E : eigene Gedichte-Schmerz

Urheberrechtlich geschützt (meine Texte)


Ich bin das Nichts
das nichts
keiner braucht es
das nichts
niemand sieht es
das nichts
ist tief und schwarz
ist hohl und stumm
das nichts
ist nichts im nichts
das nichts
bin ich

3.4.17

Ein Klumpen Masse

In alle Richtungen
reißt der Körper
Fetzen für Fetzen
von sich ab

Wie alte Mäntel
liegen sie verstreut
vom Hautbrand
abgeworfen
auf dem Track
ins Ungewisse

Müdgeschleppte Füße
wundblutende Knie
leergefegte Augen
trockenrissene Münder
Schreie lautlos
in die Weite

Wir sind viele
in einem Klumpen Masse
wächst die Entfernung
zur Heimkehr

.

Fragment

Schmerz
reißt in mir
alles voneinander
Nichts bleibt
was zusammen gehört
Auf meinen Pfaden
findest du nur
Bruchstücke
Am Ende
ein Fragment
mit dem
Abgrund
in den Augen

.
Kinder

kleine kinder
große kinder
macht euch raus
ihr Alten
aus dem haus
das wir verwalten
kleine welt
heile welt
wenn kein Großer
dazugezählt
.

Valerie

Aus meinen Augen
kam dein Schmerz
Aus meinen Worten
sogst du Hoffnung
In meinem Herzen
fandst du Nähe

Zu tief
Zu nah
Zu schmerzvoll
Hast meine Angst
zu deiner gemacht
und das Seil
gekappt
zwischen uns
das Ende
.

Schatten der Nacht

Vor jedem Morgen
liegt die Nacht
unbarmherziger Augen

Schatten
kehren zurück
um ihre Schritte
einzusammeln
auf eingebrannter Haut

Auf frischem Schorf
zerfällt der Atem
in Stücke
aus Stein
Die trage ich
durch den Tag
.

Progressive Navigation

Kein erklärtes Dasein
Kein gefühltes Willkommensein
Keine Hand bei den
ersten Schritten
Kein Lehrmeister auf Wegen
Ein halbes Jahrhundert
mit selbst programmierter
Navigation
die immer wieder
abstürzt
Ich lande auf
Irrwegen
im Nichts
.

Stille

Stille – ist hörbar
Stille – lärmt, tobt, schreit, weint
Stille – Implosion der Ohnmacht
Stille – die Innenwändigkeit zerbricht
in tausend Einzelteile
.

Das Herz am lebendigen Leib herausreißen

Eine Zeile von einem Krimi?
Eine Metapher?
Nein.

Entweder tu ich es selbst,
oder es wird getan.

Eine Zeile aus einem Lied.
Das Lied des Lebens.
Dauerbrenner.

Viertelnoten
in offene Wunden
gestanzt.

.

Warten

immer nur das warten
Trauma gleich
lösen sich die Sinne auf
im Vakuum kein Atemzug

nur warten
warten
warten

ein letzter Versuch
warten
warten

hinter Glas und Stein
in zerborstenem Sein
warten

.

Explosiv

Hab Hölzer verteilt
für die Zündschnur
Lichterloh
brennt nun
Restzeit ab

Opfergabe

Barfuß gehe ich
auf dem Feld
der nicht gelebten Träume
Barfuß
damit etwas bleibt
an Fühlen
Barfuß gehe ich
den Abhang hinauf
durch das Geröll
beide Hände
um mein noch pochendes
blutiges Herz gelegt
Barfuß gehe ich
zum Gipfel und werfe es
dem Sonnenaufgang entgegen
Barfuß gehe ich wieder hinab
– auf meinen Füßen.

.

Hot Spot

Genau über dem Schlot
liegt mein offener Brustraum
Die nächste Eruption
übernimmt den Puls

.

Nichts von mir

Keine Tinte
Kein Buchstabe
Kein Papier
Nichts für dich
Was im Herz ist
soll dort bleiben
wortlos
und
für immer

.

Brüche

haben immer zwei Linien
Entfernungen wachsen
Gleiches aber bleibt
auch
wenn es nie mehr
zueinander findet

.

Weggang

Als du
gegangen bist
erloschen
alle Feuer
legte sich
der Wind
das Meer
hörte auf
zu wechseln
Sterne
starben
der Mond
suchte sich
eine andere Bahn

Als du
gegangen bist
war nichts
wie vorher
mir ist
kalt

.

Das Kind

Das Kind zählt nicht mehr
das Kind hofft nicht mehr
das Kind ist tot
Ihm wurde das Zählen
genommen
ihm wurde die Hoffnung
genommen
In seinem ersten Versuch
zu wachsen
wurde das Außen
zu Verhängnis
Nahrungsentzug
Bedürfnisverweigerung
Das Kind ohne
Mutter
kann nicht
überleben

.

Dem Kind in der Ferne

Dem Kind in der Ferne
ist bange es schreit
zählt nächtlich die Sterne
auf eine Kette gereiht
und Tage die Hundert
die solln vergehn
bis es die Mutter
kann wiedersehen

.

Mit Stille im Blick

Mit Stille im Blick
kann ich
die Fata Morgana
im Spiegel der
Seelenwesen
erkennen
bin nicht erstaunt
im Rückfluss
der Gegenwart
liegt der Schlüssel
des Seins

.

Die einzige Liebe

die mich noch nie
verlassen hat
immer bei mir
bleibt
verlässlich treu
ganz nah
und weich
der Tod

.

Es liegt an mir

wenn ich
ein DU
definiere
mit einem UNS
hantiere
dabei
mein ICH
verliere
Es liegt an mir
wenn ich zulasse
nur durch
deine Augen
zu sehen
Es liegt nur
an mir

.

Die Pusteblume

nackt ist sie
hat im Herbstwind
ihre Flügel verloren
die nun tänzelnd
im Weltenlabyrinth
Träume verteilen

sie selbst setzt
auf den nächsten Sommer
der ihr hoffentlich
wenigstens
einen Flügel lässt

.

Am Horizont

Am Horizont stürzt das Meer
hinunter in den Himmel
Blau fällt ins Blau
Von der Scheibe Leben
tropft wellige Unrast
Mein Boot hat
Kurs aufgenommen

.
Gelesen

du hast
auf meinem Grund geschürft
alle Tiefen gesehen
hast das Strahlen erkannt
bist der Weichheit begegnet
hast gelesen in mir
meinem offenen Buch
nun trägt der Wind
alles mit sich
Seiten verwirbeln
Buchstaben tränen
im Regen
Tinte verwischt
Papier wird zu Staub

.

Letzter Tanz

möchte tanzen
schwarzer Mann
mach komplett
wovon du
täglich stiehlst
nur noch Leib da
der sich wiegt
im Takt
der Angst
komm
tanz mit mir
den letzten Tanz

.

die nächte

sind schwarz
dass man
nicht sieht
was aus
dem auge fällt
und mit
eitriger spur
löcher
brennt

.

5.Dimension

Bei der Suche
nach versteckter Zeit
hab ich meine
Umrisse verloren
Ich quelle aus
in alle Richtungen
Ein Gegenüber
gibt es nicht wirklich
schattengleich
fasse ich ins Leere
finde keinen Halt

.

Das Glaskind

Von der Mutter
mit Gewalt
Glas
ins Innere gerammt
So war das Kind
durchschaubar
Bewegungslos erstarrt
in wirrer Angst
war der Verrat
gebannt
Dem Kind
blieben die Scherben
Jeden Tag jedes Jahr
bohren sie sich
durch die Haut
Glas zerschneidet
den Körper
von Innen nach Außen
heute noch

.

Bitte Mutter

Bitte höre
dass ich nichts sage
zum Schweigen verdammt
unter schlagender Hand

Bitte höre
dass ich nichts sage
mich nirgends beklage
mit flehendem Blick

Bitte höre
dass ich nichts sage
ich dein Versagen
mit mir trage

Bitte höre
dass ich nichts sage
und
lass mich
am Leben

.

In mir

In mir ist keine Welt
da lärmt nur Stille
Unter der Netzhaut
brennt die Nacht
und zerteilt
die Mitte
Ich laufe auf
Splittern
den Mund
zusammengepresst

.

Kleine Beine

die aus Angst
laufen lernen,
haben später nie
festen Boden
unter den Füßen.

.

Worte auf Papier

sind mein Versuch
mit dem Schmerz
zu sprechen
den niemand
in der Stille
hören kann
Unentwegte Schreie
aus meiner fünften
Dimension
machen ruhelos
Die Lippen bleiben
aufeinander gepresst
Worte auf Papier
sind mein
einziger Versuch

.

Angst

Angst hat kein Gesicht
kommt unangemeldet
ist unerwünscht und brennt

Angst wälzt sich tonnenschwer
durch jeden Muskel
kriecht bis ins Hirn

Angst frisst auf
macht hohl und stumm
nimmt jeden Blick

Angst wird alltäglich
und unbezwingbar

So wird die Angst
zur Angst
vor der Angst

.

Nur das

Zeit
gibt es nicht
hinter Glas
Ich stehe am Fenster
Das Ticken der Uhr
bemüht sich
umsonst
Zeit
gehört zu den
Jahreszeiten
nicht zu mir
Werde weiter
so dastehen
und warten

Mein Leben hat
nicht Anfang
nicht Ende
nur
das Warten

.

Längst

bin ich gegangen
Ein leises Davonstehlen
brauchte es nicht
Keiner bemerkte es
So wie ich mich selbst
nie bemerkte

.

Nicht frei 

Die einzige Angst
die mich dich
immer wieder verletzen lässt,
ist die,
im WIR
nicht frei zu sein.

.

Nur noch Stille

Meine Augen sind verschorft
Alles Wasser sammelt sich
in der Bauchhöhle
Bevor die Wellenkämme
meine Mauern brechen
ramme ich mir
einen Pfahl in den Leib
Mit Überdruck ergießt sich
Höllenqual
Nur auf Umwegen
findet der Atem
den Weg in meine Lungen
Noch
ist Puls da und Stille
Nur noch
Stille

.

Mutter 

Der Schnitt
durch die Nabelschnur
war schon die
zweite Trennung
von mir,
die du dir
gewünscht hast
lange vor
meiner Zeit.

.

Mutter 1

Hast mich
auf diese Welt gekickt
und sofort
dumm
dastehen lassen

Noch heute
entscheide ich
jeden Tag
falsch
gegen mich
Ein Grund mehr
dich zu hassen

.

Heute noch

Wehe du sprichst aus Misshandlungen
Wehe du sprichst aus
Wehe du sprichst
Wehe du
Wehe

.

Zu nah

Gelächter
Gläserklirren
Gesprächsfetzen

Überflutet
löse ich mich auf
Gerate unter den
Boden
Hinter Schleiern
die Angst
vor Nähe

.

Die hungrige Tochter

bleibt an deinem
Wegrand zurück
mit ausgestreckten Armen
zerweinten Augen
herausgerissener Seele

Du hörst ihre Schreie nicht
und siehst nicht
ihre Not

Wie sollte dich
ihr Sterben
interessieren
denn du selbst
bist schon tot

.

Wo find ich mich

Unter deinem Herzen
hab ich aufgehört
zu wachsen
Unter deiner Kälte
hab ich aufgehört
zu sein
Unter deinen Fäusten
hab ich aufgehört
zu fühlen
Unter deinen Blicken
hab ich aufgehört
zu schreien
Was bleibt
ist deine Wenigkeit

Immer bist du
Immer bleibst du
Was ist mit mir?
Wo find ich mich?
Immer bist du
Immer bleibst du
Was ist mein ICH?

.

Unbekannt

An den Wänden
klebt der Schweiß
pochenden Herzens
herausgeschleudert

Immer offene Fenster
gegen die Atemnot
Das Bett ist
aufgeraut
von wirrer Angst
in schlaflosen Nächten

Angst
schlägt
jeden Tag
einen neuen Nagel
in die Tür

Das Draußen wird
unbekannt

.

Nur so ist’s gut

Schwarz
die Farbe meiner Sehnsucht
Schwarz nimmt alles
und deckt es zu
lässt nichts herein
Schwarz ist kalt und leer
Kalt
ist gut
tut nicht weh
Halt braucht es keinen mehr
Tiefe
der Ort der Seele
vergraben
unberührbar
bedeckt meterhoch
Angst
kommt da nicht ran
verbannt
verflucht
besiegt
Schwarz und kalt
nur so ist’s gut

.

Ausgeschwiegen ( Mutter )                                   

Ich stehe da
mit leeren Händen.
Was ich gelebt habe,
lebte ich deinetwegen.
Ich stehe da
und frag mich,
wohin ich meinen
Blick wenden soll.
Das DANACH
haben wir
immer ausgeschwiegen.

Beteiligt war ich u.a. auch an der Veröffentlichung des Buches „Das Maulwurfherz pocht“ Gedichte an der Grenze der Wahrnehmung    im Papierfresserchens MTM- Verlag        ISBN 978-3-86196-000-3

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Eine Antwort to “E : eigene Gedichte-Schmerz”

  1. mary-anne gotthardt Says:

    ich wusste schon immer, dass sie was ganz besonderes sind…find ich wirklich toll, was sie hier geschaffen haben…

    Gefällt 1 Person

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