. Auch muss zuvor abgeklärt werden, ob gleichzeitig eine sogenannte dissoziative Störung vorliegt (hierbei werden Teile des eigenen Erlebens ausgeblendet/aktiv unterdrückt).

Stabilisierung: 
Die Stabilisierungsphase dauert je nach Lage der Ressourcen oft sehr lange. Besonders bei einer dissoziativen Störung muss als vorrangiges Therapieziel zunächst eine Grundstabilisierung des Patienten erreicht werden, die die Fähigkeit des Patienten stärkt, sich der Traumathematik vorsichtig und dosiert zu nähern und sich vor einer möglichen ungesteuerten „Überflutung“ mit belastendem Erinnerungsmaterial aktiv zu schützen.
Auch hierbei kann EMDR hilfreich sein, z. B. durch eine mittels angeleiteter Augenbewegung erfolgreichen Verankerung positiver Imagination wie „der innere sichere Ort“ oder „der innere Tresor“ nach Dr. Luise Reddemann.

Bewertung:
Einer einzelnen ausgewählten Erinnerung, also einem „einzelnen Bild“, das den belastetsten Teil einer Traumathematik darstellt, wird vom Patienten eine aktuell zutreffende negative Kognition, (z. B. „ich bin hilflos“) zugewiesen sowie auch eine positive, die er in Zukunft damit verbinden möchte (z. B. „ich kann heute etwas tun“ – was dann als eine Ressource zu verstehen ist). Die an dieser Stelle eingeschätzte Belastung der Situation soll im folgenden Bearbeitungs-Prozess sinken.

Desensibilisierung: 
In dieser Phase wird die Traumabearbeitung durch die Augenbewegungen begleitet. Während an die Traumathematik gebundene Energie freigesetzt wird, kommt es häufig zu unterschiedlichsten sogenannten Abreaktionen (wie z. B. Weinen, heftiges Atmen, Übelkeit u. a.), die erinnerte Situation verliert so ihre emotionale Aufladung.
Zur Bearbeitung einer Traumathematik sind meistens mehrere EMDR-Sitzungen nötig. Einflechten von sogenannten Ressourcen z. B. „hilfreiche innere Wesen“ oder „ideale innere Eltern“, die zuvor z. B. mit Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie installiert wurden unterstützt oftmals diese Phase.

Verankerung: 
Empfindet der Patient bei der erinnerten Situation keine Belastung mehr, wird die positive Kognition nochmals überprüft und mit Augenbewegungen verankert.

Körper-Test: 
Alle Missempfindungen zur erinnerten Situation sollten bei einem kompletten Abschluss der Sitzung verschwunden sein.

Abschluss: 
In der Besprechung zum Abschluss der Sitzung wird der Patient auf das „Nachprozessieren“ (z.B. in Träumen) hingewiesen. Es bringt eventuell neues Material für weitere Sitzungen hervor und sollte in einem Tagebuch festgehalten werden.

5. Gefahren
Die Behandlung dissoziativer Störungen sollte erfahrenen Traumatherapeuten vorbehalten bleiben, da der Patient sonst gefährdet ist, im Zuge der Behandlung retraumatisiert zu werden, das hieße, erneut überschwemmt zu werden mit den angstmachenden Gefühlen. Der Patient würde dann die auslösende Situation ungeschützt noch einmal durchleben. Dann würde die Traumatherapie mehr schaden als nutzen: die Symptome könnten sich vertiefen – möglicherweise in bedrohlichem Ausmaß, eine weitere Behandlung wäre erschwert. Eine sorgfältige Vorbereitung und Abklärung von Komorbiditäten (gleichzeitig vorliegender anderer Erkrankungen) ist bei der Traumatherapie also sehr wichtig.
Wichtig ist auch die Abklärung der damaligen Bewältigungsstrategien des Traumas, da auch diese durch das EMDR getriggert werden. Wenn z. B. damals nach dem erlebten Trauma suizidale Tendenzen bestanden, können diese auch nach der EMDR-Sitzung reaktiviert werden, über diese Verbindung muss der Patient vorher aufgeklärt werden.

6. Wissenschaftliche Anerkennung
Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie verabschiedete in der Sitzung vom 6. Juli 2006 ein Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen. Gemäß diesem Gutachten kann die EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen bei Erwachsenen als wissenschaftlich anerkannt gelten.

Wie erlebe ich mich?

25. August 2013

25.8.13

Leicht ist es nicht, mein Innenleben zu beschreiben. Aber mit jeder überstandenen Krise wird das innere Bild immer klarer.

Vor 11 Jahren, bei meinem Totalzusammenbruch, passierte etwas sehr Merkwürdiges. Im Zusammenhang mit den Flashs landete ich in einem Zimmer, das wohl für so einige Etappen meiner Kindheit steht.
Wie nun erlebe ich das Leben, die Welt, mein Fühlen seitdem?

Ich bin in einer Kiste, aus Holz und teilweise Korbgeflecht.
Diese Kiste ist gleichzeitig ein Zimmer im schummrigen Licht mit nur einer „Nach-Innen-Tür“. Ich starre wie hypnotisiert auf diese Tür, rutsche dabei immer dichter an das Kopfende des Bettes, umklammere meine Beine. Die Tür wird etwas zu mir herein lassen. In Erwartung des absolut Bösem verharre ich seit  Jahren in dieser Position.
Die Tür lässt überhaupt nichts nach außen dringen. Ich habe keine Möglichkeit, etwas nach außen zu bringen, geschweige denn selbst nach außen zu gehen. So wird das Zimmer für mich wie ein eisernes Band, das sich über meine Brust legt und immer enger wird.
Viele Ich-Wesen sind aus mir herausgetreten, schweben an der Zimmerdecke nervös durcheinander, von einer Ecke in die andere, so, als suchten sie ein Entrinnen.
Dies beschreibt meinen üblichen Tagzustand.
Dieses Umherschwirren im Fluchtversuch schafft in mir eine enorme körperliche Angespanntheit, die ich trotz aller Entspannungsübungen nicht loswerden kann.

Die Kiste hat Ritzen, durch die manchmal etwas nach innen dringt. Meist sind es Trigger, die meine Ich-Wesen in ein völliges Chaos stürzen.
Und im Moment der gefühlten Bedrohung scheinen die vier Wände dieses Zimmers gleichzeitig eine Garantie zu sein, dass sie mich beschützen, dass sie nichts an Gefahr zu mir hindurchlassen.

Das Zimmer als schützendes Verlies meiner Existenz.

Wenn ich einigermaßen real im Alltag bin, kann ich das angespannt Sein nur mit Ablenkung etwas herunter schrauben. Da ich aber bisher noch keine wirkliche Traumatherapie gemacht habe, ist diese Ablenkung nur eine Verdrängung des Ganzen. Dies wiederum bringt meine Ich-Wesen in noch mehr Verwirrtheit, die Anspannung steigt, der Druck wird oft gefühlt unaushaltbar.
Mit etwas Glück kompensiert sich das mit körperlichen Schmerzen, denn sie sind besser auszuhalten; abartige Entspannung durch gefühlten psychosomatischen Schmerz und durch Körperflashs.
Mal völlig abgesehen davon, dass ich zusätzlich ununterbrochen meine Wirklichkeit zu überprüfen scheine durch schmerzhaftes Einreißen der Nagelhäute, ohne Pause. Der Schmerz als Wahrnehmung meiner Selbst, als Sicherheit, noch zu existieren.

Ich finde kaum noch in den Schlaf:
Wenn ich zur Nacht die Augen schließe, scheinen meine Ich-Wesen zu mir zurück zu kehren.
Was des Tags in meiner Außenhaut stattfand, findet sich nun in meinem Kopf. Gedanken überschlagen, überholen, überdecken  sich dermaßen, als wolle jeder einzelne zuerst zu Wort kommen. Ein Nicht-Denken-Können in der Überflutung von Gedanken. Das Gehirn findet keine Sortiermöglichkeit, kein Ablagefach, kein Ordnungssystem. Und so wälze ich mich Nacht für Nacht durch die Stunden durch scheinbar fremde Gedanken, die doch meine sind.

Und die Nacht macht das Zimmer dunkler und enger. Nichts kann durch die Wände nach außen dringen. So platzt es fast aus allen Nähten vor Gedankenfetzen, meinen Schreien, meinen Schmerzen. Alles ineinander vermengt, nicht zu entwirren.
Ein Morgen bedeutet völlige Erschöpfung, Schmerzen in fast allen Gliedern und der Angst, alles beginnt von vorn.
Jeden Morgen!
Jeden Tag!

Dissoziation im Alltag

5. August 2013

5.8.13
Wenn du es nicht aushältst, der Akku leer ist, und du beim Blick vom Balkon den Gedanken hegst, aber nicht den Impuls dazu hast … dann ist es Zeit zu verschwinden.
Kann mir selbst nicht erklären, wie das funktioniert. Aber es scheint ein bewusster Entschluss zu sein:

Die Kleinen nennen das „Leer machen“, die Jugendlichen „Innen tot machen“. Ich habe keine Worte dafür, außer vielleicht „Nichts fühlen müssen“. Profis sprechen wohl von „Dissoziation“. Völlig Wurst, denn ich kann nicht mehr.

So sehe ich zwar nach außen, nehme die Umgebung wahr, aber sie kommt nicht an bei mir. Als wären die Augen nur ein Glaskörper, hinter dem der Stumpfsinn hockt und alles Reinkommende packt und in den Müll haut. Mister Stumpfsinn lässt nichts durch bis in die Hirnzellen, damit sie verschont bleiben. In der Wohnung scheine ich ein Geist zu sein, der vor Eintönigkeit nur schlafen möchte. Eine Außenwelt existiert nicht, kein Grund also, die Wohnung zu verlassen. Es gibt kein „Wofür“, das macht Alles und das Leben so ohne Sinn. In der Herzgegend nur ein Klumpen geschmolzenen Stahls, in hohen Wänden eingemauert. Das Einzige, was an Wahrnehmung durchkommt, dieser tote Klotz in mir. Der Körper scheint nicht existent, ist Überfluss, könnte ja weg, eigentlich. Das Gesicht eine erstarrte Miene. Selbst mit Anstrengung lassen sich die Gesichtsmuskeln auf keine Bewegung ein.
Das ICH ist irgendwohin verschwunden. In Sicherheit? Auf dem Scheiterhaufen?
Es ist Notwehr, nur reine Notwehr.

Wahrnehmung der Innenkinder

4. August 2013

4.8.13

Fragen einer Bloggerin:
„mir kommen weitere fragen. wenn ich es richtig verstehe, gibt es die änderungen in deinem verhalten, bewegung, sprache schon immer, auch schon bevor du bewusst darin deine innenkinder wahrgenommen hast?
woher weißt du wie sich eine 3-jährige, eine 5-jährige und ein säugling verhält?
durch eigene kinder oder fühlst du das einfach?
ich kann das bei mir oft nicht zuordnen, aus welchem alter etwas kommt. aber bei mir drückt sich auch alles nur innen aus. ich lerne gerade, davon auch etwas durchzulassen.“

Ich antworte:

Ja, geswitcht bin ich schon immer. Konnte das rückblickend an vielen Beispielen festmachen.
Ich habe zwar meine Tochter groß gezogen, aber die kleinen Innenkinder habe ich anfangs durch Reflexion bemerkt. Holte die Situation in Gedanken zurück, sah drauf und erkannte das Alter. Mittlerweile bemerke ich es entweder gleich (Co.Bewusstsein), oder gar nicht. Das wechselt, weiß nicht warum. Aber mein Lernprozess hat mir Mut gemacht, die Kleinen einfach machen zu lassen, denn oftmals fühle ich nur auf diese Art glückliche Momente.
Woran erkenne ich das Alter?
Ich weiß nicht, ob ich als Mutter den Blick gut dafür habe, oder weil ich 25 Jahre mit Kindern gearbeitet habe, keine Ahnung.
Nun, wenn du plötzlich tapsend läufst, kaum das Gleichgewicht halten kannst, nicht über die Schwelle zum Balkon kommst …dann bist du eben kein Jahr. Oder ich kann plötzlich gar nicht mehr laufen, finde keine Wörter zum Sprechen, nur komische Laute kommen raus…, keine Frage, nicht wahr?
Die 3 Jährige erkenne ich an ihren erstaunten Blick auf die Umwelt, als würde sie alles zum ersten Mal entdecken. Auch denkt sie sehr eingeschränkt. Mit 5 bin ich mutiger und gehe ohne viel Überlegung auf die Dinge zu, bin beweglicher und erkenne schon Zusammenhänge.
So komisch, wie das jetzt klingt, aber ich weiß nun auch, warum ich erfolgreich im Beruf war, gemocht wurde. Sicherlich habe ich mich unbewusst immer in das jeweilige Alter bugsiert, und meist aus der Sicht der Kinder gehandelt. In der 5. Klasse sprach und handelte ich anders, als bei den 18 Jährigen. Und wenn man selbst das Fühlen des Alters gerade hat, kann man absolut gerecht und schützend sein, zumal ich selbst alles an Ängsten in Kindern am eigenen Leib erfahren habe. Was auch immer da war … Respekt und Konsequenz. Das wird von Erwachsenen, die Halt geben sollen, einfach erwartet.
Du sprichst von Durchlassen.
Raus kamen sie bei mir schon immer, ohne, dass ich davon was mitbekam. Als ich es vor 10 Jahren merkte, bin ich vor Scham fast gestorben. Heute ist nun anders. Es nimmt total die innere Körperspannung, wenn ich den Kleinen ohne Scham draußen die Zeit lasse. Mit den verletzten Seelchen muss ich noch sorgsamer umgehen, das lerne ich gerade. Aber die „Entdecker“ bekommen alle Zeit der Welt, weil sie mir das Gefühl von wohlfühlen geben.
Da sind noch viel mehr mir „Unbekannte“ im Innen und Außen. Aber ich kann sie nicht alle erfassen und genau sehen. Das wird schon noch irgendwann. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.
Übrigens, als meine Tochter noch bei mir lebte (längst erwachsen), hat sie mich oft auf „Fremde“ in mir aufmerksam gemacht. Sie hat als erstes auch die Jungen gesehen. Oh Mann, man selbst bekommt das ja erst nicht mit.

Innenkinder differenzierbar?

2. August 2013

Ich danke der Bloggerin für den Gedankenanstoß!

Kommentar einer Bloggerin zu „Innenkinder“

„Wie so oft, spricht mich deine Offenheit und Ehrlichkeit sehr an. Ich erlebe gerade viel von meinem hyperaktiven Entdeckerkind, und mir fällt auf, dass ich das Entdecken fast verlernt habe. Danke für deinen Text.“

Ich antworte:

Ja, wenn man die Kleinen einfach mal lässt, egal wie die Umwelt reagiert, dann erstaunt es, wie irre Spaß dieses neue kindliche Erleben macht. Ich lerne wieder, ganz bewusst mein Umfeld zu betrachten und komme nicht aus dem Staunen raus!
Unter der Rubrik “Kurzgeschichten” steht – Anna und die Zauberfee, und auch – Fiona im Switsch. … beides selbst erlebte Situationen der Kleinen. Lies mal!

Bloggerin:

„Ja, staunen. Die Faszination des Augenblicks, der einen verschluckt. Die Zeit existiert nicht mehr. Luft anhalten… passiert mir dann auch oft. War heute auf dem Spielplatz rutschen.

Was mich interessieren würde, sind deine Innenkinder für dich immer klar getrennt voneinander wahrnehmbar? Der, der die Schneeflocken mag, der, der die Vögel beobachtet. Woher weißt du, wer wer ist? Oder vermischt sich auch mal was? Oder hast du die Trennung, Sortierung mit dem Entdecken vorgenommen?“

Ich antworte:

Oh, komplizierte Antwort!

Nein, selten klar.

Manchmal merke ich es sofort an den Bewegungen und der Sprache. Da wird mir schnell das Alter klar, weil sich nun mal Säuglinge, 3 jährige oder 5 jährige völlig unterscheiden in Sprache, Mimik, Gestik und Bewegung. Oft erst danach, wenn ich auf mein Verhalten angesprochen werde und ich nachspüre. An den völlig verschiedenen Interessen merke ich es, und dem Wissen, was gerade da ist. Das Merkwürdige ist auch, dass einige wohl bekannt, stets wieder erkannt werden, aber keinen Namen haben.

Dann ist bei bestimmten, mir wichtigen Personen auch mal ein ganzes Rudel da, das sich gegenseitig schupst, weil jeder Zeit mit dem Menschen haben will. Da erkenne ich kaum was, bin völlig überfordert.

Wie bin ich auf die Kinder gestoßen?

Zuerst über die Intrusionen. Landete im Flash, war total im Kind.

Damit fing es an.

Je sicherer sich alle in mir fühlten, umso mehr zeigten sich nun auch die „unversehrten“ Teile, die, die Spaß haben, entdecken, leben wollen. Über sie freue ich mich natürlich besonders. Aber auch hier verstehe ich noch nicht die Zuordnung. Ist auch Wurst. Ich kann ihr Erleben genießen. Da ist nichts mit sortieren, weil ich es selbst noch nicht so recht verstehe: Nämlich die Frage:

„Sind es die verschwundenen Seelen zum Zeitpunkt des Traumas? Sind es die, die beschützt werden mussten? Ich weiß es nicht. Ich habe nur gelernt, immer besser in mich hinein zu horchen, wenn da jemand mit den Füßen aufstampft, weil er meine Aufmerksamkeit will.

LG

Innenkinder sehr verschieden

31. Juli 2013

Feenja vom Seelenland schreibt:                                                                                                                                  31.7.13

Ich habe lange überlegt ob ich diesen Text schreiben soll, tatsächlich fühle ich mich damit nicht wohl. Trotzdem. Es geht um die Kleinen im System, um die Innenkinder. 
Wie oft musste ich im Internet und auch anderswo lesen, Innenkinder sind in der Regel verschüchtert, reden nicht, malen gerne, mögen Kuscheltiere usw. usf. eben diese typischen Kriterien wie man es sich auch von außen gerne vorstellen möchte.
Bei uns ist das nicht die Realität. Wir haben Kinder innen die überhaupt nicht kommunizieren können von denen nur unverständliche Laute kommen, die wenn sie vorne sind mit ihrem Gegenüber gar nicht interagieren wollen oder können.
Wir haben Kinder innen, die sind nicht unbedingt nett und lieb, sie werfen mit Kraftausdrücken um sich, sie zeigen stark sexualisiertes Verhalten.
Wir haben Innenkinder die die Worte: Pimmel, ficken, Sex, Fotze als etwas “alltägliches” ( ich sage extra nicht normal ) in den Mund nehmen und aussprechen.
Ja, wir haben Innenkinder die viel Angst haben, anhänglich sind bei ein oder zwei Außenmenschen. Aber für uns ist es ein Mythos das Innenkinder immer anhänglich sind, spielen wollen (manche kennen den Begriff des Spielens nicht einmal)
Okay merke es gäbe viel, zu schreiben es ist zu oberflächlich. Ja der Text ist im Moment zu oberflächlich aber wir können nicht mehr.
 

Ich antworte:

Du hast vollkommen Recht. Da sind die, die als Baby noch gar keine Sprache haben können, die nur gurgeln und gestikulieren. Da sind Daumenlutschende, Stumme, aber auch Rotzlöffel mit irrer Lebensfreude. Auch kenne ich die völlig in Sexual-, und Fäkalien-Sprache abrutschenden Jugendlichen ab dem Alter … hört, hört von 10 Jahren. Und die Witze sind meist nichts für anständige Erwachsene, kann ich dir sagen!
Ich denke grade nach, und da fällt mir auf, dass man sicher beim Schreiben das Schmerzhafte verarbeiten will, und deshalb meist von den verwundeten, ängstlichen Kleinen berichtet.

Ist jedenfalls ein Gedankenanstoß -danke dir-, den ich festhalten will.
Mit Spielen ist es bei mir auch nicht weit her. Ich beobachte eher, dass die Kleinen fasziniert von der Natur sind und immer auf Entdeckungsreise. Macht in solchen Momenten richtigen Spaß. Tschaui erst mal. Marie

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Zum Spielen noch ein Wort: So allein vor mich hinsetzen und ne Ewigkeit spielen allein – geht nicht. Klar lass ich mal nen Kreisel tanzen, oder male mal kurz was im Ausmalbuch aus. Aber länger als 10 Minuten?  Neeee! Allein ist spielen blöd. Nun, ich habe Puppen … aber mit ihnen spielen tue ich nicht. Sie repräsentieren meine Innenkinder.
Ich selbst damit spielen, geht gar nicht.
Was ich neu dazu gelernt habe in den letzten zwei Jahren ist, dass es wirklich innen ankommt, wenn ich Bilderbücher, Kinderbücher ansehe, vorlese. Uh, das gefällt den Kleinen, da gehn sie ab wie `ne Haubitze, und zeigen und staunen! Das kann ich gut einsetzen für die „Innere Kindarbeit“.
Für die Kleinsten habe ich eine Spieluhr am Bett … wehe ihr lacht jetzt!
Was ich seit Jahren schon mache, oder die Größeren -keine Ahnung- Babysachen kaufen, auftrennen, den Puppen neu auf den Leib schneidern! Da ist schon eine Kiste voll mit.
Wir haben einen Fußballer unter uns und eine Blance“künstlerin“, die nichts unterwegs auslässt … peinlich!
Tja, Insektenforscher, Biologen voller Erkundungsdrang. Konnte in der Klinik stundenlang im Garten beobachten mit erstaunlichen Ergebnissen!
Manchmal bin ich überrascht, wer da so aus mir rausguckt. Viele Male neue Anteile, die ich nicht kenne. Zu schnell sind sie wieder weg, als dass ich sie identifizieren könnte. Nun, schade einerseits, aber andererseits macht es schon Angst zu spüren, dass da noch so viele unbekannte sind.
Auf jeden Fall wäre jeder willkommen!

Meine Sicht auf das Leben

31. Juli 2013

Mir ist sehr wohl klar, dass viele Leser über die Tatsache stolpern müssen, dass ich meist nur von meinem Innenleben schreibe.
Da kommen sicher Fragen auf, wie:
„Sieht die Alte nicht das Drumherum?“
„Warum jammert die immer so?“
„Hat die nichts anderes, mit dem sie sich beschäftigen kann?“
und so weiter und so weiter ……..

Nun, wären berechtigte Fragen, wenn mein Blog nicht ein ganz bestimmtes Ziel hätte.

Es geht nicht darum, was ich so tagtäglich erlebe, tue, welche Kontakte ich pflege oder so. Solche Dinge kommen in mein privates Tagebuch.
Es geht hier auch nicht darum, welche politische,  gesellschaftliche und philosophischen Meinungen ich vertrete.
Nein.

Mein Blog soll Gleichbetroffenen und deren Angehörigen und Partnern aufzeigen, wie es in einem so verqueren Innenleben abgeht. Was mich beutelt, nieder schmeißt, zweifeln lässt. Wie ich wieder nach oben steige wie Phönix, mich neu sortiere, kämpfe!
Klar habe ich es mit meinen Störungen nicht besonders leicht, auf meine Umwelt adäquat zu reagieren. Ist schon klar.
Und folglich muss ich viele innere Kämpfe ausfechten, die ich hier im Blog notiere.
Ich mache keinen Alltagsblog für Geschehnisse, sondern einen Blog über das desolate Innenleben einer chronischen PTBS frühkindlicher Traumata. Dazu gehören die Ängste nun mal, die Abstürze, die Flashs.
Und ich will berichten, was die Spaltung in mir für Probleme macht. Will die einzelnen Anteile benennen, mit ihnen umgehen lernen.
Also, liebe Leser,
es wird hier auf den Seiten IMMER nur um mein Inneres gehen.
Deshalb muss man nicht annehmen, dass ich kein äußeres Leben habe, versteht ihr? Für so etwas gibt es genügend andere Seiten im Internet.

Und noch einmal:
Lasst euch nie beirren von meinen Todesgedanken!
Glaubt mir, man kann sie in sich tragen, ohne sich jemals selbst das Leben nehmen zu wollen. Das hat einfach nur mit den Traumatisierungen zu tun.

Tod

28. Juli 2013

Immer wieder treffe ich in der Außenwelt auf Menschen mit Todesangst, und ich stelle fest, dass ich diese im Normalleben nicht empfinden kann. Die Aussicht auf den Tod ist das, was mein Leben irgendwie erträglich macht.
Was ist für mich der Tod?
Ein erholsamer Schlaf, ohne aufwachen zu müssen.
Ein – nichts fühlen müssen!
Aus der inneren Leere wird eine äußere. Einklang entsteht.

Oh Mann, ich erinnere mich gerade, wie oft ich mir als Kind vorgestellt habe, dass die Geburtsfrau an meinem Grab steht und weint. Als Beweis, dass sie mich ja doch irgendwie mochte. Als Kind diesen einen festen Wunsch zu haben, um nur ein einziges Mal ein Gefühl von ihr zu bekommen … Irre! Und doch immer wieder in den Gedanken damals.

Heute wird mir klar, dass diese Frau meinen wirklichen Tod eigentlich schon seit Jahrzehnten betrauern müsste, wenn sie es denn könnte mit ihrer Kälte.
Denn gelebt, wie ein Menschenwesen leben sollte, habe ich nie.
Zwei Seelen in meiner Brust: – eine, die immer auf der Bordsteinkante läuft, seit sie laufen kann;
eine, die sich einen Scheiß um die vielen Krebsfälle in der Familie schert und keine Vorsorge betreibt, damit es mal schnell geht;
eine, die bei Gewittern auf dem Eisenbalkon stundenlang steht und wartet;
eine, die nicht mehr aushalten kann und will!
– und die zweite Seele will seit 51 Jahren mein Überleben.
Ich weiß nicht, warum. Irgendetwas ist da in mir.
Wartet es? Wenn ja, worauf? Ist das Hoffen angeboren?
Worauf hoffen?
Einmal ganz tief zu fühlen, was am Dasein so schön sein soll?
Aber dieses Hoffen macht mich auch kaputt, jeden Tag mehr.

Manchmal wünsche ich mir, dass die Geburtsfrau nur einen einzigen Tag mal mein Fühlen und Erleben leben muss. Nur einen Tag. Den würde sie nie überstehen!!!! Nie!

In der neusten Epikrise steht, dass ich nur zwei Bewältigungsstrategien habe: Dissoziation und Vermeidung.

Voll erkannt. Nicht Betroffene können sich nicht hinein versetzen in die tägliche Überlebensqual! Klugscheißern können sie, und das war’s auch schon. Nun, woher sollten sie auch erahnen können, was in einem anderen Inneren abgeht. Erzählen tue ich sowieso nur einen Bruchteil, weil ich es sowieso nicht wirklich in Worte fassen kann, und weil ich nicht glaube, dass mein Gegenüber diese Qual nur vom Erzählen her aushalten könnte.
So bleibt am Ende diese unfüllbare Tiefe in mir selbst.

Anteile 2003

5. Juni 2013

Freitag, den 15.4.2003

Kaum allein im Auto unkontrolliert die Tränen.
Du bist 10 und heulst. Warum tut sie mir das an? Lieben und verlieren? Ich will zu meiner Mutti, weint es in mir. Viel kleiner. Wein nur!

Hör nicht auf Frau M., da ist kein Sinn. Lass dich nicht verschaukeln. Da ist er wieder, der Rebell.

Pfeif drauf.

Ich erkenne dich, schnoddrig, Schauspieler, du cooles Arschloch hast kein Respekt.
Aber oft die Hilfe, keiner merkt was.
Offensiv; da kommt keiner ran.
Lässt nichts durch. Danke.
Ich durchschaue dich, bist die Abwehr mit der großen Schnauze. Du passt nicht hierher, rede heute anders.
Du blamierst mich. Aber bleib ruhig da. Hinter dir sehe ich die Kleine.
Du hast sie lieb, stemmst deine Arme in die Hüften.
Danke. Da kommt wirklich keiner durch.

Aber was soll ich mit dir tun?
Irritierst mich, zu wenig Platz da.
Ich rücke schon etwas.
Aber du drängelst. Machst deine Witze.
Und die Zähne tun mir weh. Was presst du so?

Bist wütend. Glaub ja nicht, dass ich das nicht merke.
Woher kenn ich dich bloß? Dieser Zorn in dir, diese Kälte
.
Frau Br..mann geht über den Schulhof. Ja, ich laufe los. Und bemerke den Irrtum – es ist nicht meine Mutter. Nur die Haarfarbe stimmt und das Grün in den Augen. Irgendwann gibt meine Freundin ihr mein Tagebuch. 8. Klasse. Der Tag wie heute. Es ist das erste Mal in meinem Leben, wo der Wunsch da ist: “ Bitte hilf mir!!!”  Peinlich, ich vergöttere sie. Dann der Schlag ins Gesicht. “ Ich will damit nichts zu tun haben.”

Hi, Kathrin, hab nach dir gesucht heute. Du erinnerst dich gut, nicht?

Ja, glaub, es war der erste Versuch in meinem Leben – mein erster Hilfeschrei. Nur wegen der Haarfarbe? Nein! Sah sie mit ihrem Kind, 3 Jahre. Zwischen den beiden sah ich Liebe. Weiß noch, ich wollte dazugehören. Eiskalte Abfuhr. Das Buch hab ich in den Ofen gesteckt. Schade! Was stand da drin? Keine Ahnung!

Ab da waren selbst die Lehrer blöd. Und mein Entschluss: Ich mach es besser. Ich werde Lehrer. Dir werde ich es schon zeigen!

Jetzt ahne ich woher du kommst, Rebell. Ahne ich? Warum bin ich mir so sicher? Höre ich dich in Gedanken oder sind es meine Gedanken? Mein Schädel will platzen. Kann doch nicht sein, dass du das Denken übernimmst.

Patientin Dora heute in der Gruppenvisite: “ Dass mir meine Mutter nicht mal 50 Euro anbietet.”

Da warst du plötzlich da, frech grinsend: “Wie kann man so etwas von einer Mutter erwarten. Mädel, du bist naiv. Mütter sind kalte Schweine!”
Meine Zähne tun weh. Aber wir stehen über den Dingen.
“Naives Ding, kennst das Leben nicht.” Lauthals lachst du.

Willst nicht hören lassen, wie es weint hinter dir. Na ja, besser als der Schmerz.

Nachtrag: In der Visite erlebte ich zum ersten Mal zwei Anteile gleichzeitig in mir! Hat mich überfordert, bin danach ins Gelände abgehauen, um wieder runter zu kommen! So ein durcheinander Gequake im Kopf machte Angst!

SMS-Pause …..

Ich sortiere:
das Baby, die Kleine, Mariechen, 10 Jahre, 12 Jahre, der Rebell, das Schlitzauge

Sitze blöd da und frage: Wo ist Kathrin??

K A T H R I N . Scheiß Name.

Meine Schwester J. hieß immer J…, mein Bruder M. immer M…! Ich war immer nur Kathrin. Meinen Wunschnamen hat das erste Mal Edit (Ungarn) ausgesprochen: Kathi.
Oje, ich kapier hier was.

Gute Nacht! Will schlafen.

Eiskalter Tropfen
fällst auf meine Haut
und bist erstaunt
dass ich nicht aufschrecke
Wer ist nun hier im Vorteil?

Kann nicht schlafen. Die Tränen wollen kullern. Weil ich verstehe, was damals passiert ist. War die Enttäuschung so groß? Tat es so extrem weh, dass ich rebellisch werden musste? Obwohl ich verwirrt, geschafft, ausgelaugt bin, etwas Mut mit der aller ersten Erkenntnis: Wann, in welchem Moment in mir etwas Neues entstand. Und ein klein wenig Hoffnung da, dass ich vielleicht auch noch viel mehr verstehe irgendwann.

Eins ist mir seit 2 Wochen enorm bewusst geworden: Schon und nur allein das Wort – MUTTER – lässt alles kippen – Chaos – unkontrollierbar alles.

Deshalb die Angst vor den Gruppenvisiten? Jeder zweite Patient benutzt dieses Wort. Ich hasse das. Kriege Panik – so viel kommt hoch – staune – da braucht es kein Sofa – bin ausgeliefert – selbst in jedem Einzelgespräch.

Jeden Tag neu

29. Mai 2013

An manchen Tagen frage ich mich, wo die Kraft herkommt. Sie ist da und ich tue Dinge, die an anderen Tagen nicht mal zu denken wären.
Logisch, dass ich Post von der Staatsanwaltschaft bekam, mit der Info, dass laut Gesetz … bla, bla… das Verfahren eingestellt wurde. Wusste ich vorher. Aber dass ich den Mut und die Kraft habe, Beschwerde dagegen einzulegen, das hab ich nicht von mir erwartet. Ich habe um „Ruhen“ gebeten, bis das neue Verjährungsgesetz auf den Weg gebracht wird. Ohne Nachdenken um die Folgen ab in den Briefkasten.
Natürlich denke ich seit Monaten darüber nach. Warum tue ich das? Welchen Zweck verfolge ich? Was soll das bringen?
Nun, mir bringt es nichts… nichts für mein Leben, nichts für mein Empfinden in Zukunft.
Rache? Blödsinn.
Was treibt mich?
Und dann bemerke ich an mir die Explosionsgefahr, wenn ich auf der Straße, ach, egal wo, Menschen erlebe, die ihre Kinder anschreien, sie ohrfeigen, schubsen, kneifen oder ähnliches. In mir steigt alles an Schmerz auf, ich bekomme Wut, ich verzweifle. Verstehe nicht, dass noch heute im Jahr 2013 der Mensch noch immer nicht verstanden hat, was er Kindern antun kann.

Und dann wird mir klar, dass ich trotz der widrigen Umstände des Aufwachsens meiner Eltern, noch immer kein Verzeihen ihres Verhaltens fühlen kann. Und mir wird auch bewusst, dass ich AN STELLE tausender Kinder diesen Schritt gehen will-Strafverfolgung.
Wie viele Kinder werden sich noch das Leben nehmen, in Psychiatrien versteinern, nur Angst kennen und kein wirkliches Leben führen können? Wie viele noch? Wann hört das auf? Und wie viele Eltern dagegen werden weiter ihr Leben leben in Beschaulichkeit und ohne Reue? Ich krieg nen Hals!!!!

Es muss endlich ins Bewusstsein der Menschen getragen werden, was heute noch in Familien passiert.
Ich halte das einfach nicht mehr aus.
Und wenn ich auf mich sehe, erkenne ich die Wut und die Verzweiflung darüber, dass mein Erleben nicht mit dem Tod der Eltern enden wird, sondern erst mit meinem eigenen Tod, dem physischen, dem unabdingbaren.
Den wirklichen Tod kenne ich schon lange. Da ist jeden Tag ein bisschen mehr an sterben, jeden Tag.

Jeden Tag.
Jeden Tag, an dem ich erlebe, dass ich immer noch die abgestempelte Schuldige bin, die ihre Klappe nicht halten will, die sich aufbäumt.

Jeden Tag neu das Erleben, nicht zur Familie zu gehören. Jeden Tag neu, verlassen zu werden. Jeden Tag neu! Das wird nie aufhören. Nie! Weil es zu meinem ICH gemacht wurde.
Und jeden Tag neu muss ich des Überlebens wegen die falschen Mechanismen des Dissoziierens einsetzen, damit ich den Abend erlebe. Jeden Tag neu!

Wie vielen Millionen Kindern auf der Welt soll das noch passieren, bis endlich mal die Erde in einem Ur-Endlos-Knall zerfällt?
DAS lässt mich verzweifeln!!!
DAS!

Tränen    Tränen              

1                         

 

 

 

Fetzen vor 10 Jahren ! Triggergefahr

28. Mai 2013

Tagebuch
Montag, den 31.März 2003

Hab mich ausgeweint bei G. S.. Kann es nicht glauben. Verstehe nicht, wie man so etwas abspalten könnte.
Am Freitag im Einzelgespräch erzähle ich von der Abweisung durch meine Mutter, der immerwährenden Angst. Und, dass ich nie weinen durfte oder auch nur eine Stimmung zeigen durfte. Frau M. fragt: ”Haben sie in der Schule geweint?”
Sprachlos sitze ich da und begreife: Nie in meinem Leben hat das Kind je über seinen Schmerz geweint vor anderen Menschen. Erst hat es die Mutter verboten, dann hab ich es mir verboten.

Und ich fange an zu verstehen, was aus mir geworden ist.
Und ich beginne langsam für mich zu akzeptieren, dass ich aus mehreren Seelen bestehe. In den letzten Wochen haben sich da der Säugling gezeigt, das Kleinkind und die 12 jährige. Glaube ich mal erwachsen zu sein, dann ist in Wahrheit die 12 jährige da. Sehe es an meinen Gesten, der Mimik und dem total verspielten Wesen. Und daran, wie ich vor Angst zittere, wenn es an ein Gespräch geht.
Und zum ersten Mal konnte ich fühlen, dass ich das traurige Kind in mir in den Arm nehmen kann und muss. Nur so kann der Schmerz raus und die Seele gesunden.
Erst letzten Donnerstag war das Kleinstkind da, das in der Ecke zusammengekauert hockte und den Schmerz und die Einsamkeit heraus schrie. Frau M. brauchte sehr lange um mich aus dieser falschen Zeit heraus zu holen. Und danach kamen die Erinnerungen bis ins Detail: wie meine Mutter zu mir war und was ich tagtäglich für Ängste ausstehen musste.
Wie ich den heutigen Tag verarbeiten soll und kann, das weiß ich noch nicht. Vielleicht sitze ich gerade dazu jetzt vor meinem Tagebuch.
Heute erzählte ich wieder von meiner Mutter, um zu erklären, warum ich vor den anderen in der Klinik einfach nicht weinen kann.

Neu ist zwar, dass ich nicht mehr “abhaue”/ mein Geist ist nicht mehr anwesend/ nehme die Umwelt nicht mehr wahr/ verflüchtige mich auf meine Wolke, die mich endlich mitnehmen soll — nein, ich hau nicht mehr ab.
Da ist plötzlich die 12 jährige mit ihrem pubertären Widerstand, der Gegenwehr, dem Trotz – ist anwesend, übernimmt den Schmerz und hält die Kleine im Arm. Bin also irgendwie da und verstehe, was um mich herum abläuft. Gleichzeitig stellt sich mir die Frage, wo ist die 41 jährige??? Frau M. jedenfalls hat sie noch nie gesehen.

Im Gespräch landete ich logischerweise wieder bei den Prügeleien meines Stiefvaters. Denn zu tief sitzt der Schmerz, dass mir niemand je zu Hilfe eilte. Meine Mutter sah einfach weg, meine Geschwister durften das “Prügelzimmer” nie betreten während der Schläge und auch lange Zeit danach nicht.
Fühle noch wie heute, wie ich zusammengekauert am Ofen hocke und mir die Seele aus dem Leib weine, Minuten und Stunden danach. Und niemand durfte zu mir, mich trösten. Mein Brüderchen wimmert in seinem Zimmer, meine Schwester musste alles im Nebenzimmer mit anhören.
Ich erzählte weiter, dass irgendwann (als ich ungefähr 13 war) meine Schwester sich vor meinen Vater warf und gegen ihn ankämpfte um mich zu schützen. Es war das erste und einzige Mal.

Was ich aber nie begriff war: Warum übernahm ab diesem Moment meine Mutter die Funktion des Schlägers??
Warum hörte sie nie, wie ich unter ihren Schlägen nach ihr rief: Mutti!! ?????

M. fragt mich: “ Was fühlen sie bei den Schlägen ihres Stiefvaters? Was genau tut ihnen weh?”

Weinend sitze ich da, spüre die Schläge auf meinem Körper einprasseln – aber da ist kein Schmerz, der von den Knochen ausstrahlt, von der Haut oder dem Kopf.
Wieder fragt M.:
“Was nehmen sie von ihrem Körper wahr? Wo tut es weh?”

Ich fühle, wie mir die Brust, der gesamte Oberkörper zerspringen will, spüre meine Beine nicht mehr, meine Scheide drückt, scheint doppelt und dreifach so groß – ich sitze darauf, sie ist im Weg.
Ich will aber nichts sagen.
M. drängt mich, auszusprechen, was ich gerade fühle.
Kriege Panik, mein ganzer Körper weint. Tränen fließen so viele, wie schon Jahre nicht mehr.
Aber ich kann es sagen – es rückt so ins Bewusstsein. “Meine Scham ist doppelt so groß.”
Jedes andere Wort über mein Geschlechtsteil ist in diesem Moment so widerwärtig für mich.
Riesiges Entsetzen breitet sich in mir aus, eine Klappe fällt.
In mir bäumt sich etwas auf und ganz tief in einem Eckchen ist da jemand, der mich ansieht und sich dann hinlegt mit einem Hauch von Erleichterung auf dem Gesicht.

Jetzt, noch Stunden danach, spüre ich das in jenem Moment Gefühlte. Will es nicht begreifen, nicht wahrhaben. Was war da im Zimmer passiert?? Finde keine Bilder, bin verzweifelt, möchte mich irren.
Stunden später:
Habe viel geweint, mit B. geredet, bin erschöpft, will schlafen.

Ich erinnere mich an M., wie sie bemüht ist, meine (auf sie übergesprungenen) Gefühle abzustreifen. Ich sehe sie so anteilvoll, schützend und stark. Fühle mich geborgen. Ich weine vor Erleichterung. Werde den nächsten Tag schaffen. Gute Nacht.

Alter Tagebucheintrag 2003/ Werd ich verrückt?

17. Mai 2013

Frühling 2003          Aufzeichnung für meine Therapeutin

Eine Frage noch, die mich total verrückt macht.
Warum höre ich einen Satz, eine Frage – dann steht diese im Raum – ich hab sie total verstanden – aber in meinem Kopf passiert nichts????? Ich rudere wie wild, gehe Wort für Wort durch -weiß genau was gesagt wurde – ich öffne eine Tür nach der anderen in meinem Kopf – eine Mauer nach der anderen. Es strengt so sehr an – vor lauter Konzentration scheint mir der Kopf zu platzen – und dann – irgendwann öffnet sich eine Luke – mein Kopf gibt ein Wort frei – der Kauderwelsch passt gar nicht zu mir – noch mehr Konzentration – dann geht es irgendwie.
Danach so ausgelaugt, wie nach einem 10 km Lauf. Und das bei nur einer Frage!!!
Dreh ich jetzt durch?? Das verwirrt mich, macht mir Angst. Was passiert da mit mir????

Innenkinder unbekannt?

21. April 2013

Anja und die Sterne fragte uns auf ihrem Blog, was wir als Magie empfinden. Ich konnte ihr von meiner Sicht auf die Natur schreiben. Heute lese ich einen Artikel von Rosenblatt zu diesem Thema, bin erstaunt über ihre Kenntnisse des eigenen Innenlebens.

Und ganz groß steigt in mir die Frage auf: Warum habe ich nicht die eindeutige Kenntnis über meine Anteile? Rosenblatt kann wunderbar ihre Innens unterscheiden, ihre Gefühlswelt beschreiben und die Funktionalität des Gesamtsystems. Ich dagegen aber stehe da, erinnere mich, wie die Kleine in mir den glitzernden Schnee entdeckt hat, erinnere mich an ihr Denken, ihre unbeholfenen Bewegungen, ihr Erstaunen. Nur in diesem Zusammenhang konnte ich auf das Alter der Kleinen schließen.

Und nun kommt hier mein aktueller Zweifel: Wenn diese Kleine so um die 3 Jahre war, so ein schönes Fühlen und Erleben hatte, wie kann sie dann gleichzeitig auf dem Bett sitzen und vor Angst lieber sterben wollen? (Marie) Kann ein innerer Anteil zwei Seiten in sich haben, laufe ich durch die Welt und kenne nicht mal einen Großteil von mir selbst?

Wenn in Not eine Abspaltung erfolgt, ich die Marie also in mir habe mit allem Leid – das Wesen, dass den Schmerz übernommen hat – ist dann da in mir noch der Teil, der „weggeflogen“ ist, der beschützt werden musste? Wenn dem so ist, warum nehme ich diesen Anteil nicht so bewusst wahr wie die Marie? Ist der beschützte Anteil die Kleine, die ihre Lebensfreude, ihren Entdeckerdrang, ihr Zutrauen behalten konnte? Ist es die Kleine, die mit dem Schnee gespielt hat?

Kann es sein, dass ich vorrangig nur die traumatisierten Anteile kenne? Warum?

Sind sie in ihrem Fühlen so stark, dass wir dagegen kaum die beschützten Kinder wiedererkennen und spüren? Ist mein Grundzustand die Depressivität, weil die „heilgebliebenen“ Kinderseelen noch immer kaum hervorschauen? Werden sie noch immer bedeckt gehalten um sie zu schützen?

So viele Fragen die auftauchen. Nur eines ist Fakt, wie in „Kurzgeschichten“ beschrieben, habe ich wunderbare Momente des Entdeckens und Staunens in meiner mich umgebenen Welt. Eingetaucht darin, kann ich genießen, mit allen Sinnen wahrnehmen. Und in den letzten Monaten konnte ich es immer intensiver. Mein Gehör scheint übersensibel, ebenso mein Geruchssinn. (trotz des 35 Jahren Tabakkonsums)

So und nun die Frage: Kann es sein, dass ich nicht mal die Hälfte meiner Anteile kenne?

Da fällt mir folgende Erkenntnis ein, die ich vor kurzem hatte: Namen zu meinen Anteilen haben sich immer nur dann eingefunden, wenn diese Anteile äußerst bewusst und häufig in mir agiert haben, bzw. wenn plötzlich jemand Neues mein Außen übernommen hat. Im Gegensatz dazu die zwei Jungen. Sie sind seit Jahren da, nehme sie aber nur als Beobachter wahr, kann mir ihre Anwesenheit nicht erklären. Sie agieren auch nie wirklich. Haben sie deshalb keine Namen?

Die 8 jährige, die so viel Angst vor NETT SEIN hat, sie fühle ich agieren. Warum hat sie keinen Namen? Merke, hier ist alles ein Widerspruch in sich.

Genauso fühle ich in mir noch viele kleine Seelen die weinen (deshalb die Einrichtung eines Schlafsaals in unserem Haus), kann sie aber nicht orten und erkennen. Fühle, dass da mehr sind, kenne sie aber nicht.

Ich kriege einfach in mir drin keine Ordnung rein, kein wirkliches Erkennen. Geht es anderen Betroffenen auch so? Braucht man etwa Jahre dazu? Oder liegt es an den Wechseln, die gleichzeitig eine Amnesie bedeuten?

Alles in Allem macht jetzt schon etwas Angst bei der Vorstellung, dass wir eben doch nicht, wie zurzeit, 13 Anteile sind (2 EW pennen ab), sondern viel mehr.

Wenn es aber auch die „beschützten“, damals eingefrorenen Kleinen sind – nun, dann sollten sie ruhig rauskommen. Denn ich bin begeistert von dem erlebten Dingen – Schnee, Vögel, Raureif, Blüten, Düfte, Wasserblasen, mit Babys spielen wollen, mit Kindern abhängen usw.

Oder muss ich den aktiven Part übernehmen? Sie herauslocken, indem ich beim Genießen der Umwelt klar und deutlich den Zeitrahmen verlängere;- mich nen Scheiß drum kümmere, was mich beobachtende Leute denken;- ich die Kleinen in ihrem Wollen einfach LASSE, selbst wenn ich dabei im Sandkasten lande?  Ha, mittlerweile sitze ich einmal pro Woche auf einer Schaukel, und ich suche im Gesteinssplit nach tollen Formen und Farben. Uj, merke gerade, dass es für mich die Angst nehmen soll vor der jeweiligen Therapiestunde. Egal, bringt wohl was. Dann ist es gut, oder?

Zu den Wechseln noch ein Gedanke:

Gestern war ich 9 Stunden durchweg (Premiere der Dauer seit Jahren) in der Öffentlichkeit, eine Fachtagung zur frühen Kindheit (ab Geburt). Da ist mir wieder aufgefallen, dass ich mit aller Macht Wechsel unterdrücke (was irre schlaucht), die Scham noch immer zu groß ist, und ich mich verstecke, wenn es doch passiert, weil niemand meine Tränen sehen soll. Und ich habe erkannt, dass das Unterdrücken meinen Körper so sehr überfordert, dass er zittert, kaum beherrschbar ist, alles schwammig wird. Und dennoch habe ich die Menschen um mich herum ausgehalten, denn sie waren alle ohne Ausnahme da, um sich kundig zu machen, wie eine sichere Mutter-Kind-Bindung  hergestellt werden kann. Also Menschen um mich herum, die sich indirekt meiner Hauptprobleme stellen wollen, Ärzte, Hebammen, Psychologen, Therapeuten usw. Dieses Wissen um deren Wollen hatte etwas Beruhigendes für mich. Denn ich wünschte, dass keinem Kind dieser Welt Ähnliches wiederfährt. Weiß nicht, ob ich dort die einzige Patientin war, nur merken sollte es eben niemand. Nur meine eigene Therapeutin und eine Ärztin kannten mich. PS: Ihr ahnt es – habe meine Batterien aufladen wollen mit Wohlgefühl. Hat nicht so ganz geklappt, weil zu viele Anteile raus wollten und das Unterdrücken zu anstrengend war.

Fazit dieser Zeilen insgesamt: Ich scheine mein Innenleben noch überhaupt nicht zu kennen.

2006 Tagebuchaufzeichnungen

13. April 2013

Sofie           TEIL 1

Seit 30. Mai 2006 in der Rehaklinik

15.6.06

Nun geht die 3. Woche in der Rehklinik vorbei und ich bin im Moment beruhigt worden mit Tropfen und später noch Tavor.
Was gab es alles Neues?
Erster Austicker beim Stehen Rücken an Rücken mit einer Patientin. Erst war da Zittern, dann Tränen, später innerer Druck. Hab mich in einer halben Stunde wieder eingekriegt.
Der nächste erwähnenswerte „Knaller“ war in einer Gruppentherapie. Alle redeten von ihren lieben und netten Eltern und ich war nur damit beschäftigt nicht zu platzen. Dann ging nichts mehr, bin abgehauen. Dann gab es nur noch Zittern, Heulen und Angst vor jedem. So wurde ein Tag schlimmer als der Vorherige.
Gestern stand ich auf mit einer unguten Ahnung. Das steigerte sich und irgendwann wusste ich in einer Therapie, warum ich die Tür in meiner Nähe brauche. In mir war eine so extrem erwartungsvolle Angst – landete auf dem Bett der Eltern in der ersten Wohnung und starre auf die Tür. Und ich weiß, dass da was kommen wird, was mich momentan so unter Anspannung setzt. Angst vor dem Wissen, dass die Tür aufgehen wird und ich nichts dagegen tun kann. Etwas in mir weiß, was nach dem Eintreten passieren wird.
Und diese Angst davor verspüre ich so gewaltig, dass es mir den Atem zu nehmen scheint. Seit zwei Tagen versuche ich die Menschen zu meiden, weil ich nicht ertrage, dass sie mich in dieser Angst erleben. Und das ist genauso schlimm. Flucht in die Einsamkeit aus Scham.
Morgen ist noch mal die Therapeutin dran. Hoffentlich kann ich locker bleiben. Denn Susanne hat sich für 13 Uhr angekündigt. Will nicht, dass sie mich verwirrt erlebt. Aber ich freue mich schon sehr auf ihre Umarmung und wir gehen einkaufen. Morgen ist ihr 19. Geburtstag. Sie steckt mitten in den Prüfungen und findet Zeit für mich!!!!! AUFATMEN!!
Therapiethema “Imagination“:
Du sollst dir gedanklich einen sicheren Ort basteln, den du schnellstmöglich aufsuchst, wenn die scheiß Gefühle anfangen aufzusteigen. Ich hab mir diesen Ort gebaut, nahm Annegret und Mariechen mit,  tobte mit ihnen als 12 jährige auf der Gänseblümchenwiese rum. Dann standen irgendwann die zwei Jungen am Rand und beobachteten uns. Es stellten sich der Rebell und das Schlitzauge dazu. Sie kamen nicht auf die Wiese der Kleinen, als schienen sie nur zum Schutz dazustehen. Aber ich wusste, dass da noch viele Kleine fehlen. Sie weinen und wimmern im Hintergrund und ich kenne sie nicht.
Wie also soll ich in größter Not alle von uns schnell da hochziehen zum sicheren Ort, und andere vergessen? Und wer bin ich, die da unten bleibt und dennoch von den Gefühlen überschwemmt wird?
Die nächste aktuelle Frage in mir ist: Wer bin ich, wenn ich nach dem TOTMACHEN in eine Person rutsche, die kleiner ist als 12?
Will Hüpfspiele machen, Blümchen pflücken, mich auf der Wiese kugeln. Zu welchem Alter gehört das?? Hallo du da in mir, kannst dich ruhig zeigen und mir deinen Namen nennen. Bist nicht älter als 5, oder?? Und du hast genauso viel Angst vor den Menschen wie alle anderen in uns. Gute Nacht ihr alle. Seid in den Arm genommen.

20.6.06 Dienstagnacht

Da ist Mariechen, das aufgegeben hat. Sitzt in der Ecke – nur Tränen – kein Laut – es hört nicht auf. 3 Jahre alt und weiß keinen Rat. Irgendwann kommt der Rebell, stellt sich vor die Kleine und lässt nichts an sie ran. Ich liebe ihn dafür und hasse ihn. Er macht mich sprachlos, still und wütend. Sie muss nichts sagen, kann bleiben in Hoffnungslosigkeit. Er ist stumm und die Mauer. Ich bin beides – ich ersticke an der Hoffnungslosigkeit und krieg kein Wort raus.
Frau S. hat gesagt, ich solle mir Hilfe holen. Nur funktioniert es nicht. Kein Wort – kein Zulassen – heißt kein Schmerz dazu. Bin hierher gekommen, um da raus zu finden. Fliege hin und her zwischen Stummheit, Starre, Schmerz, Angst, Panik und Aufgeben. Hab so gehofft, hier ein „Rezept“ zu finden.
Alles ist anders und tausendmal schlimmer als zu Haus (versteckt in meinen vier Wänden).
Bekomme schon Panik, wenn eine Gruppentherapie ansteht. Millionen Auslöser, die ich zuhause nicht hatte. Renne rum wie ein Zombie, ertrage die Blicke nicht, kann mich nicht verstecken, und mache meine Tischnachbarn leise. Es ist so demütigend, wenn sie plötzlich leise sprechen, nicht mehr albern. Will eigentlich oft gar nicht mehr zum Essen. Will nur noch heulen und heim.

21.6.06

Rauche eine nach der anderen. Hab mich heute ausgeklinkt, muss zu mir finden. Irgendeine Ruhe entdecken. Hoffe ich. In mir ein Anflug von Wut und Verzweiflung. Im ersten Moment ist die angebotene Hilfe ja ganz nett: Eine Pille, die dich ruhigstellt. Aber das hätte ich auch zuhause haben können. Fühle mich hier wie umsonst. Fast jede Gruppentherapie löst Neues in mir aus, Ausruhen ist da nicht drin. Stehe wie in eine Ecke gedrängt.

Thema IMAGINATION: Wir sollen uns einen Lichtstrahl vorstellen, der von oben kommt und uns langsam ausfüllt. Also stehe ich auf einer Lichtung, stelle mir vor, wie das Licht schräg von oben kommt und  KLICK_ KLICK_

ich lande zuerst in „meinem Zimmer“. Da gibt es nur den einen Lichtstrahl – der, der unten durch die Türspalte fällt. Ich bekomme Panik, wie immer, wenn ich in diesem Zimmer lande.

Dann plötzlich ein neues KLICK_KLICK – das Licht, was ich auf der Lichtung sah, kam von oben und schräg.

BUMM – nehme ich um mich herum nur Dunkelheit wahr, ich kratze an einem Korbgeflecht, durch das etwas Licht dringt und habe nur noch Angst vor dem Augenblick, wo oben ein schräger Lichtstrahl auf mich fallen wird. Das Gefühl wie in einer Kiste, die oben aufgemacht wird und bei Licht kommt dann das Grauen.

Mittwoch, den 28.6.06

Die letzten Tage waren teilweise wie ein Horrortrip für mich. Musste mich weigern ins Tagebuch zu schreiben, um nicht noch tiefer in all den Sumpf zu geraten. Heute bin ich wohl etwas entspannter und versuche die letzten Tage zu rekonstruieren.
Nach 4 Wochen erst traut man sich mir zu sagen, dass die Reha nicht verlängert wird, weil man mir hier nicht helfen kann. Ich wäre am besten in einer echten psychiatrischen Klinik aufgehoben. Es kam zur Sprache, dass ich nicht mehr in die Schule kann.
Erst war ich am Durchdrehen, einen Tag später wurde mir klar, dass Susanne sich nun endlich selbst um Geld kümmern muss. Es wird wohl Zeit, dass ICH mich abnabele und was für mich tue. Vielleicht ist das der Anfang, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Zu etwas Gutem muss ich unbedingt was loswerden.
In einer Imagination bekam ich zum aller ersten mal in meinem Leben eine Ahnung davon, was die Menschen meinen mit: “Das Leben kann schön sein.“ Ich konnte mit Annegret, mit Mariechen, dem Rebell, dem Schlitzauge, den zwei frech lümmelnden Jungs und vielen anderen Kleinen im Gänsemarsch den Himmelsweg verlassen und die Sorgen, Ängste und Alpträume in Gepäckstücken zurücklassen. Da kam so tief in mir ein so extrem friedliches Gefühl auf – war wie im Taumel – ich kannte so ein Gefühl noch nicht. Wollte es festhalten und nicht mehr loslassen.
In derselben Nacht noch saß ich oben im Raucherraum und die Tränen liefen ohne Pause. Mir wurde bewusst, dass ich 44 Jahre so ein Gefühl nicht kannte. Und es kam Wut auf meine Mutter und unendlich große Trauer.
In dieser Trauer kam plötzlich (ich weiß nicht mehr wer) einer von meinen Süßen auf mich zu und legte mir den Säugling in den Arm. Ich roch ihn und fühlte seine kleinen Händchen. Und das Mädchen schmiegte sich an mich – irre schön. Dann plötzlich passierte etwas in mir.

Ein unendlich schlimmes Gefühl kam in mir hoch und ich begriff, dass sie mir etwas erzählen wollte. Aber ich war allein und hatte einfach nicht die Kraft dazu. Also drückte ich sie ganz fest an mich und versprach: „Später!“ Ganz fest an meinen Hals geschmiegt konnten wir zusammen schlafen gehen. Und ich bemerkte die Not in mir. Also ging ich zu jedem einzelnen in mir und drückte sie. Ganz eng, wie auf einen Haufen, aneinandergeschmiegt schliefen wir zusammen ein.
So verging das Wochenende und der Tag Montag mit der Nachricht, dass man mir hier nicht helfen kann.

Gestern, am Dienstag, lege ich mich zu einem Schläfchen vor dem Abendessen noch einmal hin, und sofort war sie wieder da. Ich lag auf dem Bett und fühlte, wie das Baby langsam an mir hochrutschte bis zu meinem Hals. Dort schien es sich wie eine Katze ein zu kringeln.
Und dann war ES plötzlich da. ES, was ich nicht begriff. Immer wieder machte ich die Augen auf, weil ich dachte ich spinne. Kaum waren die Augen wieder zu, kamen die zwei Bilder wieder und wieder.
Ich schaffe es jetzt nicht, sie auszusprechen. Habe versucht mit einer Krankenschwester die Bilder in einen Tresor zu legen. Scheint geklappt zu haben, irgendwie. Sie kommen zwar immer wieder vor meine Augen, aber ohne Emotionen. Bin ich total verunsichert. Kann es wirklich sein, dass mir ein Anteil seine Erinnerung gesagt hat? Spielt meine Fantasie verrückt??
Doch wie komme ich auf solche Bilder?? Vielleicht spinne ich nur auch.

Ich denke nämlich daran, dass die anderen Bilder bisher so kamen, als würde ich aus meinen Augen sehen, oder von außen drauf.

Jetzt aber ist ein Bild aus der Sicht des Täters dabei. Wie geht das?

So etwas will man nicht sehen, nicht fühlen und erst recht nicht wissen.

Bindungsmuster

27. März 2013

Dissertation

zur Erlangung des akademischen Grades doctor medicinae
(Dr. med.)
vorgelegt dem Rat der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
von Annegret Martin geb. am 18. 11. 1978 in Saalfeld
 

Nur Auszüge davon:

3. Theoretischer Hintergrund

3.1 Die Bindungstheorie

3.1.2 Das Bindungssystem

Das Bindungssystem ist nach Bowlby ein dem Menschen angeborenes Verhaltenssystem, das aus dem Druck der Evolution entstand. Es hat die Aufgabe, das menschliche Kind vor Gefahren zu schützen und so die Erhaltung der Art zu sichern. Da das Kind noch nicht imstande ist, Gefahren wahrzunehmen oder sich aus bedrohlichen Situationen in Sicherheit zu bringen, benötigt es die Hilfe einer erwachsenen Person. Um sich diese sichern zu können, verfügt es über Verhaltensweisen, wie weinen, rufen oder krabbeln, die die Aufmerksamkeit der Bezugsperson auf sich lenken. Auf der Seite der Eltern existiert, so Bowlby, das dazu komplementäre Verhaltenssystem der Fürsorge, das die ebenso überlebenssichernde Funktion besitzt, dem Kind Schutz und Sicherheit zu gewähren. Das Bindungssystem wird immer dann aktiviert, wenn das Kind Unwohlsein, z.B. Schmerz, Trennung von der Bezugsperson oder Bedrohliches in der Umgebung erfährt und dann wieder beruhigt, wenn die Nähe zur Bezugsperson wieder hergestellt, und das Bedürfnis nach Sicherheit befriedigt ist (Cassidy 1999, Schmücker und Buchheim 2002). Aus der allgemeinen Kontrolltheorie entlehnte Bowlby den Gedanken, dass das Bindungssystem, ähnlich den physiologischen Steuerungssystemen, die für die Einhaltung von Sollwerten des Organismus innerhalb bestimmter Grenzen sorgen, eine zentralnervöse Steuerungseinheit besitzt, die über Aktivierung und Deaktivierung von Bindungsverhalten, die Nähe der Bezugsperson sichert.
Ainsworth (1967) beschreibt drei weitere Verhaltenssysteme, mit denen das Bindungssystem in einem dynamischen Gleichgewicht steht. Das Erkundungssystem und das soziale Verhaltenssystem, die beide konträr zu ihm wirken, indem sie nur dann aktiviert werden, wenn es beruhigt ist, und das Furchtsystem, das die Aktivierung des Bindungssystems hervorruft und ihm somit gleichgerichtet ist.
In diesem Zusammenhang ist auch die Funktion der Mutter als „sichere Basis“ zu sehen. Solange das Kind sich wohl fühlt, wird es seine Umwelt erkunden oder sich mit Spielen vergnügen. Das Erkundungssystem ist aktiv, da Sicherheit gegeben ist. Tritt jedoch ein Stressfaktor hinzu, beispielsweise ein Sturz, ein lautes Geräusch, Hunger oder eine zu große Entfernung von der Mutter, wird das Bindungssystem aktiviert. Die dadurch hervorgerufene Hilfe und der Trost der Bezugsperson stellen die emotionale Sicherheit des Kindes wieder her, das dann, im Vertrauen auf Unterstützung in eventuell wiederkehrenden Bedrohungen, alle Aufmerksamkeit und Energie wieder dem Spiel zuwenden kann.

3.1.3 Die fremde Situation und die Bedeutung der mütterlichen Feinfühligkeit

Um das Zusammenspiel von Erkundungs–, Angst– und Bindungsverhaltenssystem zu untersuchen, entwickelte Ainsworth in den 60er Jahren die „Fremde Situation“, Minidrama mit acht dreiminütigen Abschnitten, in denen das Kind in seiner Exploration in Anwesenheit der Mutter, nach Hinzukommen einer fremden Person, bei Verlassen des Raumes durch die Mutter, nach Wiedereintreten der Mutter, ohne eine weitere Person im Raum, allein mit der Fremden und schließlich wieder mit der Mutter beobachtet wird . Diese Versuchssituation erlangte große Bedeutung, da sie unter gut kontrollierbaren Bedingungen und in relativ einfach durchzuführender Weise Informationen über die Bindungssicherheit des Kindes im Alter von einem Jahr geben kann (Holmes 1996, Grossmann 2000a). Es stellte sich nämlich heraus, dass sich das Verhalten der Kinder, vor allem in den Wiedervereinigungsabschnitten, erheblich unterschied. Ainsworth konnte drei unterschiedliche Muster ausfindig machen: sicher gebundene Kinder, die bei Trennung von der Mutter offen ihren Kummer ausdrückten und sich bei ihrer Wiederkehr freuten und von ihr beruhigen ließen; unsicher ambivalent gebundene, die nach der Trennung von der Mutter untröstlich waren, sich jedoch bei ihrem Wiedereintritt durch aggressiv–ärgerliches Verhalten gegenüber der Mutter auszeichneten, während sie gleichzeitig ihre Nähe suchten; und unsicher vermeidend gebundene Kinder, die den Weggang der Mutter kaum beachteten, und auch ihrer Wiederkehr nur sehr wenig Aufmerksamkeit widmeten. Das Verhalten letzterer sah man zunächst als besonders reif an, jedoch zeigte sich in Cortisolmessungen, dass ihr innerer Stress am höchsten war. Aus den Beobachtungen derselben Mutter–Kind–Dyaden in häuslicher Umgebung während der 12 Monate seit der Geburt ging hervor, dass ein Zusammenhang zwischen dem Verhalten der Mutter, besonders deren Feinfühligkeit, Akzeptanz, Kooperation und Verfügbarkeit, und des Vorliegens einer sicheren Bindung in der Fremden Situation mit einem Jahr bestand. Von diesen Eigenschaften zeigte die mütterliche Fürsorglichkeit die höchste Vorhersagekraft. Sie ist durch Wahrnehmen der kindlichen Bedürfnisse, deren richtige Interpretation, und eine prompte sowie angemessenen Reaktion gekennzeichnet . Nicht immer zeigte sich dieser Zusammenhang in späteren Studien so stark wie Ainsworth ihn beobachtet hatte, bestätigte sich jedoch im Großen und Ganzen. Weiterentwicklungen des Konstrukts der mütterlichen Feinfühligkeit finden sich bei Stern (1996), der sie abwandelte in eine sogenannte „Einstimmung“ (Stern 1996) der Mutter auf das Kind, sowie bei Meins , die die Fähigkeit der Mutter, den inneren Zustand ihres Kindes differenziert zuberichten, als wesentlichen Faktor für die Entwicklung einer sicheren Bindung des Kindes erachtete. In die gleiche Richtung deuten Studien von Egeland und Farber (1984). Aber auch für andere mütterliche Verhaltensaspekte wurde ein Einfluss auf die kindliche Bindungssicherheit nachgewiesen. Wie Izard et al. (1991) berichteten, sind in diesem Sinn häufigere positive Emotionen der Mutter, in Verbindung mit einer größeren Offenheit
gegenüber dem Kind bei eigenen negativen Emotionen, prädikiv für eine sichere Bindung, während Simo et al. (2000) feststellten, dass stark kontrollierende Mütter eher unsichere Kinder haben.

3.1.4 Bindungsmuster

Um die Nähe der Mutter beziehungsweise ihre emotionale und physische Verfügbarkeit und Hilfsbereitschaft möglichst effektiv zu sichern, benötigt das Kind Informationen über das wahrscheinliche Verhalten der Mutter, über die eigenen Bedürfnisse und die Interaktion beider. Durch Erfahrungen mit den Eltern bildet es bis etwa zum 18. Monat aus diesen Informationen relativ stabile Repräsentanzen der Beziehungen zu ihnen aus, die sein Verhalten ihnen gegenüber bestimmen (Bowlby 1995, Holmes 2002).
Sicher gebundene Kinder können aufgrund ihrer Erfahrungen auf die Verfügbarkeit ihrer Eltern vertrauen, falls sie deren Hilfe benötigen, während unsicher gebundene Kinder befürchten müssen, dass ihnen die Bezugsperson in einer Notsituation nicht zur Verfügung steht. Unsicher–vermeidend gebundene haben gelernt, ihre Schutzbedürfnisse zu verbergen, da deren offene Äußerung im Allgemeinen Zurückweisung durch die Mutter zur Folge hatte. Unsicher–ambivalent gebundene zeigen ihren Kummer und Ärger in bindungsrelevanten Situationen besonders intensiv, um der Unterstützung durch die Bezugsperson, die sie als unstet in ihrer Verfügbarkeit erfahren haben, sicher zu sein (Weinfield et al. 1999). 1985 wurde von Mary Main noch ein viertes Bindungsmuster entdeckt, das sich in der Fremden Situation in Erstarrung, stupiden Bewegungswiederholungen oder Furcht vor der Bezugsperson bei deren Wiederkehr ausdrückte. Dieses so genannte desorganisierte Bindungsmuster unterscheidet sich von den zuvor beschriebenen darin, dass das Kind keine konsistente Verhaltensstrategie entwickeln konnte. Es bietet Züge aller drei organisierten Bindungsmuster und zeigt starkes Konfliktverhalten. Oft lagen Missbrauch oder Erfahrungen zugrunde, die das Kind das Elternteil als potentielle Gefahr betrachten lassen mussten.

3.1.5 Interne Arbeitsmodelle von Bindung

Bowlby zufolge liegen den Bindungsmustern interne Arbeitsmodelle zugrunde. Es sind Vorstellungen von der Bezugsperson, den Bedürfnissen der eigenen Person und der Interaktion zwischen beiden, die schon sehr früh in der Kindheit aus den Erfahrungen mit der Bezugsperson heraus konstruiert werden. Sie dienen vor allem dazu, die Realität vorwegnehmen zu können und so das Bindungsverhalten optimal anzupassen. Sie durchlaufen während der Entwicklung des Kindes eine fortwährende Differenzierung. Bis zum Alter von zwei Monaten sind sie primitiv, das Kind richtet sein Bindungsverhalten an beliebige Personen. Mit sechs Monaten hat das Kind jedoch schon klare Präferenzen bezüglich einer oder mehrerer Bindungspersonen, bei denen es Nähe und Sicherheit sucht. Diese auf die eigenen Bedürfnisse konzentrierte Phase nennt Bowlby „zielorientiert“ im Gegensatz zu der, durch die Sprache und Perspektivenübernahme möglichen, „zielkorrigierten“ etwa ab dem dritten Lebensjahr. Das Kind kann nun auch die Wünsche und Absichten der anderen Person in seine eigenen Ziele integrieren. Während bis dahin die bindungsrelevanten Erfahrungen nur als Gefühle repräsentiert werden, nehmen nun auch kognitive und sprachliche Aspekte Einzug in die internen Arbeitsmodelle. Diese subjektiven Konstrukte stehen prinzipiell der Anpassung durch neue Erfahrungen offen, jedoch sind sie unbewusst und beeinflussen nicht nur das Handeln, sondern auch neue Wahrnehmungen werden im Lichte der vorhergehenden Erlebnisse interpretiert. Die Adaption ist hierbei bei sicherer Bindung erleichtert, während unsichere Repräsentanzen zu Rigidität neigen. Aufgrund ihres Vertrauens auf die Responsivität ihrer Bezugspersonen fällt es sicher gebundenen Kindern leichter, negative Erfahrungen zu integrieren. Die Eltern unsicher gebundener Kinder erschweren dies durch Verhaltensweisen wie z.B.: diese so behandeln, dass die Ereignisse für das Kind zu schlimm sind, als dass es sich damit bewusst auseinander setzen könnte; reagieren auf Handlungen des Kindes in einer Art und Weise, die es sich schuldig fühlen lässt oder vermitteln, dass es bestimmte negative Realitäten, die die Eltern selbst nicht wahrhaben wollen, nicht wissen soll. So kann es dazu kommen, dass mehrere interne Arbeitsmodelle von Bindung nebeneinander entstehen, ein bewusstes, in dem nur die Informationen enthalten sind, die zu haben dem Kind durch die Eltern erlaubt wird und ein unbewusstes, das die wirklichen Wahrnehmungen enthält. Dies zeigt sich besonders bei Erwachsenen mit unsicher–vermeidendem Bindungsstil, die ein sehr positives Bild ihrer Eltern schildern, bei konkreten Ereignissen mit ihnen aber vor allem zurückweisendes Verhalten erinnern. Bowlby unterscheidet außerdem alte und neue Modelle von Bindung. Erstere enthalten vor allem die präsymbolischen Erfahrungen der frühen Kindheit, während letztere sich auf die Zeit danach beziehen, in der die Integration von neuen Erfahrungen durch die Fähigkeit zu Gesprächen und Nachdenken über die eigenen Gedanken leichter fällt. Werden die frühen Erlebnisse in dieser Zeit nicht integriert, existieren alte und neue Repräsentanzen von Bindung nebeneinander, wobei die Alten in belastenden Situationen und gefühlsintensiven Beziehungen an Einfluss gewinnen.Neuere Vorstellungen über interne Arbeitsmodelle gehen davon aus, dass nicht Erinnerungen gespeichert werden und sich im neuen Kontext auf Verhalten auswirken, sondern dass ein Potential vorhanden ist, die früheren Erfahrungen durch die Eindrücke einer neuen Situation wieder abzurufen und zu „reklassifizieren“. So sind diese ständige Neukonstruktionen aus gegenwärtigen Wahrnehmungen und alten Kategorisierungen.

3.1.6 Der Einfluss früher Bindungsqualität auf die Entwicklung

Während der letzten 20 Jahre wurden zu diesem Thema vielfältige Studien unternommen, in denen der Zusammenhang zwischen Bindungsqualität und verschiedensten späteren Fähigkeiten und Eigenschaften der Kinder, wie soziale Kompetenz, Qualität der Beziehungen mit Gleichaltrigen, und Selbstbild untersucht wurde. Die gemischten Ergebnisse zeigen, dass man nicht von einer einfachen geradlinigen Beziehung zwischen Bindungsqualität und weiterer Entwicklung ausgehen kann. Thompson (1999) betont die Unterscheidung der untersuchten Eigenschaften nach theoretisch erwarteter Enge des Zusammenhanges. Die engste Beziehung sollte zwischen der frühen Bindungsqualität und der Eltern–Kind–Beziehung in der späteren Kindheit bestehen. Diese zeigt sich nur über kurze Zeiträume. Auf längere Sicht sind die Ergebnisse nicht so eindeutig, was auf Veränderungen in der familiären Situation und andere Risikofaktoren zurückgeführt werden kann. Ein etwas lockererer Zusammenhang sollte zur Kompetenz in anderen engen Beziehungen bestehen. Wiederum über kurze Zeiträume können sicher gebundenen Kindern höhere soziale Kompetenz, engere Freundschaften, besseres Konfliktlösen, weniger aggressives und kontrollierendes Verhalten bestätigt werden. Studien, die Zusammenhänge über längere Zeiträume maßen, zeigten uneindeutige Ergebnisse. Gemäß der Annahme, dass Kinder ihre Erfahrungen mit den Eltern auch auf fremde Personen übertragen, wurde bestätigt, dass Kinder sich tatsächlich Fremden gegenüber ähnlich ihres in der Fremden Situation eruierten Verhaltensmusters ihren Eltern gegenüber verhielten. Noch weniger eng mit der Bindungsqualität in Beziehung zu sehen sind Persönlichkeitseigenschaften. In der Minneapolis–Längsschnittstudie (Sroufe 1983) wurden größere Empathie, höherer Selbstwert, Kooperativität und positives Verhalten bei den mit einem Jahr als sicher gebundenen nachgewiesen, jedoch konnten diese Ergebnisse noch nicht repliziert werden. Zusammenhänge zu vielen anderen Persönlichkeitscharakteristika z. B. zu späteren Verhaltens-problemen, wurden nur in einer Studie oder nicht konsistent nachgewiesen wobei wieder Risikofaktoren eine Rolle spielten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Ergebnisse vorläufige Hinweise darstellen, die durch klarere theoretische Hypothesen, welchen Einfluss die Bindungsqualität auf die weitere Entwicklung des Kindes hat, und vor allem auch, in welchen Bereichen man keinen Zusammenhang erwartet, in Zukunft zu überprüfen und zu erweitern sind .

Posttraumatische Belastungsstörung / PTBS Typ 2 frühkindliche Traumatas

5. März 2013

(für weitere Artikel einfach Seite runter rollen)

Vereinfachte Darstellungen aus dem Netz gezogen zur Erklärung:


Vorsicht: Der Text ist von mir verfasst, einer selbst Betroffenen, die nur versucht, ihr Wissen weiter zu geben, mit leicht verständlichen Worten für den Laien.

1. Abbildung 1:                              etwas runterscrollen

Trauma: Ein Erlebnis, bei dem der Mensch Todesangst verspürt!

Abbildung:   Je schwerer die Posttraumatische Belastungsstörung, um so getrennter ist das Erleben und Wahrnehmen dieser
4 (BASK) Zustände. Ein gesunder Mensch – hier NORMAL- kann alle 4 Zustände bewusst im Zusammenhang untereinander erleben und zuordnen.

Je schwerer die Traumatas wiegen (Stärke/Anzahl), um so mehr erlebt der Mensch die Zustände voneinander abgekoppelt.

Beispiel Stress/Trauma (hier grün): bei einem schweren Unfall ist das Gehirn so überlastet mit B, A und S, dass es aus Not das eigentliche Wissen (K) um das Geschehnis abspaltet, ganz versteckt im Gehirn einlagert.
Das aber bedeutet, es wird auch die Tatsache vergraben, dass dieses Erlebnis ein Ende hatte, also nur ein vorüber gehender Zustand war.
Darum bleibt der Mensch ohne Behandlung weiterhin in dem Angst/Flucht/Gefahrmodus der Alarmbereitschaft, reagiert bei ähnlich anmutenden Situationen immer wieder mit Panik usw.
Folgen sind für den Patienten unerklärliche Panikreaktionen im Alltag, Steigerung von Angstzuständen, Schlaflosigkeit, Flashbacks.

Zur Gesundung muss das Wissen um den Vorgang aus dem Gedächtnis hervorgeholt werden, lange besprochen werden, damit der Patient lernt, dass die schreckliche Situation in die Vergangenheit gehört. Es wird also dem Gehirn klar gemacht:
„Hallo, es war einmal! Du brauchst nicht mehr im Reflex der Panik/Totenstarre/Flucht bleiben, denn die Situation, die dich damals in diesen Zustand versetzt hat, ist VORBEI !“

Beispiel Dissoziation (hier blau): schafft es der Mensch nicht, das Körpererleben (S) psychisch zu ertragen, dann spaltet das Gehirn (wenn es noch sehr jung und damit formbar und kreativ ist) auch diesen Zustand ab. An diesem sogenannten Abschaltpunkt  „verlässt die Seele den Körper“ damit sie keinen Schaden nimmt, damit man überlebt. Die wirklich auftretende Gewalt wird ab diesem Moment nicht mehr bewusst wahr genommen, der Körper „nimmt sie entgegen“. Diese Abspaltung nennt man Dissoziation.(siehe auch Abbildung 2)

Diese Patienten erleben später zusätzlich zu den typischen PTBS – Symptomen starke Wahrnehmungsverschiebungen (siehe Trigger) und  erhebliche psychosomatische Störungen (in Form von „Der  Körper erinnert sich an die Schmerzen“  und lässt sie wieder aufleben) wie Kopf/Rücken/Nackenschmerzen, Magengeschwüre, Herzprobleme usw. Und kein Arzt kann je wirkliche Schäden feststellen.

Diese Störung ist aber einigermaßen gut behandelbar. Oft haben Borderlinepatienten solche dissoziativen Begleitstörungen, was darauf verweist, dass in früher Kindheit die Traumatas erlitten wurden.

Störungsmodelle

Beispiel Dissoziative Störung (hier gelb):  Letzte wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass das menschliche Gehirn nur bis ungefähr einem Alter von 3 Jahren zu solchen neurobiologischen Vernetzungen fähig ist, dass es völlig abspalten kann. Wenn das Gehirn also in diesem Zeitraum nach der Geburt immer wieder (durch schwere Traumatas) gezwungen ist, Abspaltungen (Dissoziationen) vorzunehmen, dann wird es diese Fähigkeit bis zur Perfektion weiter entwickeln.
Das Kleinkind entwickelt von Beginn an keine „Rundherum“-Persönlichkeit (siehe Abildung NORMAL) , sondern Teilpersönlichkeiten, die unterschiedliche Funktionsträger darstellen. Der eine Anteil z.B. übernimmt immer die körperlichen Schmerzen, der andere Teil erträgt psychische Gewalt, der nächste kann vielleicht dafür sorgen, die Eltern trotzdem zu lieben. (siehe andere Artikel auf diesem Blog). Parallel dazu wird das Kind sein Leben lang, selbst als Erwachsener bei wieder auftretenden, lebensbedrohlichen Erfahrungen immer wieder dissoziieren und neue Anteile erschaffen. Dies ist die einzige Überlebensstrategie, die das Gehirn nach der Geburt entwickeln konnte.

Wie man der Abbildung oben entnehmen kann, sind Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung nicht in der Lage, diese 4 Teilbereiche der menschlichen Psyche in einem Ganzen zu erleben. Jeder  dieser Zustände wird getrennt wahrgenommen, man erkennt für sich selbst keinerlei Zusammenhänge zwischen Fühlen, Denken, Wissen und Körper.
Für die Betroffenen ist es die wahre Hölle, sich nicht steuern zu können. So jedenfalls empfinde ich das.

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2. Abbildung 2:

– steht meist für Zusatzdiagnosen wie Angststörung, Derealisation, dissoziative Störung neben der eigentlichen Hauptdiagnose.

Sehr vereinfacht könnte ich über die Abbildung sagen:  

ANP steht für den Menschen, der den Alltag meistert.

EP   steht für Teilaspekte, die abgespalten sein können,
aber aufgrund ihres Alarmmodus stets den Alltag
„überschneiden“ und den Patienten stark belasten.

Persönlichkeitsanteile

Diese Menschen erleben an sich selbst zum Beispiel in Partnerschaften/Beruf, dass sie sich völlig  „unterwerfen“,
oder sehr schnell in Krisensituationen in einer Angststarre verharren.
Oft glauben diese Patienten, dass sie nur mit überzeugender Leistung im Partnerschaft/Beruf Anerkennung ihrer Person erlangen. Diese Menschen möchten oft perfekt sein, setzen die Ansprüche an sich selbst sehr hoch und landen oft in Stress und Überarbeitung.

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3. Abbildung 3:

Hauptdiagnose:  Dissoziative Identitätsstörung    (alt: Multiple Persönlichkeitsstörung)

Persönlichkeitsanteile

Die Abbildung macht deutlich, dass der Mensch selbst den normalen Alltag unbewusst auf unterschiedliche Alltagspersonen (ANP) verteilt, je nach ihren spezifischen Fähigkeiten. So ist es zu erklären, dass ANP- Beruf  sich nicht erinnern kann, was z.B. ANP – Pflegeperson am frühen Morgen getan hat. (Amnesien/Fugen)

Auch kann es sein, dass die verschiedensten EP`s ( abgespaltene Perönlichkeitsanteile, wie z.B. eine Fünfjährige) plötzlich mitten im Alltagsgeschehen auftauchen und mit ihren nur kindlichen Erfahrungen den Patienten völlig aus der Bahn werfen. Es ist nicht beeinflussbar für den Patienten, wer wann die Rolle übernimmt. Angemerkt: Begegnet euch mal ein Bankier, der vor der Sparkasse  eine  Sitzbank freudig hoch und runter springt mit einem Lolli in der Hand, dann könnt ihr fast sicher sein … Disso!

Zusammenfassung:

Ebenen von Dissoziationen

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4. Abbildung 4:

Ein Teilgebiet der Psychologie ist heute die Bindungsforschung.

In dieser Abbildung wird sehr einfach deutlich gemacht, dass je mehr  (und Dauer) Traumatas ein Mensch erlitten hat, um so weniger ist er zu Bindungen fähig!

Was bedeutet diese Aussage?

Bindung bedeutet im Normalfall: Vertrauen haben, Nähe zulassen, Risiko eingehen, an Partnerschaften arbeiten können!
Aber je früher ein Gehirn lernen musste, dass es nicht vertrauen darf, dass Nähe Gefahr bedeutet usw., um so weniger kann der Mensch im späteren Leben diesen „Modus“ ausschalten. Er wird echte Bindungen unbewusst aus Angst vermeiden.
Und das, obwohl gerade dieser seelisch schwer verletzte Mensch nach Halt, Liebe, Vertrauen, Bindung und Angenommen werden sucht. Vorprogrammiert ist also, dass eine unstillbare Sehnsucht nach Bindung existiert, diese aber nicht wirklich eingegangen werden kann. Daran zerbrechen die meisten multiplen Menschen.

gestörtes Bindungsmuster

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5.Abbildung 5:

Typische Nebenerkrankungen bei Posttraumatischer Belastungsstörung allgemein.

Mögliche Folgen der PTBS

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6. Abbildung 6:

Hier braucht es keine Worte, außer die meiner eigenen Erfahrung:

10 Jahre lang habe ich Therapien machen müssen, die einer dissoziativen Störung nur eine Verstärkung der Symptome bringen:

– Gruppentherapien, in denen jeder sein eigenes Leid und seine schlimme Vergangenheit offenlegen sollte.
– Entspannungstechniken, bei denen mir neue Erinnerungsschübe hochkamen, die ich nicht bewältigen konnte.
– sogenannte Kunsttherapien, wo ich Gefühle bildlich darstellen sollte, über die ich dann gezwungen wurde zu
sprechen… logisch, dass ich noch tiefer in der Hölle war.

10 Jahre Trigger-Therapien, die mich veranlassten, immer mehr zu dissoziieren, zum Selbstschutz gegen die aufgezwungenen Trigger.

Verhalten bei Behandlungahren

So, ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick geben in den Zusammenhang Trauma – Stärke – Dauer – Folgestörungen!

Bitte verzeiht Textverschiebungen oder Schreibfehler.

Dagmar Minor „Das erwachsengewordene Opfer“

3. März 2013

Von Internetseite  „Schotterblume e.V.“

Das erwachsengewordene Opfer

Zeitbombe
Du steckst Deine Schmerzen,
Deine Qualen, Deinen Ekel,
deine Erinnerungen
erschrocken in einen Karton
und schnürst ihn fest zu, ganz fest,
damit nichts mehr darin atmen kann
und Du hoffst, dass alles erstickt.
Doch wann wirst Du merken,
dass in dem Karton
eine Zeitbombe tickt?
(Dagmar Minor)

Ich bekam neulich einen Fragebogen geschickt. Es ging um eine Studie.
Ich sollte ankreuzen, wie viele Kinder und wie viele Jugendliche, die Missbrauchsopfer geworden sind, in unsere Beratungsstelle kommen und bei uns Hilfe suchen.
Etwas erstaunt saß ich über diesem Bogen, legte ihn dann beiseite und teilte dem Forschungsinstitut mit, dass die Menschen, die bei uns Hilfe suchen, in der Regel „erwachsengewordene Opfer“ sind.
Wieso das so ist, brauche ich den Betroffenen nicht zu erzählen, aber den Menschen, die nicht sofort nachvollziehen können, weshalb ein missbrauchtes Kind in der Regel nicht darüber spricht, nicht darüber sprechen kann und wieso es das meist erst Jahrzehnte später tut.

Kinder reden nicht weil
sie Angst haben, keiner glaubt ihnen
sie unter massiven Druck gesetzt werden
sie den Täter, die Täterin lieben
sie den Täter, die Täterin schützen wollen
sie ihre Familie behalten wollen
sie die traumatischen Erlebnisse verdrängt haben
sie das Erlebte abgespalten haben, um überleben zu können

Groß ist die Chance sofort darüber reden zu können für ein Kind lediglich dann, wenn der Täter oder die Täterin ein völlig fremder Mensch ist. Dann wird das Kind sich vermutlich den Eltern anvertrauen, sofern es denn Vertrauen zu ihnen hat und aus Erfahrung weiß, dass sie ihm zuhören, es ernst nehmen, ihm glauben und Trost spenden.
Diese Kinderseele wird vermutlich relativ schnell heilen, keine jahrzehntelangen Folgeerscheinungen werden das weitere Leben vergiften.

Doch leider sieht es in dem meisten Fällen ganz anders aus. Grausamerweise ist der hauptsächliche Tatort ausgerechnet da, wo sich Kinder am sichersten fühlen sollten – in der eigenen Familie !!! Und Täter oder Täterinnen sind nahe Angehörige, nein, mehr noch, Menschen, die das Kind liebt und die genau diese Liebe und das Vertrauen des Kindes für ihre eigenen Bedürfnisse ausnutzen.
Was sind das für Familien, in denen so etwas Fürchterliches wie Missbrauch geschieht?
Es sind Familien aus allen sozialen Schichten, aber es sind auf jeden Fall gestörte Familien, Krisenfamilien.
Durchaus können diese Familien aber nach außen hin vollkommen intakt, ja sogar besonders harmonisch erscheinen. Familien mit sog. großem Namen und Gutem Ruf sein. Es sind aber häufig Familien mit sehr autoritärer Struktur, mit strengen Familienregeln, in denen ein starkes Machtgefälle herrscht und über bestimmte Dinge nicht gesprochen wird. Schwierigkeiten der einzelnen Familienmitglieder sind kein Thema. Gefühle werden nicht benannt. Es herrscht emotionale Sprachlosigkeit.

Schweigen, Vergessen, Verdrängen –
sind tabu-unterstützende Regeln aller gestörten Familien.

Wo war die Mutter? Warum hat sie das Kind nicht geschützt? Wo liegt ihre Schuld?
Fragen mich so viele Menschen immer wieder.

Oft wird der betroffenen Mutter vorgeworfen, sie habe ihr Kind nicht genügend geschützt. Ihr wird zur Last gelegt, dass sie den Missbrauch hätte verhindern oder zumindest früher bemerken sollen. Inzest-Opfer sind deshalb oft ein Leben lang wütend auf die Mutter, die sie nach ihrer Vorstellung im Stich gelassen hat.
Sie können nicht glauben, dass Mutter nichts mitbekommen hat und häufig kommen die Mütter auch beim Urteil durch die Umwelt schlecht weg – noch schlechter als der Täter.
Warum lässt eine Mutter das zu? Wie konnte sie das übersehen? Wieso hat das Kind sich ihr nicht anvertraut? Hat sie den Missbrauch vielleicht sogar unterstützt, ihn gewollt, damit sie selbst nicht mehr zur Verfügung stehen muss? – Das sind weitere Fragen.
Es ist allerdings ein menschliches Phänomen, dass Wahrnehmungen, mit denen wir nicht umgehen können, abgewehrt oder umgedeutet werden.
Ohnmachtsgefühle, Überforderung und Unfassbarkeit der Tat verhindern durchaus, dass der Missbrauch wahrgenommen und angesprochen wird.
Sehr häufig haben übrigens Mütter auch selbst Missbrauchserfahrungen in ihrer Kindheit gemacht, die sie sorgsam verdrängt halten, und nichts, was sie daran erinnert, lassen sie an sich herankommen. Sie leiden noch immer an der Blindheit ihrer eigenen Kindheit gegenüber und sind so auch blind für die Signale ihrer Kinder.
Natürlich gibt es auch Mütter, die von dem Missbrauch ihrer Kinder wissen, es zumindest ahnen. Lässt eine solche Mutter ihr Kind dennoch wissentlich im Stich, wird sie zur Mit-Täterin, egal, welche emotionalen Verstrickungen hier die Ursache sind.
Auch Scham – und Schuldgefühle halten viele Frauen davon ab, selbst bei bestätigtem verdacht sexuellen Missbrauchs an den eigenen Kindern, Konsequenzen für sich und ihre Kinder zu ziehen.
Deshalb ist es ganz wichtig, gerade diese Mütter zu bestärken, für ihre Kinder zu handeln.

Nicht verschweigen will ich allerdings, dass es auch Frauen und eben Mütter gibt, die Kinder sexuell missbrauchen und auch Fälle in denen Frau und Mann gemeinsam solche Taten begehen.
Hier herrscht mit Sicherheit eine ganz große Dunkelzone – mir selbst werden allerdings immer mehr dieser Vorkommnisse bekannt, in denen auch Großmütter, Mütter und Schwestern zu Sexual-Täterinnen an Jungen UND Mädchen geworden sind. Die neueste Statistik benennt einen Täterinnen-Anteil von fast 20%.

Der Täter, die Täterin in der eigenen Familie.
Wem sollte das Kind sich also anvertrauen? Wer würde ihm DAS glauben?
Außerdem liebt es den Täter, die Täterin meist trotz allem, will diesen Menschen nicht verlieren, will die Familie nicht verlieren.

Die Familie ist kein sicherer Ort, aber das Kind hat keinen anderen!

Manchmal ist auch körperliche Gewalt als Druckmittel im Spiel, ist aber meist „gar nicht nötig“ denn es wird Liebe, Vertrauen und Bewunderung des Kindes für die eigenen Zwecke ausgenutzt. Gerade dieser Missbrauch unter dem Deckmantel der Liebe wird deshalb von anderen selten bemerkt. Natürlich werden auch Respekt und Angst eingesetzt, denn alle Täter/innen befehlen dem Kind, zu schweigen, oft verbunden mit den unglaublichsten Drohungen, die das Kind bitter ernst nimmt.
Es herrscht auf jeden Fall immer ein Macht- oder Kompetenzgefälle.
Also einmal sex. Missbrauch gekoppelt mit scheinbarer Liebe und einmal Missbrauch gekoppelt mit Gewalt. Immer aber eine vollkommene Verwirrung der kindlichen Gefühle!

Gefühle, die ein Kind absolut nicht einordnen kann, es verliert die Kontrolle, die Sicherheit in die Familie und damit in die ganze Welt, es verliert die Geborgenheit.
Kinder entwickeln immer Überlebensstrategien, um mit seelischen Erschütterungen fertig zu werden.
Kann das Kind sich weder verteidigen, noch flüchten – und welches Kind kann das schon? – sind traumatische Folgen unvermeidbar.
Meist werden diese unbegreiflichen Erlebnisse und Gefühle, mit denen ihre Psyche natürlich vollkommen überfordert ist, dann erst mal schnellstens verdrängt.
Diese Verdrängung ist für viele, selbst für die Betroffenen, schwer oder gänzlich unmöglich nachzuvollziehen.
Bei den möglichen Gedächtnislücken, hervorgerufen durch einen Unfallschock sind wir alle weitaus weniger zweifelnd.
Dabei hat die Verdrängung eines Missbrauchserlebnisses genau den gleichen Hintergrund und ist ein wirklich gnädiger Schutzmechanismus der Seele, auch dieser grauenhafte Schock, diese Erinnerungen werden aus dem Bewusstsein verbannt, scheinbar vergessen, aber eben nur scheinbar…
Die Erinnerungen werden fragmentiert, also aufgespalten in einer bestimmten Hirnregion in Sicherheit gebracht und sind oft lange gar nicht bewusst zugänglich.
In Wirklichkeit sind diese verdrängten Erinnerungen aber Zeitbomben, die ständig im Unterbewusstsein ticken und wenn sie nicht entschärft werden, explodieren sie in der Regel eines Tages – und das ist grauenhaft.
Eine weitere Überlebensstrategie ist die des Abspaltens, d.h. das Kind verlässt seinen eigenen Körper, lässt ihn als seelenlose, gefühllose Hülle zurück – auch das ist eine Flucht vor dem Erlebten.
In allergrausamsten Fällen, oft bei in allerfrühster Kindheit erlittener und bei ritueller Gewalt, spaltet sich die Persönlichkeit des Kindes in unzählig viele Einzelteile, die nichts mehr voneinander wissen.
Es ist so, als würden die grausamer Erinnerungen in vielen einzelnen Schubladen aufbewahrt, als ein ganzes wären sie nicht auszuhalten.
All das stellt den Versuch dar, das verletzte Innere zu schützen.
Diese lebensrettenden Funktionen, später ja nicht mehr benötigt, wandeln sich, wenn sie nicht aufgelöst werden, beim erwachsenen Menschen allerdings in eine zerstörerische Macht,
Eine alte Not-Programmierung, die, wie gesagt, einst beim Überleben geholfen hat, ist mittlerweile schädlich geworden, blockiert das heutige Leben, das Fließen der Lebendigkeit. Diese Programmierung muss überschrieben werden, denn löschen kann man sie leider nie mehr.

Das Trauma ist für die unzähligen Opfer also noch lange nicht zu Ende, wenn der Missbrauch aufhört.
Die oft verheerenden Langzeitfolgen durchdringen das ganze weitere Leben, das Selbstwertgefühl, nahe Beziehungen, Sexualität, Mutterschaft, Vatersein, Gesundheit, Arbeitsleben, das Verhalten – Tag für Tag. Und glauben Sie mir, viele Opfer sterben jahrzehntelang auf Raten.

Denn wenn ein Kind wie so oft, keinen Retter gefunden hat, verdrängt es die Erlebnisse, die Schmerzen, und die berechtigte Wut und die Trauer auch weiterhin – und in dieser verdrängten Form wuchert all das auch im Erwachsenenleben unkontrolliert weiter, oft bis zur totalen Zerstörung.
„Vergiss es doch einfach“ und „Das ist doch schon so lange her“ sind schlechte Ratschläge, denn Unterdrückung der Gefühle kann nicht ohne schwerwiegende Folgen bleiben.
Zeit heilt diese Wunden nicht!

Immer wiederkehrende grauenhafte Albträume, Panikattacken, Schlafstörungen, Essstörungen, Abhängigkeits-Erkrankungen, Angst-Störungen ,Autoaggression, Beziehungs-, Sexual-, Sprach-Störungen, Ängste, Zwänge, Phobien, Psychosen, Schlafstörungen, Persönlichkeitsstörungen- und Spaltungen, Gedächtnisstörungen- Amnesien, Depressionen, Aggressionen sind nur einige davon.
Auch der Körper spricht jetzt eine immer deutlichere Sprache, reagiert auf die Verdrängung, die erstarrten Energien, mit massivsten Störungen wie Migräne, Asthma, Sehstörungen, Ohnmachtsanfällen, Herzattacken, Hauterkrankungen, Magengeschwüren, Epilepsie, Lähmungen, Blutungen.
Meist aber leider nur mit dem Ergebnis, dass der gequälte Mensch eine Odyssee durch sämtliche Arztpraxen unternimmt, unzählige Pillen schluckt, alle teuren Wunderheiler aufsucht, letztendlich aber immer wieder zu hören bekommt, er sei vollkommen gesund und er am Ende, wie so oft, an seinem Verstand zweifelt.
All das genannte sind Folgen, aber auch Schutzprogramme, eine Meisterleistung der Seele, denn sie haben, wie auch immer, das Überleben ermöglicht.
Andererseits handelt es sich durchaus auch um unbewusste Ausweichmanöver, denn Krankheiten, Süchte und ungesunde Beziehungen zu anderen Menschen in die alte Kindheitswunde zu stecken, damit ich den eigentlichen Schmerz nicht wahrnehmen muss, verhindern allerdings auch, dass ich die Wunde wirklich betrachten, säubern, verarzten und sorgsam vernähen kann, damit sich eine gesunde Narbe bildet.
Es nützt nichts, dem inneren stummen Kind mit all diesen Dingen den Mund zu stopfen – es muss reden und fühlen dürfen.
In der Kindheit liegen die Wurzeln unseres Lebensbaums und wenn dieser Baum später krank ist, keine Früchte trägt, wenn die Blätter nicht grün werden, wenn die Rinde abfällt und die Äste immer wieder verdorren, dann nützt es doch auch nichts, die Blätter blank zu reiben, die Rinde wieder anzukleben, die Äste zu reparieren oder gar künstliche Früchte hineinzuhängen.
Wir sollten uns schon die Wurzeln anschauen und herausfinden, was da nicht in Ordnung ist.
Dabei ist es allerdings nicht nötig, jede kleinste Wurzel auszugraben, d.h. jedes Detail der traumatischen Erlebnisse.
Wichtig ist die bewusste Entscheidung zur Heilung, ansonsten geht nichts.
Betroffene Menschen brauchen einen Schutzraum dafür und benötigen Helferinnen und Helfer, die liebevolle Begleitung anbieten, die gerechtfertigte Wut, Angst und Traurigkeit erlauben und Trost spenden.
Zunächst wird gemeinsam Sicherheit und Stabilität geschaffen, erste und wichtigste Grundlage für die spätere Traumaarbeit. Erst dann kann der Mensch die unverarbeiteten Geschehnisse rückwirkend erlebnisfähig und damit einer Verarbeitung zugänglich zu machen, damit das Trauma nicht mehr weiterhin abgewehrt werden muss, die alten Schutzfunktionen nachlassen und schrittweise überflüssig werden können.
Es geht dabei aber nicht darum, etwas loszuwerden, rauszulassen, sondern die abgespaltenen Kindheitserlebnisse- und Gefühle in die gesamte Lebensgeschichte zu integrieren und sie zu akzeptieren um sich so neu orientieren zu können.
Damit die Erinnerungen und Gefühle den hilfesuchenden Menschen nicht in die Tiefe reißen oder vollkommen überschwemmen, kann er unter einfühlsamer Begleitung Methoden erlernen, selbst zu dosieren, wann und wie viel er sich anschauen möchte und muss nicht mehr hilflos ausgeliefert sein.

Therapie ist also etwas anderes als bloße Wiederholung des Elends der Kindheit oder ständiges Herumrühren in alten Schmerzen, Therapie kann ein spannender und sehr kreativer Prozess sein.
Die Vergangenheit ist nicht mehr veränderbar. Die Folgen im Heute allerdings durchaus.

Das grobe Therapieziel ist es also, realisierbare Veränderungsmöglichkeiten für schädigende Verhaltensweisen zu finden und Handlungsabläufe, sie zu stabilisieren und zu generalisieren, also sie nicht nur zu kennen, sondern auch leben zu können.
Die Heilung ist oft wie ein Wunder, aber ein langsames und ein selbst erarbeitetes.
Ohne therapeutische Begleitung aber ist eine Heilung kaum möglich.
Allerdings will ich die katastrophale therapeutische Unterversorgung für diese Thematik nicht verschweigen.
Trauma-spezialisierte Fachleute sind kaum zu finden, die Kosten der wenigen, die sich spezialisiert haben, werden oft nicht von der Kasse übernommen und wenn doch, sind Wartezeiten bis zu 3 Jahren nicht selten.
Auch die Aufnahme in eine Traumaklinik ist schon für viele zum Albtraum geworden. Traumakliniken sind nämlich keine AKUTkliniken, sondern Reha-Kliniken. Bis alle Genehmigungen und Anträge bei den oft äußerst kritischen und sparsamen Kostenträgern gestellt und durchgesetzt wurden, vergingen bisher in der Regel 3 – 14 Monate. Auch wenn es mittlerweile neue Gesetze gibt, die die Fristen bis zur Mitteilung klar einschränken, ändert das kaum etwas an den Wartezeiten, da in ganz vielen Fällen zunächst erstmal eine Absage erteilt wird und in Widerspruch gegangen werden muss.
Das Ganze dauert dann eine Ewigkeit für Betroffene, die sich zu diesem nicht einfachen Schritt durchgerungen und nach so vielen Jahren kaum noch Kraft zum Überleben haben.

Wenn die Erinnerungen des Kindheitstraumas aus dem Unterbewusstsein nach oben steigen, ist das oft mit einem ganz akuter Schock verbunden, der sofortige Hilfe und Betreuung erfordern würde. Einem solchen Menschen muss ich nicht selten sagen, dass er mit dieser aufgeplatzten Wunde erst mal Schlange stehen und auf irgendeinen Zusagestempel warten muss.
Ein unverantwortliches Hin- und Hergeschiebe zwischen verschiedenen Kostenträgern oder zwischen Kostenträgern und Gutachtern, die dann über Ja oder Nein der Erforderlichkeit eines Klinikaufenthalts entscheiden, kann Menschenleben kosten!
In diesen langen Wartezeiten bis zur Bewilligung versuchen wir in unserer Beratungsstelle tatsächlich nicht selten, in oft stundenlangen Gesprächen den Betroffenen ihren Lebenswillen zu erhalten. Nicht immer war das möglich!
An den Kliniken liegt es nicht – Betten sind meist frei.
Gerade jetzt in dieser Minute sitzen alleine 3 der von mir betreuten Menschen seit Wochen auf gepackten Koffern und warten auf das erlösende „JA“.
Es wäre also dringend notwendig, auch hier Notfall-Aufnahmen zu bewilligen.
Zum Glück gibt es einige wenige Traumakliniken, die eine erfreuliche Ausnahme bilden können, da sie über eine psychiatrische und eine psychosomatische Abteilung verfügen und eine nahtlos ineinandergehende Behandlung anbieten können.
Hier ist eine einfache Einweisung durch den Hausarzt vollkommen ausreichend.
Nur, wie gesagt, von diesen Kliniken haben wir entschieden zu wenig.
Schotterblume ist ja ein kämpferischer Verein und mal sehen, was wir da noch verändern können.

Dennoch möchte ich betroffenen Menschen unbedingt ans Herz legen, sich nicht entmutigen zu lassen, sich auf jeden Fall Hilfe zu suchen.
Die Teilnahme an einer SH-Gruppe und die Unterstützung und das Verständnis von Menschen mit ähnlichem Schicksal kann die Wartezeit bis zur ambulanten oder auch stationären Therapie überbrücken.
Aber niemand kommt natürlich geheilt aus einer Traumaklinik zurück, aber sozusagen mit neuem Handwerkszeug, neuen Möglichkeiten der Verarbeitung.
Ganz wichtig ist es, sich schon vorher eine einfühlsame Therapeutin oder einen Therapeuten zu suchen, der nach der Rückkehr in den Alltag auf neuen, noch sehr unbekannten Wegen zur Seite steht…
Zum Schluss möchte ich allen betroffenen Frauen und Männern Mut machen, sich bewusst auf den Weg der Heilung zu begeben und sich, wie eine kleine Blume, den Weg durch Schotter und Geröll hindurch zu bahnen, den Weg ans Licht, an die Sonne und damit zurück ins Leben.
Glauben Sie mir – es ist zu schaffen!!!

Dagmar Minor

Vergeblicher innerer Kampf gegen das „Verlassen werden“

2. März 2013

Sicher kennt ihr das, wenn man sich suhlen will in der Erkenntnis, dass alles läuft wie immer, dass man umsonst gegen Windmühlen zu kämpfen glaubt, dass man sowieso immer wieder verlassen wird. Ja, ich spreche vom Suhlen, weil mir schon klar ist, dass dies der leichteste Weg ist, er macht keine Mühe, ist altbekannt und die Gefühle dabei kennt man sein ganzes Leben lang. Suhlen, weil da keine Mühe dahinter steht, sich die Tatsachen genauer anzusehen, weil man lieber Bekanntes fühlen möchte, egal wie schlimm, aber wohl vertraut scheint es Sicherheit zu geben.
Eine trügerische Sicherheit, die nur bedeutet, dass man verharren will aus Angst, verharren im alten Geschehen, das in keinster Weise in die Gegenwart passt, das aber das innere Gleichgewicht zu schaffen scheint. Ein Gleichgewicht von derart falschem und irrealem Fühlen aus der Kindheit, das Bekannte, das Erwartete, das Übliche. Und obwohl es einem jedes Mal wieder das Herz aus dem Leib reißt, die Sinne völlig vernebelt, den Wunsch ins Nichts bringt; trotz alledem ist es das Bekannte, das scheinbar Glaubwürdige, etwas was Sicherheit in unser Ungleichgewicht zu bringen scheint.
Man läuft auf der alten Spur, wieder und wieder, denn das Einschlagen einer neuen Spur macht Angst.
Vertrauen macht Angst, Liebe macht Angst, Sicherheit macht Angst, Glaube macht Angst, Hoffnung erst recht.
In irgendeinem Moment kapiert man diese vollkommen verschrobene Reaktionsweise. Es wird einem klar, dass da Feigheit dahinter steckt, Feigheit vor dem Neuen, das wunderbar sein könnte.
Und an diesem Punkt angekommen, will man das Leben für sich anders, man will kämpfen für das Neue, man will Mut haben, man will die Dinge ändern, man will sich aus der Abhängigkeit der eingepflanzten Reaktionsweisen trennen.
Logisch, dass ich von mir rede.
Zehn lange Jahre schon, versuche ich neue Wege zu gehen.
In den Anfängen versuchte ich jede meiner Reaktionsweisen zu hinterfragen, mit dem Glauben: Nur wenn ich mein Verhalten ergründe, kann ich mein Innenleben verstehen. Nur wenn ich mein Innenleben verstehe, kann ich neu dagegen steuern.
Also war das Erste, dass ich versuchte, alles an mir selbst zu analysieren. Und auch wenn es von meiner ersten Psychobegleiterin weiterhin als Suhlen bezeichnet wurde – für mich aber brachte es Erkenntnisse über meine unbewussten inneren Abläufe, die mich mein Leben lang begleitet und gesteuert haben. Der erste Schritt war also das Erkennen, wie ich ticke. Nun konnte ich die Sache angehen und bemühte mich, dem falschen Ticken gegenzusteuern. Und die Verhaltenstherapie dann in Dresden hat mich dabei sehr unterstützt.
Ich habe also vollständig gelernt: Warum passiert das jetzt gerade in mir? Und teilweise schaffte ich den Lernvorgang: Unterbrich die alten Reaktionsweisen und tu etwas dagegen! Dagegen tun in Form von Ersetzen durch etwas Besseres, Passenderes.
Ich weiß, dass für mich hierbei die wichtigste Erkenntnis war, dass mein Gegenüber ein eigenständiges Individuum ist, mit eigenem Fühlen, das ich nicht kennen kann; ein eigener Mensch mit eigenen mir unbekannten Hintergründen, mit eigenen, von mir völlig unabhängigen Befindlichkeiten.
So verstand ich mit den Jahren, dass ich nicht für jede negative Schwingung bei meinem Gegenüber verantwortlich war. Was ich damit sagen will ist, dass ich verstand, dass nicht jede Situation von mir persönlich abhängig ist.
Und diese Erkenntnis hat mich weiter gebracht. Eine Abgrenzung von einem anderen Individuum bedeutete, dass ich nicht für alles Scheitern auf dieser Welt verantwortlich sein muss.
Zuvor hatte ich in Allem und an Jedem meine eigene Schuld gesehen. Nun, das lernt man als Kind, wenn die Eltern ihr missbräuchliches Verhalten rechtfertigen wollen. Das Kind ist an allem Schuld. Ja, so lief auch ich durch die Welt.
Nun ich hatte für mich persönlich also den zweiten Schritt geschafft: Jeder Mensch fühlt anders aus seiner eigenen Geschichte heraus.
Schritt eins war: mich selbst verstehen (schaffe ich immer besser)
Schritt zwei war: den anderen nicht verstehen zu müssen und auch nicht zu können, Abgrenzung zu üben
Schritt drei wäre demzufolge zu verinnerlichen, nicht jedes Mal in Schuldgefühlen zu ertrinken.
Hier scheitere ich bis heute.
Möchte aber eigentlich noch was ganz anders sagen.
Nämlich den Schritt vier: ohne Bewertung Gefühle kommen und gehen zu lassen.
Oh Mann, hieran stirbt alles Bemühen, weil es für mich an sich schon ein Widerspruch ist.
Wie soll ich keine negative Bewertung über mein Fühlen und Reagieren abgeben, wenn mir bewusst wird, dass es falsch und unangemessen ist? Wie soll ich dem alten Reagieren gegensteuern, wenn ich mir nicht erlauben soll, es abzuwerten? Hier beißt sich für mich die Katze in den Schwanz.
Ich muss doch erst etwas schlecht finden, bevor ich dies zu verändern suche, oder nicht?
Bin ziemlich ratlos.
Habe mich diese Woche bei meiner Psychologin darüber ausgeheult, dass ich es mal wieder nicht schaffe, einen mir ins Herz geschlossenen Menschen nicht total zu vermissen.
Und was höre ich als Antwort?
Das wäre doch ganz normal! Hallo? Das finde ich eben nicht ganz normal!! Denn ich weiß, wo meine tiefe Sehnsucht herkommt. Also will ich es gerne einem alten Fühlen zuordnen und somit abtun können … geht nicht.
Ich stehe also wie blöd vor meiner Unfähigkeit, das mir geglaubt Gelernte nicht anwenden zu können, zweifle an meinem Verstand und hasse mich dafür, dass ich nach so vielem Lernen die Sache einfach nicht in richtige Bahnen lenken kann.
Aber die Psychologin setzt noch eins drauf und meint, mein Fühlen wäre normal, Selbsthass völlig unangebracht. Hä? Kann nicht sein! Ich schaffe etwas nicht, also werde ich doch sauer auf mich sein dürfen, oder? Wieso sagt sie mir, dass mein Inneres so fühlen darf?? Nein, soll es eben nicht! Ich will endlich Herr meiner Sinne sein.
Warum funktioniert das nicht, wenn ich doch alles verstanden habe? Wie kann ich denn ohne Wut auf mich selbst je etwas an mir verändern? Versteht ihr, was ich meine? Ich bin der Meinung, dass ich erst etwas schlecht an mir finden muss, dann kann ich mich an die Arbeit machen, dieses Schlechte auszumerzen, oder?
Anstatt mir in dieser Hinsicht eine Unterstützung meines Gedanken zu helfen, werde ich mitleidig angesehen und mir wird gesagt, dass ich hinnehmen muss, was mein Inneres und somit auch die Kinder fühlen, es wäre nun mal so und meine Entwicklung ließe vor einer Traumatherapie auch nichts anderes zu! Echt, so etwas will ich nicht hören. Ich will wütend auf mich sein. Ich möchte endlich mal nicht mehr so tief ins Fühlen rutschen. Ich will cool sein und das Leben mal hinkriegen.
Tja, da wünsche ich mir oft, die Psychologen treten mich mal in den Arsch, oder finden meine Wut gut für meine Entwicklung, und dann aber muss ich mir so etwas anhören. Und, dass ich wieder meine alten Muster bedienen will, in denen ich Strafe erwarte, im Sinne von: bist selbst schuld, es verkackt zu haben, also sollt du ruhig abstürzen. Oh je, ein größeres Durcheinander geht gar nicht.
Nun versteht ihr sicher, warum ich beim Urschleim anfing zu erzählen, vom Schritt eins und so weiter. Ich stehe wie blöd da, dachte, dass mein schrittweises Dazulernen mich nach vorne bringt, und dann fühle ich mich ausgebremst, nur weil ich keine Eigenwut haben soll. Aber ehrlich, die innere Wut auf mein eigenes Unvermögen war es doch immer, die mich hat weitermachen lassen, die einen Impuls gab: Nun erst Recht!
Eines aber, das konnte ich dieses Mal zu ersten Mal auch wirklich gut: Ich habe den anderen Menschen nicht abgewertet, weil ich um die echten Zusammenhänge eben weiß. Kann es auch nicht, weil zu viel an Gutem dahinter steht, was mir widerfahren ist. Ja und das mir Wichtigste: Will diesen Menschen auf keinen Fall verlieren.
Und nun das Perplexe: Darum werde ich schweigen, mich zurückziehen!!!!
Hallo? Wieder sehe ich einen Irrgarten hoch fünf.
Ich will festhalten an etwas, obwohl es in die Vergangenheit gehört. Ich will in meiner Fantasie bewahren, was da war! Will dieses Glücksgefühl nicht loslassen.

Jetzt aber will ich mich zurückziehen! Warum?
Habe wohl selbst Angst, wieder Blödsinn zu machen und somit den Verlust zu riskieren.
Aber ist das Zurückziehen nicht schon ein Verlust? Ein Verlust, den ich selbst herbeiführe?

Ich kann rauf und runter denken und fühlen … es bringt nichts. In mir ist Chaos pur, kenne nicht was richtig ist, verliere mein „Schrittsystem“ aus den Augen, oben und unten gibt es nicht mehr.
Deutsch: Bin völlig überfordert!
Hm, merke, dass hier mein Denken geschrieben hat. Auch mal gut.

Dieser Text soll ja an alle anderen Leser gehen, die den Blog aufsuchen um ein multiples System zu verstehen. Denen bin ich schuldig, diesen Artikel vollständig zu machen, damit überhaupt verstanden werden kann, warum ich mit ihm angefangen habe.
Ich will aufzeigen, dass trotz aller Mühe um „Genesung“, um die Entwirrung der eigenen Gefühlswelt, ein untherapiertes System sich nicht selbst helfen kann.
Warum? Was geht ab in mir?
Seit 10 Jahren bin ich in Therapie, aber habe noch nie eine echte Traumatherapie gemacht. Andauernd wird mir gesagt, dass ich mein Verhalten und mein Fühlen nicht beeinflussen kann, weil die Traumatas noch nicht aufgelöst sind. Ich selbst will das nicht wahrhaben, will mich steuern können, will Einfluss auf mein Leben haben können. Will die ganzen Abstürze nicht mehr haben, will nicht mehr im Gefühlschaos ersaufen.
Was ist heute in mir?
Kämpfe an gegen das falsche alte „Verlassen werden“, mache mir immer wieder die gegenwärtige Wahrheit bewusst …. sinnlos, es tut weh und hört nicht auf.
Und dies ist der Grund, warum ich so böse auf mich selbst sein möchte. Glaubte ich so viel gelernt und verstanden zu haben, scheint jeglicher Verstand nie existiert zu haben.
Lande immer wieder am Ausgangspunkt – der kindlichen Wahrnehmung, des irrealen Fühlens, und bekomme Wut auf diese Hilflosigkeit. Ich bin kein Kind mehr! Basta!
Mein Verstand ist voll da, mein Fühlen reagiert aber nicht auf mein mühsam erarbeitetes Wissen.
Das bringt tiefe Verzweiflung, Hass auf mich selbst. Wehe, es wagt mir jetzt jemand zu widersprechen, denn in diesem Fall ist diese Wut berechtigt, sie wird von der erwachsenen Mari gefühlt, die es eigentlich besser wissen müsste.
Nach vielen Wochen großen Glücks in mir, ist der Absturz umso schmerzlicher. Ich habe das alles so was von satt.

Körperflash

16. Februar 2013

Klinik: erlebter Körperflash:

Wache auf, geweckt von einem hilfeschreienden Kindergebrüll (erfahre später, dass da kein Gebrüll auf Station war), fühle mich gerädert, kann nicht wieder einschlafen und so entscheide ich mich, rauchen zu gehen.
Schon der Gang dorthin wird immer zittriger, mein Hals wird eng.
Minuten später bitte ich die Krankenschwester um Hilfe. Habe Angst zu ersticken, jemand drückt mir die Kehle zu, es schmerzt unsagbar, Luft holen strengt an und es kommt immer weniger Luft rein.
Panik setzt ein, weil der Körper mir entgleiten will. Die Schwester redet ununterbrochen, gibt mir dann einen Duftstoff, spricht von Atemerleichterungen, zeigt mir Körperhaltungen.
In ihrem Reden wird mir bewusst, dass da kein wirklicher Schmerz sein kann, sehe mich bewusst im Zimmer um, erinnere mich an den Frontallappen im Gehirn, der angeregt werden soll, lese Buchtitel, die da rumstehen, konzentriere mich auf die Worte der Schwester und nach und nach strömt wieder mehr Luft durch meinen Hals.
Gleichzeitig steigt ein Entsetzen in mir auf, das Pressen auf meinen Kehlkopf war real, nur nicht im Jetzt.
Ich zittere am ganzen Leib, schaffe es aber, gegen die aufgestiegenen Ängste anzugehen. Langsam werde ich ruhiger.
Die Schwester erzählt was von Körperflashs und ich erinnere mich an Schmerzen, die ich oft morgens beim Aufwachen hatte, an Körperstellen, die unmöglich in Schlafbewegungen an die Bettumrandung gelangt wären.
Erinnere mich auch, dass ich da schon oft an die Schläge in der Kindheit gedacht hatte.
Kann nicht wieder fest einschlafen. Der Morgen dann ist kein so guter.

Trigger und Flash

1. Februar 2013

Fundstück

Die Zerstörung des sozialen Misstrauens ist umfassend gegen die Umwelt gerichtet.

Traumatisierte Menschen entwickeln besonders feine Antennen für unbewusste und nonverbale Kommunikation,
sie haben keine “normalen” Beziehungen und schwanken zwischen intensiver Zuneigung und verängstigtem Rückzug.

Mitmenschen werden bestimmte Rollen zugewiesen und ihr Verhalten beobachtet.

“Da kaum jemand die ständigen, strengen Prüfungen des Vertrauens bestehen kann, zieht sich das Opfer im Lauf der Zeit mehr und mehr aus allen Beziehungen zurück.”

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Beschreibung der uns allzeit bekannten Flashbacks!

Für Laien unvorstellbar! Strandkrabbe hat bessere Worte dafür, als ich es je formulieren könnte! Also drucke ich ihren Text ab!

Strandkrabbe schreibt auf ihrem Blog:   „gefühlte Erinnerungen“    Posted: 22. April 2013

Ein Blick. Eine Bewegung. Ein Zucken im Gesicht. Ein bestimmter Geruch. Ein Wort. Ein Tonfall. Ein Gedanke. Ein Geschmack. Eine Körperempfindung. Ein ganz alltäglicher Moment……………………
Plötzlich geht der Alarm im Innern los. Es gibt eine leichte Erschütterung. Nur ein Vorbeben. Alle rennen, wollen sich in Sicherheit bringen bevor alles erschüttert und zerstört wird. Der Anteil der gerade im Außen ist, erstarrt vor Angst. Was wird gleich geschehen? Wie ein wildes Tier in Gefangenschaft peitscht im Innern die Angst. Füße wollen laufen so schnell sie können. Hände wollen vor noch mehr Worten, Tönen, Erschrecken schützen. Nichts kann es stoppen. Panisches Aufspringen, loslaufen wollen. Vor der Tür stoppen. Beine wollen laufen, doch sind sie wie gelähmt. Auf den Ohren nur noch ein lautes Rauschen. Der Kopf dröhnt. Und dann zerfällt alles in dichten Nebel.
Die Barriere ist durchbrochen. Schutzlos, haltlos, mutterseelenallein ist sie da. Die kleine, zarte, zerbrechliche Kinderseele. Sie ist ganz ruhig. Hat sich klein gemacht. In eine schützende Ecke gedrückt. In der Hoffnung zu überleben. Vielleicht würde man sie nicht sehen. Vielleicht würde man nicht bemerken, dass sie noch da ist. Sie ist ganz ruhig geworden. Sie hört ein Rauschen als wäre sie direkt am Meer. Oh wie schön es wäre, sie könnte die Hände ausstrecken und die Freiheit des Meeres fühlen. Sie ist allein. Oder doch nicht. Plötzlich ein Geräusch. Ein Klacken. Sie kommen. Sie werden sie sehen. Sie werden sie mitschleifen. Sie hat keine Chance. In ihrer Phantasie taucht sie ein ins Meer. Bis sie nichts mehr fühlt.
Watte im Kopf. Eine weiße Wand. Kein Boden zu fühlen. Schweben im luftleeren Raum. Und dann plötzlich etwas kaltes am Arm. Augen füllen sich mit Tränen. Suchend wird nach dem Kalten getastet. Wir sind im luftleeren Raum zwischen hier und da. Das Kalte, es ist der Schlüssel, der Reiz, der mich rausbringen kann. Wenigstens raus aus diesem Schweben. Doch was erwartet mich da, wenn ich hier raus bin? Tränen über Tränen brechen herein. Abgrundtiefe Traurigkeit, panische Angst. Noch immer sollte ich nur Laufen, weg von hier. Doch die Energie hat sich in Nichts aufgelöst. Die Beine sind schwer wie Blei.
Ich bleibe in einem Chaos aus Gefühlen von Gestern und Heute. Unsortiert. Nicht zu unterscheiden. Nicht wissend, was ist real und was Erinnerung. Keine Bilder denen die Gefühle zuzuordnen sind. Nur Angst, panische Angst. Und der Körper erscheint nur noch als Hülle. Im Kopf tanzen Gedanken wirr durcheinander, bilden sich nur noch Worte ohne Zusammenhang.
Eine Bombe ist explodiert. Es gab einen gewaltigen Knall, ein schweres Beben. Zurück bleibt ein unsortierbares Gefühlschaos.

Was ist geschehen? Wir haben einen Fehler gemacht. Wir haben um Hilfe gerufen und die Helfer hilf-und ratlos gemacht. Wir wollten gerettet werden und haben doch um Verständnis und Loslassen gebettelt. Wir haben Not, Schmerz und Angst bei denen ausgelöst, die uns am wichtigsten sind. Und Fehler werden doch immer bestraft. Oder nicht? Und anderen Schmerz zufügen, das dürfen wir doch nicht. Das ist doch verboten.
Wie konnten wir es nur wagen, unsere Not so sehr zu zeigen. Was ist nur geschehen, dass wir geglaubt haben, es wäre heute richtig, nach einer helfenden Hand zu suchen, als alles stockdunkel um uns wurde. Jetzt wird es wieder dunkel…………………………
Wir hätten doch vielleicht nie mehr Nähe zulassen dürfen. Niemandem mehr vertrauen dürfen. Nicht mehr um Hilfe bitten sollen. Jetzt tut es nur noch entsetzlich weh.

Hallo Ihr,
es ist so ein schlimmes Gefühl, so sehr in sich selbst zu versinken und gefangen zu sein in der Angst. Da haben wir großes Mitgefühl und Verständnis.
Und wir kennen auch das Erschrecken, wenn man merkt und sieht, dass Helfer überfordert sind, oder sich hilflos fühlen. Vor allem dann, wenn man zuvor viel von ihnen Angebotenes “genommen” hat, weil man es brauchte. Wenn die Helfer sich danach belastet zeigen, ist das für unsereins ein schweres, ängstliches Gefühl. Für uns ist wichtig, innerlich etwas auseinander zu halten: WIR zeigen uns mit unserer Not und eigenen Hilflosigkeit gegenüber bestimmten Zuständen oder Gefühlen. Die gefühlte oder gezeigte Hilflosigkeit der Helfer ist DEREN Erleben, kommt aus DEREN “Ich” und hat nur bedingt etwas mit uns zu tun! Wir machen die Helfer nicht hilflos! Wir lösen mit unserem Sein vielleicht etwas bei ihnen aus- aber die Verantwortung für den Umgang damit tragen sie selbst. Wenn sie in ihrer Hilf-und Ratlosigkeit feststecken, müssen sie selbst schauen, wie sie damit weiterarbeiten können- und nicht wir müssen uns darum kümmern, dass sie sich nicht mehr so fühlen. Versteht Ihr?
Dass Ihr Euch auf jemanden eingelassen habt und die ausgestreckte, helfende Hand ergriffen habt, war mutig und stark. Dass Ihr einem anderen Menschen begegnet und ihn in Euer Herz lasst zeigt, dass Ihr Euch Berührung und Begegnung auch wünscht. Daran ist nichts falsch!

nahe menschliche kontakte sind am meisten gebraucht und am meisten gefürchtet…. sie können so heilsam sein und sie können so sehr weh tun… ein mensch kann so gut tun und auch so verletzen… eine grenze kann sicherheit geben und ausschließen oder abweisen…
alles gehört wohl dazu, wenn man sich auf das leben und auf menschen einlässt.

Liebe Grüße, die paulines

Hallo Ihr,
Eure Worte sind so absolut wahr und wertvoll. Es war so wichtig, zu lesen, dass WIR nicht die Hilflosigkeit bei den Helfern machen, und dass WIR auch nicht für sie sorgen müssen. Wisst Ihr, uns passiert das schnell, dass wir denken, dass wir was falsch gemacht haben und jetzt alles zerstört ist. Es sind alte Geschichten in die wir da reinrutschen. Und dann kriegen wir das Heute und das Gestern nicht voneinander getrennt. Es war gaaaanz schwer und anstrengend, aber wir haben heute vieles verstanden und ganz langsam weicht die Angst wieder zurück und macht dem Vertrauen Platz. Nur am inneren Zittern ist noch zu erkennen, dass es noch nicht wieder richtig gut ist. Liebe Grüße von uns

Mariechen erzählt ! 2005 Und die große Wucht !

2. Januar 2013

Fett gedrucktes ist das Erleben von Marie (2-3 Jahre  höchstens)

Ich möchte allen Lesern sagen, dass ich nie in meinem Leben eine Hypnose gemacht habe.
Traumatherapie benutzt diesen Mist gar nicht.

2005

Meine Traumatherapeutin sitzt an meinem Kopfende, ich liege auf dem Sofa. Sie bittet mich, in Gedanken an einen wundervollen Ort zu gehen und diesen dabei ihr zu beschreiben. Ich schließe die Augen, laufe in Gedanken über eine Wiese.  Je weiter die Therapeutin fragt, was ich dort alles so sehe, um so mehr kann ich alle umgebenden Geräusche aus der Praxis und von der Straße ausblenden.
Irgendwann in unserer Unterhaltung lande ich in irgendeiner versenkten Erinnerung und berichte natürlich darüber.

Aufzeichnung für meine Psychologin nach der Sitzung am 5.April 2005

In der Therapiesitzung von mir erinnert:

Ich sehe unsere erste Wohnung in der Fröbelstraße. Dort lebte ich bis zur 1. Klasse.

– der Flur ist zu klein für zwei Personen – rechts ein Minibad – geradezu das Wohnzimmer (auch klein) –
gerade da hindurch geht auf der rechten Seite das Kinderzimmer ab – auf der linken Seite das Schlafzimmer
– in der Kinderzimmertür stehend, sehe ich auf die sogenannte Kochnische (klein wie eine Speisekammer)
– so muss der Kühlschrank mit im Wohnzimmer stehen.

Das Schlafzimmer: braune, groß gemusterte, hässliche Tapete, rechts ein Wäscheschrank, geradezu das Fenster, links die  Ehebetten. Die Deckenlampe- 5 oder 6 flammig –Milchglas.

Scheiße, Tränen, zu viele Fehler, kann kaum tippen. Zurück zur Therapie, welches Bild da in mir hoch kam:

Sitze auf dem Bett in diesem Schlafzimmer, ans Kopfende gedrückt, mit angewinkelten Beinen, die ich umklammere. Bin noch so tappsig – merke –bin2 bis 3 Jahre alt höchstens.
Tausend verschiedene Gefühle:
Angst steigt auf – ob ich will oder nicht, ich muss warten – ein Weglaufen gibt’s nicht – warum ist Mutti nicht da? – Einsamkeit immer mehr – gleich wird’s wie immer – mir wird schlecht – Aussichtslosigkeit – machtlos – der Blick auf die Tür (noch bin ich allein) – ich will das nicht – bin wie schwerelos –verstecken – Übelkeit immer mehr – muss die Beine fester anpressen, dann kommt keiner ran – Mutti, wo bist du?
Starre wie gebannt auf die Tür – da wird das große Schwarze durchkommen.
Schwarz: das Schlimmste auf der Welt, die Wucht, das Unbeschreibliche, das jeden auffrisst.
Man kann’s nicht sagen, sonst wird der Zuhörer auch gefressen. Kann keiner aushalten. 

Breche bei der Nachfrage zur WUCHT das Therapiegespräch ab, habe Angst! Ein Junge verhindert weiters Erinnern, tut so weh..bin kurz vor einer Ohnmacht.

22. Mai 2005

Irgendwie habe ich keine Lust, über die letzte Sitzung am 5.Mai Notizen zu machen. Soll ich aber. Buh, in mir sperrt sich was. Da steckt Angst drin, weiß ich.
Wenn ich vergangene Woche versucht habe, mir die ganze Sitzung in Erinnerung zu bringen, dann funktionierte das nicht. Ich versuch’s einfach jetzt, soweit wie es geht.
Es ging auch um den Strudel, den ich immer wieder zeichnete. Er ist für mich ein altbekanntes Gefühl, wenn ich nicht mehr die Kontrolle über mich habe.

Im Schmerz passiert folgende Reihenfolge:
Im Brustraum steigt ein enormer Druck, steigt und steigt, nimmt mir fast die Luft. Ich empfinde den schwarzen Strudel, der nach mir greift und immer stärker mich in das Schwarze zieht – nach Innen – in mir- ein schwarzes Loch – der Druck steigt im Brustkorb – mein Körper fängt an zu zittern – scheine fast zu platzen. Dann – die Zeitdauer ist verschieden – fängt mein Körper sich an aufzulösen.
Was nun passiert, habe ich begriffen als Technik, die ich entwickelt habe und nicht beeinflussen kann.
Ich sehe jetzt einen Strudel, der mir hilft. Ich tauche in den Strudel ab, der mich entführt und beschützt.

In Gedichten erwähnte ich ihn unbewusst als „Kreise, die sich öffnen und mich rein lassen“, „bodenlos“ dann bin ich an einem Ort, den ich in Gedichten beschreibe: „Vergraben“, „Einfrieren“, „Raum voll Stille“, „im Grab“, „die Tiefe“, „bedeckt, meterhoch“ usw.

In diesen Momenten angekommen, beginnt das eigentliche Problem meines Alltags.
Diese Tiefe bedeutet, dass ich mich in meiner Wohnung verstecke, jeglichen menschlichen Kontakt meide – und das über Tage und manchmal Wochen. Weiß, dass dieser Rückzug nichts mit meinem Heute zu tun hat. Weiß, dass es der Schutzmechanismus aus der Kindheit war. War innerlich wie abgestorben und nichts konnte an mein Fühlen ran- war einfach unverwundbar- weil ich tot war. Dies geschieht heute noch, obwohl es real keinen Anlass gibt.
Aber ich kann diese Gefühle nicht steuern und beeinflussen. Sicher habe ich gelernt, mich abzulenken. Ich beschäftige mich mit Dingen, aber das Gefühl ist da, nur nicht so akut, dass ich mir den Tod als Erlösung wünsche.
Kaum liegt die Beschäftigung, steigt der Druck in der Brust an und Angst geht wieder los.

Hab mich gefragt, warum ich ein Gedicht von 1983 beginne mit: „Dein Gewicht lähmt mich, dein Flüstern zwängt mich ein…“
Finde heute, dass genau diese Worte das Gefühl des Zerplatzens beschreiben.

Nun zum Thema „WUCHT“.
Das ist mein Ausdruck für den extremen inneren Druck, den ich bildlich immer empfinde. Es ist riesengroß, schwarz, kommt in einer Bewegung auf mich zu, obwohl es im Inneren passiert. Dieses Schwarze ist für mich so extrem bedrohlich, dass ich unbewusst weiß, dass die Wahrheit dahinter nicht auszuhalten ist.
Es ist die Wucht für mich, nicht zu bremsen, weil ich mich dem so hilflos ausgeliefert fühle.
Und ich weiß, dass dahinter steckt, dass ich mich nicht wehren konnte.
Auf dem Sofa liegend wurde ich also am 5. Mai von meiner Psychologin befragt, was hinter dieser schwarzen Wucht ist.

Im selben Moment war da …
in mir ein Durcheinander – die Kinderschar war wieder da – und sofort kam vom 17 jährigen Jungen  „Halt’s  Maul!“ in einem so bestimmenden Ton, dass sofort Ruhe war.
Die Kinderschar versteckte sich hinter ihm, und er stand da – frech, triumphierend und diesmal mit einem „Halt’s Maul!“ zu mir.

Erst war ich erschrocken, dass dieses Chaos in mir wieder da war.
Dann war ich erleichtert, weil ich spürte, dass der Junge auf die Kleinen aufpasst.
Also, alles in Ordnung. Ich fügte mich seinen Worten und wollte nichts mehr über die Wucht sagen.
Was heißt wollte?  Es war alles weg …kein Empfinden mehr da….innen wie tot!
Gut so….ich fühlte mich wieder sicher.

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Stabilisierung des eigenen Selbst

1. Januar 2013

27.Juli 2012

Lange konnte ich mich nicht ans Tagebuch setzen. Zu viel Angst vor Erinnerungen.  Besser den Alltag irgendwie hinbekommen.

In der Therapie war der Ansatz:

Die Arbeit an den einzelnen Gefühlen, weil jedes Gefühl ein Teil von mir wäre.
Mir ist es enorm schwer gefallen, nicht mehr mit meinen wirklichen Anteilen zu agieren und zu arbeiten.

Hatte immer Probleme und kam nicht vorwärts.
Bis ich begriff: Fast ein Jahr lang hatte ich  meine Kinder eingesperrt, denn so, wie sie waren, passten sie ja nicht in die Therapiearbeit rein.

Das war unlösbar für mich, denn keines meiner Kleinen besteht aus nur einem Gefühl.

Trotz aller Bemühen von mir, ging nichts voran, bis zu dem Tag wo ich mich entschloss, meine Kleinen wieder ins Leben zu lassen.
Schließlich sind sie meine Gefühle und mein Leben.
Habe also der Therapeutin gesagt, dass mein Weg ein anderer sein muss, als der, die Kleinen wegzusperren.
Sie war sofort einverstanden, weil meine Argumente selbst ihr einleuchteten. Und sie betonte, dass ich aktiver meine Meinung zum Therapieverlauf äußern sollte. Das wäre sehr wichtig. So war ich froh, den Mut zur Offenheit gehabt zu haben.

Am Ende der Therapiestunde habe ich (ein von ihr noch nicht studiertes) Fachbuch bekommen:

„Das sogenannte innere Kind“

von Dr. Willy Herbold und Prof.Dr. Ulrich Sachsse

Der Beitrag darin von Ralf Bolle kam bei mir nicht gut weg.

Ich äußerte meiner Therapeutin gegenüber, dass diesen verwirrenden Text wirklich nur ein Therapeut begreift, wenn er sich seit Jahrzehnten mit diesem Thema schon beschäftigt hat. Wer also als Anfänger mit diesem Text konfrontiert wird, der wird ziemlich schnell das Handtuch werfen.  So viele Fachbegriffe in nur einem halben Satz, dazu die eingeforderten Vorkenntnisse . . .oh nein, das kann man keinem ungeübten Therapeuten zum Lernen geben.

Dagegen war ich von dem Artikel Vier Unterrichtseinheiten für Erwachsene mit Inneren Problemkindern

von Ulrich Sachsse beeindruckt.

So, wie der Therapeut seine Behandlungen ganz konkret schildert, fühlte ich mich beim Lesen sehr angenommen und glaube an gute Ergebnisse solch einer Herangehensweise.

Der beste Artikel in diesem Buch ist allerdings der von

Willy Herbold,

der über bewusst herbeigeführte Regressionen zur Beruhigung und Stabilisierung des eigenen Selbst spricht.
Die versuchte theoretische Erläuterung dafür ist schon sehr gut nachvollziehbar.
Und da steh ich mit meinen mittlerweile 10 Jahren Therapieerfahrungen, 10 Jahren Beschäftigung mit Fachliteratur, und bin erstaunt über die Logik, die sich mir sofort erschließt.
Willy Herbold hat recht:

Ob Säugling, Kleinkind oder älter, ich muss eine Technik gehabt haben, mich selbst zu beruhigen um überleben zu können.
Wenn in der Umwelt des Kindes nicht ein einziger Mensch war, bei dem das Kind positive Entwicklungsreize vermittelt bekam, dann muss es sich ja selbst durch Objekte eigener Wahl eine Subjektbefriedigung gesucht haben.
Was heißen soll: Durch irgendein Objekt in seiner Umgebung, und sei es der Lutschdaumen, hat es über die eigene subjektive Erfahrung das innere Selbst beruhigen können.

In der meisten Fachliteratur findet man nämlich den Gedanken, dass ohne Beruhigung vom Säuglingsalter an, also immer in subjektiver Todesangst, ein Kind nicht überleben würde.

Genau diesen Ansatz verwendet Willy Herbold. Er zeigt dann in seinen mit geschnittenen Therapiestunden auf, wie er die erwachsenen Probanden auf den Weg zur eigenen inneren Stabilisierung bringt.

Und all das hat bei mir einen Erinnerungsklick ausgelöst.
Was er mit den Patienten mühsam in den Therapiestunden erarbeitet, das wende ich schon seit Jahrzehnten automatisch bei mir an.
Ein Beispiel: In Buchläden stecke ich mindestens einmal meine Nase ganz tief zwischen die Buchseiten. Wenn dann ein ganz bestimmter Farbgeruch da ist, den ich aus meiner Kindheit kenne, dann durchflutet mich ein Wonnegefühl ungeahnten Ausmaßes. Ich strahle und kann nicht genug von dem Geruch kriegen. Schon deshalb bin ich seit 20 Jahren auf der Suche nach all meinen Lieblingsbüchern aus der Kindheit. Es wird sofort gekauft und dann, irgendwann zuhause setzte ich mich hin und lese es. Selbst wenn es nur ein Bilderbuch ist. Aber ich gestalte es als Ritual und genieße dieses aufsteigende Gefühl der Ruhe und Sicherheit.

Die Fachsprache würde das ganze Skill nennen.
Vor meinen Bekannten benutze ich selbstverständlich oft die Ausrede, dass ich schon für meinen noch nicht vorhandenen Enkel kaufe, manchmal aber bin ich auch ehrlich und sage, dass es für mich ist.

Wenn ich nun hinter diese Selbstberuhigung sehe, dann erinnere ich mich, dass ich als Kind durch Bücher in meine eigene Welt geflüchtet bin. Konnte ausblenden was um mich herum war, die Ängste mal sein lassen und einfach atmen.

Ich könnte jetzt ohne Unterlass einen Skill dieser Art nach dem anderen aufzählen;  gut, dass ich diese habe.

Noch etwas zu meinen Therapieerfahrungen.

Es ist angenehm zu bemerken, dass die Fachwelt mehr und mehr die Arbeit mit dem Inneren Kind zur Akzeptanz bringt.

Aber mir persönlich ist klar geworden, dass man mir als Erwachsenen schlecht sagen kann: Dann setzen sie sich doch mal mit ihrem inneren Kind hin und malen. Ist zwar richtig, ich fühle die Akzeptanz meiner inneren Abspaltungen, aber gleichzeitig fühle ich mich nicht ernst genommen.
Klingt jetzt widersprüchlich, das weiß ich, aber es nützt ja nichts, wenn dadurch sich in mir eine innere Abwehr aufbaut.
Skills werden stets so resolut dargestellt als Hilfe, nicht in alte Gefühle der Vergangenheit zu rutschen, bzw. sich da schnell wieder rauszuholen.

Dass Skills aber dazu dienen können, sich mal einen ausgewählten Moment richtig wohl zu fühlen, scheißegal mit welchem gefühlten Alter, dass wurde mir in den vielen Jahren nicht nahe gebracht.
Ich glaube gerade deshalb fasziniert mich der Fachartikel von Willy Herbold so.

Er sagt also nicht, beruhigen sie ihr inneres Kind, sondern er sagt:

„Erinnern sie sich, was ihnen früher gut getan hat und probieren sie es heute aus.“

Wenn man also beide Dinge den Patienten klarer in den Zusammenhang bringt, ihnen das erläutert, dann glaube ich, dass es der beste Weg wäre.

Wie ich auf diese Aussage komme?

Nun, ich denke, dass Menschen mit schweren Persönlichkeitsstörungen nur deshalb noch leben, weil sie ihr Leben lang ihre eigenen „Therapeuten“ waren.
Das meiste von dem läuft unbewusst ab.

Aber wenn ein guter Therapeut diese Tricks zu Überleben genau hinterfragt, sie dann kennt, dann wäre dies eine Lebenshilfe, Nützliches wieder zu aktivieren und ins Bewusstsein zu holen, und Schädigendes auf medizinischer, psychiatrischer und neurologischer Basis zu erklären und mit dem Patienten abzubauen.

Nett bedeutet Gefahr

1. Januar 2013

13.August 2011

Nach knapp zwei Wochen habe ich mich nun etwas beruhigt, konnte mich abfinden mit dem Erlebten im Heute und im Damals, das mir in einer Therapiestunde bewusst wurde.
Ich wollte nur davon berichten, dass ich leider wieder an dem Punkt bin, wo ich bei jedem Aufwachen denke: Scheiße, noch ein Tag!
Die Stunde verlief dann aber so, dass ich dissoziierte, zitterte, heulte, die Therapeutin anschrie, sie solle nicht nett zu mir sein, sondern mir lieber in den Arsch treten.
Mein ganzer Körper krampfte, es brüllte in mir, ich bekam Panik.
Ich war 8 Jahre alt und fühlte, dass ein Freundlich sein eines Erwachsenen ganz schlimme Folgen für mich hat. Die Angst in mir war gewaltig.
Die Therapeutin hat mich einigermaßen wieder in die Realität geholt, aber der Nachhall und die Erkenntnis setzten mir noch tagelang zu. In mir steckten Schmerz und die Frage, was in einem 8 jährigen Kind vorgeht, dass es freundliche Erwachsene als Gefahr für sich sieht. Habe aber geschafft, meinen Alltag wieder hinzukriegen.

 

 


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