Meine Probleme im Alltag

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26.02.17

Aus Angst vor dem Outing nenne ich es Vergesslichkeit

Es wird immer offensichtlicher für andere, dass ich Probleme mit dem Erinnern habe. Bei Bekannten kann ich mich meist irgendwie rausreden, spreche von Vergesslichkeit und Konzentrationsproblemen. Wie sollte ich sonst einem Laien auf die schnelle das Multiple erklären, geht nicht, und will ich auch nicht. Schon wieder ist ein amerikanischer Kinofilm am Laufen, in dem ein Extremmörder eine multiple Persönlichkeit hat. Na toll, könnte kotzen.
Vor lauter Scham im Boden versinken möchte ich in letzter Zeit bei Arztbesuchen. Ich kann Fragen zur Vergangenheit selten beantworten….war es rechts oder links, wann war ich das letzte Mal da,…..etc. Meine Ausreden zur „Vergesslichkeit“ werden immer unsicherer. Habe oft das Gefühl, dabei wie ein Zombie zu wirken…keine vollständigen Sätze, Gebrabbel oder stumm sein und blöd drein schauen.
Irgendetwas im momentanen Lebenszyklus verunsichert mich so enorm, dass ich jegliche Selbssicherheit verloren habe. Vielleicht komme ich noch drauf, was es genau ist.
Fakt ist, dass ich mit mir selbst völlig unzufrieden bin, weil ich meine Kompetenzen schwinden sehe.

Wenn plötzlich mehrere Anteile nach außen drängen

2016

Zurückerinnern, wann ich diesen Zustand zum ersten Mal bewusst fühlte, fällt schwer. Aber mindestens das letzte Jahr begann diese Art …. na ich nenn es mal Stress.
In den Zeiten (manchmal wochenlang) höchster innerer Anspannung reicht eine Kleinigkeit und mein Körper will mit dem Zucken beginnen. Tut er auch, wenn ich allein bin und ich es nicht unterdrücke. Dann höre ich im Innen lauter Stimmen, alles redet durcheinander. Einiges verstehe ich, anderes kommt nicht mal in Sätzen an. Ab diesem Moment kann ich im Kontakt mit Menschen dem Gespräch nicht mehr folgen, kann die nötige Konzentration einfach nicht aufbringen. So ein paar Minuten kann ich das Ganze verbergen, dann aber muss ich gehen, weil ich keine Kraft mehr habe, das, was da mit mir passiert, zu verstecken.
Ich habe das Gefühl, als wolle jeder ( mind. 5 ) zu seinem Recht kommen, im Außen zu sein. Sie schieben, schubsen, drängeln. Ich habe dann das Gefühl, als wolle jede Gliedmaße in eine andere Richtung, im schnellen Wechsel. Ich bin ein zuckendes Etwas, wirr in den Gedanken. Und wenn da aber noch dazu die Gefühle jedes einzelnen dazukommen….Halleluja. Im schwierigem Traumabearbeitungssetting erlebte ich schon bis zu 30 Anteile gleichzeitig. Mittlerweile weiß ich, dass sie im annähernd gleichem Alter sind, und die gleichen Traumata haben. Warum sie so drängen weiß ich auch mittlerweile. Es sind die Meinwesen, die ich noch nicht kenne, die sich aber gezeigt haben bei Traumaexposition zu einem jeweils gleichaltrigem bekannten Anteil.

Fehlende Konzentration und Panik in Stresssituationen

15.8.14

In den Zeiten, in denen von mir nur abverlangt wurde, den Alltag irgendwie hinzubekommen, dabei nur meinen Interessen zu frönen, nur wenige Termine wahrnehmen zu müssen, in diesen Zeiten glaubte ich oft, grundlos in Rente geschickt worden zu sein. Dabei vergaß ich aber, dass ich Kontakte in die menschliche Welt da draußen tunlichst vermied, und mir alles an Angst einflößenden Dingen vom Leibe hielt.

Seit den Wochen aber, in denen ich nun schon mit dem Umzug beschäftigt bin, holen mich die Defizite ein, und lösen wieder riesiges Entsetzen in mir aus. Entsetzen darüber, dass ich nicht mehr wie früher, mehreren Dingen gleichzeitig Aufmerksamkeit schenken kann, dass schon nach wenigen Organisationstätigkeiten in mir starke Unruhe auftritt,  dass ich schnell erschöpft bin, und Switches mich wie blöd da stehen lassen – ich nicht mehr weiter weiß, weil das Gehirn/ Denken wie ausgeschaltet scheint. Ich verliere mich auch oft in Kleinigkeiten, fange mehrere Dinge gleichzeitig an, wo aber letztendlich alles liegen bleibt, weil sich im Kopf einfach kein Plan finden will. Zeitdruck versetzt mich dermaßen in Panik, dass ich am liebsten heulen möchte. Dieser Drang von früher, alles perfekt hinzubekommen, stellt mir nun ein Bein. Er setzt mich unter Druck, volle Pulle. Und Druck ist es, was mir die letzten Jahre die größten Probleme gemacht hat. Da entstehen in mir Stress, Unruhe, Gegenwehr, an Schlaf ist kaum zu denken. Mein einziges Rezept, den zu organisierenden Dingen Herr zu werden, ist das Notieren. Ohne sichtbare Notizen bin ich aufgeschmissen. Eine Planung im Kopf zu haben, ist nicht mehr möglich. Auch die Vergesslichkeit steigert sich im Stress. Mich auf etwas konzentrieren, wie lesen oder ähnliches, geht nicht mehr. Bemerke an mir, dass ich alle Dinge im „Außen“ machen muss, weil da kein Platz im Kopf für ist. Das nenne ich mal verrückt. Trotzdem, ich habe immerhin für mich einen Weg gefunden, alles Wichtige erledigen zu können. Klar liegen meine Nerven völlig blank, aber ich klammere mich an die Tatsache, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt ja geschafft sein wird. Heute sind 98% meiner Habseligkeiten verpackt. Damit sind die Kleinen von uns sehr unzufrieden. Ihre Sachen sind weg, sie haben somit keine Möglichkeit mehr, sich mal zur Entspannung auszuleben, und sei es nur mit einem einzigen Matchboxauto. So gehen auch Unzufriedenheit und Unruhe von ihnen aus. Das kommt für mich noch obendrauf auf das Gesamtpaket „Stress“.

Am liebsten einrollen, unter einer Decke verstecken, und die Welt Welt sein lassen.

Was ein Multipler für Beziehungsprobleme hat

-aus dem Internet:
Bei verschiedenen Anlässen treten ganz unterschiedliche Seiten der Persönlichkeit auf und handeln in Extremfällen, ohne dass ein Bezug zu den anderen Seiten besteht.
Ein solcher Mensch lebt wie zersplittert und hat größte Probleme, sich und die Mitmenschen zu verstehen. Weiterhin sind sein Lebensweg und seine Beziehungen von heftigen Wechseln und großen Schwierigkeiten gekennzeichnet.

Wenn sich – etwa durch ungünstige bisherige Lebenserfahrungen – ein starres Erlebens- und Verhaltensmuster entwickelt hat, kann dies zu Ieidvollen Störungen im Selbsterleben, v.a. aber auch zu schweren, sich ständig in ähnlicher Form wiederholenden Störungen in den Beziehungen zu anderen Menschen führen und die soziale Funktions- und Leistungsfähigkeit einschränken.
Auch wären da eine sehr stark misstrauisch-empfindliche Haltung der gesamten Umwelt gegenüber oder emotionale Kühle und ausgeprägtes Rückzugsverhalten.
Aber auch mangelnde Impulskontrolle, eine sehr schwere Selbstwertproblematik oder stark abhängiges, ängstlich-vermeidendes oder sehr zwanghaftes Verhalten können Ausdruck so einer Störung sein. Charakteristisch für die Symptomatik ist, dass sie lang anhaltend ist und als leidvoll erlebt wird.

Menschen mit einer dissoziativen Identitätsstörung fällt es schwer, ihr Erleben mitzuteilen, weil dies stark schambesetzt ist. Sie versuchen oft, ihre Symptome im Alltag zu verbergen, besonders ihre Zeitverluste, die sie am Tage erleben und ihre Identitätswechsel.
Sie bemühen sich intensiv, alles unter Kontrolle zu halten und teilen in ihrem Leben nur wenigen, sehr vertrauten Mensch ihr inneres Erleben mit.
Da sie manchmal auch innere Stimmen hören, tritt bei einigen Betroffenen die Sorge auf, falsch beurteilt und behandelt zu werden.
Im Übrigen können bei dissoziativer Identitätsstörung vergleichbare Symptome wie bei der Posttraumatischen Belastungsstörung auftreten wie z.B.:

erhöhte Schreckhaftigkeit

Depressionen

Gefühl von Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen

Gefühl von Betäubtsein und Stumpfheit

Vermeidung von Situationen, die mit dem Trauma zusammenhängen

Schlafstörungen

Alpträume.

Switchen

6.11.13

-in den letzten Monaten:

+ich gehe mit einem bestimmten Wunsch einkaufen…plötzlich drängelt es von innen, der Einkaufskorb füllt sich mit völlig verschiedenen „Vorlieben“- salzig, sauer, süß;- Spielzeug ab 8J., ab 3J., usw. Ergebnisse z.B. Brummkreisel, Kuscheltier, Nuckel, Ausmalbuch, Jugendliteratur, usw.
– mal völlig abgesehen von den Lebensmitteln, die normale Menschen eher Genussmittel und Süßwaren bezeichnen würden!

+schöne, mit Klack-Klack-Hacken versehende Damenschuhe werden nicht mehr aus dem Schrank genommen, die Kleidung verhüllt lappig unsere Umrisse, Schminke wird Pfui

+irgendwer mag keine Frauenfingernägel und macht ne Schnipp-Radikalkur

+wir hassen das Spiegelbild, weil nur die Haarfarbe uns von der Geburtsfrau unterscheidet

+keine Krimis mehr gelesen, nur Kinderbücher …eh Alte, hast du en Rad ab? Klaro, leg dich an mit mir!

+nach dem Regen hängt an jedem einzelnen kurzem Grashalm ein Tropfen…wusstet ihr das? Und wenn die Sonne drauf scheint, glitzert das! Schöööööööön.

+vor uns (bei Feldenkrais), auf Matten liegende Frauen, lassen uns völlig austicken innerlich, Ekel, Angst …puhhhhh

+die eigene Waagerechte geht nicht mehr, wenn wir uns gesehen fühlen

+Erwachsene machen uns oft Angst

Selbst-WERT

24.7.13

Du störst – du bist selbst schuld – du hast dich unter zu ordnen – du machst meine Ehe kaputt – reiß dich am Riemen, sonst setzt es was – hör auf zu jammern – zieh nicht solche Gusche, sonst knallt es – man hat zu schlucken – Strafe muss sein – iss das gefälligst auf – hab dich nicht so – geh in dein Zimmer, was willst du hier – hättest vorher überlegen müssen, nun ist zu spät (Prügel) – du denkst immer erst hinterher – brauchst dich nicht zu wundern über die Reaktionen der anderen – wofür suchst du einen Schuldigen – nein, ich habe dich nie geliebt, weil die Heimschwestern meine abgepumpte Milch dir nicht brachten…

In meinem Selbst:
Ich bin nichts wert – bin überflüssig – mich will keiner – ich bin selbst schuld – ich habe es verdient – ich bin zu dumm – kriege nichts auf die Reihe – ich darf nichts wollen- ich darf nichts fühlen – und erst recht nicht zeigen – an jeden Echo bin ich selbst schuld – man kann mich nicht lieben – habe Liebe nicht verdient – bin zuviel auf der Welt…

Zwei voneinander getrennte Absätze, auf die ich wirklich nicht eingehen muss.
Ein irres Selbstbild von mir, dass mich Schritte auf Menschen zu nur selten und sehr zögerlich machen lässt. Immer weg geschoben als Kind, nicht wahrgenommen als Menschlein … was bleibt da in mir? Ich bin es nicht wert. Punkt! Jede Annäherung von mir an andere empfinde ich als Anmaßung von mir, als ein Aufdrängen.
Es geht einfach nicht in meinen Kopf hinein, dass eventuell Leute mich mal gern um sich haben. Geht gar nicht! Wie auch, bin schlecht, sonst hätte man mich als Kind doch geliebt, oder?

Ich bin gar nichts wert.
In mich eingebrannt, vom Introjekt immer wieder neu heraufgeholt, in Stein gemeißelt!

Sehe gerade einen Zusammenhang zum Thema EINSAMKEIT.

Was ich oft träume?????
Ein einziges Mal an einem Menschen anlehnen, ohne auf dem „Sprung“ zu sein, auf der Hut!
Nur ein einziges Mal so etwas fühlen dürfen …. Beistand in absoluter Sicherheit!!!!!

Zeit fällt aus mir raus

19.3.13

Na, wer sagst denn, wie so oft kaufen verschiedene Personen von mir ein: grüne Schals doppeln sich, Farbe für Haarsträhnen (gegen graues Haar, 4 mal) ebenso, finde mir unbekannte Handtaschen im Schrank, irgendwer macht irgendwo Licht an – völlig überflüssig, lecker teuer!
Oh Mann, könnte heulen bei so viel Lücken im Text.
Genauso bei der Wohnungsreinigung: lebe allein – macht also kein Dreck – weiß aber nie, wie lange das letzte Staubsaugen her ist, Wochen, Monate?  Finde keinen Bezug, deshalb fange ich an zu saugen. Schon der Gedanke, es könnte länger als eine Woche her sein…. uh ah.
Brauche selbst den Kalender um das Betten neu Beziehen nicht zu vergessen!
Wenn das so weiter geht … wo lande ich da?
Am Schlimmsten die fehlende Erinnerungen von Tagen wie z.B. gestern, vorgestern, vor zwei Wochen Dienstag ….muss alles im Kalender notieren, um das Gefühl von Vergangenheit zu haben.
Ich empfinde die Zustände des nicht Wissens wie ein dunkles Loch in mir, das keinen Boden hat, auf dem ich laufen könnte.

Mein sprachliches Un-Geschick

Wie immer spulen sich in meinem Kopf Geschehnisse und vergangene Gespräche ab, (soweit ich mich daran erinnern kann) immer mit der Hoffnung, dass ich sie vollständig erfassen kann im Nachhinein, dass ich mich selbst besser verstehe, und besonders die beteiligten Personen und deren Verhalten.
Ja, ja, sagt ihr ruhig mal wieder, es bringt nichts, weil das nur eigene Hinein-Interpretationen sind. Weiß ich doch! Ändert aber nichts daran, dass ich es trotzdem tue.
Folgendes habe ich verstanden:
Wenn ich sehr wichtige Fragen stelle, warte ich oft aus Angst die Antwort gar nicht ab. Blöd, blöd.

Wenn mehrere Anteile am Gespräch beteiligt sind, dann stottere ich (hallo?? ich und stottern? geht gar nicht, echt!), oder Satzfetzen kommen aus meinem Mund, die überhaupt nicht im aktuellen Zusammenhang stehen.

Auch scheine ich manchmal den Worten meines Gegenüber nicht genug Beachtung zu schenken, weil ich immer wieder das Thema wechsle und somit den Eindruck erwecke, mir wären die Aussagen des anderen nicht wichtig.
Dem ist aber nicht so!
Es wurde einfach von einem anderen Anteil das Gespräch übernommen. Kann nichts dagegen tun. Dazu kommt, dass ich mich nicht mehr lange gut konzentrieren kann.

Ziemlich irritierend ist, dass meine Selbstwahrnehmung schon so fein geworden ist, dass ich selbst erkenne, wie mitten im Gespräch meine Stimme sich ändert, mein sprachlicher Ausdruck, selbst mein Dialekt (Magdeburger, Berliner, Sachse). Dann hat ein Personenwechsel stattgefunden, den ich aber nicht beeinflussen kann.

Nun verstehe ich auch meine enorme Scham und Trauer darüber, dass mir seit über 10 Jahren der gut gewählte, von Fachbegriffen geprägte, logisch gesetzte Redefluss verloren scheint, mit dem ich kompetent 25 Jahre lang die Schüler bis und durch das mündliche Abitur gebracht habe. Ihr glaubt nicht, wie peinlich mir meist mein kindliches Gelaber ist.
Beim Schreiben gelingt es mir manchmal, meine alte Sprachfähigkeit wieder heraus zu kramen. Wenigstens etwas.

Schlimm für mich ist aber, dass ich mit meinem derzeitigen Gestammel niemanden beeindrucken kann.
Eher schrecke ich die Menschen ab, glaube ich, denn Gestammel zeugt nicht gerade von Intelligenz, oder?
Ich kann euch sagen, es ist nicht leicht, die von Psychologen geforderte Selbstakzeptanz der eigenen Person mit allen Fehlern hin zu kriegen. Das sagt sich so leicht!

ZEIT planung – großes Problem

                                                                                                            
Für mich ist nichts schlimmer als Unzuverlässigkeit, rum eiern, Geschwafel ohne Handfestes dahinter. Es reicht nicht, dass der Mensch einfach nur ein ganz ganz lieber ist. Ich hasse Versprechungen, die nicht gehalten werden.

Ich selbst tue stets genau das, was ich sage. (ich versuche es) Und so brauche ich auch um mich herum Menschen, die zu ihrem Wort stehen.
Es muss für mich eine Klarheit haben, Struktur.
Alles was unsicher macht, nicht kalkulierbar, lässt mich aus den Latschen kippen, besonders die Zeit.

Es ist fast so, als als ob die ZEIT mein Leben beherrscht.

Je mehr Zeit ich “verliere”/vergesse, je mehr ich von Zwischenraum zu Zwischenraum springe, um so mehr brauche ich, fast wie ein Autist, den Rahmen ZEIT als ein Anker in die Wirklichkeit.
Nicht umsonst sind überall Kalender in meiner Wohnung. Zeit ist kaum noch fühlbar für mich.
Termine müssen geplant sein. Sind mehrere an einem Tag und das innere Chaos ist vorprogrammiert.
Ebenso kippt alles mit Terminabsagen, als würde ich dann durch die Zeit fallen ins Nichts.

Bemerke sehr deutlich an mir, dass ich mich hangle von Termin zu Termin, um am Leben zu bleiben.

Ich gehe Verpflichtungen ein, um am Leben zu bleiben.

Absagen, egal wie verständlich, haut mir der Moloch so gewaltig um die Ohren, dass ich vom Seil abrutsche auf dem ich balanciere – dem Seil ZEIT.

Mir wird gerade klar, dass das eigentliche Leben der Mari schon gar nicht mehr existiert.
Der Zeitstrahl ist unterbrochen.
Ich hänge irgendwo dazwischen, finde mich deshalb nicht zurecht.

 Selbstverletzungen

Jeder, der sich mit der Materie der schweren Störungen auseinander gesetzt hat, weiß, dass sich viele Störungsbilder (siehe Seite A: Diagnosen) überschneiden. Gerade dies macht ja eine Zuordnung so schwierig.
Wenn man mich nach Selbstverletzungen fragt, habe ich nicht viele Antworten.
Ich glaube, dass ich im Gegensatz zu Borderlinern vollständig aus der Gegenwart heraus trete, also der Wunsch – sich selbst fühlen zu wollen – gar nicht bewusst auftritt.
Was ich aber an mir bemerkt habe, dass es kaum eine Minute am Tag gibt, an dem ich nicht Schmerz fühlen will. Schmerz muss ununterbrochen da sein. So reiße ich an der Nagelhaut, Tag und Nacht. Es muss bluten, es muss schmerzen. ohne Pause. Seit Jahren kann ich das nicht abstellen. Es helfen keine schmerzhaften Igelbälle, keine Gummis, ach, einfach rein gar nichts. Vielleicht ist die Dissoziierhäufigkeit schon so groß, dass ich unbewusst andauernd gegensteure, keine Ahnung.
Was ich von mir weiß, dass ich in absoluter Anspannung einen noch größeren Schmerz brauche, um nicht in altes Erleben rein zu rutschen. Metall des Feuerzeuges, Gabeln … egal … ich piesacke meine Handinnenflächen auf Teufel komm raus. Und selbst wenn eine Verletzung auftreten würde, dort sieht sie niemand. Eine brennende Zigarette machts dann auch schon mal. Und es scheint die Handinnenfläche die beste verheilende Fläche des Körpers zu sein.
Richtig an meinem Körper rum geschnippelt habe ich noch nie.
Zu den Selbstverletzungen denke ich gehört auch die Tatsache, nicht gut für seinen Körper zu sorgen. Durch meinen Beruf war ich Zerrungen, Bänderrisse, Zeh-, und Fingerbrüche, Prellungen gewohnt. Und mit den Jahren hängen einen die Wartezimmer in Arztpraxen zum Hals raus. Was lernte ich mit der Zeit? Selbstversorgung. Bis auf wenige Ausnahmen, wo ein Gelenk völlig abgerissen war und mich ein Arzt Wochen später „rund“ machte, konnte ich gut selbst einschätzen, wann echte Hilfe nötig war.
Selbstverletzendes Verhalten ist aber auch, Schmerzen zu negieren. Und da bin ich Weltmeister. Warum?
Bist du als Kind gewohnt! Schmerz hatte nicht zu existieren, Punkt. Und wehe, du wurdest mal normal krank. Die Mutter hatte dann immer ne Scheiß Wut auf mich. Auch in den Prügelattacken blendet man Schmerzen auch irgendwie aus. Und dann kommt dazu, dass du deinen Eltern nicht die Genugtuung geben willst, unter starken Schmerzen zu leiden. Und der Umwelt deutest du es auch nicht an, wäre ja Verrat an den Eltern. Also? Indianer sein!!
Vor einer Weile bin ich schwer gestürzt. Warum habe ich jede Hilfe abgelehnt?
Um mich herum waren Menschen, also –> nichts zeigen … bloß nicht in den Mittelpunkt geraten … bloß nicht als Jammerlappen dastehen… und das Schlimmste für mich war der Gedanke: Vielleicht gibt es Leute, die glauben, ich würde die mir nun geschenkte Aufmerksamkeit genießen.
Bloß das nicht, auf keinen Fall.
Mari geht auch aus einem anderen Grund seit Jahren nicht zu Ärzten: Wenn der Tod mich haben will, dann bitte schnell! Dieser imaginäre Zwilling wartet ja eh schon lange auf mich.
Also bloß keine Vorsorge oder solch Mist.
Ja, und zum Thema Frauenarzt: Vor Jahren gab es einen Versuch, der im Flashback endete, Geschrei, Panik.
Da kriegt mich keiner mehr hin.
Fressattacken … warum zählt das zur Selbstverletzung?
Zum Einem schädige ich mit dem angesetzten Fett meinen Körper, ist klar!
Aber über mich weiß ich auch, dass es eine sogenannte Ersatzbefriedigung ist. Alleinsein wird mit Futtern überdeckt. Süßigkeiten dienen meinem Hirn der Belohnung. Dick sein verhindert, angesprochen zu werden, wahrgenommen zu werden. Dick sein verursacht beim Blick in den Spiegel die Selbstabwertung. Die wiederum soll verhindern, dass ich mich attraktiv finde und Ausschau nach einem Lebenspartner/in halte. Ich wehre mich gegen die Vorstellung, dass jemand mit mir zusammen sein möchte. Sicher auch, weil da die Angst vor wirklicher Nähe ist, und die letzten verpatzten, schmerzhaften Erfahrungen.  Bin dann wieder bei dem Punkt: Ich verbiete mir, wonach ich mich am Meisten sehne – die Liebe zu leben. Schätze mal, dies alles summiert grenzt an Selbstverletzung.
Nun sagen zwar einige, ich wäre nicht dick, aber ich bin im Vergleich zu vor 10 Jahren eben nun mal 20 kg schwerer. Ich finde das überaus fett. Ist so!

Erlebnisse der letzten Monate:

1.3.13

Habe über Nacht lange Fingernägel bekommen?!!
Was geht ab?
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Mache ein Versandhandel auf für Zahnpasta.
Im Oktober brauchte ich eine neue Tube. Also Merkzettelchen hingelegt. Im November bemerkte ich, dass im Badschrank sich die neu gekauften Tuben häufen.
Hm, irgendwie erinnert das mich an Schuhkäufe. Wenn ich mit Entsetzen feststellen musste, dass es plötzlich nicht nur zu viele Halbschuhe zum Beispiel waren, sondern sich darunter Herrenschuhe befanden. Halleluja!
Ich hasse männliche Klamotten, von denen ich aber viele habe.
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Betrete morgens mein Wohnzimmer und das Fenster steht sperrangelweit auf, wo ich sonst das letzte Mal vor dem Zubettgehen voll durchlüfte (Raucher), hm….Heizkosten werden mich doll grüßen schätze ich mal.
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Sehe im Spiegel plötzlich eine Alte, aufgeschwemmt fett, faltig und gar nicht ansehnlich. Frag mich, wer das ist.
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Ich greife zum Telefon, wenn am anderen Ende der Jemand sagt “Hallo”, dann weiß ich nicht mehr, warum ich telefoniere.
Krame in meinem Kopf herum, stammele irgendwas…., Desaster pur, ….Scham hoch fünf und noch mehr Sprachlosigkeit.
Wenn ich mich dann erinnere an den Grund, ist es zu spät. Da ist schon das Freizeichen.
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Mir wird gedankt für die Einladung. Kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, jemals einen Brief mit Einladung geschrieben zu haben. Will vor lauter Scham mich verkriechen, weil ich gefragt habe: “Was machst du denn hier?”
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Ich erkenne Menschen nicht, mit denen ich selbst zwei Jahre lang zu tun hatte.

 

Wie man mich ( hier M. ) erleben kann

in einer Beziehung

oder
Aus der Sicht eines normalen Menschen ( hier Du )

Von einer Sekunde auf die andere hast du das Gefühl, M.
– ist geistig völlig abwesend, oder
– sieht dich mit dir völlig fremden Augen an, oder
– kichert wie ein Kind und bewegt sich so, oder
– würde dir gar nicht zuhören wollen, scheint unaufmerksam, oder
– hat ohne Grund Angst, oder
– versteht plötzlich keine Zusammenhänge mehr, oder
– durchschaut dich, weiß Dinge ohne Worte.

Du wirst plötzlich von M. umarmt, ohne Worte.

Du begegnest M. in Männerkleidung.

Du wunderst dich über M.`s Vergesslichkeit (mündlich).

Du wunderst dich über die Kalender mit allen Terminen in jedem Zimmer,
und auch darüber, dass M. selbst Verabredungen für den gleichen Tag aufschreiben will.

Du verstehst nicht, warum M. alles genau an seinem bestimmten Platz bräuchte.
Du erlebst, dass M. verzweifelt nach verlegten Dingen sucht.

Du bekommst ein weiteres Weihnachtsgeschenk im März, weil das Versteck bis dahin vergessen wurde.

Etwas, das selten zu kaufen ist (z.B. Schuhcreme), nun aber gebraucht wird, scheint sich von Tag zu Tag zu vermehren.

M. kommt nach Hause, teilt freudig mit, endlich die lang ersehnten blauen Schuhe gefunden und gekauft zu haben.
Später findest du sie heulend vor dem Schuhschrank sitzen, weil da schon ein blaues Paar drin steht, sie sich aber nicht erinnern kann.

M. sucht (für deine Begriffe) zu oft am Tag deine körperliche Nähe.

M. fragt dich, ob du das Waschbecken tiefer gehängt hast.

M. liebt Kleinigkeiten im Alltag, die dir verkitscht vorkommen, z.B. Zettel mit „Hdl“ auf dem Frühstücksteller und wartet wie ein Kind auf deine Freude im Gesicht.

M. möchte oft viel lieber was gemeinsam spielen, als fern zu sehen.

M. liebt manchmal das gegenseitige Vorlesen zum Schlafen.

M. ist dir oft viel zu albern. Zettelt eine Kissenschlacht an.

M. scheint plötzlich Abstand zu suchen, verzieht sich für ne Weile.

Du fragst dich: Warum spricht sie nicht, sondern versucht nur Gesten?

M. ist absolut schweigsam, ihr Gesicht ist leer.

M. sieht Dinge in der Natur um euch herum, die du gar nicht mehr wahrnimmst vor Stress.

M. muss alles untersuchen und staunt dabei viel. (in der Natur z.B.)

M. weint plötzlich lautlos, während ihr Sex habt.

M. wirkt oft depressiv, ist kaum zu begeistern für etwas.

Du willst ganz normal streiten, aber M. kriegt plötzlich Angst vor dir.

Du verstehst nicht, warum M. oft, wenn sie sehr traurig ist, deine Nähe sucht, aber nicht reden will darüber.

M. dreht die Musik laut, will einfach so tanzen.

M. blamiert dich in der Stadt, weil sie irgendwo rumbalanciert, oder Faxen macht.

M. will in jedem Tunnel/Unterführung einen Schrei ausstoßen, bettelt dich, mit zu machen, weil es Spaß macht und befreit.

Es nervt dich, weil sie sich beim Bummel auch den Spielzeugladen vornimmt.
Im Buchladen könntest du sie zur Adoption freigeben, es sei denn, diese Besuche lässt du sie allein machen.

Du verstehst nicht, warum M. auf einmal von deinen Berührungen erschrickt, ihnen ausweicht.

Du wirst ab und zu mal wach, weil M. schreit oder weint im Schlaf, sich rumwälzt und angstvoll stöhnt.

M. braucht zur Nacht den Frieden zwischen euch, sonst findet sie keine Ruhe.

Wenn M. in Kontakt mit Kindern kommt, bist du erst mal abgeschrieben. Sie spielt mit ihnen, sieht glücklich aus.

Du hast ein neues Parfüm an dir, kommst nachhause und wirst gefragt: Wer bist du?

Von jetzt auf gleich ist M. starr wie ein Brett, hat angstgeweitete Augen und will schnell weg von dir.

Du findest M. irgendwo zusammengekauert in der Ecke auf den Boden, weinend, lässt sich nur schwer trösten.

Es wechseln die Stimmen (Stimmlage) von M. zwischen Bass und Sopran.

M. wechselt von Spontanität zu Lethargie. Lässt sich aber mitreißen.

M. vergisst Geschehnisse vergangener Tage, kann oft Jahreszahlen nicht händeln.

Du sagst oft: Aber das habe ich dir doch vorhin schon gesagt!

M. hat Ohnmachtsanfälle, ohne krank zu sein.

M. äußert kaum Schmerzen, verweigert Arztbesuche.

M. verblüfft mit typ. männl. handwerkl. Fähigkeiten.

M. hat plötzlich einen sarkastischen Ton, verhält sich wie ein sexistischer Mann, reißt unschöne Witze.

M. kann plötzlich nicht mehr laufen, (Minuten, Stunden) spürt die Beine nicht mehr.

M. trippelt neben dir her wie eine 3jährige. Zielt jede Pfütze an. Sprechen tut sie aber normal mir dir.

Meine erlebten Beziehungsprobleme

Da ich diese Probleme so vielschichtig erlebt habe, es deshalb ein halber Roman werden würde, werde ich meine Erfahrungen in Notizen schreiben, so dass es zwischen den großen Absätzen auch keinen unbedingten Zusammenhang geben wird. Ich benenne nur was geschieht, die Ursachen erkennt selbst ein Blinder.

Mir fällt beim Essen ein Glas Wasser um. Ich fange an zu zittern, mein Körper versetzt sich in Hochspannung in Erwartung der nun einsetzenden Schläge. Die Angst macht mich starr. Manchmal benötige ich Stunden um wieder bewusst wahrzunehmen, dass mein Gegenüber mir gar nichts tun wird.

Mir weht eine dicke Alkoholfahne ins Gesicht, ich werde beschimpft – Flashback – erlebe das Alte mit Körper und Gefühlen. Mein Gegenüber wird unbewusst zum Täter, von dem ich mich fernhalten muss. Tagelang erschrak ich heftig bei der kleinsten Berührung von ihr, ging dieser Sache aus dem Weg, war zurückhaltender im Auftreten- auf Lauerstellung. Hier passierte eine Übertragung, die ich nicht schnell beseitigen konnte. Wenn dazu dann noch Vorwürfe deswegen kommen, dann rutsche ich ins „benutzt“ Fühlen rein, weil ich denke, wer echt liebt, der fordert nicht, sondern hat Geduld.

Jähzornig knallt man vor mir den Teller auf den Tisch und schimpft wütend.
Erst Panik, ich mache völlig zu, aus lauter Angst vor weiteren Folgen fahre ich alle Mauern hoch, mache mich innen gefühllos. Kann mich der Situation nicht entziehen, aber da sitzt nur noch ein Etwas herum, das nun misshandelt werden könnte, ohne dass ich es wirklich mitkriege.
Wiederholt sich so ein blitzartiger Jähzorn, dann weiß ich, dass ich diese Beziehung nicht aushalten kann. Denn ich vergrößere den Abstand zu dieser Person immer mehr aus extremer Vorsicht. Damit stirbt dann das gute Gefühl.

Obwohl die Fronten vorher einvernehmlich geklärt waren, will die Partnerin nun aber die Sache ganz anders. Wir diskutieren über den Flur hinweg, sie macht was in der Küche. Plötzlich steht sie im Zimmer, mit einem Küchenmesser in der Hand und nähert sich mir. Mein Gehirn interpretiert das sofort falsch, schlägt aber Alarm und die Panik bricht aus. Nur noch Zittern und Totenstarre, zu keiner Reaktion, geschweige denn Kommunikation mehr fähig. Todesangst. Weiß Stunden später, dass es Quatsch war, in so etwas reinzurutschen, aber im Kopf das Echo ganz leise, der Alarmglocke.
„Mir tut eine Versöhnung gut.“ Ich wurde besonders an solchen Tagen zum Sex aufgefordert. Sehe sie an, kann nichts erwidern, nichts geben. Da ist noch immer die Mauer, die Vorsicht lugt, der Körper in Spannung auf Lauerstellung, finde in mir kein Fühlen, erst recht keine Lust. Möchte viel lieber allein sein, um mich wieder runterfahren zu können. Geht aber nicht.
Die Partnerin ist sauer, nörgelt den restlichen Abend an mir rum, haut mir dauernd auf die Hände, die dabei sind, sich die Nagelhaut abzureißen. Nun werde ich sauer und bestehe auf mein Recht, dass es meine Hände sind. Fühle mich bevormundet.
Der Morgen dann, will endlich mal für mich sein, nicht laute oder stumme Vorwürfe hören müssen, weil ich kaum was sage. Möchte einfach nur mal allein sein. Flüchte mich auf dem Balkon nach dem Frühstück, mache Sudoku, will abschalten, runterfahren, will Stille um mich herum.
Weiß, dass ich nicht mehr 24 Stunden lang einen Menschen um mich herum aushalte, jedenfalls nicht einen, der mich nicht einfach mal lässt. Brauche mal ein Stündchen nur für mich. Täusche Schlaf vor, nur um mal allein sein zu können, nach Tagen und Wochen. Wenn es sich häuft, dass ich täuschen muss, obwohl ich offen über meine Befindlichkeiten geredet habe, mich der andere aber einfach nicht mal allein im anderen Zimmer lässt, dann steigt in mir die Sicherheit: Auch das ist keine Liebe. Wer liebt, liebt die Gesamtheit am Menschen, also auch die Defizite, die vorher erklärt wurden. Man liebt und lässt, oder man liebt nicht. So einfach! Also bin ich gegangen.

Andere Situation: Nach einer Feier der Wunsch nach Sex. Ich sage: „Tut mir leid, aber du riechst zu sehr nach Alkohol.“ Den nächsten Tag werde ich einfach negiert, nur abweisende Kommentare, mir wird deutlich gezeigt, wie beleidigt man ist. Stehe hilflos da, frage mich, ob sie mir jemals zugehört hat, ob ich denn nur ein Objekt bin. Fühle mich schuldig und darüber bin ich dann sauer. Wieder steigt ein Gefühl von benutzt werden auf.

Oder:

Der Sex ist wunderbar wild. Plötzliche Schmerzen unbeabsichtigter Ursache – rutsche in einen Flashback – zittern, weinen, mein Körper löst sich auf- glaube zu sterben…und alles Schöne ist blitzartig kaputt. Ich entziehe mich der Situation, verlasse den Raum.

Mittendrin im schönsten Sex, ein mir nicht bewusster Trigger, Tränen laufen, nehme über mir einen Körper wahr, kann ihn nicht zuordnen, ergebe mich der Situation. Wenn der andere mein plötzliches Unbeteiligt sein nicht bemerkt, nicht nachfragt, mich damit nicht zurückholt, dann bleibt nur noch ein Haufen von mir übrig, der Rest ist verschwunden ins nirgendwo. In meinen Augen Leere und lauter Fragen. Bei Wiederholung ist das der Anfang vom Ende. Denn ich selbst spüre den anderen in größter Wolllust, fühle, was mir entgegenkommt. So stellt sich mir die Frage: Wenn es der andere nicht so spürt, bin ich austauschbar, wäre dann nicht auch eine andere möglich?
Was bin ich dann wirklich für denjenigen? Zweifel zerfressen mich.

Ich bin nicht wichtig! Ich bin nichts wert!

Fest vereinbarte Termine werden nicht vorher abgesagt, sondern Tage danach. Oder man erwähnt es nicht mal. Hallo, wer bin ich denn?

Immer wieder kurzfristige Absagen mit fadenscheinigen Begründungen. Ich unterstelle (nur in meinem Kopf) das Lügen. Möchte, dass man mit mir sorgsamer umgeht. Ich muss mein Leben ja auch planen. Möchte den Menschen als Böse sehen, weil ich es ihm ja nicht wert bin, langfristig zu planen. Fühle mich oft verlassen.

Ich traue mich zu Beginn einer Beziehung oder bei Bekanntschaften oft nicht, meine Bedürfnisse anzusprechen, z.B. nach einem Wiedersehenstermin.
Zu sehr in mir festgetackert der Gedanke, dass ich mich anderen Menschen ja nur aufdränge. Woher? Du wirst groß mit dem Gefühl und dem täglichen Erleben, dass du nur geduldet bist, mehr aber nicht. Du bist nichts an Wertigkeit für irgendeinen Menschen auf der Welt.
In mir steckt nicht das Wertempfinden, dass andere Menschen sich an meiner Gegenwart erfreuen könnten. Viel zu fest im Hirn: Kontakt knüpfen – Kontakt halten- das bedeutet: sich AUFDRÄNGEN!
Bringt mich immer wieder in Konflikte, bis heute. Schaffe da in mir keine klare Linie zu finden. Ich schwanke somit von einem Extrem ins Andere. Und das hasse ich an mir. Finde aber keine Lösung.

Neu entstandene Ängste:

Woher weiß ich, dass, wenn ich als Erwachsene jemand liebend in den Arm nehme, nicht plötzlich die Kleinsten vorne sind, Angst und Abscheu empfinden??
Bin ziemlich mutlos geworden, seit ich so extreme Erfahrungen mit Berührungen gemacht habe in den letzten Wochen. Daneben die Angst, dass ich mich dadurch noch einsamer mache, als ich es eh schon vorher war. Kann ich mich meinen Ängsten stellen?

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Vergeblicher innerer Kampf gegen das “Verlassen werden”

2. März 2013
Sicher kennt ihr das, wenn man sich suhlen will in der Erkenntnis, dass alles läuft wie immer, dass man umsonst gegen Windmühlen zu kämpfen glaubt, dass man sowieso immer wieder verlassen wird. Ja, ich spreche vom Suhlen, weil mir schon klar ist, dass dies der leichteste Weg ist, er macht keine Mühe, ist altbekannt und die Gefühle dabei kennt man sein ganzes Leben lang. Suhlen, weil da keine Mühe dahinter steht, sich die Tatsachen genauer anzusehen, weil man lieber Bekanntes fühlen möchte, egal wie schlimm, aber wohl vertraut scheint es Sicherheit zu geben.
Eine trügerische Sicherheit, die nur bedeutet, dass man verharren will aus Angst, verharren im alten Geschehen, das in keinster Weise in die Gegenwart passt, das aber das innere Gleichgewicht zu schaffen scheint. Ein Gleichgewicht von derart falschem und irrealem Fühlen aus der Kindheit, das Bekannte, das Erwartete, das Übliche.

Und obwohl es einem jedes Mal wieder das Herz aus dem Leib reißt, die Sinne völlig vernebelt, den Wunsch ins Nichts bringt; trotz alledem ist es das Bekannte, das scheinbar Glaubwürdige, etwas was Sicherheit in unser Ungleichgewicht zu bringen scheint.
Man läuft auf der alten Spur, wieder und wieder, denn das Einschlagen einer neuen Spur macht Angst.
Vertrauen macht Angst, Liebe macht Angst, Sicherheit macht Angst, Glaube macht Angst, Hoffnung erst recht.
In irgendeinem Moment kapiert man diese vollkommen verschrobene Reaktionsweise. Es wird einem klar, dass da Feigheit dahinter steckt, Feigheit vor dem Neuen, das wunderbar sein könnte.
Und an diesem Punkt angekommen, will man das Leben für sich anders, man will kämpfen für das Neue, man will Mut haben, man will die Dinge ändern, man will sich aus der Abhängigkeit der eingepflanzten Reaktionsweisen trennen.
Logisch, dass ich von mir rede.
Zehn lange Jahre schon, versuche ich neue Wege zu gehen.
In den Anfängen versuchte ich jede meiner Reaktionsweisen zu hinterfragen, mit dem Glauben: Nur wenn ich mein Verhalten ergründe, kann ich mein Innenleben verstehen. Nur wenn ich mein Innenleben verstehe, kann ich neu dagegen steuern.
Also war das Erste, dass ich versuchte, alles an mir selbst zu analysieren. Und auch wenn es von meiner ersten Psychobegleiterin weiterhin als Suhlen bezeichnet wurde – für mich aber brachte es Erkenntnisse über meine unbewussten inneren Abläufe, die mich mein Leben lang begleitet und gesteuert haben.

Der erste Schritt war also das Erkennen, wie ich ticke. Nun konnte ich die Sache angehen und bemühte mich, dem falschen Ticken gegenzusteuern. Und die Verhaltenstherapie dann in Dresden hat mich dabei sehr unterstützt.
Ich habe also vollständig gelernt: Warum passiert das jetzt gerade in mir? Und teilweise schaffte ich den Lernvorgang: Unterbrich die alten Reaktionsweisen und tu etwas dagegen! Dagegen tun in Form von Ersetzen durch etwas Besseres, Passenderes.
Ich weiß, dass für mich hierbei die wichtigste Erkenntnis war, dass mein Gegenüber ein eigenständiges Individuum ist, mit eigenem Fühlen, das ich nicht kennen kann; ein eigener Mensch mit eigenen mir unbekannten Hintergründen, mit eigenen, von mir völlig unabhängigen Befindlichkeiten.
So verstand ich mit den Jahren, dass ich nicht für jede negative Schwingung bei meinem Gegenüber verantwortlich war. Was ich damit sagen will ist, dass ich verstand, dass nicht jede Situation von mir persönlich abhängig ist.
Und diese Erkenntnis hat mich weiter gebracht. Eine Abgrenzung von einem anderen Individuum bedeutete, dass ich nicht für alles Scheitern auf dieser Welt verantwortlich sein muss.
Zuvor hatte ich in Allem und an Jedem meine eigene Schuld gesehen. Nun, das lernt man als Kind, wenn die Eltern ihr missbräuchliches Verhalten rechtfertigen wollen. Das Kind ist an allem Schuld. Ja, so lief auch ich durch die Welt.
Nun ich hatte für mich persönlich also den zweiten Schritt geschafft: Jeder Mensch fühlt anders aus seiner eigenen Geschichte heraus.
Schritt eins war: mich selbst verstehen (schaffe ich immer besser)
Schritt zwei war: den anderen nicht verstehen zu müssen und auch nicht zu können, Abgrenzung zu üben
Schritt drei wäre demzufolge zu verinnerlichen, nicht jedes Mal in Schuldgefühlen zu ertrinken.
Hier scheitere ich bis heute.
Möchte aber eigentlich noch was ganz anders sagen.
Nämlich den Schritt vier:

-ohne Bewertung Gefühle kommen und gehen zu lassen.
Oh Mann, hieran stirbt alles Bemühen, weil es für mich an sich schon ein Widerspruch ist.
Wie soll ich keine negative Bewertung über mein Fühlen und Reagieren abgeben, wenn mir bewusst wird, dass es falsch und unangemessen ist? Wie soll ich dem alten Reagieren gegensteuern, wenn ich mir nicht erlauben soll, es abzuwerten? Hier beißt sich für mich die Katze in den Schwanz.
Ich muss doch erst etwas schlecht finden, bevor ich dies zu verändern suche, oder nicht?
Bin ziemlich ratlos.
Habe mich diese Woche bei meiner Psychologin darüber ausgeheult, dass ich es mal wieder nicht schaffe, einen mir ins Herz geschlossenen Menschen nicht total zu vermissen.
Und was höre ich als Antwort?
Das wäre doch ganz normal! Hallo? Das finde ich eben nicht ganz normal!! Denn ich weiß, wo meine tiefe Sehnsucht herkommt. Also will ich es gerne einem alten Fühlen zuordnen und somit abtun können … geht nicht.
Ich stehe also wie blöd vor meiner Unfähigkeit, das mir geglaubt Gelernte nicht anwenden zu können, zweifle an meinem Verstand und hasse mich dafür, dass ich nach so vielem Lernen die Sache einfach nicht in richtige Bahnen lenken kann.
Aber die Psychologin setzt noch eins drauf und meint, mein Fühlen wäre normal, Selbsthass völlig unangebracht. Hä? Kann nicht sein! Ich schaffe etwas nicht, also werde ich doch sauer auf mich sein dürfen, oder? Wieso sagt sie mir, dass mein Inneres so fühlen darf?? Nein, soll es eben nicht! Ich will endlich Herr meiner Sinne sein.
Warum funktioniert das nicht, wenn ich doch alles verstanden habe? Wie kann ich denn ohne Wut auf mich selbst je etwas an mir verändern? Versteht ihr, was ich meine? Ich bin der Meinung, dass ich erst etwas schlecht an mir finden muss, dann kann ich mich an die Arbeit machen, dieses Schlechte auszumerzen, oder?
Anstatt mir in dieser Hinsicht eine Unterstützung meines Gedanken zu helfen, werde ich mitleidig angesehen und mir wird gesagt, dass ich hinnehmen muss, was mein Inneres und somit auch die Kinder fühlen, es wäre nun mal so und meine Entwicklung ließe vor einer Traumatherapie auch nichts anderes zu! Echt, so etwas will ich nicht hören. Ich will wütend auf mich sein. Ich möchte endlich mal nicht mehr so tief ins Fühlen rutschen. Ich will cool sein und das Leben mal hinkriegen.
Tja, da wünsche ich mir oft, die Psychologen treten mich mal in den Arsch, oder finden meine Wut gut für meine Entwicklung, und dann aber muss ich mir so etwas anhören. Und, dass ich wieder meine alten Muster bedienen will, in denen ich Strafe erwarte, im Sinne von: bist selbst schuld, es verkackt zu haben, also sollt du ruhig abstürzen. Oh je, ein größeres Durcheinander geht gar nicht.
Nun versteht ihr sicher, warum ich beim Urschleim anfing zu erzählen, vom Schritt eins und so weiter. Ich stehe wie blöd da, dachte, dass mein schrittweises Dazulernen mich nach vorne bringt, und dann fühle ich mich ausgebremst, nur weil ich keine Eigenwut haben soll. Aber ehrlich, die innere Wut auf mein eigenes Unvermögen war es doch immer, die mich hat weitermachen lassen, die einen Impuls gab: Nun erst Recht!
Eines aber, das konnte ich dieses Mal zu ersten Mal auch wirklich gut: Ich habe den anderen Menschen nicht abgewertet, weil ich um die echten Zusammenhänge eben weiß. Kann es auch nicht, weil zu viel an Gutem dahinter steht, was mir widerfahren ist. Ja und das mir Wichtigste: Will diesen Menschen auf keinen Fall verlieren.
Und nun das Perplexe: Darum werde ich schweigen, mich zurückziehen!!!!
Hallo? Wieder sehe ich einen Irrgarten hoch fünf.
Ich will festhalten an etwas, obwohl es in die Vergangenheit gehört. Ich will in meiner Fantasie bewahren, was da war! Will dieses Glücksgefühl nicht loslassen.

Jetzt aber will ich mich zurückziehen! Warum?
Habe wohl selbst Angst, wieder Blödsinn zu machen und somit den Verlust zu riskieren.
Aber ist das Zurückziehen nicht schon ein Verlust? Ein Verlust, den ich selbst herbeiführe?

Ich kann rauf und runter denken und fühlen … es bringt nichts. In mir ist Chaos pur, kenne nicht was richtig ist, verliere mein „Schrittsystem“ aus den Augen, oben und unten gibt es nicht mehr.
Deutsch: Bin völlig überfordert!
Hm, merke, dass hier mein Denken geschrieben hat. Auch mal gut.

Dieser Text soll ja an alle anderen Leser gehen, die den Blog aufsuchen um ein multiples System zu verstehen. Denen bin ich schuldig, diesen Artikel vollständig zu machen, damit überhaupt verstanden werden kann, warum ich mit ihm angefangen habe.
Ich will aufzeigen, dass trotz aller Mühe um „Genesung“, um die Entwirrung der eigenen Gefühlswelt, ein untherapiertes System sich nicht selbst helfen kann.
Warum? Was geht ab in mir?
Seit 10 Jahren bin ich in Therapie, aber habe noch nie eine echte Traumatherapie gemacht. Andauernd wird mir gesagt, dass ich mein Verhalten und mein Fühlen nicht beeinflussen kann, weil die Traumatas noch nicht aufgelöst sind. Ich selbst will das nicht wahrhaben, will mich steuern können, will Einfluss auf mein Leben haben können. Will die ganzen Abstürze nicht mehr haben, will nicht mehr im Gefühlschaos ersaufen.
Was ist heute in mir?
Kämpfe an gegen das falsche alte „Verlassen werden“, mache mir immer wieder die gegenwärtige Wahrheit bewusst …. sinnlos, es tut weh und hört nicht auf.
Und dies ist der Grund, warum ich so böse auf mich selbst sein möchte. Glaubte ich so viel gelernt und verstanden zu haben, scheint jeglicher Verstand nie existiert zu haben.
Lande immer wieder am Ausgangspunkt – der kindlichen Wahrnehmung, des irrealen Fühlens, und bekomme Wut auf diese Hilflosigkeit. Ich bin kein Kind mehr! Basta!
Mein Verstand ist voll da, mein Fühlen reagiert aber nicht auf mein mühsam erarbeitetes Wissen.
Das bringt tiefe Verzweiflung, Hass auf mich selbst. Wehe, es wagt mir jetzt jemand zu widersprechen, denn in diesem Fall ist diese Wut berechtigt, sie wird von der erwachsenen Kathrin gefühlt, die es eigentlich besser wissen müsste.
Nach vielen Wochen großen Glücks in mir, ist der Absturz umso schmerzlicher. Ich habe das alles so was von satt.

7 Antworten to “Meine Probleme im Alltag”

  1. feenja Says:

    Zum Thema Zeit , die meißten die wir kennen kommen kaum ohne Terminkalender aus bei uns hat das nie funktioniert, immer und überall Zettel keinen Überblick. Wir haben meißt Termine an Vertraute Personen weiter gegeben die uns dann immer wieder daran erinnerten.

    Bei uns ist es so wenn eine Überraschung kommt auch wenn die positiv ist verfallen wir erstmal in Panik und Unsicherheit.
    Reagieren sogar manchmal verärgert.

    Wir haben keine Uhren, Uhren haben uns glaube ich Angst gemacht so das wir die einzigste Uhr am Handy haben ansonsten kommt uns keine Uhr ins Haus 😉 Schon komisch manchmal oder?

    Gefällt 1 Person

  2. Mimmi Hopps Says:

    Danke für Deinen Blog!!!!!!!!!!! Ich wünschte, ich fände für das alles Worte, wie Du sie gefunden hast!!!!

    Gefällt 1 Person

  3. jacky Says:

    Ich folge das erste Mal einem Blog und bin etwas unsicher, wie man sich hier verhält.
    Möchte dir sagen, das ich/wir uns in vielen deiner Worte wiedergefunden haben. Werde weiter bei dir lesen.

    Gefällt 1 Person

  4. Schnurri Says:

    Hallo Du Liebes, hallo ihr Liebe Innis,

    der Satz im letzten Abschnitt, :“Mein Verstand ist voll da, mein Fühlen reagiert aber nicht auf mein mühsam erarbeitetes Wissen.“

    …diesee Satz hat mir einen Ruck im Herz versetzt, so, wie es ist, wenn man ganz plöztlich an etwas Unangenehmes denken muss. Denn es sagt genau das aus, was mir seit vielen Monaten immer wieder durch den Kopf geht. Ich finde auch einfach keine zufrieden stellende Antwort.
    Warum kann ich es nicht FÜHLEN, wenn mich jemand lobt, wenn jemand sagt, ich könne stolz sein,…
    Warum?,wenn mich jemand zu tiefst verletzt,warum tue ich dann so, als wäre alles wieder gut, aber bin trotzdem noch sehr verletzt und im passenden Moment nachtragend bis in die Steinzeit? Warum kann ich nicht glauben wenn diese Person sagt, dass es ihr leid tut….warum kann ich die Entschuldigung nicht in mir drin fühlen?
    Ich tue immer nur so, als würde ich es verstehen aber innen tut alles weh. Und das verstehe ich nicht, denn vom Kopf her weiß ich,dass ich es glauben kann. Aber mein Kopf kann mein Fühlen nicht steuen.
    Ich bin jetzt verwirrt. Muss erstmal nachdenken.

    Ein sehr hilfreicher blog ist das hier. Danke, dass ich hier lesen darf. So kann ich versuchen, mein Innenleben besser zu verstehen.

    Ich danke Euch 🙂

    Gefällt 1 Person

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