Archive for the ‘EMDR-Verfahren / Prof.U.Sachsse /Herbold-Schaar’ Category

Für wen ist EMDR geeignet?

31. Mai 2016

Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) wurde in den 80er Jahren von Francine Shapiro als traumazentrierte Psychotherapie entwickelt. Heute wird die Methode zur Behandlung einer PTBS nicht isoliert, sondern meist im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans (Berger, 2004) angewendet.

Einsatz findet sie sowohl bei akuten Monotraumata wie Unfällen, Gewalterfahrungen, Vergewaltigungen etc., als auch bei traumatischen Erlebnissen, die bereits einige Jahre zurückliegen.

Es sollte abgeklärt werden, ob nicht auch gleichzeitig eine dissoziative Störung vorliegt, da hierbei der Klient durch EMDR retraumatisiert werden kann, d.h. nur überschwemmt von angstmachenden Bildern und Gefühlen.

Bei der Traumabearbeitung ist es wichtig darauf zu achten, dass Betroffene ausreichend stabilisiert sind, um sich mit den Erinnerungen und den dazugehörigen Beschwerden (PTBS , Akute Stressreaktion ) konfrontieren zu können.

Ein zu früh begonnene und nicht ausreichend professionell durchgeführte Konfrontation kann zu einer Retraumatisierung führen.

 

image

EMDR = Eye Movement Desensitization and Reprocessing

30. Mai 2016

Zitat aus dem Netz:

„Eye Movement Desensitization and Reprocessing, kurz EMDR, ist eine von Francine Shapiro in den USA entwickelte Behandlungsmethode für Trauma-Betroffene aus dem Bereich der Psychotraumatologie.

Bei EMDR regt der Therapeut den Patienten nach strukturierter Vorbereitung zu bestimmten Augenbewegungen an, wodurch es möglich werden soll, unverarbeitete traumatische Inhalte zu verarbeiten.

Inhaltsverzeichnis

1 Abgrenzung

2 Entstehung

3 Wirkungsweisen und Hintergründe

4 Ablauf

5 Gefahren

6 Wissenschaftliche Anerkennung
1. Abgrenzung

Trotz oberflächlicher Ähnlichkeit, etwa durch die angeleitete Augenbewegung, ist EMDR nicht mit Hypnose zu verwechseln. Es soll keine Veränderung des Bewusstseinszustandes, sondern vielmehr eine Integration der mit dem Trauma verbundenen Emotionen und Empfindungen erreicht werden.

2. Entstehung

Francine Shapiro hatte die Idee zur Erprobung und Untersuchung dieser Methode zufällig beim Spazierengehen im Park. Sie bewegte die Augen hin und her und erlebte eine deutliche Entlastung von Ängsten und depressiven Gedanken im Zusammenhang mit der bei ihr diagnostizierten Krebserkrankung.

3. Wirkungsweisen und Hintergründe

Nach einem Trauma kann es zum sogenannten „Sprachlosen Entsetzen“ (speechless terror) kommen, d. h. in der rechten Hirnhälfte werden Bilder prozessiert, die der Patient vor Augen hat, während das Sprachzentrum aktiv unterdrückt wird. Der Patient kann das Geschehene so nicht in Worte fassen, wodurch nachfolgend eine Verarbeitung des Erlebten erschwert wird. Es gibt bereits eine Vielzahl von Studien, die die Wirksamkeit von EMDR belegen und versuchen, die Wirkungsweise zu ergründen. Es wird angenommen, dass durch die bilaterale Stimulation mittels bestimmter Augenbewegungen (oder auch akustischen oder taktilen Reizen), eine Synchronisation der Hirnhälften ermöglicht wird, die bei der posttraumatischen Belastungsstörung gestört ist. Erklärend wird auch Bezug genommen auf eine Schlafphase, bei der starke Augenbewegungen stattfinden und zugleich ein erhöhter Verarbeitungsmodus des im Alltag Erlebten vermutet wird.

4. Ablauf

Das eigentliche Durcharbeiten der belastenden Inhalte, durch Augenbewegungen oder andere Stimulationsarten, ist dabei ein recht später Schritt im Therapiemanual.

Anamnese:

Zunächst muss eine genaue Anamnese erhoben werden, bei der z. B. die traumakompensatorischen Bewältigungsversuche des Patienten erfragt werden. Auch muss zuvor abgeklärt werden, ob gleichzeitig eine sogenannte dissoziative Störung vorliegt (hierbei werden Teile des eigenen Erlebens ausgeblendet/aktiv unterdrückt).

Stabilisierung:

Die Stabilisierungsphase dauert je nach Lage der Ressourcen oft sehr lange. Besonders bei einer dissoziativen Störung muss als vorrangiges Therapieziel zunächst eine Grundstabilisierung des Patienten erreicht werden, die die Fähigkeit des Patienten stärkt, sich der Traumathematik vorsichtig und dosiert zu nähern und sich vor einer möglichen ungesteuerten „Überflutung“ mit belastendem Erinnerungsmaterial aktiv zu schützen.

Auch hierbei kann EMDR hilfreich sein, z. B. durch eine mittels angeleiteter Augenbewegung erfolgreichen Verankerung positiver Imagination wie „der innere sichere Ort“ oder „der innere Tresor“ nach Dr. Luise Reddemann.

Bewertung:

Einer einzelnen ausgewählten Erinnerung, also einem „einzelnen Bild“, das den belastetsten Teil einer Traumathematik darstellt, wird vom Patienten eine aktuell zutreffende negative Kognition, (z. B. „ich bin hilflos“) zugewiesen sowie auch eine positive, die er in Zukunft damit verbinden möchte (z. B. „ich kann heute etwas tun“ – was dann als eine Ressource zu verstehen ist). Die an dieser Stelle eingeschätzte Belastung der Situation soll im folgenden Bearbeitungs-Prozess sinken.

Desensibilisierung:

In dieser Phase wird die Traumabearbeitung durch die Augenbewegungen begleitet. Während an die Traumathematik gebundene Energie freigesetzt wird, kommt es häufig zu unterschiedlichsten sogenannten Abreaktionen (wie z. B. Weinen, heftiges Atmen, Übelkeit u. a.), die erinnerte Situation verliert so ihre emotionale Aufladung.

Zur Bearbeitung einer Traumathematik sind meistens mehrere EMDR-Sitzungen nötig. Einflechten von sogenannten Ressourcen z. B. „hilfreiche innere Wesen“ oder „ideale innere Eltern“, die zuvor z. B. mit Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie installiert wurden unterstützt oftmals diese Phase.

Verankerung:

Empfindet der Patient bei der erinnerten Situation keine Belastung mehr, wird die positive Kognition nochmals überprüft und mit Augenbewegungen verankert.

Körper-Test:

Alle Missempfindungen zur erinnerten Situation sollten bei einem kompletten Abschluss der Sitzung verschwunden sein.

Abschluss:

In der Besprechung zum Abschluss der Sitzung wird der Patient auf das „Nachprozessieren“ (z.B. in Träumen) hingewiesen. Es bringt eventuell neues Material für weitere Sitzungen hervor und sollte in einem Tagebuch festgehalten werden.

5. Gefahren

Die Behandlung dissoziativer Störungen sollte erfahrenen Traumatherapeuten vorbehalten bleiben, da der Patient sonst gefährdet ist, im Zuge der Behandlung retraumatisiert zu werden, das hieße, erneut überschwemmt zu werden mit den angstmachenden Gefühlen. Der Patient würde dann die auslösende Situation ungeschützt noch einmal durchleben. Dann würde die Traumatherapie mehr schaden als nutzen: die Symptome könnten sich vertiefen – möglicherweise in bedrohlichem Ausmaß, eine weitere Behandlung wäre erschwert. Eine sorgfältige Vorbereitung und Abklärung von Komorbiditäten (gleichzeitig vorliegender anderer Erkrankungen) ist bei der Traumatherapie also sehr wichtig.

Wichtig ist auch die Abklärung der damaligen Bewältigungsstrategien des Traumas, da auch diese durch das EMDR getriggert werden. Wenn z. B. damals nach dem erlebten Trauma suizidale Tendenzen bestanden, können diese auch nach der EMDR-Sitzung reaktiviert werden, über diese Verbindung muss der Patient vorher aufgeklärt werden.

6. Wissenschaftliche Anerkennung

Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie verabschiedete in der Sitzung vom 6. Juli 2006 ein Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen. Gemäß diesem Gutachten kann die EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen bei Erwachsenen als wissenschaftlich anerkannt gelten.“

Spezialstation PTBS – EMDR Therapie Göttingen Asklepiosklinikum

7. Februar 2016

Leider muss ich im Voraus sagen, dass alle Persönlichkeitsstörungen, deren PTBS behandelt werden soll, dort gut aufgehoben sind, außer die der Dissoziativen Identität (multiple Persönlichkeit)!!!!!!!
Zwar wird dort super mit dem inneren Kind gearbeitet, aber Erfahrungen im Umgang mit Multiplen hat dort keiner wirklich. In Krisen wurde ich dort nicht bestmöglich versorgt, weil das Personal nicht den Unterschied kennt zwischen dissoziativem Symptom und Switch. Teilweise verschlimmerte sich dadurch mein Zustand.

Aber diese Station ist wirklich super geeignet für jedwede posttraumatische Belastungsstörung! (außer DISS)

image

Man hat als Patientin einen Schlüssel, der für das eigene Zimmer und beide Stationseingänge ist. D.h. zum Einem, dass man jederzeit die Station verlassen kann bis 22 Uhr, und zum Anderen, dass die Stationstüren sich stets allein schließen, damit kein Stationsfremder Zutritt hat.
Zusätzlich ist der Zimmerschrank abschließbar.
Die Hälfte der Zimmer gehen mit Terrassentür in den Garten (eingezäunt), es gibt ausreichend Gartenstühle und Tische.
Eine riesige überdachte Terrasse mit Sitzgruppe für Raucher und Tischtennisplatte lässt einen auch schlechtes Wetter vergessen.

imageimage

EMDR – Therapieform bei posttraumatischen Belastungsstörungen

7. September 2013

Genau auf diese Art habe ich EMDR auf der Traumastation  erlebt!

Nun, Ergebnisse kann ich noch nicht fühlen, da ich erst ganz am Anfang stehe! (4 Intervalle folgen noch)

Dieser Text ist aus dem Internet gefischt. Ist so klar und einfach erklärt, dass ich nicht von meinen Erleben reden muss. Dies hier ist für jeden Laien verständlich. Und ich kann im Moment nicht gut schreiben oder nachdenken. Mir geht es zu schlecht.

EMDR = Eye Movement Desensitization and Reprocessing

Eye Movement Desensitization and Reprocessing, kurz EMDR, ist eine von Francine Shapiro in den USA entwickelte Behandlungsmethode für Trauma-Betroffene aus dem Bereich der Psychotraumatologie.

Bei EMDR regt der Therapeut den Patienten nach strukturierter Vorbereitung zu bestimmten Augenbewegungen an, wodurch es möglich werden soll, unverarbeitete traumatische Inhalte zu verarbeiten.

Inhaltsverzeichnis
1 Abgrenzung
2 Entstehung
3 Wirkungsweisen und Hintergründe
4 Ablauf
5 Gefahren
6 Wissenschaftliche Anerkennung

1. Abgrenzung
Trotz oberflächlicher Ähnlichkeit, etwa durch die angeleitete Augenbewegung, ist EMDR nicht mit Hypnose zu verwechseln. Es soll keine Veränderung des Bewusstseinszustandes, sondern vielmehr eine Integration der mit dem Trauma verbundenen Emotionen und Empfindungen erreicht werden.

2. Entstehung
Francine Shapiro hatte die Idee zur Erprobung und Untersuchung dieser Methode zufällig beim Spazierengehen im Park. Sie bewegte die Augen hin und her und erlebte eine deutliche Entlastung von Ängsten und depressiven Gedanken im Zusammenhang mit der bei ihr diagnostizierten Krebserkrankung.

3. Wirkungsweisen und Hintergründe
Nach einem Trauma kann es zum sogenannten „Sprachlosen Entsetzen“ (speechless terror) kommen, d. h. in der rechten Hirnhälfte werden Bilder prozessiert, die der Patient vor Augen hat, während das Sprachzentrum aktiv unterdrückt wird. Der Patient kann das Geschehene so nicht in Worte fassen, wodurch nachfolgend eine Verarbeitung des Erlebten erschwert wird. Es gibt bereits eine Vielzahl von Studien, die die Wirksamkeit von EMDR belegen und versuchen, die Wirkungsweise zu ergründen. Es wird angenommen, dass durch die bilaterale Stimulation mittels bestimmter Augenbewegungen (oder auch akustischen oder taktilen Reizen), eine Synchronisation der Hirnhälften ermöglicht wird, die bei der posttraumatischen Belastungsstörung gestört ist. Erklärend wird auch Bezug genommen auf eine Schlafphase, bei der starke Augenbewegungen stattfinden und zugleich ein erhöhter Verarbeitungsmodus des im Alltag Erlebten vermutet wird.

4. Ablauf
Das eigentliche Durcharbeiten der belastenden Inhalte, durch Augenbewegungen oder andere Stimulationsarten, ist dabei ein recht später Schritt im Therapiemanual.

Anamnese:
Zunächst muss eine genaue Anamnese erhoben werden, bei der z. B. die traumakompensatorischen Bewältigungsversuche des Patienten erfragt werden. Auch muss zuvor abgeklärt werden, ob gleichzeitig eine sogenannte dissoziative Störung vorliegt (hierbei werden Teile des eigenen Erlebens ausgeblendet/aktiv unterdrückt).

Stabilisierung: 
Die Stabilisierungsphase dauert je nach Lage der Ressourcen oft sehr lange. Besonders bei einer dissoziativen Störung muss als vorrangiges Therapieziel zunächst eine Grundstabilisierung des Patienten erreicht werden, die die Fähigkeit des Patienten stärkt, sich der Traumathematik vorsichtig und dosiert zu nähern und sich vor einer möglichen ungesteuerten „Überflutung“ mit belastendem Erinnerungsmaterial aktiv zu schützen.
Auch hierbei kann EMDR hilfreich sein, z. B. durch eine mittels angeleiteter Augenbewegung erfolgreichen Verankerung positiver Imagination wie „der innere sichere Ort“ oder „der innere Tresor“ nach Dr. Luise Reddemann.

Bewertung:
Einer einzelnen ausgewählten Erinnerung, also einem „einzelnen Bild“, das den belastetsten Teil einer Traumathematik darstellt, wird vom Patienten eine aktuell zutreffende negative Kognition, (z. B. „ich bin hilflos“) zugewiesen sowie auch eine positive, die er in Zukunft damit verbinden möchte (z. B. „ich kann heute etwas tun“ – was dann als eine Ressource zu verstehen ist). Die an dieser Stelle eingeschätzte Belastung der Situation soll im folgenden Bearbeitungs-Prozess sinken.

Desensibilisierung: 
In dieser Phase wird die Traumabearbeitung durch die Augenbewegungen begleitet. Während an die Traumathematik gebundene Energie freigesetzt wird, kommt es häufig zu unterschiedlichsten sogenannten Abreaktionen (wie z. B. Weinen, heftiges Atmen, Übelkeit u. a.), die erinnerte Situation verliert so ihre emotionale Aufladung.
Zur Bearbeitung einer Traumathematik sind meistens mehrere EMDR-Sitzungen nötig. Einflechten von sogenannten Ressourcen z. B. „hilfreiche innere Wesen“ oder „ideale innere Eltern“, die zuvor z. B. mit Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie installiert wurden unterstützt oftmals diese Phase.

Verankerung: 
Empfindet der Patient bei der erinnerten Situation keine Belastung mehr, wird die positive Kognition nochmals überprüft und mit Augenbewegungen verankert.

Körper-Test: 
Alle Missempfindungen zur erinnerten Situation sollten bei einem kompletten Abschluss der Sitzung verschwunden sein.

Abschluss: 
In der Besprechung zum Abschluss der Sitzung wird der Patient auf das „Nachprozessieren“ (z.B. in Träumen) hingewiesen. Es bringt eventuell neues Material für weitere Sitzungen hervor und sollte in einem Tagebuch festgehalten werden.

5. Gefahren
Die Behandlung dissoziativer Störungen sollte erfahrenen Traumatherapeuten vorbehalten bleiben, da der Patient sonst gefährdet ist, im Zuge der Behandlung retraumatisiert zu werden, das hieße, erneut überschwemmt zu werden mit den angstmachenden Gefühlen. Der Patient würde dann die auslösende Situation ungeschützt noch einmal durchleben. Dann würde die Traumatherapie mehr schaden als nutzen: die Symptome könnten sich vertiefen – möglicherweise in bedrohlichem Ausmaß, eine weitere Behandlung wäre erschwert. Eine sorgfältige Vorbereitung und Abklärung von Komorbiditäten (gleichzeitig vorliegender anderer Erkrankungen) ist bei der Traumatherapie also sehr wichtig.
Wichtig ist auch die Abklärung der damaligen Bewältigungsstrategien des Traumas, da auch diese durch das EMDR getriggert werden. Wenn z. B. damals nach dem erlebten Trauma suizidale Tendenzen bestanden, können diese auch nach der EMDR-Sitzung reaktiviert werden, über diese Verbindung muss der Patient vorher aufgeklärt werden.

6. Wissenschaftliche Anerkennung
Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie verabschiedete in der Sitzung vom 6. Juli 2006 ein Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen. Gemäß diesem Gutachten kann die EMDR-Methode zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen bei Erwachsenen als wissenschaftlich anerkannt gelten.

Stabilisierung des eigenen Selbst

1. Januar 2013

27.Juli 2012

Lange konnte ich mich nicht ans Tagebuch setzen. Zu viel Angst vor Erinnerungen.  Besser den Alltag irgendwie hinbekommen.

In der Therapie war der Ansatz:

Die Arbeit an den einzelnen Gefühlen, weil jedes Gefühl ein Teil von mir wäre.
Mir ist es enorm schwer gefallen, nicht mehr mit meinen wirklichen Anteilen zu agieren und zu arbeiten.

Hatte immer Probleme und kam nicht vorwärts.
Bis ich begriff: Fast ein Jahr lang hatte ich  meine Kinder eingesperrt, denn so, wie sie waren, passten sie ja nicht in die Therapiearbeit rein.

Das war unlösbar für mich, denn keines meiner Kleinen besteht aus nur einem Gefühl.

Trotz aller Bemühen von mir, ging nichts voran, bis zu dem Tag wo ich mich entschloss, meine Kleinen wieder ins Leben zu lassen.
Schließlich sind sie meine Gefühle und mein Leben.
Habe also der Therapeutin gesagt, dass mein Weg ein anderer sein muss, als der, die Kleinen wegzusperren.
Sie war sofort einverstanden, weil meine Argumente selbst ihr einleuchteten. Und sie betonte, dass ich aktiver meine Meinung zum Therapieverlauf äußern sollte. Das wäre sehr wichtig. So war ich froh, den Mut zur Offenheit gehabt zu haben.

Am Ende der Therapiestunde habe ich (ein von ihr noch nicht studiertes) Fachbuch bekommen:

„Das sogenannte innere Kind“

von Dr. Willy Herbold und Prof.Dr. Ulrich Sachsse

Der Beitrag darin von Ralf Bolle kam bei mir nicht gut weg.

Ich äußerte meiner Therapeutin gegenüber, dass diesen verwirrenden Text wirklich nur ein Therapeut begreift, wenn er sich seit Jahrzehnten mit diesem Thema schon beschäftigt hat. Wer also als Anfänger mit diesem Text konfrontiert wird, der wird ziemlich schnell das Handtuch werfen.  So viele Fachbegriffe in nur einem halben Satz, dazu die eingeforderten Vorkenntnisse . . .oh nein, das kann man keinem ungeübten Therapeuten zum Lernen geben.

Dagegen war ich von dem Artikel Vier Unterrichtseinheiten für Erwachsene mit Inneren Problemkindern

von Ulrich Sachsse beeindruckt.

So, wie der Therapeut seine Behandlungen ganz konkret schildert, fühlte ich mich beim Lesen sehr angenommen und glaube an gute Ergebnisse solch einer Herangehensweise.

Der beste Artikel in diesem Buch ist allerdings der von

Willy Herbold,

der über bewusst herbeigeführte Regressionen zur Beruhigung und Stabilisierung des eigenen Selbst spricht.
Die versuchte theoretische Erläuterung dafür ist schon sehr gut nachvollziehbar.
Und da steh ich mit meinen mittlerweile 10 Jahren Therapieerfahrungen, 10 Jahren Beschäftigung mit Fachliteratur, und bin erstaunt über die Logik, die sich mir sofort erschließt.
Willy Herbold hat recht:

Ob Säugling, Kleinkind oder älter, ich muss eine Technik gehabt haben, mich selbst zu beruhigen um überleben zu können.
Wenn in der Umwelt des Kindes nicht ein einziger Mensch war, bei dem das Kind positive Entwicklungsreize vermittelt bekam, dann muss es sich ja selbst durch Objekte eigener Wahl eine Subjektbefriedigung gesucht haben.
Was heißen soll: Durch irgendein Objekt in seiner Umgebung, und sei es der Lutschdaumen, hat es über die eigene subjektive Erfahrung das innere Selbst beruhigen können.

In der meisten Fachliteratur findet man nämlich den Gedanken, dass ohne Beruhigung vom Säuglingsalter an, also immer in subjektiver Todesangst, ein Kind nicht überleben würde.

Genau diesen Ansatz verwendet Willy Herbold. Er zeigt dann in seinen mit geschnittenen Therapiestunden auf, wie er die erwachsenen Probanden auf den Weg zur eigenen inneren Stabilisierung bringt.

Und all das hat bei mir einen Erinnerungsklick ausgelöst.
Was er mit den Patienten mühsam in den Therapiestunden erarbeitet, das wende ich schon seit Jahrzehnten automatisch bei mir an.
Ein Beispiel: In Buchläden stecke ich mindestens einmal meine Nase ganz tief zwischen die Buchseiten. Wenn dann ein ganz bestimmter Farbgeruch da ist, den ich aus meiner Kindheit kenne, dann durchflutet mich ein Wonnegefühl ungeahnten Ausmaßes. Ich strahle und kann nicht genug von dem Geruch kriegen. Schon deshalb bin ich seit 20 Jahren auf der Suche nach all meinen Lieblingsbüchern aus der Kindheit. Es wird sofort gekauft und dann, irgendwann zuhause setzte ich mich hin und lese es. Selbst wenn es nur ein Bilderbuch ist. Aber ich gestalte es als Ritual und genieße dieses aufsteigende Gefühl der Ruhe und Sicherheit.

Die Fachsprache würde das ganze Skill nennen.
Vor meinen Bekannten benutze ich selbstverständlich oft die Ausrede, dass ich schon für meinen noch nicht vorhandenen Enkel kaufe, manchmal aber bin ich auch ehrlich und sage, dass es für mich ist.

Wenn ich nun hinter diese Selbstberuhigung sehe, dann erinnere ich mich, dass ich als Kind durch Bücher in meine eigene Welt geflüchtet bin. Konnte ausblenden was um mich herum war, die Ängste mal sein lassen und einfach atmen.

Ich könnte jetzt ohne Unterlass einen Skill dieser Art nach dem anderen aufzählen;  gut, dass ich diese habe.

Noch etwas zu meinen Therapieerfahrungen.

Es ist angenehm zu bemerken, dass die Fachwelt mehr und mehr die Arbeit mit dem Inneren Kind zur Akzeptanz bringt.

Aber mir persönlich ist klar geworden, dass man mir als Erwachsenen schlecht sagen kann: Dann setzen sie sich doch mal mit ihrem inneren Kind hin und malen. Ist zwar richtig, ich fühle die Akzeptanz meiner inneren Abspaltungen, aber gleichzeitig fühle ich mich nicht ernst genommen.
Klingt jetzt widersprüchlich, das weiß ich, aber es nützt ja nichts, wenn dadurch sich in mir eine innere Abwehr aufbaut.
Skills werden stets so resolut dargestellt als Hilfe, nicht in alte Gefühle der Vergangenheit zu rutschen, bzw. sich da schnell wieder rauszuholen.

Dass Skills aber dazu dienen können, sich mal einen ausgewählten Moment richtig wohl zu fühlen, scheißegal mit welchem gefühlten Alter, dass wurde mir in den vielen Jahren nicht nahe gebracht.
Ich glaube gerade deshalb fasziniert mich der Fachartikel von Willy Herbold so.

Er sagt also nicht, beruhigen sie ihr inneres Kind, sondern er sagt:

„Erinnern sie sich, was ihnen früher gut getan hat und probieren sie es heute aus.“

Wenn man also beide Dinge den Patienten klarer in den Zusammenhang bringt, ihnen das erläutert, dann glaube ich, dass es der beste Weg wäre.

Wie ich auf diese Aussage komme?

Nun, ich denke, dass Menschen mit schweren Persönlichkeitsstörungen nur deshalb noch leben, weil sie ihr Leben lang ihre eigenen „Therapeuten“ waren.
Das meiste von dem läuft unbewusst ab.

Aber wenn ein guter Therapeut diese Tricks zu Überleben genau hinterfragt, sie dann kennt, dann wäre dies eine Lebenshilfe, Nützliches wieder zu aktivieren und ins Bewusstsein zu holen, und Schädigendes auf medizinischer, psychiatrischer und neurologischer Basis zu erklären und mit dem Patienten abzubauen.


%d Bloggern gefällt das: