Archive for the ‘Intervalltherapie auf Station’ Category

Was ist EMDR? Wie läuft so eine Sitzung ab?

10. September 2015

Mein Glück war ja, dass ich meine Intervalltherapie auf der von Prof. Dr. U. Sachsse aufgebauten Station machen konnte, und bei Bedarf weiterhin machen darf. Er ist einer der deutschlandweit bekanntesten Spezialisten dafür.

EMDR

Durch die Augenbewegung – rechts , links – oder durch leichtes Klopfen auf die Oberschenkel – rechts , links – scheinen sich ( empirische Untersuchungen bestätigten dies ) die linke und rechte Gehirnhälfte zu „verbinden“.

Beispiel bei Behandlung von PTBS:

Der Patient geht mit dem Wissen um die alten Geschehnisse in die Sitzung. Er wird aufgefordert, vom Trauma zu berichten. Eine sehr schmerzvolle, kräftezehrende Prozedur, weil alles noch einmal durchlebt wird. ABER : Die EMDR – Technik bewirkt, dass das Gehirn begreift, dass die Situation keine aktuelle mehr ist. Das Gehirn kann sie endlich als Vergangenheit einordnen.

Je öfter die gleiche Situation auf diese Art besprochen wird, um so weniger Gefühle und körperliche Reaktionen treten auf. Damit hören die Flash’s auf.

Der wichtigste Tip von mir:

Wenn nach einer EMDR-Sitzung eine Woche nicht reicht, dass Ruhe im Inneren einkehrt, dann solltet ihr unbedingt darauf bestehen, dass zu diesem Thema weitere EMDR-Sitzungen folgen, solange bis ihr  das Trauma nicht mehr als belastend empfindet!

Kliniken wollen oft schnell „abarbeiten “ – und wir Patienten sagen oft in unserer Angst nicht, dass noch überhaupt nichts gut ist. Also kämpft für euch!!

Beispiel von mir: Dissoziative Identitätsstörung:

In meiner Erinnerung sind teilweise nur „Blitz“bilder, die mich aber in Flash’s und absolutes Chaos stürzen, bis zum Todeswunsch, und ganz zu schweigen von Personenwechsel.

Mein Gehirn hat das Geschehene dissoziiert, einfach ausgedrückt – in so verschiedene Gehirnkammern als Teilstücke versteckt, dass ich keine zusammenhängende Erinnerung haben kann. Dies diente zum Schutz, zum Überleben.

Am Beispiel der knapp 3 jährigen Marie will ich die Sitzung wiedergeben:

Zu Beginn fragt die Thera, ob ich Berührungen zulassen kann, falls ich austicke. Dann beginnt sie mit ihrem Finger vor meinen Augen hin und her zu wedeln. Dieser Bewegung sollen meine Augen folgen. Wenn mir schwindlig wurde, oder ich weg driftete, machte sie mit sanften Klopfen oberhalb der Knie weiter. Sie bat mich, in das Bild zu gehen, zu erzählen, was um mich herum ist. Bemerkte sie an mir körperliche Reaktionen, dann fragte sie nach, was ich fühle. Oft hatte die kleine Marie keine Worte in ihrem Sprachschatz. Dann durfte sie auf das bereitliegende Papier die Antwort malen. Jahrelang hatte ich zu diesem Bild ein Cat. Ich sah nicht, wer zur Tür reinkommt und wie mir weh getan wird. Das Fühlen, die Schmerzen, dies war immer da. In der EMDR- Sitzung schalten sich rechte und linke Gehirnhälften zusammen, und gaben mir somit weitere Erinnerungen preis. Ich konnte sehen, wie der Mann aussah, und was er tat.

Als ich dann Dreijährig voll in diesem Film drin war, fürchterlich schrie und um mich schlug, legte die Thera behutsam eine Decke um mich, ( darum zu Beginn die Frage nach Berührung) wiegte mich sanft, und sprach immer wieder auf mich ein: „Alles ist gut, es ist vorbei, du bist jetzt hier, ich beschütze dich.“ Irgendwann kam die kleine Marie in den Therapieraum zurück, beäugte die fremde Frau. Aber weil diese so behutsam, sanft und beschützend war, konnte Marie das glauben. Nach einer gewissen Zeit der Beruhigung fragte die Thera, was sich Marie denn jetzt wünsche, wie sie am besten aus dem Zimmer käme. Mit kindlicher Fantasie hatte Marie natürlich Wünsche. Kaum waren die geäußert, drängte die Thera die erwachsene Mari, diese Wünsche imaginär umzusetzen. Das brachte also die Erwachsene auf den Plan, die automatisch Beschützerinstinkte hatte für die kleine Marie. Ich ließ einen Drachen durch’s Fenster kommen, welches die kleine Marie auf seinen Rücken packte und davon flog. Dann half die Thera mir und der Kleinen gemeinsam, einen sicheren Ort zu finden, den wir auch imaginär gestalteten.

Also, als Erwachsene ging ich in die Sitzung, wechselte in das Kind, dann waren wir beide da, und am Ende war ich wieder die Erwachsene, die aus der Sitzung ging. Zwar völlig lädiert, kaputt, traurig, wütend, aber nicht mehr hilflos.

Nach einer solchen Sitzung kommen dann meist geballt die alten körperlichen Schmerzen, oft tagelang. Da heißt es dann: Innere Kindarbeit- trösten, Wärmflasche, Beruhigungsbäder, Schmerzmittel. Also alles tun, was man als Mutter mit einem Kind tun würde.

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Es gab Sitzungen, wo keine neuen Erinnerungen dazu kamen, aber auch Sitzungen, wo neue Blitzbilder auftraten. EMDR ist eigentlich nicht für DIS so wirklich geeignet. Wenn, dann nur stationär, bei der eine intensive Nachbetreung möglich ist. Ich hatte schon Situationen, wo die wirkliche Erinnerung erst Tage später einsetzte. Ohne stationäre Hilfe wäre ich sicher von irgend einem Dach gesprungen. Denn: Das Erinnern bewirkt eine totale Regression in diese Altersstufe, in der ich nicht fähig zur Regulation und Selbsthilfe bin.

So rate ich jedem mit DIS ab, ambulant die EMDR- Technik anwenden zu lassen!!!!!

Gut dagegen ambulant wäre sie als Stabilisierungstechnik, das habe ich auch schon mehrmals gemacht, und das ist super. Aber niemals aufdeckend damit arbeiten. Glaubt mir, das geht nicht gut.

Nicht schuldig

15. März 2015

Es ist wie ein Schlag ins Gesicht, wenn du begreifst:
Auch in der Ehe habe ich dissoziiert.
Ein Mann, der dir alles vorschreibt, wirklich alles, vor dessen Jähzorn du Angst hast, und dessen Sexsucht du nicht aushältst.
Was nur ein Therapiegespräch sein sollte, endete in einem Mix aus Wechseln der PS, verarbeitende EMDR-Technik, und am Ende in mir die grausame Erkenntnis:
Meine inneren Kinder haben die schmerzlichsten Momente übernommen, Kinder.
Zwei ganze Tage nach dieser Therapiesitzung fühlte ich so ein Entsetzen in mir, kaum auszuhalten. Schuld – das Haupt-Gefühl!!!! So als hätte ich selbst meine inneren Kinder zu ihrem Täter gebracht und sie diesem ausgeliefert. So einen gewaltigen Gefühlskrieg hatte ich lange nicht in mir.
„Versöhnung mit dem inneren Kind“ – ein Therapieweg – undenkbar mit diesem Schuldgefühl.
Und es war nur ein Gespräch über die ersten drei Jahre der Beziehung.
Die Steigerung aller Probleme mit diesem Mann, den ich erst nach 11 Jahren aus meinem Leben schmiss, die sind noch nicht auf dem Tisch.

Der Weg, den wir jetzt gegangen sind, war eine „Gerichtsverhandlung“. Mit Mühe nur hat dann jeder Einzelne von uns verstanden, dass nicht ICH schuldig bin, sondern der Mann. Die Wie’s und Warum’s, die genaue Erkenntnisroute will ich nicht hier beschreiben. Noch einmal hinsehen wäre zu kräftezehrend.

Dann….oft Gedanken an meine Tochter…sie hat mich geerdet. Was sie betraf, war purer Mutterinstinkt, der mich funktional machte, stark und beschützend, liebevoll. Gott sei Dank.

Nachwehen der EMDR-Sitzung (16 Jährige)

27. Februar 2015

Es gibt immernoch eine Steigerung im Weh tun, immer wieder neu. Und da dachte ich, ich hätte alles schon erlebt, und schlimmer könnte es nicht werden. Oh, da habe ich mich so sehr geirrt. Jetzt muss ich die Erfahrung machen, dass scheinbar jeder Innenanteil subjektiv fühlt, Anlässe nicht vergleichbar sind.
So eine enorme Wucht an Sehnsucht nach Halt, kaum zu ertragen. Du fällst und fällst, deine Seele schreit nach einem Arm, der dich hält, dich wiegt, dir allen Schmerz nimmt. Es überfällt mich seit Tagen immer wieder. Und ganz in einem Eckchen in mir begreife ich, dass ich als Kind diesen Schmerz abspalten musste, um weiter zu leben. Aber in mir bohrte es weiter, als lebenslange tiefe Depression. Und wenn ich erwachsen auf die Summe der Ereignisse sehe, verstehe ich erst mein “ Werden“, mein heutiges Sein.
Und ich bete, dass ich die Kraft behalte, mir den Schmerz anzusehen, was ja neu erleben bedeutet.
Oh Mann, was kann ein kleiner Mensch nur ertragen?
So viel und oft hab ich Große lange nicht geweint.

Sommer 1978 – die 16 Jährige erzählt

24. Februar 2015

Die Kleine hinter der Tür ( juchu, hab ein Schwesterchen ) freut sich über den ersten Besuch ihrer Schwestern. In mir wächst die maßlose Freude auf ein Willkommen sein, endlich wohin zu gehören,zu einer Familie, die dich mag. Nach 14 Jahren lerne ich nun meinen leiblichen Vater kennen.
Erst für nur ein paar Stunden, in den Sommerferien fahre ich dann heimlich zu ihm.
Glück pur für mich in seiner Familie, …bis zu jener Nacht.
Die Frau war nicht da, der Vater, meine kleine süße Halbschwester und ich hatten einen Heidenspaß zum Einschlafen. Witze erzählen, Kissenschlacht. Aber irgendwann, als die Kleine schlief, brach mir die erste und kleinste und kurze Hoffnung in meinem Herzen weg. Er begann etwas zu tun, das mich erstarren ließ. Ich ließ ihn nicht zum Zuge kommen, rannte hinaus, und wartete die ganze Nacht draußen im Garten auf seine Frau. Kein Wort verlor ich darüber.
Wie sah es in mir aus?
„Oh, nicht der auch noch!“
„Warum tut er das?“
Alle Erwachsenen sind schlecht.
Ich bin schlecht. Nur dafür will man mich. Einfach nur gern haben kann man mich nicht. Ich werde niemals zu einer Familie gehören.
Vertrau nie wieder, denn schon der erste Versuch meines Lebens ging schief. Möchte sterben.

PS von der Erwachsenen:
Heute in der TT – Sitzung konnte ich endlich fühlen, was damals gefühlt wurde von der 16 Jährigen. Hatte es in den Jahrzehnten stets als lapidar angesehen, weil es ja überhaupt nicht bis zum Akt kam. Aber was da in mir zebrochen war, hatte ich nie wahrgenommen, und mit welchen Emotionen dies verbunden war, und heute noch ist.
Ich fühle ihr Fühlen : Es wird mich niemals jemand bedingungslos lieb haben, niemals gibt es ein Ankommen, ein Zuhause für mich, niemals. Das Mädchen von damals kam dann in ein Internat, und sprach 6 Monate mit keinem Erwachsenen auch nur ein Wort. Es war ein halbes Jahr stumm, selbst im Unterricht gab es keine Reaktion von ihr.

Nach Innen schauen

26. Februar 2014

3. Intervall

Mittwoch, den 27.2.14

Ich habe einen wichtigen Entschluss für mich gefasst!
Möchte während meiner Therapiewochen hier auf Station meine Internettätigkeit fast völlig runter schrauben.
Habe in den ersten Tagen schon bemerkt, dass das Internet bedeutet, sich nicht mit mir selbst auseinander setzen zu wollen, mich abzulenken, nicht nach Innen zu sehen. Zuhause mag es eine notwendige Strategie sein, weil ich außer dem Therakontakt pro Woche keine weiteren pflege. Dort muss ich notgedrungen viel von mir weg schieben, weil ich Aufkommendes nicht allein abfangen kann. Hier aber habe ich das Auffangnetz und alles an Unterstützung! Wann also, wenn nicht jetzt, den Mut aufbringen, mich mit meinem Innenleben wirklich auseinander zu setzen?
Bitte wundert euch also nicht, wenn ich mich kaum noch melde bei euch. Ist in keinster Form persönlich zu nehmen.
Kurzinfo zum bisherigen Verlauf:
Zur vierten Anreise letzten Donnerstag bin ich das erste Mal als Erwachsene angereist. So konnte der Start also gut gelingen. Morgen ist meine erste Traumakonfrontation, in der es endlich um Marie gehen soll. Muss endlich sehen, wer durch diese Tür kommt. Nun den Rest des Geschehens „kenne“ ich ja schon von den Albträumen, den Körperreaktionen und ihrer Angst.
Zwar hat eine TT-Sitzung mit EMDR mir hier noch nie etwas Neues offenbart,aber ich hoffe, dass ich so weit bin diesmal.
Die andere Zeit möchte ich an den Täterintrojekten arbeiten, die mir das Leben so zur Hölle machen, die mir mein Leben im eigentlichen Sinne sogar stehlen. Also wird Muhex fällig, der Verleumder auch!
Ebenso möchte ich für mich allein hier die Zeit finden, unser inneres System neu zu struktuieren. Das Haus ist zu klein für alle geworden, es stoßen immer mehr dazu…uh, wie das klingt! Will bewusster nach innen hören, wahrnehmen, wie es da laufen soll. Endziel: Das noch immer auftretende Chaos mit Aufgabenteilungen schneller in den Griff zu bekommen.
So, heute steht nur noch immer wieder kehrende Imagination an, um Marie auf den morgigen Tag vorzubereiten, um sie ein Sicherheitsnetz zu spannen, das sie auch wahrhaftig fühlen kann. Nur so wird sie zuende reden, was so schlimm ist.
Ich sag mal Tschüss!
Und: Macht euch also keine Sorgen! Bin in guten Händen!

Welche Therapien finden statt?

15. Juli 2013

Das Ganze auf einen Punkt gebracht:

Niemals muss man hier vor den anderen Patienten äußern, wie es einen geht. Niemals, in keiner Therapieform. Das ist das Beste am Ganzen, weil gerade so etwas mich immer getriggert hatte. Auch darf niemals über die Traumatas vor anderen gesprochen werden, selbst in der Freizeit nicht. Das ist hier oberstes Gebot.

Was macht man hier als Gruppe in der Woche?

Jeden Morgen Qi Gong, ohne zu sprechen.

Jeden Nachmittag ein Tagesausklang, an dem eine Imaginationsübung gemacht wird, mehr nicht … keine Fragen, keine Gespräche, nichts weiter. Einmal in der Woche gibt es eine Rückmelderunde, in denen wir uns äußern können zu Problemen des Miteinander lebens auf Station. Türenknallen, Geschirr und solch Kram eben.

Zwei Mal in der Woche Skillgruppe, in denen man die ganze Theorie zur PTBS lernt.

Einmal Feldenkrais in drittel Gruppe, einmal Krafttraining oder Körpertherapie mit nur rund 5 Leuten.

Das war es auch schon! Mehr an Gruppe gibt es nicht. Und das tut echt gut, weil man so kaum getriggert wird.

Einzeln hat man die Traumasitzung und ein Nachgespräch, wenn man Glück hat Feldenkrais einzeln, PMR höchstens zu dritt, aber leider nur eine Einzel-Skill-Besprechung mit den Schwestern pro Intervall.

Tja, man glaubt es kaum … das war es schon! Wer mit freier Zeit nichts anzufangen weiß, hat hier ein echtes Problem!

Und zu jeder Zeit kann man zu den Schwestern gehen und mit ihnen unter vier Augen reden. Immer und 24 Stunden lang. Das ist Super! Wenn man’s sich denn traut.

Von der 1:1 Betreuung am TT-Tag habe ich ja schon erzählt, wenn nötig noch die ganze Nacht durch. Am Folgetag braucht man erst zum Tagesausklang sich wieder sehen lassen. Ja, es tut einfach nur gut, keinerlei Stress zu fühlen!
Aber (Nachtrag): Wenn ich nach grausiger Nacht erwache, immer noch in den Ängsten stecke, dann beginne ich mich allein gelassen zu fühlen, weil erst am folgenden  Nachmittag zum Tagesausklang bemerkt wird, wenn du fehlst. Hier empfinde ich eine große Nachsorgelücke. 15 Stunden würden nämlich locker ausreichen zu unkontrollierten Handlungen.

Ein Mal pro Woche kann man freiwillig in die Ergotherapie gehen, wo nur unsere Station (für maximal 21 Patientinnen) anwesend wäre (also man ist unter sich), und einmal gibt es das stadtoffene Atelier, bei dem man richtige Staffeleien hat, riesige Blattformate und alles an Farben, wovon das Herz träumt! Ha, da kann ich mich richtig austoben!

Zusätzlich kann man sich von den Schwestern jederzeit eine Aromatherapie wünschen, Lichttherapie, und nicht zu vergessen gibt es hier schicke Badewannen, wo man dann auch noch einen Badezusatz nach Wunsch bekommt, selbst lecker Öle!

Was es hier in kleinster Form gibt, weil das KKH sparen muss, sind physiologische Behandlungen. Gerade die wären nötig, weil jeder von Verspannungen klagt, Schmerzen und so weiter. Verordnungen vom Arzt werden nicht angenommen. Selbst die Stationsärztin darf nichts verordnen. (Man müsste sich das vorher privat selbst organisieren.) Ist schon echt blöd. Das existierende Bewegungsbad ist aus Kostengründen schon längere Zeit geschlossen. Ja, so etwas fehlt hier leider total.

Es gibt im Klinikgelände ein Center, in dem täglich was anderes für alle angeboten wird. Ich war dort bisher nur einmal zu einem Gospelabend.

Die Station ist ständig von außen verschlossen – jede Patientin hat ihren eigenen Schlüssel für die Türen – man kann also jederzeit raus und rein, ganz wie man will!
Mal abgesehen von der Tatsache, dass man täglich erst um 22 Uhr wieder im Haus sein müsste. Ja, die Stadt ist  eine schöne alte Stadt, deren Innenstadt man von der Klinik in 13 Minuten zu Fuß erreicht. So ist im Sommer die Station am Nachmittag wie ausgestorben, weil man in der Stadt ist, oder sich im nahegelegenen Freibad amüsiert. (wer es kann)

Aber Summasummarum bin ich hier total zufrieden, will gar nicht woanders hin.
Nachtrag: Man bekommt auch die Möglichkeit zum Liegen in einer großen Klangwiege, es gibt Kneippgänge wie „Wassertreten“ (heißt das so?).

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2. Intervall!

Marathonlauf im Switchen

22. Oktober 2013

Gestern bin ich das erste Mal beim Vorlesen ab 21.30 Uhr mehrmals eingeschlafen. War so fix und fertig wie ewig nicht.
Im Therapiegespräch habe ich die ganze Konzentration dafür gebraucht, vorne zu bleiben um dem Gespräch folgen zu können. Irgendwann später hatte ich dann mit einer lieben Stationsschwester ein Gespräch zu den Skills.(60min) Au weia, da war dann kaum noch Konzentration möglich. Ich bemerkte, wie eine Person die andere abwechselte. Und das teilweise im Minutenabstand. Ich war nicht nur atemlos, wie nach einem Marathonlauf, sondern auch Schwindel setzte ein und mein Kopf dehnte sich aus.
Hab überlegt, warum das bei der Schwester passierte und nicht bei der Therapeutin. Dann wurde mir klar, dass es an den Prioritäten liegt, die ich mir stelle. Außerdem kommt das Gefühl dazu, dass ich mich bei der Thera zusammenreißen muss, denn ich will ja schließlich von ihr die Hilfe. Da kann ich nicht einfach konfus auf sie wirken.
Auch erinnere ich mich, dass generell zu Therapiegesprächen irgendwie ein älterer Part geht, einer, der das Gesicht wahren kann, einer, der etwas verstehen will und lernen will. Und logischer Weise möchte ich kompetent wirken, damit man mich ernst nimmt. Schätze mal, dass ich dann bei der Schwester keine Kraft mehr hatte zu unterdrücken. Es passierte einfach, ich wurde hin und her geschleudert, war aber immer mitten drin und versuchte, die Kontrolle wieder zu bekommen. Na ja, was soll ich sagen? Habe mich so erlebt, dass mehr als zwei Innenpersonen gleichzeitig da waren. Oh nee, das war so anstrengend.
Der Kampf, stets etwas erwachsen rauszusehen, um kluge Mitteilungen erfassen zu können, war schlauchend, hat sich aber insofern gelohnt, als dass ich Aha-Effekte hatte und schnell notiert habe. Immerhin etwas, oder? Die Schwester hat mir imponiert! Danke!
Tja, dann war ich einfach nur noch fertig, k.o. wie nach einem Marsch in Gasmaske. Bin auch vor 23 Uhr schlafen gegangen …..aaaaaaaaah, was ungewöhnliches.
Bye und Gruß

Vorgespräch zur EMDR nächste Woche

24. Oktober 2013

Im heutigen Skillunterricht ging es um das Thema Achtsamkeit. Eine Hausaufgabe war zu machen, zu der ich dann unter anderem sinngemäß sagte:
“Ich habe lange und bewusst mein Gesicht in den Wind gehalten, sein Streicheln gefühlt und es bewusst als streicheln genossen, weil ich seit Jahren kein Streicheln von irgendjemanden bekommen habe.” Lacht nicht, ich hatte sogar mein Hemdknopf geöffnet, damit dieses schöne Gefühl auch bis an den Hals zu spüren war. Natürlich ist mir gleichzeitig meine unendliche Einsamkeit wieder klar geworden, aber dennoch hatte ich den Augenblick wirklich genießen können. Was ich aber eigentlich als Frage in den Raum stellen möchte, und unbedingt auch die Thera fragen muss:
Ich kann seit Jahren sehr intensiv die Achtsamkeit nach außen auf die Natur richten. Wenn, dann aber bemerke ich das Staunen der Kleinen, und je länger der Moment, umso mehr schickt es die Kleinen nach draußen. Sie sind dann total fasziniert und wollen weiter entdecken. Nun wurde aber im Unterricht gesagt, dass diese Achtsamkeit ins Hier und Jetzt führen soll. ??????? Da schleudert mich die Frage: Wenn es die Kinder sind, die diese wundervollen Wahrnehmungen haben, ist dies ein Hier und Jetzt? Ich glaube eher nicht, oder? Wenn geswitcht wurde, bin ich als die Andere im Jetzt? Oje, weiß keine Antwort darauf! Muss das unbedingt noch abklären.
So, nun zu nächster Woche! Es steht eine EMDR Sitzung an, in der es um Annegret geht (3/4 Jahr alt) und dieses Zimmer, in dem ich immer wieder bin. Ich habe Anne mit ins Vorgespräch genommen, damit sich die beiden kennenlernen können…- lief gut.
Vorher wurden die Introjekte beleuchtet, die eventuell die Sitzung stören könnten. Ja, und was soll ich sagen … ich switchte hin und her, war dann erschrocken, weil Franz erkannt und angesprochen wurde. Oh hat der sich fast in die Hosen gemacht. Er wurde noch nie angesprochen von außen. Ihr glaubt ja gar nicht, wie er sich gewehrt hat. Und das, obwohl er mittlerweile eher unser Beschützer ist. Naja, er soll dann ja auch nicht beschützen, sondern erlauben, dass die Kleinen auspacken. Oh menne, es war echt diffus und anstrengend für uns, in dem Moment irgendwie klar zu kommen, weil noch immer keiner von uns gewöhnt ist, entdeckt und angequatscht zu werden. Hier auf Station kommen zwar die Kleinen andauernd raus und wollen Spaß haben, aber Patienten merken das dann doch wohl nicht so…Gott sei Dank! Aber bei ner Thera erkannt zu werden, das ist sowas von peinlich! Teilweise kommt dann auch von innen heraus, wir würden petzen. So, als wolle das System in uns nicht verraten werden. Aber ich habe ja von Anfang an mit offenen Karten gespielt, und der Thera mein Haus gegeben, die “Liste” mit allen Innens und eben alles, was in unserem Inneren so ist. Dass sie nun aber einzelne anspricht, sogar “artgerecht” mit DU, dass erschreckt uns erst Mal heftig. Muss dann wohl langsam verstehen, dass es wohl der richtige Weg sein wird. Ob ich das hinkriege, mal sehen!
Eines macht mir noch Angst. Was ist, wenn ich in, oder nach dem EMDR einpinkle, so, wie es Anne in Notwehr tat? Oh Schitt? Verursacht im Voraus schon Stress pur.
Morgen ist hier ein Kongress…öh…ich darf nicht hingehen! Kein Patient darf das. Gemein! Aber psssst, ich versuche, mich zu zwei Vorträgen rein zu schleichen, basta!

Irgendwie wieder anwesend

31. Oktober 2013

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31.10.13

Hallo, bin irgendwie wieder da.
Möchte vor Scham in den Boden versinken!
Warum kann ich mich nie wirklich selbst raus-skillen?
Die 8jährige ist sauer auf mich, weil ich ihr nicht geholfen habe, aus der Angst raus zu kommen. Hinterher kann ich mich so einigermaßen kümmern, aber mittendrin? Kapiere das nicht! Ich sehe oft wie DRAUF, kann aber nicht einschreiten.
Spüre, dass ich endlich mal eine richtige Wut entwickeln sollte gegen die, die mir die Angst eingebleut haben. Nur wird mir mit den Jahren immer klarer, dass ich so etwas nicht fühlen kann. Es ist immer nur das Schuldgefühl vorne. Einmal im Leben mal so richtig raus schreien, Teller zerkloppen, Türen eintreten … das möchte ich mal können, wirklich! So oft Ähnliches von den Theras angeheizt wurde, so oft aber bin ich starr geworden, weil Wut und Gewalt was ganz Schlimmes für mich sind, so kommt es auch aus mir nicht raus. Im Gegenteil, soll ich mit der Zeitung auf den Tisch knallen, triggert mich meine eigene Handlung… es funktioniert nicht. Mir fällt gerade ein: Ob ich deshalb mein Leben lang so gerne in Tunnel und Unterführungen laut schreie? Meine Art von Druckabbau? Schätze ja!

EMDR Sitzung des letzten Montags

1. November 2013

1.11.13 um 20 Uhr: Heute war endlich ein voller Tag, an dem ich irgendwie gut drauf war. Sind eben aus dem Kino gekommen. Buha, sitz mal zwischen zwei Heulsusen, die vor lauter Romantik und dem schönen, friedlichen Tod einer, noch nach 70 Jahren den gleichen Mann liebenden, uralten Frau. Ich habe versucht, aus dem Film “Frau Ella” nur das Schöne raus zu sehen. Was Liebeskummer anbetrifft, (schööööön im Film) habe ich meinen eigenen einfach ausgeblendet. War erstaunt, dass es funktionierte. Der Film ist sehenswert … sehr tiefsinnig und romantisch, obwohl ja der Schweighöfer dennoch stets Witz benutzt. Eine gute Mischung war es.
Thema Therapiefortschritt:
Nun, es ging ja in der EMDR um die dreiviertel Jahre alte Annegret und deren (Bild), dass seit 10 Jahren geistert und nie besprochen wurde.
Erst versuchte die Thera das Tappen auf meinen Knien, das war mir aber zu eng, zu nah. Sie wählte dann die Fingerbewegung, denen meine Augen folgen sollten. Das kannte ich ja schon aus dem ersten Intervall (von ihrer Vertretung). Sie versuchte auch zwischendurch mich immer wieder ins Jetzt zu bekommen! Das Miteinander war nicht beängstigend, sondern bot Sicherheit. Das war ja erst einmal gut.
Was soll ich noch sagen? Wir kamen nicht bis zum Bildende, weil plötzlich die Kleinen insgesamt weinten und schreien wollten, wir in einer Bodenecke saßen, allen Schmerz heraus schreien wollten, aber nicht konnten! Waren wieder drin im ” so etwas nicht zeigen dürfen” . Da war nur schluchzen, pressen, weinen.
Es war wohl mein Fehler, dass ich zum Ende der Sitzung vorgaukelte, es wäre wieder alles im Lot. In Wahrheit war ich noch voll drin in der angstvollen nun 8 Jährigen, die jeden Erwachsenen meidet. Zu oft noch, möchte ich so angepasst sein, dass ich mein Gegenüber zufrieden stellen möchte. Ist mir eine Lehre gewesen, werde am Montag zur nächsten Sitzung ehrlicher sein…hm, hoffe es geht, weil ich geswitcht nicht die Kontrolle habe.
Es wird also noch einmal um das Baby gehen, damit sich endlich der Knoten löst, der mich immer wieder am Ende in dieses fast leere Zimmer schickt, um das pure Verlassenwordensein, die Hilflosigkeit und Todesangst zu fühlen. Es muss doch irgendwie funktionieren, diese Grundgefühle meines Lebens endlich loszuwerden!!!Fakt ist nun, dass ich üben soll, mit Annegret Kontakt aufzunehmen, mehr ihre Bedürfnisse zu erkennen und ihnen nachzukommen. So habe ich sie -wehe, ihr lacht, denn das ist hier Grundbaustein: Arbeit mit dem inneren Kind – ich habe sie drei Tage lang nach der Sitzung im Tragetuch mit mir rumgetragen, damit sie keine Einsamkeit fühlt, nachbeeltert wird. War nicht einfach, weil ich selbst ja im 8 jährigen, ängstlichen Zustand war. Aber wir haben schon immer selbst auf uns Acht gegeben, Kind auf Kind. Denn die Erwachsene ist seit 11 Jahren ja nur bruchstückhaft da.
Daran muss ich auch noch arbeiten, aber nicht jetzt.
Die EMDR erlebte ich so beschützt, dass ich keine Angst vor der nächsten habe.
Denkt bitte an mich, Montag ab 14 Uhr!

12 Antworten zu „EMDR Sitzung des letzten Montags“

fledermaus sagt: Wir denken ganz fest an euch. Nicht nur am Montag sonder jeden Tag.Liebe grüsse

Marie sagt: grrrrr….echt? An einen dir fremden Menschen?…?…Danke!

anja und die sterne sagt:Wir denken auch an Euch und wünschen ganz sehr, das durch die EMDR und allem was dort sein kann, Erleichterung werden kann! Ganz liebe Grüße senden wir zu euch .   die sterne

Marie sagt: Oh, wir danken dir!

Gabi sagt: Ab dem Absatz: es war wohl mein Fehler … finde ich mich selber wieder. Ich bin verwundert, erstaunt und vllt sogar erschreckt? Ich muss das jetzt erst mal verarbeiten. Danke dir für diesen Beitrag. Für Montag wünsche ich dir viel Kraft, denn wie du schreibst, es ist schwer etwas zu leisten, wenn man sich geradeselber nur klein fühlt :( ghg an euch

sophie0816 sagt: ich finde immer wieder, dass du das verdammt klasse machst und schicke dir weiterhin viel kraft. ich weiß nicht ob das hier hin gehört. ich habe dieses thema (verlassenwordensein, todesangst usw.) auch gerade am wickel, auf sehr ungewöhnliche weise, in dem ich 3 mal täglich ein modul in lichtsprache (man versteht also nichts) höre und das für 21 tage. bin jetzt bei tag 11. kann noch nicht sagen, was es bewirkt. irgendwas verändert sich, aber das muss nichts heißen.so geht jeder seinen weg und die können sehr unterschiedlich sein.

fledermaus sagt: Du magst es vieleicht nicht verstehen. Ich hab schon so viel über euch gelesen das ihr mir garnicht so fremd seit. Wünsche euch einfach das es euch gut geht. Und ihr das bekommt was ihr grade braucht. Liebe grüsse

Marie sagt: Oh Danke, danke! Es ist wohl einfach zu schwer für mich, das anzunehmen! Liebe Grüße von mir!

EMDR Sitzung am 4.11.13

8. November 2013

-nach TT (EMDR-Sitzung) am 4.11. noch am Abend geschrieben:

Ausgangspunkt war das “Zimmergefühl” , in das ich immer wieder reinrutsche. Erst habe ich es erwachsen als Skizze gemalt, dann sollte ich in das Gefühl gehen, und die Thera fing an zu tappen. Und egal was käme, ich solle alles kommen lassen, reden lassen, was will.
Letztendlich aber kam es aus allen Winkeln, allen Altern und endete im “Warum hilfst du mir nicht?” Ob ich im Prügelzimmer (Kramzimmer) saß, oder die anderen Bilder vor mir sah, es endete alles im gleichen Strudel der Hilflosigkeit, der Dissoziation, des Sterben wollens.
Und obwohl es um Annegret in diesem Zimmer gehen sollte, erkannten wir gemeinsam, dass immer wieder 4 Wände/Zimmer, Angst vor der Wohnung aus der Kindheit sind, die der Wegbereiter zum Abtauchen waren.
Großes Dilemma also!
Und was tue ich in meinem Erwachsenenleben? Ich bleibe im Zimmer/Wohnung um Triggern auszuweichen. Ich dränge aufsteigende Gefühle weg, aus Angst, sie ohne anwesende Hilfe nicht bewältigen zu können! Summa Summarum tue ich alles wie früher!! Fahre die ausgeleierte Autobahn rauf und runter, eingestanzte Spurillen, die keinen neuen Weg aufzeigen können!
In meinem Kopf geistert gerade rum, dass ich dies irgendwie schon mal verstanden hatte von mir. Aber während der TT wurde mir überdeutlich bewusst, was es für die Kleinen bedeutet.

Dann rätselten wir herum, welchen Ausweg es gäbe. (immer wieder mit der Handbewegung vor meinen Augen) Die Frage nach- neuen Erfahrungen machen- wurde schwammig, weil auch die Erwachsene so einiges wegstecken musste, und somit kaum eine wirkliche Trennung zu den Kindern möglich ist.
Dann war da ein Moment, in dem ich scheinbar eine von mir abgetrennte Wahrnehmung für das Fühlen der Kinder hatte. Riesige Anteilnahme und ein Beschützerinstinkt entstanden in mir. So, merkte ich, müsste es immer funktionieren, wenn die Kleinen auftauchen. Frage und hoffe nun, dass ich dies so öfter wahrnehme und dann auch reagieren kann. Wäre die Lösung!
Ich hörte irgendwann die Thera von Beistand sprechen, ich bekam aber kaum was mit. Nur:
Meine linke Hand war plötzlich eingeschlossen von etwas Kühlem, Angenehmen. Ich fühlte da rein, und bekam eine Ahnung, wie Halt sein kann inmitten eines Gefühlschaos.
Ich glaubte der Wahrnehmung nicht, denn sie war neu!
Also machte ich die Augen weit auf und sah bewusst auf meine linke Hand. Uhj, sie lag eingebettet in den zwei Händen der Thera.
Erst begriff ich es nicht, dann kam Angst; nur kurz, Scham setzte ein, die eigentlich meine Hand entziehen wollte. Die Scham aber drängte ich zurück,weil ich dieses beschützte Gefühl länger fühlen wollte. Ich sprach dies auch aus, letztendlich war es aber in Ordnung. Erst als der Rotz lief, zog ich meine Hand weg, um schnauben zu können.
Und jetzt beim Schreiben wird mir klar, dass ich dieses erlebte Fühlen unbedingt den Kleinen weiter geben möchte. Ich möchte ihnen diese Hände sein.

Auch wünschte ich mir öfter so einen bewusst erlebten Halt.

Ach nee, so viele mehr?

15. November 2013

14.11.13

Ohne Kontrolle jeden reden lassen, egal ob wir ihn schon kennen. So weit konnten wir bisher nicht denken, wenn das Chaos im Kopf einsetzte und so viele Unbekannte mitquakten.
Gleich 11 Uhr, sehen aufgequollen aus, Schlafmittel hat Schlaf gebracht nach einem Verzweiflungsheultag.
Am Nachmittag heute noch die TT, oh menne, wird wohl noch krasser werden! Hab mir gemerkt, dass wir mehr aufschreiben sollen, und Scheiß drauf, wer es von uns tut.
Seit gestern bin ich Viele da, Drängelei, jeder will sein Zeug loswerden. Ich kriegs ab und komme noch nicht zurecht mit Fürsorge. Geht irgendwie nicht ohne Ortungssystem, sind zu viele und kenne sie nicht. So viel Schmerz auf einmal ausspucken wollen macht mich konfus.
Dazwischen die Kleinen, die im Arm bleiben wollen und so sehr nach ### schreien. Ankuscheln, einkuscheln, wohl fühlen, keine Angst haben müssen. Weiß nicht, wer ich bin, weil ich das Gleiche fühle. Möchte nur noch auf einen Schoß, drauf einschlafen, ohne aufwachen zu müssen. nie mehr, wär gut.
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Warum kann dieses Arschloch sich nicht selber mal eins in die fresse haun? Der Hu##nsohn müsste mal von ner ganzen Truppe so verprügelt werden, dass er nach Mami wimmert, der Arsch.
Psst, sonst hört er uns, versteck dich lieber.
Wozu, soll er doch kommen, ist eh schon Wurst. Wo ist mein buch? Legst dus mir hin? Versprochen. Ich hab solche Angst! Brauchste nich, sind doch da, kommste einfach zu uns. Wir können ja auf die silberne Brücke gehen, und die Frau Zeit macht Kakao. Dickes Ende, kommst du mit? Jo! Uh, soll sich der Pimpel seinen Gürtel doch selbst holen, dieser faule Sack. Werde ihm ins Gesicht grinsen, bu! Hälst du mich fest? Klaro, der soll nur mal in deine nähe kommen, da wirds rot, das sach ich dir.

15.11.13

Die TT war nicht schlimm. Nur der Augenblick, als die Thera und Kathrin rausgehen, uns alleine lassen wollten, nur weil wir tot sein wollten. Haben geflüstert ” nicht gehen”
Aber dann sind wir aber alle zusammen losgegangen (imaginär) haben uns einen Tisch gedeckt mit lauter schönen Sachen drauf, und ohne Stock im Rücken und Angst und Pflichtwurst. Da gabs Luftballons und wir durften alle reden und lachen und essen was wir wollten. Wolln wir jetzt immer machen. Weiß nich, ob alle raus sind ( aus der Familiensituation), da waren so viele wie 30 oder 40 Kinder. Manno, brauchen viel Stühle. Aber je mehr umso viel Spaß.
Die große hat uns abends n Schokoladenstulle gemacht und wir durften dabei einen trikfilm gukken, was mit lieben Monstern.
Und gemalt haben wir ein bild für die Tante.

Erstes Intervall

11. Juli 2013

Zuwendung auf der Station

10.7.13

Ich erinnere mich an die eine Therapiestunde vor Monaten, in der plötzlich die 8 jährige aufsprang, dem Knall entgehen wollte, Panik bekam, ausreißen wollte und die Thera anchrie, sie solle nicht nett zu ihr sein.
In mir war eine solche Explosion von Angst, etwas kam auf mich zugerollt. Im Nachhinein habe ich die Gefühle auseinanderklamüsert und verstanden:
Wenn ein Erwachsener nett zu mir ist, dann sollte ich in Deckung gehen, am besten ausreißen, denn mein Inneres signalisierte mir die absolute Gefahr.
Nach und nach verstand ich die Tatsache, dass ich nun schon seit Jahren Probleme im Umgang mit Erwachsenen habe. Auch ist mit bewusst geworden, dass ich immer von ERWACHSENEN sprach, wo ich doch eigentlich selbst eine bin. Mir wird hier beim Schreiben gerade klar, dass ich seit nun 10 Jahren nicht mehr weiß, wo die wirklich Erwachsene Mari hin verschwunden ist. Das finde ich wieder und wieder in meinen alten Tagebuchaufzeichnungen.
Zuwendungen hier auf der Station:
TT steht für Traumatherapie, in der EMDR gemacht wird bei mir.
Zur ersten TT wurde ich gefragt, was ich brauchen würde. Vorher und auch hinterher habe ich alles abgelehnt, was mir die Krankenschwestern anboten (außer einen Kaffee). Die Vorbereitungen machte ich selbst, und nach der TT sagte ich, ich käme, wenn ich Hilfe bräuchte. So ging ich wie gewohnt, allem aus dem Weg, was zeigen könnte, wie schlecht es mir geht. Nicht zu zeigen – sich damit verstecken – hej, nichts anderes kenne ich seit Jahrzehnten. Es blafft in mir: “Selber Schuld!… Da siehst du, was du davon hast!…Hab dich nicht so!… Was soll das Theater!“ So wie ich immer Schmerzen kaum äußerte, tat ich das auch nicht mit negativen Gefühlen.
Vor der zweiten TT wurde eindringlich mit mir gesprochen über die Tatsache, dass Zuwendung anzunehmen, auch ein Lernprozess für mich sein muss.
Also hatte ich den kleinen Mut und wünschte mir eine Wärmflasche ins Bett. Nach der TT kam ich in mein Zimmer und mein Püppchen lag kuschelnd in seinem Tuch auf der Wärmflasche unter der Bettdecke. Oh, das war so süß, ich empfand das als extrem lieb. Eine halbe Stunde später kam die Schwester mit meinem Wunschkaffee. Auch das war mit viel Scham verbunden, die ich aber mit erwachsen sein überspielte und mich mit ihr unterhalten konnte. Nun, der Nachmittag verlief ja dann nicht so gut für mich, weil ich absolut ins Kind gerutscht war, und dem quälenden Wartemodus unterworfen. Ob ich den jemals in den Griff bekomme, weiß ich nicht.
Aber ich schreibe heute, um von der gestrigen TT zu sprechen.
In den Vorgesprächen wurde klar, dass ich schon gut die innere Kindarbeit hinkriege. Ich solle mehr was für die Erwachsene tun. Ups, da stand ich nun, und wusste nicht wie. Egal erstmal. Ich hatte jedenfalls den Mut, mir eine halbe Stunde nach der TT einen heißen Kakao aufs Zimmer bringen zu lassen. Und ich lehnte diesmal nicht die stündlichen Besuche der Schwestern ab. Mir ging es viel zu schlecht, und ich fühlte, dass es mir helfen konnte. Und das tat es tatsächlich!
Egal, ob ich draußen beim Rauchen war, oder im Bett lag, die Schwestern fanden mich, sprachen mit mir, machten Vorschläge zur Stabilisierung. Und das stündlich! Das ist hier auf dieser Station so üblich und soll uns Patienten eine Sicherheit verschaffen gegen die inneren Ängste und Flashs.
Und echt, zum ersten Mal konnte ich diese Fürsorge annehmen! Wenn auch noch mit Scham, aber ich konnte es. Und mehrmals ist es mir auch passiert, dass ich vor lauter Rührung weinen musste. Ich kannte das nicht. Woher sollte ich wissen, wie es sich anfühlt, dass da immer wieder jemand nach mir schaut, weil er weiß, dass es mir schlecht geht? Ich habe so etwas noch nie erlebt.
Noch nie!!!!!!!!
Nun, bestimmt auch, weil ich als Große bisher immer davor ausgerissen bin in meinem Leben.
Der absolute Oberhammer kam dann am Abend. Beim Schwesterntreff vor der Vorlesezeit um 21 Uhr 30 machten wir aus, dass wir (noch eine Patientin) in der Küche noch einen leckeren heißen Kakao machen wollen.
Jedenfalls kommen wir kaum aus dem Vorleseraum raus, da kommt uns schon die Nachtschwester mit einem Tablett entgegen und fragt: „Wohin?“ Ab in mein Zimmer! Stellt euch vor, sie hat uns nicht nur schon den Kakao gemacht, sondern uns jedem ein Tellerchen serviert mit lecker Bonbons drauf. Uhhu, da kullerten mir die Tränen vor Glück. Ich saß auf meinem Bett und schlürfte den Kakao, die Mitpatientin und die Schwester je auf einem Stuhl und wir schwatzten. Mitten in der Nacht!!
Hallo? Ich krieg einen Gute-Nacht-Kakao ans Bettchen!!! Und einen Nachthüpfer!!!! Wie süß ist das denn?
Oh Leute, ich kann euch sagen, so liebevoll umsorgt habe ich mich noch nie gefühlt.
Und langsam dämmert es mir, was Zuwendung bedeutet, und was das Annehmen in mir auslösen kann! Da steigt eine kleine Sicherheit in mir auf, die mir sagt, dass ich keine Angst haben muss!
Sich nicht für die dick verquollenen Augen schämen, sich nicht für Tränen schämen, Beistand erlauben… puh, ist ne gute Sache.
Ich denke gerade: Wieso konnte ich das so gut für meine Tochter tun, aber nie irgendwie auf meine Person beziehen? Wieso kann ich geben, was ich nicht kenne? Und wieso schaffte ich das Nehmen nicht, wenn es mal kam?

Trost von außen zulassen lernen?

30. Juni 2013

30.6.13

So richtig komme ich nicht zur Ruhe merke ich. Immer wieder wollen junge Mitpatienten beschäftigt werden. So finde ich kaum Zeit für mich zum Nachdenken oder Schreiben. Oft seile ich mich dann ab von der Gruppe, habe aber ein schlechtes Gewissen dabei. Schaffe es aber nicht, das Gelände zu verlassen, um mal Stille um mich zu haben. Immer öfter frage ich mich, ob ich verlernt habe, mit den Menschen um mich herum über Stunden klar zu kommen. Ups, merke, dass ich die Antwort ja schon kenne. Ich schaffe es nicht mehr über Stunden.
Zur ersten TT (Traumatherapiestunde mit EMDR) ist nur so viel zu erwähnen, dass ich danach noch stundenlang in dem „Verlassen worden sein Modus“ fest hing. Immer wieder scheitere ich gefühlsmäßig an der Tatsache, dass ich als Kind nie einen Menschen hatte, an den ich mich mal anlehnen konnte, zu dem ich hätte gehen können zum Reden. Da war nie jemand in den Jahren der mich getröstet hat, mal in den Arm genommen hat. Nie! Und bei den Prügeleien kam hinzu, dass ich mich noch mehr verlassen fühlte, weil die Geburtsfrau nie eingegriffen hat. Sie hörte die Schreie, mein Weinen… hörte und hörte weg. Ich kenne keinen Trost, keinen Schutz. Und dann sehe ich immer ihren wütenden Blick, der mir deutlich machte, wie sehr ich den Familienfrieden störte. Ich, das Kind! Dieser hasserfüllte Blick von ihr, Szenen am Esstisch werden Morgen beim TT das Thema sein.
Denn ich ertrage nicht mehr diese Einsamkeit und das Schreien um Beistand in mir. Will endlich dieses Fühlen nicht mehr in mir haben, das von den Säuglingen schon kommt, von den Kleinkindern und den Jugendlichen. Es ist so ein körperzerreißender Schmerz, der mich von Jahr zu Jahr immer mehr entkräftet.
Nach der letzten TT haben sich die Schwestern rührend um mich gesorgt, obwohl ich die meiste Sorge ablehnte. Woher soll ich für mich annehmen können, dass ich der Fürsorge wert bin? Habe versucht, das Meiste mit mir allein auszumachen, wie schon immer. Bis mir dann eine Schwester eindeutig klar machte, dass das Annehmen der Fürsorge auch ein Lernprozess sein muss von mir. Dass ich in mein Bewusstsein verankern lerne, dass nun Menschen für mich da sind, und dass ich mich nicht dafür schämen muss. Uh, das war wohl das Schwerste und wird es bleiben, denke ich.

Die Arbeit mit den inneren Kindern habe ich gut geschafft, habe sie getröstet, ihnen laut vorgelesen. Heute habe ich schon ein neues Kinderbuch daliegen für Morgen. Man kann sich selbst Kleinkindbücher hier auf Station geben lassen … das ist total lieb!

Jedenfalls war ich nach der TT dann einen ganzen Tag voll im Einsamkeitsloch, alle Kinder, und die Sehnsucht war so riesig nach Engelchen, die uns so angenommen hat. Sie ist sooooo weit weg und alles hat geweint nach ihr. Nun hoffe ich, dass ich es Morgen besser hinkriege, mich beständiger da raus zu holen.

Und immer öfter hinterfrage ich auch die Tatsache, dass da ein Mensch den Kindern Halt gibt, aber ist sich dieser Mensch überhaupt der Tragweite bewusst? Sicher ist mir klar, dass ich eine neue Erfahrung machen soll mit VERTRAUEN, und ich mache sie auch immer mehr. Aber wie kann man denn im Voraus wissen, wie lange die Kleinen diesen Halt brauchen und suchen bei ihr? Oh Schreck, echt, was, wenn es Jahre dauern würde? Was, wenn Engelchen es satt hat mit uns irgendwann? Oder ist ihr die Tatsache vorher bewusst gewesen? Ich weiß es echt nicht. Ich weiß nur, dass immer wieder die Scham aufsteigt bei so viel Anhänglichkeit und Liebebedürftigkeit von uns. Dazu die Angst, sich aufzudrängen, zu viel zu sein! Immer das alte Lied, ich weiß. Kann aber nicht anders fühlen in der Angst vor Ablehnung. Ob ich diese Angst irgendwann mal durch die Therapien loswerde? Nichts sehnlicher wünsche ich mir!!! Es kann doch nicht sein, so alt zu werden, und noch immer sehnsuchtsvoll wie ein Kind zu sein. Uhhhhu, höre grade im Kopf wieder alle Theras: „Doch, das dürfen sie.“ Ha, ist so leicht gesagt. Besonders wenn es mir immer wieder jemand von innen verbietet!
Also die morgige TT behandelt das Thema Ablehnung durch die Geburtsfrau … was mich am meisten belastet schon immer. Nun hoffe ich, dass ich es Morgen besser schaffe, den Kindern die Zuwendung von den Krankenschwestern zuzugestehen. Ist schon echt heftig, hinter Güte nicht die Gefahr wittern zu wollen. Puh, merke gerade, dass da wer von uns weinen will. Süße, du darfst – später – will schreiben, ja? Okay, klappt nicht -Spannung steigt- Leute, ich höre auf für heute und berichte dann später mehr über die zweite TT. Machts gut.


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