Archive for the ‘Trauma und Folgen’ Category

Regression ins Kind

25. Februar 2017

24.2.17

Je mehr ich mich aus den Depressionen herauskämpfen will, meinen Kalender vollstopfe mit Terminen im „Außen“, mich mit Menschen unterschiedlichster Art treffe, umso stärker entsteht ein innerer Rückzug.
Der absolute Widerspruch in sich.
Das nächtliche Grübeln verstärkt sich, innere Unruhe und Angespanntheit steigern sich aufs Höchstmaß.
Wie ist das zu begründen?
Schon der kleinste Lufthauch im Raum reicht aus, dass ich wegrutsche, zum misshandelten, gequälten Kind werde, und dass ich dann wie ein extrem misstrauisches, vorsichtiges Kind alles hinterfrage. Überall sehe ich Ablehnung, auch wenn sie nicht vorhanden ist, auch wenn mir zugesichert wird, dass man sehr gern mit mir zusammen ist. Dies geschiet bei Leuten, die ich schon etwas kenne. Bei völlig Fremden passiert es die ersten Begegnungen noch nicht. Hier erkenne ich, dass die Verletzlichkeit dann eintritt, wenn mir Menschen ans Herz wachsen. Im gleichen Moment rattert die alte Leier los: Mauern hoch fahren, argwöhnisch sein, auf einen „Angriff“ gefasst sein.
Wenn mir dieses große Gefühlspaket über den Kopf wächst, weil ich extrem unruhig werde, fange ich wieder an mich einzuigeln.
Ich lebe erst 2 Jahre in dieser Stadt, also wurde es ja mal Zeit, dass ich mir einen neuen Freundeskreis aufbaue. Die Kraft dazu intensiv habe ich seit rund 4 Monaten. Suche Kontakte zu Künstlern jeglicher Art, gehe zu Lesungen, Ausstellungen und anderen Events. Ich lese selbst, bringe mich in einem Verein ein, treffe mich in regelmäßigen Abständen mit Gleichgesinnten.
Jetzt müsste eigentlich ein Aufschwung zu erkennen sein.
Aber das Gegenteil passiert.
Trigger über Trigger purzeln mir vor die Füße. Trigger, die ich glaubte längst überwunden zu haben. Ein schräger Blick, eine unbedachte Bemerkung, eine Umarmung (was ich hasse, wenn ich sie selbst nicht will), ungewollte Berührungen im Bus bei Drängeleien…..da kommt wieder so viel Ekel auf, Unsicherheit, Wut. Man will es nicht glauben, aber jemanden von uns rutscht dann immer wieder „Wixer“ aus dem Mund; zwar im Selbstgespräch, aber von mir bemerkt.
Im Kontakt mit netten Bekannten erspüre ich die Ablehnung von einer Frau im Raum, was mir normalerweise auch egal ist. Aber ich halte dieses Fühlen dazu nicht aus. Es füllt den ganzen Raum, nimmt mir die Luft. Will am Liebsten wegbleiben.
Oder: Ich bin beim Zahnarzt, traue mich die letzte teure Zahnreinigung zu bemängeln, da redet man ewig auf mich ein, als wäre ich ein Baby. Gefühlstechnisch rutsche ich ins Kind, dass Angst vor Strafe hat. Dennoch bestehe ich auf die kassenäztliche Zahnsteinbehandlung, die ja nichts kostet. Das Ergebnis? An zwei Zähnen wird die teure Behandlung gemacht, um mir den Unterschied zu demonstrieren, an den anderen wird die Billigvariante durchgeführt. Und auf mein Klagen, dass ich jetzt scharfe Kanten an den Zähnen fühle…..glaubt jetzt bloß nicht, dass sie beseitigt wurden….nein. Mir wird gesagt: „Sehen sie, so ist das Ergebnis der Behandlung ohne Zuzahlung!“ Und dann noch: „Hier haben sie einen Termin in 3 Wochen, wenn sie mit der Billigvariante nicht zufrieden sind, machen wir dann die Zuzahlunspflichtige.“
Ich verlasse die Praxis völlig verunsichert, fühle mich hintergangen, verarscht und benutzt. 30 Jahre lang hatte ich in meiner alten Heimat einen Zahnarzt, mit dem ich 190% ig zufrieden war. Bei ihm habe ich die teure Behandlung gern durchführen lassen, weil das Ergebnis immer klasse war. Und nun stellt man mich hin, als hätte ich keine Ahnung?????? Leute, ihr glaubt ja gar nicht, wie wütend mich das macht. Das Schlimme daran aber ist, dass ich in solchen Momenten dermaßen wegrutsche, dass ich keine innere Kraft habe, deutlich zu artikulieren was mich bewegt. Ich werde zum Kind, das die Schnauze zu halten hat, dass sich abducken muss, damit es vielleicht der Strafe entkommt.
Die letzte Nacht war meine Zunge nur damit beschäftigt, sich an den scharfen Kanten wund zu reiben. Ihr kennt das sicher – dass man wie blöde auf eine störende Stelle fokussiert ist.
Warum fing ich an diesen Artikel zu schreiben?
Ich stolpere zwischen Wut, Verzweiflung und Kampfgeist hin und her.
Sehe ich genauer auf alles, dann erkenne ich die Regressionen. Damit steigt die Verzweiflung über mein Unvermögen, meine Defizite zu händeln, die Personenwechsel zu verhindern.
Was soll das? Ich habe Kraft zum „Aufstehen“, gebe alles, und werde aber die inneren Dämonen nicht los.
Muss echt aufpassen, nicht wieder völlig im Morast zu versinken.

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Hast du?

1. Februar 2017

Vorsicht triggert: Mord als Gewaltfolge!

Kurzgeschichte von mir! Urheberrechtlich geschützt.
(Der Versuch eines sogenannten Subtextes.)

1.2.17

Sie stellt die schweren Einkaufstaschen ab, stemmt die Hand in den Rücken und stöhnt. Er kommt in die Küche gestürmt: „Und? Hast du’s ihm gesagt?“
Sie lässt ihre rechte Schulter kreisen: „Hm!“
„Was hm?“
„Hm ist hm, mir tut alles weh.“ Dabei versucht sie eine Tasche auf den Tisch zu hieven.
„Was’n nun? Hast du?“ fragt er.
Sie lässt es bei dem Versuch, richtet sich auf, schaut ihn kurz an und verlässt die Küche.
Er sieht auf die offene Küchentür, dann auf sein Bierglas in der Hand. Nach dem zweiten Blick zur Tür trinkt er in einem Zug das Bier aus, wischt sich mit dem Jackenärmel über den Mund. Dann strafft er seinen Körper und stapft in Richtung Wohnzimmer.
Sie liegt erschöpft im Sessel und starrt an die Decke.
Von der Tür kommt: „Ich will jetzt wissen, ob du’s ihm gesagt hast!“
„Mach es doch selbst!“
Kaum das letzte Wort ausgesprochen landet der erste Faustschlag auf ihrem linken Auge. Dann kniet er über ihr.
Zwischen seinen Schlägen bemerkt er erst einen sonderbaren Blick von ihr, dann einen heftigen Schmerz in der Brust.
„Mach es doch selbst!“ sagt sie, rollt ihn von sich runter und verlässt die Wohnung.

Kann ich endlich die Geburtsfrau hassen?

19. Oktober 2016

19.10.16

Ich weiß nicht……Minuten oder Stunden auf den Fliesen im Bad liegend – über dem Waschbecken hängend…weinend…zu viel in den letzen Wochen … überhaupt……aber Morgen hat die Alte, die Geburtsfrau, ihren Geburtststag….. ich weiß nicht, was und warum in mir abgeht…es tut weh…. lähmt, schreit aus dem Innen…..immer wieder kaltes Wasser als Skill…. hilft nicht….wieder und wieder kaltes Wasser…ein Versuch, erwachsen mich zu regulieren……….zeitweise Ertrinkungsgefühle, ersticken….aber am Ende ….. will unter den Boden…..kein Aushalten….es soll aufhören so weh zu tun…..ein Lichtblitz: letztes Jahr hat Engelchens Geburtstag den 20. völlig vergessen lassen- Gott sei Dank…aber heute … dünnhäutig … wurde erinnert an das Datum….ich hasse es…….und was hochkommt:
Wie konnte ein kleines Kind die ganzen Dinge mit der Geburtsfrau aushalten????????

! …….es waren Stunden auf den Fliesen…. mir ist kalt ……irre kalt……nach langer Taubheit steigt Erinnerung auf…..der 9. Oktober ist das entscheidene Datum und Punkt!!!!…..ratsch….meine Tochter braucht Unterstützung….. der Schmerz reguliert sich ein auf einen normalen Schmerz, indem wir wegschieben, ausblenden, wie es uns geht……hundert Jahre lang geübt: Nicht um uns geht es…verstehe ich auch nicht….da ist ein Außen, dass mich zwingt…irgendwie.

Was passiert im Gehirn während eines Traumatas?

1. Juni 2016

-aus dem Internet:

Der Mensch speichert seine Erlebnisse in zwei verschiedenen Gedächtnissystemen. Das assoziative Gedächtnis registriert Sinneswahrnehmungen, Gedanken und Gefühle und verknüpft sie zu einer Netzwerkstruktur.

Zeit und Ort der Erlebnisse werden dagegen an einer anderen Stelle, im autobiografischen Gedächtnis , gespeichert. Dort wird eine Chronologie, ein zeitlicher Ablauf der Ereignisse, festgehalten. In der Regel arbeiten diese beiden Gedächtnissysteme eng
zusammen.

Wenn sich jemand an ein bestimmtes Ereignis, zum Beispiel an den ersten Schultag, erinnert, tauchen automatisch die dazugehörigen Gefühle und Gedanken mit auf.
Bei einem traumatischen Ereignis gerät dieses Zusammenspiel durcheinander. Schuld daran sind die Stresshormone, die der Körper aufgrund der wahrgenommenen Bedrohung ausschüttet. Diese Hormone bewirken eine Mobilisierung des ganzen Körpers, so dass dieser auf eine schnelle Flucht oder auf Kampf eingestellt wird. Auf das Gedächtnis wirken diese Hormone zweifach: die Amygdala , die hauptsächlich für das assoziative Gedächtnis zuständig ist, arbeitet viel intensiver. Alle Gefühle und sinnlichen Wahrnehmungen werden enger miteinander verknüpft. Es entsteht bei traumatischen Erfahrungen ein sogenanntes Furchtnetzwerk. Zum Beispiel kann das Furchtnetzwerk einer vergewaltigten Frau sowohl ihre Gefühle der Angst und Hilflosigkeit beinhalten, als auch bestimmte Merkmale des Täters, seine Haarfarbe oder sein Körpergeruch, ein Geräusch, das gerade zu hören war, oder der körperliche Schmerz, der dem Opfer zugefügt wurde.
Auf der anderen Seite wird der für die Verarbeitung von Informationen zu Raum und Zeit zuständige Hippocampus in seiner Aktivität blockiert. Das Gehirn kann dann kaum eine autobiografische Gedächtnisstruktur für den Zeitraum der traumatischen Erfahrung bilden.
Das Trauma, das im assoziativen Gedächtnis weiterwirkt, kann dadurch nicht als Teil der individuellen Vergangenheit abgelegt und eingeordnet werden. Das erklärt, warum bestimmte Hinweisreize dazu führen können, dass die Gefühle und Körperempfindungen wieder neu erlebt werden (Flashbacks). Das Vergewaltigungsopfer beispielsweise hört ein Geräusch, das es aus der traumatischen Situation kennt, und erlebt dieselben Empfindungen wie bei der Vergewaltigung selbst: alle Gefühle und auch Körperempfindungen wie Angstschweiß, erhöhter Puls und Zittern bis hin zu den körperlichen Schmerzen. Das Furchtnetzwerk wird durch die Hinweisreize aktiviert und das autobiografische Gedächtnis kann nicht intervenieren, indem es klar macht, dass dieser Reiz ins Hier und Jetzt gehört, wo er keine Bedrohung mehr anzeigt.

Wie es sich lebt als Multiple

14. Januar 2016

Hier wird ein Begriff falsch verwendet ->Persönlichkeitsstörung. Multiple haben keine PS-störung (erzogen, erworben mit Notsystem), sondern eine Identitätsstörung (veränderte Gehirnstruktur,- und funktionsweise).

-aus dem Internet:
.
Eng mit dem psychisch bedingten Gedächtnisverlust verwandt ist die Symptomatik der dissoziativen Persönlichkeitsstörung.

Hier hat der durch seelische Traumata bedingte Gedächtnisverlust solche Ausmaße erreicht, dass ganze Teile der Persönlichkeit eines Menschen in die Abspaltung einbezogen werden.
Bei verschiedenen Anlässen treten dann ganz unterschiedliche Seiten der Persönlichkeit auf und handeln in Extremfällen, ohne dass ein Bezug zu den anderen Seiten besteht.
Ein solcher Mensch lebt wie zersplittert und hat größte Probleme, sich und die Mitmenschen zu verstehen. Weiterhin sind sein Lebensweg und seine Beziehungen von heftigen Wechseln und großen Schwierigkeiten gekennzeichnet.

Wenn sich – etwa durch ungünstige bisherige Lebenserfahrungen – ein starres Erlebens- und Verhaltensmuster entwickelt hat, kann dies zu Ieidvollen Störungen im Selbsterleben, v.a. aber auch zu schweren, sich ständig in ähnlicher Form wiederholenden Störungen in den Beziehungen zu anderen Menschen führen und die soziale Funktions- und Leistungsfähigkeit einschränken.

Persönlichkeitsstörungen sind somit als Extremvarianten bestimmter Persönlichkeitsstile zu sehen, wie sie jeder von uns entwickelt hat.
Die Symptomatik von Persönlichkeitsstörungen ist dementsprechend sehr vielgestaltig.
Beispiele wären etwa eine sehr stark misstrauisch-empfindliche Haltung der gesamten Umwelt gegenüber oder emotionale Kühle und ausgeprägtes Rückzugsverhalten.
Aber auch mangelnde Impulskontrolle, eine sehr schwere Selbstwertproblematik oder stark abhängiges, ängstlich-vermeidendes oder sehr zwanghaftes Verhalten können Ausdruck so einer Persönlichkeitsstörung sein. Charakteristisch für die Symptomatik bei Persönlichkeitsstörungen ist, dass sie lang anhaltend ist und als leidvoll erlebt wird.

Menschen mit einer dissoziativen Identitätsstörung fällt es schwer, ihr Erleben mitzuteilen, weil dies stark schambesetzt ist. Sie versuchen oft, ihre Symptome im Alltag zu verbergen, besonders ihre Zeitverluste, die sie am Tage erleben und ihre Identitätswechsel.
Sie bemühen sich intensiv, alles unter Kontrolle zu halten und teilen in ihrem Leben nur wenigen, sehr vertrauten Mensch ihr inneres Erleben mit.
Da sie manchmal auch innere Stimmen hören, tritt bei einigen Betroffenen die Sorge auf, falsch beurteilt und behandelt zu werden.
Im Übrigen können bei dissoziativer Identitätsstörung vergleichbare Symptome wie bei der Posttraumatischen Belastungsstörung auftreten wie z.B.:

erhöhte Schreckhaftigkeit

Depressionen

andauerndes Gefühl von Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen

andauerndes Gefühl von Betäubtsein und Stumpfheit

Vermeidung von Situationen, die mit dem Trauma zusammenhängen

Schlafstörungen

Alpträume.

Grundgefühl

9. Januar 2016

Dieses Foto drückt es aus, mein Fühlen.   (aus dem Netz gezogen)

 

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Was macht es mir so schwer? – Gedanken über Depressionen

9. Januar 2016

 

Mich beschäftigen die Antworten, die aus meinem Mund kommen zu Fragen wie: „Wie soll ihr Leben aussehen, wenn sie nicht depressiv wären? Und: Was wünschen sie sich?“
Dann sehe ich nach meiner Antwort meist unverständliche Gesichter, was mich natürlich anregt nachzuforschen, was so anders bei mir sein soll.
Ich hatte mit schon einigen Depressiven zu tun, habe immer Vergleiche angestellt, fand aber meist nur Unterschiede.

Zum Beispiel war da eine, die durchweg miese Laune bekam, wenn sie an anderen, wildfremden Menschen sah, was sie selbst nicht hat. Oh, wurde sie da böse. Lautstark machte sie ihren Unmut deutlich, schmiss ihre ganze Wut auf mich ab, ich, die nur zufällig daneben stand und nichts, überhaupt nichts dafür konnte. So geballtem Neid bin ich vorher noch nie begegnet. Neid und Selbstmitleid, denen man einen Doktortitel vergeben könnte, so intensiv waren sie. Heute finde ich dazu Worte – voll gelebte Opferrolle! Mit dem Schrei: “Oh, das will ich auch haben. Warum die und nicht ich?“

Andere erlebte ich als Wiederkäuer ihrer schlimmen Vergangenheit, mit der sie ihre Gegenwart zustopften, zertrampelten und selbst mir damit auf die Nerven gingen. Für mich eindeutig faule Menschen, die keinen Bock haben, sich neuen schmerzhaften Wegen zu stellen. Die von der Umwelt erwarten, dass sie an die Hand genommen werden, dass ihnen im Heute von Helfern eine Wiedergutmachung entgegengebracht wird. Sie möchten aufholen, nachholen im Bekommen von Zuwendung. Darum brauchen sie unentwegte Krankenhausaufenthalte, wo sie sich bemuttert fühlen. Gesund werden würde für sie bedeuten, Zuwendung zu verlieren. Puh, eine erschütternde Vorstellung.

Zu mir: Meine spontane Antwort auf die Frage nach dem Wunsch ist immer, dass ich mal fühlen möchte, was die gesunden Menschen fühlen, wenn sie sagen, das Leben ist schön. Morgens aufwachen und denken: Heureka, ein neuer Tag, wunderbar! Das ist mein Wunsch, wenigstens nur einmal so denken, so fühlen.
Nur einmal, werden sich jetzt viele fragen? Nun, ich denke, wachsen beruht auf Erfahrungen. Und oft reicht eine einzige gute, oder nicht?
Wieso behaupte ich, anders zu sein als die oben genannten? Neid kenne ich nicht als Gefühl. Da war stets die Freude für die anderen. Ich könnte es irgendwie feiern, wenn ich andere Menschen im Glück sehe. Finde es so wunderbar und wichtig. Natürlich stellt sich in mir die Frage, warum kein Neid? Die einzig logische Erklärung aus mir heraus ist die, dass ich von Geburt an keine Erwartungen hatte, wie auch. Erwartungen, dass da von außen etwas, jemand kommt und mir hilft in irgendeiner Form. Im Hirn der Gedanke: da ist nichts, da wird nichts kommen und Punkt. Du musst dir schon selbst helfen.

Oje, verstehe in diesem Moment, dass dies die Ursache der Überzeugung ist : Für dich gibt es niemanden! Hoffen lohnt nicht! Und damit auch nicht Vertrauen lernen. Bringt nichts.
Und dies bewirkte, dass ich mich nie in Bezug zu Anderen setzen konnte. Demzufolge konnten auch keine wirklichen Vergleiche entstehen, die auf die Hoffnung basierten, es könne sich etwas ändern.  Also – wo es sich nicht lohnt, wie soll da Neid entstehen? Ich meine den boshaften Neid, den wunschbesessenen Neid, den fordernden Neid.
Klar, irgendwelche Träume waren da als Kind – wo dazugehören, Halt zu haben…, aber dies empfinde ich nicht als Neid. Es war ein instinktives Begehren.

Zurück zu meiner Depression. Meine Vergangenheit habe ich stets ausgeblendet. Sie war nie Thema für mich im HEUTE. Geht gar nicht, weil es nicht auszuhalten wäre. Ich würde krachen gehen, wenn ich mich täglich mit ihr auseinander setzen würde (was mir ja auch die Therapien so schwer macht). Ich würde mich täglich mehrmals töten, der notwendige Akt, zu dem ich als Kind nie die Kraft hatte.

Meine Verwandtschaft würde jetzt anderes behaupten. Denn sie begreift nicht den Unterschied zwischen  (1)sich in der Vergangenheit suhlen- und  (2) dem ums Überleben kämpfen, sowie dem Wunsch, die Täter mögen ihre Schuld eingestehen. Ein einziges Mal hören „Tut mir leid.“ würde ich nämlich als minikleine Wertschätzung meiner Person ansehen.
Dass ich mich nur meiner kranken Seele stelle, die schmerzhaften Therapien durchstehe, kämpfe…. das sehen sie nicht. Sie sehen zB. diesen Block als Suhlen, als Familienverrat, als Rachefeldzug. Dass es mal nur um mich geht, ums Aufarbeiten, das sehen sie garantiert nicht. PS: Das sind Vermutungen von mir.

Und weil die Vergangenheit nie Thema war, hatte mich der Besuch des Stiefvaters 2002 ja so extrem in die Kindheit geschleudert, das Versiegelte Buch hat sich geöffnet, und ich werde seitdem von unermesslichen Scheißgefühlen überrannt.
Bis dahin konnte ich mit den fast täglichen schwarzen Löchern leben, war es gewohnt. Plötzlich aber bekam alles einen Namen…..echt, das wünsche ich keinem.
Außer in Therapien war weiterhin die Vergangenheit kein Thema, sondern es bestand die Gegenwartsfrage „Wie überlebe ich den Tag?“ Wieder und wieder. Nicht weil ich ein Weichei bin, nein.
Sondern weil da so viele Meinwesen aus mir herauskommen, die sterben wollen. Die Kleinen, die noch in ihrem Akutgeschehen stecken, die nur den Tod als Ausweg sehen.
Sich ihrem Erleben zu stellen, um die Verantwortung für sie übernehmen zu können, ist wohl das Mutigste, was ich je in meinem Leben angegangen bin. Es gelingt mir nur noch nicht immer, brauche Übung.

Zurück zum Thema. Was ist nun meine eigene Depression?
Es ist nicht die Vergangenheit.
Es ist das Heute!

Egal was ich alles für Fähigkeiten, Fertigkeiten habe, mein tägliches HEUTE ist das Fühlen der Kleinen, soweit habe ich es begriffen.
Da ist niemand in mir, der sich auf den kommenden Tag freut, niemand. Da ist seit jeher jeden Morgen beim Aufwachen der Gedanke: „Scheiße! Noch ein Tag mehr!“
Es hat sich in mir festgesetzt, dass das, was andere Leben nennen, für mich nur -Aushalten müssen- bedeutet. Aushalten, aushalten. Und da kann ich mir selbst versuchen, alles bisher als gut Erlebtes, gut Gelungenes ins Gedächtnis zurück zu rufen…….es hilft nicht echten Stolz etablieren zu können, es hilft nicht, Vorfreude auf etwas zu entwickeln.
Und warum nicht? Ich denke, es liegt am nicht existierenden Selbstwert. Da kann ich noch so gut sein in bestimmten Dingen, noch so viel Lob von außen erhaschen…..es fällt durch mich durch, wie durch ein Sieb.
Das Gehirn ist darauf programmiert, Scheiße zu sein, im Weg zu sein, zu viel zu sein, nichts wert zu sein.
Sag du mir, wie toll ich bin, und ich finde tausend Argumente, die dagegen sprechen.
Huhu, da könnte man jetzt Stimmen von außen hören „Hej, du weißt dies doch alles. Also kannst du es doch ändern!“
Kann ich eben nicht.
Und das ist genau das Problem.
Die erwachsene Intelligenz in mir, weiß um so, so vieles!
Aber die verschiedenen Meinwesen wissen gar nichts, sie fühlen nur, eingefroren in ihrem Moment.
Da kann ich mir vornehmen was ich will, sie haben die Übermacht, übernehmen das Fühlen. Und so bleibt jeder einzelne verdammte Morgen mit der Aussage: „Scheiße, noch ein Tag!“
Meine Depression ist nicht: Mir gehts schlecht!
Meine Depression ist: Ich Erwachsene stehe rund 90 Lebensmüden gegenüber, meinen inneren Anteilen.
Jeder neue Tag ist ein Kampf, ein Kampf ums Überleben.

Mein Ziel ist nicht, ein besseres Leben zu haben. Das wäre vielleicht mein Endziel irgendwann.

Mein Ziel im Kampf gegen meine Art der Depression ist: Leben leben zu können, es zu spüren, bewusst.
Und wenn ich es könnte, dann würde wohl irgendwann ein WOLLEN daraus, oder?

Und dann ………… irgendwann dann …… würde ich es mir besser wünschen  …das Leben.

Land unter

14. Dezember 2015

Von wegen schleichender Absturz….ich selbst denke mich kaputt. Und umso mehr ich über mich nachdenke, desto mehr finde ich alles, was in mir denkt und fühlt grauenvoll. Sehe in viele Situationen der letzten Jahre hinein : sehe verzweifelte Fixierung, sehe Klammern aufgrund von hilflos machender innerer Einsamkeit, sehe die Konstruktionen, die mein Kopf sich über einen Menschen gebaut hat, ich sehe Spontanreaktionen von mir, unüberlegt, grenzüberschreitend – weil mein Näheempfinden nicht das meines Gegenübers ist…… Und der Selbsthass steigt…ICH will das so nicht!!! ICH bin das nicht!!! Wie ein Überstülpen von außen, oder ein Marionettenspiel von innen. Oh, wie entsetzlich finde ich das Passieren, das, was oft so kindlich unbedacht ist, was aber nicht in mein Körper-Alter passt.

So denke und hasse ich mir seit Wochen die Nächte kaputt. Da findet sich kein Schlaf mehr. Dazu meine geforderte Tablettenumstellung – habe die Nase voll vom Fettwerden. Fazit der neuen Pillen: der Gedanke an Nahrungsaufnahme verursacht Übelkeit. Allergische Reaktionen ignoriere ich. Kann eh nicht einschätzen, was andere Menschen als schlimm und arztbesuchnotwendig erachten. Da kommt oft der Gedanke : Es wird bei mir mal ganz schnell gehen, weil Schmerzen, egal welche Stärke, noch heute von uns ertragen werden. Aushalten….ist ja nichts Neues. Diesen Gedankengang empfinde ich als tröstlich.

Ich wollte Schluss machen mit Therapien, Kliniken….15 Monate hangle ich mich durch ohne “Begleitung”. Was ist das Ende vom Lied? Weiß nicht wohin mit den Gedanken, mit den schrecklichen Gefühlen. Sie stauen sich im Inneren auf wie blöde. Es ist genau wie in der Kindheit, nicht wissen wohin damit. Der Stau will meinen Körper platzen lassen. Und ich tanze mal wieder auf der Grenze, die ersehnte, die Angst machende.

Dennoch gut, dass sich einer von uns immer rechtzeitig Hilfe holt. Die Erfahrung haben wir gemacht. Einer wenigstens will leben.

Die Macht der Gefühle

16. Januar 2014

16.1.14

Wenn mich der aktuelle Schmerz im Heute so sehr aufwühlt,
dann sind die Schmerzkinder nicht weit, kippen ihre Last dazu.
Und selbst meine Flüsterkinder suchen meine Nähe, wollen ihren Schmerz an mir loswerden.
Dann stecke ich zwischen HEUTE und GESTERN.

Gefühl
Finde keinen Weg aus dieser Lage. Nur der Blick nach unten bleibt mir.
Und irgendwann dann der Gedanke: „Lasst mich doch alle in Ruhe!“, und die Sehnsucht ist da,
die Sehnsucht nach dieser Weite:
Höhe
Bei diesem Anblick findet mein Herz wieder einen Rhythmus, das Atmen wird leichter.

Psychologische Erklärungsmodelle für Depressionen

7. Januar 2014

(aus dem Netz gezogen)

Gelernte Hilflosigkeit (nach Seligman):
Wenn die eigenen Verhaltensweisen über eine längere Zeit hindurch keinerlei Einfluss auf (negative) Ereignisse haben, so wird gelernt, dass eigenes Handeln sinnlos ist und Umweltgegebenheiten nicht beeinflussbar sind. Daraus resultieren folgende Störungen: Motivationsverlust; Lerndefizit (auch unter Bedingungen, unter denen man sehr wohl mit eigenem Handeln etwas ausrichten könnte, gelingt es kaum, sich diesen neuen Gegebenheiten anzupassen und entsprechend aktiv zu werden); Ängste, Magengeschwüre, Appetitverlust, Depressionen.
Depression als kognitive (= die Erkenntnis betreffende) Störung (nach Beck):
Der Depressive hat im Laufe seiner Entwicklung bestimmte negative Erfahrungen gemacht, die sich als kognitive Schemata verfestigt haben und durch bestimmte Auslöse-Situationen immer wieder aktiviert werden. Der in depressiven Schemata denkende Mensch sieht sich selbst, die Umwelt und die Zukunft negativ. Die Gedanken kreisen in irrationaler Weise um Themen, die die eigene Person abwerten. Der Depressive setzt sich herab, lehnt sich ab, interpretiert Misserfolge als Zeichen eigener Unfähigkeit und sieht sich mit unüberwindbaren Hindernissen und Belastungen konfrontiert. Folgeerscheinungen dieser kognitiven Störung sind: Niedergeschlagenheit, Verlust an Freude und Befriedigung; geringe Selbstbewertung, negative Erwartungen, Selbstbeschuldigungen, verzerrtes Selbstbild; Vermeidungs- und Fluchtverhalten, Entschlusslosigkeit, Selbstmord-Wünsche, erhöhte Abhängigkeit von anderen; Appetitverlust, leichte Ermüdbarkeit.

.
Zu Depressionen neigende Personen sollten in erster Linie darauf bedacht sein, die irrationalen Beurteilungs- und Denkmuster aufzudecken, zu verändern und in der Folge mit aller Konsequenz die konstruktive Denkweise zu fördern. Darüber hinaus sollte man versuchen, aktiv zu werden, mannigfaltige Interessen aufzubauen, stabile soziale Beziehungen zu erhalten oder aufzunehmen – Partner, Familienmitglieder, Freunde und Bekannte spielen bei der Überwindung von Depressionen eine wichtige Rolle – und die Selbständigkeit und Anpassungsfähigkeit zu fördern.
Negative Aspekte von derzeit nicht beeinflussbaren Gegebenheiten versucht man in ihrer Bedeutung etwas abzuwerten, anzunehmen und das Beste daraus zu machen. Positive Aspekte, seien sie im Vergleich zu den negativen scheinbar auch noch so klein und unbedeutend, sollten aufgewertet und in den Blickpunkt gerückt werden.
Den Depressiven quälen häufig Versagensängste, Ausweg- und Sinnlosigkeitsgefühle. Daher ist es entscheidend, Strategien zu entwickeln, die zwei Bedingungen erfüllen: sie müssen einerseits in der Lage sein, anstehende Aufgaben zu meistern und vorliegende Probleme zu lösen, dürfen aber andererseits den Betroffenen nicht überfordern (den Depressiven überfordert oft schon der einfachste Handgriff). Diese beiden Bedingungen unter einen Hut zu bringen, erweist sich nicht selten als schier unüberwindbare Hürde und ringt selbst dem erfahrenen Therapeuten oft all seine Kunst ab.
Die Ziele und Maßnahmen sollen den persönlichen Bedürfnissen und Möglichkeiten entsprechen – und nicht widersprechen. Nicht totale Veränderung soll das Ziel sein (das funktioniert ohnehin nicht), sondern das Aktivieren des brachliegenden Potenzials (im Denken wie im Tun) – das gilt natürlich für alle von uns, nicht nur für Depressive.

Tagebuch 8.10.

8. Oktober 2013

8.10.13

Verschlafe fast ganze Tage, um sie auszuhalten, zu überstehen. Die Realität geht gar nicht mehr.

So suchte ich nun die “Rettung” im Lesen eines Textes von Lydia Hantke. Das verhindert, dissoziieren zu wollen.
Der Text ist an die Traumatherapeuten gerichtet. Oft muss ich einen Absatz mehrmals lesen, ehe es bei mir ankommt. Möchte mal hier ein paar Ausschnitte notieren, die keinen Zusammenhang haben:

1. “Noch einladender und (von uns Therapeuten oft) wenig reflektiert sind die Hilfe suchenden Anteile unserer Klientinnen. Da sind wir doch gerne Retterin, Galan und “der Einzige, dem sie vertraut”. Aber gerade hier zementieren wir eine Rolle, die zentrales Ergebnis und Inhalt der Traumatisierung ist:
– Nach der Hilflosigkeit und der Dissoziation (im Traumageschehen) folgte das ÜBERLEBEN.
Es liegt also nahe, dass das “System Klient” diese Hilflosigkeit als Vorbedingung des Überlebens begreift.(für sich glaubt) Und solange nichts anderes sicher ist, würden Sie denn diese “erlernte” Sicherheit aufgeben wollen?”

Leute merkt ihr, was sich da für Erkenntnisse auftun? Bin völlig baff!

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Und sie schreibt auch, dass wir Dissos extrem geschult sind in der Wahrnehmung von Ungereimtheiten und Brüchen in der Kongruenz des Gegenübers. Also dass wir viel sehen “am” Therapeuten. Geschult sind wir deshalb, weil wir nur damit überleben konnten. Und hier wieder beginne ich die oft an Thera’s gesehene Unsicherheit zu verstehen: Sie haben Angst, durchschaut zu werden. Das jedenfalls erlebte ich vor 11 Jahren.
Sie schreibt auch, dass wir im therapeutischen Umgang meist nur 25% verbal mitbekommen, aber dagegen sehr klar und deutlich die nonverbalen “Äußerungen” mit 75% wahrnehmen.
Ups, muss daran denken, dass ich dieses Erleben sehr, sehr oft hatte.
Und das Kuriosum ist, dass gerade die nonverbalen Prozesse sich unbewusst abspielen, direkt im Verhalten aus dem Bauch heraus kommen. Also Theras, achtet auf euch und auf das, was ihr unbewusst an “Zeichen” sendet.

Das Dissoziieren selbst erkennen

28. September 2013

Ein super Artikel, den ich ohne Zitatangaben reinstelle. Das ist geniale Arbeit des Therapeuten!

von  Lydia Hantke

Von der Ressource zur Dissoziation und zurück – ein Schema zur Analyse individueller Dissoziationsmuster

Einführung
Dieser Artikel möchte ein Analyseschema vorstellen, das es TherapeutIn und KlientIn gemeinsam erlaubt, die individuellen Dissoziationsmuster der Klientin wahrnehmen zu lernen.
Die Erfahrungen der Unterbrechung der neuronalen Verarbeitung, des Abbruchs der internen (und oft auch der externen) Beziehungen werden dadurch weniger angstbesetzt, voraussehbarer. Auf dieser Basis eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten, inner- und außerhalb des therapeutischen Settings einen veränderten Umgang mit Dissoziationen zu erarbeiten
.
Einordnung des Ansatzes/Hintergrund der Überlegungen
Alle Therapieschulen haben unterschiedliche Methoden entwickelt, mit den „shattered assumptions“ umzugehen, dem missbrauchten Vertrauen, dem zerrütteten Sicherheitsempfinden, dem Gefühl endloser Schuld in der Hilflosigkeit nach dem Trauma. Auf der Ebene von Werten und anderen intersubjektiv vermittelten Kategorien haben wir nach dem „blaming the victim“ große Fortschritte gemacht. Die Parteilichkeit, der „vinculo comprometido“ haben Abstinenz oder Neutralität erweitert um den Gedanken der Zeugenschaft. In diesem Kontext ist die neuere Traumatheorie und –praxis entstanden.
Auch physiologische Erkenntnisse sammeln wir in den letzten Jahren immer detaillierter. Sie belegen die Theorien der Désintégration/Dissoziation von Pierre Janet und beschreiben zunehmend genauer die Prozesse, die „fehlende Integration“ bedeuten. Die therapeutischen Methoden beziehen Wissen aus unterschiedlichsten Schulen ein: z.B. in Hypnotherapie und NLP entstandene Imaginationstechniken und Bildschirmarbeit, Techniken mit verhaltenstherapeutischen Anteilen wie das EMDR, Weiterentwicklungen der Medianlehren oder abreaktiver Methoden wie im Somatic Experiencing und betrachten zunehmend auch die körperliche Verarbeitungsebene.

Was demgegenüber aber noch erforderlich ist, ist die Anwendung unserer gesammelten Kenntnisse im Bereich der Stabilisierung.
Hier stehen Übungen und dissoziierendes Individuum oft weitgehend zusammenhanglos nebeneinander.

Stabilisierung soll die Verankerung im Hier und Jetzt gewährleisten, eine sichere Basis für das Funktionieren jenseits der Flashbacks und für die Traumaexposition in der Therapie bieten.
Das gelingt gut, solange die Übergänge zu den unangenehmen Erinnerungen absehbar und übersichtlich bleiben, sie sich ankündigen.
Aber wenn die Angst plötzlich kommt, der Persönlichkeitswechsel zu abrupt ist, dann wird es schwierig.

Am allerschlimmsten sind all diese unnennbaren Anlässe und Trigger, die nicht isolierbar sind oder so vielfältig, dass der Versuch einer Identifizierung nur hilflos machen kann.

Aber wie kann ich der Klientin den Zugang zur Stabilisierung ermöglichen, wenn sie droht, ins Chaos abzurutschen und niemand da ist, der sie „hier“ hält?

Das Besondere im Trauma ist ja, dass es alle Kanäle, alle Gewissheiten, alle Werte und alle Beziehungen betrifft, bzw. betreffen kann.
Stabilisierung heißt aber, den Kanal zu finden, der am wenigsten betroffen ist, um einen Übergang herstellen zu können auf sicheres Terrain.

Wie können wir gemeinsam mit unseren KlientInnen solche Übergänge schaffen, Brücken errichten in der zerstörten Landschaft?
Wie könnte die Wanderin im Hochgebirge erfahren, dass dort vorne der Abgrund lauert? Viele Übungen greifen im ebenen Gelände, aber sobald die Schlucht sich auftut, ist der Zugriff nicht mehr herstellbar. Oder, um im Bild zu bleiben: Wenn das Gewitter kommt, hilft nur ein gutes Frühwarnsystem, ein sicherer Unterstand oder der feste Glaube an ein „Danach“, wenn die Rückkehr nicht gelingt. Noch besser oder siegreicher fühlt es sich an, wenn durch die eigene Konzentration das Gewitter abzieht und der Himmel wieder aufreißt. „Wettergöttin“ sein, das ist Meisterschaft über das Trauma. Lassen Sie uns sehen, wie das gehen kann.

Mikroanalyse individueller Dissoziationsmuster
Alle konstruktiven Möglichkeiten der Bearbeitung von Dissoziationen setzen den Abstand, die Beobachterposition voraus.
Im assoziierten Zustand ist das optimale Erregungsniveau zur Bearbeitung nicht gegeben.
Das traumatische Wiedererleben muss dann als aggressives, feindliches Element betrachtet, als ein Drittes, Unkontrollierbares empfunden werden.
Nur aus der sicheren Betrachtungsposition – der Aus-einander-Setzung – kann eine Integration ins Hier und Jetzt erfolgen. Dazu bedarf es einer „jetzigen“, analysierenden Metaposition. Diese Metaposition kann und sollte auch für die Zeiten erhöhter Dissoziations-„gefahr“ erarbeitet werden.

Es sind in den letzten Jahren dankenswerterweise etliche Publikationen auch allgemeinzugänglich geworden, die sich mit Stabilisierungen und dem Umgang mit Dissoziationen beschäftigen.

In diesem Artikel soll es zusätzlich zu den an anderer Stelle beschriebenen Unterscheidungen nach den „Ebenen dissoziativer Spaltung“ wie States, Alters, Persönlichkeitsfragmenten, Flashbacks um eine Mikroanalyse des Übergangs in die Dissoziation gehen.
Nicht die Frage nach der Reorientierung zur Überwindung der Dissoziation ist zu beantworten, und auch der Zweifel des adäquaten Umgangs mit dem dann Auftauchenden ist hier nicht Gegenstand.
Es geht um die Betrachtung des als unwillkürlich, nicht-greifbar und unkontrollierbar erlebten Übergangs selbst.
Reddemann 2001 beschreibt ihn als den Punkt, „wenn ich während einer Traumaexposition auch nur die leistesten Anzeichen eines ‚Weggehens’ beobachte“.
Im Folgenden geht es darum, den Blick für den Übergang zur Dissoziation zu schulen, ein Setting und ein Analyseschema vorzustellen, mit denen beiden, KlientIn wie TherapeutIn, dieser Übergang zugänglich und vertraut gemacht werden kann.

Was brauche ich dazu?
Lassen Sie mich das Beispiel weiterspinnen:
Ein Wanderer im Hochgebirge wird gut daran tun, sich entsprechendes Schuhwerk zu besorgen, wetterfeste Kleidung anzuziehen und die nötigen Seile und Sicherungshaken bereit zu halten, bevor er sich einem Abgrund nähert oder auch nur auf unsicheres Terrain begibt. Er sollte sich sinnigerweise eine Karte des zu erkundenden Geländes besorgen. Und ein erfahrener Begleiter wäre auch nicht schlecht. All das sind Sicherheitsvorkehrungen, die wir alltäglich mit unseren Klientinnen treffen.
Nun sind unsere Klienten gut ausgerüstet und mit dem Gelände vertraut, sie wissen, welche Schluchten, Abhänge und Flüsse es gibt. Was wir nicht „im Griff“ haben ist, dass in diesem Gelände immer wieder Gewitter, Wolken und Winde aufziehen, die Sicht eingeschränkt ist, die Nacht schneller einbricht: die zusammenhängende Wahrnehmung fehlt.
Die uns vertraute Wahrnehmung der Kontinuität von Raum und Zeit – nach außen, nach vorne, in die Zukunft gerichtet – funktioniert nur schlecht, wo Brüche, Dissoziationen die Wahrnehmung bestimmen.

Was bräuchten wir dort, wo die Zukunft keine eigene ist und als unvorhersehbar und plötzlich erlebt wird?

Eine Wahrnehmung, die sich auf das konzentriert, was im jeweiligen Moment vorhanden ist und daraus Ableitungen für eintretende Veränderungen erlaubt.
Ein Gewahrsein des eigenen Körpers und des Raum/Zeit-Bezugs, das es ermöglicht, kleinste Veränderungen sicher und angstfrei wahrzunehmen und neue Entscheidungen zu treffen.

Wir benötigen dazu:
→ Einen dissoziationsfreien Ausgangszustand
→ Eine Schema zur Analyse seiner Bestandteile
→ Einen sanften, kontrollierbaren Wechsel in einen dissoziierten Zustand
→ Die Erfahrung, an welchem Punkt die eigene Wahrnehmung abbricht, die andere Wahrnehmung ansetzt, um rechtzeitig innezuhalten und ggf. zurück zu orientieren.
→ Das Vertrauen, dass Rückkehr möglich ist
→ Als Folge daraus die Erfahrung, dass der Wechsel ein Übergang ist, der herstellbar, kontrollierbar wird.

Arbeiten im Ressourcenzustand
Als Ausgangspunkt unserer Arbeit mit traumatisierten Menschen, die Schwierigkeiten haben, mit ihren Dissoziationen umzugehen, soll hier die Arbeit aus dem Ressourcenzustand heraus vorgestellt werden.

Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Stabilisierungsübungen, die Ressourcen aktivieren und so den Erlebnisbereich jenseits der traumatischen Erfahrungen ausbauen. Sie haben auch einen sehr wichtigen Platz im Alltag der Traumatherapie.
Und doch mache ich immer wieder die Erfahrung, dass Therapeutinnen in Weiterbildungen erstaunt auf die Einführung des Ressourcenzustandes als dauerhafte Begleitung des therapeutischen Kontaktes reagieren.
Und sie dann mit viel Interesse und Erfolg übernehmen.

Die hier vorgeschlagene Herangehensweise stellt den Ressourcenzustand, der im Hier und Jetzt angesiedelt wird, in den Mittelpunkt der therapeutischen Arbeit mit Dissoziationen.
Dabei ist es an dieser Stelle unwichtig, ob ein Zielzustand, eine angenehme Erinnerung oder eine angenehme Befindlichkeit im Therapieraum als Ausgangspunkt dient – solange die Klientin die Erfahrung als eine im Hier und Jetzt zu erlebende wahrnimmt. Denn auch die Erinnerung drückt sich ja jetzt in Gedanken, Gefühlen und Körperlichkeit aus.
Dieser Ressourcenzustand ist der Ausgangspunkt der Betrachtung.

Von ihm aus und auf ihn zu wird die Aufmerksamkeit der KlientIn darin geschult wahrzunehmen, ob ihr momentanes Handeln für den erwünschten Zustand zieldienlich ist oder nicht.
Statt der Konzentration auf Probleme und unangenehme Gefühle soll – zumindest immer begleitend – ein gutes, erwünschtes Gefühl als „Leitsymptom“ für die Suche nach einer Lösung so etabliert werden, dass es immer wieder auffindbar ist und jeder andere Zustand im Verlauf der Stunde damit abgeglichen wird.
Die Lösungsversuche, die man ja gemeinhin im therapeutischen Setting unternimmt, können dann (z.B. entlang der Körperhaltung) immer wieder auf Stimmigkeit überprüft und wenn nötig geändert werden.

Betrachten wir beispielsweise Frau Harms, die mit ständig wiederkehrenden Flashbacks und Alpträumen nach einer Misshandlungsgeschichte durch den Ehemann zu mir in die Praxis kommt.
Die Tatsache, misshandelt worden zu sein, hat sie in der Gemeinschaft des Frauenhauses halbwegs „realisieren“ können, aber die Intrusionen verhindern jedes Funktionieren im Alltag. Zudem belasten sie aufbrechende Erinnerungen an eine mutmaßliche Geschichte sexualisierter Gewalt in der Kindheit.

Frau Harms sitzt vor mir, der Kopf ist gebeugt, die Schultern zusammengesackt und sie beginnt, von ihren Problemen zu erzählen. Nach einer kurzen Weile unterbreche ich sie:

„Entschuldigen Sie, Frau Harms, ich möchte Sie eigentlich nicht unterbrechen,
aber: Geht es Ihnen gut?“

Sie schaut ziemlich irritiert auf, natürlich ginge es ihr nicht gut, deshalb sei sie doch da.
„Sie haben vollkommen Recht, ich würde Ihnen nur gerne kurz erklären, wie das für mich aussieht. Sie investieren in diese Sitzungen Ihre Zeit du Ihr Geld, und ich möchte doch wissen, wie ich Ihnen helfen kann. Und wenn ich höre, was Sie mir erzählen und sehe, wie es Ihnen immer schlechter dabei geht, frage ich mich, ob das genau das ist, was Sie möchten. Denn ich weiß ja nicht, wie Sie reagieren oder was Ihnen gut tut, und was nach der Sitzung für Sie daraus folgt, können wir beide jetzt wohl gar nicht bestimmen. Und deshalb würde ich gerne zusammen mit Ihnen versuchen, ein Beurteilungskriterium zu finden, das uns schon hier in der Sitzung hilft, festzustellen, ob Sie das, was wir tun, in die richtige Richtung führt. Einverstanden?“

Aber natürlich sei das in Ordnung, sie wisse nur nicht, wie das gehen soll, ich sei doch die Expertin – inzwischen habe ich die volle Konzentration von Frau Harms; als Systemikerin würde ich sagen, sie ist angemessen verwirrt.

„Und deshalb würde ich eigentlich gerne erst mal feststellen, wo es für sie hingehen soll… was für sie rauskommen soll bei der Therapie?“

Frau Harms erzählt mir dann zunächst, dass sie keine Flashbacks und Alpträume mehr haben möchte, geht aber schnell auf meine Fragen ein, was sie denn machen würde, wenn sie die Intrusionen nicht mehr hätte.

Als wir bei ihrer ruhigen Alltagsbeschäftigung und dem angenehmen Gefühl, in der Arbeit aufzugehen angelangt sind, frage ich weiter:

„Und wenn Sie sich das jetzt mal so vorstellen, wie das ist: Sie sitzen am Schreibtisch, um Sie herum ist Trubel, aber Sie sind ganz konzentriert und schauen zwischendurch aus dem Fenster ins grüne Laub der Bäume… Wo spüren Sie das in Ihrem Körper? Wie genau fühlt sich das an? Beschreiben Sie das noch mal genauer: Wenn das eine Farbe hätte… eine Form… eine Konsistenz… fließt das… oder welche Körperteile sind noch dabei und spüren das schon…?“

Und wenn sie diesen Zustand genau beschrieben und ausgebaut hat und ich mir einige Schlüsselbegriffe aufgeschrieben habe, dann frage ich Frau Harms, die mittlerweile ihr ursprüngliches Anliegen, mir von den Flashbacks zu erzählen, ganz vergessen hat:

„Und wenn Sie mir jetzt weiter erzählen, können wir uns dann diesen Zustand als Ausgangsbasis merken und als Orientierung dafür nehmen, ob wir so weitermachen sollen? Und Sie sagen mir vielleicht, sobald ich nachfrage, ob er sich verändert und in welcher Hinsicht? Aber vorher noch eine Frage: Auf einer Skala von 1-10, wo würden Sie sich im Moment einordnen, wenn 1 heißt: ganz wenig von dem guten roten Gefühl im Bauch und 10 heißt: so klasse ist es nur ganz selten, also: optimal? Wo befinden Sie sich gerade? Und wie viel Abweichung möchten Sie zulassen, während Sie mir jetzt von Ihren Problemen erzählen? “

Mit der Etablierung des Ressourcenzustandes als ständigen Bezugspunkt während der Therapie orientieren wir an den Ressourcen der Klientin, durch seine permanente Überprüfbarkeit durch Einführung einer Skala und die Festlegung eines Toleranzwertes für die Abweichung gibt der Klientin von Anfang an die Kontrolle über den Therapieverlauf und sie lernt, kleinste Abweichungen wahrzunehmen.

Kategorien der Integration/Dissoziation
Betrachten wir die Parameter, anhand derer sich der Ressourcenzustand beschreiben lässt, um ein Analyseschema für die misslingende Integration in der Dissoziation zu erhalten.
Vor dem Hintergrund der Janetschen Betrachtungen zur Persönlichkeitsentwicklung und einer Analyse von Trancezuständen, wie sie Grundlage hypnotherapeutischen Handelns ist, möchte ich folgende Kategorien der Integration vorschlagen:
→ die Informationen aus den unterschiedlichen Sinneskanälen:
􀂃 Hören
􀂃 Schmecken
􀂃 Riechen
􀂃 Sehen
􀂃 Fühlen

→ die In-Bezugsetzung zu den Dimensionen
􀂃 Raum
􀂃 Zeit
􀂃 dem Anderen
􀂃 den Dingen
􀂃 dem eigenen Körper und
􀂃 der Bezug zum Sein (der ontologische Sinn-Bezug)
→ die Bedeutungszuweisung an die einfließenden Informationen
􀂃 Sinn
􀂃 Identität
􀂃 Glaubenssätze (Werte)
􀂃 Fähigkeiten
􀂃 Selbstbild/Selbstbeschreibung

Diese Kategorien werden, um passgenau zu sein, noch erheblich verfeinert. Eine komplette Auflistung würde den an dieser Stelle gegebenen Rahmen sprengen und kann an anderer Stelle nachgelesen werden.
Die vollständigen Kategorien bilden die Grundlage, um gemeinsam mit der Klientin ihre dissoziativen Mechanismen bzw. die Brüche in ihrem Verhalten und Erleben zu beschreiben.

Anders als in den (sicher oft für ein Screening hilfreichen) Fragen verschiedener diagnostischer Instrumente, werden hier keine zusätzlichen, in der Vergangenheit aufgetretenen oder überhaupt in der eigenen Geschichte bekannten Situationen evoziert, wird die Aufmerksamkeit nicht auf das breite Spektrum möglicher Erlebensphänomene gerichtet.
Ausgangs- und Bezugspunkt ist vielmehr die aktuelle Dissoziation, jene, die beim gerade aktuellen Thema oder im Therapiesetting aufgetreten ist.
Und auch diese Dissoziation wird nicht „als solche“ betrachtet (wo waren Sie denn da? Wie haben sie das erlebt? Wie fühlt sich das an? Können Sie das genauer beschreiben?), sondern in Beziehung gesetzt zum assoziierten Zustand direkt danach oder davor.

Aber wenden wir uns wieder Frau Harms zu:
Sie sitzt mir einige Stunden später schräg gegenüber, wir haben einen Ressourcenzustand etabliert, der für sie diesmal ein Spaziergang am Strand ist: Möwen schreien, und der Wind pfeift; sie fühlt Stärke und Gelassenheit in oberem Brustkorb und Bauch, für beides hat sie eine Farbe gefunden, ihr Körper drückt Kraft aus.

Jetzt kommen wir auf das für diese Stunde bestimmte Thema zu sprechen, das wir eventuell mit EMDR bearbeiten wollen: Ihr Mann hat sie in den Keller des gemeinsamen Hauses geschleppt und misshandelt.
Soweit kommen wir aber gar nicht; Frau Harms hat mir gerade noch von dem angenehmen Tag vorher erzählt, als sie „wegrutscht“, defokussiert in eine andere Ecke schaut und ich das Gefühl habe, den Kontakt zu verlieren.
Ich reorientiere sie durch direkte, energischere Ansprache, mit der ich sie zum Aufstehen auffordere, wir gehen auf den Balkon, Atmen tut gut, sie ist wieder bei mir im Raum.
Als nächstes orientiere ich sie wieder auf die Ressourcensituation, gut geht das nicht, aber immerhin ein bisschen, die Skalierung zeigt eine knappe 5, und das reicht nach gemeinsamer Absprache, um wieder zum Thema zu kommen.
Und das ist jetzt: die Dissoziation. Dieser Zustand ist ja der, der sie immer wieder belästigt, wenn sie bei der Arbeit ist und plötzlich „ausblendet“, wenn sie endlich mal etwas Angenehmes unternehmen will und „es auf einmal wiederkommt“.

Ich könnte jetzt fragen, was sie erlebt hat, wo sie mit ihrer Wahrnehmung war. Das wäre interessant für mich, für sie würde es erst mal keinen Unterschied machen, sie kennt den Zustand ja. Ich würde die Aufmerksamkeit orientieren auf eine Szene, die momentan keine Schwierigkeiten hat, sich Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Worum es mir und ihr aber geht ist, einen besseren Umgang, einen möglichen Zugang zu der Dissoziation zu erreichen und die Übergänge zu verdeutlichen.

Dazu brauchen wir zweierlei: einen stabilen Standort und einen Blick von außen.

Was wir hier auf jeden Fall nicht brauchen, ist Wiedererleben.
Der stabile Standort ist die Ressourcenhaltung, das Ressourcengefühl: er ist die optimale Verankerung im angenehmen Hier und Jetzt.
Um ihn noch genauer zu beschreiben, analysieren wir zunächst noch einmal ihn mithilfe des Schemas: Was sind die Sinneseindrücke? Wie fühlt sich der Bezug zum Anderen an, zu sich selbst, zu Zeit, eigenem Alter und Raum? Was können Sie dann, was denken Sie von sich, wozu sind Sie in der Welt?

Wenn wir diese Kategorien am Ressourcenzustand erarbeitet haben, gehen wir weiter. „So, und jetzt möchte ich Sie bitten, einmal ganz kurz an vorhin zu denken, als wir über Ihren Mann geredet haben … Halt, reicht schon! Jetzt erst mal wieder zurück in die Ressource (und ich zähle ein paar der Parameter auf, um sie dahin zurück zu orientieren): Was ist jetzt grade passiert? Was genau war das Allererste?“

Zuerst kommt ein „Ich weiß es nicht“, ich orientiere sie noch einmal in den Problemzustand, nur ganz kurz, vielleicht eine halbe Sekunde. Es geht mir ja um den Übergang, nicht den Zustand.
Beim zweiten Mal sagt Frau Harms: „Ich sehe das Dunkel und dann…“ und während sie das sagt, droht sie schon wieder wegzurutschen.
Also reorientiere ich, und dafür nehme ich mir Zeit. Erst wenn der Ressourcenzustand für den Moment optimal wieder hergestellt ist, schauen wir wieder auf die andere Seite. Wenn Sie es für richtig hält.
Für heute ist es genug, wir machen einen Gang durch den Raum, reden über nettere Dinge, gegen Schluss der Stunde ist Frau Harms wieder ganz hier, kann die Ressource (die nach dem Spaziergang der Stand auf dem Boden und die aufrechte Haltung sind) beschreiben und ist erstaunt, dass das ging: mal eben kurz mit einem Fuß in den Flashback und doch zurückzufinden.

Unsere Suche ist die nach der Eintrittskarte in die Dissoziation.
Nicht der Trigger interessiert, sondern das, was der Körper, die Wahrnehmung, die Bewertung dann macht.
Frau Harms hat in der folgenden Stunde festgestellt, dass ihre Eintrittskarte das Niederschlagen der Augen ist.
Und dann hat sie mich angeschaut und einfach geübt, den Blick zu halten, während sie von dem Erleben erzählte. Nicht ganz, nur den Anfang, aber welcher Triumph das war!

Der Übergang in die Dissoziation liegt auf einer der Ebenen des Analyseschemas, und meist wird er eingeleitet von einer winzigen körperlichen Veränderung: dem Senken des Blicks oder der Anspannung eines Muskels, dem Anhalten des Atems, einem Bild oder Satz, das oder der „in den Kopf fällt“.

Und all die anderen Kategorien hängen daran. Sie zu explorieren, darum geht es nicht. Sie werden kenntlich, aber auch gemildert durch die klare Analyse des Ressourcenzustandes und die Kennzeichnung des Unterschiedes, den die Dissoziation macht.
Grundsätzliches Ziel ist es, zunächst die Möglichkeiten der Aufmerksamkeitslenkung zur Erhöhung der Eigenwahrnehmung und des Kontrollerlebens zu schaffen.
Nicht immer sind Dissoziationen vermeidbar, das ist auch nicht alleiniger Zweck der Übung.
Die eingeführte Metaposition, die parallel zum Erleben die Parameter analysiert ermöglicht aber selbst im unkontrollierbaren Flash-Back das Einnehmen einer Beobachterposition und schafft die Basis für die Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten.
Danach kann ich entscheiden, meine Notfallliste zu bedienen, meinen sicheren Ort aufzusuchen, unter die kalte Dusche zu gehen oder eine Runde zu joggen.

Empowerment
Die Einführung der Arbeit aus dem Ressourcenzustand ist in den allermeisten Fällen eine vollkommen ungewohnte Herangehensweise für die Klientin, sehr oft aber (gerade auch in der Arbeit mit Gruppen) eine, die mit viel Enthusiasmus und Interesse in den Alltag und die Folgegespräche mitgenommen wird – fördert sie doch angenehmes Erleben, ohne die Augen vor den Problemen zu verschließen bzw. ausschließlich in die Zukunft zu orientieren.
Das gelingt leicht, wenn die Orientierung an der momentanen Befindlichkeit und den Auswirkungen aller Handlungen hierauf ständige Orientierung in der Therapie wird.
Das Analyseschema kann für den „Hausgebrauch“ an die Besonderheiten der Klientin angepasst und gemeinsam umformuliert werden.
Es existieren dazu meines Wissens bislang keine Studien, aber in meiner Praxis hat sich für die meisten Klienten ein je spezifisches Dissoziationsmuster (oft auch situationsübergreifend) herausarbeiten lassen.

Frau Harms z.B. hat für sich erarbeitet, dass sie vornehmlich auf Geräusche, Stimmen etc., also dem auditiven Kanal zuerst reagiert, und ihre körperlichen Reaktionen zuerst Augenbewegungen und dann ein Einstellen der Atmung zusammen mit einer Kontraktion der Schultermuskulatur ist.
Sobald sie (triggerunabhängig!!) spürt, wie sich ihre Verspannungen im Schultergürtel (die sich erst ein wenig gelockert haben) an einer bestimmten Stelle intensivieren, beginnt sie ihr Wohlfühlprogramm und weiß, dass sie jetzt besser für sich sorgen muss, weil sie anfälliger wird.
Und demnächst werden wir einige der verbliebenen Ereignisse mit EMDR bearbeiten können.

Abschließende Bemerkung
Wir haben gesehen, wie die Orientierung am Ressourcenzustand eine Annäherung an die Dissoziation und einen entspannteren Umgang gerade dadurch ermöglichen kann, dass die Dissoziation aus dem Ressourcenzustand heraus freiwillig gewählt wird und ein bewusstes „Switchen“ so die Kontrollerfahrung möglich macht.

Die Schritte des Vorgehens sind für Therapeutin wie KlientIn dieselben:
1. Etablierung des Ressourcenzustandes
2. Bestimmung seiner „Zusammensetzung“ anhand des (individuell modifizierten) Analyseschemas
3. Etablieren von Skalenwerten zu seiner Kontrolle
4. Herausarbeiten der Übergänge
5. Spielen mit den Übergängen
6. Die Kontrollerfahrung genießen

Wenn das Gewitter hereingebrochen, die Dunkelheit da ist und der Wind pfeift, ist die Panik nicht nur im Hochgebirge ein Begleiter, der die vorher vorhandenen Möglichkeiten der Rettung nicht mehr auffindbar macht. Wer sich ganz im Hier und Jetzt immer darauf konzentriert, guten Tritt zu haben, im Lot zu bleiben und das Wetter in all seinen Merkmalen kennt, der lernt Veränderungen wahrzunehmen, die vorher inexistent schienen: die beginnende Erschöpfung, der bröseligere Untergrund, das Verstummen der Tiere.
Nicht immer ist das Unwetter dann zu umgehen, zu vermeiden, der Unterstand noch zu erreichen. Im schlimmsten Fall muss man sich zusammenkauern, einen Fels als Deckung suchen, abwarten und aushalten.
Wer den Wechsel zwischen Sonnenschein und Wolkenbruch erlebt hat, weiß, dass jedes Gewitter ein Ende hat.
Nur wer den Übergang nicht kennt, ist in jenem Zustand allein mit der Angst.

Kein Selbstwert

23. Juli 2013

Selbst-WERT

Du störst – du bist selbst schuld – du hast dich unter zu ordnen – du machst meine Ehe kaputt – reiß dich am Riemen, sonst setzt es was – hör auf zu jammern – zieh nicht solche Gusche, sonst knallt es – man hat zu schlucken – Strafe muss sein – iss das gefälligst auf – hab dich nicht so – geh in dein Zimmer, was willst du hier – hättest vorher überlegen müssen, nun ist zu spät (Prügel) – du denkst immer erst hinterher – brauchst dich nicht zu wundern über die Reaktionen der anderen – wofür suchst du einen Schuldigen – nein, ich habe dich nie geliebt, weil die Heimschwestern meine abgepumpte Milch dir nicht brachten…

In meinem Selbst:
Ich bin nichts wert – bin überflüssig – mich will keiner – ich bin selbst schuld – ich habe es verdient – ich bin zu dumm – kriege nichts auf die Reihe – ich darf nichts wollen- ich darf nichts fühlen – und erst recht nicht zeigen – an jeden Echo bin ich selbst schuld – man kann mich nicht lieben – habe Liebe nicht verdient – bin zuviel auf der Welt…

Zwei voneinander getrennte Absätze, auf die ich wirklich nicht eingehen muss.
Ein irres Selbstbild von mir, dass mich Schritte auf Menschen zu nur selten und sehr zögerlich machen lässt. Immer weg geschoben als Kind, nicht wahrgenommen als Menschlein … was bleibt da in mir? Ich bin es nicht wert. Punkt! Jede Annäherung von mir an andere empfinde ich als Anmaßung von mir, als ein Aufdrängen.
Es geht einfach nicht in meinen Kopf hinein, dass eventuell Leute mich mal gern um sich haben. Geht gar nicht! Wie auch, bin schlecht, sonst hätte man mich als Kind doch geliebt, oder?

Ich bin gar nichts wert.
In mich eingebrannt, vom Introjekt immer wieder neu heraufgeholt, in Stein gemeißelt!

Sehe gerade einen Zusammenhang zum Thema EINSAMKEIT.

Was ich oft träume?????
Ein einziges Mal an einem Menschen anlehnen, ohne auf dem „Sprung“ zu sein, auf der Hut!

Nur ein einziges Mal so etwas fühlen dürfen …. Beistand in absoluter Sicherheit!!!!!

Posttraumatische Belastungsstörung / PTBS Typ 2 frühkindliche Traumatas

5. März 2013

(für weitere Artikel einfach Seite runter rollen)

Vereinfachte Darstellungen aus dem Netz gezogen zur Erklärung:


Vorsicht: Der Text ist von mir verfasst, einer selbst Betroffenen, die nur versucht, ihr Wissen weiter zu geben, mit leicht verständlichen Worten für den Laien.

1. Abbildung 1:                              etwas runterscrollen

Trauma: Ein Erlebnis, bei dem der Mensch Todesangst verspürt!

Abbildung:   Je schwerer die Posttraumatische Belastungsstörung, um so getrennter ist das Erleben und Wahrnehmen dieser
4 (BASK) Zustände. Ein gesunder Mensch – hier NORMAL- kann alle 4 Zustände bewusst im Zusammenhang untereinander erleben und zuordnen.

Je schwerer die Traumatas wiegen (Stärke/Anzahl), um so mehr erlebt der Mensch die Zustände voneinander abgekoppelt.

Beispiel Stress/Trauma (hier grün): bei einem schweren Unfall ist das Gehirn so überlastet mit B, A und S, dass es aus Not das eigentliche Wissen (K) um das Geschehnis abspaltet, ganz versteckt im Gehirn einlagert.
Das aber bedeutet, es wird auch die Tatsache vergraben, dass dieses Erlebnis ein Ende hatte, also nur ein vorüber gehender Zustand war.
Darum bleibt der Mensch ohne Behandlung weiterhin in dem Angst/Flucht/Gefahrmodus der Alarmbereitschaft, reagiert bei ähnlich anmutenden Situationen immer wieder mit Panik usw.
Folgen sind für den Patienten unerklärliche Panikreaktionen im Alltag, Steigerung von Angstzuständen, Schlaflosigkeit, Flashbacks.

Zur Gesundung muss das Wissen um den Vorgang aus dem Gedächtnis hervorgeholt werden, lange besprochen werden, damit der Patient lernt, dass die schreckliche Situation in die Vergangenheit gehört. Es wird also dem Gehirn klar gemacht:
„Hallo, es war einmal! Du brauchst nicht mehr im Reflex der Panik/Totenstarre/Flucht bleiben, denn die Situation, die dich damals in diesen Zustand versetzt hat, ist VORBEI !“

Beispiel Dissoziation (hier blau): schafft es der Mensch nicht, das Körpererleben (S) psychisch zu ertragen, dann spaltet das Gehirn (wenn es noch sehr jung und damit formbar und kreativ ist) auch diesen Zustand ab. An diesem sogenannten Abschaltpunkt  „verlässt die Seele den Körper“ damit sie keinen Schaden nimmt, damit man überlebt. Die wirklich auftretende Gewalt wird ab diesem Moment nicht mehr bewusst wahr genommen, der Körper „nimmt sie entgegen“. Diese Abspaltung nennt man Dissoziation.(siehe auch Abbildung 2)

Diese Patienten erleben später zusätzlich zu den typischen PTBS – Symptomen starke Wahrnehmungsverschiebungen (siehe Trigger) und  erhebliche psychosomatische Störungen (in Form von „Der  Körper erinnert sich an die Schmerzen“  und lässt sie wieder aufleben) wie Kopf/Rücken/Nackenschmerzen, Magengeschwüre, Herzprobleme usw. Und kein Arzt kann je wirkliche Schäden feststellen.

Diese Störung ist aber einigermaßen gut behandelbar. Oft haben Borderlinepatienten solche dissoziativen Begleitstörungen, was darauf verweist, dass in früher Kindheit die Traumatas erlitten wurden.

Störungsmodelle

Beispiel Dissoziative Störung (hier gelb):  Letzte wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass das menschliche Gehirn nur bis ungefähr einem Alter von 3 Jahren zu solchen neurobiologischen Vernetzungen fähig ist, dass es völlig abspalten kann. Wenn das Gehirn also in diesem Zeitraum nach der Geburt immer wieder (durch schwere Traumatas) gezwungen ist, Abspaltungen (Dissoziationen) vorzunehmen, dann wird es diese Fähigkeit bis zur Perfektion weiter entwickeln.
Das Kleinkind entwickelt von Beginn an keine „Rundherum“-Persönlichkeit (siehe Abildung NORMAL) , sondern Teilpersönlichkeiten, die unterschiedliche Funktionsträger darstellen. Der eine Anteil z.B. übernimmt immer die körperlichen Schmerzen, der andere Teil erträgt psychische Gewalt, der nächste kann vielleicht dafür sorgen, die Eltern trotzdem zu lieben. (siehe andere Artikel auf diesem Blog). Parallel dazu wird das Kind sein Leben lang, selbst als Erwachsener bei wieder auftretenden, lebensbedrohlichen Erfahrungen immer wieder dissoziieren und neue Anteile erschaffen. Dies ist die einzige Überlebensstrategie, die das Gehirn nach der Geburt entwickeln konnte.

Wie man der Abbildung oben entnehmen kann, sind Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung nicht in der Lage, diese 4 Teilbereiche der menschlichen Psyche in einem Ganzen zu erleben. Jeder  dieser Zustände wird getrennt wahrgenommen, man erkennt für sich selbst keinerlei Zusammenhänge zwischen Fühlen, Denken, Wissen und Körper.
Für die Betroffenen ist es die wahre Hölle, sich nicht steuern zu können. So jedenfalls empfinde ich das.

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2. Abbildung 2:

– steht meist für Zusatzdiagnosen wie Angststörung, Derealisation, dissoziative Störung neben der eigentlichen Hauptdiagnose.

Sehr vereinfacht könnte ich über die Abbildung sagen:  

ANP steht für den Menschen, der den Alltag meistert.

EP   steht für Teilaspekte, die abgespalten sein können,
aber aufgrund ihres Alarmmodus stets den Alltag
„überschneiden“ und den Patienten stark belasten.

Persönlichkeitsanteile

Diese Menschen erleben an sich selbst zum Beispiel in Partnerschaften/Beruf, dass sie sich völlig  „unterwerfen“,
oder sehr schnell in Krisensituationen in einer Angststarre verharren.
Oft glauben diese Patienten, dass sie nur mit überzeugender Leistung im Partnerschaft/Beruf Anerkennung ihrer Person erlangen. Diese Menschen möchten oft perfekt sein, setzen die Ansprüche an sich selbst sehr hoch und landen oft in Stress und Überarbeitung.

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3. Abbildung 3:

Hauptdiagnose:  Dissoziative Identitätsstörung    (alt: Multiple Persönlichkeitsstörung)

Persönlichkeitsanteile

Die Abbildung macht deutlich, dass der Mensch selbst den normalen Alltag unbewusst auf unterschiedliche Alltagspersonen (ANP) verteilt, je nach ihren spezifischen Fähigkeiten. So ist es zu erklären, dass ANP- Beruf  sich nicht erinnern kann, was z.B. ANP – Pflegeperson am frühen Morgen getan hat. (Amnesien/Fugen)

Auch kann es sein, dass die verschiedensten EP`s ( abgespaltene Perönlichkeitsanteile, wie z.B. eine Fünfjährige) plötzlich mitten im Alltagsgeschehen auftauchen und mit ihren nur kindlichen Erfahrungen den Patienten völlig aus der Bahn werfen. Es ist nicht beeinflussbar für den Patienten, wer wann die Rolle übernimmt. Angemerkt: Begegnet euch mal ein Bankier, der vor der Sparkasse  eine  Sitzbank freudig hoch und runter springt mit einem Lolli in der Hand, dann könnt ihr fast sicher sein … Disso!

Zusammenfassung:

Ebenen von Dissoziationen

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4. Abbildung 4:

Ein Teilgebiet der Psychologie ist heute die Bindungsforschung.

In dieser Abbildung wird sehr einfach deutlich gemacht, dass je mehr  (und Dauer) Traumatas ein Mensch erlitten hat, um so weniger ist er zu Bindungen fähig!

Was bedeutet diese Aussage?

Bindung bedeutet im Normalfall: Vertrauen haben, Nähe zulassen, Risiko eingehen, an Partnerschaften arbeiten können!
Aber je früher ein Gehirn lernen musste, dass es nicht vertrauen darf, dass Nähe Gefahr bedeutet usw., um so weniger kann der Mensch im späteren Leben diesen „Modus“ ausschalten. Er wird echte Bindungen unbewusst aus Angst vermeiden.
Und das, obwohl gerade dieser seelisch schwer verletzte Mensch nach Halt, Liebe, Vertrauen, Bindung und Angenommen werden sucht. Vorprogrammiert ist also, dass eine unstillbare Sehnsucht nach Bindung existiert, diese aber nicht wirklich eingegangen werden kann. Daran zerbrechen die meisten multiplen Menschen.

gestörtes Bindungsmuster

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5.Abbildung 5:

Typische Nebenerkrankungen bei Posttraumatischer Belastungsstörung allgemein.

Mögliche Folgen der PTBS

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6. Abbildung 6:

Hier braucht es keine Worte, außer die meiner eigenen Erfahrung:

10 Jahre lang habe ich Therapien machen müssen, die einer dissoziativen Störung nur eine Verstärkung der Symptome bringen:

– Gruppentherapien, in denen jeder sein eigenes Leid und seine schlimme Vergangenheit offenlegen sollte.
– Entspannungstechniken, bei denen mir neue Erinnerungsschübe hochkamen, die ich nicht bewältigen konnte.
– sogenannte Kunsttherapien, wo ich Gefühle bildlich darstellen sollte, über die ich dann gezwungen wurde zu
sprechen… logisch, dass ich noch tiefer in der Hölle war.

10 Jahre Trigger-Therapien, die mich veranlassten, immer mehr zu dissoziieren, zum Selbstschutz gegen die aufgezwungenen Trigger.

Verhalten bei Behandlungahren

So, ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick geben in den Zusammenhang Trauma – Stärke – Dauer – Folgestörungen!

Bitte verzeiht Textverschiebungen oder Schreibfehler.

Dagmar Minor „Das erwachsengewordene Opfer“

3. März 2013

Von Internetseite  „Schotterblume e.V.“

Das erwachsengewordene Opfer

Zeitbombe
Du steckst Deine Schmerzen,
Deine Qualen, Deinen Ekel,
deine Erinnerungen
erschrocken in einen Karton
und schnürst ihn fest zu, ganz fest,
damit nichts mehr darin atmen kann
und Du hoffst, dass alles erstickt.
Doch wann wirst Du merken,
dass in dem Karton
eine Zeitbombe tickt?
(Dagmar Minor)

Ich bekam neulich einen Fragebogen geschickt. Es ging um eine Studie.
Ich sollte ankreuzen, wie viele Kinder und wie viele Jugendliche, die Missbrauchsopfer geworden sind, in unsere Beratungsstelle kommen und bei uns Hilfe suchen.
Etwas erstaunt saß ich über diesem Bogen, legte ihn dann beiseite und teilte dem Forschungsinstitut mit, dass die Menschen, die bei uns Hilfe suchen, in der Regel „erwachsengewordene Opfer“ sind.
Wieso das so ist, brauche ich den Betroffenen nicht zu erzählen, aber den Menschen, die nicht sofort nachvollziehen können, weshalb ein missbrauchtes Kind in der Regel nicht darüber spricht, nicht darüber sprechen kann und wieso es das meist erst Jahrzehnte später tut.

Kinder reden nicht weil
sie Angst haben, keiner glaubt ihnen
sie unter massiven Druck gesetzt werden
sie den Täter, die Täterin lieben
sie den Täter, die Täterin schützen wollen
sie ihre Familie behalten wollen
sie die traumatischen Erlebnisse verdrängt haben
sie das Erlebte abgespalten haben, um überleben zu können

Groß ist die Chance sofort darüber reden zu können für ein Kind lediglich dann, wenn der Täter oder die Täterin ein völlig fremder Mensch ist. Dann wird das Kind sich vermutlich den Eltern anvertrauen, sofern es denn Vertrauen zu ihnen hat und aus Erfahrung weiß, dass sie ihm zuhören, es ernst nehmen, ihm glauben und Trost spenden.
Diese Kinderseele wird vermutlich relativ schnell heilen, keine jahrzehntelangen Folgeerscheinungen werden das weitere Leben vergiften.

Doch leider sieht es in dem meisten Fällen ganz anders aus. Grausamerweise ist der hauptsächliche Tatort ausgerechnet da, wo sich Kinder am sichersten fühlen sollten – in der eigenen Familie !!! Und Täter oder Täterinnen sind nahe Angehörige, nein, mehr noch, Menschen, die das Kind liebt und die genau diese Liebe und das Vertrauen des Kindes für ihre eigenen Bedürfnisse ausnutzen.
Was sind das für Familien, in denen so etwas Fürchterliches wie Missbrauch geschieht?
Es sind Familien aus allen sozialen Schichten, aber es sind auf jeden Fall gestörte Familien, Krisenfamilien.
Durchaus können diese Familien aber nach außen hin vollkommen intakt, ja sogar besonders harmonisch erscheinen. Familien mit sog. großem Namen und Gutem Ruf sein. Es sind aber häufig Familien mit sehr autoritärer Struktur, mit strengen Familienregeln, in denen ein starkes Machtgefälle herrscht und über bestimmte Dinge nicht gesprochen wird. Schwierigkeiten der einzelnen Familienmitglieder sind kein Thema. Gefühle werden nicht benannt. Es herrscht emotionale Sprachlosigkeit.

Schweigen, Vergessen, Verdrängen –
sind tabu-unterstützende Regeln aller gestörten Familien.

Wo war die Mutter? Warum hat sie das Kind nicht geschützt? Wo liegt ihre Schuld?
Fragen mich so viele Menschen immer wieder.

Oft wird der betroffenen Mutter vorgeworfen, sie habe ihr Kind nicht genügend geschützt. Ihr wird zur Last gelegt, dass sie den Missbrauch hätte verhindern oder zumindest früher bemerken sollen. Inzest-Opfer sind deshalb oft ein Leben lang wütend auf die Mutter, die sie nach ihrer Vorstellung im Stich gelassen hat.
Sie können nicht glauben, dass Mutter nichts mitbekommen hat und häufig kommen die Mütter auch beim Urteil durch die Umwelt schlecht weg – noch schlechter als der Täter.
Warum lässt eine Mutter das zu? Wie konnte sie das übersehen? Wieso hat das Kind sich ihr nicht anvertraut? Hat sie den Missbrauch vielleicht sogar unterstützt, ihn gewollt, damit sie selbst nicht mehr zur Verfügung stehen muss? – Das sind weitere Fragen.
Es ist allerdings ein menschliches Phänomen, dass Wahrnehmungen, mit denen wir nicht umgehen können, abgewehrt oder umgedeutet werden.
Ohnmachtsgefühle, Überforderung und Unfassbarkeit der Tat verhindern durchaus, dass der Missbrauch wahrgenommen und angesprochen wird.
Sehr häufig haben übrigens Mütter auch selbst Missbrauchserfahrungen in ihrer Kindheit gemacht, die sie sorgsam verdrängt halten, und nichts, was sie daran erinnert, lassen sie an sich herankommen. Sie leiden noch immer an der Blindheit ihrer eigenen Kindheit gegenüber und sind so auch blind für die Signale ihrer Kinder.
Natürlich gibt es auch Mütter, die von dem Missbrauch ihrer Kinder wissen, es zumindest ahnen. Lässt eine solche Mutter ihr Kind dennoch wissentlich im Stich, wird sie zur Mit-Täterin, egal, welche emotionalen Verstrickungen hier die Ursache sind.
Auch Scham – und Schuldgefühle halten viele Frauen davon ab, selbst bei bestätigtem verdacht sexuellen Missbrauchs an den eigenen Kindern, Konsequenzen für sich und ihre Kinder zu ziehen.
Deshalb ist es ganz wichtig, gerade diese Mütter zu bestärken, für ihre Kinder zu handeln.

Nicht verschweigen will ich allerdings, dass es auch Frauen und eben Mütter gibt, die Kinder sexuell missbrauchen und auch Fälle in denen Frau und Mann gemeinsam solche Taten begehen.
Hier herrscht mit Sicherheit eine ganz große Dunkelzone – mir selbst werden allerdings immer mehr dieser Vorkommnisse bekannt, in denen auch Großmütter, Mütter und Schwestern zu Sexual-Täterinnen an Jungen UND Mädchen geworden sind. Die neueste Statistik benennt einen Täterinnen-Anteil von fast 20%.

Der Täter, die Täterin in der eigenen Familie.
Wem sollte das Kind sich also anvertrauen? Wer würde ihm DAS glauben?
Außerdem liebt es den Täter, die Täterin meist trotz allem, will diesen Menschen nicht verlieren, will die Familie nicht verlieren.

Die Familie ist kein sicherer Ort, aber das Kind hat keinen anderen!

Manchmal ist auch körperliche Gewalt als Druckmittel im Spiel, ist aber meist „gar nicht nötig“ denn es wird Liebe, Vertrauen und Bewunderung des Kindes für die eigenen Zwecke ausgenutzt. Gerade dieser Missbrauch unter dem Deckmantel der Liebe wird deshalb von anderen selten bemerkt. Natürlich werden auch Respekt und Angst eingesetzt, denn alle Täter/innen befehlen dem Kind, zu schweigen, oft verbunden mit den unglaublichsten Drohungen, die das Kind bitter ernst nimmt.
Es herrscht auf jeden Fall immer ein Macht- oder Kompetenzgefälle.
Also einmal sex. Missbrauch gekoppelt mit scheinbarer Liebe und einmal Missbrauch gekoppelt mit Gewalt. Immer aber eine vollkommene Verwirrung der kindlichen Gefühle!

Gefühle, die ein Kind absolut nicht einordnen kann, es verliert die Kontrolle, die Sicherheit in die Familie und damit in die ganze Welt, es verliert die Geborgenheit.
Kinder entwickeln immer Überlebensstrategien, um mit seelischen Erschütterungen fertig zu werden.
Kann das Kind sich weder verteidigen, noch flüchten – und welches Kind kann das schon? – sind traumatische Folgen unvermeidbar.
Meist werden diese unbegreiflichen Erlebnisse und Gefühle, mit denen ihre Psyche natürlich vollkommen überfordert ist, dann erst mal schnellstens verdrängt.
Diese Verdrängung ist für viele, selbst für die Betroffenen, schwer oder gänzlich unmöglich nachzuvollziehen.
Bei den möglichen Gedächtnislücken, hervorgerufen durch einen Unfallschock sind wir alle weitaus weniger zweifelnd.
Dabei hat die Verdrängung eines Missbrauchserlebnisses genau den gleichen Hintergrund und ist ein wirklich gnädiger Schutzmechanismus der Seele, auch dieser grauenhafte Schock, diese Erinnerungen werden aus dem Bewusstsein verbannt, scheinbar vergessen, aber eben nur scheinbar…
Die Erinnerungen werden fragmentiert, also aufgespalten in einer bestimmten Hirnregion in Sicherheit gebracht und sind oft lange gar nicht bewusst zugänglich.
In Wirklichkeit sind diese verdrängten Erinnerungen aber Zeitbomben, die ständig im Unterbewusstsein ticken und wenn sie nicht entschärft werden, explodieren sie in der Regel eines Tages – und das ist grauenhaft.
Eine weitere Überlebensstrategie ist die des Abspaltens, d.h. das Kind verlässt seinen eigenen Körper, lässt ihn als seelenlose, gefühllose Hülle zurück – auch das ist eine Flucht vor dem Erlebten.
In allergrausamsten Fällen, oft bei in allerfrühster Kindheit erlittener und bei ritueller Gewalt, spaltet sich die Persönlichkeit des Kindes in unzählig viele Einzelteile, die nichts mehr voneinander wissen.
Es ist so, als würden die grausamer Erinnerungen in vielen einzelnen Schubladen aufbewahrt, als ein ganzes wären sie nicht auszuhalten.
All das stellt den Versuch dar, das verletzte Innere zu schützen.
Diese lebensrettenden Funktionen, später ja nicht mehr benötigt, wandeln sich, wenn sie nicht aufgelöst werden, beim erwachsenen Menschen allerdings in eine zerstörerische Macht,
Eine alte Not-Programmierung, die, wie gesagt, einst beim Überleben geholfen hat, ist mittlerweile schädlich geworden, blockiert das heutige Leben, das Fließen der Lebendigkeit. Diese Programmierung muss überschrieben werden, denn löschen kann man sie leider nie mehr.

Das Trauma ist für die unzähligen Opfer also noch lange nicht zu Ende, wenn der Missbrauch aufhört.
Die oft verheerenden Langzeitfolgen durchdringen das ganze weitere Leben, das Selbstwertgefühl, nahe Beziehungen, Sexualität, Mutterschaft, Vatersein, Gesundheit, Arbeitsleben, das Verhalten – Tag für Tag. Und glauben Sie mir, viele Opfer sterben jahrzehntelang auf Raten.

Denn wenn ein Kind wie so oft, keinen Retter gefunden hat, verdrängt es die Erlebnisse, die Schmerzen, und die berechtigte Wut und die Trauer auch weiterhin – und in dieser verdrängten Form wuchert all das auch im Erwachsenenleben unkontrolliert weiter, oft bis zur totalen Zerstörung.
„Vergiss es doch einfach“ und „Das ist doch schon so lange her“ sind schlechte Ratschläge, denn Unterdrückung der Gefühle kann nicht ohne schwerwiegende Folgen bleiben.
Zeit heilt diese Wunden nicht!

Immer wiederkehrende grauenhafte Albträume, Panikattacken, Schlafstörungen, Essstörungen, Abhängigkeits-Erkrankungen, Angst-Störungen ,Autoaggression, Beziehungs-, Sexual-, Sprach-Störungen, Ängste, Zwänge, Phobien, Psychosen, Schlafstörungen, Persönlichkeitsstörungen- und Spaltungen, Gedächtnisstörungen- Amnesien, Depressionen, Aggressionen sind nur einige davon.
Auch der Körper spricht jetzt eine immer deutlichere Sprache, reagiert auf die Verdrängung, die erstarrten Energien, mit massivsten Störungen wie Migräne, Asthma, Sehstörungen, Ohnmachtsanfällen, Herzattacken, Hauterkrankungen, Magengeschwüren, Epilepsie, Lähmungen, Blutungen.
Meist aber leider nur mit dem Ergebnis, dass der gequälte Mensch eine Odyssee durch sämtliche Arztpraxen unternimmt, unzählige Pillen schluckt, alle teuren Wunderheiler aufsucht, letztendlich aber immer wieder zu hören bekommt, er sei vollkommen gesund und er am Ende, wie so oft, an seinem Verstand zweifelt.
All das genannte sind Folgen, aber auch Schutzprogramme, eine Meisterleistung der Seele, denn sie haben, wie auch immer, das Überleben ermöglicht.
Andererseits handelt es sich durchaus auch um unbewusste Ausweichmanöver, denn Krankheiten, Süchte und ungesunde Beziehungen zu anderen Menschen in die alte Kindheitswunde zu stecken, damit ich den eigentlichen Schmerz nicht wahrnehmen muss, verhindern allerdings auch, dass ich die Wunde wirklich betrachten, säubern, verarzten und sorgsam vernähen kann, damit sich eine gesunde Narbe bildet.
Es nützt nichts, dem inneren stummen Kind mit all diesen Dingen den Mund zu stopfen – es muss reden und fühlen dürfen.
In der Kindheit liegen die Wurzeln unseres Lebensbaums und wenn dieser Baum später krank ist, keine Früchte trägt, wenn die Blätter nicht grün werden, wenn die Rinde abfällt und die Äste immer wieder verdorren, dann nützt es doch auch nichts, die Blätter blank zu reiben, die Rinde wieder anzukleben, die Äste zu reparieren oder gar künstliche Früchte hineinzuhängen.
Wir sollten uns schon die Wurzeln anschauen und herausfinden, was da nicht in Ordnung ist.
Dabei ist es allerdings nicht nötig, jede kleinste Wurzel auszugraben, d.h. jedes Detail der traumatischen Erlebnisse.
Wichtig ist die bewusste Entscheidung zur Heilung, ansonsten geht nichts.
Betroffene Menschen brauchen einen Schutzraum dafür und benötigen Helferinnen und Helfer, die liebevolle Begleitung anbieten, die gerechtfertigte Wut, Angst und Traurigkeit erlauben und Trost spenden.
Zunächst wird gemeinsam Sicherheit und Stabilität geschaffen, erste und wichtigste Grundlage für die spätere Traumaarbeit. Erst dann kann der Mensch die unverarbeiteten Geschehnisse rückwirkend erlebnisfähig und damit einer Verarbeitung zugänglich zu machen, damit das Trauma nicht mehr weiterhin abgewehrt werden muss, die alten Schutzfunktionen nachlassen und schrittweise überflüssig werden können.
Es geht dabei aber nicht darum, etwas loszuwerden, rauszulassen, sondern die abgespaltenen Kindheitserlebnisse- und Gefühle in die gesamte Lebensgeschichte zu integrieren und sie zu akzeptieren um sich so neu orientieren zu können.
Damit die Erinnerungen und Gefühle den hilfesuchenden Menschen nicht in die Tiefe reißen oder vollkommen überschwemmen, kann er unter einfühlsamer Begleitung Methoden erlernen, selbst zu dosieren, wann und wie viel er sich anschauen möchte und muss nicht mehr hilflos ausgeliefert sein.

Therapie ist also etwas anderes als bloße Wiederholung des Elends der Kindheit oder ständiges Herumrühren in alten Schmerzen, Therapie kann ein spannender und sehr kreativer Prozess sein.
Die Vergangenheit ist nicht mehr veränderbar. Die Folgen im Heute allerdings durchaus.

Das grobe Therapieziel ist es also, realisierbare Veränderungsmöglichkeiten für schädigende Verhaltensweisen zu finden und Handlungsabläufe, sie zu stabilisieren und zu generalisieren, also sie nicht nur zu kennen, sondern auch leben zu können.
Die Heilung ist oft wie ein Wunder, aber ein langsames und ein selbst erarbeitetes.
Ohne therapeutische Begleitung aber ist eine Heilung kaum möglich.
Allerdings will ich die katastrophale therapeutische Unterversorgung für diese Thematik nicht verschweigen.
Trauma-spezialisierte Fachleute sind kaum zu finden, die Kosten der wenigen, die sich spezialisiert haben, werden oft nicht von der Kasse übernommen und wenn doch, sind Wartezeiten bis zu 3 Jahren nicht selten.
Auch die Aufnahme in eine Traumaklinik ist schon für viele zum Albtraum geworden. Traumakliniken sind nämlich keine AKUTkliniken, sondern Reha-Kliniken. Bis alle Genehmigungen und Anträge bei den oft äußerst kritischen und sparsamen Kostenträgern gestellt und durchgesetzt wurden, vergingen bisher in der Regel 3 – 14 Monate. Auch wenn es mittlerweile neue Gesetze gibt, die die Fristen bis zur Mitteilung klar einschränken, ändert das kaum etwas an den Wartezeiten, da in ganz vielen Fällen zunächst erstmal eine Absage erteilt wird und in Widerspruch gegangen werden muss.
Das Ganze dauert dann eine Ewigkeit für Betroffene, die sich zu diesem nicht einfachen Schritt durchgerungen und nach so vielen Jahren kaum noch Kraft zum Überleben haben.

Wenn die Erinnerungen des Kindheitstraumas aus dem Unterbewusstsein nach oben steigen, ist das oft mit einem ganz akuter Schock verbunden, der sofortige Hilfe und Betreuung erfordern würde. Einem solchen Menschen muss ich nicht selten sagen, dass er mit dieser aufgeplatzten Wunde erst mal Schlange stehen und auf irgendeinen Zusagestempel warten muss.
Ein unverantwortliches Hin- und Hergeschiebe zwischen verschiedenen Kostenträgern oder zwischen Kostenträgern und Gutachtern, die dann über Ja oder Nein der Erforderlichkeit eines Klinikaufenthalts entscheiden, kann Menschenleben kosten!
In diesen langen Wartezeiten bis zur Bewilligung versuchen wir in unserer Beratungsstelle tatsächlich nicht selten, in oft stundenlangen Gesprächen den Betroffenen ihren Lebenswillen zu erhalten. Nicht immer war das möglich!
An den Kliniken liegt es nicht – Betten sind meist frei.
Gerade jetzt in dieser Minute sitzen alleine 3 der von mir betreuten Menschen seit Wochen auf gepackten Koffern und warten auf das erlösende „JA“.
Es wäre also dringend notwendig, auch hier Notfall-Aufnahmen zu bewilligen.
Zum Glück gibt es einige wenige Traumakliniken, die eine erfreuliche Ausnahme bilden können, da sie über eine psychiatrische und eine psychosomatische Abteilung verfügen und eine nahtlos ineinandergehende Behandlung anbieten können.
Hier ist eine einfache Einweisung durch den Hausarzt vollkommen ausreichend.
Nur, wie gesagt, von diesen Kliniken haben wir entschieden zu wenig.
Schotterblume ist ja ein kämpferischer Verein und mal sehen, was wir da noch verändern können.

Dennoch möchte ich betroffenen Menschen unbedingt ans Herz legen, sich nicht entmutigen zu lassen, sich auf jeden Fall Hilfe zu suchen.
Die Teilnahme an einer SH-Gruppe und die Unterstützung und das Verständnis von Menschen mit ähnlichem Schicksal kann die Wartezeit bis zur ambulanten oder auch stationären Therapie überbrücken.
Aber niemand kommt natürlich geheilt aus einer Traumaklinik zurück, aber sozusagen mit neuem Handwerkszeug, neuen Möglichkeiten der Verarbeitung.
Ganz wichtig ist es, sich schon vorher eine einfühlsame Therapeutin oder einen Therapeuten zu suchen, der nach der Rückkehr in den Alltag auf neuen, noch sehr unbekannten Wegen zur Seite steht…
Zum Schluss möchte ich allen betroffenen Frauen und Männern Mut machen, sich bewusst auf den Weg der Heilung zu begeben und sich, wie eine kleine Blume, den Weg durch Schotter und Geröll hindurch zu bahnen, den Weg ans Licht, an die Sonne und damit zurück ins Leben.
Glauben Sie mir – es ist zu schaffen!!!

Dagmar Minor


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